Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik
Sagen und Mythen sind nicht das, was man am grünen Tisch als phantastische Theorien auslegt. Was sind Sagen und Mythen? Es sind die Überbleibsel alter hellseherischer Erlebnisse der Vorfahren. Das ist eine Tatsache. Unsinn ist es, wenn heute behauptet wird, irgendein Mythos bedeute einen Kampf eines Volkes mit einem anderen. Die Gelehrten sprechen von dichtender Volksphantasie; sie sollten das Volk nur kennenlernen, ob es Wolken umdichtet zu Göttergestalten. Das macht man den Leuten vor; das ist Phantastik, Träumerei. Wie Mythen entstehen, davon können sie sich heute noch überzeugen. Heute noch gibt es lebende Sagen. Zum Beispiel in verschiedenen Gegenden gibt es die Sage von der Mittagsfrau. Sie erzählt uns: Wenn irgendwelche Landleute des Mittags auf dem Felde bleiben, anstatt die Feldarbeit zu unterbrechen und nach Hause zu gehen, dann kommt die Mittagsfrau und gibt ihnen Fragen auf. Können sie sie nicht beantworten bis zu einer gewissen Stunde, dann würgt sie sie. - Wer würde da nicht das Bild eines Traumes sehen, der den Menschen draußen befällt, wenn er in der Sonnenhitze liegen bleibt. Der Traum ist der letzte Rest des damaligen Bewußtseins. Da sehen wir, wie heute noch die Sage aus dem Traum heraus entsteht.