The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — 22 October 1905, Berlin
23. Generalversammlung Der Deutschen Sektion Der Theosophischen Gesellschaft
Berlin, am 22. Oktober 1905, Motzstr. 17 Bericht in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Hauptquartier Adyar) herausgegeben von Mathilde Scholl», Nr. 1/1905
Gegen halb elf Uhr eröffnete Herr Dr. Rudolf Steiner als Generalsekretär der Deutschen Sektion die dritte ordentliche Generalversammlung und begrüßte die Vertreter der auswärtigen Zweige und sämtliche anderen Gäste.
Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der Generalversammlung vom 30. Oktober 1904 erfolgt Feststellung der Stimmenanzahl der verschiedenen Zweige mit nachstehendem Ergebnis:
Absolute Majorität 21 Stimmen
Zwei Drittel Majorität 28 Stimmen.
Es wird folgender Geschäftsordnungsantrag durch Herrn Hubo gestellt: Die Generalversammlung wolle beschließen, das Recht der Veröffentlichung über die Generalversammlung ausschließlich dem Generalsekretär zuzugestehen; jede andere Veröffentlichung aber als unzulässig zu erklären. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Löhnis, Ahner, Krojanker, Arenson, Stübing, Kieser, Dr. Paulus, Dr. Steiner beteiligen, wird nach Schluss derselben auf Antrag Wagner der Antrag Hubo wie nachstehend mit allen gegen zwei Stimmen angenommen:
«Der Bericht über die Generalversammlung ist vom Generalsekretär zu vervielfältigen und vertraulich den sämtlichen Mitgliedern zu übersenden: Er darf sonst nicht veröffentlicht noch versandt werden.»
Zum ersten Punkt der Tagesordnung - Rechenschaftsbericht des Generalsekretärs - spricht Dr. Rudolf Steiner Folgendes:
«Die theosophische Bewegung hat innerhalb Deutschlands und der Schweiz eine extensive und intensive Verbreitung gefunden. Der theosophische Gedanke scheint mehr und mehr verstanden zu werden. Bei meinen Besuchen in München, Nürnberg, Regensburg, Stuttgart, Frankfurt am Main, Bonn, Köln, Düsseldorf, Weimar, Zürich, Basel, Kassel und so weiter hat sich gezeigt, dass viel Sehnsucht nach einer geistigen Vertiefung des Lebens in den Herzen wurzelt. In diesen Städten haben wir entweder schon Zweige oder es ist deren Gründung in Aussicht. So sind in Freiburg im Breisgau und Karlsruhe Zweige entstanden, und in anderen Städten: Sankt Gallen, Frankfurt am Main und so weiter dürften demnächst solche entstehen. In Basel und Heidelberg sind die Verhältnisse schwieriger; da muss erst noch das Verständnis hervorgerufen werden, dass durch unsere Gesellschaft der hohe Geist fließt, welcher in die Welt vor dreißig Jahren gesandt worden ist. Es ist. da noch viel Missverständnis aufzuklären, das durch die abgespaltenen theosophischen Bewegungen hervorgerufen worden ist.
Diese Sehnsucht soll uns Kraft geben. Alles kommt darauf an, dass wir nicht bloß theosophische Lehren, sondern theosophisches Leben pflegen. Erst wenn einmal aus Kunst, Wissenschaft und allen anderen Zweigen des Lebens Theosophie herausstrahlt, erst dann hat diese ihre Mission ganz ergriffen. Was die theosophische Bewegung bedeutet, hat sich in schöner Weise auf dem Kongress der Föderation europäischer Sektionen in London wieder gezeigt. Man mag gegen solche Kongresse einwenden, was man will; Vollkommenes ist nicht vom Himmel gefallen; hier handelt es sich aber um Absichten. Wir müssen uns das Ideal stellen, was verbesserungsbedürftig ist, besser zu machen, mitzuarbeiten und nicht zu kritisieren.
Bevor ich zum Kongressbericht übergehe, möchte ich eine Tatsache erwähnen, die Beziehung hat zu gewissen Vorgängen der letzten Zeit. Am Vorabend des Kongresses sprach Frau Besant in der Blavatsky-Lodge über die Erfordernisse der Schülerschaft im Zusammenhange mit Helena Petrovna Blavatsky. Alle, welche damals zugegen waren, werden nicht widersprechen, wenn ich sage, dass dies eine Stunde innigen theosophischen Zusammenlebens war, von der man einen bleibenden Herzens- und Geisteseindruck mitnehmen konnte. Ich habe Frau Besant selten in so innerlicher und herzlicher Weise sprechen gehört. Im englischen «Vâhan» war einige Zeit vorher zum Ausdruck gekommen, dass die Eigenschaften von Helena Petrovna Blavatsky im Widerspruch mit der Schülerschaft ständen, und es war die Frage aufgeworfen worden: Kann jemand die Eigenschaften besitzen und doch von solchen Fehlern, wie Rauchen, zeitweiligem leidenschaftlichem Aufbrausen und so weiter nicht frei sein? Frau Besant knüpfte an diese Bemerkung des «Vâhan» an und sagte, dass Helena Petrovna Blavatsky eine Persönlichkeit gewesen sei, die für sie der Lichtbringer war; sie sei es, die sie aus der Dunkelheit dem Lichte entgegengeführt habe. Nun ja, es ist wahr, Frau Helena Petrovna Blavatsky hat geraucht, ist aufgebraust; wissen solche Fragesteller aber, was es heißt, die Stürme und Kämpfe durchzumachen, die jemand zu bestehen hat, bis er sich zu dieser Stufe der Erkenntnis durchgearbeitet hat? Auch die Sonne hat Sonnenflecken, aber wir sollten sie nicht nach diesen Flecken beurteilen, sondern als die Bringerin von Licht und Wärme. Die jüngeren Mitglieder sollten die älteren Mitglieder, die sie nicht in ihrer Größe erkennen können, erst zu verstehen trachten, ehe sie zu kritisieren beginnen.
Daran lassen Sie uns einige Worte anknüpfen über Personenkultus und Autoritätsglauben, weil über derartiges auch in unserer Sektion gesprochen worden ist. Es könnte scheinen, dass ich hier jetzt selber solchen Personenkultus und Autoritätsglauben in Bezug auf Frau Besant treiben wollte. Mir lag es in der Zeit, bevor ich Frau Besant kannte, so fern wie nur irgend möglich, Personenkultus zu treiben; mir lag es näher, mich weiter in der Welt nach der Wahrheit umzuschauen. Da lernte ich Frau Besant kennen. Nicht aus Personenkultus, sondern aus dem geistigen Inhalte der Persönlichkeit heraus wurde mir die Überzeugung, dass in ihr das lebt, was zu den höheren spirituellen Welten führt. Vor Helena Petrovna Blavatsky stand ich noch vor fünfzehn Jahren wie vor einem Rätsel, aber durch Frau Besant habe ich auch den Weg zu Helena Petrovna Blavatsky gefunden. Frau Besant verlangt am wenigsten Personenkultus; nichts ist ihr unangenehmer als dieser. Von mir hat Frau Besant niemals den geringsten Personenkultus verlangt.
Auf dem Kongresse spielte sich eine Szene ab, die den Weltberuf der Theosophischen Gesellschaft symbolisch zum Ausdruck zu bringen scheint. Da waren außer Frau Besant die Vertreter der verschiedenen Sektionen und Länder. Jeder sprach in seiner Muttersprache. Man hörte da in der Sprache der verschiedensten Völker der Erde die allen gemeinsame Idee der Theosophie; Holländisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Schwedisch, Russisch, Finnisch, Ungarisch, Indisch. Der Verlauf des Kongresses war der gebräuchliche. Es gab eine Ausstellung, insbesondere von kunstgewerblichen Arbeiten unserer Mitglieder. Von deutschen Ausstellern möchte ich hervorheben Lauweriks (Düsseldorf), Seydewitz (München), Boyer (Düsseldorf), Fräulein Stinde (München), Fräulein Schmidt (Stuttgart). Erwähnt sollen werden die Bilder des Irländers Russell, der versucht hat, inneres astrales Leben im Milieu und auch in der Symbolik in seinen Landschaften und Personen zum Ausdruck zu bringen. Frau Besant hat auch darauf hingewiesen, dass, wer in der Kunst Theosophie suchen will, sie zum Beispiel bei Richard Wagner finden könne. Auch auf das plastische Werk eines Bildhauers Ezekiel wurde hingewiesen, der in Italien lebt. Frau Besant meinte, dass es gut wiedergebe, was ein Theosoph von Christus sich vorstellen kann.
Zu erwähnen ist noch der Vortrag von Frau Besant am Sonntag-Abend über okkulte Forschung, ihre Methoden und Gefahren. Niemand sollte auf guten Glauben oder auf Autorität hin irgendetwas annehmen, was von der okkulten Forschung behauptet wird, sondern er soll es nur zunächst als Anregung betrachten. Das, was da zutage tritt, wird auf schwierigen Wegen erforscht. Daher darf der, welcher solche Forschungen treibt, nur anregen wollen.
Mir selbst war es gestattet, einen Vortrag über die okkulte Grundlage in Goethes Werken zu halten.
Wegen des Jahrbuchs der Föderation vom vorigen Jahre bemerke ich, dass dasselbe Anfang Juli fertiggestellt war bis auf das Register, welches wohl in diesen Tagen beendet sein dürfte.
Diesmal dürfte das Jahrbuch wohl in kürzerer Zeit fertig werden.
Der Ort des Kongresses von 1906 ist Paris. Er findet voraussichtlich im Monat Mai statt.
Hiermit wären die sachlichen Ausführungen zu Ende. Ich möchte aber, dass diese Ausführungen so aufgefasst werden, wie sie gemeint sind, und dass diese Mitteilungen nicht anders verstanden werden, als dass alle theosophischen Lehren, Dogmen und Gedanken nur dann Wert haben, wenn sie in das unmittelbare Leben einfließen.
Diejenigen, welche in die Theosophische Gesellschaft eintreten, sollten wissen, dass jeder, der da sitzt, eine Kraftbatterie sein sollte für den Geist. Wir sind klar über das lebendige Weben und Leben des Geistes. Wir wollen nicht durch bloße Worte auf dem physischen Plan die Lehren verbreiten. Wir wissen, dass der Geist hinausflutet, wie der Strom einer elektrischen Kraftquelle. Wo Theosophen zusammensitzen, soll eine solche Kraftquelle sein. Dann werden sich auch die finden, welche diese Wellen aufnehmen. Man sollte sich fühlen als Mitglieder einer spirituellen Gemeinschaft.»
Nunmehr folgt der Rechenschaftsbericht des Kassierers Herrn Seiler: Die Gesamteinnahmen im vergangenen
Geschäftsjahre betrugen 1462 Mark
Die Gesamtausgaben 936,67 Mark
somit Überschuss 525,33 Mark
Dazu kommen noch auf der Bank befindliche 1000 Mark, sodass sich ein Barvermögen von zusammen 1525,33 Mark ergibt.
Hierzu teilt Dr. Steiner mit, dass ihm von der Gräfin Wachtmeister für die theosophische Arbeit in Deutschland 50 Pfund zur Verfügung gestellt worden sind. Er bitte, dieselben ausschließlich der Propaganda zuzuwenden und mit Fräulein von Sivers zusammen verwalten zu dürfen. Die Generalversammlung stimmte dem zu.
Fräulein von Sivers, als Sekretär der Deutschen Sektion, gibt folgenden Bericht über den Gang des theosophischen Lebens im verflossenen Jahr:
Die Zahl der Zweige ist 18 gegenüber dem vorigen Jahr 13, Zuwachs 5 (Besant-Zweig, Stuttgart II und III, Freiburg, Karlsruhe).
Absolute Zahl der Mitglieder 377 gegen Vorjahr 256, Zuwachs 121.
Ausgetreten 8.
Gestorben 3.
Neu eingetreten 132 gegen 121 im Vorjahr. Mitglieder in den einzelnen Zweigen:
Besant-Zweig [neu gegründet] 83
Berliner Zweig [DTG] 18
Charlottenburg 5
Weimar 11 München 33
Stuttgart I 9
Stuttgart II (Kerning-Loge) 11
Stuttgart III 11
Freiburg i. Br. 10
Lugano 9
Karlsruhe 9
Köln a.Rh. 22
Düsseldorf 15
Hamburg 21
Hannover 25
Leipzig 26
Dresden 9
Nürnberg 18 Sektionsmitglieder 22
Berichte der einzelnen Zweige:
Herr Ahner berichtet über Dresden, dass es in der theosophischen Bewegung dort viel Kampf gegeben habe, besonders mit der Sezession. Die Verhältnisse hätten dazu geführt, eine Adyar-Loge zu gründen, der es jedoch sehr schwerfalle, ihren Mitgliederbestand aufrechtzuerhalten, da Mittel sehr wenig vorhanden seien. Es könne daher nur Arbeit in kleinerem Kreise verrichtet werden. Herr Ahner schließt mit einem allgemeinen Appell an die Freigiebigkeit der bemittelten Mitglieder. Herr Hubo fordert auf, solche freiwillige Gaben gleich im Anschlusse an die Generalversammlung zu leisten.
Nach dem Berichte des Kassenrevisors, Herrn Krojanker, wird dem Kassierer Decharge erteilt, ebenso nachher diese auch den übrigen Vorstandsmitgliedern.
Der nächste Punkt der Tagesordnung ist Wahl des Vorstandes:
Zur Wahl des Generalsekretärs nimmt Herr Bresch das Wort und sagt etwa Folgendes: Er sei gegen die Wiederwahl Dr. Steiners. Vor drei Jahren habe er selbst diesen aufgefordert, den Posten anzunehmen. Damals war Dr. Steiner als Gelehrter anzusehen. Seither wirke er als Okkultist, und da müsse gesagt werden, dass solche Persönlichkeiten in Verwaltungsstellen nicht die geeigneten wären. Dr. Steiner könne seine Dienste als Lehrer besser leisten, wenn er nicht mit dem Posten des Generalsekretärs belastet sei. Außerdem sei es gefährlich, Menschen mit okkulten Prätentionen in solchen Stellen zu haben. Das habe der Fall Judge bewiesen. Okkultes Leben hänge nur zu leicht mit Schwindel, Hochstapelei, Täuschung und so weiter zusammen. Herr Bresch möchte daher Dr. Steiner ersuchen, selbst auf eine Wiederwahl zu verzichten.
Dr. Steiner bemerkt zunächst, dass ja noch gar nicht Antrag auf Wiederwahl gestellt sei. Er würdige die Gründe des Herrn Bresch bis zu einem gewissen Grade; allein wie die Dinge heute stehen, müsse er sich verpflichtet halten, die Wahl anzunehmen, falls er gewählt würde.
Antrag Arenson: Dr. Steiner soll zum Generalsekretär wiedergewählt werden.
Für die Zeit dieser Wahl übergibt Dr. Steiner den Vorsitz an Fräulein Scholl.
Herr Stübing fragt an, ob es nicht möglich sei, dass Dr. Steiner seine Tätigkeit ganz der Propaganda widme.
Dr. Steiner erwidert, dass das schon längst von ihm erwünscht werde, aber nach Lage der Dinge würde er im Augenblick seine Pflicht gegenüber der Theosophischen Bewegung verletzen, wenn er die Wahl nicht annähme.
Herr Hubo schlägt den Mittelweg vor, Dr. Steiner wiederzuwählen, ihm aber durch besoldete Hilfskräfte mechanische Arbeiten abzunehmen. Zur Geschäftsordnung bittet Dr. Steiner diese Anträge getrennt zu behandeln. Nach längerer Debatte, an der sich die Herren Ahner, Dr. Paulus, Arenson beteiligen, wird nach Antrag auf Schluss der Debatte Dr. Steiner in namentlicher Abstimmung mit allen gegen zwei Stimmen wiedergewählt.
Derselbe übernimmt wieder den Vorsitz.
Es folgt die Wahl der übrigen zwölf Vorstandsmitglieder; dieselben werden einzeln in namentlicher Abstimmung gewählt.
Es gehen aus der Wahl hervor: 1. Fräulein von Sivers,
2. Fräulein Scholl,
3. Frau Lübke,
4. Fräulein Stinde,
5. Herr Arenson,
6. Herr Kolbe,
7. Herr Kiem,
8. Herr Wagner,
9. Herr Deinhardt,
10. Herr Bauer,
11. Herr Hubo,
12. Herr Ahner.
Hierauf erfolgt Wahl des Schatzmeisters. Auf Antrag von Herrn Wagner wird Herr Seiler wiedergewählt. Zu Kassenrevisoren werden, da Herr Krojanker die Wiederwahl ablehnt, Fräulein Motzkus und Herr Tessmar vorgeschlagen und gewählt. Antrag des Generalsekretärs: Aus Billigkeitsgründen sollten auch die Sektionsmitglieder, deren wir in Deutschland gegenwärtig 22 haben und die keinem Zweige angehören, eine Vertretung in der Generalversammlung haben. Er schlage im Namen des Vorstandes vor, dass sie zusammen wie ein Zweig behandelt werden sollen, das heißt, außer einem gemeinsamen Delegierten noch für je 25 (angefangene 25 zählen voll) je einen weiteren Delegierten haben sollen. Wird angenommen.
Dr. Steiner erbittet den Auftrag, die Generalsekretäre der übrigen Sektionen im Namen der Generalversammlung zu begrüßen. Angenommen.
Antrag Bresch und Dr. Löhnis, betreffend die Fuente-Angelegenheit, Leipzig, 30. August 1905: Antrag: Die Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft wolle beschließen, wie folgt:
- Dem Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft, Mr H. 8. Olcott, wird das Missfallen der Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft deshalb ausgedrückt, weil er es gestattete, dass Mrs Besant die Hälfte des Vermögensnachlasses des Don Salvador de la Fuente zu Zwecken des Central-Hindu-College verwendete, obwohl dieses laut schiedsrichterlichen Gutachtens in den Papieren des Erblassers nicht erwähnt wird, dort vielmehr gesagt ist, dass das Vermächtnis für Zwecke der Theosophischen Gesellschaft Verwendung finden sollte.
- Dem Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft wird das Missfallen fernerhin deshalb ausgedrückt, weil er auf sachlich begründete Beschwerden einzelner Mitglieder diesen mit persönlichen Beleidigungen («impertinences» und «selfishness», laut «Theosophist», July 1905, p. 622) geantwortet hat.
- Der Präsident der Theosophischen Gesellschaft wird aufgefordert, die in seinem Besitze befindlichen, ihm als Stellvertreter der Theosophischen Gesellschaft ausgehändigten Stiftungen und Vermächtnisse, da nunmehr die Theosophische Gesellschaft Korporationsrechte erlangt hat, dieser selbst zu übergeben.
- Der Präsident wird weiterhin aufgefordert, bei der Verwendung von Stiftungen und Vermächtnissen, die für Zwecke der Theosophischen Gesellschaft bestimmt sind, stets die vorherige Zustimmung des Zentralvorstandes einzuholen, da er selbst laut Paragraf 11 der Satzungen der Theosophischen Gesellschaft nur als Mitverwalter, nicht als alleiniger Verwalter des Gesellschaftseigentums fungiert.
- Dem Vizepräsidenten sowie den Generalsekretären der verschiedenen Sektionen wird als Mitgliedern des Zentralvorstandes das Missfallen der Mitglieder der Deutschen Sektion ausgedrückt, weil sie es unterlassen haben, gegen das von Mr Olcott und Mrs Besant geübte widerrechtliche Verfahren in Sachen des Fuente-Vermächtnisses Einspruch zu erheben.
- Der Zentralvorstand wird aufgefordert, sich die Dokumente des Fuente-Vermächtnisses vom Präsidenten vorlegen zu lassen, und diese Angelegenheit unter Hinzuziehung eines ordentlichen Gerichtes ordnungsgemäß zu erledigen.
- Seitens des Generalsekretärs der Deutschen Sektion sind die unter No. 1 bis 6 angeführten Beschlüsse innerhalb vier Wochen in der erforderlichen Anzahl von Exemplaren auszufertigen und danach sofort in je einem Exemplar dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten sowie den Generalsekretären sämtlicher Sektionen der Theosophischen Gesellschaft eingeschrieben zuzusenden. Richard Bresch, Dr. F. Löhnis Dr. Steiner teilt mit, dass dazu vorliege:
- Gegenantrag der Loge München und mehrerer anderer Logen: «An den Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft.» In Nummer 3 des «Vâhan», Jahrgang VII, veröffentlicht Herr Bresch einen Antrag an die Generalversammlung der Deutschen Scktion der Theosophischen Gesellschaft, nach welchem diese beschließen wolle: Dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten sowie den Generalsckretären der verschiedenen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft das Missfallen der Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft auszudrücken, weil sie es gestattet bezichungsweise keinen Einspruch dagegen erhoben haben, dass Mrs Besant die Hälfte des Certral-Hindu-College verwendete. Obwohl der Schiedsrichter Sir Subramania Iyer in seinem Schiedsspruch erkannte: «dass Mrs Besant an eine Hälfte des von Fuente Colonel Olcott und ihr vermachten Vermögens Anrecht ha, obwohl andererseits Herr Bresch schon einmal einen gegen Präsident Olcott und Mrs Besant in dieser Angelegenheit von ihm erhobenen Vorwurf als gegenstandslos und hinfällig erkennen musste («Vâhan» No. 12, Jahrgang VI, Seite 280), möchten doch Herr Bresch und seine Freunde Mrs Besant vor Gericht stellen, weil Herr Bresch das Geld verteilt wissen möchte, und weil Herr Bresch und seine Freunde zu keinem Führer unserer Bewegung Vertrauen haben. Herr Dr. F. Löhnis, der Mitunterzeichnete des erwähnten Antrages, wirft in einem Artikel, welcher der Begründung dieses Antrages vorausgeht («Vâhan» No. 3, Jahrgang VII), Mr Mcad Unwahrhaftigkeit, Mr Olcott Parteilichkeit, Mrs Besant Stolz und der Mehrzahl der Mitglieder Servilismus vor. Die unterzeichneten Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft halten den Antrag des Herrn Bresch und seiner Freunde für ungerechtfertigt und erblicken in der Beweisführung des Herrn Dr. Löhnis eine ungerechtfertigte Beleidigung der hochgeachteten Führer unserer Bewegung und der Mehrzahl der Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft. Um dem Vertrauen der Mitglieder der Deutschen Sektion zu den verehrten Führern der Bewegung Ausdruck zu verleihen, bitten die unterzeichneten Mitglieder: Die Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft wolle den erwähnten Antrag ablchnen und folgenden zu Beschluss erheben: Antrag: «Die Generalversammlung der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft spricht Mr H. $. Olcott und Mrs Besant in dankbarer Anerkennung der großen Dienste, welche sie der Gesellschaft erwiesen, das vollste Vertrauen der Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft aus. Die Generalversammlung spricht die Überzeugung aus, dass Mrs Besant in Verwendung der Hälfte des von Don Salvador de la Fuente Colonel Olcott und ihr vermachten Vermögens vollberechtigt handelte.» München, den 22. September 1905.
Rosa von Hofstetten, 1. Vorsitzende der Münchener Loge.
Sophie Stinde, 2. Vorsitzende der Münchener Loge.
Heinrich Hiernickel.
Gräfin Pauline von Kalckreuth.
Emmy von Rumpler.
Harriet Vacano.
Marie von Seydewitz.
M. M. von Scherpenberg.
Hermine von Scherpenberg.
Max von Seydewitz.
Emmy von Gumppenberg.
Gertrud von Tschirschky geb. Scholtz.- Antrag des Zweiges Hannover: Hannover, den 12. Oktober 1905. Betreffend Antrag von Bresch und Genossen. Entgegen dem Antrage der Herren Bresch und Genossen (abgedruckt im «Vâhan» vom September dieses Jahres) hat der Zweig Hannover in seiner Sitzung am 9. Oktober dieses Jahres beschlossen, folgenden Antrag der Generalversammlung am 22. Oktober diesen Jahres vorzulegen: Antrag: «In Sachen des vom Zweige Leipzig bezichungsweise der Herren Bresch und Genossen gestellten Antrages laut «Vâhan» vom September dieses Jahres beantragt der Zweig Hannover, über diesen Gegenstand zur Tagesordnung überzugehen mit der Begründung, dass cs - ganz abgesehen von der Frage, ob die einzelnen Beschwerden sachlich zu rechtfertigen seien oder nicht - formell durchaus unzweckmäßig ist, dergleichen Angelegenheiten der Gesellschaft in einem öffentlichen Blatte zu verhandeln und sie dann noch gar vonseiten einer Sektion aus zu vertreten. Dieses muss das Ansehen unserer Gesellschaft schädigen und den Einfluss unserer Bewegung beeinträchtigen. Derartige Meinungsäußerungen sollten nur persönlich und privatim aufgrund sachkundiger Untersuchung mehr als formeller Beurteilung vorgebracht werden, und sie sollten niemals vor der Öffentlichkeit, sondern höchstens in geschlossenen Ver handlungen der Beteiligten erledigt werden.» Der Vorstand des Zweiges Hannover der Theosophischen Gesellschaft. Wilhelm Eggers.
Der Generalsekretär teilt mit, dass sich dem Antrage München folgende Zweige angeschlossen haben:
Es unterzeichneten die
Kölner Loge,
Weimaraner Loge,
amburger Loge,
Hannoversche Loge,
Lugano-Loge,
Düsseldorfer Loge,
Nürnberger Loge,
Münchener Loge
und der Besant-Zweig in Berlin.
Hierauf teilen die Delegierten Bauer (Nürnberg), Mücke (Besant-Zweig), Lübke (Weimar), Arenson (Zweig III., Stuttgart) die Beschlüsse ihrer Zweige mit: Dem Antrag von Hannover auf Übergang zur Tagesordnung beizutreten. Derselbe wird als der weitestgehende zuerst behandelt.
Gegen den Antrag sprechen die Herren Krojanker, Jahn und Stübing, welch letztere beiden hervorheben, dass die Herren Bresch und Löhnis missverstanden werden. Außerdem sei bereits ein neuer Antrag in weniger scharfer Form ausgearbeitet; man sollte schon im Interesse der Gerechtigkeit die Herren zu Worte kommen lassen. Es wäre Intoleranz und untheosophisch gehandelt, wenn man den Antrag Hannover annehme. Die Delegierten Arenson, Bauer, Huchthausen, Hubo, von Sivers sprechen für den Antrag, der wohldurchdacht sei. Von Intoleranz könne keine Rede sein. Eine Aussprache würde schwerlich Neues zutage fördern, und die Versammlung hätte Besseres zu tun, als all das, was in den letzten Wochen nach dieser Richtung gesagt worden ist, nochmals anzuhören. Die Form und der Inhalt des Antrages Bresch seien so schwer beleidigend, dass auch mit Rücksicht auf das in der Vorstandssitzung BekanntGewordene die Annahme des Antrages Hannover das einzig Würdige sei.
Nach Annahme eines Antrages auf Schluss der Debatte wird der Antrag Hannover mit überwiegender Mehrheit angenommen, worauf die Herren Bresch und Löhnis und ein Anhänger derselben die Versammlung demonstrativ verlassen.
Es wird nun ein Schreiben der Herren Dr. Hübbe-Schleiden und Deinhard über die in den letzten Wochen von Leipzig aus verbreitete Broschüre des Herrn Dr. Hensoldt verlesen; dasselbe lautet:
«An die Jahresversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in Berlin, am 22. Oktober 1905. Zu den Anträgen der Herren Bresch und Genossen, betreffend die Verwendung des De-la-FuenteVermächtnisses, erbitten die Unterzeichneten die Erlaubnis, ihre persönliche Ansicht äußern zu dürfen: Es liegt uns eine Schrift von Dr. Heinrich Hensoldt «Annie Besant, eine wunderliche Heilige» vor, die uns von Leipzig aus zugesandt worden ist. Uns drängt sich die Vermutung auf, dass diese Schrift, die Veranlassung der von dort ausgegangenen Agitation gegen die Leiter unserer Gesellschaft war. Diese Schrift verfolgt allein den Zweck, unsere Gesellschaft zu bekämpfen und zu unterdrücken. Es sind darin unrichtige Angaben von Tatsachen mit einer gehässigen Entstellung wirklicher Verhältnisse vermischt. Die Schilderung des Charakters und des Strebens von Frau Besant und von Oberst Olcott (Seite 42 und folgende) ist in der Hauptsache das gerade Gegenteil der Wirklichkeit. Das von ihnen gezeichnete Bild widerspricht dem Urteil, welches alle ihnen Nächststehenden von ihrem sittlichen und intellektuellen Werte haben; und um solche Persönlichkeiten stichhaltig beurteilen zu können, muss man sie jahrzehntelang gekannt haben. Ein gleiches Erfordernis gilt für die Beurteilung der sachlichen Verhältnisse. Was nun besonders die Verwendung des de Ia Fuente’schen Vermächtnisses betrifft, so hat diese im Sinne des Erblassers stattgefunden. Dr. Hensoldt beanstandet (Seite 46) dabei nur die Zuwendung an die große Adyar-Bibliothek. Unzweifelhaft ist aber gerade diese die bedeutendste Schöpfung unserer Bewegung. Daher musste deren Unterstützung schon in erster Linie in Betracht kommen. Unter der Oberleitung des Herrn Dr. Otto Schrader, eines hervorragenden deutschen Sanskrit- und Paligelchrten, steht nun diese Sammlung seltener Bücher und einziger Handschriften im Begriffe, sich zu einer Weltbibliothek ersten Ranges zu entwickeln. Dazu dient der Kapitalbeitrag jenes Vermächtnisses als notwendige Vorbedingung. Wäre dieses also selbst nicht der Wunsch des Erblassers gewesen, so hätte doch dessen Schenkung keine segensreichere Verwendung finden können. Im Übrigen sind wir älteren Mitglieder mit der Tatsache vertraut, dass unsere Gesellschaft alle zehn Jahre durch eine Krisis hindurchzugehen pflegt, in der stets ganz dieselben Einwendungen gegen sie erhoben werden. Ihre Gründung fand im Jahre [1875] statt, die Coulomb-Krisis 1885, die Judge-Krisis [1895], die gegenwärtige Krisis 1905: Die Wirkung aller dieser Krisen aber ist bisher stets die gewesen, dass alle diejenigen, die das Wesen unserer Gesellschaft nur intellektuell beurteilen, von ihr abfallen, weil sie nicht die nötige Intuition besitzen, um den Geist zu spüren, welcher durch die Leiter unserer Gesellschaft wirksam ist.» Döhren bei Hannover, den 12. Oktober 1905.
Hübbe-Schleiden.
Ludwig Deinhard.
Dr. Steiner erklärt die Broschüre für ein schlimmes Pamphlet und teilt mit, dass Herr Bresch in der Vorstandssitzung gesagt habe, Druck- und Adressenmaterial habe er Herrn Hensoldt zur Verfügung gestellt.
Als Vertreter der Leipziger Loge wendet sich Herr Jahn hiergegen. Er ist der Meinung, dass in der Verurteilung der Herren Bresch und Löhnis zu weit gegangen werde. Obgleich er selbst gegen die im «Vâhan» gemachten Angriffe sei, müsse er die Herren doch in Schutz nehmen, da er der Meinung sei, Herr Bresch sei zwar ein Fanatiker, aber ihn leiten keine schlechten Motive. Von diesem Standpunkte aus bitte er, ihn zu beurteilen.
Dr. Steiner bemerkt hierzu, dass niemand das [subjektive] Gefühl, für die Wahrheit zu kämpfen, abgestritten werden soll. Hier fehle aber jegliches Gefühl für eine Unterlage der Wahrheit. Dies beweise die Art, wie der «Vâhan» sich gegenüber Augenzeugen wahrer Tatsachen, die er entstellt gebracht habe, verhalten habe. Das Verhalten gegen Fräulein Scholl, Frau Lübke und Dr. Vollrath beweise klar, dass Herrn Bresch und Herrn Dr. Löhnis ein Gefühl für die notwendige Tatsachengrundlage der Wahrheit einfach abginge.
Dr. Paulus stellt den Antrag, zur Tagesordnung überzugehen, da es sich wirklich nicht lohne, über solch Elaborat eines Nichtmitgliedes sich noch in längere Debatten einzulassen. Herr Stübing bemerkt, dass die Broschüre nicht im Zusammenhange mit dem Antrag Bresch-Löhnis aufzufassen sei.
Herr Ahner ist anderer Meinung. Wer «Vâhan» und Broschüre liest, erkennt den Zusammenhang. Hensoldt wird im «Vâhan» gewissermaßen auf den Schild gehoben.
Nachdem noch Fräulein von Sivers gegen die Ansicht von Her Stübing spricht und Frau Geheimrat Lübke noch bekannt macht, dass Herr Bresch in der Vorstandssitzung erklärt habe, Herrn Hensoldt für die Enthüllung zu Dank verpflichtet zu sein, wird der Antrag auf Übergang zur Tagesordnung angenommen.
Hierauf folgt ein Antrag des Herrn Dr. Paulus für den Zweig Stuttgart I. Der Antragsteller bezieht sich auf das Rundschreiben des Stuttgarter Zweiges vom 27. Juni des Jahres und stellt den Antrag, ein «Nachrichtenblatt» für die Deutsche Sektion zu begründen, in folgender Form:
«Die Generalversammlung wolle die Herausgabe eines Nachrichtenblattes für die Mitglieder beschließen und dasselbe tunlichst bald erscheinen lassen, und zwar als Beiblatt zum «Luzifer> auf Rechnung und Gefahr der Sektion, da ein Bedürfnis hierfür vorhanden ist.»
Hierzu wird ein weiterer Antrag gestellt:
«Gleich ein Mitglied zu bitten, die Herausgabe dieses Nachrichtenblattes in die Hand zu nehmen. Die Kosten hierfür aber durch freiwillige Beiträge zu decken.»
An der Debatte beteiligen sich Herr Hubo, Fräulein Stinde, Herr Bauer und Herr Dr. Paulus.
Dr. Steiner beantragt, «das Nachrichtenblatt offiziell erscheinen zu lassen und getrennt vom «Luzifer» jedem Mitgliede obligatorisch und umsonst zuzusenden».
Nach weiterer Debatte der Mitglieder Ahner, Peipers, Bauer, Hubo, Arenson, von Sivers stellt es sich als zweckmäßig heraus, die ganze Angelegenheit in die Hände eines geeigneten Mitgliedes zu legen, das nach eigener Einsicht die Sache in die Wege leiten möge.
Es wird der Antrag gestellt: Fräulein Scholl möchte sich zunächst mit der Herausgabe eines Nachrichtenblattes befassen und sich hierzu mit ihr geeignet erscheinenden Persönlichkeiten in Verbindung setzen. Der Antrag wird angenommen.
Antrag der Loge Leipzig:
«Die Generalversammlung wolle beschließen: «Alle Anträge, welche bis zum Termine der Absendung der Einladungen zur Generalversammlung eingehen, mit dieser Einladung allen Mitgliedern zugehen zu lassen.»
Der Antrag wird angenommen.
Antrag Scholl:
«Die Generalversammlung wolle beschließen: Herrn Bresch und Doktor Löhnis zu ersuchen, aus der Gesellschaft auszutreten.»
Herr Jahn sagt hierauf, man wolle die beiden Herrn in Bezug auf die Beurteilung nicht gleich behandeln, da sie sicher von verschiedenen Motiven ausgehen.
Gegen diesen Antrag sprechen die Herren Engel, Stübing, Krojanker, Feldner. Herr Ahner bittet Fräulein Scholl, diesen Antrag zurückzuziehen. Fräulein Scholl bemerkt, dass sie sich die Sache wohl überlegt habe und keineswegs dieser Aufforderung nachkommen könne.
Herr Stübing beantragt: «Über den Antrag Scholl zur Tagesordnung überzugehen.»
Dieser Antrag wird abgelehnt.
Der Antrag Scholl wird abgelehnt.
Es wird nun noch beantragt, die bisher in der Leitung des «Berliner Zweiges» und im Besitz einiger Privatpersonen befindliche «Theosophische Bibliothek» in die Leitung der Deutschen Sektion übergehen zu lassen. Die Generalversammlung spricht im Allgemeinen ihre Zustimmung zu diesem Antrage aus.
Die Vorarbeiten für den eventuell in Deutschland stattfindenden Kongress europäischer Sektionen werden dem Vorstand übertragen.
Vonseiten des Münchener Zweiges wird abermals das schon im vorigen Jahre gestellte Ersuchen um Verlegung des Generalsekretariats nach München vorgebracht. Die Sache wird neuerdings zur Kenntnis genommen.
Hierauf schließt Dr. Steiner um halb vier Uhr den geschäftlichen Teil und ladet die Mitglieder ein, um halb fünf Uhr zum sachlichen Teil der Generalversammlung zu erscheinen. In Bezug auf einen in der Nummer vom November 1905 des «Vâhan» enthaltenen Bericht über die Generalversammlung der Deutschen Sektion bemerken wir, dass es unmöglich ist und auch ganz nutzlos, sich mit Personen, die solche Kampfesart zu der ihrigen machen, in eine Polemik einzulassen. Wir wollen arbeiten und nicht streiten. Nur die doch gar zu «objektiven Unwahrheiten» wollen wir hier lediglich registrieren:
- Herr Dr. Löhnis schreibt: «Anstelle des vom Generalsekretär pflichtgemäß zu erstattenden sachlichen Jahresberichtes bot Dr. Steiner seiner gläubigen Anhängerschar eine glänzende Apotheose Mrs Besants dar, und seinen eigenen Nimbus erhöhte er gleich noch dadurch, dass er erklärte, schon seit langer Zeit verkehre er «auf höheren Planen» mit Frau Blavatsky, der «großen Lehrerin, zu der alle, die «wissen, «aus wahrer Erkenntnis aufschauen.»
Dies ist eine objektive Unwahrheit. Wahr ist vielmehr, dass der Bericht vollständig zum Teil von Dr. Steiner, zum Teil von Fräulein von Sivers gegeben worden ist, und dass die angebliche «Apotheose» zu diesem sachlichen Berichte über den Kongress europäischer Sektionen notwendig gehörte. Bezüglich Frau Blavatsky sagte Dr. Steiner nur, dass sich ihm durch Mrs Besant das Verständnis für sie eröffnet habe. Nichts war dabei von «höheren Planen» gesagt.
- Herr Dr. Löhnis schreibt mit allerlei hier als für uns zu gleichgültigen Kombinationen seiner Phantasie, dass Gräfin Wachtmeister «einen ansehnlichen Betrag zur Förderung der theosophischen Bewegung in Deutschland gestiftet habe. Genauere Angaben über die Höhe der Summe zu machen, wurde für überflüssig erachtet. Nur so viel wurde mitgeteilt, dass circa 1000 Mark jährlich zur Verfügung stehen.»
Dies ist wieder eine objektive Unwahrheit. Genau wurde gesagt, dass 1000 Mark einmal (nicht jährlich) von der Gräfin Wachtmeister gegeben worden seien.
- Eine objektive Unwahrheit ist ferner, dass Dr. Steiner selbst für seine Wahl zum Generalsekretär eingetreten ist; er hat lediglich nach Herrn Breschs Rede gegen diese Wahl mit ein paar Worten gesagt, dass er die Wahl annehme, wenn er gewählt würde, weil er es so gegenwärtig noch als seine Pflicht betrachte.
- Objektiv unwahr ist, dass Fräulein Scholl den Antrag gestellt habe, die Herren Bresch und Dr. Löhnis auszuschließen. Vielmehr ist wahr, dass der Antrag lautete, die genannten Herren zu ersuchen, auszutreten. Damit genug; wer den Grundsatz «Kein Gesetz steht über der Wahrheit» durch solche «objektiven Unwahrheiten» illustriert, der darf ihn wohl mit Recht alle Augenblicke im Munde führen oder aus der Feder fließen lassen!!!
Ihren Austritt aus der Theosophischen Gesellschaft haben erklärt:
Herr Richard Bresch, Herr Dr. Löhnis, Herr Haase, Herr Heyne, Herr Emil Hubricht.
Neu eingetreten sind:
Fräulein Clara Rettich, Herr Paul Weiß, Herr Eduard Bachmann, Frau Helene von [Gillhaußen], Frau Anna Werner, Frau Eliza von Moltke, Herr Ludwig Weiß.