Richard Wagner und sein Verhältnis zur Mystik
Das war eine wichtige Zeit, jener Übergang aus dem allgemeinen Bewußtsein zu dem Einzelbewußtsein. Diesen Umschwung will der Lohengrin-Mythos charakterisieren. Wir sehen, wie es die Zeit ist, in der ein neuer Geist sich losringt aus dem alten. Zwei Zeitengeister stehen gegeneinander. In den zwei Frauen, die im Streit liegen, sind sie dargestellt. Elsa, das Weibliche, ist immer das, was uns die nach dem Höchsten ringende Seele darstellt. Nicht jene banalen Auslegungen gelten von Goethes Worten im «Chorus mysticus»: «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan»; aus tiefster Mystik ist das herausgeschrieben. Die Seele muß sich befruchten lassen von den großen Ereignissen, durch die neue Prinzipien in die Entwicklung hineinkommen. Was hineinkommt, wird dargestellt in den Eingeweihten, die von wichtigen Stätten herkommen. Hier spricht die Geisteswissenschaft von vorgeschrittenen Individualitäten. Man wird immer gefragt: Warum zeigen sich diese nicht? — Würden sie sich zeigen, man würde sie nicht anerkennen. Man würde sie fragen nach ihrem gewöhnlichen bürgerlichen Namen und Stand. Das ist aber für den, der aus den geistigen Welten heraus wirkt, das Unbedeutendste. Denn der, welcher als Eingeweihter die Geheimnisse zu künden hat, der ist so weit erhaben über das, was Geburt, Name, Stand, Beruf ist, daß es Unsinn ist, ihn darum zu fragen. Wo solche Fragen an ihn herantreten, ist das Verständnis für seine tiefe Mission so weit entfernt, daß Trennung eintreten muß.