Supplements to Member Lectures

GA 246 — 25 April 1913, Elberfeld

Von Der Notwendigkeit, Reinkarnation Und Karma Denken Zu Lernen

Erst die Theosophie wird Klarheit geben über die Worte:

Und die Elohim sahen an, was sie gemacht hatten, und siehe da, es war sehr gut.

(Es war zum Besten). Solche Worte werden gelesen, aber sie werden heute nicht mehr verstanden. Sie werden sogar so wenig verstanden, dass unsere religiösen Urkunden, die die tiefste Weisheit enthalten, von Tag zu Tag immer mehr Gegner finden werden; Gegner, die verhältnismäßig ungefährlich sind in den Kreisen der sich oftmals als Materialisten bekennenden Menschen. Wie viele gibt es unter diesen, die sich als Materialisten bekennen und die da glauben, über solche Worte überhaupt schon hinwegsehen zu können als über kindliche Dichtungen früherer Zeitalter. Diese überklugen Menschen, sie sind für die Wirkung der religiösen Urkunden auf die Menschheit zwar bedauerlich, aber sie sind im Grunde genommen doch weniger gefährlich. Denn ihnen gegenüber wird sich die Tatsache ergeben, dass Geisteswissenschaft immer mehr hineinleuchten wird in den wahren Sinn der religiösen Urkunden. Und dass endlich durch ihre Absurdität diese materialistisch gesinnten Menschen sich selbst sozusagen auslöschen werden mit ihren Anschauungen. Das ist etwas Bedauerliches.

Viel gefährlicher ist das, dass heute unter den Theologen der verschiedensten Bekenntnisse es eine große Reihe von Menschen gibt, welche selbst, trotzdem sie das äußere Amt haben, diese Urkunden zu verstehen, sich keine Mühe mehr geben, über den materialistisch-buchstäblichen Sinn dieser Urkunden hinauszukommen. Und es ist umso bedauerlicher, als ja von dieser theologischen Seite gesagt werden kann, dass sie im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts einen unsäglichen Fleiß aufgewendet hat, um endlich herauszubekommen das, was der krasseste Irrtum über die religiösen Urkunden ist. Wenn man die Menschen nach ihrem Fleiß beurteilt, so könnte man sagen, man müsste bewundern alles, was geleistet worden ist. (Apokalypse und fünf Bücher Moses). Wenn man aber über den Wert dessen, was da zutage trat, urteilen will, so kommt man zu einem anderen Urteil, das wirklich schlimm ausfallen muss, weil für den spirituellen Gehalt, für die Tiefe der religiösen Urkunden in den Kreisen, die sie amtlich vertreten, jedes Verständnis ausgestorben ist, und weil gerade dort die gründliche Ablehnung jeder spirituellen Einwirkung heute offen zutage tritt.

Und die Elohim sahen, was sie gemacht hatten, und siehe da, es war sehr gut!

Solche Worte sind nicht hingeschrieben, um angeführt zu werden in dem trivialen Sinn, der heute für sie aufgebracht wird, sondern solche Worte stehen da, auf dass sie einschlagen sollen in die Menschenherzen, dass sie weckend wirken sollen für eine besondere spirituelle Weisheit, die schlummert in den Seelen und herausgeholt werden soll durch den Donnerschlag, mit dem solche Worte empfangen werden sollen.

Was heißt das denn: «Es war alles sehr gut»? Das Wort «gut» bedeutet hier, dass die Elohim sahen in dem Augenblick, der gemeint ist, dass die Einrichtung der Welt, die Einrichtung der Erde, die auf die Verkörperung des Mondes gefolgt war, wirklich durchzogen war von dem, das man nennen kann: Es war über ihr der Hauch von moralischer Güte in allem.

Ja, jetzt sieht der Mensch, wenn er sein Auge hinausrichtet, Luft. Und er kommt darauf als Chemiker: Sie besteht aus Sauerstoff und Stickstoff und so weiter. Er nimmt wahr Wolken, Wind, Regen, Sonne, die Reiche der Natur. Aber er nimmt nicht wahr, dass mit dem Luftzug, dem Wind ein moralischer Hauch über die Erde hingegangen war, dass die Natur zugleich eine moralische Substanz sei.

Das Wort am Anfang der Bibel bedeutet aber, dass, ebenso wie die bloß natürliche Luft die Erde einhüllt, so über die Erde ausgegossen wurde moralische Güte, denn die Elohim sahen, dass «alles Güte» war.

Versuchen wir einmal einzudringen in den Sinn dieser Worte: Sie sahen, dass alles gut war. Nehmen wir an, es wäre so geblieben, wie es dazumal war, als die Elohim es anschauten. Ja, dann wäre es so auf der Erde, dass der Mensch, der eine Lüge sagt, der etwas sagt, was nicht wahr ist, bei dieser Lüge, bei dieser Unwahrheit spüren müsste, wie das Blut in seine Augen getrieben würde und wie seine Augen getrübt werden dadurch, dass er eine Lüge ausgesprochen hat. Von dieser tiefen Wirkung, die da veranlagt war durch die Elohim, ist ja dem Menschen nur ein schwacher Abglanz zurückgeblieben; nämlich der schwache Abglanz des Schamgefühls. Das Blut wird ins Gesicht getrieben, wenn Sie eine Lüge gesagt haben. Sie schämen sich, und man kann Ihnen das ansehen. Das war in einem viel höheren Grade veranlagt, sodass, wenn eine Lüge kam, das Blut ins Gesicht gestiegen wäre - das Blut war nur noch nicht so dicht -, und es hätte verfinstert das Gesicht. Sodass der, der gelogen hätte, blind geworden wäre für eine Zeit lang und erst wieder sehend hätte werden können, wenn er die Wahrheit an die Stelle der Lüge gesetzt hätte. Und ähnlich wäre es mit allen moralischen Verfehlungen gegangen. Und wenn jemand in einen Irrtum verfallen wäre, so hätte er dagegen auch einen Schutz gehabt, denn es hätten dann seine Sinne zwar nicht so versagt wie bei den moralischen Verfehlungen, aber er hätte es an dem Blutleerwerden seiner Sinne bemerkt. Er hätte daran bemerkt, dass er sich anstrengen muss, aus dem Irrtum wieder herauszukommen.

Kurz, was im Menschen vorgegangen wäre als moralische Geschehnisse, das wären zugleich natürliche Geschehnisse gewesen, und der Mensch hätte an der Ohnmacht seiner Sinne bemerkt, dass er Unrecht getan hat. Die Sinne des Menschen waren darauf berechnet, ein Barometer zu sein für seinen moralischen Zustand.

Verfinstert also hätten sich die Augen dadurch, dass der Mensch eine Lüge gesagt hätte, jemand betrogen hätte und so weiter. Betäubt hätten sich die Ohren, wenn der Mensch hingehört hätte auf irgendetwas, was unehrlich oder dergleichen war. Eine moralische Weltordnung wäre ausgegossen gewesen über die ganze Erde. Und davon, dass es so war, hätten die Elohim gesagt: Und siehe da, es ist überall so gut geblieben. - Denn das Gute äußert sich in den natürlichen Wirkungen.

Dann erst versteht man vollständig den tiefen Einfluss desjenigen, was wir den luziferischen Impuls nennen, wenn wir wissen, dass durch Luzifer und seinen Einfluss die Sache so wurde, wie sie jetzt ist. Und dann erst versteht man auch die Worte Luzifers:

Eure Augen werden aufgetan werden und ihr werdet unterscheiden das Gute und das Böse.

Unterscheiden heißt in diesem Falle: Ihr werdet es bloß eurem Urteil übergeben haben, nicht mehr eurem Schmerz. Der Kühle des Verstandes werdet Ihr es übergeben haben.

Und so kann man sagen: Durch Luzifer ist etwas über den Menschen gekommen, was uns noch einen ganz anderen Schlaf zeigt als den gewöhnlichen Schlaf der Nacht. Einen Schlaf gegenüber dem, was eigentlich die natürliche Wirkung des Moralischen sein soll, schläft der Mensch zwischen Geburt und Tod immer. Denn nur dadurch, dass sein Auge unempfänglich geworden ist so weit, dass er sich nicht mehr sein Auge blendet, indem er lügt, dadurch ist der Mensch so geworden, wie er jetzt ist. Dadurch ist er zugleich gegenüber den natürlichen Wirkungen des Moralischen in einem Schlafzustand. Das, was vom Moralischen kommt, das spricht zu ihm durch sein moralisches Urteil oder durch das Gewissen. Aber das, was eigentlich ein Gutes in der Welt bewirken sollte, das bewirkt es nicht - durch den luziferischen Einfluss. Es bewirkt es nicht!

Wir müssen aber eigentlich sagen, es bewirkt es nicht zwischen Geburt und Tod. Denn dadurch, dass der luziferische Einfluss kam, wurde eben der menschliche Körper so dicht gemacht von den geistigen Wesen, die den Fortschritt bewirken, dass der dichte Leib eben nicht mehr so wirken kann. Ich sagte ja, das Blut wäre dünner [geblieben]. Es ist dicht gemacht worden, damit der Mensch im Wachzustand nicht merkt, wenn er nun doch eine Lüge sagt, dass da eigentlich für ihn die denkbar größte Gefahr vorliegt, nämlich die Gefahr, sich zu blenden oder andere Sinne zu beeinträchtigen. Diese Gefahr liegt aber immer vor. Und weil diese Gefahr vorliegt und der Mensch sich durch seinen dichten Leib nur einlullt gegen diese Gefahr, kommt die Einsicht in diese Gefahr umso bedeutungsvoller an den Menschen heran, wenn er nicht physisch ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Daher kommt, wenn der Mensch eine Lüge sagt, die ihn eigentlich blenden müsste, die ihn nicht blendet, es kommt eine Kraft zustande in seinem Innern, und diese Kraft bleibt. Es ist eine gleichsam zurückgestaute Kraft. Und sie bleibt, wenn die Zeit kommt, wo mit besonderer Lebhaftigkeit vor der Seele auftaucht: Das hätte mit dir geschehen müssen durch deine damalige Lüge; es ist nur nicht geschehen, weil dein Leib zu dicht war. Du wirst aber einmal eine Entwicklung durchmachen müssen, da diese Kraft sich zurückgestaut hat. Und da entsteht dann in der Seele der Wille, die Lüge wiedergutzumachen unter den gleichen Verhältnissen, unter denen sie begangen ist, in einem nächsten Leben.

Hier haben Sie die Wirkungen des Karmas unmittelbar dargestellt. Der Mensch kann nicht ein Unrecht begehen, das nicht eine Kraft zurücklässt, die sich deutlich zeigt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Diese Kraft macht dann im Menschen die Sehnsucht rege, das Unrecht wiedergutzumachen. So wird bewirkt das, was von den Elohim vorausbestimmt war, dass es auf der Erde selbst [hätte] geschehen [sollen].

Die Anschauung, dass der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, zurückblickt auf das irdische Leben, weil in ihm alle die Kräfte wirken, die ihm zeigen, was er nicht recht gemacht hat auf der Erde, diese Anschauung hatte sogar Aristoteles. Aber er hatte davon noch eine andere Anschauung. Er wusste nämlich nichts von Reinkarnation. Und daher sehen wir bei Aristoteles auftauchen einen Gedanken, der ganz im Ernste ein paar Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrechnung bei Aristoteles auftritt, der aber eigentlich furchtbar ist; dennoch ist er da. Weil Aristoteles noch kein Tor war wie die modernen Materialisten, und nicht glaubte, das Leben lösche mit dem Tode aus, und alles Unrecht sei ausgelöscht, wusste er noch, dass die Seele durch den Tod schreitet und dass nichts ausgelöscht ist von dem, was der Mensch getan hat auf Erden. Aber er wusste nichts von einer Wiederkunft, von einer Wiederverkörperung. Daher war ihm die Zeit, die kommen musste, wenn eine Seele durch den Tod geschritten ist und auf ihr Unrecht nun ewig zurückblicken muss, darum war ihm der Gedanke an diese Zeit nach dem Tode etwas Furchtbares. Wir wissen heute, dass die Hälfte des aristotelischen Gedankens, der ja im griechisch-lateinischen Zeitalter der richtige war, dass die Seele zurückblicken muss auf ihr Unrecht, dass diese Hälfte der aristotelischen Anschauung richtig ist. Wir wissen aber auch heute, dass die Seele die Gegenkräfte entwickeln kann und im nächsten Leben den Ausgleich für begangenes Unrecht schaffen kann. Das ist das große, bedeutungsvolle der Lehre von der Reinkarnation, dass sie uns auch mit einer tieferen Einsicht in die spirituellen Weltenzusammenhänge auszusöhnen vermag; auszusöhnen vermag im großen Stil, der uns ja durchweht, wenn wir einen Einblick gewinnen in die weisheitsvolle Weltenordnung.

Daraus aber, wenn man eine solche Weltbetrachtung anstellt, sieht man zugleich, dass das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt abhängig ist von dem Leben, das wir hier durchgemacht haben.

Und da darf ich wohl auch hier hinweisen auf einen Gedanken, den man oft hören konnte und heute noch hört - gewiss sind auch hier Freunde, die diesen Gedanken schon gehört haben: Es sagen einem manchmal die Menschen: Nun, was drüben ist, das wird sich ja zeigen. Warum brauchen wir uns hier darum zu kümmern? Wir werden dann ja schon alles erfahren.

So natürlich dieser Gedanke erscheint, so unsinnig ist er. Denn der Mensch, der sich hier nicht kümmert um das Spirituelle, der geht so durch den Tod, dass er eintritt dann in die Welt nach dem Tode als in eine Welt, die für ihn wie finster ist. Denn das müssen wir uns zur Klarheit bringen, dass wir zwar nach dem Tode in die geistige Welt hineingehen, dass wir aber das Licht, das diese Welt beleuchtet, in uns tragen müssen. Dieses Licht müssen wir hier zubereitet haben, sonst sehen wir nichts in dieser geistigen Welt. Derjenige also, der da glaubt, sich hier nicht kümmern zu brauchen um das seelisch-geistige Dasein, der tritt in die geistige Welt mit dem Tode ein wie jemand, der in ein finsteres Zimmer geht und kein Licht mitnimmt; der sagt, warum soll ich denn im Nebenzimmer schon ein Licht nehmen, ich werde ja sehen, was in dem dunklen Zimmer ist. Was müssen wir denn drüben gewinnen? Die Kräfte, die wir ins neue Erdenleben mitnehmen müssen. Wir werden mit Fähigkeiten geboren. Das, was uns in der Vererbungslinie übergeben wird, das erstreckt sich in Bezug auf den feineren Bau des Gehirns nicht auf alle Einzelheiten.

Sie würden sonderbare Augen machen, wenn Sie sehen könnten, wie ein Gehirn ausschauen würde, wenn es nur die vererbten Eigenschaften hätte. Wenn man nur ein solches Gehirn bekommen könnte, so könnte man gerade damit ausreichen bis zu etwas, was man bis zum fünfzehnten Jahr zu tun hat. Denn da hat man alle Eigenschaften schon zusammen, die einem vererbt sind. Man könnte mit einem solchen Gehirn auch nichts lernen. Alle Eigenschaften aber, die dem Gehirn aufgeprägt werden in seiner feineren Struktur, die müssen eingegraben werden in dieses Gehirn. Von der frühesten Zeit an muss die Individualität schon an der feinsten Struktur des Gehirns arbeiten. Alle die Kräfte aber muss die Individualität bekommen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

Diese Fähigkeiten bekommt sie auch, wenn alles regelmäßig geht von den Exusiai, Dynamis, den Geistern der Weisheit, Kyriotetes. Von jedem dieser Wesenheiten bekommen wir, wenn wir an ihnen drüben vorbeigehen, wenn wir mit ihnen zusammen sind, Kräfte zum Ausbauen eines Gehirns. Wir können aber diese Kräfte nur aufnehmen, wenn wir ein Licht mitbringen; sonst bekommen wir die Kräfte nicht.

So können Sie sehen, wie ein Mensch, der sich hier nicht kümmert um Spirituelles, wie der hineintappt in die Finsternis; wie er vorbeikommt an den Wesen der höheren Hierarchien und ihre Kräfte nicht entgegennehmen kann, weil er sich das Feld nicht beleuchten kann. Daher sehen wir, wie ein solcher Mensch, der sich nicht kümmert um solche Angelegenheiten, durch eine Dunkelheit geht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt; dass er nicht in richtiger Weise die Kräfte entgegennehmen kann; dass er daher mit nicht ausreichenden Kräften wiederum in ein neues Dasein tritt und die feineren Strukturen des Gehirns, des Herzens nicht ausbauen kann; mit einem verkümmerten Leib und mit einer geringen Anlage, das Richtige zu tun, wenn er zur Ausgleichung des Karmas wiedergeboren wird.

Wir treffen im Leben Menschen, die in einer gewissen Weise uns entgegentreten so, dass wir sagen: Was wir auch mit ihnen anfangen, wir können nicht diese oder jene Fähigkeit in ihnen ausbilden. Warum sind sie so unbegabt? Nun, aus dem Grunde, weil sie in der vorhergehenden Verkörperung nichts vom Spirituellen wissen wollten, weil sie daher vor ihrer Geburt nicht entgegennehmen konnten die Kräfte, die die Organe zubereiten können. Früher waren sie unwillig, jetzt können sie sich nicht ausstatten mit Fähigkeiten. Sie gehen töricht durch die Welt. Da sehen wir den Zusammenhang zwischen einer Inkarnation und der folgenden. Wir können [diesen Zusammenhang] heute schon sehen, weil viele heutige Menschen zu einer Zeit verkörpert waren, in welcher schon genügend Materialismus in der Welt war. Im dritten, vierten, fünften Jahrhundert gab es solche Seelen, die sich nicht kümmerten um die geistige Welt. Davon kommen heute die Unbegabungen in dieser oder jener Richtung.

Ja, wir haben auch schon früher Materialismus gehabt und können daher bis in die dritte Verkörperung den Nachweis führen. Jetzt können wir sagen, uns fällt etwas furchtbar auf, wenn wir das betrachten: Ja, wenn wir das alles hören, wie der Mensch unwillig war in einem früheren Leben und wie er jetzt nun wieder ohne Licht und ohne Begabung hineinkommt in die übersinnliche Welt: Es müsste furchtbar sein, wenn der Mensch jetzt wiederum durch die Finsternis geht. Er wäre ja ohnmächtig, je ins Licht zu kommen.

Durch das eine Mal, wo der Mensch freiwillig die geistige Welt abgelehnt hat, dadurch gelangt er in Unbegabung herein. Aber wenn er dann durch die Pforte des Todes geht, dann hat er zwar keine eigene Beleuchtung, aber dann hat umso mehr Luzifer die [Möglichkeit], ihm zur Seite zu treten. Und im nächsten Leben geht Luzifer mit der Lampe neben ihm her, beleuchtet ihm das ganze Feld. [Ein solcher Mensch] bekommt dann Fähigkeiten, aber Fähigkeiten ganz besonderer Art: Verstandesfähigkeiten ohne Moral; Verstand, der nur auf eigenen Vorteil sieht. Heute gibt es viele kluge, gescheite Menschen, die zum Beispiel an der Börse klug sind zum Übervorteilen ihrer Nächsten. Sie haben viel Verstand. Das sind Menschen, die in dem letzten Dasein zwischen Tod und neuer Geburt von Luzifer das Feld beleuchtet bekommen haben. In der vorhergehenden Inkarnation waren sie unbegabt, weil sie früher in einer Inkarnation abgelehnt haben den Willen, sich zu befassen mit der spirituellen Welt.

Da können wir drei Leben verfolgen. Allerdings tritt wieder eine Art von Freiheit ein. Luzifer bringt ja mit der Versuchung immer auch die Freiheit. Ein solcher Mensch, von Luzifer geführt, kann seinen Verstand auch dazu benützen, sein spirituelles Leben wieder anzufachen. Dadurch kann er wieder umkehren. Es ist also nicht so furchtbar, wie es aussieht, wenn der Mensch einmal keine Leuchte mitnimmt. Er kann sich wiederum erheben.

Das sind die erschütternden Zusammenhänge, welche die seherische Forschung der Menschenseele bringen kann. In der Tat, wie viele Seelen der Gegenwart weisen durch die Art, wie sie sind, deutlich hin auf die vorangegangenen Jahrhunderte, in denen sie verkörpert waren und sich dadurch das gegenwärtige Leben vorbereitet haben.

Es gibt aber auch Menschen, die nicht ablehnen die übersinnliche Welt, die sich aber mit einem bequemen Mystizismus begnügen. Ich kannte einen Menschen, der sagte: Nun, was will man wissen! Alles, was man sieht, ist ja Maja. Das Geistige ist Atma. Also mit anderen Worten: «Ich bin Atma», und dann: «Gott ist in allen Menschen». Das ist ein bequemer Mystizismus im Menschen. Auf diesem Gebiet treffen wir alle möglichen Schwärmer, die nicht eingehen wollen auf eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt. Wie oft treffen wir Menschen, die das dicke Buch über «Geheimwissenschaft» in die Hand nehmen, es aber auch wieder weglegen und sagen: Was brauche ich das zu wissen; ich will mich doch durch meine Seele erheben. Ja, die Menschen erheben sich, aber sie erheben sich zu den allerabstraktesten Gedanken von irgendeiner Einheit, die sie zu erkennen glauben und so weiter.

Ja, sehen Sie, solche Menschen, die zu einer gewissen abstrakten Schwärmerei kommen: Wenn sie durch die Pforte des Todes gehen, empfinden auch sie die Folgen des Mangels an einem wirklichen Beschäftigen mit der geistigen Welt. Nicht, als ob sie kein Licht hätten, aber sie haben nun wieder zu viel Licht. Dieses Licht blendet sie, und auch sie können dann nicht entgegennehmen in der richtigen Weise dasjenige, was sie entgegennehmen sollten. Und die Folge davon ist, dass sie auch nicht die richtigen Kräfte aufnehmen, um sich die nächste Inkarnation in der rechten Weise zu erbauen. Dann treten sie ins neue Dasein. Und siehe da, es ergibt sich, dass solche Leute doch eigentlich zu nichts im Leben zu gebrauchen sind, dass die nirgend angreifen können, sich überall im Leben als ungeschickt erweisen. Solche Menschen lernt man ja kennen. Sie können sich oft keinen Knopf annähen. Das ist ein Beispiel für etwas, was in der Welt vielfach vorhanden ist. Menschen also, die im Leben unbrauchbar sind, bei denen weist alles hin auf eine Inkarnation, in der sie eine abstrakt-mystische Schwärmerei getrieben haben. Wenn diese Menschen durch die Pforte des Todes gehen, dann bekommen sie Ahriman als Führer. Da nehmen sie dann in der richtigen Weise entgegen die Kräfte, die ihnen fehlen, aber sie nehmen sie dann so entgegen, wie sie eben durch Ahriman vermittelt werden können. Und die Folge davon ist, dass diese Menschen auftreten in einem nächsten Leben so, dass ihnen eine jegliche Möglichkeit fehlt, das richtig in sich zu tragen, was man ein ruhiges, sorgsames Hinblicken auf die Tatsachen der Welt nennt. [Lücke in der Mitschrift]

Es wird oft der Einwand gemacht: Das Kind kommt nicht von selbst auf religiöse Vorstellungen; da die Seele nicht von selbst zu religiösen Vorstellungen kommt, sollte man sie weglassen, anstatt sie den Menschen einzutrichtern. - Das ist ein Gedanke, der heute vielen Menschen einleuchtet. Ja, man braucht aber nur zu bedenken, dass es ja bekannt ist, dass, wenn man ein Kind in einer Wildnis aussetzt, bevor es sprechen kann, es niemals eine Sprache erlernt. So kann man also auch sagen: Der Mensch lernt nur sprechen durch seine Umgebung. Und konsequent wäre es nun, wenn man auch verbieten würde, die Sprache «einzutrichtern». Das zeigt, dass es Menschen gibt, die sich in einen Gedanken einbohren, die nichts sehen, was gegen einen solchen Gedanken spricht. Wer für solche Dinge empfindlich ist, der kann heute keine Zeitung lesen, ohne dass cs ihn sticht und packt, weil es so viel Verworrenheit heute in der Welt gibt. Das ergibt sich, wenn man Ahriman zum Führer hat. Und so könnte man auch da drei Leben verfolgen: Verworrene Menschen, fanatische Menschen, die nicht die Logik der Tatsachen sehen können. Dieses Leben folgt auf ein Leben in Ungeschicklichkeit. Dieses ungeschickte Leben folgt auf ein solches, in dem die Menschen mystische Schwärmerei getrieben haben und nicht eingehen wollten auf die wirklichen Tatsachen der Welt.

Sehen Sie, die Tatsache der Reinkarnation, sie beginnt erst so recht auf unser Gemüt zu wirken, wenn wir sie in diesen konkreten Fällen erkennen. Es handelt sich nicht nur darum, zu glauben an die Reinkarnation, sondern sich Einsicht zu verschaffen, wie wir es eben versucht haben.

Jetzt, wo eine Vorarbeit geleistet ist, jetzt kann in den Zweigen auch gesagt werden, was eine solche konkrete Forschung in diesen Dingen zutage zu fördern vermag. Es ist sehr wichtig, dass auch diese Dinge verbreitet werden, denn sie tragen ungeheuer dazu bei, wenn man sie weiß, zur richtigen Selbsterkenntnis auch. Und es ist im Grunde genommen ein guter, schöner Weg für eine fruchtbare Meditation, sich zu ertappen auf diesem oder jenem verbohrten Gedanken. Man muss ja nicht gleich alle diese Eigenschaften haben, die da aufgezählt wurden, aber bei vielen Menschen sind diese Dinge untereinander gemischt vorhanden. Auf einem gewissen Punkt sind viele Menschen verbohrt, die sonst einen ganz offenen Sinn haben für vieles im Leben. Da kann man sich dann ertappen, und man kann nun wissen, dass eine solche Verbohrtheit herkommt von der ahrimanischen Führung. Und dann kann man, wenn man dies gerade fruchtbar machen will für sich, für seine eigene Vervollkommnung, so kann man alles das, was man gehört hat über Ahriman, zu einem Studium machen. Man wird dann, indem man sich selber vollkommener macht, auch der Welt nützen. Man hat dann sein Verhältnis zu Luzifer und Ahriman erkannt.

So lernen wir immer genauer kennen das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und das ist ebenso wichtig wie das Leben zwischen Geburt und Tod. Aber Sie sehen daraus, wie unrichtig es ist, wenn jemand sagt, er könne warten, bis der Tod eintritt, dann würde er ja schon sehen, wie es in der geistigen Welt ist. Immer wieder muss betont werden: Wir sind als Menschen nicht umsonst hereinversetzt in das Erdendasein. Jeder hat seine Mission in der Welt. Wir haben hier nicht nur zu lernen für die Erde, sondern auch für die andere Welt. Wenn wir solche Dinge ins Auge fassen, dann werden wir erst die ganze tiefe Bedeutung der theosophischen Mission wirken lassen können. Dann werden wir uns immer mehr und mehr durchdringen können mit dem Gedanken, dass diese Theosophie eine unbedingte Notwendigkeit für unser Zeitalter ist.

Außer dem, dass der Mensch sich entwickelt, entwickelt sich die Menschennatur. Alle die hier sitzen, waren verkörpert in früheren Jahrhunderten. Es haben sich aber nicht nur die Seelen verändert von Inkarnation zu Inkarnation, sondern auch die Leiber. Die Leiber verändern sich von Zeitalter zu Zeitalter. Das würden die heutigen Anatomen ja nur glauben, wenn sie die Leiber der vor tausend Jahren gestorbenen Menschen sezieren könnten. An den ägyptischen Mumien merkt man das nicht mehr. Aber wahr ist es doch, dass der Leib sich verändert. Und von jetzt ab bis zu der Zeit, wo wir uns wiederverkörpern werden, wird sich der Leib sehr verändert haben. Das ist der göttliche Gang, der außer dem, was die Seele in die Leiber bringt, noch verändernd wirkt auf die ganze Menschheit. Und zwar werden die Leiber dann so sein, dass sie geeigneter sein werden als die heutigen Leiber, auf die vorhergehende Inkarnation bewusst zurückzublicken. Der Mensch wird dann das Organ dazu haben. Er wird sich aber nur wirklich erinnern können, wenn er etwas hat, an das er sich erinnern kann.

Wir wollen dies an einem Beispiel uns klarmachen. Am Abend nimmt man vielleicht seinen Manschettenknopf, legt ihn beiseite und sagt sich: Ich lege jetzt dieses Stück hierher. Wenn man das mit Bewusstsein macht, dann geht man am anderen Morgen an die richtige Stelle hin, um den Knopf wieder zu nehmen. Man kann sich ja nur erinnern an einen Gedanken, den man wirklich gefasst hat. Man wird den Knopf nur finden, wenn man ihn mit Bewusstsein hingelegt hat.

Wie soll sich der Mensch in der nächsten Inkarnation erinnern, wenn er den Gedanken der Rückerinnerung nicht gefasst hat. Das kann man aber nur durch Geisteswissenschaft. Das Organ zur Rückerinnerung wird der Mensch haben. Erinnern wird er sich aber nur können, wenn er jetzt Gedanken gefasst hat, an die er sich erinnern kann. Hat er diese Gedanken nicht gefasst, dann wird er in einen Leib hineingeboren mit einem Organ, von dem er fühlt, er kann es nicht gebrauchen. Das führt dann zu einem neurasthenischen Zustand. Für die meisten Menschen ist es noch nicht so, aber für die zweite, dritte Inkarnation wird das schon der Fall sein für fast alle Menschen der Erde, dass sie sich zurückerinnern sollen. Wenn sie aber nicht die Gedanken gefasst haben würden, so würden die Menschen über die ganze Erde hin neurasthenisch werden. Deshalb muss Geisteswissenschaft jetzt mit aller Kraft daran arbeiten, den Menschen etwas zu geben, woran sie sich erinnern können. Wenn man das ins Auge fasst, meine lieben Freunde, dann wird man begreifen die Notwendigkeit der Theosophie. Und hat man einmal die wesentlichsten Aufgaben der Theosophie verstanden, so kann man nicht mehr anders, als Theosoph sein. Die es nicht sind, die haben noch nicht begriffen den tiefen Ernst und die tiefe Notwendigkeit der Theosophie.

German original of On the Necessity of Learning to Think Reincarnation and Karma · ← Previous · Next →