Supplements to Member Lectures
GA 246 — 21 January 1914, Berlin
Einige Ausführungen Über Embryologie
Der Zerfall der drei Hüllen bei dem Embryo, die als Nachgeburt zur Welt kommen, bedeutet geistig den Aufbau des Äther- und Astralleibes und des Ich. Das Zerreißen [...] bedeutet auch etwas, was in dem Moment aus dem Kosmos kommt.
Warum weiß man im späteren Leben nichts von den Aufbauprozessen des Menschenkeimes? Das ist aus demselben Grunde, warum wir uns nicht an unsere Träume erinnern können. Es sind wirklich durch das spätere Leben vergessene Träume. Der Mensch hat in der Embryonalzeit eine Art Traumbewusstsein, in das er hineinbringen kann das, was, in erlebten Bildern, den Aufbauprozess darstellen würde. Die Abbauprozesse im Dottersack, Amnion, Chorion, werden zu Bildern für die Aufbauprozesse des Ätherleibes, Astralleibes und Ich.
Diese Fähigkeit, Aufbauprozesse in Bildern zu schauen, geht dem Menschen im gewöhnlichen Leben verloren. Durch die okkulte Entwicklung lernt man sie wieder schauen. Wer solche Fähigkeiten im späteren Leben erlangt, kann ähnliche Dinge wahrnehmen wie der werdende Mensch (der es aber wieder vergisst). Vorgänge mit den drei Hüllen, insbesondere mit dem Ätherleib, können wahrgenommen werden. Es kann so geschehen, dass Vorgänge im eigenen Ätherleib angeregt durch Vorgänge im Astralleib geschehen. Das geschieht auch schon in unserem physisch-sinnlichen Dasein, zum Beispiel wenn ein Mensch schlechte Eigenschaften entwickelt, von denen er weiß: das sind Fehler. Aber er bemerkt nicht, dass er nun gerade in dem Stadium ist, in dem sie für ihn zutage treten; sie projizieren sich nach außen und man verwechselt das Äußere mit dem Inneren. Man schaut die Fehler nicht in sich selbst, sondern mit besonderer Deutlichkeit bei anderen Menschen und kann sie daher besonders gut kritisieren bei den anderen Menschen. Man gibt ein sehr wahres Bild von den Fehlern der anderen Menschen, aber nur, weil sie bei einem selbst nach außen treten. Man gießt seine eigenen Fehler, zum Zwecke des Schauens, in die anderen Menschen hinein, denn Gleiches wird nur durch Gleiches geschaut.
Aber die inneren Vorgänge können sich auch wirklich nach außen projizieren. Nehmen wir an, man stößt sich plötzlich die Hand. Oder: Man streckt die Hand aus, dann spürt man die Eigenbewegung der Hand und darin nimmt man seinen eigenen inneren Vorgang wahr; oder nehmen wir an: Die nimmt man nicht wahr, sondern das Ausstrecken der Hand würde sich so offenbaren, als ob einem von außen etwas zugefügt wäre. Dann würde man das empfinden wie eine von außen kommende Kraft.
Man denke nun an die Eurythmie! Das sind Bewegungen, die auf einer gewissen Stufe dasselbe sind wie die menschliche Sprache auf einer späteren. Denn, nehmen wir an, Sie machen eine heftige Gebärde, zum Beispiel Sie schnalzen mit den Fingern, dann wird die Geste auch gehört werden. Bei einer eurythmischen Bewegung wird sie sanft ausgeführt, aus Gründen der Ästhetik; würde sie heftig gemacht, dann würde man sie auch hören. Nun haben wir ein Organ, das die Bewegungen der Eurythmie ausführt, aber sehr rasch, das ist unser Kehlkopf. Die Gesten unserer Stimmbänder werden hörbar wie das Knacken unserer Finger. Die Eurythmie ist wirklich eine andere Stufe unserer Sprache (das Nichtgehörte ist im Geistigen verlaufend). Man hat ja heute zwei Sprachtheorien - die Bimbam- und die Wauwautheorie -, das ist nur materialistisch, nichts Wissenschaftliches.
Der Ätherleib des Menschen hat unendlich viele Vorgänge in sich, diese bringt er sich nicht so zum Bewusstsein, dass er sich sagen würde: Ich bewege die Hand, sondern so, als ob ich sagen würde: Ich fühle, dass meine Hand ausgestreckt ist, Das gibt ein innerliches Erleben, das sich im Abfluten umwandelt zum Schauen. Der Vorgang wird aber nicht abgemalt durch dasjenige, was man da draußen sieht. Das, was man erlebt, ist zunächst ganz gestalt- und farblos, dann schließt es ab und wird totes (?) Bild. Die Malereien sind also Projektionen ätherischer Vorgänge in der Außenwelt, die erst wahrgenommen werden, wenn sie vorüber sind. Sie werden aus der Erinnerung heraufgeholt, aber nicht so, wie sie geschehen, sondern die Tätigkeit wird heraufgehoben, die stellt sich in dem Bilde dar.
Lauter solche Bilder haben Sie gesehen, als Sie in dem Embryonalzustand waren, aber Sie haben es vergessen. Bei kleinen Kindern, die anfangen zu sprechen, können wir noch die Embryonalreste von Mitteilungen solcher Dinge auffangen (nur entspricht das Schauen des Embryonal-Kindes anderen Vorgängen als später, wenn man sie im erwachsenen Zustand schaut). Später kam Frau [Petersen] zu Bildern, die entstehen, wenn man gewahr wird, dass ein Psychisches, Seelisches im Menschen tätig ist, das gibt es zwar immer, aber man denkt nicht immer daran. Denkt man daran, so kann man sie wahrnehmen.
Ein drittes Stadium: Oft habe ich gesagt, dass unsere Geisteswissenschaft ihre Aufgaben erfüllt haben wird, wenn sie die anderen Lebenssphären befruchten wird. Die Malerin von diesen Bildern ist gar keine Malerin. Hier geht die Handhabung der inneren Tätigkeit des Ätherleibes in die Gliedmaßen über [Lücke in der Mitschrift]. Dadurch kann neues Künstlerisches kommen gerade durch diejenigen Menschen, deren Beweglichkeit des Ätherleibes nicht durch äußere Technik verdorben wird.
Dasjenige, was bis jetzt Kunst war, ist auch in einem Verfallsprozess. Man könnte auch sprechen von dem Dottersack, Amnion und Chorion der alten Kunstentwicklung, wie sie allmählich abfallen werden. In manchem der heutigen Kunst liegen die Abfallprodukte vor. Daraus soll sich die Technik, die aus dem Inneren kommt, entwickeln. Die Menschheit mag das verschlafen, so wie das Kind die Dinge verschläft. Auch die Farben fehlen heute noch, um dasjenige auszudrücken, was so gefunden werden kann. Deshalb müssen wir auch einen neuen Baustil bei unserem Johannesbau haben und so weiter, weil wir nicht nach Amnion, Dottersack und Chorion bauen können.