The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — 2 January 1905, Berlin
18. Das Wesen Der Theosophischen Bewegung Und Ihr Verhältnis Zur Theosophischen Gesellschaft
Über das Wesen der theosophischen Bewegung und ihr Verhältnis zur Theosophischen Gesellschaft möchte ich heute - bevor ich meine Reise nach Süd- und Westdeutschland antrete - wieder einmal zu Ihnen sprechen, denn die theosophische Bewegung ist von so umfassender Bedeutung, dass wir uns am Beginne eines neuen Jahres - das für unsere Arbeit ein sehr ersprießliches sein möge - der Aufgabe, Ziele und Arbeitsweise dieser theosophischen Bewegung wieder erinnern dürfen.
Die theosophische Bewegung ist keine solche, die sich mit irgendeiner anderen Bewegung in der Gegenwart auch nur im Entferntesten vergleichen ließe. Die verschiedensten Menschen stehen ja dieser Bewegung -die in ihrem noch nicht dreißigjährigen Dasein über alle gebildeten Länder unserer Erde sich verbreitet hat -, sie stehen ihr in der verschiedener Weise gegenüber und sind ihr von Anfang an [so] gegenübergestanden.
Seitdem die Sendbotin unserer großen erhabenen Meister, Frau Blavatsky, diese Bewegung begründet hat, hat [die Bewegung] mannigfaltige Wandlungen durchgemacht. Sie hat Menschen in ihrer Mitte gesehen, die sie wieder verlassen haben, und andere, die treu und eifrig, seit sie in sie eingetreten sind, auch bei ihr ausgehalten haben. Es hat Mitglieder gegeben, welche zur theosophischen Bewegung aus Neugierde gekommen sind, die gekommen sind, um unter mancherlei anderen interessanten Dingen, die man in der Gegenwart kennenlernen kann, auch kennenzulernen die Einblicke, die der Mensch in höhere, in geistige Welten tun kann.
Doch weil der Weg, den die theosophische Bewegung den Menschen bieten kann, ein sicherer ist, so ist er auch nicht der allerleichteste, nicht der bequemste, nicht derjenige, den man von heute auf morgen so absolvieren kann, dass sich die höchsten geistigen Erscheinungen sofort als eine unbedingte Wahrheit darstellen. [Vielmehr] ist ein eifriges Bestreben, eine wirklich intensive Hingabe notwendig. Daher kommt es, dass diejenigen, die aus Neugierde in die theosophische Bewegung eintreten, mit der Zeit abtrünnig werden, weil sie glauben, dass sie nicht in einem kurzen Zeitraum dasjenige erreichen können, was sie [wie im Sturm] erreichen wollen; oder aber weil sie glauben, dass ihnen die theosophische Bewegung nichts bieten könne.
Auf solche Neugierige ist ja von vornherein in der theosophischen Bewegung weniger gerechnet worden, obwohl Neugierde oft ein Umweg ist, um zur Wahrheit und zur theosophischen Erkenntnis zu kommen. Bei vielen hat sich später aus der Neugierde ein richtiges theosophisches Streben entwickelt. Andere kommen in die theosophische Bewegung, um wirklich eine innere seelische Entwicklung durchzumachen. Sie wollen wirklich zu der Gewissheit eines seelischen und geistigen Lebens kommen und mystische Vertiefung erringen, um ein wichtiges Glied in der Menschheitsentwicklung zu werden. Das sind schon bessere Mitglieder. Sie streben zwar zunächst an, in sich selbst möglichst viel zu erkennen und zu erleben. Dies ist im höheren Sinne ja noch ein egoistisches Streben; aber auch das höchste Erkenntnisstreben ist ja ein egoistisches und kein selbstloses Streben. Sie wissen auch, dass dies nicht das höchste Ziel ist. Aber es gibt ein schönes Sprichwort, das diese Sachlage kennzeichnet: «Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.» Der Umweg über diesen Egoismus ist somit ein ernster und guter, und diejenigen, die ihn gehen, können würdige und echte Mitglieder der theosophischen Bewegung sein. Vielleicht streben sie mit Recht ihre eigene Vervollkommnung an, denn der Mensch wird erst dann ein nützliches und wertvolles Mitglied der Gesellschaft werden, wenn er sich selbst vollkommen gemacht hat. Was kann der Unvollkommene den Mitmenschen nützen; was kann derjenige nützen, der nur weniges im Leben durchschaut? Erst wenn man hineinzublicken vermag in die menschlichen Herzen und Seelen, wenn man in der Lage ist, die großen Weltenrätsel einigermaßen für sich zu lösen, kann man eingreifen in das menschliche Getriebe; dann kann man erst in der richtigen Weise für seine Mitmenschen und für die Welt etwas tun. Daher ist die Sich-selbstVervollkommnung, das In-sich-selbst-Saugen von geistigen Erkenntnissen, ein richtiger und guter Weg. Niemandem kann der Vorwurf gemacht werden, dass er egoistisch sei, wenn er den Weg der Selbstvervollkommnung sucht. Und wer [treu] bleibt, der wird finden, dass er nicht vergeblich in der theosophischen Bewegung gesucht hat, dass der Weg still, aber sicher zu dem führt, was er sucht. Mancher mag sagen, es gibt noch andere Wege. Diese anderen Wege sollen nicht im geringsten Sinne bekämpft oder angefochten werden. Ich weiß, wie die anderen spirituellen Bewegungen der Welt dienen. Kein Wort des Widerspruchs soll von einem wahren Theosophen da ausgehen. Davon kann nicht die Rede sein.
Aber derjenige, der im höchsten Sinne den Geist sucht, muss diesen Geist durch Selbsterkenntnis suchen. Jeder trägt den Geist in sich und es ist nicht nützlich im Grunde genommen, geistige Erkenntnis in der Umwelt zu suchen, wenn man den am allerzugänglichsten Geist, den Geist, der in uns selbst ist, nicht im wahren Sinne des Wortes erkennen will. Da sind gar viele, welche den Geist durch alle möglichen künstlichen Veranstaltungen zu erkennen suchen, und dabei ganz vergessen, welcher Geist in so unendlicher Nähe ist: Es ist die eigene Seele, der eigene Geist. Den können wir finden, wenn wir in der richtigen Weise suchen wollen. Aber er liegt tief im menschlichen Innern. Wir müssen ihn immer tiefer und tiefer in den Schichten unseres eigenen Innern suchen. Denn was in unserem Innern wohnt, ist ja dasselbe, was als Geistiges und Seelisches in der Welt wohnt. Der Gott, der in der Welt schafft, der in der Welt seit Millionen von Jahren geschaffen hat, der Gott ist im Menschenherzen zu finden. Und wie der Naturforscher draußen in der Welt studiert, der Naturforscher die Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen ihren physischen Kräften nach zu verstehen sucht, so kann auch keiner die Seele, den Geist erkennen, der die Seele und den Geist in der Welt nicht wirklich studiert. Und der Geist, der ewig in der Welt geschaffen hat und ewig in der Welt schaffen wird, der wohnt in einem Abglanz, in einem Spiegelbild in uns selber. Immer weiter und immer weiter entwickeln wir uns zu diesem Geist hinauf, immer weiter wird die eigene Seele.
So ist das theosophische Streben nichts anderes als das Streben nach dem Innewerden der schaffenden seelischen und geistigen Wesenheiten in der Welt. Das, was wir heute in uns tragen, was wir finden, wenn wir in die Schichten unseres seelischen Lebens hinabsteigen, das haben wir uns einstmals geschaffen, ausgebildet. Könnten wir zurückgehen - und der Theosoph lernt es allmählich, zurückzugehen in urferne vergangene Zeiten —, dann fänden wir dieselben seelischen Kräfte den Weltenbau erbauen, bevor es noch einen physischen Stoff draußen gegeben hat. Und wir fänden den Geist, der als Funken in uns lebt, draußen in der Welt schaffend, bevor es chemische und physikalische Kräfte gab. Geistige und göttliche Kräfte waren da am Werk. Und höher als alles physische Sein, als alles körperliche Dasein ist dieses geistige Dasein; und nicht nur höher, sondern älter ist dieses geistige Dasein als das körperliche.
So steigen wir in uns hinunter und holen aus unserem eigenen Herzen und unseren Seelenschichten herauf die Urrätselfrage mit ihrer Lösung, durch welche die Welt selbst entstanden ist. Wer sich in die Theosophie vertieft und hinuntersteigt in die Schichten des eigenen seelischen und geistigen Lebens, der findet da die Kräfte, die am Werke waren, bevor ein Auge gesehen oder ein Ohr gehört hat. Bevor Feuer, Luft und Wasser auf unserer Erde waren, waren Seele und Geist im Himmelsraum und haben das alles erst zustande gebracht. Etwas Dauerndes und dem Physischen Übergeordnetes finden wir, wenn wir hinuntersteigen in diese Schichten unseres Herzens und Geistes. Und dann holen wir von da herauf nicht was in uns selbst ist, sondern die bildenden Kräfte der Welt. Die großen Lehrer und alle diejenigen, die Sie kennengelernt haben unter den großen Seelen und Geistern, gingen ins menschliche Innere hinunter. Sie haben so nicht nur sich selbst erkannt, sondern sie haben den Blick geöffnet erhalten über Sterne und Unendlichkeiten.
Wir vermögen durch die Selbsterkenntnis auch zu erkennen, wie die Welten entstanden sind und wo der Mensch seinen Ursprung gehabt hat; und auch die Ziele des Menschen, die fernen und die nahen, und unsere Weltenaufgabe vermögen wir so aus den Geistesschichten herauszuholen durch die Selbsterkenntnis. Was wir von der Entstehung von Planeten, Runden und Rassen wissen, was wir von Sonnenkörpern und Sonnensystemen kennen, und was wir von dem Hervorgehen lebender Wesen aus dem Sonnensystem und der Weltkörpern wissen, das ist durch Selbsterkenntnis gewonnen worden, durch jene Selbsterkenntnis, welche sich durchgerungen hat, um im eigenen Geiste zu erkennen das, was er heute ist, was in ihn hineingezogen ist durch Äonen. Was heute in ihm vorhanden ist, das führt uns zu der Erkenntnis von dem, was in ihm immer vorhanden war - vorhanden war in ihm und zugleich draußen in der Welt.
Wenn Sie einen Baum betrachten, so hat er Jahresringe. Sie müssen aber den Stamm erst durchschneiden, um die Jahresringe beobachten zu können. So hat auch die Seele für den, der sie beobachten kann, ihre Ringe erhalten. Jedes Jahr setzt solche Ringe an. Die Seele ist durchgeschritten durch die Zyklen, die Runden und Rassen, und überall hat sie einen solchen Jahresring angesetzt. Diese sicht der Mensch heute nicht. Wenn er aber sehend geworden ist, sieht er, was als Resultat der Entwicklung übrig geblieben ist. Das ist der Weg der Selbsterkenntnis, der Selbstvervollkommnung. So schließt sich durch die Selbsterkenntnis die Welt auf. So lernt der Mensch seine Aufgabe kennen durch diese seine Selbsterkenntnis. Und dann gelangt er zur Erfassung [der Aufgabe] der theosophischen Bewegung.
Und das ist die Erkenntnis, die sich uns bietet, dass die theosophische Bewegung eine Notwendigkeit ist für die gegenwärtige und zukünftige Menschheit. Nur andeuten kann ich, was ich oft ausgesprochen habe. Andere Rassen gingen unserer Rasse voran; andere Rassen, die noch geistige Erkenntnis hatten. Die lemurische Rasse - obwohl sie nicht so vorgeschritten war an Verstandes- und Vorstellungskraft und die dann durch Feuer zugrunde gegangen ist -, sie hatte noch einen unmittelbaren Zusammenhang mit den geistigen Wesenheiten der Welt, eine unmittelbare Erkenntnis der Menschen war vorhanden. Der Mensch hat seine spirituelle Erkenntnis verloren, weil er dazu berufen war, seinen Verstand auszubilden, weil er dazu berufen war, den Verstand durch die Sinne zu bilden.
Der lemurischen Rasse folgte die atlantische. Auch die Atlantier waren noch imstande, in seelischer Weise mit anderen über ihnen stehenden Wesen in Zusammenhang zu kommen. Wir wissen, dass durch kleine Kolonien die Lemurier herübergeführt worden sind zu den Atlantiern, die neue Stammrasse zu bilden. Und wir wissen auch, dass als die Fluten hereinzubrechen begannen, durch die der atlantische Kontinent zugrunde gegangen ist, da sandte der Manu ein kleines Häuflein aus nach der Mitte von Asien. Und als die alte Atlantis sich der Abenddämmerung zuneigte, da führte der Manu sein Häuflein, das die Grundlage für unsere Rasse bilden sollte, in die Wüste Gobi oder Schamo. Da wurden sie geschützt vor den dekadenten Bewohnern, die übrig geblieben waren von den Atlantiern und Lemuriern. Und so bildete sich die erste Unterrasse unserer Rasse. Sie zog nach dem Westen. Die anderen Rassen blieben zurück. Wir selbst stammen ab von diesem kleinen Häuflein. Unsere fünfte Wurzelrasse wird nicht durch Feuer oder Wasser ihren Untergang finden, sondern auf eine andere Art wird unsere gegenwärtige Rasse ihre Abenddämmerung erleben, um zu einer neuen Stufe, zu einem neuen Dasein hinübergeführt zu werden. Diese Stufe lernt der Theosoph vorauszuschen, und er leistet Vorarbeit für die Zukunft der Menschheit, für die kommende Rasse. Kampf ums Dasein wird die Untergangsform unserer
Rasse sein. Sie wird hinübergerettet werden in einem kleinen Häuflein. Dieses wird sich rekrutieren aus denen, die selbst erkannt haben, dass sie führen müssen, und die wieder Seele und Geist gesucht haben.
Anders als in Vorzeiten muss in der gegenwärtigen Zeit gewirkt werden. In den Vorzeiten waren die Menschen getrennt in kleine Kulturgebiete, und jede Kultur konnte nur auf einem kleinen Gebiet wirken. Noch während der alten indischen Kultur, auch während der persischen, ägyptischen, griechischen und römischen Kultur waren die Menschen auf kleinere Territorien beschränkt. Jetzt ist die ganze Erde unser Wohnplatz geworden. Unsere Technik, die die Größe unserer Rasse ausmacht, umspannt die ganze Erde. Keine Trennung ist mehr vorhanden. Die Waren, die fern von uns erzeugt werden, werden auf der ganzen Erde verbreitet. Die Erde ist ein gemeinschaftlicher Wohnplatz geworden. Die Menschen können nicht mehr unterschieden werden nach einzelnen Farben, Rassen, Klimaten; sie tauschen jetzt nicht nur Waren, sondern auch Meinungen aus.
Nichts kann mehr nur für ein kleines Häuflein bestehen. Heute haben wir eine neue Aufgabe, durch die wir alle in eine neue Zukunft hineinwachsen können. Diese zu erfassen, obliegt der theosophischen Bewegung.
Führer der Menschheit waren im Beginne und Verlauf [der ersten Unterrasse] der fünften Wurzelrasse die Rishis in Indien, von denen der heutige Forscher so gut wie nichts weiß, nur derjenige, der durch mystische Erkenntnis zur Anschauung der höheren Welten gekommen ist, der weiß von ihnen zu erzählen. Sie haben jene wunderbare Kultur geschaffen, von der die Vedenkultur nur ein schwacher Abglanz ist. Alles, was uns von der Vedenkultur bekannt geworden ist, ist in viel späterer Zeit entstanden. Für den, der die Welt geistig zu beobachten vermag, bietet sich eine Zeit dar, von der keine Urkunde etwas meldet, wo im alten Indien gottbegabte Geister, die Rishis, unmittelbar lehrten. Das war eine Landeskultur.
Dann kommt eine Kultur, die wiederum auf ein Land beschränkt ist: die uralte persische, die zarathustrische Kultur. Sieben Zarathustras hat es gegeben. Jener Zarathustra, welcher gewöhnlich genannt wird, ist der siebente. Er ist die Inkarnation aller früheren Zarathustras. Was in den Büchern der persischen Religion aufbewahrt ist, wurde erst in viel späterer Zeit aufgezeichnet. Da blicken wir zurück auf ein zweites inspiriertes Religionsbekenntnis in unserer Rassenentwicklung.
Wir schreiten jetzt vor nach Westen zu. Wir treffen da auf die wunderbare ägyptische Kultur, eine Kultur, von der uns Bücher Kunde geben. Das ägyptische Totenbuch ist ein Ergebnis der Kultur des Hermes. Dann kommen wir nach Griechenland und Italien zu der orphischen Urkultur, die auf europäischem Boden erwachsen ist und von der wir noch zehren. Dann kommen wir hinauf zu der erhabenen Religion des Stifters des Christentums und endlich in unsere Zeit hinein.
Wir haben so erblickt auf eine Reihe von menschlichen Religionsbekenntnissen, die von einzelnen großen Religionsstiftern ausgegangen sind. Für uns sind diese großen erhabenen Stifter nichts anderes als die Mitglieder einer geistigen Gemeinschaft von Wesen und Individualitäten, die hoch erhaben über unserer Menschheit stehen, so hoch erhaben, dass heute der Mensch nur mit Bewunderung und Demut aufblicken kann zu den Großen, die die geistigen [Anstöße] unserer Entwicklung gebracht haben. Aber zu gleicher Zeit, wie wir zu ihnen aufblicken, wissen wir, dass auch wir zu solcher Klarheit und Geistigkeit aufzusteigen berufen sind. Die heiligen Männer sind hervorgegangen aus dem, was wir die Loge der erhabenen Menschheitsführer nennen.
Diejenigen, welche die ägyptische Kultur gebracht haben, sind dann nach Westen gezogen und haben dann, als sie als Abgesandte nach dem Westen, nach Europa, gekommen sind, den Völkern diejenigen Erkenntnisse gebracht, welche sie ihren Verhältnissen entsprechend gebrauchten. Die Weiße Loge hat so gewirkt, dass jedes Volk sie verstehen konnte. Jedes Volk brauchte etwas Besonderes im Laufe der Zeiten. Jedes Volk war abgeschlossen auf einen engeren Raum. Was wussten zum Beispiel die alten Inder davon, was sich in Europa zutrug? In ganz besonderen sozialen Verhältnissen lebten sie. Die großen Eingeweihten sprachen so zu ihnen, wie sie es brauchten. Und so sprachen sie zu allen Völkern.
Heute ist die Menschheit dazu berufen, eine gemeinsame Familie zu werden, heute sind die Menschen dazu berufen, Austausch zu pflegen, nicht nur von Waren, sondern auch von dem, was die Menschen als Wahrheit erkennen. Es bleibt den Menschen nicht mehr verschlossen, was die alten Rishis gelehrt haben. So war es notwendig geworden, dass die Erhabenen von der großen weißen Loge wieder zur Menschheit gesprochen haben. Dieselben Wesen, die einst tätig waren bei der Begründung des alten Hinduismus, dieselben Wesen, die tätig waren bei der Begründung des alten Zarathustrismus und bei der Begründung der Religion der Ägypter, mussten also zu der Menschheit in einer neuen Form, in einem neuen Sinne sprechen; dasselbe Wesen, das einstmals der Gottheit Christi den Leib geboten hat, um auf der Erde hier wirken zu können, Jesus von Nazareth. Deshalb sprechen diese Wesenheiten so, dass in ihrer Sprache kein Unterschied gemacht wird zwischen Rasse und Sprache, kein Unterschied zwischen Geschlecht und Stand. Nicht mehr Sonderbündnisse kann es geben, sondern etwas Gemeinschaftli‚ches muss die Menschheit haben. Und ein solches Gemeinschaftliches ist unsere theosophische Lehre, durch die wir uns hinüberentwickeln zur neuen Rasse. Das ist der Sinn, der Geist der modernen theosophischen Bewegung.
Diejenigen, die diese theosophische Bewegung auffassen als das gesprochene Wort derjenigen, die von Anbeginn der Menschheit [die Weisheit und] den Zusammenklang der Empfindungen [gegeben] haben, die wissen, dass die Theosophie nichts anderes ist als die Pionierbewegung, welche einer neuen Menschheit vorarbeiten kann, die das Glück der Menschheit bringen soll. Derjenige versteht die theosophische Bewegung richtig, der glaubt, dass alle großen Fragen, die an die Türe pochen, gelöst werden müssen durch die theosophische Zentralbewegung.
Da sucht der eine auf dem Wege einer sozialen Bewegung, ein anderer auf dem Wege einer spiritistischen, ein anderer auf dem Wege einer moralischen und wieder ein anderer auf dem Wege einer Reform von Speise und Trank sein Heil. Alle [solche Bewegungen] sind groß, bedeutend und nützlich. Sie arbeiten aber nur vor. Sie werden nur Früchte bringen können, wenn sie Zweige der großen theosophischen Bewegung geworden sind. Nicht durch äußere Verbesserungen der Nahrungsmittel, der Industrie, der werktätigen Arbeit kann etwas erreicht werden, sondern nur dadurch, dass die Seelen vorwärtsgebracht werden. Wer alle diese Bewegungen sorgfältig studiert hat, der weiß, wie sie einmünden müssen in die theosophische Bewegung.
Fordern Sie von Ihren Mitmenschen, dass sie im Kampf ums Dasein den anderen gegenüber nicht so furchtbar seien, sondern sich so verhalten, wie Sie wünschen, dass man sich Ihnen gegenüber verhalte, so wird es erträglich sein. Schreiben Sie aber auf Ihre Fahne «Kampf», so werden Sie nichts erreichen. Lediglich durch Liebe, durch Vereinigung, durch den Zusammenklang aller unserer Seelen kann das Heil gefunden werden. Nur wenn wir wieder uns klar darüber geworden sind, dass wir alle seelisch-geistige Wesen sind, und dass unsere Seele und unser Geist Funken des Urfeuers sind und wir den Beruf haben, uns zu vereinigen in diesem Urfeuer, dann werden wir zum Heil unserer Zukunft wirken. Dann werden wir hinüberleben in die Zeit, in die wir hinüberleben müssen, die wir aber auch gestalten müssen. Und das wird abhängen von der Arbeit an unserer eigenen Seele.
Viele verlangen von den Menschen, sie sollen anders werden: Diese Klasse, jener Stand soll anders werden, man braucht die Menschen anders. Man kämpft gegen sie. Wer aber kann Gewähr dafür geben, dass ein solcher Kampf jemals gelingen wird? Eines aber muss gelingen: Niemals können wir fehlgehen, wenn wir unser eigenes Innere verbessern, wenn wir ein jeder beim eigenen Innern zu reformieren anfangen, wenn also ein jeglicher sich selbst besser macht. In diesem Streben kann es keinen Unterschied von Klasse, Rasse, Stand und Geschlecht geben. Und das ist der Sinn der theosophischen Bewegung, der sie zu einer großen Bewegung der Zukunft macht. Das haben uns die erhabenen Wesen gelehrt, die zu uns in den Tönen gesprochen haben, die zukunftsverheißend sind. Viele sind zur theosophischen Bewegung gekommen und fragen: Ihr sagt uns, dass sogenannte «Meister» an der Spitze der Bewegung stehen; aber wir sehen diese Meister nicht. - Das ist nicht zu verwundern. Glauben Sie nicht, dass es in dem Willen der Meister liegt, nicht selbst unter Sie zu treten und zu Ihnen zu sprechen. Könnten sie es, dürften sie es - ein jeglicher würde es tun. Aber ich möchte Ihnen nur einen kleinen Begriff davon geben, wodurch der Meister abgeschieden sein muss von denjenigen, die er liebt, und weswegen er sich Boten suchen muss, die mit ihrem physischen Wort sein Wort verkünden.
Die Gesetze, nach denen die Welt und die Menschheit gelenkt werden, sind unendlich erhaben über dem, was sich der Durchschnittsmensch von heute denken kann. Nur derjenige, der einzig und allein im Dienste dieser erhabenen Weltengesetze wirkt - nachdem er sie erkannt hat -, kann die Menschheit in seelischer und geistiger Beziehung lenken. Der Meister durchschaut nicht nur Jahre, sondern Jahrhunderte und Jahrtausende. Er sieht in ferne Zeiten der Zukunft. Die Lehren, die er gibt, sind diejenigen, die der Menschheit zum Erstreben dienen sollen, um sie weiterzubringen. Nicht müßige Lehren für die Neugier gibt der Meister, sondern Lehren der großen Menschenliebe, die in Zukunft in das Glück der Menschheit hineinführen.
Sehen Sie sich die Menschen an, wie sie leben, wie sie abhängig sind von tausend Kleinigkeiten des Tages. Und ich will nicht einmal auf die tausend Kleinigkeiten des Tages verweisen, sondern nur darauf, wie sie abhängig sind von Raum und Zeit, wie sie es schwer über sich bekommen, ein freies Urteil zu gewinnen, sich zu gestehen, was zur Förderung der Mitmenschen notwendig ist. Abertausend und Millionen von Rücksichten, an die der Mensch stündlich gebunden ist, machen es ihm unmöglich, ein freies, unabhängiges Urteil zu gewinnen. Wenn man nur der innersten Stimme des göttlichen Inneren folgen kann, dann ist man berufen, Menschen zu führen, zu leiten, zu lenken. Das kann der Meister.
Die wenigsten können sich eine Vorstellung machen von der Größe der durch keine Rücksicht gebundenen Freiheit des Urteils, das der Meister auszusprechen hat. Nur in schwachem Strahl, in verdunkeltem Abglanz können wir das auf dem physischen Gebiete aussprechen, was die Meister aussprechen auf ihrem erhabenen Sitze.
Rücksicht muss genommen werden auf Land, Kultur und Bildung. Nur in gebrochenem Strahle kann dasjenige zur Menschheit kommen, was der göttliche Führer vermitteln kann als das große Weltengesetz. Nur derjenige, welcher imstande ist, dem Meister zuzuhören, sodass sich nicht der geringste Widerspruch im Herzen regt, dass er nicht Rücksicht nimmt auf Zeit und Raum, sondern restlos das Ohr dem Meister widmet in vollkommener devotioneller Hingabe, nur der ist berufen, den Meister zu hören, der nicht auf alles antwortet mit «ja und aber», sondern weiß, dass der Meister aus dem Göttlichen heraus spricht.
Ein jeder muss da verstummen gegenüber den göttlichen Wahrheiten. Aufhören muss das, was heute am verbreitetsten ist: das Pochen auf das eigene Urteil. Der Meister zwingt uns nicht sein Urteil auf, aber anregen will er uns. Solange wir Kritik üben, sind wir abhängig von Zeit und Raum, und solange kann auch die Stimme des Meisters nicht an unser Ohr dringen. Wenn wir jene Rücksichtslosigkeit uns erwerben gegenüber allem, was uns an das Persönliche, an das Vorübergehende, an das Verschwindende bindet, wenn wir diese Rücksichten hinter uns lassen, uns gleichsam Feieraugenblicke des Lebens schaffen, uns herausreißen, loslösen von dem, was um uns herum lebt und nur der inneren Stimme lauschen, dann sind die Augenblicke da, in denen der Meister zu uns sprechen kann. Diejenigen, die sich jene große Freiheit errungen haben, haben sich auch die Möglichkeit errungen, selbst einen Meister zu haben; sie haben es dahin gebracht, die Gewissheit zu haben, dass sie existieren in der von Licht umflossenen Glorie dieser hohen Wesenheiten.
Abgewöhnt haben sie sich das «Prüfet alles und das Beste behaltet», denn das müssen sich diejenigen abgewöhnen, die an den Meister herantreten wollen. Damit stellt man Grundsätze auf über Dinge, die man wahrhaftig schon weiß. Will man aber lernen, dann hört dieser Grundsatz auf. Wer soll entscheiden darüber, was das Beste ist? Diejenigen, die es haben, oder die, die es erkannt haben? Nicht urteilslos, nicht kritiklos sollen wir werden, sondern uns in eine wahrhaft unabhängige Stimmung versetzen können, wenn wir zu diesen erhabenen Höhen hinaufsteigen wollen.
Das ist vor allen Dingen etwas, was den Theosophen als ein Gefühl durchströmen muss. Und wenn er sich immer mehr und mehr mit diesem Gefühle durchdringt, dann wird er selbst hinaufgeführt werden zu den Höhen, wo der Meister zu ihm sprechen kann.
Fragen Sie nicht: Warum sind die Meister an abgesonderten Orten? Denn: Wahr ist es, dass in Petersburg, Berlin und London und so weiter sich die Meister aufhalten und zu sprechen sind für die, die sie sprechen wollen und können; für die, welche die notwendige Stimmung durch innere Selbstüberwindung errungen haben. Durchdringt sich der Theosoph mit dieser Stimmung, dann wird er Mitglied desjenigen Teiles der Menschheit, der hinaufgeführt wird zu einem neuen, erhöhten Dasein. Und weil das der Fall ist, ist die theosophische Bewegung auch die praktischste Bewegung, die wir in der Gegenwart haben können. Viele wenden ja ein, sie sei idealistisch, phantastisch, sie sei etwas Unpraktisches.
Nun, verehrte Anwesende, ein kleines Nachdenken kann Sie lehren, dass diese Bewegung nicht etwas Unpraktisches zu sein braucht, nur weil sie viele praktische Menschen - das heißt, Menschen, die sich so nennen - als unpraktisch betrachten. Sehen Sie sich aber einmal die Menschen an, die sich so praktisch finden. Es ist ein eigen Ding mit solchen Menschen, die sich selber so praktisch gefunden haben. Einige Beispiele von dem, was die Praktiker in der Welt des 19. Jahrhunderts getan haben, mögen das zeigen. Die Praktiker haben zum Beispiel bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein ein höchst unpraktisches Postwesen gehabt. Bei diesem Postwesen haben die Praktiker, ebenso wie heute, auf ihre Praktik gepocht. Dann aber kam ein Schullehrer in England, der die Postmarke erfand. Es war ein «unpraktischer» Idealist namens Hill. An der Spitze des englischen Postwesens stand ein «Praktiker» namens [Lord Lichfield]. Der erklärte im Parlament, dass aus der Einführung der Briefmarke nichts werden könne. Er sagte: Der «Praktiker» weiß, dass das nicht geht. Der Verkehr könnte ja zunehmen, aber dann würden die Posthäuser nicht mehr ausreichen, folglich ist die Sache schlecht. - Das war ungefähr die Antwort auf eine solch «unpraktische» Erfindung wie die der Briefmarke.
Ebenso hatte Gauß schon im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts einen elektromagnetischen Telegrafen erfunden. Eingeführt wurde er nicht. Es waren die Idealisten, welche die Erfindungen gemacht haben, und die Praktiker haben die Geldmittel verweigert.
Ebenso war es mit der Eisenbahn. Was haben die Praktiker getan, als die Eisenbahn eingerichtet werden sollte? Der Postmeister Nagler sagte damals: Wozu eine Eisenbahn? Ich lasse schon täglich sechzehn Omnibusse nach Potsdam gehen und niemand sitzt darinnen. Was soll es also mit der Eisenbahn? Dazu kam noch die Stellungnahme des bayrischen Medizinal-Kollegiums über den Bau der Eisenbahnen. Die Urkunde kann heute noch eingesehen werden. Sie meinten, man solle keine Eisenbahnen bauen, denn die Leute würden, wenn sie damit führen, Gehirnerschütterung bekommen; mindestens müsste man die Eisenbahnstrecke zu beiden Seiten mit Bretterzäunen umgeben, damit diejenigen Leute, an denen sie vorüberfährt, nicht Gehirnerschütterung bekommen oder sonst Schaden nehmen.
Alle großen Errungenschaften der Menschheit sind niemals aus den Köpfen derer entsprungen, die sich Praktiker dünken. Die Praktiker haben kein Urteil über den wahren Menschheitsfortschritt. Erst wenn der Mensch sich aufschwingt zu den großen kulturbewegenden Faktoren, die aus dem Geist und der Seele kommen, erst wenn er unter geistiger Führung steht, kann er der Menschheit die großen Impulse geben. Unbewusst waren diese Erfinder beeinflusst von den Meistern. Ohne dass der Chemiker im Laboratorium oder in der Fabrik es weiß, ist er von der geistigen Hierarchie der Meister beeinflusst, die wir noch genauer kennenlernen sollen durch die theosophische Bewegung. Die theosophische Bewegung wird in die unmittelbare Bewegung des Tages eingreifen, wird nicht nur in den Gehirnen und Herzen leben. Ja, in den Herzen wird sie leben, aber bis in die Fingerspitzen wird sie die Menschen beseelen und das ganze Leben umgestalten. Dann wird sie die praktischste Bewegung sein, die unmittelbar auf dasjenige einwirkt, was stündlich, ja in jeder Minute uns umgibt.
Das sagt nicht derjenige, der in Fanatismus die Bewegung predigen will, sondern derjenige, der dazu berufen ist. Man ist durch viele Irrtümer hindurchgegangen; man hat in der Welt die Faktoren gesucht, die einen sozialen Fortschritt bringen, man hat aber erkannt, dass der Fortschritt in der Seele gesucht werden muss, dass der Fortschritt aus der Seele sprießen muss auch für das, was in die Tat umgesetzt wird. Wo dieses im Hintergrund steht, vereinigen wir uns in der richtigen Weise in der Theosophischen Gesellschaft.
Die Theosophische Gesellschaft ist nur das äußere Werkzeug für diejenigen, welche glauben, an der durch die theosophische Bewegung vorgeschriebenen Kulturbewegung teilnehmen zu müssen. Wenn die Meister gefragt werden, was zu tun ist, um mit ihnen in Berührung zu kommen, so antworten sie: Der Mensch findet Anschluss durch die Theosophische Gesellschaft; dadurch hat der Mensch die Anwartschaft in der Hand. Das, was in uns lebendig wird, das ist es, um was es sich bei der theosophischen Bewegung handelt. Die Lehren, die wir verbreiten, sind das Mittel, um das [innere] Leben im Menschen zu entzünden. Bei demjenigen, welcher zu den Mitmenschen spricht, ist es nicht das Wort, welches wirkt, sondern das, was geheimnisvoll durch das Wort fließt. Es sind nicht nur die Schallwellen, sondern es ist die spirituelle Kraft, die durch das Wort auf uns strömen soll. Durch diese spirituelle Kraft wirkt auf uns das Wort, die Kraft der Meister, der großen Führer auf uns ein, damit wir im Geiste vereinigt sind und unsere Herzen zusammenschlagen. Das ist es, worauf es ankommt, dass wir im Zusammenklang uns nebeneinander fühlen, dass wir in uns uns fühlen; wenn sich der Strom webt von Herz zu Herz, von Seele zu Seele, so geht durch sie die Kraft, die hinter uns steht.
Auf die Gesinnung kommt es an. Deshalb arbeiten wir in unseren Zweigen in solcher Gesinnung, deshalb lehren uns die Meister, dass wir nicht aus Neugierde uns Wissen aneignen sollen, nur um ständig mehr zu wissen, sondern damit wir uns vereinigen im Zusammenklang der Empfindungen. Deshalb werden wir von theosophischen Versammlungen niemals so weggehen, wie man von anderen Versammlungen weggeht. Annie Besant hat es einmal ausgesprochen, dass es nicht am Platz ist, klagend zu sagen: Wie wenig habe ich heute wieder von dieser Versammlung gehabt! - Darauf kommt es nicht an. Der Theosoph soll nicht fragen: Wie langweilig war es? -, sondern wir sollen fragen: Wie langweilig war ich? - Wir kommen nicht zusammen, um zu lernen, sondern wir arbeiten mit der Seele, mit dem Geist, wenn wir Gedankenformen schaffen, die miteinander stimmen. Jede theosophische Versammlung, jeder Zweig soll ein Akkumulator von Kraft sein. Ein jeder solcher Zweig wirkt auf die Umgebung des Ortes. Die spirituelle Kraft braucht keinen, der das Wort hinausträgt. Die Kraft eines solchen Zweiges geht durch geheimnisvolle Wellen hinaus in alle Welt. Wer glaubt, dass es ein Spirituelles gibt, wird das begreifen, wird wissen, dass eine mächtige Bewegung von solchen theosophischen Logen ausgeht. Jede theosophische Loge ist ein unsichtbares, manchem unfassbares Wirken. Da lehrt ein Prediger anders. Kein Lehrer lehrt uns, keine Verbindung war mit einer theosophischen Loge und doch findet das spirituelle Wort den Weg zu seiner Gemeinde. Chemiker und Physiker im Laboratorium empfangen neue Ideen: Es ist eine Wirkung der theosophischen Vereinigung. Nur wer die angegebene Gesinnung hat, hegt und pflegt, was er an Liebe und Güte besitzt und auch dann erscheint, wenn es keinen interessanten Redner zu hören gibt, der weiß, dass Wirkungen auch da sind, wo sie nicht materiell sichtbar sind, der ist ein rechter Theosoph. Weil manches in der theosophischen Bewegung ins Stocken geraten ist, haben [die Meister] uns den Impuls gegeben, so zu sprechen, wie ich jetzt zu Ihnen gesprochen habe. So wurde neulich auch in England, Amerika und Indien gesprochen. Das ist im Auftrage der Meister geschehen, dass wir auf die wahre spirituelle Gesinnung einer theosophischen Loge aufmerksam machen. Leadbeater spricht so in Amerika, Annie Besant in London und in Indien, und so müssen wir sprechen. Nicht darum handelt es sich, ob wir den einen mehr oder weniger gern haben nach unseren persönlichen Begriffen, sondern dass wir selbstlos zusammenkommen. Dann nehmen wir nicht nur, sondern wir geben auch. Wir geben auch dann vor allen Dingen, wenn wir unsere Seele geben. Und das ist die beste Gabe. In diesem Sinne wollen wir uns vereinigen auch in unserem Zweige. Immer mehr und mehr müssen die theosophischen Zweige diese Gestalt annehmen, dass jede Kritik, jedes Besserwissen schweigen muss, dass wir möglichst in positiver Arbeit wirken, dass wir in unserer Seele wirken, wie es angegeben worden ist.
Wenn wir überzeugt sein können, dass die Wirkungen nicht äußerlich sichtbare, sondern unsichtbare sind, so wird sich unsere theosophische Gesinnung so bewegen, dass wir die theosophische Bewegung zu dem machen, was sie sein soll.
In der Stille haben alle großen spirituellen Bewegungen gewirkt. Von Jesus Christus sind keine zeitgenössischen Mitteilungen überliefert worden. Philon von Alexandrien hat uns keine Kunde gebracht von dem Meister. Erst spätere Urkunden zeugen uns von dem Meister. Auch der Meister der christlichen Religion war nur den Großen und Treuen in seiner wahren Gestalt bekannt. Darin liegt seine Stärke und seine gewaltig große Wirkung, die noch lange nicht erschöpft ist, und die noch in weite Zukunft hinauswirken wird.
Verstehen Sie es, an das Spirituelle der Worte zu glauben, das sich nicht in äußeren Erfolgen kundgeben muss, dann verstehen Sie den ernsten Sinn der theosophischen Bewegung. Lassen Sie uns dies wahrhaft beherzigen im Beginne des neuen Jahres, lassen Sie uns zusammenströmen in diesem Sinne, und möge aus jeder einzelnen Seele dieser Neujahrsgruß fließen, dass wir im Sinne unserer erhabenen Wesen, die über uns stehen, unsere theosophische Arbeit tun werden.