Supplements to Member Lectures
GA 246 — 22 January 1913, Graz
Die Wirkungen Der Geisteswissenschaftlichen Wahrheiten Auf Das Verhalten Von Toten Und Lebenden
Zur Einweihung des Zweigraums
Traurig war für den Geistesforscher die Begegnung mit einem Menschen in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, welchen er in seinem verflossenen physischen Leben gekannt hatte. Dieser Mensch hatte eine Persönlichkeit zurückgelassen, welcher er selber nahestand. Aber nichts vernahm er von ihr, da sie kein dem Geistigen zugewandtes Leben führte. Der Mensch empfand um sich her düstere Öde, und tiefe Sehnsucht nach Verkehr mit Menschen erfüllte ihn. Die Sprache des Geistes ist diejenige, welche die Lebenden und Toten verstehen. Die Seelen der Toten haben tiefe Sehnsucht nach ihr. Das Schauervolle von Veranstaltungen, welche den Geist leugnen (Monisten-Versammlungen) ist, dass sie das Seelenleben der Toten aushungern. Seelen, welche sich im physischen Dasein nicht mit geistigen Dingen befasst haben, müssen im Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt an den Seelen großer Individualitäten wie Laotse und Buddha achtlos vorübergehen.
Die Sprache des geistigen Lebens wird erworben durch das, was wir Theosophie nennen. Die Geisteswissenschaft ist da zur Überbrückung des Abgrundes zwischen der physischen und der geistigen Welt. Sie kann nur im physischen Leben erworben werden. Die Arbeit, die von einer Seele geleistet wird, die nichts Spirituelles aufnimmt, fällt aus der Erde heraus. Wenn wir daher nichts aufnehmen vom spirituellen Leben, sind wir Wesen, die zerstören. Solche Seelen zerstören den Tempel der Welt. Wir können entweder Zerstörer oder Aufbauer sein. Geisteswissenschaft wird eine Art von Weltgericht werden. Das wurde den Schülern der heiligen Mysterien klargemacht. Das wird heute weiteren Kreisen mitgeteilt. Der Lehrer machte den Schülern klar: Der Mensch kann verleugnen seinen Zusammenhang mit der geistigen Welt. Es gibt keinen Zwang, der den Menschen verhindert, nur ungeistigen Empfindungen nachzugehen. Frei ist der Mensch, zu wählen.
Aber wahr ist, dass alle Menschen, die sich loslösen vom spirituellen Leben, Zerstörer des Lebens sind. Der Lehrer sprach: Du magst die spirituelle Welt verleugnen; du wirst aber ein Zerstörer, weil du an der Zerstörung der Kräfte arbeitest, die dich geschaffen haben.
Die meisten Seelen, die heute Bildung verbreiten, sind ganz von Spiritualität verlassen. Newton habe, heißt es, die Fallgesetze gefunden dadurch, dass er einen Apfel vom Baume habe fallen sehen. Das war anders: Er war unter dem Baume eingenickt, und währenddem fiel der Apfel. Er war in einem nicht ganz physischen Bewusstsein. Galilei habe die Pendelgesetze gefunden durch Beobachtung der Schwingungen einer Kirchenlampe. Aber noch etwas anderes spielt da herein. Vom physischen Bewusstsein war er etwas losgelöst durch den vielen Weihrauch. Überall wirkt die geistige Welt herein. Man kann empfinden das Durchwobensein des physischen Daseins mit Gnade aus der spirituellen Welt. Die Frage drängt sich an uns heran: Wollt ihr Zerstörer oder Förderer der Welt sein? Früher hatten die Menschen ein Erbgut erhalten von der geistigen Welt. Heute ist das verloren gegangen, weil die Menschen bewusst geistige Erkenntnis erlangen können. Deshalb entstehen Vereinigungen wie die, zu der wir uns zusammengeschlossen haben. Dem dumpfen Drange sollten wir Folge leisten.