Supplements to Member Lectures

GA 246 — 21 September 1912, Basel

«Wege nach Weimar»

Ansprache bei einer literarischen Zusammenkunft zu Friedrich Lienhard

[«Tempel der Erfüllung»

Auf rote Wand wölbt sich der Kuppel Blau;
Und in dem Blau sind goldgewirkte Sterne.
Zwölf Meister stehn im runden Säulenbau
Und richten ihrer Blicke Kraft von ferne
Dreizehntem zu, der vor des Altars Grau
Im silbernen Gewand des Führers steht
Und zwölffach Kräfte sammelt im Geber.

So läuft die Sonne durch die Tierkreiszeichen
Und lässt sich zwölf besondre Kräfte spenden,
Um sie dann weiter in die Welt zu senden;
So tauscht sich Kraft mit Kraft an allen Enden
Des Kosmos und des kleinen Menschenlebens;
Und kein Geringster strahlt und wirkt vergebens —
Das Sonnenziel kann jeder Stern erreichen.

Jeder für alle - und für jeden alle!
Rhythmisch ist diese wunderbare Halle:
Denn jeder dieser leichtgeschwungnen Bogen
Ist über jeden Meisters Haupt gezogen,
Der marmoredel unter ihm verharrt;
Den Raum erfüllt ein atemfeines Wogen
Geklärter Seelenkräfte stark und zart.

Wer dieses Sonnentempels Bann betritt,
Dem prägt sich ein die Doppel-Siebenzahl
Der zeichenvollen Säulen, die den Saal
Von rundumher mit Ebenmaß umgeben;
Gleich einer Taube spürt er oben schweben
Des weißen Kuppelfensters runden Schnitt:
Und auf den Altar fällt der heil’ge Strahl.

Das nur Geahnte darf sich hier gestalten,
Erfüllung wohnt in dieses Baues Rundung;
Der Fernendrang beruhigt sich in Frieden,
Und es vernarbt die irdische Verwundung.
Entronnen niedren, nächtlichen Gewalten,
Sieht der Geweihte sich den Ort beschieden,
Da ihn erwartet himmlische Gesundung.

Und aller Dinge Urform schaut er wahr, Der Welt verworren Spiel wird Harmonie; Des Kreuzes Blut stellt sich als Rosen dar, Auf die vom Oberlicht kristallen-klar Ein Ton fällt, Klang der Sphärenmelodie, Der diesen hohen Raum mit Schönheit füllt Und jede harte Kante weich umhüllt ...

Zu diesem Tempel zog es dich schon lang, Du sehnst dich, drin zu schauen und zu beten. Allein du drehst dich noch an Rosenbeeten Der äußren Welt die Taxuswand entlang Und wirst nicht frei von dem, was draußen tönt Und jenes Tempels Dasein niederdröhnt -

Wenn du gereift bist, wirst du ihn betreten.

«Christus auf dem Tabor»

Jenseits der Drangsal,
Funkelnd von Kraft der Gnade,
Stehst du, Sonnengestalt,
Und in Goldlicht verwandelt sich dort
Vergängliches Leid.
So bist du jenseits
Und dennoch erreichbar:
Denn wir,
So oft wir den Wassern der Drangsal
Entsteigen, wie du entstiegest —
Sonnenumflossen stehn wir bei dir,
Goldgepanzert, verwandelt in Licht.

Siehe, so standest du einst,
Als du in Hüllen der Erde gingst,
Voraus werfend Glanz der künftigen Herrlichkeit,
Groß auf dem Tabor.
Zwiesprache hielten mit dir
Erhabene Meister der Urzeit:
Elias und Mose.
Unter dir aber, in Schatten und Schwere,
Schlummerten Gassen und Märkte der Menschen.
Da trat aus dir heraus
Das erdgefangne, das ewige Licht:
Wie zum Bade legtest du ab
Die Hüllen der Erde,
Den Rabbi, den Galiläer
Und auf dem Tabor stand
Der funkelnde Gottmensch!
Trat aus den Hüllen und stand,
Stand wie eine Opferflammensäule
Groß auf dem nächtlichen Tabor!

Da nahten sich jene, funkelnd wie du,
Die Großen der Vorzeit,
Traten hervor aus verhüllendem Lichtgewölk,
Wurden Gestalt und standen in Glanz
Auf dem Gipfel des Tabor.
Und sie tauschten mit dir die strahlende Rede,
Grüßten dich von den Seligen,
Erfüllten mit Flammenkraft die verzückten Jünger
Und traten wieder zurück
In die geheimnistiefe Mondnacht.

Du aber, Meister, und deine Jünger
Schweigend, leuchtend; wissendes Lächeln
Auf hell nachschimmerndem Antlitz,
Wandeltest wieder hinab zu den dunklen Menschen.]

Meine lieben Freunde!

Sie alle sind gewiss in dem gegenwärtigen Augenblick tief ergriffen von den beiden herrlichen Gedichten, die soeben zu ihrer Seele geklungen haben, und wenn wir irgendetwas im echten Sinne [als] theosophisch-künstlerisch enthüllen, so dürfen wir wohl sagen: So etwas, wie es eben an unsere Seele geklungen hat, gehört zur echten, wahren theosophischen Kunst, theosophischen Dichtung. Es kann einem dann, wenn man diese Dichtungen auf sich wirken lässt, ein Gedanke kommen, [der] ebenso befreiend, erlösend wie tröstend, ermutigend, aufrichtend [ist]: Von unabhängiger Seite ist. der Dichter solcher Dichtungen durch seine Seele getrieben worden, zu unserer tiefen Befriedigung mit uns zu sein, in unseren Versammlungen mit uns das geistige Leben der Gegenwart - und so dürfen wir ja das theosophische Leben bezeichnen - zu fühlen und zu empfinden. Und der Gedanke, der einem ebenso befreiend wie ermutigend und erlösend kommen kann, das ist der, dass gerade solche Kunst ist - das Wort klingt abstrakt, aber fühlen wir es - ein echter Beweis für die innere Spiritualität des Lebens unserer Zeit, für das im tiefsten Sinne spirituell Geforderte des theosophischen Fühlens und des theosophischen Denkens.

Ich kann heute nicht, der Kürze der Zeit wegen, was ich gewiss gerne möchte und bei anderer Gelegenheit wohl ten werde, auf Friedrich Lienhards dichterische Eigenart vom theosophischen Standpunkt eingehen. Aber die in allen Seelen gegenwärtig wohl befindlichen Gefühle wollte ich mit ein paar Worten in diesem Augenblick andeuten, andeuten schon aus dem Grund, weil ich ganz besonders fühle: Wenn solches Geisteswerk zu meiner Seele tönt, [dann zeigt das das] Berechtigte, das Notwendige unserer theosophischen Bewegung. Und weil mir besonders häufig erscheint in solchen Momenten diese Seite und diese Berechtigung der theosophischen Bewegung, deshalb drücke ich auch nur ein ganz aufrichtiges Gefühl aus, wenn ich von der innigen und tiefen Freude spreche, die mir geworden ist dadurch, dass der Dichter Friedrich Lienhard heute in einem großen Kreise unserer theosophischen Freunde selber zu uns gesprochen hat. Und Sie werden es mir nicht zum Persönlichen anrechnen, weil ich glaube, [dass] dadurch etwas Objektives [hinein] kommen kann, wenn ich, von Persönlichem ausgehend, ich möchte sagen, gerade wie es mir die Worte eingeben in diesem Augenblick, den Übergang wähle zu dem, was ich Ihnen sagen möchte, sagen [möchte] in diesem Augenblick.

Ich möchte sagen, auf manche Art konnte, durfte ich zweimal unserem verehrten Dichter Friedrich Lienhard auf dem Wege die Hand reichen - auf dem Wege, der mir so natürlich, so naturgemäß ist, wie gewiss ihm auch. Meine lieben Freunde, einige von Ihnen wissen es, dass ich versuchte - in Anknüpfung an die große klassische Zeit vom Ende des Jahrhunderts, vom Anfang des neunzehnten Jahrhunderts], die eben vorhin Friedrich Lienhard so ausnehmend anschaulich und prägnant hochgehalten hat -, anknüpfend an diese Zeit von [unleserliche Wörter] den Dingen des geistigen Lebens zu sprechen. Das war ja schon in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, und dann kam das, was ich ja, in nicht nur übertragenem Sinne, sondern im wahren Sinne des Wortes nennen muss «meinen Weg nach Weimar», den Weg nach Weimar, der mich ja dazu geführt hat, innerhalb Weimar selbst, innerhalb dieser thüringischen Dichterstadt sechseinhalb Jahre zu wirken, mit jeweiligen Ausnahmen jeden Tag meine Arbeit verrichtend im Goethe- und Schiller-Archiv.

Man lebte in anderer Weise dazumal im klassischen Weimar als ein Jahrhundert vorher. Man lebte das, was ein Jahrhundert vorher - und wieder anknüpfend an dieses Jahrhundert - Nachklangszeit war, man lebte es in der Erinnerung. Ich kann natürlich nicht von den Einzelheiten dieser Erinnerung sprechen, nicht sprechen von den charakteristischen Gefühlen, welche damals durch die Seele gezogen sind, als nun handschriftlich von Schiller dasjenige vor Augen einem trat, was Schiller hineinfließen ließ in das geistige Leben der neuen Zeit. Nicht kann ich sprechen von den Gefühlen, die durch die Seele zogen, wenn jenes Manuskript vor dem Auge dalag, von dem Sie eben vorher gehört [haben], dass es kurz vor Goethes Tod als der zweite Teil seines «Faust» erst abgeschlossen war.

Es ist etwas ganz Eigenartiges, wenn [man], ich möchte sagen, in lebendiger Kultur der Erinnerungen an eine solche große Zeit intim drinnen lebt. Und intim lebte man dazumal gewiss, intim verknüpft - [auch] ich selber - mit den manchmal außerordentlich vielsagenden, schon bedeutsamen Dokumenten, sagen wir, der Goethe’sehen Naturstudien, jener großen gewaltigen Studien, welche die Naturbetrachtung hinüberhebend zu der theosophischen höheren Geistesphilosophie, ja spirituellen Betrachtung zeigen. Es ist eigenartig, [dem] nachzugehen - und war [es] dazumal mehr noch als jetzt, wo diese Dinge alle gedruckt sind, die damals alle erst handschriftlich vorhanden waren -, so nachzugehen diesen Erinnerungen an diese große Zeit der modernen Evolution der Menschheit. Nicht auf Einzelheiten kann ich selbstverständlich eingehen, aber vielleicht mit ein paar Strichen doch auf das eine oder andere hindeuten - weil es mir ergänzend scheint, obwohl ich [nur] andeuten will, inwiefern es mir ergänzend scheint -, [auf] das, was in prägnanten Strichen über die Achtzigerjahre [unleserliche Wörter], wie es zur Beendigung des «Faust» Friedrich Lienhard gesagt hat. Es erscheint mir augenscheinlich ergänzend. Jetzt sind die Zeiten in Bezug auf [unleserliche Wörter] allerdings anders geworden. Aber wenn wir im [unleserliches Wort] das Wort erinnern, dann knüpfen wir an. In den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts brachte es noch etwas herein, was diese Erinnerung lebendig machte, was solcherart die Geschichte zusammenschloss mit jener [der] Großen der Achtzigerjahre, die bezeichnet worden sind.

Im Glanze der Goethe’sehen Seele, im Licht des Goethe’sehen Geistes lebte ja noch, wie wir wissen, von ihrer Jugend an jene romantisierte Waise, welche dem deutschen Volk und der deutschen Literatur bekannt wurde unter dem Namen einer Bettina von Arnim. Der Schwiegersohn der Bettine, die in ihrem Briefwechsel mit Goethe — der wahrer ist als die Leser heute glauben -, [die diesen] herausgegeben hat unter dem Titel «Briefwechsel mit einem Kind», der [Schwiegersohn] jener genialen Schöpferin eines Goethe-Denkmals, dieser Schwiegersohn dieser Bettina war Herman Grimm, der [unleserliches Wort] auch schon verfolgte, und wie eine Erinnerung derselben war dieser Goethe ergebene Mann, wenn er nach Weimar hin kam.

Und ich selbst habe ja sagen dürfen [unleserliche Wörter], und dass ich schöne Stunden habe verleben dürfen [mit dem], was Herman Grimm in Gesprächen, die ich mit ihm allein führen konnte, [erzählte]; in Gesprächen durch Weimar nach Tiefurt, [wie] da er sprach von dem großen [Plan], [und] so nicht [unleserliche Wörter] gekommen ist; die [unleserliche Wörter] so auffasst und die die Zeiten lebendig werden ließen dieses Goethetums, [dass das] die Phantasie ist, die [unleserliche Wörter] durch die Zeiten kommt und die ihnen die Kräfte noch [gibt], die durch die einzelnen Menschen kommt.

Herman Grimm, der wahrhaftig Goethe ergeben war und ganz in Goethes Tradition noch lebte, der kein Mann der neuen Zeit war, der war wieder etwas ganz anderes als die Erinnerungen, die aufgerichtet [werden] dadurch, dass die Goethe-, Schiller- und anderen Reliquien im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar angehäuft sind. Herman Grimm war wieder etwas ganz anderes. Es konnte einem das Symptomatische entgegentreten, wenn er durch Weimar durchkam — es war in der Zeit, wo er an der [unleserliches Wort] Abhandlung über den «Tasso» gearbeitet hat —, um sich auch Szenen des «Tasso»-Manuskripts [anzusehen]. Ich habe gesehen wie [andere] gekommene Gelehrte in Goethe-Manuskripten wühlten, [Lücke in der Mitschrift] Tag um Tage gesessen haben über den [Manuskripten]. Herman Grimm sprach davon, wie er eben an seinem «Tasso» arbeitete, ließ sich geben das Manuskript des «Tasso», setzte sich hin, schlug sich ein paar Seiten auf, schaute sie etwa drei Minuten lang an, dann schob er [sie] zur [Seite]. «Aha», sagte er; mehr hat er aus den Manuskripten nicht genommen, das war seine ganze unmittelbare philologische Arbeit. Wirklich nicht länger als drei Minuten. Er lebte lebendig die Goethe-Zeit und die Goethe-Tätigkeit und hatte keine Freude an Manuskripten und an nachgelassenen Reliquien. Daher war er es auch, welcher, wie gesagt, an die Erinnerung von Goethe anschloss, die von jenen Achtzigerjahren herüberkam in unsere Zeit hinein. Es wirkte in diese Zeit hinein dazumal, da ich selber [unleserliche Wörter] durfte [unleserliche Wörter] Klassik-Erinnerungen, [unleserliches Wort], auch noch manches andere.

Vor allen Dingen wirkt aber etwas nach, was Friedrich Lienhard geschildert hat, geschildert hat in Anknüpfung an Goethe, Schiller eben nicht an Hölderlin, Novalis. Und es wirkte etwas Wahres hinein [in] - was ich nennen möchte - diese eigenartige thüringische isolierte Insel, [in] diese Abgeschlossenheit: Im Kleinen und im Großen war man verbunden mit etwas, was im [unleserliches Wort] Sinne eigentlich ausgestorben war. Aber es war eine Erinnerung, eine lebendige Erinnerung, etwas, was einem dazumal so recht zeigte: Wie die Dinge einmal davor und am Beginn des neunzchnten Jahrhunderts waren so waren sie dahin.

Man konnte dies auch schmerzlich empfinden. Ich hatte viel, viel Zeit verlebt mit dem Direktor des Goethe-Schiller-Archivs, der ja einer anderen Klassik-Erinnerung fast sein ganzes Leben gewidmet hat, der Herder-Erinnerung, denn das ist der Herausgeber der großen philologischen Herder-Ausgabe. Manchmal, obwohl es auch andere Momente gab, konnte man gerade an diesem Mann, an diesem Direktor des Goethe-Schiller-Archivs, das Isolierte des sich Versenkens in die große Zeit fühlen, das [unleserliche Wörter]. Und ich weiß ja, dass viele Erklärungen notwendig wären, wenn ich dieses Wort hier gebrauche und eben erklären sollte, aber ich will es doch gebrauchen. Vielleicht wird dann mancher verstehen auch das «Aufzehrende» der Erinnerung, das zehrende Bild einer großen Zeit auf die Nachwelt, die sich über gewisse Dinge nicht so leicht zur Klarheit hindurchringen konnte und [die] auch dann so leichtfertig werden konnte - in dem Folgen und Rücktaumeln -, doch diese unmittelbar große Vergangenheit aufzugeben. Daher war es mir so tief schmerzlich, als - es war lange Zeit, nachdem ich in Weimar war, ich habe noch in der [unleserliche Stelle] Erinnerung die Stunden, die ich mit Suphan zugebracht hatte -, die Kunde kam, dass dieser in seiner Erinnerung einsame Mann, der einerseits nur [unleserliches Wort] Zartheit hatte, dann so hing [an dem], was ihm entgegentrat aus den Reliquien der Goethe-SchillerZeit. Und das andere, das man, wenn man den Mann wohl kannte, verstehen kann: Es gab Momente [unleserliches Wort] ungeheuer bedeutungsvollen Liebe und Hingabe zur Weimarer Großherzogin Sophie, der Herausgeberin der großen Weimarer Goethe-Ausgabe und der Begründerin des Goethe-Schiller-Archivs. Etwas Zehrendes hat das Vergraben in die Reliquien. Für diesen Mann war es ein großer Verlust, der Tod der Großherzogin [Sophie]. Und es war mir wie in diesem Augenblick [damit] zusammenhängend [das] Wissen [um das], was man empfinden kann als die Erinnerung oder als das, was in der Erinnerung an die große Zeit der neueren Evolution [lebte], als dann 1911 die erschütternde Nachricht kam von dem Selbstmord Suphans, der [unleserliche Wörter] die Dinge innerlich in ihren Zusammenhang brachte; [man] kann vieles erfühlen durch solche Symptome über die Folgen, über die Entwicklungsimpulse der Zeit, unserer Zeit, die sich wohl in ihren tiefsten, bedeutsamsten Kräften da am meisten auslebt, wo sie sich oftmals tiefer, isolierter von allem äußeren Treiben in sich selber abschließt.

Und als ich schon war innerhalb der positiven theosophischen Bewegung, da trafen mich dann - ich möchte sagen, mir in einer ganz tief beseligenden Weise die Erinnerungen aufblitzend an meinen Weg nach Weimar - jene schönen, jene so bedeutsamen Hefte «Wege nach Weimar», die Friedrich Lienhard eine Zeit lang herausgegeben hat. Was enthielten sie nicht alles, diese Hefte! Sie enthielten, man möchte sagen, alles Schöne und Große aus verschiedenen Seiten der Archive, was in unserer Gegenwart hinführen kann die Seele zu allem Großen und Herrlichen, das sich als unmittelbar zusammenhängend mit der großen Klassikzeit der modernen Evolution darstellen lässt.

Und in einer feinen, sinnhaften Auswahl, die eine Eigenschaft hat, die ich gleich charakterisieren will, brachten diese Hefte das, was täglich den Menschen der Gegenwart ebnen kann den Weg nach Weimar. Man hätte wünschen mögen, dass recht viele Seelen in der Hand diese Hefte, diese «Wege nach Weimar» gesucht hätten. In einer ganz besonderen Weise waren diese «Wege» gezeichnet, in einer - das Wort im geistigen Sinne gebraucht - persönlichen Weise, das heißt so, dass der, der diese Auswahl und diese Darstellungen gebracht hat, einem zeigte durch die ganze Erinnerung, wie er sie brachte, wie innig persönlich er mit all den Einzelheiten verknüpft ist, wie innig seine ganze Seele jede Einzelheit trägt, wie innig zugleich ein Künstler und Dichter der Gegenwart der modernen Seele die Hand reicht mit diesen «Wegen nach Weimar».

Und wenn man aufblickend von diesen «Wegen nach Weimar» zu den Dichtungen Friedrich Lienhards blickt - und der Fortgang, sozusagen der theosophische Gedanke hat es ja wiederholt mit sich gebracht, [sodass] [unleserliches Wort] wohl auf [unleserliches Wort] vieles aufmerksam gemacht werden könnte und auch wohl noch wird, gerade von unseren Wegen aus; es haben unsere Gedanken dazu geführt, hinzuweisen auf die bedeutsamen [Werke] «Wieland» und auch auf die ganz einzigartige Roman-Dichtung «Oberlin».

Aber vieles, vieles könnte ich nennen. Ich möchte nur in Ihren Seelen anregen, sich recht viel mit diesen Dichtungen zu befassen. Sie werden vieles Schöne, Große, Herrliche in sich aufnehmen, was Ihre Seele hinanfließen lässt, und alles das wird getragen sein von einem Gefühl, von einem Gedanken, von dem Gedanken, wie wahr es doch ist, dass wir eine Aura des Spirituellen, aus dem wir unmittelbar schöpfen, über unsere gegenwärtige Sinneskultur legen, was so oftmals betont worden [ist]. Sind solche Dichtungen, die auf eine naturgemäße Weise den Dichter vereinigen mit unserer Bewegung, nicht der lebende Beweis dafür - und nun will ich aus einer östlichen Redensart her [darauf] kommen, auf dichterische Phantasie -, wie diese spirituelle Aura wie eine Gnade uns umschwebt und da ist? Wie einen lebendigen Beweis des spirituellen Lebens in der Gegenwart müssen [wir nehmen], was den Dichter [zu] diesem bereitet. Nach Weimar musste ich selbst [unleserliches Wort], gegeben durch das, was auf selbstverständliche Weise sich mir ergab, den Weg in die unmittelbare theosophische Bewegung nehmen, konnte und durfte ich dem Dichter Friedrich Lienhard die Hand reichen.

Nun, als die einzelnen Hefte durch seine Güte bei mir eintrafen, die «Wege nach Weimar», [die] mich beseligende Erinnerung an meinen eigenen Weg nach Weimar, so darf ich wohl ja meine innige Befriedigung ausdrücken, dass ich auf theosophischen Wegen dem Dichter Friedrich Lienhard die Hand reichen darf, da er gefunden hat den Weg zur Theosophie nach dem Weg nach Weimar, und [darf den] Augenblick mir selbst wieder [in der] Erinnerung schaffen, habe ich [unleserliche Wörter] Erinnerung an den Weg nach Weimar, an den Weg in die theosophische Bewegung, und wenn ich noch meine ganz besondere Freude ausdrücken darf, sie im speziellen [unleserliche Wörter], so ist es darüber, dass in so freier Weise sich hier [in ihr] Dichtung mit spiritueller Erkenntnis vereinigt, ohne wahrscheinlich zu erstreben irgendetwas Dogmatisches [...]. Wir werden nicht nur sagen, dass wir theosophische Dichtung entgegennehmen, wenn etwa die Worte der Bhagavad [Gita] an unsere Ohren klingen, sondern verstehen unsere Aufgabe in der Gegenwart auch als echt theosophisches Dichtungsempfinden, wenn wir so etwas hören dürfen, wie wir cs heute hören durften.

Es ist das Bedeutsame dieser Dichtungen, dass sie herausgeschaffen sind aus dem lebendigen Geiste wiederum, der gesucht werden konnte, nachdem im Werdegang der neueren Evolution jene der Achtzigerjahre zur Erinnerung geworden sind. Ja, es kam dann die materialistische Zeit, es kamen die Achtzigerjahre des Materialismus; in diesen Achtzigerjahren liegen eigentlich auch die Jahre, die ich selbst in Weimar verbrachte [Lücke in der Mitschrift]), da war so recht, was das rein Magische und das Ästhetische [des] Idealismus [unleserliches Wort] einfließen lassen hat, nur Erinnerung noch. Aber lebendig wird wieder alles werden, wird es dadurch werden, dass aus denselben lebendigen Quellen in einer neuen Erinnerung der Mensch der Gegenwart schöpft, wie jene Klassiker selber gemäß ihrer Zeit aus den lebendigen Quellen des Lebens schöpften. Wie viel mehr Theosophie lebt schon in «Wieland dem Schmied», als etwa Schiller oder Goethe in ihrer Zeit in der Lage waren, in einem umschriebenen Sinn in ihre Dichtungen zu legen. sehr verehrte Anwesende! Wie [viel] genauer und präziser lebt Theosophie in diesen [Dichtungen]. So dürfen wir sagen: Gerade solche Stätten, wie wir sie heute haben, sie dürfen uns das ganz Einzigartige, das Besondere, das Ersprießende der spirituellen Worte aus den geistigen Höhen trostvoll, ermutigend, befreiend in die Seele schreiben. Das wollte ich Ihnen einmal sagen. Und nun, es war [von] mir [gemeint] eben, ich möchte sagen, mehr zum Mitfühlen, Ihnen über diese Stimmungen zu sprechen in diesem Augenblick, als Ihre Gedanken in einer mehr [unleserliches Wort] höheren Weise hinzulenken auf [den] großen Einsamen, den Hölderlin besungen hat.

Es lag mir näher, und so müssen Sie mir schon vergeben, wenn ich ausgehend von einem Persönlichen einen Gedanken vorbrachte in diesem Augenblick, welchen vorzubringen ich früher schon die Absicht gehabt habe, bevor uns diese beiden Dichtungen hier vorgelesen worden sind. Es kam mir erst der Gedanke, gerade diese Worte zu Ihnen zu sprechen, als die letzten Zeilen der beiden Dichtungen Friedrich Lienhards verklungen waren, und es wird sich Gelegenheit finden, über diese Ägide noch [zu] sprechen im Zusammenhang mit unseren Vorträgen, und so werden Sie auch noch [einiges] von dem hören, was ich Ihnen sagen wollte; aber ich musste auch einmal etwas zu Ihnen sprechen unter der Eingebung des Augenblicks, wie es mir um das Herz war.

German original of “Paths to Weimar” · ← Previous · Next →