The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913

GA 250 — 30 October 1904, Berlin

15. Protokoll Der Zweiten Generalversammlung Der Deutschen Sektion Der Theosophischen Gesellschaft

Gegen halb elf Uhr eröffnete Dr. Steiner als Generalsekretär der Deutschen Sektion die zweite ordentliche Generalversammlung, begrüßte die Gäste und Vertreter der auswärtigen Zweige und hielt dann eine kurze einleitende Ansprache, in der folgende Punkte berührt wurden.

Zunächst machte er auf die Bedeutung der Theosophischen Gesellschaft aufmerksam, wies dann auf die Aufgabe hin, welche die Mitglieder zu erfüllen haben in der Entwicklung der Menschheit, zeigte dann das Verhältnis, in dem die Theosophische Gesellschaft zu der ihr zugrunde liegenden okkulten Bewegung steht, und betonte, dass sich unsere ganze Organisation in den Dienst derjenigen Kräfte zu stellen hat, die auf den verborgenen Planen tätig sind. Misserfolg, Anfeindung, Hindernisse irgendwelcher Art, nichts davon wird ihn und darf uns beirren.

Sodann gedachte er des Besuches und der Vorträge von Mrs Annie Besant, von denen ein Strahl der Erhebung und des Lichtes ausging, sprach von der Bedeutung des in Mitteleuropa schlummernden mystischen Geisteslebens für den Fortschritt der Theosophie.

Endlich gedachte er noch seines Besuches des Theosophischen Kongresses in Dresden, der von den sogenannten sezessionistischen Gesellschaften veranstaltet war. Weil dieser Punkt von prinzipieller Bedeutung ist, mögen die Ausführungen in fast wörtlicher Wiedergabe folgen:

«Bevor wir zu den spezielleren Berichten übergehen, möchte ich mich mit kurzen Worten für meine Teilnahme an dem TheosophenKongress in Dresden rechtfertigen und die Art und Weise darlegen, wie ich die Sache auffasse. Das, was mich als Theosoph bewogen hat, in Dresden zu sprechen, ist etwas, wofür ich äußerlich keine Rechenschaft geben kann, wofür ich auch glaube, unmittelbare Rechenschaft nicht schuldig zu sein. Ich hätte unter keinen Umständen diese Teilnahme ungeschehen lassen können. Was aber verlangt werden kann, ist eine Rechtfertigung dieser Tatsache der Teilnahme als Generalsekretär der Deutschen Sektion.

Ich fasse unsere Stellung zu der sogenannten sezessionistischen Bewegung so auf, dass wir dieser Bewegung gegenüber immer scharf betonen müssen, dass das absolute Recht, den Namen der Theosophischen Gesellschaft zu führen, das Siegel unserer Gesellschaft zu benützen und die Kontinuität mit der Begründung zu behaupten, niemand anders zukommt als unserer Gesellschaft. Keine andere Gesellschaft hat das Recht, sie für sich in Anspruch zu nehmen. Nun fragt es sich aber: Wie müssen wir uns zu den Theosophen stellen, die diesen Titel unberechtigterweise führen? Worauf ist es zurückzuführen, dass sie ihn führen? Auf einen Irrtum; denn wer dies rechtfertigt oder vielmehr zu rechtfertigen sucht, ist eben in einem Irrtum. Ob dieser Irrtum mehr oder weniger bewusst ist, ob er moralisch oder intellektuell zu beurteilen ist, das geht uns nichts an. Die Mitglieder solcher Gesellschaften stehen daher in demselben Verhältnis zu uns wie jeder andere Mensch in der Welt. Wir haben ihnen zu helfen, wir haben ihnen unsere theosophische Arbeit zugute zu bringen, wir haben uns ihnen gegenüber so zu verhalten, wie wenn wir gar nicht wüssten, dass sie den Titel Wenn irgendjemand zu uns kommt und Hilfe verlangt, die im Sinne unserer Gesellschaft gegeben werden muss, dann haben wir uns in absoluter Brüderlichkeit zu den Mitgliedern dieser Gesellschaft zu verhalten und alles zu tun, was wir auch jedem anderen Menschen gegenüber tun würden. Unbeschadet dessen, was wir tun, werden wir es dadurch am besten dahin bringen, sie nach und nach von ihrem Irrtum zu überzeugen. In diesem Sinne habe ich meine Teilnahme aufgefasst. Den Vortrag, den ich gehalten habe, habe ich so gehalten, dass er in jeder anderen Gesellschaft, sei es Radfahrerbund oder Rauchklub oder irgendeine andere Gesellschaft, hätte ebenso gehalten werden können. Was irgendjemand sucht bei mir als Mensch, das werde ich jederzeit tun. Etwas anderes ist es aber, ob wir uns an den Organisationen aktiv beteiligen. Das ist eine wesentlich andere Frage, und dies bitte ich, scharf zu unterscheiden. Würden wir uns an deren Arbeiten beteiligen, so wären wir auf dem Standpunkte, dass wir mitwirkten an dem, was die anderen Mächte gegen unsere Organisation veranstalten. Ich habe mich daher im Sinne dieser Auffassung an nichts beteiligt, trotzdem ich während des ganzen Kongresses in Dresden anwesend war. Ich habe geschrieben, dass ich vormittags in Dresden ankomme, [ich habe] mich aber an den geschäftlichen Verhandlungen nicht beteiligt. Diese Auffassung macht meiner Meinung nach einzig und allein möglich, zur Klarheit in dieser Sache zu kommen. Wenn irgendetwas verlangt wird zum Fortschritt und zum Wohle der Menschheit, arbeiten wir selbstlos mit. Wenn wir aber versteckt gleichsam gegen unsere eigene Organisation arbeiten sollen, können wir logischerweise nicht mittun. Das ist mein prinzipieller Standpunkt und dessen Praxis in meinem Verhalten in Dresden.» Vertretung der Zweige: Es wird die Frage aufgeworfen, ob ein Zweig mit zum Beispiel drei Stimmen diese auf eine Person übertragen kann oder ob jede einzelne Stimme von einer Person abgegeben werden muss. Die Diskussion zeitigte zwei Anträge: Erster Antrag Hubo: «Die Zweige sind verpflichtet, die Stimmen in eine Hand zu legen.» Zweiter Antrag [Löhnis]: «Es bleibt den Zweigen freigestellt, ihre Stimmen in eine Hand zu legen oder mehrere Vertreter zur Ausübung der Stimmen zu schicken.» Antrag zwei, [Löhnis], wird angenommen. Feststellung der Mitgliederzahl, Stimmenzahl und Vertreter. Berlin 89 5 Kiem, Krojanker, Seiler Charlottenburg 7 2 Engel Dresden 8 2 Dr. Löhnis Düsseldorf 8 2 von Rosen Hamburg 20 2 Hubo Hannover 24 2 Deinhard Köln 16 2 Scholl, Frau Dr. Wegeler Leipzig 30 3 Bernsdorf, Richter Lugano 8 2 Frau Dr. Braun, Deinhard Nürnberg 8 2 Seiler München 19 2 Gräfin Kalckreuth, von Sivers Stuttgart 14 2 Arenson Weimar 12 2 Lübke, Wolfart 263 30 absolute Majorität = 16 Stimmen
2/3 Majorität = 21 Stimmen Fräulein von Sivers (Sekretär) berichtete sodann über die Mitgliederbewegung. Anzahl der Mitglieder in 1902: 108.
Aufgenommen in 1903: 34.
Aufgenommen in 1904: 21.
Aufgenommen 1903, 1904 zusammen: 55.
Mitgliederzahl zusammen: 263.
Ausgetreten in 1904: 7
Verbleiben per 31. August 1904: 256. Kasse:
Kassenbestand 1903: Mark
Einnahmen 1904: Mark
Ausgaben 1904: Mark
(Zahlen fehlen)
Ergibt Kassenbestand am 31. August 1904: 999,96 Mark. Auf die Frage des Herrn Hubo, warum keine freiwilligen Beiträge in der Abrechnung erschienen, antwortete Fräulein von Sivers, dass diese Gelder nicht in die Sektionskasse, sondern in die Kasse eines Subkomitees fließen, welches Rechenschaft ablegt. Bericht der Kassenrevisoren: Motzkus, Seiler. Herr Seiler teilte mit, dass die Eintragungen mit den Belegen verglichen und rechnerisch geprüft worden seien, dass Bücher und Kasse in Ordnung befunden worden wären und von den Kassenrevisoren der Antrag auf Decharge-Erteilung gestellt werde. Es wird dem Antrag entsprochen und dem Kassierer und dem Vorstand Decharge erteilt. Herrn Hubo fiel es auf, dass auch keine Miete in der Abrechnung figuriert, worauf Fräulein von Sivers darauf hinwies, dass dieselbe aus der Kasse der Bibliothek bestritten würde mit 300 Mark pro Jahr. Wahlen: Kassierer: Für den vom Amte zurückgetretenen Kassierer Frau von Holten wird Herr Seiler gewählt, speziell zur Führung der Bücher. Geldsendungen sollen aber der Einfachheit halber alle an den Generalsekretär Dr. Steiner adressiert werden. Ergänzung des Vorstandes: Erstens: Anstelle des ausgetretenen Herrn Oppel in Stuttgart wird Herr Arenson vorgeschlagen und gewählt. Zweitens: Anstelle des Herrn Dr. Noll werden vorgeschlagen: 1. Herr Dr. Löhnis, Leipzig und
2. Fräulein Stinde in München. Mit Rücksicht darauf, dass Leipzig bereits Vertretung im Vorstande hat, München aber nicht, wird Fräulein Stinde gewählt. Kassenrevisoren für 1905: Das frei gewordene Amt eines Kassenrevisors wird Herrn Krojanker übertragen und von demselben angenommen, sodass für nächstes Jahr Fräulein Motzkus und Herr Krojanker die Revision vorzunehmen haben. Damit haben die Wahlen ihr Ende erreicht.
Dr. Steiner verliest sodann die anlässlich des Jahrestages eingelaufenen Depeschen vor von Konzertmeister [Rösel], Weimar
Hennifn]g, Weimar
[Keine Angabe], Düsseldorf
Michael Bauer, Nürnberg
Konsul [Franken], Lugano
Feldner, Regensburg
[keine Angabe], Düsseldorf
Vollrath
Frau von Lichtenberg
Brockdorff, Meran. Berichte der Vertreter der einzelnen Zweige: Hannover (Deinhard): Mitgliederzahl Ende 1903: 25. Die Tätigkeit erstreckt sich auf Zusammenkünfte im engeren Kreise jeden Montag. Der Bücherwart hat seine Wohnung zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Mitglieder sollen sich in freier Rede fortbilden. Außerdem jeden Monat eine öffentliche Versammlung. 15. Dezember: Adalbert von Hanstein: Gott und Unsterblichkeit (Erwiderung auf Rede von Ladenburg in Kassel).
[Wöbcken], Bremen: Hilfe
16. Mai 1904: Dr. Steiner: Geburt und Tod im Leben der Seele.
27. Juli 1904: Hineinreichen des Diesseits ins Jenseits.
18. Oktober 1904: Welche Freuden erwarten uns im Jenseits?
24. Oktober 1904: Deinhard: Über die bahnbrechenden Ergebnisse der Forschung in England. Alle vier Wochen beantwortete Dr. Hübbe-Schleiden Fragen theosophischer Natur. München (Deinhard): Im Jahr 1901 als erste wirkliche Loge gegründet, hatte München damals unter großen Schwierigkeiten zu kämpfen, hielt sich aber trotzdem zwei Jahre. Dann kamen die Wirren der Judge/Hartmann-Bewegung. Hartmann kam von Salzburg häufig herüber. Es ging von da aus ein Strom eifriger Beeinflussung durch die sezessionistische Bewegung, sodass die Münchner nicht mehr zu unterscheiden wussten, wohin sie sich wenden sollten. Diesem Übelstande ist entschieden Einhalt getan worden durch das Auftreten unseres Generalsekretärs und durch den Besuch von Mrs Annie Besant, die die Gelegenheit ergriff, die neu gegründete Loge einzuweihen. Hamburg (Hubo): Außer den Mitgliederversammlungen vier öffentliche Versammlungen abgehalten. 50 bis 120 Personen haben jeweils an den Vorträgen teilgenommen. Zuerst eine große Versammlung bei freiem Eintritt einberufen. Der streithaften Elemente wegen hat man anstelle der Diskussion Fragebeantwortung eingeführt und Eintrittsgeld erhoben. Thema: 1. Wahrheitsbeweise der theosophischen Weltanschauung
2. Esoterisches Christentum
3. Dr. Steiner
4. Was haben wir im Jenseits zu erwarten?
5. Wie entstanden die Religionen? (Hubo) Vortrag von Annie Besant war von 300 Personen besucht. Die Zeitungen haben die Berichte teils ganz, teils gekürzt aufgenommen. Dr. Steiner wird monatlich nach Hamburg kommen, um im kleineren Kreis zu sprechen und so mehr bieten zu können als im öffentlichen Vortrag. Stuttgart (Arenson): Außer den Vorträgen von Dr. Steiner und Annie Besant keine öffentlichen Vorträge. Grüße an Generalversammlung und Dank Herrn Dr. Steiner. Weimar (Lübke): Vorträge von Dr. Steiner. Jede Woche Versammlung. Studium. Lugano: Versammeln sich mehrmals im Monat unter dem Vorsitz von Günther Wagner. Studium theosophischer Schriften. Das große Ereignis des Jahres war der Besuch Dr. Steiners. Berlin: Jeden Montag Versammlung der Mitglieder und engeren Freunde, die eventuell größeres Interesse an der Bewegung nehmen. Gut besucht (oft 50 Personen). Vorträge von Dr. Steiner. Montag-Abende sollen Diskussionsabende der Mitglieder werden; einleitende Vorträge von Dr. Steiner: Vorträge über alte und neue Apokalypsen. Jeden Donnerstag öffentlicher Vortrag: Grundbegriffe der Theosophie, Theosophie und Darwin, Theosophie und Tolstoi, Theosophie und Haeckel. Anträge: Erster Antrag Löhnis: Ich bitte darüber abzustimmen, ob durch Vermittlung des Generalsekretärs ein Erlass des Präsidenten Olcott eingeholt werden soll, dass Mitgliedern der Theosophical Society gestattet sei, an den Vorarbeiten zum Allgemeinen Theosophischen Kongress in Nürnberg teilzunehmen. Der Antrag hat seinen Grund in einem Beschluss des Allgemeinen Theosophen-Kongresses zu Dresden. Da ein Herr ausgeschlossen wurde von der Mitwirkung, weil er unserer Gesellschaft angehörte, hat Doktor Löhnis den nächsten Kongress für alle Theosophen ohne Ausnahme frei gemacht. Es ist nun die Frage, ob auch in Nürnberg Mitglieder unserer Gesellschaft sich an den Vorarbeiten beteiligen dürfen. Zweifellos wird eine diesbezügliche Anfrage erlassen werden. Selbstverständlich kann eine Beteiligung als «Loge nicht in Betracht kommen; es kann sich nur um eine Beteiligung der einzelnen Personen handeln. Herr Bresch hat nun einen alten Erlass des Präsidenten Olcott veröffentlicht und darauf hingewiesen, dass darnach unsere Mitglieder einer anderen theosophischen Organisation nicht angehören dürfen. Herr B[resch] betrachtet auch das Zusammenarbeiten mit einer anderen Organisation als ein Bündnis. Ich meine aber, man sollte diesen Kongress einmal laufen lassen, daran teilnehmen, nicht öffentlich als Organisation, sondern jedes Mitglied privatim. Die meisten Leute wissen nicht die Ursache der Spaltung. Ihre Unkenntnis und ihr Irrtum können am besten in persönlicher Besprechung beseitigt werden. Bei manchen Mitgliedern der Sezession ist es zweifellos kein Irrtum, sondern bewusstes Gegenarbeiten gegen unsere Gesellschaft. Ein Beschluss der Generalversammlung würde die Beteiligung als Organisation betreffen, da aber Organisationsfragen nicht berührt werden dürfen, so darf auch ein Beschluss nicht gefasst werden. Der Kongress soll unabhängig von jeder Organisation sein. Es bleibt also nur der Erlass des Präsidenten.» Hubo: «Das Verhalten Doktor Steiners auf dem Kongresse zu Dresden finde ich sehr korrekt. Bei solch taktvoller Weise kann die Teilnahme Doktor Steiners nicht schaden, nur nützen. Bei Doktor Löhnis’ Antrag wird die allgemeine Teilnahme der Mitglieder in Aussicht genommen.» [Hubo gibt] über das Vorgehen der Sezession und die theosophische Mitwirkung eine Charakteristik. «Als wir den Zweig Hamburg gegründet hatten, kam Edwin Böhme nach Hamburg, hielt einen Vortrag, indessen ohne zu erwähnen, dass er nicht unserer Organisation angehöre. Das hat große Verwirrung angerichtet, bei welcher Gelegenheit sie dann im Trüben fischten. Die Leute haben nicht das Recht, Name und Siegel und Wahlspruch der Gesellschaft zu verwenden. Dadurch wird die Tatsache der Verschiedenheit der Organisation verwischt. Ich empfehle die Broschüre von Doktor Hübbe-Schleiden «Eckige Kreise zu lesen. Ein Mittel, den Leuten zu zeigen, wo Theosophie zum Ausdruck kommt, wo Originalität und wo Abklatsch zu finden, sind die Vorträge von Doktor Steiner. Vielleicht ist es gut, wenn Herr Bresch die scharfe Ausdrucksweise im «Vâhan» etwas milderte.» Deinhard: «Alles Wesentliche in Bezug auf unser Verhältnis zur Sezession ist schon in «Eckige Kreise gesagt. Auch Bresch hat im «Vâhan» manches Gute gebracht. Damit sollte es genug sein. Ich meine, wir sollten Herrn Bresch bitten, sich Zügel anzulegen in Bezug auf dieses Thema. Meine Meinung ist, dass Olcott nicht genügend über die Verhältnisse in Deutschland aufgeklärt ist. Lange Korrespondenzen wären nötig. Am besten dürfte es sein, den Präsidenten hier ganz aus dem Spiele zu lassen.» Bresch: «Es mag manches im «Vâhan» zu scharf gesagt sein; wer aber, wie ich, aus erster Hand hat miterleben müssen, wie die Sezessionisten arbeiten, wie sie auf die Sentimentalität einwirken, die Bruderschaft vorschieben und dann im Trüben fischen, der kann nicht anders. Der «Vâhan» ist nicht für die Sezessionisten geschrieben, er soll die Interessen der Theosophical Society vertreten. Die Loge Danzig wollte infolge eines Artikels abbestellen. Ich habe gesagt: «Bitte. Ich bin Vertreter der Interessen der Theosophical Society. So lange Hartmann und Rudolph an der Spitze stehen, kann nichts Tatsächliches werden. In dem besagten Artikel wollte ich nur zum Ausdruck bringen, dass eine Gefahr im Anzuge ist. Helfen auf theosophischem Gebiete, ja; aber organisatorisch können wir uns in nichts einlassen. Schon im ersten Kongress war die Tendenz vorhanden, eine Organisation zu gründen. Ich rate, jede Sentimentalität in diesem Punkte abzuweisen; man darf sich nicht leiten und ködern lassen, sich auch nicht fürchten, wenn gesagt wird, man wäre unbrüderlich, untheosophisch. Das darf uns nicht scheren. Unsere Gesellschaft ist der feste Kern, der festgehalten werden muss. Unsere Verhältnisse in Deutschland sind dem Präsidenten wahrscheinlich unbekannt, ebenso den Engländern. Wir sollten aber Fühlung mit unserem Präsidenten behalten. Es erscheint mir als eine Art Doppelzüngigkeit, wenn unsere Logen oder deren Mitglieder sich an der Zusammenberufung eines fremden Kongresses beteiligen.» Deinhard: «Wir können keinen anderen Weg wählen als den der Beteiligung am Kongresse, um uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Das ist aber speziell deutsche Angelegenheit.» Dr. Löhnis: «Die Scheidung muss streng aufrechterhalten werden. Was zu unserer Organisation gehört, ist Theosophical Society; was draußen ist, ist nicht Theosophical Society. Es kommt aber auch auf die theosophische Sache an, und da sollten wir die Punkte mehr betonen, die uns einigen, und nicht die, welche uns trennen. Wir wollen uns die Möglichkeit offenhalten, dass wir überhaupt sachlich verkehren können.» Hubo: «Mir ist ein neuer Gedanke gekommen. Die Veranstaltung dieser Kongresse ist ein Gegenzug gegen unsere eigenen. In welche Stellung kommt unsere Sektion, wenn wir hier in einigen Jahren sämtliche Vertreter der Sektionen zu Gaste haben? Sollen wir sie dann auch einladen? Diesem Vorgehen liegt entschieden ein Plan zugrunde. Wir kommen durch unsere Beteiligung an ihrem Kongresse in einen Konflikt mit unserem eigenen Verhalten, wenn wir einen Kongress veranstalten.» Engel: «Wenn keine organisatorischen Fragen behandelt werden, können wir teilnehmen, sonst nicht. Böswillige Kräfte sind in der Sezession wirksam, aber auch gute, die sich mit uns vereinigen könnten. Sezession gibt es nicht bloß in der Theosophischen Gesellschaft, sondern ist sozusagen eine Zeitkrankheit.» Bresch: «Ich möchte Doktor Steiner anheimgeben, sich vielleicht mit Herrn Bauer in Nürnberg diesbezüglich in Verbindung zu setzen.» Krojanker: «Ich bin der Meinung, dass die Sezession auf jeden Fall zu bekämpfen ist.» Hubo: «Nicht bekämpfen, sondern organisatorisch ignorieren. Nicht aggressiv vorgehen.» Bresch: «Es handelt sich nicht darum, ob einzelne Mitglieder unserer Gesellschaft teilnehmen, sondern ob sie mithelfen sollen, den Kongress einzuberufen.» Dr. Steiner: «Die Rechtslage ist in den «Eckigen Kreisen» endgültig dargelegt. Eines möchte ich noch betonen: Die Veranstaltung eines Kongresses ist selbst schon Organisation. Die, welche einen Kongress veranstalten, organisieren. Wenn wir uns beteiligen, so widerspricht das unserem eigenen Standpunkt, weil wir als Mitglieder der Theosophical Society logischerweise nur für diese und deren Veranstaltungen eintreten können. Das Recht, theosophische Kongresse zu veranstalten, ist nur unserer Theosophical Society zuzusprechen, und wir verletzen die Pflicht eines Mitgliedes, wenn wir bei einem theosophischen Kongress nicht unsere Gesellschaft betonen. Die Maßregel, nicht von Organisation zu reden, widerspricht geradezu den Pflichten eines Mitgliedes der Theosophical Society. Sie können auch unmöglich annehmen, dass diese Kongresse veranstaltet werden, um unserer Gesellschaft dabei etwas zugutekommen zu lassen. Trotzdem haben wir die Pflicht, den Leuten in jeder Weise entgegenzukommen. Ein ähnliches Streben ist aber auf der anderen (sezessionistischen) Seite nicht vorhanden. Die Sezession handelt nicht theosophisch, wenn sie auch noch so viel davon redet. Es ist unrichtig, falsche Dinge zu sagen und zu verbreiten. Die Art und Weise, wie wir uns hier zu benchmen haben, ist eine Sache der Klugheit. Ein falscher Schritt des Bekämpfens oder Entgegenkommens ist ein wesentlicher Schritt rückwärts. Es handelt sich darum, die Unwahrheit, die ich Irrtum nennen möchte, nicht siegen zu lassen. Dies brauchen wir nicht immer besonders zu betonen, wir müssen uns nur bei unseren Handlungen auf diesen Standpunkt stellen. Wir nehmen es den anderen nicht übel, dass sie unrechtmäßigerweise unseren Namen, Siegel und Wahlspruch genommen haben, aber es ist nicht richtig von ihnen, da die Möglichkeit ihnen offensteht, diese Dinge rechtmäßig zu tragen. Wir selbst laufen die Gefahr, jeden Augenblick bei dieser Geschichte hineinzufallen, weil die Leute drüben auch die Worte gebrauchen, auf die das Publikum dann hineinfällt. Der bisherige Erfolg der deutschen Sezession ist kein Beweis für deren Berechtigung. Sobald wir uns auf den Standpunkt stellen, dass wir gemeinsame Sache machen, geben wir die Gesellschaft preis, denn jene wollen ja nicht, dass unsere Gesellschaft besteht. Wenn sie das wollten, müssten wir uns jeden Augenblick mit ihnen vereinigen können. Das ist nicht möglich, weil sie den Untergang unserer Gesellschaft wollen. Unter diesem Gesichtspunkte müssen wir arbeiten, müssen fortwährend auf der Hut sein. Das muss jedem klar sein und immer und immer wieder betont werden. Wir können das auch nicht in die Hände des Präsidenten legen, sondern müssen selbst die Augen ‚offen halten. Für den Nürnberger Kongress würden wir geradezu freie Bahn machen, wenn wir ihnen Gelegenheit gäben zu sagen, die Adyar-Gesellschaft schließt sich aus. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht die Tendenz übersehen, dass wir durch große Kongresse verdeckt und in der Öffentlichkeit absorbiert werden sollen. Fassen Sie keinen bindenden Beschluss, legen Sie keine Marschroute fest, die die Handlungen des Einzelnen fesselt. Was Herr Bauer als Privatperson tut, kann uns auf keinen Fall etwas angehen. Dass aber Herr Bauer nicht in den Ruf kommt, mit seiner Loge die Veranstaltung eines unberechtigten theosophischen Kongresses inszeniert zu haben, also unlogisch gehandelt zu haben, dafür muss unter allen Umständen gesorgt werden. Es würde unklug sein, wenn wir uns als einzelne Teilnehmer hineinwürfen, aber im höchsten Grade unklug wäre es, wenn man sich als ganze Loge beteiligte. Dass man den Dresdner Kongress nicht so ausdeuten würde, dass man sagte: Wir haben gesehen, dass ihr auch gute Theosophen seid, sondern dass er im Sinn der anderen Bewegung ausgeschlachtet wird, wusste ich vorher. Verhalten wir uns also so, dass wir auf keinen Fall die Hineingefallenen sind.» Hubo: «Wünscht, dass diese Sachen den Logen unterbreitet werden, damit sie informiert sind.» Bresch: «Es ist fraglich, wie es aufzufassen ist, wenn Mitglieder von dem Vorsitzenden einer Loge zur Teilnahme am Kongresse aufgefordert werden.» Dr. Löhnis: «Der Vorsitzende einer Loge darf auf keinen Fall zur Beteiligung auffordern.» Dr. Steiner: «Ich glaube, dass wir nicht anders über die Sache hinwegkommen, als wenn wir einen ganz bestimmten Beschluss fassen, und beantrage, zu beschließen: «Die Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft vom 30. Oktober 1904 beschließt, sich an keinen Unternehmungen, die von anderen sogenannten theosophischen Gesellschaften ausgehen, zu beteiligen und erachtet es als Pflicht jedes Zweiges, in gleicher Weise zu handeln. Eine eventuelle Teilnahme der einzelnen Mitglieder kann also nur rein privater Natur sein. Damit ist jedem absolute Freiheit gegeben, zugleich aber ausgedrückt, dass die Sektion als solche nicht teilnehmen kann.» Der Antrag wird einstimmig angenommen. Zweiter Antrag Dr. Löhnis: «Die noch in Kraft befindlichen Erlasse des Präsidenten Olcott respektive des Zentralvorstandes möchten den Mitgliedern beziehungsweise Logen oder Zweigen zugänglich gemacht werden.» Nach stattgehabter Debatte erklärte Dr. Steiner, dass die noch in Kraft befindlichen Erlasse den einzelnen Zweigen zugänglich gemacht werden. Verlegung des Generalsekretariats nach München: Frau Gräfin Kalckreuth spricht im Auftrage des Zweiges München den Wunsch aus, das Generalsekretariat möchte nach München verlegt werden. Nach kürzerer Aussprache wird beschlossen, von dem Wunsche protokollarisch Kenntnis zu nehmen. Einladung der Zweige zur Generalversammlung: Herr Hubo macht darauf aufmerksam, dass die eingelaufenen Anträge den Zweigen im Wortlaut mitgeteilt werden sollten. Etwaige Anträge möchten daher vier Wochen vorher beim Generalsekretär eingereicht werden, damit derselbe in der Lage ist, sie mit der Einladung zur Generalversammlung zu verschicken. Änderung der Statuten: Dr. Löhnis meint, es sei wünschenswert, dass in den Statuten manches geändert werde. Er spricht daher den Wunsch aus, dass alle diejenigen, welche Änderungen wünschen, für die nächste Generalversammlung Vorschläge ausarbeiten. Voranschlag für das kommende Rechnungsjahr: Hubo: «Es ist nötig, sich über die Ausgaben des nächsten Jahres im Voraus möglichst klar zu sein, damit auch rechtzeitig für deren Deckung gesorgt werden kann, weshalb ich empfehle, einen Voranschlag künftig aufzustellen.» Freiwillige Beiträge: Herr Hubo macht den Vorschlag, auch freiwillige Beiträge zu sammeln und darnach zu trachten, dass regelmäßig eingehende freiwillige Jahresbeiträge gezeichnet werden. Herr Dr. Löhnis bemerkt, dass diese freiwilligen Beiträge nicht von der Sektion, sondern von den Zweigen gesammelt werden sollten. Dr. Steiner erwidert, dass weder der Sektion noch dem Zweige die Aufgabe des Sammelns zugeteilt werden soll. Es handle sich nur darum, eine Person zu bezeichnen, welche die Sammlertätigkeit ausübt. Der Vorstand wird beauftragt, eine solche Sammlung einzuleiten. Damit war der erste Teil der Generalversammlung zu Ende. Dr. Steiner bittet noch die Versammelten, sich um vier Uhr nochmals zwecks Anhörung der Vorträge von Herrn Bresch und Dr. Steiner zusammenzufinden, und schloss damit die diesjährigen Verhandlungen. Schluss halb drei Uhr.

German original of Protocol of the Second General Assembly of the German Section of the Theosophical Society · ← Previous · Next →