The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — 26 October 1908, Berlin
38. Siebte Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft
Victorialuisen-Platz 6, Aula des «Lette-Vereins»
Bericht in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Hauptquartier Adyar), herausgegeben von Mathilde Scholl», Nr. 8/1908 Gegen ¾11 Uhr wird die Versammlung durch den Generalsekretär der Deutschen Sektion, Herrn Dr. Rudolf Steiner, eröffnet. Als Punkt I wird das Stimmenverhältnis der verschiedenen Logen festgestellt, und es findet die Vorstellung ihrer erschienenen Vertreter statt:
Das Protokoll der Generalversammlung vom 20. Oktober 1907 wird durch Herrn Selling verlesen und von der Versammlung der Fassung und dem Inhalt nach als verifiziert erklärt. Um die Träger der Stimmen festzustellen, werden die Namen der Träger und die Stimmenzahl verlesen. [Punkt] IT. Bericht des Generalsekretärs [Dr. Steiner]: «Als Erstes obliegt es mir, Sie hier als Anwesende unserer siebten Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft auf das Allerherzlichste zu begrüßen. Es steht in starker Vorstellung vor mir die Bedeutung gerade dieser heutigen Begrüßung und dieser unserer diesmaligen Generalversammlung. Wir treten mit ihr in das siebte Jahr der Wirksamkeit der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, und wer in den Geist und in den Sinn der Grundlage theosophischer Arbeit und theosophischen Weltanschauung eingedrungen ist, für den wird das Wort «Sieben» als der Ausdruck tiefer und umfassender Weltgeschehnisse nicht verfehlen, auch einen entsprechenden Eindruck zu machen: Nicht aus irgendwelcher abergläubischer Vorstellung, sondern aus der immer wachsenden Erkenntnis lernt der Mensch die Bedeutung der heiligen Sieben kennen, und er lernt wissen, dass nicht nur draußen im großen Weltall, nicht nur in der Natur und in der um uns herumliegenden, von uns unabhängigen geistigen Welt die Siebenzahl eine große Bedeutung hat, sondern er lernt erkennen, dass in entsprechender Weise diese Siebenzahl ein Gesetz bedeutet auch da, wo der Mensch selbst der Tätige ist, wo er selbst mit seinen Entschlüssen, mit seinen Anschauungen, mit seiner Arbeit einzugreifen hat. Und wenn er sich so das, was als eine Gesetzmäßigkeit die Welt - und auch die Welt des eigenen Denkens und Schaffens - durchzieht, vor die Seele treten lässt, geht ein solches Vor-die-Seele-Treten wohl über in mancherlei Gefühle - vor allem in das Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber der Tatsache, dass wir einsehen müssen, wie wir in einer in den siebenten Zeitraum hineingehenden Entwicklung ein Wachsendes und Werdendes, ein Gesetzmäßiges zu sehen haben. Daher müssen wir, wie mir scheint, mit diesem starken Gefühl der Verantwortlichkeit in unser siebtes Jahr eintreten. Es wird nichts Überraschendes haben, wenn angesichts dessen hier gesagt wird, dass sich mancherlei entscheiden wird in dem siebenten Jahr unserer Wirksamkeit in Bezug auf das Schicksal und das Karma, auf das nächste Karma der Theosophischen Gesellschaft. Und es wird auch als nichts Überraschendes gesagt sein, wenn daran erinnert wird, dass vielleicht auch manches, was an Hemmnissen und Gefährdungen, an Schicksalsprüfungen an die Deutsche Sektion herantreten wird, gerade in diesen Zeitraum fallen werde. Mancherlei werden wir von den Früchten zu sehen haben in diesem Zeitraum; manches aber auch in diesem zugleich verhängnisvollen Zeitraum an Hemmnissen und Schwierigkeiten erwachsen sehen. Daher wollen wir heute besonders mit uns zurate gehen und uns ans Herz legen - ein jeder sich selber -, dass wir gewissenhaft hineinschreiten in diesen durch die Siebenzahl charakterisierten Zeitraum. Aus diesem Gefühl heraus begrüße ich Sie am heutigen Tage, und zwar begrüße ich Sie im Namen des Geistes, der uns in unserer Arbeit zusammenträgt und zusammen wirken lässt: im Namen jener wahrhaft brüderlichen Liebe, die die Glieder der Theosophischen Gesellschaft überall verbinden soll. Uns soll nicht bloß das leiten, was mit einem solchen Tone, der an die Angelegenheiten des Weltgeschehens appelliert, von ferne angeschlagen wird, - sondern wir wollen das ganz ernst nehmen, was jetzt gesagt worden ist, und dann werden wir uns wohl entschließen, etwas zu lernen von dem, was da gesagt worden ist, um aus dem Gelernten etwas hinüberzutragen in die Zukunft. Immer mehr muss es uns zu eigen werden, auch als Glieder der ganzen Menschheit, dass wir lernen innerhalb des theosophischen Wirkens alle unsere persönlichen Wünsche und persönlichen Angelegenheiten zurücktreten zu lassen, unsere Ansichten und Anschauungen, ja sogar unsere persönlichen Meinungen, unsere persönlichen Gedanken. Je objektiver wir uns dem hingeben, was uns zufließt aus den Grundlagen der okkulten Weltenströmung, desto mehr werden wir im Sinne desjenigen wirken, was die Begründer derselben mit dieser Weltenströmung gewollt haben. Da ziemt es sich wohl, bei dieser Begrüßungsansprache ein paar Worte der Rückschau zu halten, die uns einen Ausgangspunkt geben können für die Einkehr in uns, die wir nötig haben. Wir schauen zurück auf den Tag, wo wir unsere allverehrte Misses Besant bei Gelegenheit der ersten Generalversammlung begrüßen konnten, und dürfen uns wohl fragen: Unter welchen Sternen standen wir dazumal? Es braucht ja, da von den Angelegenheiten der Sektion gesprochen wird, nicht angedeutet zu werden, dass ja theosophische Arbeit in Deutschland viel und verdienstvoll auch in früheren Zeiten - und vor der Begründung der Deutschen Sektion - geleistet worden ist. Es darf aber auch für die, welche Interesse an dem Hergang der Dinge haben, vorausgesetzt werden, dass diese vor der Begründung der Deutschen Sektion liegenden großen Verdienste bekannt sind. Aber einiges von dem darf vielleicht gesagt werden, was sozusagen den Geist der Sterne, unter denen wir bei der Begründung der Deutschen Sektion standen, unserem Verständnis nahebringen könnte. - Es hat sich ja seither mancherlei geändert. Die Mitgliederzahl ist in einer enormen Weise gewachsen. Ein kleines Häuflein waren wir dazumal, als wir unter so schönen Auspizien die Deutsche Sektion begründen konnten. Wie hat sich aber dieses kleine Häuflein zusammengefunden? Man darf wohl sagen, bei denen, die dazumal so innerhalb dieses kleinen Häufleins ihre Arbeit leisten konnten, dass die Art, wie sie ihr Schicksal verbanden mit den Angelegenheiten der Deutschen Sektion, etwas war, was innerlich zusammenhängt mit dem im Äußerlichen sich ausdrückenden Erfolg der theosophischen Arbeit. Was lebte denn in den Leuten, die damals den Kern der Deutschen Sektion begründeten? Es lebte in ihnen etwas, was vielleicht am prägnantesten mit dem Worte ausgesprochen ist: Diese Leute wollten das theosophische Wirken so stellen, dass in deutlicher Weise okkulte Gesinnung, okkulte Arbeit als die Grundlage der Gesellschaft genommen werde. Damit war von selbst der Gedanke verbunden, dass im innersten Herzen dieser Leute, die bei der Bildung der Deutschen Sektion mitgewirkt haben, alles ferne lag, was man bezeichnen könnte mit dem Worte «Propaganda», «Agitation», so wie diese Worte draußen im gewöhnlichen Sinne in der Welt genommen werden. Wenn ich - nur in symptomatischer Weise soll es geschehen - an eigene Erfahrungen anknüpfen darf, muss ich sagen, dass zwei Jahre vorher, bevor an die Begründung der Deutschen Sektion gedacht werden konnte, ein kleiner Kreis da war, der sich damals um die Gräfin Brockdorff scharte, als die Mitglieder der deutschen, theosophischen Bewegung keinen Einheitspunkt fühlten, - zerstreut waren da oder dort - und dass vor allem in diesem kleinen Häuflein nur wenige waren, die mit einer theosophischen Strömung als solcher überhaupt rechneten. Nur wenige waren da, als es sich herausstellte, dass wir in das offizielle Fahrwasser der Theosophischen Gesellschaft hineingingen. Aber es war ein kleiner Kreis da, und dem konnte ich damals die Vorträge halten, die in dem Buch «Die Mystik» zum Ausdruck gekommen sind. Und im zweiten Jahre konnte sich anschließen der Vortragszyklus, der in dem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache zum Ausdruck gekommen ist. Es darf vielleicht gerade in dem Augenblicke in aller Bescheidenheit gesagt werden, dass jene Vorträge über «Das Christentum als mystische Tatsache, die damals vor vielleicht 20 Menschen gehalten wurden, nun auch ihre Übersetzung gefunden haben in eine fremde Sprache, sodass das, was wir als die Sache im Auge hatten, doch seine Frucht zu tragen beginnt. Und es darf erwähnt werden, dass gerade aus diesem Kreise die Anregung gekommen ist zur Begründung der Deutschen Sektion, wenigstens die tatsächlich der Arbeit gewidmete Anregung, die schon damals den Grund zur Dauer in sich trug. Und dann haben wir immer unter dem Grundsatz «nicht Propaganda zu treiben» gearbeitet; sondern das, was wir zu sagen hatten, haben wir gesagt, und niemandem unsere Überzeugung aufzudrängen gesucht. Wer freiwillig herbeikommen mochte, sollte herbeikommen. Man hat die Pflicht, das, was man zu sagen hat, vor der Welt zu vertreten, aber man soll niemandem eine Überzeugung aufdrängen. Der andere ist ein Zuhörer, der herbeikommt, wenn irgendetwas ihn dazu drängt. Wenn irgendetwas anderes an Gesinnungen innerhalb einer auf okkultistischer Grundlage stehenden Gesellschaft gepflogen wird, kann diese nicht gedeihen. Das ist die Erfahrung, die allen spirituellen Gesellschaften zugrunde liegt - und das ist auch die innere Freiheit, unter deren Einfluss allein die theosophische Arbeit gedeihen kann. - Und wenn wir zurückblicken auf das, was in dieser Zeit in der Deutschen Sektion geschehen ist, darf man sagen: Auch da erkennt man wiederum die Gesetzmäßigkeit, die wir schon mit der Siebenzahl andeuten konnten. Diese Gesetzmäßigkeit, die auch in jedem Menschen wirkt, ist eine andere als die der «Drei. Wir können uns in diesem Augenblick daran erinnern, dass zum Beispiel das siebente Lebensjahr beim Kinde ein wichtiger Augenblick für das Leben des Kindes überhaupt ist, und ein wichtiger Augenblick ist das Eintreten in das siebente Lebensjahr auch für ein geistiges Kind, und in gewisser Beziehung herrscht durchaus diese Gesetzmäßigkeit, die sich zum Ausdruck bringt in den je folgenden drei Jahren. Wenn wir das Kind betrachten in den ersten drei Jahren, können wir deutlich verfolgen, wie es den Eindrücken aus aller Welt ausgesetzt ist, und wie es viel passiver ist, als man sogar gewöhnlich meint, und dann kann man sehen, wie mit dem dritten Jahre eine Veränderung eintritt, die sehr genau wahrnehmbar ist. Jemand, der nicht nach bloßen Worten und Verstandesbegriffen ein konkretes Wesen betrachtet, wie es unsere Gesellschaft ist, sondern sie betrachtet in ihrer Wirkungsfähigkeit, in ihrer innerlichen Kraft und zurückblickt auf die drei ersten Jahre unseres Bestandes, der weiß, dass sich da manches mit der Säuglingszeit eines Kindes vergleichen lässt. Es war so, und das ist nur natürlich. Gerade in einer gewissen passiven Weise hat sich dieser Organismus, der sich so als «Deutsche Sektion» in die Welt gestellt hat, zuerst entwickelt. Und nun sehen wir, wie er reif geworden ist in den letzten drei Jahren, wie er sozusagen in diese Lage gekommen ist durch alles, was wir leisten durften - wir wissen es sehr wohl - durch die Hülfe derjenigen spirituellen Mächte, die der theosophischen Bewegung zugrunde liegen; was wir überall aufschießen sahen als die Eigenarbeit, die individuelle Arbeit der Zweige. Wie alles sich regt, wie sich im Kinde die Selbstständigkeit herausbildet, so bildeten sich bei uns überall Arbeitsgruppen heraus. Es ist wirklich etwas geschehen, was sich vergleichen lässt mit der Entwicklung eines Kindes zwischen dem dritten und sechsten Jahr. Es ist so etwas Ähnliches wie das, was die Eltern eines Kindes beobachten, wenn das Kind in das siebente Jahr hineinwächst, wo da alle die schönen Zeichen, alle die schönen Seelendinge herauskommen. Wir konnten fühlen dieses Eintreten in das siebente Jahr, wenn wir in so schöner Harmonie, in so schönem theosophischem Geiste zusammenarbeiteten, wie es für uns das Glück des Karmas gab, in den Kursen zu München, Basel, Köln, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart, Leipzig und so weiter. Wir dürfen sagen, dass da, wo eine kleinere Anzahl von Mitgliedern zusammeneilten zu einem solchen theosophischen Streben, oder da, wo über 300 beisammen waren, wie in Stuttgart, dass überall ein Geist durch den Saal strömte, der dadurch etwas ist, dass so und so viele Menschen in ihrer Seele die gleiche Seelenangelegenheit haben. Wenig wurde in dieser positiven Arbeit reflektiert auf abstrakte Sätze, wenig wurde gepredigt dasjenige, was geleistet wurde; es begründete sich sozusagen alles auf die geistige Tatsachenwelt. Aber wie die Pflanzen alle, die an den verschiedenen Punkten der Erde wachsen, dadurch, dass sie die gemeinsame Sonne bestrahlt, der Sonne zustreben, so ist es auch mit der theosophischen Arbeit, wo alles sich nach der einen geistigen Sonne hin entwickelt - und das war es, was uns in den letzten Jahren in so schöner Weise entgegengetreten ist. Und auch in einer anderen Weise dürfen wir sagen, dass das, was wir uns als Arbeit der Deutschen Sektion erarbeitet haben, sich in seinem Entfalten vergleichen lässt mit dem, wie es so geht im Kindesalter mit dem Kinde vom dritten Jahre bis zum Zahnwechsel. Früher steht es ganz anders; aber wenn das siebente Jahr herankommt, kann man sehen, wie die, welche um das Kind herum sind, anhören wollen, was das junge Menschenkind zu sagen hat. Und in solchem Sinne dürfen wir es vielleicht betrachten, dass unsere Arbeit auch schon im Chor der großen theosophischen Arbeit gehört worden ist, sich ausdehnen konnte bis nach Ungarn, Skandinavien, Holland; und wir hatten die Freude, dass wir auch einen von demselben Geiste getragenen Vortragszyklus in Kristiania haben konnten. So fanden sich also auch die Freunde ein, die das über das bloße Lallen hinausgehende Lebensäußern des Kindes hören wollten. Das deutet in Wirklichkeit aber hin auf große Gesetze, die wie im ganzen Weltenall auch in einem solchen Organismus walten. Sehen wir ja auch, dass gerade im Leben draußen die größten Fehler gemacht werden dadurch, dass irgendjemand im Sinne hat, so und so müsse ein Kind sein; ist es nicht so, so muss es ihm eben eingebläut werden. - Es können Menschen allerlei schöne, große Gedanken haben, wie eine Sektion sein soll; aber das sind unreale Gedanken des Einzelnen. Wenn eine Sektion einmal bis zu einem gewissen Alter gekommen ist, muss sie aus sich selbst heraus ihre Gedanken über das Wachstum zur Entfaltung bringen; denn das kann allein die Grundlage für die zukünftige Arbeit sein, dass wir die Früchte, oder besser die Keime der Vergangenheit nehmen und zur Entfaltung bringen. In einem solchen Geiste möchte ich Sie in dieser Stunde begrüßen. In solcher Verantwortlichkeit werden wir den Weg finden, um in dem Geiste weiter wirken zu können, in dem wir bisher gewirkt haben. Es ist ja darin schon angedeutet, was über den allgemeinen Gang der theosophischen Arbeit zu sagen ist: dass immer reger und reger die durchaus unabhängige Arbeit der theosophischen Zentren sich entwickelt hat. Wer nichts von den Tatsachen weiß, könnte glauben, dass irgendetwas wie Autokratie bei uns herrsche. Wer aber die Tatsachen kennt, der weiß, welche Freude herrscht, wenn irgendwo - in Stuttgart oder Nürnberg - die ganz selbstständigen Arbeiten auftauchen, die aus dem Innern der Mitglieder entspringen. Wir werden uns nicht in den Meinungen der Einzelnen dezentralisieren. Wir wissen, was eine wachsende Einzelbewegung bedeutet. Wo Arbeit wächst in Harmonie, da wird auch die Arbeit leichter wachsen; denn wirkliche Arbeit verträgt sich mit wirklicher Arbeit. Es braucht also nicht besonders gesagt zu sein, wie in solchen Erscheinungen, die zutage traten in den letzten Vortragszyklen, in den Vorträgen unseres lieben Dr. Unger und unseres verehrten Fräulein Völker in Stuttgart oder unserer verehrten Frau Wolfram in Leipzig, bedeutsame theosophische Arbeit hervortrat. Und immer mehr wird es so werden, dass sich um den Arbeitskern das andere angliedert und sich immer mehr erweitert. Damit werden wir durch positive Arbeit immer mehr vorwärtskommen. Das alles ist besonders deutlich im letzten Jahr geschehen - und es müsste viel gesagt werden, wenn ich alles andeuten wollte, was wirklich einige von den Mitgliedern in dem letzten Jahr geleistet haben. Da aber so viele Mitglieder an den verschiedenen Orten zusammengeströmt waren, wo Kurse gehalten wurden, so weiß es der weitaus größte Teil, was alles in dem letzten Jahr geschehen ist. Nun obliegt es mir noch, die besondere Pflicht zu erfüllen, in diesem Augenblick derjenigen lieben Mitglieder unserer Gesellschaft zu gedenken, die im Laufe dieses Jahres den physischen Plan verlassen haben. Da haben wir Frau Agnes [Schuchardt], eine Dame, die viele Jahre in theosophischem Streben gelebt hat. Seit Langem gehört sie schon der theosophischen Bewegung an, und obwohl sie bei der Begründung der Deutschen Sektion schon ans Bett gefesselt war, war sie doch in ihrer Seele ganz mit dem verbunden, was innerlich und äußerlich geschah; und mancher Brief, den sie mir geschrieben hat, zeigte, wie sie mit inniger Anteilnahme verfolgte, was vor sich ging. Zweitens Franz Vrba, der in die Theosophische Gesellschaft eingetreten ist als Mitglied des Prager Zweiges, und der nach verhältnismäßig kurzer Zeit seiner Mitgliedschaft den physischen Plan verließ. Ferner haben wir zwei besonders uns nahegehende Fälle unseres Münchener Zweiges. Der eine ist Otto Huschke. Der Name Huschke ist untrennbar von der Entwicklung der theosophischen Arbeit in Deutschland. Und unter denen, die ihre Hand geboten haben, als die Deutsche Sektion begründet werden sollte, war auch Huschke. Er stand bereits tief in der theosophischen Bewegung, stand tief im Okkultismus drinnen. Es war mir immer eine liebe Pflicht, wenn ich nach München kam, den immer kränklichen und wenig beweglichen Herrn aufzusuchen und zu sehen, was gerade in den vier Wänden dieses Herrn für okkultes Bedürfnis, für okkultes Streben herrschte. - Es dürfte wohl als besonders schmerzlich bezeichnet werden, dass der Tod des Herrn Huschke in den Tagen erfolgte, als auch seine Tochter, Fräulein Huschke, den physischen Plan verließ. Sie haben beide im Leben alles, was sie theosophisch besessen haben, geteilt, soweit es möglich war. Auch Fräulein Huschke war ein liebes Mitglied der Münchener Loge, und vor allem auch eines der strebsamsten Mitglieder. Otto und [Hilde] Huschke haben zusammengelebt und sind wenige Stunden hintereinander gemeinsam vom physischen Plan abgegangen, und werden in andern Welten weiter theosophisch zusammenleben. Der Abgang unserer lieben Frau Doser vom physischen Plan ist ein fünfter Fall. Frau Doser gehörte auch zu den ältesten Mitgliedern der Deutschen Sektion. In eigenartiger Weise ließ sie einströmen in sich, was aus den Mitteln der okkulten Weltbewegung kommen kann - und jeder, der sie kannte oder ihr nähergetreten ist, wird tief im Herzen gefühlt haben, die auf der einen Seite so hingebende zarte Natur, und auf der andern Seite das von einem tiefen Schnsuchtsstreben erfüllte Wesen dieser herrlichen Frau. Die letzten Zeiten ihres Lebens waren erfüllt von einer schweren Krankheit, die sie ertragen hat, getragen hat in einer ganz wunderbaren Weise. Aber sie war ein Mensch, der trotzdem in den Untergründen seines Bewusstseins etwas hatte, von dem seligen Vorgefühl, einer neuen Welt entgegenzuleben. So lebte sie, dass sie an der Außenseite ihres Lebens gleichsam verblasste - was sie aber in ihrem inneren seelischen Leben wirklich immer reicher und reicher werden ließ; und sicher bin ich, dass diejenigen Persönlichkeiten, die ihr im Leben am nächsten gestanden haben, auch diese Gefühle vollständig als die ihrigen anerkennen werden. Eine Anzahl von Mitgliedern ermöglichte es Frau Doser, den sonnigen Süden aufzusuchen, nach dem sie sich so sehnte; und es war wirklich ergreifend zu sehen, wie sie in der physischen Sonne die Geisteskraft wahrnehmen konnte. Und es wird mir unvergesslich bleiben, dass in Capri, wenige Stunden vor ihrem Tode, diese Seele der Frau Doser, einige Zeilen an mich richtete, aus denen hervorgeht die Sehnsucht, die Stimmung, den engen Raum des physischen Planes zu überwinden: «Ich will hinaus, morgen ein Schiff besteigen - ins weite Meer hinaus' Es war ein Gefühl, dass sich die Seele befreit von dem physischen Leib. Einen schmerzlichen Fall habe ich zu erwähnen in dem Tode Fritz Eyseleins. Viele von Ihnen, die bei den theosophischen Vorträgen waren, wissen, dass in Fritz Eyselein eine Persönlichkeit unter sie getreten ist, die sozusagen früh in dem Entwicklungsgang der Deutschen Sektion in einen unglückseligen Geisteszustand geraten ist, der es unmöglich machte, ihr zu helfen. Es ist weder notwendig noch vielleicht auch nur taktvoll, hier einzugehen auf das, was auch nur angedeutet zu werden braucht, und was uns deshalb nicht minder befähigen kann, unserm lieben Fritz Eyselein die schönsten Gefühle der Liebe und Freundschaft mit hinüberzugeben auf den andern Plan. Nunmehr haben wir einer Persönlichkeit zu gedenken, die in dem letzten Jahre von dem physischen Plan Abschied genommen hat und jahrelang an der Spitze der Münchener Loge gestanden hat: Fräulein von Hofstetten. Aus ihrer umfassenden Lebenserfahrung heraus konnte sie die Führerschaft dieser Loge in sachgemäßer Weise übernehmen. In dieser Dame, die seit langer Zeit auch kränklich war, deren Körper nur durch einen regen Geist lange Zeit schon zusammengehalten wurde, lebte auch ein nach jeder Richtung reges Streben, und immer war sie da, wenn irgendetwas zu tun war, wenn sie auch vorher gerade eine Operation durchgemacht hatte; und wer das schöne Außen- und Innenleben von Fräulein von Hofstetten kennengelernt hat, wird ihr die schönste Liebe mitgeben auf den andern Plan. Ein anderes Mitglied, das mehr von ferne Interesse gehabt hat an dem, was in der Theosophischen Gesellschaft vorging, und vom physischen Plan abgegangen ist, ist Frau Fähndrich. Auch ihr werden wir die Liebe und ein Gedenken über den physischen Plan hinaus bewahren. Nunmehr habe ich zu gedenken unserer lieben Frau Rothenstein, die kurze Zeit der Heidelberger Loge angehörte und nach einer kurzen Zeit durch eine tückische Krankheit abberufen wurde. Sie war eine schöne, in sich geschlossene Natur, tief und ernst ergeben unserer Sache. Auch ihr werden wir die Gefühle der Liebe nachsenden. Damit habe ich derer gedacht, die physisch nicht mehr unter uns, aber geistig immer in unserer Mitte sind.» Die Versammlung ehrt das Andenken der genannten Personen durch Erheben von den Sitzen. Einen Bericht über die Mitgliederbewegung gibt Fräulein von Sivers nach den zuletzt eingelaufenen Listen: «Zahl der Mitglieder 1150 gegen 872 im Vorjahre; neu eingetreten sind 336 gegen 303 im Vorjahre. Ausgetreten oder in andere Sektionen übergetreten sind 25, nicht aufzufinden und deshalb gestrichen 23, gestorben 10. Neun neu begründete Zweige sind zu nennen: Bern, Eisenach, Mannheim, Wiesbaden, Pforzheim, Straßburg, Zürich, Bielefeld und Malsch. Aktuelle Zahl der Zweige ist 37 gegen 28 im Vorjahr. Außerdem besteht das Zentrum Regensburg mit 4 Mitgliedern. Der Zweig Charlottenburg hat sich aufgelöst.» Den Kassenbericht mit Jahresabschluss und Bilanz gibt Herr Seiler: Die Gesamteinnahmen betrugen 5643,27 Mark
Die Gesamtausgaben 5478,58 Mark
somit verbleiben 164,69 Mark
Hierzu Barguthaben 2020,45 Mark
Mobilienbestand 168,90 Mark
ergibt ein Gesamtvermögen von 2354,04 Mark Nach dem Bericht der Kassenrevisoren, Herr Tessmar und Fräulein Motzkus, wird dem Kassierer Decharge erteilt. Auf Antrag des Herrn Arenson wird hierauf dem Gesamtvorstand Decharge erteilt. [Punkt] III. Neuwahl des Vorstandes: Dr. Steiner bemerkt hierzu: «Da Ihnen der Vorstand in seiner Mehrheit einen Vorschlag zu machen hat, und da ich im Auftrage der Mehrheit des Vorstandes hier diesen Vorschlag vor Ihnen zu vertreten habe, musste bedacht werden, ob es nicht durch die inneren Gründe der Verhandlung geboten sei, diesen Vorschlag vor der Erledigung des Punktes III in die Tagesordnung einzuführen. Das musste geschehen im Sinne eines richtig zu führenden Geschäftsganges. Daher wird jetzt von mir ein Vorschlag zu unterbreiten und zugleich zu motivieren sein. Es handelt sich darum, dass wir schon an einem Falle dasjenige anwenden lernen, was sich uns durch ein richtiges Verständnis einer solchen großen Gesetzmäßigkeit ergibt, wie es durch die Dreizahl oder Siebenzahl vorhin von mir geschildert werden durfte. Diejenigen, die heute als Delegierte gerade versammelt sind, werden sich ja bewusst sein, dass sie eine gewisse Verantwortung für die Zukunft bei alledem, was heute geschieht, da wir in unser siebentes Jahr hineingehen, auf sich nehmen. Wer in der Lage war, nicht nur das zu verfolgen, was in der Hauptsache als schön und harmonisch sich in der Deutschen Sektion abgespielt hat, sondern auch verfolgen kann, was sich in der großen Theosophischen Gesellschaft der Welt abspielt, der wird ahnen, dass es gewisse Lebensbedingungen gibt, gerade einer solchen Gesellschaft. Wer nicht nach Maximen und Begriffen operiert, die vor der Erfahrung gefasst sind, sondern die Erfahrung selbst sprechen lässt, wie sich solch ein Organismus geistiger Art nach und nach entwickelt hat, wie die Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft, der wird sich sagen, dass wir im Grunde genommen heute auf einem ganz anderen Punkt stehen, wo wir in unser siebentes Lebensjahr hineingehen, als wir gestanden haben, als wir unter den Auspizien unserer allverehrten Misses Besant den Grund legten zu unserer Deutschen Sektion. Damals hatten wir eine «tabula rasa vor uns. Wir mussten aus abstrakten Grundsätzen heraus schaffen, dass man so oder so günstig vorgehen könne. Würde das, was ich jetzt zu sprechen habe, bei der ersten Generalversammlung gesagt worden sein, statt dass es nun bei der siebenten gesagt wird, so wäre es ein völliger Unsinn gewesen. Aber wer da weiß, dass etwas, was in der einen Zeit ein Unsinn wäre, in der anderen Zeit eine Notwendigkeit sein kann, der wird sich wohl jetzt mit dem Vorschlag des Vorstandes befassen. Die Theosophische Gesellschaft ist in einer ganz anderen Lage als Gesellschaften, die auf Nicht-Okkultismus gebaut sind. Damit wird nicht behauptet, dass die Theosophische Gesellschaft als äußere eine okkulte, eine esoterische Gesellschaft wäre. Aber die Grundlage, auf der sie aufgebaut ist, kann nur eine okkulte Grundlage sein. Treiben Sie bloße Diskussion über Ethik und historische Moral, dann können Sie das auch in jeder anderen religiösen Gesellschaft, in jeder Gesellschaft für ethische Kultur tun. Die Theosophische Gesellschaft aber wäre ihrer Aufgabe beraubt, wenn das okkulte Leben, das von den großen Meistern der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen ausströmt, nicht durch sie fließen könnte. Dann wäre sie kein Instrument mehr, wie sie es sein sollte. Es ist mir immer wieder von Freunden mit Recht da und dort angedeutet worden, dass eine gewisse Diskrepanz, die in den Lebensbedingungen und in der Tiefe wurzelt, in den äußeren Institutionen und Einrichtungen der Gesellschaft zum Vorschein kommt. Das kam nicht in Betracht bei der Begründung einer solchen Gesellschaft, wie es die Deutsche Sektion ist - aber es kommt in Betracht, wenn so viele Jahre verflossen sind - nach einer langen Arbeit. Wenn Herz und Seele verbunden ist mit einer solchen Arbeit, da hat man nicht nur die Liebe und den Enthusiasmus für die Aufgabe, sondern da hat man eines zu haben - ein gewisses Verantwortlichkeitsgefühl, das so charakterisiert werden darf: Wir haben im Verlauf der letzten Jahre zu dem, was uns bei der Begründung als «tabula rasa entgegentrat, ein theosophisches Gut erarbeitet. Damals war nichts da; jetzt ist ein gut Stück theosophischer Arbeit da; und wir haben nicht nur die Pflicht weiterzuarbeiten, sondern der würde eine Pflicht versäumen, der nicht darauf bedacht sein wollte, diesen Schatz weiter zu pflegen und ihn auch nicht gefährden zu lassen. Weil die Arbeit, die geleistet worden ist, nicht gefährdet werden darf, deshalb muss dieses gesagt werden: Wir stehen hier als verpflichtete Hüter aufgespeicherter Arbeit der letzten Jahre und haben sie in die Zukunft hineinzuführen. Nun ergibt sich aus den Tatsachen die Notwendigkeit einer gewissen Stabilität der Verhältnisse, einer Ständigkeit der Verhältnisse. Wie die Stabilität notwendig ist, könnte sich besonders dem zeigen, der die große Theosophische Gesellschaft überblickt. Sehr leicht könnten wir heute verpassen, was jetzt Notwendigkeit ist. Wie war eine Stabilität vorhanden, als unser lieber Olcott an der Spitze der Gesellschaft stand - und wie ist diese Stabilität schon gefährdet worden, als ein neuer Präsident gewählt werden musste. Und wer Einsicht hat, der weiß, dass der Präsident, der gewählt worden ist, der einzig mögliche war, - dass er der war, den man bei gesundem Menschenverstand wählen musste. Schon aus diesem Fall können wir ermessen, welches Heil es für eine Gesellschaft bedeutet, sofern sie auf okkulter Grundlage gebaut ist, wenn vor allem dem Grundsatz der Stabilität Rechnung getragen wird. Es war auch nicht notwendig, etwa vor drei Jahren darauf aufmerksam zu machen. Heute ist es an der Zeit, - und in drei Jahren könnte der richtige Zeitpunkt versäumt sein. - Unsere Gesellschaft ist wiederum enorm gewachsen, und nichts spricht dagegen, dass dieses Wachstum auch weitergehen werde. Aber ein solches Wachstum in die Breite kann auch etwas Gefährliches haben. Bei einem kleinen Kreis kommt das nicht in Betracht. Heute sind die Mitglieder nahezu 1200 an Zahl. Die Gesellschaft wächst weiter; denken Sie sich, dass eine gewisse Tatsache eintrete, dass sagen wir 1500 neue Mitglieder beitreten, und dann würde einer - und das kann ein Einziger tun - 1500 Menschen aufrufen, um der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft einen ganz anderen Charakter zu setzen. Heute haben wir die Pflicht, den erarbeiteten Geistesschatz zu hüten. Es darf nicht eintreten, dass unser ganzer Arbeitsschatz ausgelöscht werde dadurch, dass eine Majorität auftritt, die unsere ganze Arbeit tottritt, weil sie kein Verständnis dafür hat. Wo Stabilität in der Arbeit sein soll, muss Stabilität in der Leitung sein. Deshalb wollten die Vorstandsmitglieder Ihnen den folgenden Vorschlag machen, durch den zugleich Stabilität im Vorstand und dafür bei wachsender Mitgliederzahl auf der anderen Seite eine Kompensation geschaffen wird. Es ist ganz natürlich, dass für jemanden, der die Mitglieder nur ‹zählt›, ein Mitglied, das nach sieben Jahren eintritt, ebenso ein Mitglied ist wie ein anderes, das schon ein altes Mitglied ist, und bei dem die Mitgliedschaft etwas bedeutet, das mit der Erfahrung in der Gesellschaft zusammenhängt. Daher ist es nur natürlich, dass die Kräfte in der Gesellschaft nicht nur ‹gezählt› werden sollen, sondern auch richtig gewogen werden. Dabei kann Stabilität ebenso zum Ausdruck kommen, wie die Variabilität dadurch zum Ausdruck kommt, wenn durch neue Mitglieder die Größe der Gesellschaft wächst. Aus diesem Grunde wird von den Vorstandsmitgliedern folgender Vorschlag gemacht: § 8 unserer Statuten heißt: «Die Verwaltung der gesamten Geschäftsführung liegt in den Händen eines Vorstandes, der dafür der jährlich einberufenen Generalversammlung verantwortlich ist. Der Vorstand besteht aus dem Generalsekretär, dem Schatzmeister und mindestens zwölf Mitgliedern. Zwei derselben sowie der Generalsekretär und der Schatzmeister sollen an dem Orte wohnen, an dem sich das Hauptquartier der Sektion befindet, oder in dessen Nachbarschaft. Der Vorstand wird alle drei Jahre in der Generalversammlung neu gewählt. An diesen Satz der Statuten wird nun vorgeschlagen, das Folgende anzuschließen: Ist ein Vorstandsmitglied wiederholt gewählt worden, sodass es sieben Jahre im Amte war, so wird es von da ab lebenslänglich der nicht absetzbare Träger dieses Amtes.» Der Vorstand besteht aus 15 Mitgliedern für die Wahlperiode 1908 bis 1911; er wird jedes Mal nach drei Jahren um so viele Personen vermehrt, dass der Vermehrung der Mitgliederzahl um 100 ein neues Vorstandsmitglied entspricht. Wenn also nach drei Jahren die Gesellschaft um 300 Mitglieder zugenommen hat, so werden nicht 15 sondern 18 Vorstandsmitglieder gewählt werden. Dadurch wird der, der sieben Jahre ein Vorstandsamt mit sich verwoben hat, in die Lage versetzt werden, wirklich ein Hüter des angesammelten Schatzes zu sein. Es muss Ihnen klar sein, dass für eine kleine Gesellschaft zu sorgen, verhältnismäßig leicht ist. Wächst die Gesellschaft, so wächst denen, die sie führen, die Verpflichtung, allerlei Verbindlichkeiten einzugehen. Die kann nur der eingehen, der auch in der Lage ist, das zu verwirklichen, was eingegangen ist; sodass mit dem Wachsen der Gesellschaft für den Träger eines Amtes seine Verantwortung in einer kontinuierlichen Weise beizubehalten gegeben ist. So ist dadurch, dass ein Mitglied des Vorstandes sieben Jahre im Amte war gleich, ob kontinuierlich oder in Zwischenräumen - und mit dem Ablauf des siebenten Jahres unabsetzbarer Träger dieses Amtes wird, ein Kern geschaffen, der sich kontinuierlich fortspinnt, und die Möglichkeit, das zum Ausdruck zu bringen, was sich von außen angliedert. Aber noch etwas anderes. Der Vorstand ist eine Organisation, die die Zentralleitung vertritt, damit das, was den einzelnen deutschen Zweigen zum Heil ist, unverkümmert zum Ausdruck kommt. Theosophische Arbeit beruht aber darauf, dass gerade die innerste Individualität der einzelnen Zweige sich entfalten kann. Überall, wo wir Zweige haben, sind andere Lebensbedingungen; und nur das ist gesund, wenn auch diesen Lebensbedingungen Rechnung getragen wird. Daher muss auf der anderen Seite dem Vorstand eine auf Individualität der einzelnen Zweige begründete Organisation zur Seite gestellt sein; und die würde in Folgendem zum Ausdruck kommen: ‹Außerdem steht dem Vorstand ein Areopag zur Seite, in dem, als in einem Beirat des Vorstandes, die Individualität der Zweigarbeit zur Geltung kommen soll. Jeder Zweig wählt in diesen Areopag so viele Mitglieder, dass entspricht 1-50 : 1; 51-100 : 2; 101-150 : 3 und so weiter Areopagmitglieder.› Dieser ‹Areopag› würde als eine beratende Körperschaft die Autonomie einer jeden Loge vertreten. Wie die Loge sich das Areopagmitglied wählt, bleibt ihr ganz überlassen. Aber die Mitglieder dieses Areopags werden die Aufgabe haben, die Individualität ihres Zweiges in dem Charakter der ganzen Deutschen Sektion zur Geltung zu bringen. Man kann da nicht, wenn man Individualität zu Geltung bringen will, einfach abstimmen. Durch Abstimmen wird da gar nichts geleistet. Das kann nie das Prinzip einer Gesellschaft sein, die aus ihrer inneren Notwendigkeit heraus arbeitet. Wie kann ein in Berlin wohnendes Mitglied wissen, was die Lebensbedingungen eines Zweiges in Stuttgart oder Basel sind? Daher soll der Areopag eine Körperschaft sein, die die Individualitäten der einzelnen Zweige zur Geltung bringen wird - eine Vertretung, mit der man sich verständigt von Loge zu Loge - und mit der Zentralleitung.» Diese Zusätze werden hiermit zur Beschlussfassung vorgelegt. Die Debatte darüber beginnt: Dr. Fränkel hält den Beschluss für zu wichtig, als dass man sofort darüber abstimmen könnte, und wünscht deshalb Vertagung und Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung zur Beratung dieser Sache. Dr. Steiner: «Diese Versammlung ist eine Urversammlung; es ist kein Hindernis, schon heute abzustimmen. Stimmberechtigung haben die Delegierten. Diese sind schon vorher von der Sache unterrichtet worden. Der Vorstand stellt hier diesen Antrag, damit nicht der Zeitpunkt, auf den es ankommt, versäumt werde. Es kommt darauf an, dass sich die Delegierten ein Urteil darüber bilden können. - Es könnte immerhin sein, dass jemand durch einen Masseneintritt von 1500 Mitgliedern die Arbeit von vorher auslöschen wollte. Die Organisation der Gesellschaft ist eine freie; niemand ist verurteilt, in einer bestimmten Weise mitzuwirken. Es ist nicht eine Arbeit über ein Territorium, in das der Mensch hineingezogen wird, sondern eine Arbeitsgemeinschaft - und die bisher geleistete Arbeit muss gegen Überrumpelungen geschützt werden.» Pastor Wendt ist dafür, dass der Vorschlag angenommen werde. Dr. Fränkel bittet um eine Maßnahme, damit die Sektionsmitglieder auch zusammentreten können, um einen Vertreter in die Versammlung wählen zu können. Dr. Steiner: «Der Vorstand setzt den Sektionsmitgliedern kein Hindernis entgegen. Wenn sie aber in der Sektion zur Geltung kommen wollen, müssen sie selbst zusammentreten und ihren Vertreter melden.» Dr. Vollrath bekommt aus später mitzuteilenden Gründen nicht das Wort. Herr Hubo unterstützt den Vorschlag des Vorstandes auch in Bezug auf den Areopag. Dr. Steiner: «Der Antrag ist als ein einheitlicher gedacht. Würde eines oder das andere nicht mitgenommen, so müsste der Antrag als nicht gestellt angesehen werden. Durch die Neueinsetzung von Ämtern wird der Zentralisierung vorgebeugt und der Individualisierung zugearbeitet, da berücksichtigt wird, dass zur Geltung komme, was auch der Einzelne sagt. Wird der Generalsekretär etwas zu tun haben, was besonders den Zweig Basel betrifft, so wird er die Mitglieder zurate ziehen, die in Basel sitzen, damit der Loge Basel das zugeführt wird, was der Loge Basel nötig ist. Gerade dadurch kommen möglichst alle Meinungen der Mitglieder zur Geltung - nicht bloß als Majorität, auch nicht bloß nach Maßgabe des in einem Zeitpunkt herrschenden Stimmenverhältnisses, sondern in dem Verhältnis, wie die Mitglieder treu geblieben sind. Gerade dadurch wird der freien Beweglichkeit der Kräfte in einem gewissen abstrakten Sinne entgegengearbeitet.» Herr Wagner macht den Vorschlag, dass auch die Sektionsmitglieder für je 50 ein Mitglied in den Areopag wählen können; dann würden sie ein Mundstück haben, um auch gehört zu werden. Dr. Steiner: «Es besteht ohne die geringste Änderung die Möglichkeit, dass sich die Sektionsmitglieder organisieren. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt: Haben sich die Sektionsmitglieder organisiert und einen wirklichen Vorstand geschaffen, so werden sie angesehen wie ein wirklicher Zweig. Darin liegt also schon das Wesentliche von dem, was Herr Wagner gesagt hat.» Dr. Fränkel sagt, da die Sektionsmitglieder nicht organisiert sind, wollte er nur eine dahingehende Bitte ausgesprochen haben. Dr. Steiner: «Wenn einmal ein Sektionsmitglied dazu die Anregung gibt, wird der Vorstand natürlich tun, was er zu einer solchen Organisation tun kann. Bisher ist von der Seite der Sektionsmitglieder nichts geschehen.» Dr. Fränkel: «Dann möchte ich dazu heute die Anregung geben.» Dr. Steiner: «Das kann dann in Zukunft geschehen.» Herr [Hübener] ist im Zweifel, ob die neue Bestimmung von heute ab gelten soll, und sofort Anwendung finden könnte auf die Vorstandsmitglieder, die vielleicht heute schon sieben Jahre im Amte sind. Dr. Steiner: «Das ergibt sich daraus, dass dieser Vorschlag vor die Wahl des Vorstandes gelegt wurde. Die nächste Wahl steht dann bereits unter der Institution dieses Paragrafen. Es wurde gerade dieser Punkt an die dritte Stelle verlegt, damit die Neuwahl unter diesem Paragrafen stehe.» Der Vorschlag des Vorstandes kommt nunmehr zur namentlichen Abstimmung und wird mit allen gegen zwei Stimmen, die des Herrn Lauweriks, angenommen. Die Versammlung schreitet nun zur Neuwahl des Vorstandes. Bei der Wahl des Generalsekretärs macht der stellvertretende Präsident, Herr Adolf Arenson, den Vorschlag, Herrn Dr. Steiner durch Akklamation wieder zu wählen. Die Versammlung antwortet mit einstimmigem Applaus. Herr Dr. Steiner ist gewählt. Dr. Steiner spricht der Versammlung dafür seinen herzlichen Dank aus. Als Kassierer wird Herr Seiler einstimmig wiedergewählt. Die Versammlung schreitet nunmehr zur Wahl von fünfzehn Vorstandsmitgliedern, die durch Zettelwahl erfolgt. Nach Notierung der abgegebenen Stimmen wird die Versammlung auf 45 Uhr vertagt - und um 5 Uhr wiedereröffnet. Dr. Steiner gibt zunächst eine Zuschrift von Mrs Besant bekannt. Sie sende der Generalversammlung die herzlichsten Grüße, verfolge schr wohl die Arbeit der Deutschen Sektion, die sie schr befriedige, und sende ihre Wünsche dahin, dass die Deutsche Sektion ein Glied der Führerschaft werden möge in dem Streben nach okkulten Dingen. Es erfolgt die Verkündigung des Wahlresultates. Es sind gewählt: Herr Wagner mit 90 Stimmen
Herr Arenson 93
Herr Dr. Unger 9%
Herr Kiem 85
Herr Hubo so
Herr Dr. Grosheintz 80
Herr Bauer 83
Herr Kolbe 70
Herr Tessmar 67
Fräulein von Sivers 92
Fräulein Scholl 88
Fräulein Stinde 86
Frau Wolfram 74
Frau Smits 69
Frau Noss 77 Herr Dr. Steiner heißt die Gewählten auf das Herzlichste willkommen. Anträge aus dem Plenum: Der Antrag [Nitzsche], «vegetarische Speischäuser und vegetarische Sanatorien mit Broschüren für theosophische Propaganda zu bedenken», wird nach kurzer Debatte abgelehnt. Herr Schwab möchte in den «Mitteilungen» Berichte sehen über den Gang der theosophischen Bewegung im Auslande. Herr Dr. Steiner bemerkt dazu, dass das als «Anregung» in das goldene Buch eingetragen werden kann. Solche Berichte wären durchaus wünschenswert; bisher ist in Bezug darauf nichts geschehen, weil es viel Arbeit erfordert, und noch niemand dafür da war. «In dem Augenblick, wo uns das Material dafür von Freunden zur Verfügung gestellt wird, kann die Anregung berücksichtigt werden.» Verschiedenes: Dr. Steiner: «Es obliegt mir nunmehr als eine für mein Empfinden schwere Pflicht, eine Mitteilung über etwas zu machen, im Auftrage der gestern in der ordentlichen Vorstandssitzung versammelten Vorstandsmitglieder, über ein Mitglied, das eigentlich einen «ersten» Fall darstellt innerhalb unserer Deutschen Sektion. Es wurde notwendig, gestern in der Vorstandssitzung einem Antrag nahezutreten, der aus dem Schoße einer unserer Logen hervorgegangen ist und der sich darauf bezog - was eben noch nicht vorgekommen ist -, dass fernerhin ein bisheriges Mitglied unserer Deutschen Sektion nicht mehr als Mitglied betrachtet werden soll. Ich habe die Aufgabe - sozusagen als Mundstück des Vorstandes - die Tatsache Ihnen mitzuteilen und die Motive auseinanderzusetzen, warum beschlossen wurde, Herrn Doktor Vollrath weiterhin nicht mehr als Mitglied der Deutschen Sektion zu betrachten. Der Vorstand hat diesen Antrag, der aus dem Schoß unserer Leipziger Loge hervorgegangen ist, in Erwägung ziehen müssen - und es war keine Möglichkeit, weiter die Sache hintan zu halten. Die Angelegenheit muss, wenn wir sie objektiv und im rechten Lichte betrachten wollen, wirklich ganz nüchtern und sozusagen real-politisch angesehen werden. Es sind sich wohl alle Vorstandsmitglieder, die beschlossen haben, dass Herr Doktor Vollrath nicht mehr als Mitglied der Deutschen Sektion angesehen werden soll, darüber klar, dass damit nicht im Entferntesten über Herrn Doktor Vollrath zu Gericht gesessen worden ist - ihm nicht irgendwie nahegetreten worden ist, Die Sache ist so aufzufassen, dass der Vorstand der Deutschen Sektion der Forderung unserer Leipziger Loge nahetreten und sie in Erwägung ziehen musste. Wenn Sie diese Frage prüfen wollen und sich darüber ein Urteil bilden wollen, so müssen wir schon auf die Dinge näher eingehen. Herr Doktor Vollrath war ja, wie viele wissen werden, in abgelaufenen Zeiten ein stark mitarbeitendes und auch führendes Mitglied der Leipziger sogenannten ‹Internationalen Theosophischen Gesellschaft›, gegen die wir - wie wir oft ausgeführt haben - nicht irgendwelche feindschaftlichen Gefühle haben; sondern wir glauben, dass bei alle dem, was da getrieben wird, die Leute in einem Irrtum befangen sind. Wir haben nichts bekämpft, sondern waren immer der Anschauung, wir müssten die Kräfte frei spielen lassen. Wir arbeiten im positiven Sinne. Glauben die andern, ein Recht zu haben, um vorgehen zu können, wie sie es tun, so mögen sie es verantworten; nur wollen wir nichts damit zu tun haben, und uns nicht von irgendeiner Seite eine Meinung aufoktroyieren lassen. Herr Doktor Vollrath war ein Mitarbeiter dieser Gesellschaft. Aber nun bitte ich sehr, zu berücksichtigen, dass es mir viel lieber gewesen wäre, wenn der Beschluss hätte vermieden werden können. Aber es ist notwendig, manches zu beachten, was diesen Beschluss zu einem so bedeutungsvollen gemacht hat. Es gibt etwas, worin sich die Arbeit der Deutschen Sektion intensiv unterscheidet von dem Wirken anderer: Sie ist nämlich durchaus frei von aller Propaganda und Agitation, sie drängt niemandem eine Meinung auf, sondern will jeden frei herankommen lassen - sodass so vielen Menschen als möglich Gelegenheit geboten wird, zur Theosophie zu kommen. Es ist der Grundnerv unserer Überzeugung, dass in dem Augenblick, wo wir dieses Prinzip verlassen, unsere Arbeit eine ganz wertlose ist. Da helfen auch alle Verständigungen nicht, die angestellt werden sollten mit den Mitgliedern anderer deutscher Gesellschaften. Warum sollen denn aber auch nicht die, die anders arbeiten wollen, auf ihre Art arbeiten? Nicht das Geringste ist von uns unternommen worden, in die Kreise der andern einzugreifen. - Es ist manches passiert. Zum Beispiel kamen von dort Leute, die erklärten, sie wollten in unsere Gesellschaft eintreten. Selbstverständlich könnt ihr eintreten, wurde ihnen gesagt. Darauf baten uns die Leute, eine Sitzung mit ihren Vertretern zu halten. Ich sagte zu Fräulein von Sivers, ich brauchte jemanden, der dabei gewesen ist. Fräulein von Sivers ging mit und weiß, wie alles gewesen ist. Was kam dabei heraus? Die Leute sagten: Ja, eure Statuten gefallen uns nicht! - Das ist ja auch nicht nötig, sagte ich - ihr braucht ja auch nicht einzutreten. — Es war eine längere Verhandlung, und die Folge war, dass von der anderen Seite eine Broschüre verfasst wurde; und der Verlauf der Sitzung wurde unrichtig erzählt. Es ist mir eine so geniale Fähigkeit noch nicht vorgekommen, als die da verwendete, etwas so darzustellen, wie es sich nicht zugetragen hat. Die unglaublichsten Dinge wurden da gegen uns vorgebracht. Ich sagte: Lasst sie die Broschüre schreiben! Uns kommt es nicht darauf an, uns zu verteidigen, sondern zu arbeiten. Wir hätten uns ja verteidigen können - gegen jeden Punkt -, aber dann hätten die Leute gesagt: Zwischen den Theosophen soll doch Friede sein! Da seht ihr, wie die Theosophen übereinander herfallen können. - Damals sagte ich auch, dass die, die erst Unfrieden gestiftet haben, nachher am meisten darüber klagen, dass Unfrieden da ist. Es soll damit gesagt werden, dass eben die Handhabung der Sachen so verschieden ist zwischen den andern sich «theosophisch» nennenden Gesellschaften und dem, was innerhalb unserer Gesellschaft der Grundnerv unserer Lebensmöglichkeit ist. Nun hat es Doktor Vollrath nie zuwege gebracht, obwohl er nun schon in unserer Gesellschaft eine längere Zeit ist, auch nur den Wunsch zu hegen, in unsere Art, theosophisch zu denken, sich hineinzuleben. Das ist aber meine Meinung, über die ich mich aber auch nicht in Diskussionen einlassen kann. Er konnte einfach nicht verstehen, was wir in der Deutschen Sektion wollten. Er hat die ganze Art, alle Allüren von der einen in die andere Gesellschaft hinübergetragen. Natürlich, wenn jemand in eine Idee verrannt ist, hält er es für ganz natürlich, dass er nach ihr handelt. Es soll also nicht gerichtet werden, sondern verständlich gemacht werden, worauf es ankommt. Auf unserm Kongress in München haben wir die Siegel und Säulen angebracht, und wir haben dann die Siegel und Säulen in einer Mappe mit rotem Einband vervielfältigen lassen. Nun, lesen Sie das Vorwort, das darüber geschrieben worden ist, das die ganz eigenartige Stellung einer solchen Sache andeuten sollte. - Was tut Herr Doktor Vollrath? Er hatte damals gerade eine ‹Theosophische Zentralbuchhandlung› eröffnet. Er war vorher bei mir und fragte mich um meinen Rat. Ich sagte ihm, wenn Sie eine Buchhandlung eröffnen, handelt es sich vor allen Dingen darum, dass Sie das Geschäft verstehen, dass sie ein tüchtiger Buchhändler sind; dann haben Sie vor allem Bedacht darauf, dass Sie die Buchhandlung so anlegen, dass sie sich rentiert. Herr Doktor Vollrath fragte, ob er Sachen von mir verlegen könne; ich sagte: Selbstverständlich, dagegen wäre gar nichts einzuwenden. Kurz, es waren Dinge, die selbstverständlich Herrn Doktor Vollrath gesagt werden mussten, da er unser Mitglied war. Was geschieht weiter? - Eines Tages verfasst Herr Doktor Vollrath Zettel wer ein wenig Empfindung hat, wird wissen, was ich meine -, Zettel in einem unglaublichen Rot, auf denen er schrieb, dass seine Buchhandlung den Vertrieb dieser Mappe besorgen werde, und dass diese sich besonders als Weihnachtsgeschenk eignen würde. Diese Zettel verschickte er und nötigte mich dadurch, zu erklären: Wer überhaupt imstande ist, so etwas zu machen, mit dem kann ich unmöglich etwas weiter zu tun haben. — Herr Doktor Vollrath hat damals auch einen Prospekt ausgearbeitet, der für meine Auffassung etwas Unglaubliches war. Wenn Sie zum Beispiel die Phrase gebrauchen: ‹Die Theosophie soll ins Leben dringen!› Das macht es noch nicht, dass die Sache aus der Phrase herauskommt; denn es kann natürlich auch das eine Phrase sein. Herr Doktor Vollrath sagte dann: ‹Ja, ich habe doch gewünscht, dass Sie mir helfen; aber Sie haben ja doch keine Zeit für mich!› - Wenn ich noch so viel Zeit hätte: Bei jemandem, der ein Geschäft entriert, würde ich es für selbstverständlich halten, dass er auch selbst für seine Sache eintritt. Ich kann mir vorstellen, dass jemand eine solche Denkart nicht verstehen kann. Aber dann muss ein Zusammenarbeiten abgelehnt werden, und man kann in diesem Falle nur sagen: ‹Du bist ein ganz netter Mensch, aber wir können nicht mehr zusammenarbeiten.› Es ist damit ja nichts weiter gesagt. Oder hat denn der andere ein Recht zu sagen: ‹ ›Wenn du Menschenliebe hast, so musst du mit mir arbeiten!?› Es geht doch nicht, dass man dem andern die Intentionen unterbindet - dass man ihm seine Meinung aufdrängt. Es kann gar nicht die Zumutung an uns gestellt werden, dass mit Doktor Vollrath zusammengearbeitet werden soll. So lagen also die Dinge. Dazu kam verschiedenes anderes. - Es sollte immer wieder, um das äußerste, was geschehen konnte, zu vermeiden, Herrn Doktor Vollrath bedeutet werden, dass er arbeiten sollte in seiner Art, aber uns auch arbeiten lasse, und uns nicht fortwährend störe. Er ist nach Leipzig gegangen. Die Leipziger Loge musste nun dieselben Erfahrungen machen, dass es eben nicht möglich ist, mit Herrn Doktor Vollrath zusammenzuarbeiten. - Als ich nach Holland kam, wurde ich von jemandem gefragt: Was ist denn das für eine ‹Literarische Abteilung der Deutschen Sektion›, die Sie da in Leipzig aufgemacht haben? Hier sind Ehrenmitglieder der ‹Literarischen Abteilung der Deutschen Sektion ernannt worden!› Herr Doktor Vollrath also ernennt aus eigener Machtvollkommenheit Leute zu Ehrenmitgliedern der ‹Literarischen Abteilung der Deutschen Sektion›. Wohin kommen wir denn da? Und Sie werden mir doch zugestehen, dass es für mich keine logische Möglichkeit gibt, das zu verstehen. Dazu ist für mich die logische Möglichkeit ausgeschlossen. - Es wurde von der Leipziger Loge der Versuch gemacht, um mit Herrn Doktor Vollrath doch zusammenzuarbeiten, ihn als Bibliothekar zu ernennen. Aber es hat sich auch dabei gerade durch seine Denkweise die Unmöglichkeit dafür herausgestellt. Als Herr Doktor Vollrath seine Zentralbuchhandlung ankündigte, gebrauchte er ein gewisses symbolisches Zeichen dafür. Nun ist darin ein verschlungenes ‹HV› für ein anderes Zeichen - und statt des Spruches ‹Keine Religion ist höher als die Wahrheit› steht da: ‹Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!› Ich sagte einmal zu Herrn Doktor Vollrath, die einzige Möglichkeit, um darüber hinwegzukommen, würde das sein, wenn er sagte, ‹HV› bedeutet ‹Verlagshandlung›. - Eines Tages überraschte mich wie viele andere Mitglieder - ich war gerade in Stuttgart - ein vier Seiten langer ‹offener Brief› des Herrn Doktor Vollrath, worin er eine Erklärung gab für das ‹HV› und ‹Ruhe ist die erste Bürgerpflicht›. Unter anderem sagte er, dass es gar nichts mit seinem Namen zu tun habe, sondern nur die Initialen der beiden ‹Säulen› des Münchener Kongresses wären, der ‹Ich›-Säule und der ‹Bin›-Säule. Die Bezeichnungen sind Unsinn. Ein grandioserer Dilettantismus war wirklich nicht möglich. Aber um überhaupt etwas hineinzubringen in das ‹HV›, musste erst ‹H› in ‹I› uminterpretiert werden - so wurden also aus dem ‹H› zwei ‹I› - und dann bedeutet es ‹Jehova›. Und über jenen Ausspruch, den jedes Kind kennt, und von dem jeder weiß, wo er einmal aufgetaucht ist, können Sie in dem ‹offenen Brief› lesen: ‹Ruhe ist die erste Bürgerpflicht› ist ein tief okkulter Ausspruch, der etwa seit einem Jahrhundert an die Öffentlichkeit gekommen ist! Es ist richtig, dass es in unserer Gesellschaft auf Dogmen und Lehren, auf das, was einer meint, nicht ankommt, und dass jeder das vertritt, was er vertreten will. Aber es hat doch alles eine Grenze. Es kann doch nicht jemand tun, was er will, wenn er zufällig die Möglichkeit hat, die Sache drucken zu lassen und die Leute glauben zu machen, dass er ein Vertreter der ‹Adyar-Gesellschaft› ist - denn es ist doch gewiss unmöglich, dass jemand aus eigener Machtvollkommenheit Menschen zu Ehrenmitgliedern der ‹Literarischen Abteilung der Deutschen Sektion› ernennt! Und wenn dann nach und nach alle Mitglieder der andern Gesellschaft verklagt werden, wenn fortwährend Berichte erscheinen, wie sich ein ausgetretenes Mitglied herumzankt, sodass die Leute verurteilt werden - sogar zu Gefängnis, und wenn das herumgetragen wird, in welcher Lage befindet sich denn da die Leipziger Loge unserer Gesellschaft, die dem allen ausgesetzt ist! Die Leipziger Loge fühlt eben, dass ihr durch Herrn Doktor Vollrath die Kehle zugeschnürt ist! Selbstverständlich trat auch die Sache an mich heran. Ich bat Herrn Doktor Vollrath, weil so etwas absolut aus der Welt geschafft werden muss, und vielleicht ein Ausweg geschaffen werden konnte, dass Herr Doktor Vollrath in unserer Gesellschaft blieb, er möge mich einmal besuchen, und sprach mit ihm die verschiedenen Sachen durch. Ich sagte ihm: «Sie haben da diesen «offenen Brief» geschrieben. Ich stehe wirklich auf dem Standpunkt, dass jeder das verbreiten kann, was seine eigene Meinung ist. Aber für mich ist alles, was Sie über und «Ruhe ist die erste Bürgerpflich gesagt haben, einfach wirkliches ausgewalztes Blech. Es kann überhaupt nichts Unsinnigeres gesagt werden. Aber ich gestehe jedem Mitglied das selbstverständliche Recht zu, so viel Unsinn als möglich in die Welt zu setzen - selbst wenn Sie eine Broschüre schreiben wollen, dass die Leipziger Bevölkerung entgegengesetzt aller anderen Bevölkerung auf dem Kopf geht» - Doktor Vollrath meinte, man möge doch jedem sein Steckenpferd lassen! - und das selbst gegenüber einer solchen Sache, wie es der Name «Jehova ist! Ich hätte nie für meine Person mich an der Sache Vollrath beteiligt, wenn nicht etwas anderes für mich maßgebend gewesen wäre, und ich habe das ihm auch gesagt. - Wer den Gang unserer theosophischen Arbeit verfolgt hat in den letzten Jahren, muss sich sagen, wenn irgendwo Ruhe und ein der Sache würdiges Zusammenarbeiten stattgefunden hat, so darf man das wohl als Tatsache in der Deutschen Sektion verwirklicht sehen. Herr Doktor Vollrath beginnt ungefähr seine Broschüre damit, dass er sagt, er müsse sein «Ruhe ist die erste Bürgerpflicht deshalb in die Welt setzen, weil eine so große Nervosität unter den Theosophen eingetreten sei. Das ist für mich etwas, was ich lieber gar nicht bezeichne. Was heißt es denn, wenn man aus eigener Machtvollkommenheit etwas unrichtig darstellt? Doktor Vollrath sagte darauf: «Ich habe ja nicht unsere Gesellschaft gemeint, ich habe die andere gemeint» Es ist eben die Sache so, dass es unmöglich ist, sich in eine Diskussion darüber einzulassen; denn keiner kann auch nur darauf verfallen, dass eine andere Gesellschaft gemeint ist. Man hat doch auch eine Verpflichtung, sich das anzuschauen, was man schreibt. Ist es nun möglich, unter solchen Umständen zusammenzuarbeiten? Ich möchte sagen, darf denn der Mensch nicht wenigstens frei atmen, ohne dass sich der andere ihm entgegensetzt und ihm entgegenatmet? Es handelt sich nur darum, dass wir uns die Möglichkeit der Freiheit schaffen. Kein Mensch tut Herrn Doktor Vollrath etwas. Es ist gar keine Möglichkeit, eine Gesellschaft auch nur auszudenken, wo ein einzelner Mensch gezwungen sein soll, dass man mit ihm zusammenarbeiten müsse. Der Erste wäre ich, der sich dagegen wendete, dass über Herrn Doktor Vollrath zu Gericht gesessen würde. Das war es, was es nach und nach notwendig machte, sich doch nicht weiter dagegenzustemmen, dem Antrag der Leipziger Loge Rechnung zu tragen und einmal das Exempel zu statuieren, dass es nicht auf die Phrase ankommt, sondern auf Majorität, und nicht im Geringsten wird etwas Herrn Doktor Vollrath damit Schlimmes angehängt, dass ihn die Gesellschaft nicht mehr als ihr Mitglied betrachten kann. Es ist eben etwas, wozu wir gezwungen worden sind, und wir mussten endlich die Sache von dem Standpunkt aus betrachten: Das bloße Reden von Brüderlichkeit und Liebe ist doch nur eine Phrase. Wir müssen die aktive Liebe haben, dass wir denen, die arbeiten, auch helfen - es nicht bloß in der Liebe beim Allgemeinen bleiben lassen, sondern die Liebe aktiv machen. Ist es nicht eine Lieblosigkeit, dass die Leipziger Loge arbeiten will, und wenn wir dieser Loge sagen würden: Wir kümmern uns als Deutsche Sektion gar nicht darum - deinen Sudel sauf selber!? Sind wir nicht gerade verpflichtet, einer solchen Loge zu helfen, welche die Gurgel sich zugeschnürt fühlt von jemandem, der sich neben sie hinstellt mit ihrem eigenen Namen und ihrem eigenen Firmenschild. Das sei zusammenfassend gesagt: Nicht im Geringsten ist über Herrn Doktor Vollrath gerichtet worden; es ist nur der Beschluss gefasst worden, dass wir untereinander Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als unser Mitglied ansehen, da er seine Sachen sozusagen als «Adyar-Dinge in die Welt hinausdrängte. Zwei Dinge gab es nur: Entweder alle Augenblicke Erklärungen in die Welt zu schicken, dass das nicht Adyar-Dinge sind - oder aber Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als unser Mitglied anzusehen. Es ist mir sehr schmerzlich, dass ein solcher Fall einmal da ist. Ich lasse mich nicht auf eine Diskussion über das ein, was meine Meinung ist, und ich werde mich weiter nicht mit der Angelegenheit beschäftigen. Ich habe mich mit ihr beschäftigt, so lange es galt, den Beschluss hintan zu halten. Jetzt hat der Vorstand gesprochen, und ich bin das Mundstück des Vorstandes. Ich selbst habe mit dem Fall Doktor Vollrath abgeschlossen. - Jeder kann natürlich Gründe finden, um das, was er beabsichtigt hat, anders darzustellen, als es der andere auffasst. Ich hatte die Aufgabe, Ihnen mitzuteilen, was den Vorstand gestern bewogen hat, im Namen der Sektion den Beschluss zu fassen, dass Herr Doktor Vollrath nicht mehr als Mitglied der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft betrachtet wird, und bin beauftragt, Ihnen das mitzuteilen und Ihnen die Motive klarzulegen, die dazu geführt haben. Das habe ich getan.» Fräulein [Steinbart] kann es nicht verstehen, wie die Theosophische Gesellschaft ein Mitglied ausstößt, wenn dieses sein ganzes Leben und sein ganzes Vermögen in den Dienst dieser Sache gestellt hat, und bei dem alles, was es tut und spricht, die reinste Theosophie ist. Als Konsequenz des Beschlusses müsste sie ihren Austritt anmelden. Pastor Wendt meint, auch dieser Mann kann sich ändern; können wir ihn vorläufig nicht mehr als unser Mitglied ansehen, so lassen wir ihm doch die Möglichkeit, sich zu ändern. Frau Schmidt betont, wenn wir Christen sein wollen, müssen wir doch Brüderlichkeit walten lassen, und erinnert an den Satz: Wer unter euch ‚ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Frau von Sonklar fragt, ob in den Statuten ein Paragraf ist, nach dem ein Mitglied herausgesetzt werden kann, und ob das einem andern Mitglied auch passieren kann. Dr. Steiner: «Es handelt sich darum, dass wir eine Gesellschaft sind, die Majoritätsbeschlüsse fassen kann, und dass eine Gesellschaft, die Leute aufnimmt, auch Leute heraussetzen kann - und nicht, dass jeder, der ‹will›, sich als ihr Mitglied betrachten kann; sonst könnte jeder, der will, und nicht der, welchen die andern wollen, zur Gesellschaft gehören wollen. Es handelt sich nicht darum, dass wir über Herrn Doktor Vollrath richten, sondern, dass wir uns nicht verstehen; und wenn Herr Doktor Vollrath sagt, wir ‹verstehen ihn gar nicht›, so ist das eben ein Grund dafür. Es kommt vorläufig darauf an, was die Mehrzahl der Gesellschaft beziehungsweise die maßgebende Körperschaft darüber denkt. Es handelt sich darum, dass keine Möglichkeit ist, zusammenzuarbeiten, und dass diese tatsächliche Wirklichkeit in einer Formel zum Ausdruck gebracht wird.» Dr. Vollrath (spricht sehr unverständlich): «Ich habe Theosophie vertreten als eine Weltanschauung und nie gesagt, dass meine Meinung die Wahrheit selbst wäre, sondern das, was mir als Wahrheit erschien. Ich habe nie gesagt, dass ich im Namen der Adyar-Gesellschaft spräche. Es war nur ein kindlicher Zug. Man kann nicht gleich klassisch sein, sondern man tastet doch nur. Wenn man kein Geschäftsmann ist, macht man eben solche Verstöße. Ich habe keine Methode, sondern sage und tue, was ich für notwendig halte. Ich habe nicht meine Mitarbeiter verklagt, sondern bin verklagt worden und hatte die Pflicht, mich zu verteidigen, damit ich nicht an die Wand gedrückt werde. Ich bin vorgegangen, weil ich von Frau Wolfram wochenlang gedrängt worden bin: ‹Sie müssen vorgehen!› Da habe ich mich in den Stand gesetzt, dass ich verklagt werden konnte. - Eine ‹Theosophische Gesellschaft›, die jemanden ausschließt, verliert damit ihren kosmopolitischen Charakter. Ich habe die Satzungen nicht verletzt, habe meinen Beitrag bezahlt. Ich habe immer versucht, jedem gerecht zu werden. - Die Stabilität besteht im Streben; im Äußeren herrscht immer Ebbe und Flut. - Ein Mensch, der unruhig ist, kann nicht den Augenblick richtig erfassen - und wenn man das Ewige ausbildet, muss man doch Ruhe bewahren. - Es müsste doch erst einmal die Sache mit mir besprochen werden.» Frau Wolfram: «Allerdings hat Doktor Vollrath mir immerfort geklagt, dass die Leute ihm Geld schuldig geblieben sind. Da habe ich ihm allerdings gesagt, wenn die Leute ihm nicht sein Kapital wiedergeben wollen, dann müsse er es einfach einklagen. Aber das ist doch ein himmelweiter Unterschied davon, ob man Privatbriefe von seinen Feinden veröffentlicht, und dass dann die ganzen Sachen durch die Leipziger Blätter gehen. Es sollte nur jemand es erst einmal versuchen, wie unmöglich es ist, mit Herrn Doktor Vollrath zu arbeiten. Er sieht es aber immer noch nicht ein. Glauben Sie, ich habe Zeit, jede Woche eine Sitzung über einen Quark abzuhalten? Alle Augenblicke verlangte Herr Doktor Vollrath Vorstandssitzungen. Er hatte eine lange Liste von lauter Kleinigkeiten; da haben wir auch zusammengesessen, und als wir nicht auf alles eingehen konnten, fing er einfach an zu weinen und zu schreien. Das sollten Sie nur einmal erleben. - In Leipzig ist die Theosophie so diskreditiert, dass die Leute sagen, Theosophie sollte polizeilich verboten werden. Ich halte meine Vorträge. Sie können es erleben, dass bei einer Einladung die Leute sagen: «Wie sollte ich in diese Loge gehen? Habt ihr denn nicht gehört, was da alles vor sich gehen soll» Die tollsten Sachen werden da erzählt; ob es wahr ist oder nicht, ist ganz egal - aber Herr Doktor Vollrath gibt doch eben die Veranlassung dazu. In diesem Falle ist Toleranz nur: Ich kann tun, was ich will! Und dann ist Toleranz eben Unsinn. Wir haben uns drei Jahre bemüht, mit Herrn Doktor Vollrath zu arbeiten; aber es ist unmöglich. Wir wissen ganz genau, dass Herr Doktor Vollrath das Allerbeste will, bloß kann er nicht. Es fehlt ihm auch das Verständnis dafür, die Sache einzusehen. Wie kann ihm jemand raten, wenn er es nicht versteht. Will er etwas lernen, so bin ich gern bereit, mit ihm zu arbeiten. Aber er will überhaupt nichts lernen. Doktor Vollrath sagt, Theosophie ist etwas, was jeder will, und wo jeder arbeiten kann, wie er will. - Wir haben revoltiert, weil andere Mitglieder doch auch ein gutes Recht haben, dass unser guter Name nicht beschmutzt werde.» Herr Hubo: «Da Bedenken geäußert sind, ob der Vorstand berechtigt ist, einen solchen Beschluss zu fassen, scheint es mir einerseits doch unzweifelhaft, dass der Vorstand einen solchen Beschluss fassen kann; andererseits in Anbetracht der Tatsachen, die hier geäußert worden sind, scheint es mir, dass dieser Beschluss des Vorstandes nicht nur zweckmäRig, sondern notwendig ist im Interesse der Deutschen Sektion. - Ich stelle den Antrag auf Schluss der Debatte.» Der Antrag kommt zur Abstimmung und wird angenommen. Dr. Vollrath (sehr unverständlich): «Es war in der Bibliothek keine Ordnung, es waren keine Satzungen da. Ich habe mir von allen Bibliotheken Satzungen kommen lassen. Ich habe nicht gesagt, Theosophie ist das, was jeder will. Man wird ruhiger werden und zur Selbstbeherrschung kommen.» Dr. Steiner: «Wirklich verwunderlich ist es, dass zwei Mitglieder gesagt haben, was denn mit einem andern geschehe, wenn er der Gesellschaft nicht gefiele. Denken Sie doch nur, wie wir uns jahrelang bemüht haben, die Sache hintan zu halten. Es kann kaum sehr häufig so etwas eintreten wie mit Doktor Vollrath. Die, welche besorgt sind, dass ihnen dasselbe passieren könnte, haben wirklich nicht genau zugehört; denn das, was geredet worden ist, hat doch gezeigt, dass es ziemlich unmöglich ist, dass sich der Fall wiederholen könnte. Es wäre wirklich nötig, dass Sie sich damit befassen, zu erfahren, welche Anstrengungen gemacht worden sind, den Fall hintan zu halten. Aber haben Sie nicht die unchristliche Lieblosigkeit, die Arbeit des Leipziger Zweiges so zu behandeln, dass Sie sagen: Mögt ihr doch tun, was ihr wollt, um damit fertig zu werden; wir haben doch die ‹Brüderlichkeit› - also deinen Sudel sauf selber! - Es wird so eben auch das Christentum zur Phrase. Es kann natürlich jemand der Anschauung sein, dass Doktor Vollraths Arbeit in Leipzig mehr wert ist als jede andere Arbeit - und auch, dass Doktor Vollrath ein Genie ist und wir andern alle Dummköpfe. - Aber wir erklären, dass dem Leipziger Zweig die Kehle zugeschnürt ist, und dass sie ihm wieder freigemacht werden muss. Wo da die Unchristlichkeit steckt, ob man dem Leipziger Zweig gar nicht hilft - oder ob man ihm hilft, indem man gegen Doktor Vollrath vorgeht, das müsste doch erst überlegt werden.» Frl. [Steinbart] fragt, wie lange man noch Mitglied ist, wenn man auf diese Weise ausgeschlossen wird. Dr. Steiner: «Reden Sie nicht von ausgeschlossen. Ich hatte meine guten Gründe, um im letzten Moment die Formel so zu fassen, wie sie jetzt gefasst ist. Ich bat den Vorstand, den Ausdruck zu gebrauchen: Die Deutsche Sektion betrachtet Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als ihr Mitglied. Selbstverständlich kann er ja von dem General-Sekretariat verlangen, dass in einem Jahre wieder der Fall besprochen werde. Aber als Mitglied betrachten können wir ihn nicht. Deshalb musste ich auch heute morgen sagen, ich bin nicht in der Lage, Herrn Doktor Vollrath das Wort zu erteilen. Es ist gar nicht die Rede davon, dass der Beschluss nicht in diesem Augenblick schon realisiert wäre. Da weiter nichts vorliegt, ist unser Tagewerk erschöpft, und ich habe hiermit die VII. Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in Bezug auf ihren offiziellen Teil für geschlossen zu erklären.»