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GA 246 — 4 February 1911, Elberfeld

Zusammenhang Des Lebens In Der Physischen Welt Mit Dem Dasein In Der Astralen Welt Und Im Devachan

Wenig verstanden wird der Zusammenhang zwischen unserer physischen Welt und den Nachbarwelten. Der Blick ist beschränkt auf die Welt der Sinne und des Verstandes. Wer sich nicht gern darum kümmert, fragt: Warum soll ich mich um andere Welten kümmern? Je besser wir wirken in dieser Welt, umso besser für nachher. Andere sagen: Leute anderer Art, Pfarrer und so weiter, kümmern sich darum. Und sie lassen andere sorgen.

Beweise dafür, nämlich für das, was man von den anderen Welten vorbringt, werden nicht geglaubt, es lässt sich ihnen nicht nachweisen. Es ist bedeutungsvoll, wie der Mensch in der physischen Welt steht, im Zusammenhang mit seinem Schicksal in der astralen Welt und im Devachan.

Von drei Seelenkräften - Denken, Fühlen und Wollen - hängt das Schicksal nach dem Tode ab. Der Wille im gewöhnlichen Leben dient nur der Befriedigung von persönlichen Bedürfnissen. Viele Gedankenkräfte werden verwendet auf materielle Bedürfnisse. Ein anderer Wille geht darüber hinaus, wodurch nicht Persönliches gewollt wird. Was aus der geistigen Welt kommt, ändert den Willen ganz. Nur so können wir den Menschen helfen, dass Geistiges in die Seelen kommt. Dann tun wir den Willen der Götter, der geistigen Wesen! Es kommt darauf an, den Willen der Götter zu wollen.

Ein mitleidsvoller Millionär macht die Menschen oft schlechter, weil er nicht auf die Seelen derer eingehen kann, denen er etwas zuwenden will. Durch Vereine ist Hilfeleistung möglichst bequem, bequemer als unmittelbar Elend anzuschauen. Von der Art, wie der Wille wirkt, hängt ab die Gesellschaft, worein wir nach dem Tode versetzt werden. Leben wir nur, um Ehrgeiz und Persönliches zu befriedigen, dann kommen wir im Kamaloka zusammen mit Wesenheiten niedriger Art. Das wird Qual und Pein für uns. Es ist ein Bann, der uns zwingt, in dieser Gesellschaft zu bleiben. Sind wir aber hingegeben an Ideen und Tendenzen der geistigen Welt, dann kommen wir nach dem Tode mit höheren Wesen zusammen.

Schwer ist es für den Geistesforscher, nach dem Tode diese oder jene Persönlichkeit zu finden; mit Widerwillen steigt er in die niederen Regionen. Unser Wille bestimmt namentlich in den Anfangszeiten unsern Aufenthalt im Kamaloka. Große historische Persönlichkeiten mit nur persönlichem Ehrgeiz und Drang von Sympathien und Antipathien sind nach dem Tode eingeengt mit den niedrigsten Wesen der furchtbarsten Art. Wären sie nur dem ausgesetzt, der Eingeengtheit, dann hätten sie sich den Weg versperrt zur weiteren Entwicklung — was eigentlich nicht einmal geht —, der Mensch ist dazu noch nicht böse genug. Er kann in späteren Zeiten sein Schicksal verbessern. Das geistige Weltenkarma gibt noch die Gelegenheit, etwas davon zu empfinden, wie man eingeengt sein kann. So werden wir vor dem Tode in die Einsamkeit gebracht.

In anderer Weise bestimmt der Mensch sein Schicksal durch Denkvorstellungen. Wir haben Begriffe nur von dem, was in der physischen Welt ist - unser Zeitalter drängt dahin. Am liebsten möchten sie den Herrgott in physischer Gestalt sehen, alles wollen sie nur in der physischen Welt haben. Lichtbilder lenken die Augen auf Physisch-Sinnliches. Sie wollen sehen, etwas ergreifen.

Der Mensch liest in der Geheimwissenschaft von Saturnwärme, Blutwärme. Der Materialist heftet sich nur an den physisch-sinnlichen Gegenstand. Selbst Götter könnten den Saturn nicht im sinnlichen Bilde darstellen (im Skioptikon). Saturn ist auch heute ein Wärmekörper. Auch Götter können Saturn nur versinnbildlichen durch das, was er gar nicht ist. So wird ein nur im Physischen denkender Mensch nach dem Tode zwar wissen, dass die geistige Welt da ist, aber ohne sie wahrzunehmen, in fortdauernder Finsternis, ohne Wahrnehmung davon. Aber übersinnliche Gedanken bilden die Organe, die geistige Welt wahrzunehmen, sonst wird der geistige Blick getrübt, verfinstert. Durch Lichtbilder wollen jetzt die Menschen für die Augen etwas haben, damit sie blind sind in der geistigen Welt. Dann wird der Mensch versenkt in die niedrige Welt, die er nicht einmal wahrnehmen kann. Das ist jene Einsamkeit, die wir auf der Erde nur annähernd kennen. Davon entsteht Furchtgefühl und Hass. Hass hat etwas Verzehrendes. So geht es Menschen, die nicht nachdenken wollen über die übersinnliche Welt.

Das Dritte ist das Fühlen. Das ist auch zweierlei in Menschen, die sich leiten lassen vom Körperlichen, angenehm oder unangenehm berührt sind von Dingen der sinnlichen Welt. Es gibt immer weniger Menschen, die etwas fühlen können für das, was über der sinnlichen Welt ist. Kunst in irgendeiner Form gibt ein Gefühl für das, was nicht unmittelbar mit der Sinneswelt zusammenhängt. Es gibt eine geistige Stimmung, die auf der Bühne nicht mitgeführt werden kann. Da ist sie auf abschüssiger Bahn. So kann man sich das Fühlen bewahren für das, was nicht in der sinnlichen Welt angeschaut werden kann. Klassische deutsche Dichter wecken Entzücken der geistigen Welt. Die realistische Kunst auf der Bühne gibt nur, was man sinnlich sehen kann. Die Bühne hat nur drei Wände, aber bei der realistischen Kunst tut man so, als ob vier wirkliche Wände da wären. [...] Überall ist das Gegenteil, um wahrer Kunst den Boden zu bereiten. Wahre Kunst ist ein Abdruck von der geistigen Welt, braucht aber nicht schematisch zu sein. Werke wie Raffaels Disputa und die Sixtinische Madonna sind Ausnahmen. Sie haben eine Ahnung von dem, was hinter dem Sinnlichen steht.

Die Schraubenlinie um den Blumenstiel: Der Merkurstab ist in jeder Blume. Auch Planeten schreiten vor in Schraubenlinien. Wenn nicht nur die Planeten wirken, sondern die Sonne selbst, so zaubert sie das Blühen hervor. So ist eine Blume ein Abbild des Makrokosmos, von den Geistern der Bewegung. Die Dynamis - Virtutes- sind in der einzelnen Pflanze. Linn& ordnete die Pflanzen nach den inneren Organen, er hatte noch eine Ahnung davon. Johanniskraut hat Staubfäden in drei Büscheln; Geisteskräfte wirken als Dreiheit. Die gelbe Blüte des Johanniskrauts hat lauter Lichtpunkte im Blatt. [...]

So kann man sich hineinfühlen in das Geistige, das vom Himmel herunterfließt, das Irdische durchlebt, durchleuchtet; es tritt auf in jedem einzelnen Stäubchen. So kann man sich erheben vom Bloß-Sinnlichen zum Geistigen.

Faust geht durch die ganze Bitterkeit des Haftens am Gemeinen, vom Genuss zur Begierde - aber auch umgekehrt, durch das Erheben in die geistige Welt. Schiller sagt in dem Gedicht «Die Künstler»: «Nur durch das Morgentor des Schönen dringst du in der Erkenntnis Land.» Und Goethe schreibt über Schiller: «Hinter ihm im wesenlosen Scheine, lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.» - Wer so Schönheit in geistiger Gestaltung zu fühlen gelernt hat, der hat viel getan.

In der «Geheimwissenschaft» sind Saturn- und Sonnenentwicklung verschieden geschildert, selbst in der Länge der Kapitel. Der Zusammenhang des Ganzen soll gefühlt werden. Ein gelehrter «Nichtwisser» fand Fehler im nicht gleichartigen Stil. Die Art der Darstellung ist künstlerisches Prägen der Erkenntnis. Die Art unseres Fühlens wird bestimmt durch sinnliche Bilder und durch das, was man nicht sieht: um Ideen auszubreiten in breiten Flächen. Davon hängt ab der Drang nach dem Tode, um durch eigne Kraft das Devachan bewusst zu betreten. Gefühle sollen auch nach konkretem Geistigen gehen. Viele Menschen sind stolz auf ihren Pantheismus. Das kommt von der Erziehung und aus der Gelehrsamkeit, von der Wissenschaft unserer Zeit, auch davon, wie man spricht vom allgemeinen Geist. Diese Menschen waren vielfach in Rothäuten inkarniert. - Hebbel hat in seinem Tagebuch die Geschichte vom Schüler, der Platon nicht verstand, weil [der Schüler] der reinkarnierte Platon war. - Gelehrte sind nicht wiederverkörperte Platons und Aristotelesse.

Pantheismus erinnert an den «Großen Geist» bei den Rothäuten. Das sind solche, die nicht Geistiges suchen in allen Gedanken, wie er sich besonders manifestiert. Man soll sich hineinleben in konkrete Gedanken, die die Gottheit hatte vor dem Erdenzustand, soll erglühen für die Schilderung von Saturn, Sonne, Mond; soll bei der Sonnenwärme empfinden ihre Herrlichkeit, in sich gepresst sein durch die Saturnwärme. Die Sonne ist wie Leben, das ersprießt nach allen Seiten. Sich verbreitende Sonne ist in der Sonnenschilderung in der Geheimwissenschaft. Durch Verinnerlichung und durch Egoismus beim Mond: Sinnigwerden und in der Sinnigkeit die Möglichkeit des Egoismus. Dann bereiten wir uns vor, nicht nur wie ein Sack gezogen zu werden, sondern durch Gefühl und Empfindungen für die geistige Welt. Dann schauen wir aus dem Kamaloka in den freien blauen Himmelsraum, durch die Ahnung vom Devachan, worein wir versetzt werden. Sonst gibt es furchtbare Qual, auch im Devachan. (Gemeint ist wohl, dass man in der Devachanzeit nicht bewusst sein kann.)

«Ein unnütz Leben ist ein früher Tod.» Dann geht es sobald als möglich wieder in die sinnliche Welt, um die Werkzeuge zu bekommen, sich Organe zu verschaffen. Nur in der physischen Welt ist die Möglichkeit, sich zu erziehen. Die Erdenwelt ist die Schule für das Bewusstsein in der geistigen Welt. In unserer Zeit bereiten sich viele Menschen vor, um möglichst blind zu sein in der geistigen Welt. Alle Dinge hängen vom Menschen selbst ab.

German original of The Connection of Life in the Physical World with Existence in the Astral World and in the Devachan · ← Previous · Next →