The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913

GA 250 — 22 January 1905, London

19. Protokoll Zur Ausserordentlichen Generalversammlung Der Deutschen Theosophischen Gesellschaft (DTG)

Zunächst Dr. Steiner: «Es handelt sich heute hauptsächlich um Missverständnisse. Ich halte zwar nicht viel von deren Besprechung und bin der Meinung, dass dieselben durch Arbeit zu überwinden sind. Die Spaltungen, die sich gewöhnlich ergeben, sind meistenteils auch auf Missverständnissen begründet. Das habe ich auf meinen Vortragstouren oft finden müssen. Ich will nun heute versuchen, ein tatsächlich bestehendes Missverständnis zu beseitigen, denn was uns in der Gesellschaft beseelen muss, das ist eine Einigkeit, die auf Herz und Empfindungen gebaut ist. Ohne diese ist ein Vorwärtskommen kaum möglich. Ich schlage daher vor, ein Exekutivkomitee zu bilden; dieses Komitee soll Vorschläge machen für die Veranstaltungen des Zweiges. Dadurch, glaube ich, können Missverständnisse vermieden werden, und auch die Differenzen, die dann zu Spaltungen führen. Wie ich hörte, kommen Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft bei sich zusammen; sie vereinigen sich in kleineren Gruppen. Das geht mich aber nichts an. Die Versammlungen, die für mich Interesse haben, die sollen vom Vorstand des Zweiges einberufen werden. Wenn andere Versammlungen veranstaltet werden, so kommt das einem Misstrauensvotum dem Vorstande gegenüber gleich. Das ist dann eine Sache, die als Symptom behandelt werden muss. Es ist also die Frage zu stellen, ob die Mitglieder des Zweiges Berlin glauben, dass die bisherige Art und Weise nicht die richtige ist, und ob es sich als notwendig erweist, eine andere Art der Geschäftsführung einzuleiten. Wir wollen dem zunächst eine Gelegenheit zur Fragestellung und Besprechung vorangehen lassen.»

Fräulein Schwiebs: «Die Versammlung, die bei uns stattfand, ist aus einer ganz harmlosen Absicht hervorgegangen. Sie will nicht dem Vorstand oder der Leitung des Zweiges entgegentreten.»

Herr Quaas: «Auf der Generalversammlung hat Doktor Steiner darauf hingewiesen, dass Fräulein von Sivers bisher ihre Privaträume freiwillig zur Verfügung gestellt habe. Der Berliner Zweig zahlt aber für die Bibliothek 300 Mark. Da aber die Möglichkeit besteht, dass der Bibliotheksraum zu gleicher Zeit von Fräulein von Sivers und vom Zweig beansprucht werden kann, so frägt es sich, welche Rechte vom Berliner Zweig für die Bezahlung der 300 Mark erworben sind. Vertrauen ist keine patentierte Sache, sondern eine solche, die zu verdienen man sich Mühe geben muss. Ich möchte daher fragen, wie diese ganze Sache geregelt worden ist und ob nicht Mittel vorhanden sind, um Räumlichkeiten zu beschaffen, welche ganz neutral sind. Nicht durch Anhören großer Massen wird man eine Einigung der Einzelnen ermöglichen können. Der Standpunkt, den Doktor Steiner meinem Vorschlag gegenüber einnahm, tat mir leid. Man kann nicht sagen, das geht mich nichts an. Entweder muss sich der Vorstand darum bekümmern oder der Vorstand muss umgangen werden. Nun frägt es sich aber: Haben wir Mittel oder haben wir keine Mittel, um eine Verbesserung eintreten zu lassen? Ich bin der Meinung, die Veranstaltungen von Schwiebs und Eberty sind mit Dank zu begrüßen. Sie haben zwar noch nicht stattgefunden in der Zeit, seit der Berliner Zweig der Theosophischen Gesellschaft besteht.»

Herr Fränkel: «Ich habe an der Zusammenkunft teilgenommen; ihr Charakter war kein offizieller oder offiziöser, sie hatte nur privaten Charakter. Sie hatte nur den Zweck, die Mitglieder miteinander zu vereinigen. Einen Grundstock der Zusammenkünfte müssten aber die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft bilden. Ich bedauere, dass Gedanken geäuRert worden sind, die den theosophischen Richtlinien nicht entsprechen. Man sollte aber nicht mit Verdächtigungen an die Dinge herangehen.»

Dr. Steiner: «Es handelt sich nicht um die Karten, auch gegen die Versammlung ist nichts einzuwenden. Es handelt sich aber besonders darum, auf eine bestimmte Basis zu kommen, denn durch die Rede von Herrn Quaas ist hervorgetreten, dass es sich noch um andere Sachen handelt, noch um andere Symptome. Herr Quaas hat daher auch Rücksprache mit mir genommen. Wir dürfen aber nicht zwei Dinge durcheinanderwerfen. Wir dürfen nicht zusammenwerfen die Angelegenheit der Bibliothek und die Angelegenheit des Besant-Zweiges. Auf private Erörterungen kann ich mich nicht einlassen. Man muss dazu schon richtige Grundlagen haben.

Und nun eine andere Sache. Es wird behauptet, dass keine Einblicke in die Kassenverhältnisse des Berliner Zweiges vorhanden seien. Dann fielen auch Bemerkungen bezüglich der Privaträume. Dazu muss ich bemerken: Es handelte sich für mich im Anfange darum, die Tätigkeit des Zweiges langsam aufzunehmen und ebenso fortzuführen. Es wurde im theosophischen Sinne gearbeitet. Es wurden die Vorträge über das Christentum als mystische Tatsache und die Vorträge über die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens gehalten. Die theosophische Arbeit ist die Hauptsache. Die kann aber nur geleistet werden, wenn man die Grundlagen der theosophischen Weltanschauung hat. Dass Mitglieder sich nähertreten, ist schr schön, aber es muss mit dem Bekanntwerden der theosophischen Weltanschauung Hand in Hand gehen. Diese Arbeit könnte nicht geleistet werden, wenn nicht von privater Seite Opfer gebracht würden. Ich fühlte mich in diesem Raum immer als unter Theosophen. Ich habe nicht den Eindruck von Privaträumen gehabt. In diesem Jahre sollten die Mitglieder sich in Gruppen teilen und so miteinander arbeiten. Das ist das Zweite, was jetzt nach und nach zu leisten sein wird. Das muss aber im Einklang mit der Zentralleitung geschehen.

Die Vorschläge müssen im Rahmen des gegenwärtig Bestehenden sein. Es muss die Kontinuität der Theosophischen Gesellschaft gewahrt werden. Ich bin dazu berufen, die Kontinuität der theosophischen Bewegung aufrechtzuerhalten. Dazu gab es bis jetzt nur das eine Mittel, in diesem Raum Versammlungen abzuhalten. Die Bibliothek ist Fräulein von Sivers übergeben worden mit der Bedingung, dass sie sie in ihrem Hause hat. Es ist selbstverständlich, dass die Bibliothek ein Zimmer gebraucht; dass dafür etwas bezahlt wird, ist auch selbstverständlich. Es ist aber keine Bedingung dafür, dass darin auch Versammlungen empfangen werden können. Es ist daher ratsam, die Bibliotheks-Angelegenheit ganz aus dem Spiele zu lassen. Eine Zentrale zu schaffen, dazu hat der Berliner Zweig bisher keine Veranlassung gehabt. Wir werden also so lange bei den alten Verhältnissen bleiben, wie diese für die wirkliche Arbeit ausreichen.»

Krojanker: «Ich möchte sagen, eine harmonische Stimmung ist nicht mehr vorhanden gewesen. Der Berliner Zweig hat gar kein Heim, und jetzt haben wir nicht einmal eine Berechtigung, in dem Bibliothekszimmer Zusammenkünfte zu halten. Die Verfassung des Berliner Zweiges ist so, dass ein Exekutivkomitee bei den jetzigen Verhältnissen ganz. unmöglich ist. Das, was jahrelang auf dem Papier stand, ist jetzt zu einigen Vorschlägen zusammengefasst worden, die beraten worden sind. Wir haben das Gefühl, dass die Vorträge im Architektenhaus sich nicht im Rahmen des Berliner Zweiges abspielen. Das sind eigene Veranstaltungen, zu denen wir erscheinen oder nicht erscheinen können, mit denen wir aber als Berliner Zweig nichts zu tun haben. Man hat zwar Statuten - es wird aber alles diktiert. Wir haben alle Ursache, von Ihnen, Herr Doktor, in jeder Weise etwas anzunehmen. Die Verwaltung eines Zweiges fällt damit aber noch nicht ganz zusammen. Weitere Missverständnisse sollten für die Zukunft ausgeschlossen sein. Eine Generalversammlung einzuberufen, benötigt ganz andere Vorbedingungen. Es ist dann aber auch zu besprechen: Wie sind die Mitgliederversammlungen zu regeln? Wo und wie haben sie stattzufinden? Welche Mittel hat der Berliner Zweig dafür? Und wie muss der Berliner Zweig dafür sorgen, dass die äußeren Bedingungen beschafft werden zu regelmäßigen Zusammenkünften? Das sind so die Fragen, zu denen sich die Besprechungen zuspitzten. Die Bibliotheksfrage wird kaum geregelt werden können. Es herrscht der Wunsch vor, sich unter theosophischen Mitgliedern heimisch fühlen zu können. Zu den theosophischen Arbeiten, wie Sie sie schildern, müssen Sie sich die Mitglieder selbst auswählen, die solche Arbeit leisten können.»

Dr. Steiner: «Wir müssen dann eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Ich weiß nicht, warum ein Exekutivkomitee bei den Verhältnissen des Berliner Zweiges unmöglich sein soll. Die Vorträge im Architektenhaus sind meine Veranstaltungen, der Vorstand muss doch die Gesellschaft vertreten. Die Versammlungen aber im Architektenhaus wissen nicht, warum sie nicht als Veranstaltungen vom Zweige aus betrachtet werden können. Ich kann mir nicht recht vorstellen, wie eine solche Zentrale geschaffen werden sollte. Der Berliner Zweig sollte die Vorträge als die seinen betrachten.»

Fräulein von Sivers: «Sich gruppieren, Gruppen bilden, ist sehr schön. Es gehört aber noch mehr dazu: Menschen, Kapital, Bedienung. Vor der Gründung war niemand in der Bibliothek, der sich der Sache hätte annehmen können. Sie sollte verkauft oder verteilt werden. Damals war ich in der theosophischen Bewegung tätig. Sie hatte festere Bahnen angenommen. Die Sache der Bibliothek war mir gegeben worden, weil der Zweig die 300 Mark nicht hat ausgeben können. Es sollte aber die Kontinuität der Bibliothek aufrechterhalten werden und auch die Vorträge von Doktor Steiner. Die Bibliothek wurde verknüpft mit meinen Privaträumen. Da sie nicht öffentlich waren, ist niemand gekommen.

Die Vorträge, die wir hier haben, sind dann später eingerichtet worden, und die Einladungen von Fräulein Schwiebs und Frau Eberty zu Zusammenkünften bei sich haben einen ganz hübschen Verlauf genommen.»

Herr Quaas: «Die Abrechnungen sollten vervielfältigt und den Mitgliedern zugänglich gemacht werden. Wir brauchen die Bibliotheksfrage nicht ganz von uns zu weisen. Wir können außerdem die Mitgliederversammlung auf guter Grundlage aufbauen und arbeiten. Es sind vom Vorstand Vorschläge zu machen zur Einberufung der Mitgliederversammlung.»

Dr. Steiner: «Ich habe etwas von harmonischer Stimmung gehört, die nicht mehr vorhanden sei.»

Krojanker: «Ich glaube, dass die Versammlungen bei Schwiebs und Eberty imstande sein werden, die Missstimmungen wieder in Harmonie zu bringen.»

Dr. Steiner: «Ich möchte bemerken: Das ist etwas anderes, positiv geistig zu wirken, als in der Verwaltung tätig zu sein. Bei Rechtsanwalt Quaas tritt [es] als Disharmonie hervor, es tritt sogar eine gewisse Animosität zutage. Solange Animosität vorhanden ist, betrachte ich das positive Wirken in der Gesellschaft als ergebnislos. Diese Animosität war aus der Unterredung zu merken.»

Fränkel: «Ich habe mich um die theosophischen Verhältnisse nicht bekümmert. Daher habe ich auch nichts von der Animosität gewusst.»

Quaas: «Die Kritik wird den Mitgliedern aufgezwängt.»

Fräulein Schwiebs: «Es ist mir nicht verständlich, warum schweres Geschütz gegen uns aufgefahren wird, obgleich Sie zum Teil der ersten Versammlung beigewohnt haben. Ich wollte diese Unfreundlichkeit nicht vorbringen, aber mir hat es wehgetan. Fräulein von Sivers hat die Zusammenkunft nicht machen können, denn sie hatte zu viel zu tun.»

Dr. Steiner: «Mehrere Irrtümer scheinen hier vorzuliegen. Niemals ist von einer Absicht, vierzehntägige Zusammenkünfte abzuhalten, etwas gesagt worden. Damals hatte ich gebeten, dass solche Zusammenkünfte offiziell aufgefasst werden sollen. Es ist wohl einmal eingeladen worden. Von der Absicht, ständige Zusammenkünfte stattfinden zu lassen, habe ich nichts gewusst. Planmäßige Zusammenkünfte stattfinden zu lassen, ist mir heute als etwas Neues entgegengetreten. Persönliche Aussprachen hätten dem Bedürfnis nicht entsprochen. Es war also wohl nicht richtig, von den Zusammenkünften der Mitglieder zu sprechen.» Fräulein Schwiebs: «Jeden ersten und dritten Sonntag des Monats waren wir und Frau Eberty zusammen.»

Herr [Georgi] hält die Unzufriedenheit für Explosivstoffe. An sich selbst arbeiten, ist die Hauptsache. Dann werden die Wände, die geschlagen worden sind, verschwinden, und auch die Unzufriedenheit, sodass wir uns ausschließlich der Zukunft widmen können.

Dr. B...: «Es werden zu viele Privatverhältnisse erörtert, aber das wirkliche Studium hat niemand so recht ernst genommen. Wir wollen jedem mit Liebe entgegenkommen, wir wollen das abschütteln, was die Gesellschaft disharmonisch gemacht hat, sodass künftig nicht zerstört wird, sondern mit starker Hand weitergearbeitet wird.»

Quaas meint, dass Fühlung des Vorstandes mit den Mitgliedern total abhandengekommen ist (dagegen erhebt sich Widerspruch).

Krojanker: «Es handelt sich um eine Gesellschaft, die bestimmte Formen hat. Die müssen eingehalten und gewahrt werden. Von einer wirklichen Animosität kann keine Rede sein. Machen Sie mehr Mitgliederversammlungen.»

Fräulein Motzkus: «Die Zusammenkünfte sollten eigentlich einen engeren Anschluss an Doktor Steiner ermöglichen.»

Frau von Holten: «Es hat mir leidgetan, nachdem ich meinen Brief von Unbekannten habe schreiben lassen. - Mir fehlte hier die weibliche Hand.»

Dr. Steiner: «Es handelt sich um einen Brief, der sich unberechtigterweise in meine Privatverhältnisse einmischt, um einen Brief, der aus Nichtkenntnis hervorgeht. Ich habe keine Antwort darauf gegeben. Der hätte in dieser Form niemals geschrieben werden dürfen, denn ich hätte mir etwas vergeben, wenn ich darauf geantwortet hätte. Der Eindruck war so, wie wenn Sie jemand gesehen hätten, bei dessen Anblick Sie erschrocken wären.»

Frau B. ...: «Es dreht sich ja eigentlich nur um die Form bei den Versammlungen. Ich gehöre eigentlich nicht zu denen, die Klatsch aufnehmen und Klatsch weitergeben. Ich muss aber sagen, es besteht eine kolossale Abneigung gegen Fräulein von Sivers, deshalb fühlen Mitglieder sich kalt, sich erkältet. Diese Kälte wird hineingebracht und wirkt ansteckend. Die Menschen sollen in sich gehen und mit wirklicher Ergebenheit und Liebe den Menschen entgegenkommen. Die Aversion, die muss beseitigt werden; der gute Wille muss dabei gepflegt werden und das, was geschehen ist, das muss vergessen werden. Nur in innerer Harmonie liegt wirkliches Schaffen im Geiste der Theosophie. Wir können sonst an dem Werke nicht mithelfen. Wir müssen Fräulein von Sivers mit anderen Gefühlen entgegenkommen.»

Krojanker: «Man kann Verehrung haben für eine Persönlichkeit, ohne dieser Persönlichkeit gegenüber sein eigenes Ich auszulöschen. Ich glaube, wir müssen mehr Mitgliederversammlungen und mehr Vorstandsversammlungen haben.»

Dr. Steiner: «Man kann keine Versammlungen veranstalten, die nicht in Harmonie verlaufen, die nicht eine harmonische Arbeit ermöglichen. Die, welche die besten Absichten dabei haben, sind schließlich zuletzt die Opferlämmer. Meine Arbeit würde unterbunden sein, wenn nicht offen und ehrlich dasjenige, was auf dem Grunde der Seele liegt, vorgebracht würde. Keine Wand darf zwischen mir und den Mitgliedern sein, und zwar aus folgenden Gründen: Ich selbst bin in meiner Wirksamkeit von niemand abhängig und werde auch in meiner theosophischen Wirksamkeit von niemand abhängig sein. Wenn von jemand gesagt wird, dass man imstande wäre, eine Wand zwischen mir und den Mitgliedern aufzurichten, so wäre das das schlimmste Misstrauen. Derjenige, der das getan hat, der kann nichts von mir empfangen. Wenn solche Äußerungen fallen, so ist meine Wirksamkeit unterbunden.»

Krojanker: Er beschwert sich darüber, dass solche persönlichen Gegenstände zum Gegenstande der Generalversammlung gemacht werden, und fragt: «Haben Sie gegen die Mitgliederversammlungen bei Fräulein Schwiebs etwas einzuwenden?»

Dr. Steiner: «Es handelt sich nicht um die Mitgliederversammlungen bei Schwiebs und Eberty. Meine Idee war, die Folge der Mitgliederversammlungen zu organisieren, weil es heute wünschenswert ist, dass weitergearbeitet wird innerhalb von Gruppenversammlungen. Diese Versammlungen sollten nicht dazu dienen, anzugreifen, sondern zu erkennen, dass Unbefriedigtheit herrscht, und sich zu fragen, wie dieselbe hinwegzuorganisieren ist. Die Menschen in solchen Gruppen müssen ausgewählt werden. In solchen Gruppen müssen Leute zusammenkommen, die sich mit vollständiger Sympathie gegenüberstehen. Deshalb bat ich um Einrichtung und Regelung von Mitgliederversammlungen. Ich wollte eine Grundlage gewinnen, weil manche Mitglieder in der Gesellschaft so viel gegeneinander haben, dass sie unmöglich in solche Gruppenversammlungen zusammengebracht werden können. Wenn mein theosophisches Wirken nicht unterbunden wäre, so würde ich es nicht vorgebracht haben. Wenn jemand sagt, dass zwischen mir und den Mitgliedern eine Wand aufgerichtet wird, so ist das nicht bloß private Angelegenheit, damit wird ein Mitglied angeklagt, welches die Veranstaltungen geleitet hat in meinem Sinne, die Beziehungen zu durchkreuzen. Wenn sie eine Wand aufrichtet, so ist das eine Kritik, die an unserer ganzen Gesellschaft geübt wird. Eine Wand gegen Fräulein von Sivers ist eine Angelegenheit der Gesellschaft.»

[Georgi]: Spricht gegen Frau Braun und sagt: «Tadel ist unnötig, wirkt schlecht, man muss diese Kraft verhungern lassen.»

Frau Braun: «Ich bin gegen die Gesinnung, ich werde mich nicht daran beteiligen, ich habe mich von allen Formen losgesagt.»

Krojanker: «Als Vorstand des Zweiges Berlin müssen Sie auf die Dinge eingehen, die Sie als Theosoph nicht berühren brauchen. Bei den Veranstaltungen des Zweiges fühlen Sie sich doch nicht gehindert, denn dann müssten Sie nichts mit der Verwaltung des Zweiges Berlin zu tun haben. Das ist etwas Zweiseitiges.»

Dr. Steiner: «Es ist in der Tat meine Meinung, dass die Vorstandschaft nicht an mich und Fräulein von Sivers gebunden ist. Seit Jahren besteht diese Gesellschaft, aber sie hat keine besondere Tätigkeit entfaltet. Wir haben versucht, die Theosophische Gesellschaft zu lieben und in Berlin zum Leben zu erwecken. Graf und Gräfin Brockdorff haben gesagt, dass sie nur Lückenbüßer gewesen sind, damit sie bestehe. Wenn eine andere Tätigkeit gewünscht würde, so würde ich den Vorsitz abtreten dem, der bessere Lokale und Erfolge zu verschaffen vermag.»

Krojanker: «Was gesagt wird, das ist im Interesse der Theosophischen Gesellschaft gesagt. Doktor Steiner steht über jeder Debatte. Geschäftliche Dinge aber, die infrage kommen, wenn Doktor Steiner die Leitung behält, und mit seinem Wirken mit uns vereinigt bleibt, müssen ordnungsgemäß behandelt werden.»

Dr. Steiner: «Meine Tätigkeit als Vorsitzender ist nicht an meine übrige Tätigkeit gebunden, weil der Verwalter und der Sprecher getrennt werden können. So ist es auch gehalten worden, und das scheint mir auch der wünschenswerte Zustand zu sein. Lange Zeit hat die Gesellschaft brach gelegen. Wir bemühten uns, sie wieder zu beleben. Ich bin nach meinen Gedanken vorgegangen, ich habe mich bemüht, die Theosophischen Gesellschaften in der ganzen Welt kennenzulernen. Sie sollen nicht die Meinung haben, dass Sie aus unerheblichen Gründen zusammengerufen worden sind. Wenn in den Versammlungen von Wand gesprochen wird gegen jüngere Mitglieder, so hindert man mich in meiner Wirksamkeit. Um die Versicherung der Sympathie war es mir nicht zu tun. Es scheint keine Neigung und keine Lust vorhanden zu sein.

Gruppenarbeit: Eine Anzahl von Mitgliedern, die gut zusammenpassen und sich zusammenfinden, um miteinander zu besprechen, ist eine besonders wichtige Sache. Man sollte dann die entstandenen Fragen notieren, um sie dann in der großen Versammlung an mich zu stellen, sodass auf diesem Wege eine theosophische Verständigung der Mitglieder stattfinden kann. In England, in Indien und namentlich in Holland habe ich Ähnliches gefunden. Musterhafte Arbeit ist in Düsseldorf geleistet worden. Die Gruppenmitglieder kommen zweimal zusammen. Ein Mitglied, [Lauweriks], erklärt die Geheimlehre den Leuten in ganz außerordentlicher Weise. Diese Arbeiten können aber nur dann fruchtbar gemacht werden, wenn sie sich in unsere Vorträge organisch eingliedern, sodass man in die theosophische Weltanschauung hineinkommt. An solches habe ich gedacht, um Vorschläge machen zu können, und damit die Menschen se3hen, warum sie nicht in einem bestimmten Zirkel sein können. Disharmonische Strömungen sind sehr fatal in kleineren Arbeitsgruppen. Meinem Wunsche ist nur in einem geringen Maße entsprochen worden. Ich weiß nicht, warum nicht in einem ausgiebigeren Maße Gebrauch gemacht worden ist davon. Diese disharmonische Stimmung ist auch geeignet, auf mich selbst bei meiner Tätigkeit einzuwirken. Sie könnte meine Tätigkeit unterbinden für den Berliner Zweig. Es ist das etwas, was meine Tätigkeit mit Unfreiheit stempelt. Was ist da zu tun? ‘Wenn zum Beispiel die Verwaltung etwas bestimmt, wo ich nicht mitgehen kann. Deshalb war es mir notwendig, Sie zu bitten, das, was so in der Luft schwebt, hier zum Ausdruck zu bringen.

Ich bitte diejenigen, welche sich an Gruppen zu beteiligen wünschen, ihre Geneigtheit hierzu zum Ausdruck zu bringen. Das ist die einzige Möglichkeit, tiefer in die Theosophie hineinzukommen. Es ist ja schön, gesellig sich zu vereinigen, aber diese Gelegenheit gibt es ja viele Male. Dazu braucht nicht die Theosophie die Veranlassung zu sein. Theosophisches Wirken bedarf einer gewissen Grundlage, die auf Arbeit beruht. Der Größe der Gruppe ist keine Grenze gesetzt. Morgen über acht Tage werde ich wieder hier zu sprechen haben, am Donnerstag bin ich wieder in Berlin. Vielleicht wird der Vorschlag eines Zentrums noch eine konkretere Form annehmen, denn es gibt wohl noch manche, die eine Vorstellung haben, wie es besser gemacht werden könnte, aber man muss sich eben nach der Decke strecken. Diese Kritik aber macht böses Blut. Ich hatte gewünscht, dass das, was gegen mich ‚oder Fräulein von Sivers vorzubringen ist, in scharfer Weise vorgebracht werden möchte. Da dies aber nicht der Fall gewesen ist, so ist die Zeit, die wir dazu verwendet haben, doch nicht für verloren zu halten.

An der Tätigkeit von Fräulein von Sivers zu nörgeln, ist kein Grund vorhanden. Fassen Sie ihre Wirkungsweise etwas intimer auf, nicht bloß geschäftlich. Ich kann aber nichts dafür, wenn der Berliner Zweig geschädigt werden sollte. Ich weiß, was der Berliner Zweig braucht, und ich weiß auch, was die Pflicht eines Okkultisten ist. Darüber steht die große geistige Welt. Die bedingt es aber auch, dass man nicht in meine Freiheit eingreift. Eine Wand zwischen mir und den Mitgliedern zu errichten, ist eine Herabsetzung derart, wie man einen Okkultisten nicht herabsetzen darf. Wer solche Voraussetzungen hat, der kann nichts mehr von mir als Okkultist erhalten.»

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