Supplements to Member Lectures
GA 246 — 8 June 1911, Copenhagen
Die Geistige Führung Des Menschen Und Der Menschheit IV
Dass es zweierlei Führer der Menschen gibt, haben wir gestern betont; und zwar haben wir ausgeführt: Wenn wir zurückblicken in die Entwicklung der Menschheit seit der großen atlantischen Katastrophe bis heute, so finden wir - je weiter wir zurückgehen, desto mehr, ganz, wie es die alten Ägypter gesagt haben - die Menschen unter der Führung jener Individualitäten, die schon während der alten Mondenzeit Menschen gewesen sind.
Diese Individualitäten - haben wir gesagt können sich nicht vollständig in einem menschlichen physischen Leib inkarnieren, da sie über das Stadium schon hinausgewachsen sind, welches notwendig macht, sich in einem menschlichen physischen Leib zu inkarnieren. Wir bezeichnen diese Wesenheiten als dhyanische Wesenheiten, wenn wir im Sinne der orientalischen Mystik sprechen, oder als Angeloi oder Engel, wenn wir im Sinne der christlichen Mystik sprechen. Sie führen die tonangebenden, eigentlich bedeutsamen Menschen, die sich hellsehend oder hellhörend zu ihnen erheben und sich ihren Anordnungen und Lehren fügen.
Eine zweite Art der Menschheitslehrer haben wir in jenen Individualitäten gefunden, die auf dem Monde zurückgeblieben sind und ihr vollständiges Ziel nicht erreicht haben. Das sind halb engelhafte — halb dhyanische - Wesenheiten, zwischen Menschen und Engeln drinnen stehend; diese verkörperten sich in den alten Zeiten in den großen Völkerführern, die wir nach den verschiedenen Gebräuchen der Völker «Heroen» nennen, zu denen zum Beispiel auch der ägyptische Hermes oder Thot, Pelops, Kadmos, Kekrops zählen, die als Persönlichkeiten im Fleische vorhanden waren, aber doch mehr waren als die übrige Bevölkerung ihrer Zeit. In ihnen steckten solche Seelen, die eigentlich zurückgebliebene Engelwesenheiten des Mondes waren.
Wenn wir aber den Blick hinaufrichten zu den höheren Hierarchien, so finden wir, dass die Sache durchaus nicht so ist, dass wir sagen könnten, es wären etwa nur «Engel» die Führer, sondern es sind in gewisser Beziehung die Wesenheiten einer jeden Hierarchie wieder unterstehend der Führung und Leitung der höheren Hierarchien. So sprechen wir in der christlichen Mystik davon, dass die Engel unter der Führung der «Erzengel», «Archangeloi», stehen, diese wieder unter der Führung der «Archai» oder «Urkräfte», und so weiter. So kommen wir hinauf in die verschiedensten Klassen der Hierarchien. - Im strengsten Sinne des Wortes mehr oder weniger große Führer waren - wie ich es gesagt habe - die Engel in der Zeit, als die Ägypter und Chaldäer auf der Erde tonangebend waren, das heißt während der dritten nachatlantischen Kulturepoche. Denn wir unterscheiden von der Zeit der großen atlantischen Katastrophe ab sieben aufeinanderfolgende Kulturepochen: Die erste ist die uralt indische Kulturperiode, darauf folgt die urpersische, die dritte ist die ägyptisch-chaldäische, die vierte die griechisch-lateinische und die fünfte ist unsere eigene, die etwa seit der Zeit des zwölften bis fünfzehnten Jahrhunderts sich allmählich herausgebildet hat und in der wir so mitten drinnen stehen. Allerdings bereiten sich in unserer Zeit schon die ersten Vorgänge vor, welche dann zur sechsten nachatlantischen Kulturperiode hinüberführen werden. Auf diese sechste Epoche wird dann noch eine siebente folgen. Nur für die dritte Kulturperiode, die ägyptisch-chaldäische, waren die Engel oder dhyanischen Wesenheiten die selbstständigen Leiter und Führer der Menschen. Für die persische Zeit war es schon nicht so. Da unterstanden die Engel einer höheren Führung und richteten alles so ein, wie es - wenn wir trivial sprechen - den Befehlen der nächsthöheren Hierarchie entsprach, sodass alles zwar unter der Leitung der Engel stand, aber diese selbst fügten sich wieder der Anordnung der Erzengel oder Archangeloi. Und in der indischen Kulturperiode, in welcher das nachatlantische Leben eine solche Höhe hatte, wie nachher vorläufig nicht wieder — eine natürliche Höhe unter der Leitung der großen Rishis -, da unterstanden die Erzengel selber wieder in dem, was sie zu leiten hatten, der Führung der Archai, die man auch die Geister des Urbeginnes nennt.
Verfolgen wir also von der indischen Zeit durch die persische und ägyptisch-chaldäische Kultur hindurch die Entwicklung der Menschheit, so können wir sagen, dass sich gewisse Wesenheiten der höheren Hierarchien sozusagen immer mehr und mehr zurückzogen von der Leitung der Menschheit. Und wie war es in der vierten nachatlantischen Kulturperiode, der griechisch-lateinischen Zeit? Da war der Mensch ganz selbstständig geworden, war vollends selbstständig geworden. Daher jene eigentümliche, ganz «menschliche» Kultur in der griechisch-römischen Zeit, wo der Mensch ganz auf sich selbst gestellt ist.
Alle Eigentümlichkeiten in der Kunst, im staatlichen Leben in der griechischen und römischen Welt sind darauf zurückzuführen, dass der Mensch sich sozusagen selbst ausprobieren sollte. Wenn wir also in diese ältesten Zeiten zurückgehen, finden wir führende Wesenheiten, welche ihre Entwicklung bis zum Menschen in früheren planetarischen Zuständen abgeschlossen hatten. Die vierte nachatlantische Kulturepoche war dazu da, den Menschen am allermeisten zu prüfen. Daher war das auch die Zeit, in welcher sich die ganze geistige Führung der Menschheit in einer neuen Art einrichten musste. Wir — sagte ich - leben jetzt in der fünften nachatlantischen Kulturepoche; dann wird folgen eine sechste und dann eine siebente. Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, wohin wir zu schauen haben, wenn wir die Führer unserer Kulturepoche finden wollen. Wo sind diese? Welcher Art von Hierarchien gehören sie an?
Ich habe schon im Vortrage merken lassen, dass sie derselben Hierarchie angehören, die bei den alten Ägyptern und Chaldäern herrschend war. In der Tat beginnen dieselben Wesenheiten, welche damals geführt haben, wieder in unserer Zeit ihre Tätigkeiten. Wir haben gesagt, dass gewisse Wesenheiten während der ägyptisch-chaldäischen Kultur zurückgeblieben sind, und dass wir diese in den materialistischen Gefühlen und Empfindungen unserer Zeit finden.
Jetzt entsteht die Frage: Wenn in unserer Zeit nicht nur diese zurückgebliebenen Wesenheiten der ägyptisch-chaldäischen Kultur wirken, sondern auch höhere, die hinaufführen in die geistige Welt, welcher Art sind dann diese? Wie unterscheiden sich diese? Oder besser gesagt: Wodurch sind diese Wesenheiten, die uns jetzt führen in geistiger Beziehung, höhere Wesenheiten? Was haben diese nicht zurückgebliebenen Wesenheiten errungen?
Der eigentliche Fortschritt dieser Wesenheiten, der Engel oder dhyanischen Wesenheiten, besteht in Folgendem. Bei den Ägyptern und Chaldäern haben sie einfach durch das geleitet, was sie selber aus uralten Zeiten an Fähigkeiten errungen hatten. Nun haben sie sich durch diese Leitung der ägyptisch-chaldäischen Kultur selber weiterentwickelt, haben neue Fähigkeiten errungen; denn das war ihre Arbeit. Und die Fähigkeit, die sie sich errungen haben, ist die: einem Grundwesen gemäß zu handeln. Dieses Grundwesen ist für die Welten des nächst höheren Planes, dem ja diese Engel oder Angeloi angehören, der Christus.
Denn der Christus existiert nicht nur für die Erde, sondern auch für diese Wesenheiten. Dieselben Wesenheiten, welche die alte ägyptisch-chaldäische Kultur geführt haben, standen damals nicht unter der Leitung des Christus, sondern sie haben sich erst seit der ägyptisch-chaldäischen Zeit der Führung des Christus unterstellt. Und darin besteht ihr Fortschritt, sodass sie jetzt unsere fünfte nachatlantische Kulturperiode unter dem Einflusse des Christus leiten, dem folgen sie auf dem höheren Plan. Und das Zurückbleiben derjenigen Wesenheiten, von denen wir gesagt haben, dass sie auch da sind, das besteht darin, dass sie sich nicht unterstellt haben der Führung des Christus, sodass sie unabhängig von dem Christus weiterwirken. Daher wird immer deutlicher und deutlicher Folgendes in der Kultur der Menschheit hervortreten: Es wird eine materialistische Strömung geben, die unter der Lenkung und Führung der zurückgebliebenen ägyptisch-chaldäischen Geister steht; sie wird einen materialistischen Charakter haben. Das meiste, was wir die heutige Wissenschaft in aller Herren Länder nennen, steht unter diesem Einfluss. Aber daneben macht sich eine andere Strömung geltend, die darauf hinzielt, dass der Mensch bei allem, was er tut, endlich das finden kann, was man das «Christus-Prinzip» nennen kann. Das wird ja wohl sonderbar erscheinen, aber wahr ist es doch. Es gibt heute zum Beispiel Menschen, welche sagen: Woraus besteht denn unsere stoffliche Welt? Aus Atomen besteht sie! - Wer flößt denn dem Menschen die Gedanken ein, dass die Welt aus Atomen bestehe? Das sind die während der ägyptisch-chaldäischen Zeit zurückgebliebenen Engelwesenheiten!
Was werden denn die Wesenheiten lehren, welche ihr Ziel im alten ägyptisch-chaldäischen Kulturgebiet erreicht haben, und die damals den Christus kennengelernt haben? Sie werden dem Menschen andere Gedanken einflößen können als die, dass es nur stoffliche Atome gäbe; denn sie werden den Menschen lehren können, dass bis in das kleinste Teil hinein die Substanz von dem Geiste des Christus durchzogen ist! Und so sonderbar es erscheinen mag: Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt unter dem Einfluss der zurückgebliebenen ägyptisch-chaldäischen Geister, sondern welche Ichren werden: Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat! - Man wird den Christus bis in die kleinsten Stoffe der Chemie und Physik finden! Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was da kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiss vielen Leuten als cin Wahnsinn. Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die gegenwärtigen Zeiten Wahnsinn. Am allermeisten werden sich die Menschen wundern, die heute jene Wissenschaft, die am meisten eingreift in die menschlichen Angelegenheiten, unter den Einfluss der während der alten ägyptisch-chaldäischen Zeit zurückgebliebenen Engelwesen stellen möchten - nämlich die Menschen, welche heute die offizielle Medizin treiben; denn die heutige, materialistische Medizin steht ganz unter dem Einfluss dieser Geister, wird ganz [davon] inspiriert. Im Gegensatz dazu wird die künftige Medizin ganz durchchristet werden, ganz spirituell werden; sie wird in ganz anderem Sinne mit den Faktoren zu rechnen wissen, die zwar in der Natur zu finden sind, aber vom Geiste durchdrungen sind.
Jetzt verstehen wir auch, was diese führenden Wesenheiten voraushaben vor den Menschen. Wann haben denn die Menschen in der nachatlantischen Zeit den Christus kennengelernt? Das war in der vierten nachatlantischen Kulturperiode, in der griechisch-lateinischen Zeit. Denn während diese Kulturepoche ablief, fiel das Christus-Ereignis in die Entwicklung hinein, und da lernten die Menschen den Christus kennen. Die Engel, die leitenden Wesenheiten, haben ihn während der ägyptisch-chaldäischen Zeit kennengelernt und sich zu ihm emporgeschwungen - und mussten dann während der griechisch lateinischen Zeit die Menschen ihrem eigenen Schicksal überlassen, um dann später wieder in die Menschheitsentwicklung einzugreifen. Und wenn wir heute Theosophie lehren, so heißt das nichts anderes, als dass wir wissen können: Sie kommen wieder herab, die Geister, welche die Menschheit geleitet haben! Aber jetzt kommen sie so herab, dass sie selber sich unter der Führung des Christus befinden.
So ist es auch mit anderen Wesenheiten. Wir haben gesagt, dass in der persischen Zeit die Erzengel an der Führung der Menschheit beteiligt waren. Sie haben nun noch früher den Christus kennengelernt und in ihrer Art verkündet. Aber wie? Von Zarathustra selber haben wir oft betont, dass er seine Anhänger und sein Volk zur Sonne hinwies und sagte: In der Sonne lebt der große Geist Ahura Mazdao, der herniederkommen wird zur Erde! - Denn die Wesenheiten aus der Region der Erzengel, welche den Zarathustra führten, wiesen ihn hin auf den großen Sonnenführer, der damals noch nicht auf die Erde heruntergekommen war, sondern erst den Weg angetreten hatte, um die Erde zu führen.
Und die führenden Wesenheiten, welche den heiligen Rishis vorstanden, haben diese wieder gewiesen auf den Christus; denn es ist nur ein Glaube, wenn man meint, diese Rishis hätten den Christus nicht gekannt. Sie haben nur gesagt, dass er «über ihrer Sphäre» ist, dass sie ihn «nicht erreichen können». Aber wiedererstehen werden auch die Rishis und werden lehren [über den] Christus. Denn wie die Engel in unserer fünften Kulturperiode es sind, die den Christus heruntertragen in unsere geistige Sphäre, so werden in der sechsten Kulturperiode diejenigen Wesen von den Erzengeln die Kultur führen, welche die persische Kulturperiode geleitet haben. Und die Geister des Urbeginnes, die Archai, welche die Menschheit während der alten indischen Zeit leiteten, sie waren schon damals mit dem Christus bekannt geworden und haben sich ihm unterstellt. Sie werden unter dem Christus in der siebenten Kulturepoche - bis zu einer neuen großen Katastrophe - die Menschheit zu leiten haben. So steigt die ganze Menschheit wieder hinauf, indem sich die hohen hierarchischen Wesenheiten der Führung des Christus unterstellen.
In der griechisch-lateinischen Zeit war es so, dass der Christus heruntergestiegen ist und sich offenbart hat im fleischlichen Leibe des Jesus von Nazareth. Da war er hinuntergestiegen bis auf den physischen Plan. Auf dem nächsthöheren Plan wird er zu finden sein, wenn unsere Kulturperiode dazu reif geworden ist. Nicht auf dem physischen Plan kann er zu finden sein, sondern nur auf dem nächsthöheren. Denn die Menschen werden nicht dieselben geblieben sein; sie werden reifer geworden sein und den Christus finden, wie ihn Paulus in dem Ereignis vor Damaskus durch Gnade aus der geistigen Welt gefunden hat. Und wie es in unserer Zeit dieselben großen Lehrer sind, welche schon in der ägyptisch-chaldäischen Kultur die Menschheit geleitet haben, so werden sie auch diejenigen sein, welche im zwanzigsten Jahrhundert die Menschen hinaufführen werden zu dem Christus, wie ihn Paulus gesehen hat. Sie werden dem Menschen zeigen, wie der Christus nicht nur auf die Erde wirkt, sondern das ganze Sonnensystem durchgeistigt.
Und als einen Geist, der geahnt wurde durch das einheitliche Brahman, in das aber erst der richtige Inhalt durch den Christus eingezogen ist, werden die, welche die wiederverkörperten heiligen Rishis in der siebenten Kulturperiode sein werden, den großen gewaltigen Geist verkünden, von dem sie damals gesagt haben, dass er über ihrer Sphäre walte, und der eintreten wird in ihre Sphäre. So wird die Menschheit von Stufe zu Stufe hinaufgeleitet werden.
So über den Christus zu sprechen, wie er Führer ist in den aufeinanderfolgenden Welten gegen die höheren Hierarchien hinauf, das lehrt uns die Wissenschaft, die unter der Signatur des Rosenkreuzes seit dem zwölften, dreizehnten Jahrhundert in unsere Kultur eingetreten ist und von der wir gezeigt haben, dass sie seit dieser Zeit notwendig geworden ist. Da sehen wir, wie also diese Dinge zusammenstimmen. Wir müssen nun etwas näher eingehen auf die rosenkreuzerische Anschauung über die Wesenheit, welche erst in Palästina gelebt hat und dann das Mysterium von Golgatha vollbracht hat.
Es hat schon viele Vorstellungen über den Christus gegeben. Da gab es zum Beispiel die Vorstellung der christlichen Gnostiker der ersten Jahrhunderte, welche sagten: Der Christus, der gewandelt ist in Palästina, war überhaupt in keinem physischen, fleischlichen Leib vorhanden; er hätte nur einen Scheinleib gehabt, einen Ätherleib, der physisch sichtbar geworden war, sodass also auch sein Kreuzestod kein wirklicher Tod gewesen wäre, sondern nur ein scheinbarer, weil eben nur ein Ätherleib vorhanden war.
Dann finden wir die verschiedenen Streitigkeiten unter den verschiedenen Anhängern des Christentums, so zum Beispiel den bekannten Streit zwischen den Arianiern und Athanasiern und so weiter, und mit ihnen die verschiedensten Auslegungen über das, was der Christus eigentlich wäre. Bis in unsere Zeit hinein machen sich die Menschen die mannigfaltigsten Vorstellungen über den Christus.
Was haben wir uns denn eigentlich unter dem Christus zu denken? Sie müssen mit mir schon ein wenig, ich möchte sagen, schwierige Begriffe durchmachen, wenn Sie sich ganz zu der Rosenkreuzervorstellung von dieser Christus-Wesenheit erheben wollen. So müssen wir uns klar sein, dass das, was in dem Christus seit der Johannes-Taufe im Jordan lebte, nicht bloß eine irdische - sondern eine kosmische Wesenheit ist, eine wirkliche kosmische Wesenheit. Der Mensch ist ja überhaupt ein kosmisches Wesen, und wir wollen uns jetzt einmal eine primitive Vorstellung machen, inwiefern der Mensch ein kosmisches Wesen ist, und uns dann aufschwingen von der kosmischen Wesenheit des Menschen zu der kosmischen Wesenheit des Christus.
Wir wissen, dass der Mensch ein zweifaches Leben lebt: ein Leben im physischen Leibe von der Geburt bis zum Tode und ein Leben in den geistigen Welten zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wo er nicht in einem physischen Leibe lebt. Ist nun der Mensch in einem physischen Leibe verkörpert, dann lebt er - weil der physische Leib auf die Stoffe und Kräfte der Erde angewiesen ist- in Abhängigkeit von der Erde. Aber wir nehmen nicht nur die Stoffe und Kräfte der Erde in uns auf, sondern wir atmen auch die Luft der Erde und sind dadurch im Wesentlichen eingegliedert in den ganzen physischen Erdorganismus, gehören zu ihm. Wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, dann gehören wir nicht den Kräften der Erde an; aber es wäre falsch, sich vorzustellen, dass wir dann keinerlei Kräften angehörten, sondern wir sind auch dann tatsächlich verbunden mit den Kräften des Sonnensystems und der weiteren Sternensysteme. Wir leben zwischen Tod und neuer Geburt ebenso im Kosmischen, wie wir in der Zeit von der Geburt bis zum Tode in terra leben, mit der Erde in Zusammenhang sind. Wir gehören vom Tode bis zur neuen Geburt so dem großen Kosmos an, wie wir auf der Erde angehören den Elementen Luft, Wasser, Erde und so weiter. Indem wir das Leben durchleben zwischen Tod und neuer Geburt, kommen zu uns fortwährend die Kräfte von Mars, Jupiter, Saturn und so weiter, aber auch von den ferneren Sternenwelten. Denn von diesen anderen Planeten oder Sternenwelten kommen nicht etwa, bloß die physischen Kräfte, die eine phantastische physische Astronomie erfunden hat - Schwerkraft oder die anderen Kräfte -, sondern vor allem geistige Kräfte. Und mit diesen geistigen Kräften des Kosmos stehen wir in Verbindung - und zwar jeder Mensch in einer besonderen Weise, je nach seiner Individualität. Wir leben, wenn wir in Europa geboren sind, mit den Wärmeverhältnissen und so weiter in einem anderen Zusammenhange, als wenn wir zum Beispiel in Australien geboren wären. Ebenso stehen wir im Leben zwischen Tod und neuer Geburt in Beziehung - der eine mehr nach dem Mars, der andere mehr nach dem Jupiter, der eine mehr nach dem Planetensystem überhaupt, der andere mehr nach dem Tierkreis oder andere nach ferneren Sternbildern.
Und diese Kräfte sind es auch, die uns wieder auf die Erde zurückführen, uns gleichsam auf die Erde herunterstoßen bis wir, nachdem die Erde ihre Mission erfüllt haben wird, ganz reif geworden sind, um ohne die Erde leben zu können. So leben wir die Jahre vor unserer Geburt mit dem gesamten Sternenraum in Verbindung, einer so, der andere so, einer mehr merkurverwandt, ein anderer mehr marsverwandt, wieder ein anderer mehr mit dem Sternbild des Löwen verwandt und so weiter. Und je nachdem bestimmen sich auch die Kräfte, die einen Menschen zu diesem oder jenem Elternpaar, in diese oder jene Gegend hinleiten. Der Trieb, der Impuls sich da oder dort, in diese oder jene Familie, in dieses oder jenes Volk, an diesem oder jenem Zeitpunkt zu inkarnieren, hängt davon ab, womit wir mehr in Verbindung stehen. Und immer intensiver und intensiver wird der Zusammenhang mit den Sternenkräften, je mehr der Zeitpunkt unserer Geburt heranrückt.
Man hatte im deutschen Mittelalter einen Ausdruck, der außerordentlich bezeichnend war für den Eintritt der Geburt eines Menschen, und Sie werden ihn gleich sehr treffend finden. Wenn ein Mensch geboren wurde, sagte man nicht: Ein Kind ist da oder dort geboren worden. - Sondern: Ein Kind ist da oder dort jung geworden!
Denken Sie, dass darin das Bewusstsein liegt von dem Eintreten eines Menschen in das physische Dasein. Und so haben Sie zum Beispiel im «Faust» im zweiten Teil den Ausdruck auch noch gebraucht: «Im Nebellande jung geworden», wobei «Nebelland» der alte Name für [das mittelalterliche] Deutschland ist. Die Leute verstehen den Ausdruck nicht, weil er bedeutet ein Hineintreten in das physische Dasein.
Wenn nun ein Mensch wieder inkarniert wird, so können Sie, wenn Sie richtig zu lesen verstehen, im Horoskop die Kräfte lesen, nach denen sich der Mensch hineingeworfen hat ins physische Dasein. Warum hat der Mensch ein Horoskop? Weil im Horoskop die Kräfte dastehen, nach denen er geboren ist. Wenn so zum Beispiel im Horoskop der Mars über dem Widder steht, so heißt das, dass gewisse Widderkräfte nicht durchgelassen werden, dass sie abgeschwächt werden. Es wird also der Mensch in das physische Dasein hineingestellt, und das Horoskop ist das, wonach er sich richtet, bevor er sich hineinbegibt in das irdische Dasein. Nur muss man das Horoskop richtig zu lesen wissen. Was den Menschen hereintreibt in die physische Verkörperung, das sind die wirksamen Kräfte der Sternenwelt. Der Mensch trägt den ganzen Himmelsraum in sich und wird mit den Kräften des ganzen Himmelsraumes in das irdische Dasein hineingestellt.
Denken wir uns also, es stünde ein Mensch vor uns: In ihm lebt der ganze Makrokosmos. Das sieht das hellseherische Bewusstsein in der merkwürdigsten Weise. Es wird vielleicht sonderbar erscheinen - aber wahr ist es doch: Wenn man das physische Gehirn eines Menschen herausnehmen und es hellseherisch anschauen würde, wie es verschieden konstruiert ist, sodass man sehen würde, wie gewisse Zellen an bestimmten Stellen sitzen und Fortsätze aussenden, so würde man finden, dass das Gehirn bei jedem Menschen anders ist. Nicht zwei Menschen haben ein gleiches Gehirn. Aber denken Sie sich nun, man könnte - was man ja nie kann und auch nicht können wird - dieses Gehirn mit seiner ganzen Struktur fotografieren, sodass man eine Halbkugel hätte und alle Fortsätze daran aufgereiht, so gäbe das einmal bei jedem Menschen ein anderes Bild. Und wenn Sie jetzt nicht bloß das Gehirn eines Menschen fotografierten, sondern in dem Moment, wenn er geboren wird, auch den Himmelsraum fotografieren würden, so bekämen Sie dieselbe Fotografie. Sie bekommen ja in jedem Moment von dem Himmelsraum ein anderes Bild. Der Mensch aber hat in sich ein Bild von dem Himmelsraum - und zwar jeder ein anderes Bild -, je nachdem er geboren ist. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Mensch herausgeboren ist aus der ganzen Welt.
Wenn Sie dies ins Auge fassen, werden Sie sich auch mit mir zu der Vorstellung erheben, die uns wie das Makrokosmische in dem einzelnen Menschen, auch das Makrokosmische in dem Christus zeigt. Was ist denn bei der Johannes-Taufe geschehen? Wenn Sie sich den Christus nach der Johannes-Taufe so vorstellen, dass er zu betrachten wäre wie ein anderer Mensch, in dem eben eine menschliche Individualität inkarniert lebt wie bei einem anderen Menschen, so machen Sie sich eine falsche Vorstellung. Denn was nach der Johannes-Taufe vorhanden war, das war Folgendes.
Da haben wir zunächst den Jesus von Nazareth. Der war so auf die Weise zustande gekommen, dass im Beginne unserer Zeitrechnung zwei Jesus-Knaben geboren worden waren. Der eine stammte aus der nathanischen Linie des Hauses David, der andere aus der salomonischen Linie des Hauses David. Diese beiden Knaben waren nicht ganz zu gleicher Zeit geboren, aber doch annähernd. In dem salomonischen Jesus-Knaben, den das Matthäus-Evangelium uns schildert, inkarnierte sich dieselbe Individualität, die einmal als Zarathustra auf der Erde gelebt hat, sodass wir in diesem Jesus-Kinde des Matthäus-Evangeliums vor uns haben den wiederverkörperten Zarathustra oder Zoroaster. So wächst heran, wie ihn Matthäus schildert, in diesem Jesus-Knaben bis zum zwölften Jahre die Individualität des Zarathustra. In diesem Jahre verlässt Zarathustra den Körper dieses Knaben und geht hinüber in den Körper des anderen Jesus-Knaben, den das Lukas-Evangelium schildert. Daher wird dieses Kind so plötzlich etwas ganz anderes. Die Eltern erstaunen, als sie ihn in Jerusalem im Tempel wiederfinden, nachdem in ihn der Geist des Zarathustra gefahren war. Das wird darin angedeutet, dass der Knabe, nachdem er verloren gegangen war und in Jerusalem im Tempel wiedergefunden wurde, so gesprochen hat, dass ihn die Eltern nicht wiedererkannten, weil sie dieses Kind - den nathanischen Jesus-Knaben - eben nur so kannten, wie er früher war. Aber als er anfing, zu den Schriftgelehrten im Tempel zu reden, da konnte er so sprechen, weil in ihn der Geist des Zarathustra gefahren war. Bis zum dreiRigsten Jahre lebte der Geist des Zarathustra in dem Jesus-Knaben, der aus der nathanischen Linie des Hauses David stammte. In diesem andern Körper reifte er heran zu einer noch höheren Vollendung. Ich bemerke, dass in diesem andern Körper, in dem jetzt der Geist des Zarathustra lebte, das Eigentümliche dies war, dass in dessen Astralleib der Buddha lebte.
Sie wissen ja, dass die morgenländische Tradition richtig ist, dass der Buddha als ein Bodhisattva geboren wurde — und erst während seiner Erdenzeit, im neunundzwanzigsten Jahre, zur Buddha-Würde aufgestiegen ist. Und Sie wissen auch, dass Asita, der große indische Weise, als der Gautama-Buddha ein kleines Kind war, in den Königspalast gekommen ist und geweint hat. Warum hat er geweint? Aus dem Grunde, weil er als Scher hat sehen können, dass dieses Königskind der Buddha werden wird, und weil er sich als ein alter Mann fühlte, der es nicht mehr erleben wird, bis in dieser Inkarnation der Sohn des Suddhodana zum Buddha werden wird. Das sieht der weise Brahmine voraus. — Auch dieser Brahmine wurde wiedergeboren. Das ist derselbe, der uns im Lukas-Evangelium als jener Tempelpriester vorgeführt wird, welcher jetzt gegenüber dem nathanischen Jesus-Knaben den Buddha sieht, der herunterwirkt in den astralischen Leib dieses Knaben. Und weil er sah: Das ist der Buddha. - Deshalb sagte der Priester: «Lass Herr, Deinen Diener in Frieden fahren, denn ich habe meinen Meister gesehen!» Was er damals in Indien nicht sehen konnte, das sah er durch den Astralleib dieses Jesus-Knaben, der uns als der des Lukas-Evangeliums entgegentritt.
Das alles war notwendig, damit der geheiligte Leib zustande kommen konnte, welcher dann am Jordan die Johannes-Taufe empfing. Damals verließ die Individualität des Zarathustra den dreifachen Leib — physischen Leib, Ätherleib, Astralleib - jenes Jesus, der auf so komplizierte Weise herangewachsen war, damit der Geist des Zarathustra in ihm sein konnte, wozu aber zwei physische Leiber nötig waren. Das heißt: Durch zwei Entwicklungmöglichkeiten musste hindurchgehen der wiedergeborene Zarathustra.
Da stand also dem Täufer gegenüber der dreifach geheiligte Leib des Jesus von Nazareth, und in ihn wirkte jetzt herein die kosmische Individualität des Christus - aber so, dass jener Übergang nicht stattfand, der bei der Geburt eines sonstigen Menschen stattfindet, wo in uns hineingeht alles, was wir an kosmischen Gesetzen haben und dann in uns drinnen ist; sondern während der Jesus von Nazareth in den letzten drei Jahren seines Lebens vom dreißigsten bis dreiunddreißigsten Jahre in Palästina auf der Erde wandelte, wirkte fortwährend die ganze kosmische Christus-Wesenheit immer in ihn herein. Immer stand der Christus unter dem Einfluss des ganzen Kosmos, machte keinen Schritt, ohne dass die kosmischen Kräfte in ihn hereinwirkten. Was hier bei dem Jesus von Nazareth sich abspielte, war ein fortwährendes Verwirklichen des Horoskopes; denn in jedem Moment geschah das, was sonst bei der Geburt erst geschieht: In jedem Moment wirkten bei dem Jesus von Nazareth die gesamten kosmischen Kräfte herein. Das konnte nur dadurch geschehen, dass der ganze Leib des anderen Jesus-Knaben ein anderer war, dass er weich geblieben war und geformt war nach dem großen Vorherverkündiger des Christus, dem Zarathustra. - Wenn so der ganze Geist des Kosmos hereinwirkte: Wer ging denn dann - sagen wir - nach Kapernaum oder sonst wohin? Was da ging auf der Erde, das war allerdings etwas, was aussah wie [irgendein anderer Mensch. Die wirksamen Kräfte darin aber waren die kosmischen Kräfte, die von der Sonne und den Sternen kamen; die dirigierten den Leib. Und je nach der Sternkonstellation geschah das, was der Christus tat. Daher ist überall die Sternkonstellation wichtig. Lesen Sie im Johannes-Evangelium, wo der Christus seine ersten Jünger findet, wie da angegeben ist: «Es war aber um die zehnte Stunde», weil der Geist des ganzen Kosmos hereinwirkt. - Und wer wissen will, was unten geschieht, der braucht nur das Horoskop zu erstellen. So ist es mit allen einzelnen Taten.
Wodurch wird der Mensch krank, als dadurch, dass die Kräfte der Erde nicht in richtiger Harmonie wirken! Was von der Erde aus unharmonisch wirkt, das kann immer wieder in Harmonie gebracht werden durch die Kräfte des Kosmos. Aber alles in entsprechender Weise! Die Menschen denken, dass allerlei Aberglauben und dummes Zeug geschieht bei den sogenannten Wundern der Krankenheilungen. Aber das glauben sie deshalb nur, weil sie nicht lesen können. Ich möchte dabei nur auf eine Stelle hinweisen, wo es heißt: «Als die Sonne untergegangen war, da brachten sie zu ihm die Kranken, und er heilte sie.» Was heißt das? Da macht der Evangelist grandios darauf aufmerksam, dass diese Heilung mit der ganzen Sternkonstellation zusammenhing, dass eine solche Weltenkonstellation herbeigeführt wurde gerade an dem Punkt der Welt, die nur hat herbeigeführt werden können an diesem Punkt der Welt. Denn es steht nicht aus Spaß da: «Als die Sonne untergegangen war ...», sondern es steht deshalb da, weil sich die entsprechenden Heilkräfte nur entwickeln konnten nach Sonnenuntergang, weil sie da anders wirken für ein Wesen, das sich nach dem ganzen Kosmos ausdehnt. Und dass von allen Seiten des Kosmos die Kräfte wirkten, dazu war der Leib des Jesus von Nazareth das Werkzeug. So sagt es uns die spirituelle Weisheit. So lehrt es uns und wird es uns immer mehr und mehr lehren die Rosenkreuzerweisheit.
Aber die anderen Kräfte, die zurückblieben in der ägyptisch-chaldäischen Zeit wirken auch weiter - und Sie werden bemerken, dass sie sehr kräftiglich wirken. Denn es werden immer mehr und mehr Literaturwerke erscheinen, die sich in sonderbarer Weise bemühen werden zu zeigen, dass man die Evangelien verstehen kann, indem man sie astrologisch auslegt. Die größten Gegner der Evangelien berufen sich auf dieses astrologische Auslegen, sodass zum Beispiel der Weg der Maria zur Elisabeth nichts anderes bedeutete als das Schreiten der Sonne vom Sternbilde der Jungfrau zum Widder. Das ist etwas, was in gewisser Weise richtig ist; nur werden diese Gedanken unserer Zeit in dieser Art eingeflößt von den Kräften, die während der ägyptisch-chaldäischen Zeit zurückgeblieben sind, während die unsere Evolution aufwärtsführenden Kräfte uns lehren, dass es nicht auf die äußeren materiellen Verhältnisse ankommt, sondern immer nur auf die kosmischen Kräfte, die durch den Jesus von Nazareth von der Johannes-Taufe ab wirkten, so wirkten, dass damals das erste Mal der Menschheit gelehrt worden ist: Ihr müsst alle geistige Weisheit zusammennehmen, wenn ihr den ganzen Menschen erkennen wollt!
Jetzt werden Sie es nicht mehr als sonderbar ansehen, wenn ich sage, dass zum Beispiel die Heilwissenschaft eine spirituelle Wissenschaft werden wird. Man wird immer mehr und mehr mit den Grundprinzipien, die aus dem ganzen Kosmos geholt sind, rechnen. Und man wird immer mehr und mehr wissen, dass man von der Krankheit zur Gesundheit übergeht, indem man die ganzen harmonischen Kräfte aufruft gegen die Kräfte, welche die Krankheit hervorrufen. Und so ist das Christus-Prinzip ein Heilprinzip im rechten Sinne des Wortes! Wenn man in den verschiedenen Evangelien richtig versteht, was dort gesagt ist, dann sieht man den Weg angezeigt zu einer spirituellen Weisheit. Wenn wir schon für den gewöhnlichen Menschen nicht sagen können, dass er ganz der Erde angehört- denn er bringt sich ja seine Individualität aus dem Kosmos mit, die wohnt in ihm -, so müssen wir von dem Christus sagen, dass durch ihn strahlt und glänzt der ganze uns zugängliche geistige Kosmos.
Wenn ich einen Vergleich gebrauchen darf, möchte ich sagen: Denken Sie sich jeden Menschen unter dem Bilde einer spiegelnden Kugel. Wenn Sie sich einen Kugelspiegel aufgestellt denken, so gibt er Ihnen die Bilder von der ganzen Umgebung. Nehmen wir nun an, wir führten mit dem Stift die Umrisse nach, welche sich da aus der ganzen Umgebung ergeben, und malten sozusagen das Abbild der ganzen Umgebung auf diesen Spiegel auf. Dann nehmen wir den Spiegel, haben das Abbild - und können dieses Abbild überall hintragen. Das heißt also: Es ist einmal ein Bild des Kosmos auf den Spiegel gezeichnet. So ist es, wenn ein Mensch geboren wird. Ein solches Abbild trägt der Mensch von der Geburt bis zum Tode mit sich. - Man könnte nun aber auch den Spiegel so lassen. Dann gibt er überall ein Bild der gesamten Umgebung. Das wäre das Bild des Christus von der Johannes-Taufe bis zum Mysterium von Golgatha! Was beim Menschen mit der Geburt einfließt, das floss bei dem Christus in jedem Augenblick ein. Und als das Mysterium von Golgatha sich vollzog, ging das, was da aus dem Kosmos eingestrahlt war, in die Substanz der Erde ein und ist seit jener Zeit mit dem Geist der Erde verbunden, lebt darinnen.
Als Paulus vor Damaskus hellsichtig geworden war, wovon hat er sich da überzeugen können? Davon, dass in den Geist der Erde übergegangen ist, was früher im Kosmos war! Davon wird sich jeder überzeugen können, der seine Seele dazu bringen kann. Im zwanzigsten Jahrhundert werden die ersten Menschen auftreten, welche das Christus-Ereignis des Paulus in geistiger Weise erleben werden. Damit aber wird immer mehr und mehr die Bestätigung geliefert werden, dass der Christus eine Wesenheit war, hingestellt und gebunden an die engsten Grenzen der Erde. Der Mensch ist ja in der Tat an die engsten Grenzen gebunden. Denken Sie zum Beispiel an die alten Griechen: Der griechische Staat war ihr Gebiet, das sie durchwanderten. Heute ist der Schauplatz der Menschen die ganze Erde! Der Schauplatz des Menschen erweiterte sich immer mehr und mehr. Allerdings - in demselben Maße, als sich der Schauplatz erweiterte, verengte sich die geistige Anschauung. Während in den ersten Zeiten der nachatlantischen Entwicklung die Menschen sehr wohl gewusst haben: Da oben ist nicht nur ein physischer Mars. Sondern, was wir sehen als Mars oder als Jupiter oder Saturn, das ist der Ausdruck für geistige Wesenheiten - wurde so, während der Schauplatz der Menschen auf der Erde größer und größer wurde, ihr Blick immer materialistischer und materialistischer. Und im Mittelalter sahen die Menschen von den Sternen nur, was die Augen sehen können: Die Sphäre der Venus, die Sphäre der Sonne, des Mars und so weiter bis zur Sphäre des Fixsternhimmels - und dann kam die achte Sphäre wie eine blaue, feste Wand dahinter.
Dann kam Kopernikus und schlug Bresche in die Anschauung, dass nur dasjenige maßgebend sein könnte, was die Sinne sehen. - Die heutigen physischen Wissenschaftler sagen: Da treten so verworrene Köpfe auf, welche behaupten, die Welt ist Maya, ist Illusion, ist die große Täuschung, und man müsse in eine geistige Welt hineinschauen, um die Wahrheit zu erkennen, -— während doch wahre Wissenschaft die ist, welche sich an die Sinne hält und das verzeichnet, was die Sinne sagen! - Da könnte man im Sinne des wahren Christentums sprechen: Es möge ihnen verziehen werden, denn sie wissen nicht, was sie tun! Wann haben denn die Astronomen vertraut auf die Sinne? Als die Wissenschaft herrschte, die heute bekämpft wird?
Als Kopernikus anfing, dasjenige auszudenken, was über den Sinnesschein hinaus im Weltenraum vorhanden ist, da fing erst die heutige moderne Astronomie als Wissenschaft an. Und so ist es überall. Überall, wo im modernsten Sinne Wissenschaft entstanden ist, entstand sie gegen den Sinnesschein! Als Kopernikus erklärte: Was ihr scht ist Maya, ist Täuschung verlasst euch auf das, was ihr nicht sehen könnt! -, da wurde das Wissenschaft, was wir heute als solche haben. Man könnte also den Vertretern der heutigen Wissenschaft sagen: Eure Wissenschaft ist selber erst da «Wissenschaft» geworden, wo sie sich nicht mehr auf die Sinne verlassen konnte!
Dann kam Giordano Bruno, ausgerüstet mit den Gedanken des Kopernikus, schaute hinaus in den Weltenraum und verkündete: Was ihr die Grenze des Raumes genannt habt, was ihr als achte Sphäre hingestellt habt, die alles räumlich begrenzt, das ist keine Grenze! Das ist Maya, Schein! Denn da ist in den Weltenraum ergossen eine Unzahl von Welten. Was ihr vorher als Grenze des Raumes glaubtet, das war nur die Grenze eurer eigenen Sinneswelt, die Grenze eures eigenen Erkennens. Wendet hinaus den Blick über die Sinneswelt, scht die Welt nicht mehr so an, wie es die Sinne zeigen! Dann erkennt ihr die Unendlichkeit! - Es war das der große Moment, von dem ein nordischer Geist sagte, dass da die Eischale zerbrochen ist, als Giordano Bruno die Unendlichkeit des Raumes ahnte.
Was tut die Geisteswissenschaft? Was tut die rosenkreuzerische Theosophie? Sie vollendet das Werk, das damals geschehen ist für die äußere physische Wissenschaft, indem sie sagt: Maya, Illusion ist das, was die äußere Wissenschaft erkennen kann. Wie ihr früher bis zur «achten Sphäre» geschaut habt und den Raum begrenzt glaubtet, so glaubt das heutige materialistische Denken den Menschen eingeschlossen zwischen Geburt und Tod. Die spirituelle Wissenschaft aber erweitert euch den Blick über Geburt und Tod hinaus — wie Giordano Bruno räumlich, so die spirituelle Wissenschaft zeitlich zu dem, was außerhalb dessen ist, was die Sinne wahrnehmen können zwischen Geburt und Tod.
Es ist eine geschlossene Kette, die sich da vollzieht. Und im wahren Sinne des Wortes ging das, was als eine Vorbereitung für den Raum durch Kopernikus und Giordano Bruno ausgeführt worden ist, schon hervor aus den Inspirationen der Rosenkreuzer. Man wusste nicht, dass hier auf geheimnisvolle Weise etwas hineinträufelte unter der Inspiration der Rosenkreuzer in die Lenkung und Führung der Menschheit! Und die, welche heute auf dem Boden von Giordano Bruno und Kopernikus stehen und nicht die Theosophie annehmen wollen, sie werden ihren eigenen Traditionen untreu, indem sie an dem Sinnenschein festhalten wollen. Aber in bewusster Art hören wir es heute aus der Rosenkreuzertheosophie: Wie Giordano Bruno das blaue Himmelsgewölbe durchbrach, so durchbricht der Hellseher die Grenzen von Geburt und Tod für den Menschen, indem er zeigt, wie der makrokosmische Mensch im physischen Dasein lebt und durch den Tod hindurch wieder in ein makrokosmisches Dasein eintritt. Und was wir in jedem einzelnen Menschen im beschränkten Maße sehen, das tritt uns im Großen entgegen in dem großen kosmischen Repräsentanten, in dem Christus Jesus. Und nur einmal konnte dieser Impuls gegeben werden, den der Christus gab. Nur einmal konnte sich so der ganze Kosmos spiegeln; denn diese Konstellation, wie sie damals vorhanden war, sie kommt nicht wieder. Diese Konstellation musste durch einen Menschenkörper wirken, damit sie auf der Erde den Impuls geben konnte. So wahr, wie diese selbe Konstellation nicht ein zweites Mal eintritt, so wahr ist der Christus nur einmal zur Verkörperung gekommen! Nur wenn man nicht weiß, dass der Christus der Repräsentant des ganzen Weltalls ist, und [nur wenn man] sich nicht aufschwingen kann zu der hohen, hehren Christus-Idee, wozu erst jetzt die Elemente gegeben werden, nur dann kann man behaupten, dass der Christus mehrmals auf Erden erscheinen wird.
So sehen wir, wie eine Christus-Idee jener Christus-Wesenheit aus der Theosophie der Rosenkreuzer entspringt, welche den Menschen lehrt seine Verwandtschaft mit dem ganzen Makrokosmos in einer erneuerten Weise. Es bedarf wahrhaftig, um den Christus wirklich kennenzulernen, derjenigen inspirierenden Kräfte, die jetzt auftreten durch die selber von dem Christus geführten alten ägyptischen und chaldäischen Engelwesen. Es bedarf einer solchen neuen Inspiration, der Inspiration, welche vorbereitet haben die Rosenkreuzer und die sie immer mehr und mehr geben werden. Wenn sich im Sinne der Rosenkreuzertheosophie der Mensch in seiner Seele in richtiger Weise vorbereitet, dann kann er hören hellhörend, sehen hellsichtig, was offenbaren die alten chaldäischen und ägyptischen Mächte, die jetzt Scharen geworden sind unter der Anführung der Christus-Wesenheit. Was da der Menschheit, durchdringend alles menschliche Wissen, einmal kommen wird, das konnte in den ersten christlichen Jahrhunderten bis zu unserer Zeit nur vorbereitet werden. Daher dürfen wir sagen: Es wird eine Christus-Idee leben in den Herzen der künftigen Menschen, an Größe und Glorie in nichts zu vergleichen mit den Vorstellungen, die sich eine noch jugendliche Menschheit in den ersten Jahrhunderten bis heute machen konnte.
Was entstanden ist als erster Impuls und gelebt hat als Vorstellung von dem Christus bis heute - selbst bei den besten Vertretern des Christus-Prinzipes -, das ist nur Vorbereitung zu der wirklichen Erkenntnis des Christus. Daher kann es schon sein, dass die, welche auf dem Standpunkte der alten Christus-Idee stehen bleiben wollen, die heftigsten Gegner der rosenkreuzerischen Christus-Idee sein werden.
O, es [wäre] recht sonderbar, wenn denen, welche im Abendlande den Christus im rosenkreuzerischen Sinne vertreten, vorgeworfen würde, sie stünden nicht irgendwie auf dem Boden der christlichen Tradition des Abendlandes! Denn diese christliche Tradition des Abendlandes reicht durchaus nicht aus, um den Christus für eine nächste Zukunft zu begreifen. Und es gehört eine vollständige Vorurteilslosigkeit gegenüber allen religiösen Bekenntnissen auf der Erde dazu, um das zu begreifen, was durch die rosenkreuzerische Inspiration über die leitenden Wesenheiten und ihren führenden Christus bekannt werden kann, über diese geistige Führung des Menschen und der Menschheit, die man im echten, wahren Sinne die christliche Führung nennt.
So sehen wir, wie das, was uns als die rosenkreuzerische Wissenschaft entgegentritt, hineinfließt in die Herzen der Menschen, und wie wir die geistige Führung des Menschen und der Menschheit erkennen können. Denken Sie einmal, wie zuerst das Christus-Prinzip in die Herzen der Menschen eingeflossen ist: Der Christus in dem physischen Leibe des Jesus von Nazareth in Palästina wandelnd und den Menschen den Impuls gebend. - Da haben die Einfältigsten den Impuls empfangen können! Dann hat derselbe Impuls durch die Inspiration der Rosenkreuzerwissenschaft so gewirkt, dass inspiriert werden konnten Geister wie Nikolaus Cusanus, Kopernikus, Galilei, sodass zum Beispiel Kopernikus den Satz geltend machen konnte: Der Sinnenschein kann euch nicht die Wahrheit lehren; wollt ihr die Wahrheit suchen, so müsst ihr hinter den Sinnenschein gehen! - Damals waren die Menschen noch nicht reif, selbst Geister wie Giordano Bruno nicht, sich der Rosenkreuzerführung bewusst einzugliedern; sie mussten unbewusst in sich wirksam haben den Geist des Rosenkreuzertums. Und wenn Giordano Bruno so großartig und gewaltig verkündete: Wenn ein Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, so ist das ein Makrokosmisches, das sich konzentriert als eine Monade; und wenn ein Mensch durch den Tod geht, dehnt sich die Monade wieder aus; was im Körper zusammengeschlossen war, dehnt sich im Weltall aus, um sich in anderen Daseinsstufen wieder zusammenzuziehen und wieder auszudehnen -, so sprachen aus ihm gewaltige Begriffe, die ganz und gar Abbild der Rosenkreuzerinspiration waren.
Denn die geistigen Einflüsse, welche die Menschheit führen, brauchen nicht dadurch zu wirken, dass der Mensch sich dessen bewusst wird. Nein! Sie setzen zum Beispiel den Menschen Galilei in den Dom von Pisa. Tausende und Tausende haben dort die alte Kirchenlampe gesehen - haben es aber nicht gemacht wie Galilei. Galilei aber sah die alte Kirchenlampe schwingen, nahm seinen Puls und verglich die Zeiten, in denen die Lampe regelmäßig hin und her schwang, mit der Regelmäßigkeit seines Pulsschlages und fand, dass in regelmäßigem Rhythmus, dem Pulsrhythmus ähnlich, die Kirchenlampe schwingt. Daraus hat er dann die «Pendelgesetze» gefunden im Sinne der heutigen Physik. Wer die heutige Physik kennt, der weiß, dass sie nicht möglich wäre ohne das Galilei’sche Prinzip. - So wirkte die Rosenkreuzerinspiration: Sie setzte Galilei hin in den Dom von Pisa vor die schwingende Kirchenlampe - und die heutige Physik ist ganz und gar durchdrungen von dem Galilei’sehen Prinzip. Und so wirken die geistigen führenden Kräfte weiter.
Dann kommt die Zeit, wo sich die Menschen auch dieser führenden Kräfte bewusst werden sollen. Diese Gnade ist unserer Zeit zuteilgeworden. Wir werden immer mehr und mehr begreifen, was kommen wird, wenn wir heute dasjenige richtig verstehen, was als rosenkreuzerische Inspiration wirkt, was uns lehrt, dass dieselben geistigen Wesenheiten, auf welche die alten Ägypter hingedeutet haben, als die Griechen sie nach ihren Lehrern fragten, dass diese selben Wesenheiten, die damals als Götter geherrscht haben, jetzt wieder herrschen, aber sich jetzt der Führung des Christus unterstellt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen fühlen, wie sie das, was vorchristlich ist, in einem höheren Glanze und Stil, auf einer höheren Stufe wiedererstehen lassen können.
Eine Gestalt der alten griechischen Kultur ist Äskulap, der Arzt. Sein Symbol [ist] der Stab, der von der Schlange umwunden ist. Er heilt, heilt aus den Kräften heraus, die von der Weisheit stammen, die jene Wesen geben konnten, die schon auf dem Monde ihre Entwicklung abgeschlossen hatten. Diese Mondwesenheiten werden auch im Paradiese unter dem Bilde der Schlange dargestellt. Immer werden sie unter dem Bilde der Schlange dargestellt. Die Schlange, die Äskulap trägt, ist sehr verwandt mit der Schlange des Paradieses: Es ist ein und dieselbe Schlange. Denn die Heilkräfte, die auf der Erde wirken, sind sehr verwandt mit den Kräften, die vom Monde stammen, als dieser seine Entwicklung vollendet harte.
Wenn nun diese Kräfte neuerdings herunterkommen, die im alten Ägypten gewirkt haben, werden sie sich der Führung des Christus unterstellt haben. Und wenn jene Individualitäten bewusst aufwachen, die im alten Ägypten gelebt haben, und sich bewusst werden, woher die Einrichtung der Welt stammt, so werden sie aufjauchzen, wenn sie vernehmen werden: Hier ist verstanden worden die Führung der Menschheit, wie sie unter der Führung der Rosenkreuzer hat entstehen können!
Und wenn die Schüler des Zarathustra in der sechsten Kulturepoche wieder erscheinen werden und vorgearbeitet sein wird für ein solches Verständnis der Führung der Menschheit, so werden sie aufjauchzen, dass der große Sonnengeist, von dem schon Zarathustra gelehrt hat, jetzt da ist. Und die heiligen Rishis, die einst in Indien sagten, dass der Christus über ihrer Sphäre wäre, sie werden wiedererscheinen in der siebenten nachatlantischen Kulturepoche und werden sagen: Von denjenigen, die in der fünften Kulturperiode der nachatlantischen Zeit verstanden haben den Rosenkreuzereinfluss und erkannt haben, wie die vorchristlichen Wesenheiten in der nachchristlichen Zeit wirkten, von ihnen ist vorbereitet worden, was wir ahnten: Es ist in unsere Sphäre eingezogen, was damals über unserer Sphäre lag!
Unser Bewusstsein aber, das wir brauchen und das ein gestärktes Bewusstsein ist, das eine höhere Pflichtverantwortlichkeit sein soll, das kann nur in unsere Seele einziehen, wenn wir solches wissen. Und wann wissen wir diese Theosophie der Jetztzeit am besten? Dann, wenn wir sie nicht nur durch den Verstand aufgenommen haben -, sondern dass wir aus dem, wie sie jetzt charakterisiert worden ist, wissen: Das hat sie zu tun, das ist ihre Aufgabe und Mission!
Und wenn unsere Seele stark wird, werden wir es auch ertragen können, wenn die Theosophie uns Gegner bringt in unserer Zeit. Mögen sie auftauchen an allen Orten, die, welche die Theosophie gar nicht verstehen oder sie missverstehen; mögen das, was die Rosenkreuzertheosophie zu sagen hat, manche ableugnen oder selbst sagen: Es widerspricht den uralt-heiligen Lehren der Rishis oder des Brahmanismus oder des Zarathustra. - Wer so, wie es jetzt charakterisiert worden ist, die Rosenkreuzertheosophie versteht, wird es leicht ertragen, [wenn] ihm gesagt wird, dass es widerspreche den Lehren der Rishis oder des Brahmanismus oder sonstigen orientalischen Lehren. Denn er weiß, dass die heiligen Rishis, von denen die hehrsten orientalischen Lehren herstammen, zustimmen werden, wenn sie wiedererscheinen und den Fortschritt in der Kultur auf der Erde erblicken! Er weiß, dass uns die wahren Rishis, die wahren Bekenner des Zarathustra recht geben werden! Das wissen wir und das können wir wissen. Mit einer solchen innerlich gestärkten Seele fasst derjenige die Theosophie auf, der sie in der Jetztzeit im Sinne der Rosenkreuzer auffasst. Fassen wir sie aber so auf, dann wird sie uns der tiefste Maßstab und Impuls der neuzeitlichen Moralität, und wir werden dann sprechen können in dem Sinne, wie es in dem einleitenden Vortrage geschehen konnte. Wie Balsam, wie stärkende Arznei wird der heilsame Rosenkreuzergeist in die Herzen der Menschen einziehen und es sich nicht nehmen lassen, die Kultur weiter zu führen, die Menschen und die Menschheit weiter zu führen, wie er sie geführt hat, um das zu verwirklichen, was seit dem zwölften, dreizehnten Jahrhundert begonnen worden ist. Wie hinter den Schultern von Giordano Bruno, Nikolaus Cusanus oder Galilei der Rosenkreuzergeist lebte und sie unbewusst führte, so wird er weiterleben. Wir haben ihn nur bewusst aufzunehmen, weil die Menschen immer mehr und mehr bewusst aufzunehmen haben — und weil sie vorher noch nicht dazu reif waren und es unbewusst aufnehmen mussten.
In diesem Sinne wird uns die Theosophie mehr als Wissenschaft; in diesem Sinne wird sie uns die höchste, innerste Notwendigkeit des Lebens unserer Seele, flammt auf dasjenige, was uns aus der theosophischen Offenbarung in unser Gemüt kommt in dem, was wir denken, fühlen und wollen. In diesem Sinne werden wir Abbilder des theosophischen Geistes. Das ist das Beste, was wir aus der Theosophie jederzeit in die Welt hinaustragen können, und wir werden dann sehen, wie neues Leben auch in die Welt des Alltages hineinkommen kann. So meint es die geistige Führung des Menschen, und dies ist jene Erklärung, die zu geben hat die Inspiration der Rosenkreuzerweisheit von der geistigen Führung des Menschen und der Menschheit.
Damit darf ich diese kurze Reihe von Vorträgen abschließen und hoffe, dass die geringen und wenigen Anregungen, die ich geben konnte, sich als das erweisen werden, als was ich sie am liebsten aufgefasst haben möchte: als Gedanken, die nicht bloß nachgedacht werden sollen, sondern als Gedanken, die wirksame Kräfte sind, die fortwirken in Ihren eigenen Seelen und sich darinnen fruchtbar erweisen können. Fassen Sie diese Gedanken so auf, dann werden sie weiterleben, und Sie werden dann mancherlei entdecken können, was in diesen drei Vorträgen ruht.
So möchte Theosophie in den Herzen der Menschen leben. In diesem Stile möchte ich auch in diesen Tagen zu Ihnen gesprochen haben, damit das, was diese kurzen Vorträge enthielten, in Ihren Seelen Ihr eigenes Seelen- und Lebensgut werde. Die höchsten Wesenheiten — haben wir gesehen - entwickeln immer sich weiter, indem sie sich der Führung der Hierarchien und ihrer Wesenheiten unterstellen. Und die Menschen verstehen sich recht in ihrer Seele, wenn sie die geistige Führung des Menschen und der Menschheit in richtigem Sinne verstehen. Lebendig werden dann in sich die Kräfte, die uns geoffenbart werden von dieser Führung. Und so von Woche zu Woche, von Stunde zu Stunde, von Augenblick zu Augenblick immer weiterzuschreiten als Menschen, das ist unsere eigentliche theosophische Aufgabe!