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GA 246 — 7 June 1911, Copenhagen

Die Geistige Führung Des Menschen Und Der Menschheit III

Wir versuchten uns gestern, eine Empfindung von dem zu verschaffen, was in das Menschenleben hereinragt aus höheren Welten, und was wir so ansprechen können, dass wir sagen: Wir fühlen in ihm etwas wie eine Führung sowohl des einzelnen Menschen wie der ganzen Menschheit. Und wir mussten, um eine Vorstellung, eine Empfindung von dieser Führung zu erhalten, unseren geistigen Blick hinwenden zu jener Epoche des einzelnen menschlichen Lebens, in welchem der Mensch als solcher noch nicht vollbewusst ist, aber dafür umso intensiver arbeitet an seinem äußeren physischen Menschen: Wir mussten, um das Höchste im Menschen zu entdecken, unseren Blick nach demjenigen wenden, was da arbeitet, bevor wir unser gegenwärtiges Bewusstsein für die Zeit zwischen Geburt und Tod erhalten haben; in das erste Kindheitsalter mussten wir blicken.

Sie werden eine merkwürdige Parallele finden zu dem, was sich so im einzelnen Menschenleben ankündigt, wenn Sie ins Auge fassen, was den alten Griechen gesagt worden ist von den Lehrern und Führern des alten Ägyptens über die Lenkung und Leitung des ägyptischen Geisteslebens. Da wird erzählt - und mit Recht erzählt -, dass die Ägypter, als sie gefragt wurden, von wem sie gelenkt und geleitet worden sind seit alten Zeiten her, den Griechen geantwortet haben: In alten, grauen Zeiten herrschten bei uns und lehrten die Götter, und dann kamen als Führer erst Menschen. - Den ersten Führer auf dem physischer Plan nannten sie den Griechen gegenüber «Menes», der als ein menschenähnlicher Führer anerkannt war. Das heißt: Das ägyptische Volk in seinen Leitern berief sich darauf, dass früher die Götter selber - wie die griechischen Mitteilungen sagen - gelenkt und geleitet haben das ägyptische Volk.

Bei einer solchen Aussage, die uns aus alten Zeiten herübertönt, müssen wir nur immer das Richtige verstehen. Was meinten die Ägypter, die sagten: Götter waren bei uns die Könige, Götter waren bei uns die großen Lehrer? - Da hat der, welcher das zu Herodot selber gesagt hat, gemeint: Wenn man in die alten Zeiten des ägyptischen Volkes zurückgehen würde und diejenigen Menschen, welche in sich etwas empfanden wie ein höheres Bewusstsein, wie eine Weisheit von höheren Welten, fragen würde: Wer ist eigentlich dein Lehrer? - so würden sie antworten: Wenn ich von meinem eigentlichen Lehrer sprechen wollte, müsste ich nicht auf diesen oder jenen Menschen zeigen und sagen: Dieser oder jener ist mein Lehrer, sondern wenn ich meinen Lehrer finden will, muss ich mich erst in einen hellsehenden Zustand versetzen - wir wissen aus anderen Vorträgen, dass dies verhältnismäßig leicht war in alten Zeiten -, und dann finde ich meinen wahren Inspirator, meinen wahren Lehrer; der naht mir nur, wenn mein geistiges Auge geöffnet ist. - Denn im alten Ägypten stiegen aus den geistigen Welten solche Wesenheiten zu den Menschen herunter, die sich nicht im menschlichen physischen Leib verkörperten. Es herrschten und lehrten durch die physischen Menschen in den alten, grauen Zeiten Ägyptens eben noch die Götter, und unter «Göttern» verstanden die alten Ägypter die Wesen, die dem Menschen in seiner Entwicklung vorangegangen sind.

Wir wissen, dass die Erde, bevor sie «Erde» geworden ist, einen anderen planetarischen Zustand durchgemacht hat, den wir den «Mondzustand» nennen, und den wir in mancherlei Vorträgen beschrieben haben. Dazumal war der Mensch noch nicht Mensch im heutigen Sinne; aber andere Wesen gab es auf dem alten Mond, die nicht die heutige Menschengestalt hatten, die anders gestaltet waren, aber auf jener Stufe der Entwicklung waren, welche der Mensch jetzt auf der Erde erreicht hat.

Also wir könnten sagen: Auf dem alten Planeten Mond, der zugrunde gegangen ist und aus dem später die Erde wurde, lebten Wesenheiten, welche die Vorgänger der Menschen sind. In der christlichen Esoterik bezeichnet man solche Wesenheiten als Engel-Wesenheiten, Angeloi, die höheren dann Erzengel, Archangeloi, die aber in einer noch früheren Zeit Menschen waren. Was man in der christlichen Esoterik Engel oder Angeloi, in der orientalischen Mystik «dhyanische Wesenheiten» nennt, das waren «Menschen» während des Mondenzeitalters der Erde; die stehen während des Erdenzeitalters - wenn sie sich voll entwickelt haben - um eine volle Stufe höher als die Menschen. Der Mensch wird erst am Ende der Erdentwicklung dort angekommen sein, wo diese Wesenheiten am Ende der Mondentwicklung waren.

Als der Erdenzustand unseres Planeten begann und der Mensch auf der Erde auftrat, konnten diese Wesenheiten nicht in einer äußeren Menschengestalt erscheinen. Denn der äußere menschliche fleischliche Leib konnte erst später erscheinen; er ist im Wesentlichen ein Erdenprodukt, taugt aber nur für die Wesenheiten, welche jetzt Menschen sind.

Jene Wesenheiten, die um eine Stufe höher standen als die Menschen, konnten sich nicht so betätigen, dass sie in Menschenleiber hineinverkörpert worden wären; sondern sie konnten sich an der Erdenregierung nur so beteiligen, dass sie in dem Zustande, wo die alten Menschen hellsehend wurden, diese erleuchteten, inspirierten und auf dem Umwege durch diese hellsehenden Menschen hereinwirkten.

Die alten Ägypter erinnerten sich also noch an einen solchen Zustand, wo die führenden Persönlichkeiten sich lebendig bewusst waren ihres Zusammenhanges mit dem, was man Götter nennt, Engel oder dhyanische Wesenheiten. Was waren denn das nun für Wesenheiten, die sich da nicht selber als Menschen verkörperten, nicht menschliche fleischliche Gestalt annahmen, sondern auf diese so geschilderte Art in die Menschheit hereinwirkten? Wir sagten, es waren die Vorgänger der Menschen, die hinausgewachsen waren über die Stufe der Menschheit.

Doch es ist nun gut, wenn wir uns eine etwas genauere Vorstellung über die innere Beschaffenheit dieser Wesenheiten machen. Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, dass man in der letzten Zeit mit einem Worte viel Missbrauch getrieben hat, mit dem Worte «Übermensch»; ich weiß nicht, ob es hier im Norden auch so geschehen ist wie in Deutschland. Wenn man wahrhaft von «Übermenschen» sprechen dürfte, so waren es diese Wesenheiten, die also schon während der Mondenzeit, der planetarischen Vorgängerzeit unserer Erde, Menschen waren und jetzt über die Menschheit hinausgewachsen sind, so hinausgewachsen sind, dass ein menschlicher Leib für ihre Entwicklung und ihre Beschaffenheit gar nicht mehr taugt. Sie konnten daher nur in einem ätherischen Leibe den hellsehenden Menschen erscheinen. So erschienen sie, stiegen herunter und regierten selbst noch in den nachatlantischen Zeiten auf der Erde. Wie waren sie nun selbst beschaffen? Da ist es am besten, man schildert ein wenig das Seelische dieser Wesenheiten.

Diese Wesenheiten hatten die merkwürdige Eigenschaft - und haben sie auch heute noch -, dass sie nicht zu denken brauchen; man könnte auch sagen, dass sie gar nicht denken könnten, wie der Mensch denkt.

Verstehen wir uns wohl: Wie denkt denn der Mensch? Mehr oder weniger so, dass er von einem gewissen Punkte ausgeht und sagt: Ich habe das oder jenes begriffen, und von diesem Punkte aus versucht er nun, verschiedenes anderes zu begreifen. Wenn das nicht der Weg des menschlichen Denkens wäre, so wäre der Schulweg für manches nicht so schwierig. Ich kann ja voraussetzen, dass eine Vorstellung in dieser Beziehung bei den Theosophen besteht: Man kann nicht von einem Tage auf den anderen Mathematik lernen, weil man an einem Punkte anfangen muss - und langsam vorschreiten muss. Das dauert lange. Man kann nicht mit einem Blick das Denken übersehen; denn das menschliche Denken verläuft in der Zeit. Es ist nicht mit einem Schlage da. Man muss suchen, muss sich anstrengen, um den Gedanken zu finden. Diese Eigentümlichkeit des Menschen haben die anderen Wesenheiten nicht; sondern mit derselben Geschwindigkeit, mit der etwa ein Tier sich klar ist, wenn es etwas für seinen Instinkt Essbares vor sich hat, dass es danach schnappt, so tritt der Gedanke in der Seele einer solchen übermenschlichen Wesenheit auf - und ist da. Instinkt und nachdenkerisches Bewusstsein haben in Bezug auf diese Wesenheiten keinen Unterschied, sind ein und dasselbe. So wie die Tiere Instinkt haben auf ihren Stufen, in ihrem Reiche, so haben diese dhyanischen Wesenheiten oder Angeloi unmittelbares geistiges Denken, unmittelbares geistiges Vorstellen; etwas wie ein instinktives Vorstellungsinnenleben haben sie, sind also ganz anders geartet als die Menschen.

Sie könnten sich also leicht einen Begriff bilden, wie es unmöglich ist, dass solche Wesenheiten ein derartiges Gehirn oder einen solchen physischen Leib benutzten, wie wir sie haben. Sie müssen einen ätherischen Leib benutzen, weil ein menschlicher Leib und ein menschliches Gehirn die Gedanken nur in der Zeit ausbilden, während diese Wesenheiten nicht die Gedanken in der Zeit ausbilden und gleichsam wie von selbst alle Weisheit haben. Die Weisheit sitzt in ihnen. Sie können unmöglich Falsches denken, können sich nicht irren, weil der Gedankenablauf als eine unmittelbare Inspiration in sie hineinschießt. Daher hatten diejenigen Persönlichkeiten, welche an diese dhyanischen oder Engel-Wesenheiten herankommen konnten, ihnen gegenüberstanden, das Bewusstsein: Da stehen sie der sicheren Weisheit gegenüber! Wenn also selbst noch im alten Ägypten der Mensch, der als Mensch Lehrer oder König war, diesem seinem geistigen Führer gegenüberstand, so wusste er: Das Gebot, das er gibt, die Wahrheit, die er sagt, sind unmittelbar richtig, können nicht falsch sein. - Das empfanden dann wieder diejenigen, auf welche diese Wahrheiten übertragen wurden, die sie wieder von diesen so hellseherisch Belehrten hatten; denn diese konnten so sprechen, dass man aus ihren Worten selbst das zu empfangen glaubte, was aus der geistigen Welt herunterkam. Kurz, es war ein unmittelbarer Strom hinauf nach den höheren Hierarchien.

Und was ich Ihnen gestern für die Kindheit des Menschen geschildert habe, was das Kind als sein eigenes inneres Seelisches hat, was am Kinde arbeitet, das sehen wir im Großen in der Welt der Menschheit arbeiten als die über der ganzen Menschheitsevolution schwebende nächste Welt der Hierarchien, als das nächste Reich der Angeloi oder dhyanischen Wesenheiten, die um eine Stufe höher stehen als die Menschen und unmittelbar in die geistigen Sphären hinaufragen, und die das, was sie herunterbringen und in die menschliche Kultur hineinarbeiten, so hineinarbeiten, wie die kindliche Seele an dem Bau des menschlichen Gehirns arbeitet. So empfanden die Ägypter, welche schilderten, dass sie mit einem Göttlichen im Zusammenhang standen, das Geöffnetsein der Seele der Menschheit gegenüber den Hierarchien. Wie die Kindesseele bis zu dem Zeitpunkt, den wir gestern andeuteten, ihre Aura den Hierarchien öffnet, so öffnete die ganze Menschheit ihre Welt - durch die Vorgänge der Menschheit den Hierarchien, mit denen sie in Zusammenhang stand.

Am gewaltigsten war dieser Zusammenhang bei denjenigen Lehrern, die wir als die heiligen Rishis der Inder bezeichnen, die heiligen Lehrer der ersten nachatlantischen Kultur, jener ersten indischen Kultur, die sich ausgebreitet hat in einem gewissen Gebiet von Asien. Als die atlantische Katastrophe vorübergegangen war, die Physiognomie der Erde sich verändert hatte und die neue Gestaltung Asiens, Europas und Afrikas auf der östlichen Halbkugel sich entwickelt hatte, da wirkte - und zwar noch vor der Zeit, auf die wir jetzt als aus den Sagen der Ägypter selbst hingedeutet haben - die Kultur der alten großen Lehrer Indiens. Der heutige Mensch wird sich im Allgemeinen eine recht falsche Vorstellung von diesen großen Lehrern Indiens machen. Denn wenn zum Beispiel einem heutigen Gelehrten - einem Menschen, den man heute einen «Gelehrten» nennt -, einer der großen Lehrer des alten Indiens gegenübertreten würde, so würde er sonderbare Augen machen und würde vielleicht sagen: Das soll ein «Weiser» sein? So habe ich mir nie einen Weisen vorgestellt! - Denn im Sinne dessen, was bei dem heutigen Gelehrten klug oder gescheit ist, haben die alten heiligen Lehrer Indiens nichts Gescheites zu sagen gewusst. Das waren alles im heutigen Sinne einfältige, schlichteste Menschen; Menschen, die in der allereinfachsten Weise geantwortet haben selbst auf Fragen des alltäglichen Lebens. Und es gab viele, viele Zeiten, in denen man aus ihnen nicht viel anderes herausbringen konnte, als dieses oder jenes Wort, das einem heutigen Gelehrten recht einfach scheinen würde. Aber es gab auch wieder für die heiligen Lehrer Indiens bestimmte Zeiten, wo sie sich als etwas anderes, denn als bloße schlichte Menschen darstellten. In diesen Zeiten mussten sie dann in der Siebenzahl beieinander sein, weil das, was jeder Einzelne von ihnen empfinden konnte, harmonisch wie in einer Oktave von sieben Tönen zusammenklingen musste, sodass also jeder nach seinem besonderen Instrument und seiner besonderen Entwicklung die Möglichkeit hatte, dies oder jenes zu empfinden. Und aus dem Zusammenklang dessen, was jeder Einzelne empfand, entstand dann das, was als die Urweisheit herausklingt, wenn wir die wirklichen okkulten Urkunden zu entziffern verstehen, jene Urkunden, die nicht etwa die Veden oder das Vedanta sind - so sehr wir auch Veden oder Vedanta bewundern; sondern, was die heiligen Rishis gelehrt haben, das liegt noch viel früher, und nur ein schwacher Nachklang davon ist das, was wir in den Veden vor uns haben.

Aber wenn diese Männer gegenüberstanden - ein jeder einem solchen Vorfahren der Menschheit -, wenn sie hinschauten hellsehend, hinhörten hellhörend auf das, was sie sahen oder hörten durch diesen Vorgänger der Menschheit, so leuchtete es wie die Sonne aus ihren eigenen Augen. Und dann wirkte das, was sie sagen konnten, überwältigend auf ihre Umgebung, sodass alle wussten: Jetzt spricht nicht das, was menschliches Leben oder menschliche Weisheit ist, sondern jetzt reden herein in die Menschenkultur Götter, die dhyanischen Wesenheiten!

Von diesem Hereinklingen dessen, was die Götter wussten, was die Götter konnten, nahmen die alten Kulturen ihren Ausgang. Erst nach und nach in der nachatlantischen Zeit schloss sich sozusagen das Tor gegenüber der göttlich-geistigen Welt, die ja während der atlantischen Zeit noch völlig offen war für die menschliche Seele. Und man empfand in den verschiedenen Ländern, bei den verschiedenen Völkern, wie der Mensch immer mehr und mehr auf sich selber angewiesen wurde — wie das Kind auch. Erst ragt die göttlich-geistige Welt herein durch die unbewusste Seele des Kindes, die am Kinde schafft; dann kommt der Augenblick, wo der Mensch zu sich «Ich» sagen lernt, bis zu dem er sich dann im späteren Leben zurückerinnert; vorher aber liegt eine Zeit, an die man sich normalerweise im alltäglichen Leben nicht zurückerinnert. Da liegt das, von dem wir gesagt haben, dass der Weiseste noch lernen kann von der Seele des Kindes.

Dann aber wird der Einzelne sich selbst überlassen, das Ich-Bewusstsein tritt auf, und alles fügt sich jetzt so zusammen, dass man sich daran zurückerinnern kann. So kam auch in dem Leben der Völker die Zeit, wo sie anfingen, sich mehr abgeschlossen zu fühlen von der göttlichen Inspiration der Urväter. Wie das Kind abgeschlossen wird von der Aura, die das Kindeshaupt in den ersten Jahren umschwebt, so traten auch im Leben der Völker immer mehr und mehr die göttlichen Urväter zurück, und die Menschen wurden immer mehr und mehr angewiesen auf ihr eigenes Forschen und ihr eigenes Wissen. Das nennt auch die Geschichte das «Hereinkommen des Menschen» in die Führung der Menschheit. «Menes» nannten sie den, der die erste «menschliche» Kultur inauguriert hat, und sie deutet zu gleicher Zeit an, dass der Mensch dadurch auch in die Möglichkeit kam zu irren.

Denn von jetzt ab war er angewiesen auf das nicht ganz zuverlässige Werkzeug seines Gehirns. Dass der Mensch in Irrtum verfallen konnte, wird dadurch angedeutet, dass in der Zeit, als die Menschen von den Göttern verlassen wurden, das Labyrinth gestiftet wurde, das mit Bezug auf das menschliche Denken und den Windungen des Gehirns eine Entsprechung dafür ist, wie sich der Mensch von jetzt ab mit seinem Denken in den Gedankenwindungen verlieren konnte.

«Manas» nannten es die Orientalen, als der Mensch es in dieser Weise zur Selbstständigkeit brachte. «Minos» nannten es die griechischen Völker, und auch an Minos knüpft sich die Sage vom Labyrinth an, weil die Menschen fühlten, wie sie jetzt von der göttlichen Leitung allmählich in die Ich-Leitung übergingen.

Nun müssen wir aber auch auf andere Wesenheiten der verschiedensten Kategorien blicken - neben jenen Urvätern der Menschen, den wahren Übermenschen, die auf dem Monde ihre Menschheit absolviert hatten und nun Engel geworden waren. Immer müssen wir auch auf solche blicken, die auf einem Planeten ihre Entwicklung nicht vollendet haben. Die Wesenheiten, die man in der orientalischen Mystik dhyanische Wesenheiten, in der christlichen Esoterik Angeloi nennt, haben ihre Entwicklung auf dem alten Monde vollendet und abgeschlossen und sind, als der Mensch auf der Erde begann, schon um eine Stufe höher gewesen als die Menschen.

Aber andere Wesenheiten gab es, die ihre menschliche Entwicklung auf dem alten Monde nicht abgeschlossen hatten, gerade wie die höheren Kategorien der luziferischen Wesenheiten nicht ihre Entwicklung abgeschlossen hatten. Daher war, als der Erdenzustand unseres Planeten begann, nicht nur der Mensch vorhanden, der als solcher die Inspiration der göttlich geistigen Wesenheiten brauchte, denn sonst hätte er - ähnlich wie das Kind - nicht vorwärtskommen können; nicht nur der kindliche Mensch war da, sondern es waren auch da die Wesenheiten, die auf dem Monde ihre Entwicklung abgeschlossen hatten. Zwischen diesen aber und den Menschen waren noch solche Wesenheiten, die ihre Entwicklung auf dem Monde nicht abgeschlossen hatten; Wesenheiten, die - wie Sie sich vorstellen können - wesentlich höherer Art waren als die Menschen, deshalb höherer Art waren, weil sie schon während der alten Mondenzeit Engel, dhyanische Wesenheiten hätten werden können.

Aber sie sind damals nicht bis zur vollen Reife gekommen, sind zurückgeblieben unter den Engeln, ragten aber doch in Bezug auf alles, was der Mensch sein Eigen nannte, weit über den Menschen hinaus. Das sind im Grunde genommen diejenigen Wesenheiten, die in den Scharen der luziferischen Wesenheiten die unterste Stufe einnehmen. Mit diesen Wesenheiten, die zwischen den Menschen und den Engeln mitten drinnen stehen, beginnt schon das Reich der luziferischen Wesenheiten.

Diese Wesenheiten sind nun außerordentlich leicht falsch zu beurteilen; denn zwei Fragen kann sich der Mensch leicht vorlegen. Die eine ist die, dass man leichtfertig fragt: Warum haben die göttlichen Wesenheiten, die Regenten des Guten, zugelassen, dass solche Wesenheiten zurückgeblieben sind, und dadurch das luziferische Prinzip in die Menschheit hereingekommen ist? Man sollte doch glauben, dass die guten Götter alles zum Guten lenken. Diese Frage liegt nahe.

Und das andere Missverständnis, das entstehen könnte, ist dies, dass man sagt: Diese Wesenheiten sind eben «böse» Wesenheiten. — Beides ist nur ein Missverständnis. Denn diese Wesenheiten sind durchaus nicht bloß «böse» Wesenheiten, obwohl der Ursprung des Bösen in der Menschheitsentwicklung bei ihnen gesucht werden muss; sondern sie stehen mitten zwischen den Menschen und den Übermenschen, zwischen den Menschen und den dhyanischen oder Engelwesenheiten[. Sie] ragen über die Menschen hinaus. In allen Fähigkeiten, die sich die Menschen erst erwerben müssen, haben diese Wesenheiten schon eine hohe Stufe erlangt. Und sie unterscheiden sich von den früher geschilderten Vorfahren der Menschen dadurch, dass sie - weil sie ihre Menschheit auf dem Monde nicht abgeschlossen haben - noch fähig sind, während sich der Mensch auf der Erde entwickelt, sich in Menschenleibern zu inkarnieren. Während die eigentlichen dhyanischen oder Engelwesenheiten, welche die großen Inspiratoren der Menschen sind, und auf die sich die Ägypter noch beriefen, nicht in Menschenleibern erscheinen konnten, sondern sich nur offenbaren konnten durch die Menschen, sind die Wesenheiten, die zwischen Menschen und Engeln mitten drinnen stehen, weil sie nicht ihre volle Entwicklung errungen haben, doch aber über den Menschen hinausgewachsen sind, noch fähig, sich in menschlichen Leibern zu inkarnieren. Daher finden wir immer in der lemurischen und atlantischen Zeit unter den Menschen auf der Erde solche, die in sich tragen als innerste Seelenwesenheit eine solche zurückgebliebene Engelwesenheit.

Das heißt: Es gehen in der alten lemurischen und atlantischen Zeit unserer Erde nicht nur gewöhnliche Menschen auf der Erde herum, die durch ihre aufeinanderfolgenden Inkarnationen zu dem kommen sollen, was wir in den verschiedensten Vorträgen und auch gestern angedeutet haben, sondern es gehen unter den Menschen früherer Zeiten recht merkwürdige herum. Äußerlich schauen sie so aus, wie die anderen Menschen auch; denn die äußere Gestalt eines Menschen im Fleisch ist abhängig von den irdischen Verhältnissen.

Aber namentlich in den älteren Zeiten gingen unter den Menschen solche Wesen herum, die zu der untersten Kategorie der luziferischen Wesenheiten gehörten, die inkarniert waren. Neben den Engelwesenheiten, die auf die menschliche Kultur durch die Menschen wirkten, inkarnierten sich auch solche luziferischen Wesenheiten und begründeten da oder dort diese oder jene Kultur. Und wenn in den Legenden geschildert wird, dass da oder dort der eine oder der andere große Mensch lebte, der eine große Kultur begründete, so ist eine solche Wesenheit nicht damit abgetan, dass man sagt: Da ist eine luziferische Wesenheit verkörpert, das muss etwas Böses sein! Sondern in der Tat kommt unendlich viel Segensreiches in die menschliche Kultur durch diese Wesenheiten hinein.

Ich möchte Ihnen nun den eigentlichen Unterschied klarmachen zwischen jenen Wesen, die ihre Entwicklung auf dem Monde vollendet hatten und sich den Menschen nur noch offenbaren konnten, und diesen Wesenheiten, die in Menschenleibern erscheinen konnten und die auf der untersten Stufe der luziferischen Wesenheiten standen.

Der Okkultismus weiß — das mag die heutige materialistische Wissenschaft leugnen oder mehr oder weniger in Hypothesen darauf kommen, das macht nichts aus: Es gab in den alten Zeiten, namentlich in der atlantischen Zeit, so etwas wie eine Art menschlicher Ursprache, eine Art von Sprechen, welches über die ganze Erde hin ähnlich war, weil «Sprechen» in jenen Zeiten viel mehr aus dem Innersten der Seele kam, als heute das Sprechen kommt. Das können Sie schon aus Folgendem entnehmen. In den atlantischen Zeiten empfanden die Menschen alle äußeren Eindrücke so, dass die Seele, wenn sie etwas Äußeres ausdrücken wollte mit einem Laut, gedrängt wurde zu einem Konsonanten — was also im Raume dastand oder in der Seele drängte dazu, konsonantisch nachgeahmt zu werden. Das Wehen des Windes, das Rauschen der Wellen, das Geschütztsein durch ein Haus empfand man und ahmte es nach durch Konsonanten. Und was man innerlich erlebte an Schmerz oder Freude oder auch, was ein anderes Wesen empfinden konnte, das ahmte man nach im Vokal. Daraus können Sie sehen, dass die Seele sprechend zusammenwuchs in den alten Zeiten mit den äußeren Vorgängen oder Wesenheiten.

Ich will so hinmalen, was uns aus der Akasha-Chronik erzählt wird. Einer Hütte, die sich nach der alten Art über eine Familie wölbte und dieser Schutz und Schirm gab, näherte sich zum Beispiel ein Mensch, beobachtete die Hütte in der Art, wie sie sich wölbte in der Form räumlich über der Familie. Das schützende Sichwölben der Hütte drückte er durch einen Konsonanten aus; und dass da Seelen in Leibern sich wohl befinden — was er mitfühlen konnte -, drückte er durch einen Vokal aus. Da entstand das Wort «Schutz»; Schutz habe ich, Schutz über menschlichen Leibern. - Aus Vokalen [und Konsonanten] bildete sich, weil es die Menschenseele so empfand, das Wort.

Das war über die ganze Erde hin so. Es ist kein Traum, dass es eine menschliche «Ursprache» gegeben hat, sondern eine solche Ursprache hat es gegeben. Und in einem gewissen Sinne verstehen die Eingeweihten aller Völker noch nachzuempfinden diese Ursprache. Ja, in allen Sprachen sind gewisse Lautanklänge, die nichts anderes sind als Reste dieser menschlichen Ursprache.

Diese Sprache, die ich jetzt eben geschildert habe, ist angeregt in der menschlichen Seele durch die Inspiration der übermenschlichen Wesenheiten, der wahren Vorgänger der Menschen, die ihre Entwicklung auf dem Monde vollendet hatten. Sie können nun daraus sehen: Wenn es bloß diese Entwicklung gegeben hätte, so würde das ganze Menschengeschlecht im Grunde genommen eine große Einheit geblieben sein; über die ganze Erde hin würde man einheitlich gesprochen und gedacht haben. Die Individualität, die Mannigfaltigkeit hätte sich nicht ausbilden können - und damit auch nicht die menschliche Freiheit. Dass jeder Mensch eine Individualität werden konnte, dazu mussten Spaltungen in der Menschheit eintreten.

Die Verschiedenheit der Sprache, dass in den verschiedensten Gegenden der Erde die Sprachen verschieden wurden, dass eine Differenzierung in den Sprachen eintrat, das rührt her von der Lehre solcher Lehrer, in denen eine luziferische Wesenheit inkarniert war. Solche inkarnierten sich zum Beispiel bei den Ägyptern, bei dem persischen Volke und so weiter. Je nach dem diese oder jene - zurückgebliebene - Engelwesenheit dort inkarniert war, konnte sie in dieser oder jener Sprache die Menschen unterweisen. Also die Fähigkeit, eine besondere Sprache zu sprechen, führt bei allen Völkern zurück auf das Vorhandensein solcher großen Erleuchter, die zurückgebliebene Engelwesen waren und weit höher waren als die Menschen ihrer unmittelbaren Umgebung.

Was zum Beispiel geschildert wird als die ursprünglichen Heroen der griechischen oder sonstigen Führer, die in menschlicher Gestalt wirkten, das sind solche, in denen eine zurückgebliebene Engelwesenheit inkarniert war. Wir dürfen also diese Wesenheiten durchaus nicht etwa bloß als «böse» Wesenheiten bezeichnen. Im Gegenteil, sie haben den Menschen das gebracht, was sie über den ganzen Erdball hin zu freien Wesen machte, was dasjenige differenzierte, was sonst ein gleichförmiges Ganzes über die ganze Erde hin gebildet hätte. So ist es bei den Sprachen, so ist es bei vielen Gebieten des Lebens. Die Individualisierung, die Differenzierung, die Freiheit - können wir sagen - kommt von diesen Wesenheiten, die zurückgeblieben waren auf dem Monde. Zwar war es die Absicht der weisen Weltenführung - könnte man sagen -, alle Wesenheiten in der planetarischen Entwicklung bis zu ihrem Ziele zu bringen; aber dann würden gewisse Dinge nicht erreicht. Es werden gewissen Wesenheiten in ihrer Entwicklung zurückgehalten, weil diese eine andere Aufgabe in der Entwicklung haben. Weil die Wesen, welche ihre Aufgabe auf dem Monde voll erreicht hatten, nur eine einheitliche Menschheit hätten erzeugen können, deshalb wurden ihnen entgegengestellt jene Wesen, die auf dem Monde zurückgeblieben sind, die nun dadurch die Möglichkeit bekamen, dasjenige, was eigentlich ein Fehler bei ihnen war, zum Guten zu wenden.

Von da aus bitte ich Sie, sich nach und nach hinaufzuranken zu einem anderen Gefühl, das Ihnen in gewisser Beziehung Richtung geben kann, wenn die Frage auftaucht: Warum steht in der Welt das Böse, das Schlechte, das Unvollkommene, das Krankhafte da? - Betrachten Sie es unter dem Gesichtspunkt, unter dem Sie jetzt betrachtet gesehen haben die unvollkommenen Engelwesen. Alles, was zu irgendeiner Zeit ein Unvollkommenes, ein Zurückgebliebenes darstellt, wird in der Entwicklung doch zu einem Guten gewendet, und alles Schlechte in unserer Erdentwicklung wird im großen Ganzen trotzdem zum Guten gewendet. - Wir werden schon sehen, dass es keine Rechtfertigung für das Böse ist, und dass keiner sagen kann: Also tue ich das Böse, da es ja doch zum Guten gewendet wird. Diese Dinge sind nicht für die Praxis des Lebens, sondern zum Begreifen des Lebens. Wir selbst dürfen deshalb doch nicht das Böse tun.

Damit ist uns auch schon die Frage beantwortet: Warum lässt die weise Weltenregierung gewisse Wesenheiten zurückbleiben, sodass sie nicht ihr Ziel erreichen? Das geschieht eben deshalb, weil es in der nächsten Zeit seinen guten Sinn hat - so zum Beispiel, dass auf dem Monde gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind. Denn als die Völker sich noch nicht selber lenken und leiten konnten, da lebten die Lehrer der Zeiten und der einzelnen Menschen. Und alle die einzelnen Völkerlehrer - wie Kadmos, Cheops, Pelops, Theseus und so weiter — haben in gewisser Beziehung eine Engelwesenheit auf dem Grunde ihrer Seele.

Da sehen wir, wie in der Tat die Menschheit einer Leitung, einer Führung untersteht. Ja, wir könnten geradezu hinweisen, wie über dem Menschen, der aus der Kindheitsstufe der Kultur sich allmählich heraufentwickelt, zunächst solche übermenschlichen Wesenheiten stehen, die ihre Engelstufe auf dem Monde nicht erreicht hatten und sich in Menschenleibern inkarnieren können - und dann solche Wesen, die sich nicht mehr in Menschen inkarnieren können, sondern nur noch offenbarend wirken können.

Nun bleiben aber auf jeder Stufe der Evolution Wesenheiten zurück, die nicht das Ziel erreichen, das erreicht werden soll. Und jetzt bitte ich noch auf Folgendes Ihr Augenmerk zu richten, indem ich Ihren Blick hinlenken möchte auf die alte ägyptische Kultur, die sich vor mehreren Jahrtausenden im Nil-Lande abgespielt hat, so abgespielt hat, dass sich übermenschliche Lehrer den Ägyptern offenbarten, von denen die Ägypter selbst sagten, dass sie wie Götter die Menschen leiteten; daneben aber wirkten auch solche Wesenheiten, die nur halb oder zum Teil ihre Engelstufe erreicht hatten.

Solche inkarnierten sich dann zum Beispiel in Hermes oder Thot und wandelten als Menschen unter den Ägyptern herum. Nun müssen Sie sich klar sein, dass der Mensch im alten Ägypten etwas erreichte; das heißt Ihre eigenen Seelen in der ägyptischen Zeit haben etwas erreicht. Aber jede Individualität erreicht in einer Epoche irgendetwas.

Nicht allein der geführte Mensch erlangt etwas dadurch, dass er sich führen lässt, sondern auch bei den leitenden, führenden Wesenheiten bedeutet dieses Leiten etwas, dass sie weiterkommen in ihrer Entwicklung. Ein Engel zum Beispiel ist mehr, nachdem er die Menschen eine Zeit lang geführt hat, als er war, bevor er diese Führung angefangen hat. Durch seine Arbeit in der Führung kommt auch der Engel weiter - und zwar sowohl der, welcher ein voller Engel ist, als auch der, welcher es nur halb geworden ist. Alle kommen weiter; alles ist in fortwährender Entwicklung befindlich. Aber auf jeder Stufe bleiben wieder Wesenheiten zurück. Und jetzt sehen wir so in die alte ägyptische Kultur hinein, dass wir sagen: Da sind erstens die göttlichen Führer, die Engel, dann die halb-göttlichen Führer, welche die Engelstufe nicht ganz erreichten, und dann sind da Menschen, die sich immer höher und höher entwickeln. Aber gewisse von den Übermenschen, von den halb göttlichen Führern bleiben wieder zurück; das heißt: Sie führen nicht so, dass sie all ihre Kräfte zum Ausdruck bringen, [sie] bleiben als Engel oder als Halbengel während der alten ägyptischen Kulturstufe zurück. Während also die Menschen unten vorrücken, bleiben oben unter der Leitung der dhyanischen Wesenheiten oder Engel gewisse solcher Wesenheiten zurück - und unter den luziferischen Wesenheiten ebenso. Als also die ägyptische Kultur zu Ende geht und die griechisch-lateinische beginnt, sind zurückgebliebene leitende, führende Wesenheiten aus der ägyptisch-chaldäischen Kultur vorhanden. Diese können aber jetzt ihre Kräfte nicht anwenden; denn sie werden jetzt in der Führung der Menschheit von anderen Engeln oder halb engelhaften Wesenheiten ersetzt. Das heißt aber: Sie können dadurch auch ihre eigene Entwicklung nicht fortsetzen.

Jetzt haben wir den Blick hingewendet auf eine Kategorie von Wesenheiten, die ihre Kräfte hätten anwenden sollen während der ägyptischen Zeit, sie aber in dieser Zeit nicht voll angewendet haben - und sie nun in der darauffolgenden griechisch-lateinischen Zeit nicht anwenden konnten, weil sie jetzt von anderen führenden Wesenheiten abgelöst wurden. So wie diejenigen Wesenheiten, die auf dem alten Monde ihre Engelstufe nicht erreicht hatten, später die Aufgabe hatten, während der Erdenzeit wieder einzugreifen, so haben nun jene Wesenheiten, welche in der ägyptisch-chaldäischen Kultur als führende Wesenheiten zurückgeblieben waren, auch die Aufgabe später wieder in die Kultur einzugreifen - als zurückgebliebene Wesenheiten einzugreifen. Wir werden also erschauen können eine spätere Kulturepoche, wo zwar später zur Führung gekommene Wesenheiten da sind, welche die normale Entwicklung lenken, wo aber neben diesen Wesenheiten eingreifen, welche früher zurückgeblieben waren - und namentlich solche, die während der alten ägyptischen Kultur zurückgeblieben waren. Diese damit angedeutete Kulturperiode ist unsere eigene. Wir leben in einer Zeit, wo neben den normalen Lenkern und Leitern der Menschheit noch eingreifen solche zurückgebliebenen Wesenheiten der alten ägyptischen und chaldäischen Kultur, und die hereinwirken in alles, was unsere gegenwärtige Kultur ist. - Woran zeigen sie sich?

Alles, was in der geistigen Welt begründet ist, hat auf dem physischen Plan seine Wirkungen. Unsere Kultur wird zwar im GroRen und Ganzen eine größere Aufwärtsbewegung zur Spiritualität unternehmen, und in diesem Drang der Menschen aufwärts zur Spiritualität offenbaren sich die normalen Lenker und Leiter unserer gegenwärtigen Menschheit. In allem, was heute den Menschen hinaufführen will in das, was uns die Theosophie überliefert von den großen spirituellen Weistümern, offenbaren sich die normalen Lenker und Leiter unserer Entwicklung. Aber die während der ägyptisch-chaldäischen Kultur zurückgebliebenen Wesenheiten greifen ein in unsere Kulturtendenzen, greifen ein in alles, was wir denken und treiben, und offenbaren sich dadurch, dass aller unserer Kultur so viel materialistisches Denken beigemischt ist, das sich oft selbst in das höchste Spirituelle hineinmischt. Denn im Großen ist es ein Wiederaufleben der ägyptischen Kultur in unserer Zeit.

Es spielen in unsere Kultur herein nicht nur die normalen Lenker und Leiter der Entwicklung, sondern auch jene Wesenheiten, die als Führer während der ägyptisch chaldäischen Kultur zurückgeblieben sind. Sie geben unserer Kultur die materialistische Färbung. So kommt es, dass so vieles auftaucht, das sich grandios wie ein Wiederauferstehen der alten ägyptischen Kräfte ausnimmt - auch wie ein Wiederauferstehen alter, guter Kräfte, die damals richtig waren, und die jetzt karikiert in materialistischer Umprägung wiedererscheinen.

Und wir können in dieser Bezichung auf ein Beispiel hinweisen, wie alte ägyptische Empfindungen in unserer Zeit wieder auflebten. Das war, als ein größerer Geist in unserer Zeit ganz innerlich durchdrungen war von der Harmonie der Sphären, von der Harmonie im Weltenbau und dies dann zum Ausdruck brachte in mathematischen Gesetzen - in den sogenannten Kepler’sehen Gesetzen. Die sind scheinbar recht trocken und abstrakt - aber bei Kepler herausgeboren aus einem Vernehmen der Harmonie des Weltalls. Das können wir aus Keplers Munde selbst hören, wenn er sagt: Damit ich finden konnte, was ich gefunden habe, musste ich hingehen zu den heiligen Mysterien der Ägypter, habe ihre Tempelgefäße entwendet und mit ihnen das Opfer angerichtet, das mich führte zu dem, was ich jetzt als Gesetze der Menschheit in den Schoß lege, auf dass es erst Jahrhunderte später begriffen werde.

So war das dunkle Bewusstsein von einem Wiederverkündigen dessen, was in der ägyptischen Zeit gelebt hat.

Dass in unsere Zeit so viel hereinkommt von materialistischer Ausdeutung der Dinge, das rührt davon her, dass zurückgebliebene Geister der ägyptisch-chaldäischen Epoche in unsere Kultur hereinspielen. Allerdings etwas von dem ägyptischen Genius musste in unsere Kultur hereinragen; denn der Ägypter hatte einen starken Materialismus in seiner Spiritualität, der sich zum Beispiel darin einen Ausdruck verschaffte, dass er den physischen Leib der Gestorbenen einbalsamierte - das heißt, er legte einen Wert auf die Erhaltung des Leibes. Das ist aus der ägyptischen Zeit in entsprechend anderer Form zu uns herübergekommen.

Dieselben Kräfte, die damals nicht ihren Abschluss gefunden hatten, greifen in verwandelter Art in unsere Zeit wieder ein. Aus der Gesinnung, welche die Leichen einbalsamierte, wurden die Anschauungen, welche heute bloß den Stoff anbeten. Der Ägypter balsamierte seine Leichen ein und erhielt damit das, was ihm wertvoll war. Der moderne Anatom seziert dasjenige, was er sicht, und glaubt daran die Gesetze des Leibes zu erkennen!

In unserer heutigen Wissenschaft leben die zurückgebliebenen Kräfte der alten ägyptischen und chaldäischen Welt, die damals gerechtfertigte Kräfte waren, jetzt aber zurückgebliebene darstellen, und die wir erkennen müssen! Dann werden sie uns nicht schaden, sondern uns mit beiden Füßen in die Welt hineinstellen lassen. Diese Kräfte müssen ihre Verwertung finden; sie müssen da sein; denn wir würden sonst nicht unsere großen Errungenschaften in der Technik, Industrie und so weiter haben.

Das sind Kräfte, die luziferischen Wesenheiten der untersten Stufe angehören, die da hereinwirken. Wenn man sie nicht in richtiger Weise erkennt, dann hält man das Materielle für das einzig mögliche - und sieht nicht die wahren Kräfte, welche hinaufführen in das Spirituelle. Aus diesem Grunde haben wir die zwei Strömungen in unserer Zeit.

Was würde denn geschehen sein, wenn durch die höchste Weltenleitung nicht im alten Ägypten und Chaldäa solche charakterisierten Wesenheiten zurückgeblieben wären, die man jetzt findet hellseherisch auf dem Astralplan?

Es ist schwer auszudrücken; aber man kann es ungefähr so ausdrücken: Es würde der gegenwärtigen Kultur an der nötigen Schwere fehlen. Es würden dann nur die Kräfte wirken, welche den Menschen mit voller Gewalt ins Geistige bringen wollten, und die Menschen würden nur allzu sehr geneigt sein, sich diesen Kräften zu überlassen. Sie würden Schwärmer werden. Alle würden nur etwas wissen wollen von einem Leben, das so schnell wie möglich sich vergeistigt, und die Gesinnung wäre ganz allgemein: Was brauche ich mich immer wieder und wieder zu inkarnieren? Da kann ich [doch] nichts gewinnen. Nein, ich will gleich mit vollen Flügeln hinein ins Geistige! - So würde die Schwärmerei Platz greifen. Wie die schönsten Dinge zu Verführern und Versuchern der Menschheit werden können, wenn ihnen der Mensch einseitig folgt, so wäre hier die große Gefahr vorhanden, dass alle möglichen guten Bestrebungen in den Fanatismus gebracht würden. So wahr es ist, dass die Menschheit durch ihre edlen Impulse vorwärtsgebracht wird, so wahr ist es, dass durch die schwärmerische und fanatische Vertretung der edelsten Impulse ein Schlimmstes für die Menschheit geschehen kann. Nur wenn wir in Demut und nicht in Schwärmerei nach dem Höchsten streben, erstreben wir es richtig. Damit wir die nötige Schwere auf der Erde haben, damit wir Verständnis haben für das Materielle, für die Dinge des physischen Planes, deshalb hat die weise Weltenlenkung diejenigen Kräfte zurückgelassen, die ihre Entwicklung hätten damals vollenden sollen, und die uns jetzt den Blick sichern für das physische Leben, die uns festhalten und uns auch unsere materielle Kultur lieb gewinnen lassen.

So sehen wir, wie im Weltall alles zum Guten gewendet wird. Aber dazu müssen wir wissen, was im Einzelnen und was in der ganzen Menschheit wirkt. So haben wir gewissermaßen eine der letzten Unterabteilungen der zurückgebliebenen geistigen Wesenheiten gefunden. Etwas ganz Ähnliches wie die luziferischen Wesenheiten ist in unserer geistigen Welt drinnen. Und wer nur den hellscherischen Blick geöffnet erhält, stößt gleich an diese Wesenheiten früherer Erdepochen, die ihm da begegnen, und die nur zurückgebliebene Wesenheiten sind.

Damit habe ich Ihnen sozusagen in Ideen entwickelt die Art und Weise, wie durch die Evolution gewisser höherer Wesenheiten das Weltall vorwärtsgebracht wird, und habe Ihnen gezeigt, wie aber auf gewissen Stufen immer Wesenheiten zurückgehalten werden müssen, damit die Entwicklung in der rechten Weise vorwärtsgehen kann. Damit haben wir uns gewisse Begriffe und Ideen machen können über «Entwicklung» überhaupt, über die Art, wie durch Wesenheiten, die ihre Entwicklungsstufe erreichen, und solche, die sie nicht erreichen, der Gegensatz des Vorwärtsschreitens und des Zurückhaltens erzeugt wird- und wie dadurch die Entwicklung möglich wird. So kann man das ganze Weltall in seiner Entwicklung begreifen. Man muss aber auch das begreifen, was sich dem hellseherischen Blick in den geistigen Welten zeigt. Dadurch, dass man durch irgendwelche Übungen das geistige Auge, das geistige Ohr geöffnet hat, geöffnet hat gegenüber der geistigen Welt, hat man nur das erreicht, dass man sieht, was da ist, dass man die Wesenheiten wahrnehmen kann und weiß: Da sind geistige Wesenheiten des Astralplanes oder des Devachanplanes. Aber es gehört noch etwas anderes dazu, um zu erkennen, welcher Art diese Wesenheiten sind.

Irgendeine Wesenheit auf dem Astralplan oder Devachanplan kann uns begegnen; wir wissen aber dann noch nicht, ob sie in fortschreitender Entwicklung ist oder ob sie zurückgeblieben ist, ob sie jetzt bremst oder vorwärtsschiebt. Die, welche nur so Hellscher werden, dass ihnen ihre geistigen Augen geöffnet werden, können im Grunde genommen niemals wissen, was für eine Art von Wesenheiten ihnen begegnen.

Ich sage: Niemals können sie es. Dieses «niemals» bezieht sich insbesondere auf unsere heutige Zeit. Es war nicht immer so. Wenn wir wieder zurückgehen würden in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwicklung, so könnten wir nicht sagen: Da hat «niemals» jemand unterscheiden können zwischen den Wesenheiten, die ihm auf dem astralischen oder devachanischen Plan begegneten. Wenn ein alter Ägypter in ganz alten Zeiten hellsehend wurde, und es trat ihm eine Wesenheit der astralischen oder devachanischen Welt entgegen, so hatte sie gleichsam an der Stirne geschrieben, was sie ist. Er konnte sie nicht verwechseln. Dagegen ist die Möglichkeit des Verwechselns heute schon eine sehr große. Während die alte Menschheit dem Wege in die Reiche der Hierarchien näherstand, ist die Irrtumsmöglichkeit heute eine sehr große, und der einzige Schutz dagegen ist nur die Art, dass man sich bemüht solche Vorstellungen, solche Ideen und ein so klares Denken sich anzueignen, wie es jetzt angedeutet ist, wenn man die Gesetze der Evolution unterscheiden will. Denn dieses klare Denken allein gibt uns die Möglichkeit, zu unterscheiden zwischen den Arten der Wesenheiten, die uns auf dem Astralplan begegnen.

Einen, der hineinschaut in die geistige Welt, nennt man in der esoterischen Sprache einen «Hellseher». Aber nur Hellseher zu sein ist nicht genug; da würde er sehen, aber nicht unterscheiden können. Was er sein muss neben einem Hellseher, ist ein «Eingeweihter». Die Einweihung bringt die Möglichkeit, zu unterscheiden zwischen den verschiedenen Arten von Wesenheiten. Es kann also jemand theoretisch hellsehend sein für die höheren Welten, braucht aber kein Eingeweihter zu sein. Für die alten Zeiten war die Unterscheidung der Wesenheiten nicht besonders wichtig; denn, wenn die alten Geheimschulen die Schüler zum Hellsehen gebracht hatten, war die Gefahr des Irrtums keine sehr große. Jetzt aber ist die Irrtumsmöglichkeit eine sehr große. Daher musste in der Lenkung der Menschheit darauf Rücksicht genommen werden, dass immer zu dem Prinzip der Esoterik hinzugefügt wird das Prinzip der Einweihung. Der Mensch muss in dem Maße, als er hellseherisch wird, fähig werden zu unterscheiden zwischen den besonderen Arten der Wesenheiten.

Diese besondere Aufgabe - ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen den Prinzipien des Hellsehens und der Einweihung - trat einmal an die Führung der Menschheit heran. Notwendigerweise musste die Menschheit so etwas einmal in der Führung und Leitung bekommen, dass das richtige Gleichmaß zwischen Hellsehen und Einweihung hergestellt wurde. Da entsteht die Frage: Wann musste das geschehen? Das wurde notwendig in der Zeit, als die Menschheit eine Krisis durchmachte in Bezug auf ihr höheres Erkennen. In der Zeit des dreizehnten Jahrhunderts, etwa um das Jahr 1250 herum, haben wir das Zeitalter, wo die Menschen sich am meisten abgeschlossen fühlten von der geistigen Welt. Da sagten die hervorragendsten Geister, die nach einem gewissen höheren Erkennen strebten: Was unsere Vernunft, unser Intellekt, was [unser Wissen] finden kann, ist beschränkt auf die Welt, die uns außen umgibt; wir können mit unserm vernünftigen menschlichen Forschen und Erkenntnisvermögen nicht eine geistige Welt erreichen; sie muss uns durch die Offenbarung gegeben werden! Wissen und Glauben sind zwei voneinander getrennte Gebiete! - Dass dies gesagt wurde in der Zeit, als die Scholastik blühte, hat seinen guten Grund; es wurde gesagt, weil damals eben die Menschheit am meisten vor der geistigen Welt abgeschlossen war. Ungefähr das Jahr 1250 ist die Zeit, in welcher die Menschen während des Mittelalters dazu kommen mussten, die Grenze zu ziehen zwischen dem, was man glauben kann und was man erkennen kann.

Und dann kam die Zeit, wo immer mehr und mehr die Möglichkeit sich ergab, hineinzuschauen in die geistige Welt. Immer zahlreicher wurden die Menschen, die ein natürliches Hellschen hatten, und sie werden weiter immer mehr und mehr werden. Um 1250 war die Krisis, da die Menschheit am meisten von den geistigen Welten abgeschlossen war, während sie dann wieder aufsteigen sollte, und wir sind heute schon wieder auf dem Gange nach der spirituellen Welt. Damals wurde es notwendig die Bilanz zu schaffen zwischen Einweihung und Hellscher-Prinzip. Das war die besondere Aufgabe eines Impulses, der sich hereinbegab in die Lenkung und Leitung der Menschheit, als das Jahr 1250 heranrückte. Damals musste beginnen eine neue Art der Führung, eine neue Art, die Menschen zu leiten und das Gleichgewicht zu schaffen zwischen Einweihung und Hellsehen.

So wurde denn vorbereitet das Rosenkreuzerprinzip der Einweihung und des Hellsehens, das seinen Anfang genommen hat seit den Zeiten des Mittelalters, als die Menschen glaubten, der Mensch könnte überhaupt nicht die geistige Welt erreichen. Denn wenn solche Individualitäten, die in den vorherigen Inkarnationen schon vieles, vieles erreicht hatten, um das Jahr 1250 wieder inkarniert wurden, so war ihr Blick eine Zeit lang vollständig getrübt. Ganz erleuchtete Individuen hatten etwas, als wenn sie wie abgeschnitten wären von der geistigen Welt. So sehen wir, dass es von jener Zeit an notwendig wurde, dass in der Lenkung und Führung der Menschheit ein neues Element auftrat. Das war das Element des Rosenkreuzerprinzipes. Durch dasselbe ist erst im wahren Sinne zu verstehen, wie in die Lenkung und Leitung der ganzen Menschheit wie auch des einzelnen Menschen eingreifen kann für alle Betätigungen dasjenige, was wir den «Christus-Impuls» nennen. Das ist erst durch das Rosenkreuzerprinzip möglich.

Alles Große wird wieder so begriffen werden, dass es in der ersten Zeit etwas durchmacht, was der Mensch selbst in der ersten Kindheit durchmacht. Von dem Mysterium auf Golgatha bis zum Eingreifen des Rosenkreuzerprinzips war die allererste Kindheitszeit das Verarbeiten des Christus-Prinzips. Die Menschen nahmen daher den Christus so unbewusst auf, dass sie später, als sie gezwungen wurden, ihn bewusst aufzunehmen, alle möglichen Fehler machten und in ein Labyrinth hineingerieten. Daher sehen wir, wie in der ersten Zeit das Christus-Prinzip sich einlebte und wie dann eine neue Zeit kommen musste. In dieser sind wir noch nicht sehr weit. Aber wir werden sehen, dass das neue Prinzip so eintritt, wie es in aller Entwicklung ist: Dass es zuerst aufgenommen wird, ohne dass der Mensch mit seinem Selbstbewusstsein etwas dazu tun kann, und dass es dann abgelöst wird von der vollbewussten Menschlichkeit.

So wird die Rosenkreuzerentwicklung zeigen, wie sich der Christus-Impuls in immer neuen Folgen der Führung der Menschheit bemächtigen wird. Es wird morgen unsere Aufgabe sein, in den Mittelpunkt der Führung und Leitung der Menschheit die Auffassung des Christus-Impulses zu stellen, wie er war vor dem Mysterium von Golgatha seit den ältesten Zeiten der Entwicklung - und nach dem Mysterium von Golgatha, indem wir die Auffassung, die wir früher geben konnten, noch dadurch etwas vertiefen, dass wir das Rosenkreuzerprinzip auf das, was vorher und nachher war, anwenden.

German original of The Spiritual Guidance of Man and Humanity III · ← Previous · Next →