The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — 30 October 1910, Genoa
43. Neunte Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft
Bericht in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Hauptquartier Adyar), herausgegeben von Mathilde Scholl», Nr. 11/1910
Gegen ¾ 11 Uhr wird die Generalversammlung durch den Generalsekretär der Deutschen Sektion, Herrn Dr. Rudolf Steiner, eröffnet.
Erster Punkt: Feststellung des Stimmenverhältnisses der Delegierten der einzelnen Zweige.



Als zweiter Punkt der Tagesordnung kam die Verlesung des Protokolls der vorjährigen Generalversammlung in Betracht. Es wird der Antrag gestellt, von der Verlesung Abstand zu nehmen, da das Protokoll in den «Mitteilungen» ausführlich enthalten sei. Der Antrag wird angenommen. Hierauf folgt der Bericht des Sekretärs, Fräulein von Sivers, über den Stand der Mitglieder-Bewegung im letzten Jahre.
Zahl der Mitglieder 1950 gegen 1500 im Vorjahre, neu eingetreten sind 522 gegen 415 im Vorjahre; ausgetreten oder nicht mehr aufzufinden und deshalb gestrichen sind 63, in andere Sektionen übergetreten 1, gestorben 8.
Neu gegründet wurden drei Zweige: Zweig Görlitz, Zweig Wien, Zweig Klagenfurt. Neu gebildet wurden zwei Zentren: Zentrum Göttingen und Wyrow. Gesamtzahl der Zweige 47, der Zentren 3. Nunmehr folgt der Kassenbericht durch den Kassierer, Herrn Seiler.
Die Gesamteinnahmen betrugen darnach 7546 Mark
Die Gesamtausgaben 6255,61 Mark
Es verbleibt ein Überschuss von 1290,39 Mark
Hierzu Bankguthaben 2020,45 Mark
Mobilienbestand 565 Mark
Ergibt ein Gesamtvermögen von 3875,84 Mark
Nach dem Bericht der Kassenrevisoren, Herr Tessmar und Fräulein Motzkus, wird dem Kassierer Decharge erteilt.
Bericht des Generalsekretärs [Rudolf Steiner]:
«Ich werde versuchen, den Bericht des Generalsekretärs in diesem Jahre so kurz wie möglich zu gestalten, weil wir die Zeit anderweitig brauchen; es haben sich in erfreulichster Art recht viele unserer lieben theosophischen Freunde bereit erklärt, uns im Laufe dieser Generalversammlung mit Vorträgen zu erfreuen.
Die erste Pflicht, die mir obliegt, ist vor allem, Sie, die Sie hier zusammengekommen sind, um sich entweder gegenseitig wiederzusehen ‚oder aber, um die neu in unsere Mitte Getretenen kennenzulernen, Sie alle auf das Herzlichste zu begrüßen, Sie insbesondere zu begrüßen im Namen des Berliner Besant-Zweiges, der immer eine besondere Freude darin findet, in seiner Mitte auch einmal die verschiedenen theosophischen Freunde der Deutschen Sektion nicht nur, sondern auch auswärtige Freunde begrüßen zu können.
Es ist bei anderen Gelegenheiten oft betont worden, dass ein solches Zusammensein für uns Theosophen noch einen ganz anderen Wert hat als ein Zusammensein vielleicht irgendeines anderen Vereins. Andere Vereine finden, wenn sie zusammenkommen, Gesinnungsgenossen, die in Bezug auf dieses oder jenes Ziel des äußeren oder inneren Lebens, auf diese oder jene Frage mit ihnen übereinstimmen, in Bezug auf Betätigung, Beruf, vielleicht auch auf irgendein Lebensideal oder dergleichen. Theosophen kommen zusammen allerdings auch, um Gesinnungsgenossen zu finden, und in den Gesinnungsgenossen vor allem Träger der gemeinsamen Ideale zu finden; aber es darf doch gesagt werden, einen großen Unterschied gegenüber den Zusammenkünften aller anderen Vereinigungen bildet eine solche theosophische Zusammenkunft.
Wenn wir auf das in der theosophischen Bewegung blicken, was sie vor allem zum Inhalt hat, so schen wir das innerste Wesen und Streben der menschlichen Seele und nicht eine einzelne Betätigung im Leben, nicht ein spezielles Ideal, nicht irgendetwas, was sich im Raum und in der Zeit begrenzt, sondern dasjenige, was unmittelbar aus der Wahrnehmung entspringt, dass die hier Zusammengekommenen gemeinsam fühlen, gemeinsam denken über dasjenige, was ihnen das Teuerste ist im Leben. Das ist dasjenige, was uns verbindet. Und das aus der Seele anderer zu ahnen, das im freundschaftlichen Zusammengehen verwirklicht zu sehen, das ist es, was ein jeder von uns begrüßt. So treten andere Vereinsgenossen zusammen, wissend, dass sie in denen, mit denen sie zusammenkommen, dieses oder jenes Gemeinsame finden; so treten die Theosophen zusammen, wissend, dass sie das innerste Fühlen und Denken in sich auch in den andern finden dürfen. Das ist dasjenige, was wie ein Zauberhauch durch unsere Versammlung gehen soll; und aus dem Bewusstsein heraus, dass solch ein Geistiges, Inhaltsvolles uns verbindet, heiße ich Sie herzlich willkommen. Wir sind nicht nur zusammen als Träger der theosophischen Bewegung; wir sind nicht nur zusammen in irgendeinem äußerlich geschäftlichen Sinne, wir sind zusammen in Bezug darauf, dass wir Theosophen sind; und das Zusammenfühlen und das Zusammenerleben theosophischer Ideen ist die Seele unseres Zusammenseins. Aus dieser Seele unseres theosophischen Zusammenseins möchte ich sprechen, wenn ich diese Eröffnungsgrüße an Sie richte.
Es hat sich in unserem letzten Jahre wieder ergeben innerhalb unserer Deutschen Sektion, dass unser theosophisches Wirken wieder ein gutes Stück fortgeschritten ist. Und wenn wir uns die Frage stellen, ob wir auf dieses Stück so zurückblicken dürfen, dass wir es wirklich einen Fortschritt nennen können -, und nicht nur unser Gefühl fragen, sondern fragen: Sprechen die Tatsachen dafür, dass unser Leben ein fortschreitendes ist», dann müssen wir vor allem sehen, wie allüberall innerhalb unserer theosophischen Zweige ein inneres Leben sich immer mehr zu regen beginnt. Wir dürfen heute, bei der neunten Generalversammlung, nach dem Beschlusse unseres achten theosophischen Lebensjahres unserer Deutschen Sektion sagen, dass die innere Lebenstätigkeit innerhalb der Deutschen Sektion sich in weiterer Art verwirklicht hat.
Die Deutsche Sektion besteht aus einzelnen Zweigen, und diese zeigen ein regsames inneres Leben. Wenn in dieses Leben hineingeblickt wird, so kann nur in ganz allgemeinen Worten charakterisiert werden, wie dieses Leben sich gestaltet hat. Und man darf sagen, dass man es nicht eingehender charakterisieren kann, als wenn man sagt, dass es ein intensives geworden ist. Da ist vor allem in einzelnen Zweigen das innere Leben sogar schon aus sich selber herausgewachsen, wie in dem Berliner Besant-Zweig und in manchen anderen, besonders dem Münchener und dem Stuttgarter Zweig. Da schen wir, wie die Mitglieder eines Zweiges aus Theosophen auch theosophische Unternehmungen pflegen, die sozusagen nicht angefacht sind in vorschneller Weise von der Theosophischen Gesellschaft selber, die aber aus dem theosophischen inneren Leben der Zweige gedeihen. Das sind die verschiedenen Veranstaltungen, die über das Logenleben hinausgehen, in den sogenannten Kunst- und Musikzimmern, in denen ja auch populäre Theosophie zum Teil getrieben wird. Dabei zeigt es sich, wie überall theosophisches Leben angefacht werden kann, wenn wir nur versuchen, in richtiger Weise zu der Menschheit zu sprechen. Es würde zu weit führen, wenn ich alle Mitglieder mit Namen nennen sollte, die sich darum in einer von uns nicht hoch genug zu schätzenden Weise, Verdienste erworben haben. Insbesondere darf ich es jedenfalls als einen Wunsch hier aussprechen, dass diese Tätigkeit, die in den Kunst- und Musikzimmern veranstaltet wird, womöglich sich fortsetze, sich erweitere. Denn dadurch werden wir am besten einen gewissen Eindruck machen können auf unsere Zeit, wenn wir imstande sind, auch nach außen zu wirken.
Das Nächste ist natürlich die Entfaltung des theosophischen Lebens innerhalb der Zweige; und da würde ich Stunden sprechen müssen, wenn ich charakterisieren wollte, wie innerhalb der einzelnen Zweige in der intensivsten Weise gearbeitet wird dadurch, dass man auch schon diese Innenarbeit allmählich wie in Berlin, Stuttgart, München, Köln und ande ren Orten kursartig gestaltet, dass einzelne Mitglieder es übernehmen, in Kursen theosophische Wahrheiten für neu hinzugekommene Mitglieder an diese heranzubringen. Solche Kurse sind eingerichtet, und es darf wohl der Wunsch hier angeschlossen werden, dass auf der einen Seite möglichst ausgebaut werde dieses Institut der Kurse, die von Mitgliedern gehalten werden. Auf der anderen Seite darf aber wohl ausgesprochen werden, dass diese Kurse auch möglichst viel besucht werden sollten, damit die Mitglieder, die noch neu sind, und sich noch nicht mit dem elementaren Inhalte der Theosophie bekannt gemacht haben, dies tun können. Es wird nur dadurch eine bedeutsame Fortbewegung möglich sein, wenn für diejenigen Mitglieder, die erst kurze Zeit dabei sind, solche Kurse eingerichtet werden. Es kann nur ein Fortschritt gemacht werden, wenn immer wieder neu die Möglichkeit gegeben wird, die Weistümer der Theosophie kennenzulernen.
Wenn aber der uns aus dem Quellborn der theosophischen Weistümer geschenkte Inhalt immer wieder den Mitgliedern zuströmen soll, dann müssen die jüngeren Mitglieder dafür sorgen, dass sie das früher Gegebene immer wieder nachholen, sonst wäre es nicht möglich, in der entsprechenden Weise fortzufahren; und die älteren Mitglieder müssten überhaupt auf etwas Neues verzichten. In Parenthese darf ich vielleicht einschieben, dass man dieses Nachholen nur ja nicht allzu leichtnehmen möge. Und je größer die Ehrerbietung vor den theosophischen Wahrheiten ist, umso größer ist die Möglichkeit des Vordringens einer theosophischen Bewegung innerhalb unserer Kultur.
Auch weiter hinaus zeigt sich das Leben dieser theosophischen Bewegung. Ich sage ausdrücklich das Leben: Ein Lebensorganismus lebt nicht nur dann, wenn er in sich sozusagen neues Leben immer mehr und mehr anzieht, sondern dann erst, wenn das Leben zwischen den einzelnen Gliedern ein regsames ist, wenn der Austausch der Säfte zwischen den einzelnen Gliedern des Organismus vor sich geht. Und grade in dieser Beziehung dürfen wir sagen, dass sich in der schönsten Weise dies gestaltet hat, dass eine Art solcher Stoffbewegung stattfindet unter den einzelnen Gliedern. Es zeigen sich immer wieder Mitglieder der verschiedensten Zweige, nicht nur der Zweige Deutschlands, sondern auch des Auslandes, die diesen Austausch bewerkstelligen, sodass mit diesen theosophischen Kursen, die sich eingebürgert haben, die gegenseitige Anregung, der gegenseitige Austausch von Empfindungen und Gefühlen, in der schönsten Weise erzeugt werden. Da ist es erfreulich, dass wir in jedem Jahre einige Kurse vor theosophischen Mitgliedern im Auslande zu verzeichnen haben. Ich darf besonders erwähnen den Kursus in Stockholm, wo eine Anzahl von Mitgliedern unserer Deutschen Sektion anwesend war; und man darf sagen, dass das Leben, das sich entfaltete zwischen den Stockholmer Freunden und unseren Mitgliedern, ein sehr reges war.
Dann haben wir vor allen Dingen in dem Kursus in Wien sozusagen etwas von dem erlebt, was ein Wachsen unserer theosophischen Bewegung nach außen genannt werden darf. Mit diesem Kursus hat ein reges, und hoffentlich sich immer mehr ausbreitendes, theosophisches Leben in Wien begonnen, und hat, sich fortsetzend, die Grundlagen der Theosophie vertieft, die schon vorher von unseren dortigen Freunden seit Jahren gegeben worden sind. Das hat sich auch äußerlich durch die Begründung des Wiener Zweiges gezeigt. Es ist damit unserer Arbeit eingefügt ein Glied, das die Theosophie tragen wird auch in die östliche Richtung. Im Anschluss an den theosophischen Zweig in Wien ist dann auch in Klagenfurt ein solcher theosophischer Zweig begründet worden. Und wenn wir nun bedenken, dass auf unsere Anregung auch die Tschechische Sektion entstanden ist, so dürfen wir ein erfreuliches Wachsen der theosophischen Bewegung nach außen verzeichnen. Es würde hier wiederum zu weit führen, wenn im Einzelnen all das charakterisiert werden sollte, was da von unseren lieben Freunden getan worden ist, um dieses Leben nach dem Osten hinüberzutragen. Es wurde daher auch nur im Allgemeinen auf die hocherfreuliche Tatsache hingewiesen, dass wir mit der Tschechischen Sektion, mit dem Wiener Zweige und der Klagenfurter Loge bedeutsame Anfänge im Osten entfalten. Das hat ja der Wiener Zyklus gezeigt, dass mit der theosophischen Bewegung, mit all dem, was sich an Imponderabilien, an undefinierbaren Dingen abspielte, dass sich in dem etwas zeigt, was man nennen kann einen feinen intimen Fortschritt im menschlichen Kulturstreben, in der Stimmung des Empfindens, die entgegengebracht wird der heutigen Kulturtätigkeit. Es ist ja in unserer Zeit charakteristisch, was der moderne Mensch als Stimmung empfindet gegenüber aller Kulturtätigkeit. Wenn er irgendetwas von Kulturtätigkeit sich gegenübertreten fühlt, dann sagt sich der moderne Mensch: Verstehe ich es, oder verstehe ich es nicht? - Versteht er es nicht, so lehnt er es ab. Besonders charakteristisch trat uns das in Basel entgegen, wo anlässlich eines theosophischen Vortrages ein Feuilleton geschrieben wurde, das mit den Worten begann: «An der Theosophie ist dasjenige, was am meisten an ihr auffällt, ihre Unverständlichkeit.» Das ist so recht der imponderable Stimmungsgehalt, den der moderne Mensch einer Kulturbetätigung entgegenbringt. Das zeigt sich besonders, wenn man das angeführte Wort überträgt auf ein anderes Gebiet. Denken Sie sich jemanden ein Feuilleton über Mathematik schreiben, das ebenso begänne, da würde er doch nur sein persönliches Verhältnis zur Mathematik charakterisieren. Ein solches Verhältnis wird dann heute für objektiv genommen, und man glaubt, man hätte irgendetwas damit gesagt; und hat doch gar nichts gesagt. Denn wenn irgendjemand sich nicht mit Mathematik beschäftigt hat, so weiß er eben nichts davon, kann also auch kein Urteil über sie fällen. So verrät jener Feuilletonist auch nichts anderes, als wie er zur Theosophie steht. So würde es einzig richtig sein, nach einem solchen Satze aufzuhören, darüber zu schreiben. Wenn heute die Menschen irgendetwas nicht verstanden haben, ja, dann haben sie sich gelangweilt; damit ist aber doch kein Urteil abgegeben über das, was da entfaltet worden ist. Aber dieses moderne Empfinden ändert sich nach und nach, und man darf es schon wagen, heute auch schwierige Dinge innerhalb der theosophischen Bewegung zur Besprechung zu bringen. Der Wiener Kursus war ja ein ganz besonders schwieriger, und wenn dazumal überhaupt nur Menschen anwesend gewesen wären, welche auf ein solches Urteil, wie wir es eben gekennzeichnet haben, etwas Besonderes gegeben ten, dann wäre der Wiener Kursus ganz gewiss unfruchtbar geblieben. Er ist aber fruchtbar geworden; und wir konnten damals nach Hause gehen mit dem schönen Empfinden, dass auch aus den unaussprechbaren Dingen uns schöne Blüten entgegenwuchsen.
Im weiteren Verlaufe zeigte sich das bei dem Hamburger Kursus. Es ist immer eine schwierige Sache, Dinge zu besprechen, die sozusagen vorläufig eine bestimmte Empfindungsnuance erfordern zum Verständnis alles dessen, was aus dem Born der Theosophie gegeben wird. Im Prinzip ist alles dies gewiss verständlich der prüfenden Vernunft und Logik. Aber wir würden ganz gewiss lange dazu brauchen, und man müsste lang dauernde Kurse veranstalten, wenn alle diese Dinge mit der Logik nachgeprüft werden sollten. Und es ist in gewisser Beziehung sicherlich nicht zu verwerfen, wenn gesundes Empfinden sich ein Verhältnis bildet zu dem Gebotenen. Es sind Seelen da, die reifer sind, als sie glauben, die aus dem Unterbewussten etwas entgegenbringen, wovon sie selber nichts wissen. Und dann sind am leichtesten zu prüfen durch die Logik diejenigen Dinge, die am höchsten liegen, am schwierigsten diejenigen, die sich auf das praktische persönliche Leben beziehen. Weit schwerer ist es, Beweise, die einleuchtend sind, zu finden, wenn irgendjemand einen Zusammenhang sucht zwischen einer naheliegenden Leidenschaft und einer Krankheit. Das kann zwar geprüft werden durch die Logik. Aber es ist ein weiter Weg von dem, was aus der Geistesforschung festgestellt werden kann, zu dem einleuchtenden logischen Urteil. Da tritt denn das unterbewusste Empfangen ein, das sich in dem gesunden Wahrheitssinn äußert. Dieses fühlt die Wahrheit, die zwar bewiesen werden könnte, doch aber auch schon vor dem Beweise angenommen werden kann. Ein solches Empfangen muss ganz besonders vorausgesetzt werden bei solchen Kursen. Das wird immer mehr geschehen können, und ist eben besonders geschehen bei den genannten Kursen. Und man wird belehrt, wie wirklich eine andere Empfindungsnuance und eine andere spirituelle Nuance - wie sie vorher in der physischen Welt nicht vorhanden waren - sich nun zeigen.
Durften wir so auf eine Art neuen Versuch innerhalb unserer theosophischen Bewegung hinweisen, so darf ich in dieser kurzen Weise vielleicht Ihnen auch etwas von einem Fortschritt innerhalb unserer inneren Tätigkeit in diesem Jahre sprechen. Das führt uns nach Kristiania, wo gesprochen werden durfte über die Vorgänge im Leben der Erde. Es konnten da die Volksgeister, Volksseelen genannt werden; es konnte gesprochen werden über Rassenentwicklung und deren Gang. In dieser Art konnte dieser Kursus nur auf den charakterisierten Voraussetzungen aufgebaut werden. Damit war auch die Möglichkeit gegeben, etwas Innerliches äußerlich vor unsere Mitglieder hinzustellen.
Das ist auch in München geschehen, wo wir wie erste Versuche etwas wagen durften, was ein unmittelbares Übertragen esoterischer Dinge in exoterisch künstlerische Weise war.
Dann aber durfte auch im Anschluss daran der Versuch gemacht werden, Schriften, die uns durch die vorgeschichtliche Weisheit der Menschheit vorliegen, in einem weiteren Lichte zu betrachten. Das geschah in den Kursen, die ganz besondere Ansprüche gemacht haben an die Zuhörer. Das durfte geschehen eben im Münchner Kursus und in Bern.
Vom Berner Kursus ist gesagt worden, dass da Dinge besprochen worden sind, die nur ihren Wert haben in dem Augenblick, wo sie gesprochen werden. Das ist selbstverständlich etwas Gewolltes und Gerechtfertigtes. Man konnte an diesen beiden Kursen, dem Münchner und dem Berner, erleben, dass darinnen etwas war, was nicht schriftlich wiedergegeben werden kann. Damit haben wir wohl wiederum einen gewissen Fortschritt zu verzeichnen.
Ich habe schon viel mehr, als ich beabsichtigte, gesprochen, daher bitte ich Sie, dies als einen Bericht der inneren Tätigkeit und Bewegung unserer Sache zu nehmen, und es mir zu erlassen, namentlich allen denen unserer Mitglieder herzlichst zu danken, die sich beteiligt haben an diesem inneren Wirken. Dass dieser Dank bei allen von uns ein herzlicher ist, das kann ja ohne Weiteres vorausgesetzt werden.
Wir haben nach Verlauf unserer siebenjährigen Periode auch noch anderes zu verzeichnen, welches von uns Theosophen immer anders charakterisiert wird als von der Außenwelt. Wir haben gerade in diesem verflossenen Jahre von einigen unserer ältesten, von einigen ganz besonders für die theosophische Sache sich einsetzenden Mitgliedern zu verzeichnen, dass sie den physischen Plan verlassen haben. Und wenn wir dieser unserer lieben theosophischen Mitglieder gedenken, so denken wir an sie in der Art, dass wir sie in derselben Weise und Liebe weiter zu uns gehörig betrachten, in der wir sie zu uns rechneten, während sie auf dem physischen Plan unter uns verweilten. Wir wollen damit sagen, dass es für uns Theosophen etwas gibt, was als Pflicht ja auch in der äußeren, nicht theosophischen Welt zu den eigentlich wichtigsten Herzenspflichten gerechnet wird, was aber eine besondere Weihe und eine besondere Durchdringung mit dem Inhalte der im theosophischen Leben erworbenen Gefühls- und Gedankennuance bei uns Theosophen erfahren muss. Das ist das Nachsenden der Liebe, das Nachsenden unserer besten Gefühle über den physischen Plan hinaus, gegenüber denen, die diesen physischen Plan verlassen haben. Solche, durch das theosophische Empfinden gestärkten Gefühle, sollen wir gegenüber den Verstorbenen zu entwickeln trachten. Wir sollen uns fähig machen, durch unseren theosophischen Fortschritt derartige Gefühle in die anderen Welten zu senden, dass wir das Liebe, das Wahre, das Gute, das uns entgegengetreten ist bei solchen Mitgliedern, dauernd als ein immer Gegenwärtiges empfinden, und damit diese Mitglieder selber dauernd gegenwärtig empfinden, sodass wir von ihnen sprechen als solchen, die unter uns weiter wandeln, und deren Wandeln uns immer heiliger wird aus dem Grunde, weil dasjenige, was sie uns senden können aus jener Welt, für sie ein Wertvolleres sein muss als dasjenige, was sie uns geben konnten auf dem physischen Plan. In dieser tätigen Weise gedenken wir derjenigen unserer lieben Mitglieder, die in dem verflossenen Jahre den physischen Plan verlassen haben.
Da steht vor unserer Seele ganz besonders ein älteres, seit der Begründung der Sektion mit uns verbundenes Mitglied, das uns aus dem Grunde besonders nahesteht, weil uns wiederum nahesteht der Bruder dieses Mitgliedes, der hier ist als unser lieber Freund, Herr Wagner.
Fräulein Amalie Wagner in Hamburg, die viele von uns gut kennen, hat im Verlaufe dieses Jahres den physischen Plan verlassen, und wir werden immer hinblicken auf dasjenige, was sie versuchte zu tun für das theosophische Leben. Viele derjenigen Theosophen, die unserer lieben Amalie Wagner nahestanden, haben in ihrem innersten Herzen die Tätigkeit von Amalie Wagner in außerordentliche Weise zu schätzen gewusst, und haben eine unbegrenzte Liebe dieser Freundin entgegengebracht. Und das war ja nur der schöne Widerstrahl des schönen theosophischen Strebens in der Seele Amalie Wagners. Und in Ehrfurcht und heiliger Weihe gedenken wir eines wichtigen Augenblickes im Leben von Amalie Wagner. Das war jener Augenblick, als ihr die Schwester, die mit ihr in Hamburg Mitglied unserer Bewegung war, im Tode voranging. Damals war es mir möglich, an mich herantreten zu lassen das schöne, das liebende Verständnis, das die Seele von Amalie Wagner entgegenbrachte jenem Ereignis, das sich da in dem Abgange ihrer Schwester vollzog. Da konnte ich entgegennehmen die sozusagen im echten theosophischen Empfinden gehaltene Aufschau von Amalie Wagner zu ihrer Schwester. Wie Amalie Wagner hinaufschaute in die höheren Welten, um sich Vorstellungen zu machen von der Art, wie weiterlebt ein Mensch in diesen höheren Welten, davon wurde viel gesprochen in dem lieben, einsamen Wohnzimmer Amalie Wagners. Und jetzt blicken wir ihr selber nach in Gedanken, wie sie ihrerseits nun empfängt von oben das Entgegenkommende und von unten, vom physischen Plane, die Gefühle von Liebe und Verehrung, die wir ihr von hier entgegenbringen. Zwei Seiten können wir an dieser Seele heute schon sehen, wie sie nach oben und unten lebt, wie ein Mensch eben in der geistigen Welt lebt, wenn in seinem Herzen hier der Impuls war, sich anzuschließen dem, was als Seele durch unsere Bewegung hindurchgeht. Und so blicken wir denn in Andacht, in Liebe zu der Seele dieses lieben Fräulein Wagner hin wie zu einer uns immer Gegenwärtigen.
Es hat noch ein altes Mitglied den physischen Plan verlassen, das zwar wenige kennen, aber diese wenigen sind solche, die dieses liebe Mitglied sehr lieb hatten, die immer, wenn sie mit ihm zusammenkamen, von Neuem empfanden die Ehrerbietung heischende Seele unseres lieben Freundes Jacques Tschudy in Glarus, der von Anfang an unserer Deutschen Sektion angehört hat. Er ist bei den schweizerischen theosophischen Versammlungen von einer Anzahl unserer lieben Mitglieder getroffen worden. Und wenn ich mich in diesem Falle eines Wortes bedienen darf, das sehr ernst gemeint ist, so möchte ich sagen, dass die Seele dieser Persönlichkeit so wirkte, dass man gar nicht anders konnte, als sie lieb haben. Und wer oftmals sehen konnte, wie dieser Mann geliebt wurde, der weiß, dass diejenigen, die ihn kannten, dieses Gefühl ihm dauernd in die geistige Welt nachsenden werden.
Dann hat noch ein außerordentlich strebsames Mitglied, das in rüstiger Energie versuchte, in das Exoterische und Esoterische der Theosophie einzudringen, und welches erst in den letzten Jahren unserer Deutschen Sektion nahegetreten ist, den physischen Plan verlassen. Unser lieber Freund Minuth aus Riga befand sich beim letzten Stuttgarter Zyklus; dann erschien er wieder in Hamburg, und damals war schon sein äußerer physischer Leib mit dem Keim behaftet, der ihn nicht weiterleben ließ. Er konnte schon nicht mehr den vollständigen Zyklus mitmachen und verließ bald darauf auch den physischen Plan. Auch ihm werden wir diejenigen Empfindungen hinaufsenden in die höheren Welten, welche wir nicht nur gehabt haben, als wir uns entschlossen, Theosophen zu werden, sondern die wir uns angeeignet haben während unseres theosophischen Lebens.
Wir haben abgehen sehen vom physischen Plan noch eine andere Persönlichkeit; die Gattin unseres lieben Freundes Sellin. Aus früheren theosophischen Versammlungen kennen Sie ja alle unseren lieben Freund Sellin. Während er in Zürich wirkte, ging seine liebe Gattin in die geistige Welt hinauf. Dieses Hinaufgehen seiner Gattin versteht unser lieber Freund in der wunderbarsten Weise, und wer empfinden durfte dasjenige, was Sellin selber empfindet gegenüber der Toten, der weiß zu sagen, wie im echten, schönen Sinne gegenüber den Toten der Theosoph empfinden soll. Ich müsste Worte sprechen, welche in den eindringlichsten Farben Gefühle schildern würden, die lebendig hinaufströmen in die geistige Welt, wenn ich Ihnen manches schöne Wort wiedergeben wollte, das aus der Seele unseres lieben Freundes Sellin hier auf dem physischen Plan seiner geliebten Gattin hinaufgesendet wurde. Es ist aber besser, wenn wir in uns sozusagen nur eine Ahnung hervorrufen von dem, was durch so etwas Schönes gesagt werden kann, wenn wir es nicht selber gehört haben. Und derjenige, der, wie ich, so schöne Worte gehört hat, wie die unseres lieben Freundes Sellin, die Zeugnis sind seiner wirklich schönen, realen Empfindung, wer dieses selber erlebt hat, der hat das Bedürfnis, solch schöne Worte durch Aussprechen nicht zu entweihen. Aber das Bedürfnis habe ich in meiner Seele in diesem Augenblicke, in Ihren eigenen Herzen Ahnungen erwachen zu lassen von dem, was schönes Empfinden, schönes innerliches Erleben ist denen gegenüber, die in der Richtung nach der geistigen Welt physisch entschwunden sind.
Eine weitere Persönlichkeit in Stuttgart ist den ihr Nahestehenden in der physischen Welt entschwunden; unser lieber Freund [Frentzel] hat seine Gattin vor Kurzem den höheren Plänen abgeben müssen. Wenn wir sehen, wie wir Theosophen beginnen, ein wirkliches Seelenleben zu entwickeln, so brauchen wir nur an unsere liebe Frau Frentzel zu denken, die in so schöner Weise an ihrer Seele arbeitete, um in das theosophische Leben hineinzukommen. Das kann vielleicht nur würdigen, wer ihrer Seele nahegestanden hat wie ich selber. Und so dürfen wir dasjenige, was wir gelernt haben, hinaufsenden unserer lieben Freundin Frau Frentzel.
Und so gedenken wir auch einer anderen Freundin, die durch ein tragisches Geschick den physischen Plan verlassen hat, Frau Hedwig von Knebel, deren liebevolle Hingabe an die theosophische Sache bemerkt werden konnte, sowohl wenn wir anderen in Wiesbaden waren als auch von den Wiesbadenern selber.
Dann aber steigt mit einer besonderen Kraft, mit einer ganz besonderen Lebendigkeit aus den höheren Welten zu uns herab das Bild einer theosophischen Persönlichkeit, die vor Kurzem den physischen Plan verlassen hat, die mit einer Intensität, mit einem Verständnis und einer Hingebung, die wirklich nicht in Worten zu schildern ist, sich seit Jahren der theosophischen Sache mit allem, was sie konnte - und sie konnte viel-in den Dienst stellte. Da wird mir selber immer unvergesslich bleiben der Augenblick nach einer theosophischen Versammlung, wo unsere liebe Hilde Stockmeyer zum ersten Male an mich herantrat, um Genaueres über mancherlei von dem kennenzulernen, was sie in der Theosophie, die sie mit all der Kraft, die in ihr war, aufnahm, gelernt hatte. Auf der anderen Seite versuchte sie es - und sie durfte und konnte viel versuchen - dasjenige, was sie in der Theosophie gelernt hatte, zu verbinden mit dem, was die äußere Wissenschaft an Wahrem und Gutem bietet. Und es darf gesagt werden, wie eine umfassende Gelehrsamkeit auch äußerlich imstande war, Frucht zu tragen, indem sie zur Befriedigung der äußeren Welt das letzte Examen noch kurz vor ihrem Abscheiden abgelegt hatte. Es darf in der Gelehrsamkeit von Hilde Stockmeyer das Erste gesehen werden, was uns selber als ein schönes Geschenk ihrer persönlichen Werte von ihr entgegengebracht worden ist. Dasjenige, was uns Hilde Stockmeyer, die Vorsitzende der Malscher Loge, auf dem physischen Plane gewesen ist, war sie durch ihre Fähigkeiten und durch die Art, wie sie diese Fähigkeiten verarbeitete. Sie war dadurch berufen, fruchtbringend zu wirken, und zu dem, was sich Hilde Stockmeyer durch die Ausbildung ihrer Fähigkeiten auf diese Weise erwarb, brachte sie etwas anderes hinzu, was durch seine Ausströmung auf die Nahestehenden wirkte, was bloß durch sein Wirken uns verraten konnte, wie fruchtbar echtes, wahres theosophisches Empfinden hier im Menschenleben werden kann. Das zeigt die Art, wie Vater, Mutter, Geschwister und Freunde aufnahmen ihren Abgang in die höheren Welten. Das ist wiederum in diesem Falle ein Beweis für die Wirksamkeit der Theosophie in den Menschenseelen. Es ist dies noch in einer anderen Weise ein Beweis dafür, als es selbst bei den anderen Genannten der Fall war. Bei den anderen waren überall Persönlichkeiten in ihrer Umgebung, die die Theosophie gesucht hatten. Bei Hilde Stockmeyer bekannten sogar die Eltern: Sie hat uns die Theosophie gebracht, sie war uns geschickt. Die Personen, die auf dem physischen Plan ihr vorausgegangen waren, die ihr das physische Leben gegeben haben, bekannten das, was sie fühlen konnten dem gegenüber, was in ihrer eigenen Tochter aus den höheren Welten ihnen entgegenkam, wovon sie sagen mussten: Dem konnten wir nicht zum Dasein auf dem physischen Plan helfen, dem gegenüber waren wir das Werkzeug. Und es gehört zu den schönsten Gefühlen, die innerhalb unserer theosophischen Bewegung geäußert worden sind, dass die Eltern von Hilde Stockmeyer zum Ausdruck brachten die Größe des Dankes und der Schätzung, die sie dem Wissen ihrer Tochter entgegenbrachten, dem Wissen der Tochter, die den Eltern die Theosophie ins Haus gebracht. Und dies herrliche Echo bringen die Eltern von Hilde Stockmeyer ihrer in die spirituelle Welt abgegangenen Tochter entgegen. Wir aber sollen lernen, das besonders Hilde Stockmeyer hinaufzusenden in die höheren Welten, was sich bei solchen Dingen nur ahnen lässt. Und klar ist mir, dass ich kein besseres Gefühl hinaufsenden kann in die geistigen Welten, als wenn ich die Empfindungen der Seele von Hilde Stockmeyer selber jetzt hinaufsende, mich zum Werkzeug ihrer Seele mache für das Schöne, was aus einem schönen Gefühl heraus zu sagen wusste unsere liebe Freundin, während sie noch hier bei uns war. In zwei kleinen Dichtungen, die mir anvertraut worden sind, die der Feder unserer lieben Freundin entstammen, die ihrem so schön angelegten Geiste entsprangen, spricht sie selber noch von dem physischen Plan zu uns herein. Wie Hilde Stockmeyer empfand gegenüber den ewigen Lehren der Theosophie, das mag uns aus ihren eigenen kleinen Gedichten in diesem Augenblicke entgegentönen. So sprach, als sie noch lebte, Hilde Stockmeyer, so mag für uns nachklingen, was sie selber noch sagte:
Sind wir denn wirklich so ganz allein?
Kann nie der Eine den Andern verstehn?
Kann er ihm nie ins Herze sehn?
Ihm erleichtern seine Pein?
Ich denke, wenn Liebe zu Liebe spricht,
So recht vom Herzen mit treuem Gesicht,
Um Liebe Willen die Qualen zu lindern,
Durch liebe Worte die Schmerzen zu mindern,
Dann mein’ ich, könnt’s nicht vergebens sein!
Sind wir denn wirklich so ganz allein?
Gibt es nicht Brücken zu jedem Herzen?
Gibt es nicht Balsam für alle Schmerzen?
Wenn wir Aug’ in Aug’ versenken,
Gar nicht an uns selber denken,
Braucht es sogar der Worte nicht,
Wahres Verstehen lautlos spricht!
Auch zu den allerverstocktesten Herzen
Führt ein Weg.
Wandelst du mutig auf schwankendem Steg
Mit dem einen Gedanken Helfer zu sein
Bist du bald nicht mehr allein!
Versuchen wir es, nach ihrem Abgang in unseren Herzen solche Gefühle zu entwickeln, um sie ihr nachströmen zu lassen, solche, die dieser ihrer eigenen schönen Gefühle wert sind. Und lernen wir empfinden, wie sie selber empfunden hat, und wie sie es aussprach in dem anderen kleinen Gedicht:
Ich möchte sein ein reiner Quell des Segens, Der immer fließt und nie versiegen muss, Ein Herz voll Mut möcht ich mein Eigen nennen, Das nie verzagt, und nie in Schmerzen bebt, Und Liebe möcht ich strömen durch die Welten; Dass all Lebendiges jauchzen sollt vor Lust. Und also gebend möcht im All ich still versinken, Wie eine Melodie, die leis’ verklingt.
So sprach sie im Leben, so starb sie für den physischen Plan. Es braucht nicht gesagt zu werden, dass wir uns bemühen sollen, ihr ebenso Wertvolles nachzusenden wie sie, den eigenen Tod ahnend, es in den letzten Worten sprach, der letzten kleinen Dichtung. Wer Hilde Stockmeyer kannte wie ich, weiß, dass der Tod dieser lieben Seele das war:
Und also gebend möcht im All ich still versinken,
Wie eine Melodie, die leis’ verklingt.»
Die Versammlung ehrte das Andenken der genannten Personen durch Erheben von den Sitzen.
Dritter Punkt: Anträge aus dem Plenum:
Als erster Antrag wird verlesen Antrag van Leer, Düsseldorf.
Antrag van Leer: Der Antragsteller knüpft an die Bestellung von solchen Mitgliedern des Vorstandes, welche ihr Amt lebenslänglich innehaben. Dieser Antrag ist gestellt und angenommen worden, um eine Kontinuität in die theosophische Arbeit der Sektion zu bringen. Es ist dadurch eine Sicherung gegeben gegen etwaige tendenziöse Bestrebungen, die durch Zuzug neuer Mitglieder mit dem erarbeiteten Gut einfach brechen möchten. Der Gedanke sollte durch diesen Antrag weiter ausgebaut werden dadurch, dass in Hinkunft nicht in beliebiger Weise zwei Menschen so viele Mitglieder in die Gesellschaft einführen können, als ihnen gefällt; sondern, es sollte bei jeder in eine Loge eintreten wollenden Persönlichkeit auch die Unterschrift des Vorsitzenden der Loge notwendig sein, um zu verhindern, dass das in Jahren Erarbeitete zu Grunde gerichtet werde durch tendenziösen Zuzug.
Herr Dr. Steiner bemerkt dazu, dass der Vorstand in der gestrigen Vorstandssitzung beschlossen habe, in der Generalversammlung zu beantragen, dass der Aufnahmeschein neuer Mitglieder nicht nur die Unterschrift von zwei Paten aufzuweisen habe, sondern auch die Unterschrift des Vorsitzenden des betreffenden Zweiges, und dass der Aufnahmeschein für Sektions-Mitglieder in Zukunft gegengezeichnet sein müsse vom Vorsitzenden der Deutschen Sektion. Auf diese Art würde in entsprechender Weise vorgebeugt sein demjenigen, was dem Antrag zugrunde liegt.
Pastor Wendt äußert, dass wenn zweitausend neue Menschen in die Gesellschaft eintreten, die alten Mitglieder einfach eine neue Gesellschaft begründen könnten.
Dr. Steiner antwortet darauf, dass dieser Fall doch verhütet werden müsste, dass eine Gesellschaft einfach gezwungen würde, sich neu zu begründen.
Frau von Sonklar bemerkt, dass jedes Mitglied doch das Recht habe, neue Mitglieder vorzuschlagen, und dass auch diese zweitausend Menschen bekehrt werden könnten.
Dr. Steiner: «Es handelt sich ja darum, dass der andere Fall nicht eintreten kann, dass zweitausend neue Mitglieder, die bekehrungsfähig wären, nicht Aufnahme finden könnten. Sie würden doch selbstverständlich mit größter Befriedigung aufgenommen werden. Es ist gar nicht vorauszusetzen, dass den neu aufzunehmenden Mitgliedern das Allergeringste in den Weg gelegt werde. Der Antrag kann ja gar keine andere Wirkung haben, als dass eben zweitausend neu hinzukommenden Mitgliedern die Möglichkeit entzogen wird, die bisher geleistete theosophische Arbeit tot zu machen.»
Auf Antrag von Herrn Tessmar wird die Debatte geschlossen und zur Abstimmung geschritten. Der Antrag wird angenommen.
Als zweiter Antrag kam in Betracht der Antrag Horst von Henning in Weimar, in welchem der Vorschlag gemacht wird, den für München geplanten Zentralbau der deutschen Theosophen in Weimar aufzurichten.
Zu diesem Antrag führt Herr Dr. Steiner aus: «Ein Antrag, der in der Form, wie der eingebrachte, gefasst ist, kann kein Antrag sein, er kann nur ein Appell sein, und kann nur als ein solcher an die Versammlung gerichtet werden. Es handelt sich nämlich nicht um eine Unternehmung der Theosophischen Gesellschaft, sondern um eine theosophische Sache, die privat von einer Anzahl Theosophen offiziell unternommen wird. Es ist, wie Sie wissen, von einer Anzahl unserer theosophischen Freunde der Beschluss gefasst worden, für derartige Veranstaltungen, wie wir sie in München im letzten und vorletzten Jahre hatten, ein eigenes Haus zu bauen. Ich will nur sagen, dass die Absicht besteht, ein solches Haus als eine Art Zentralbau in München zu errichten. Und hoffentlich werden alle, die in der Lage dazu sind, ihr Scherflein von zehn Pfennig bis zu einer Million dazu beitragen. Das wird hoffentlich die eine Folge der Münchener Arbeiten sein. Eine andere Folge liegt in dem Appell.
Ich habe Sie bekannt gemacht mit dem Inhalte dieses Appells. Als Antrag kann er nicht behandelt werden, weil er nicht die Deutsche Sektion betrifft. Die Deutsche Sektion ist keine juristische Persönlichkeit, und nur diejenigen bauen diesen Zentralbau, die eben das Geld dazu hergeben.
Das Zweite ist das Sachliche. Erstens ist bei dem Appell nicht daran gedacht, dass wir ja von Anfang an die Absicht gehabt haben, dieses als eine ganz interne Angelegenheit der Theosophen zu betrachten, daher wurden nur diejenigen Künstler berufen, die Theosophen sind. Es kommt also gar nicht in Betracht, was im Antrage betont wird, dass eine Stadt wie Weimar eine große Anzahl schauspielerischer Kräfte hat, oder ausgezeichnete Maler; es kommt darauf an, in derjenigen Stadt die Sache zu veranstalten, wo die meisten Künstler sind, die Theosophen sind, Dann würde es ja auch durchaus alldem, was mit der ganzen Entwicklung dieser Idee verbunden ist, augenblicklich widersprechen, wenn ein anderer Ort als München gewählt würde. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es nicht darauf ankommt, ob ich dagegen bin oder nicht, man muss aber doch immer die realen Verhältnisse berücksichtigen. Im Prinzip kann etwas richtig sein, in der Realität ist es nur dann richtig, wenn man auch die historischen Verhältnisse berücksichtigt.»
Es wird aus der Versammlung der Einwurf gemacht, warum denn Berlin nicht in Betracht käme. Dr. Steiner antwortet darauf: «Aus demselben Grunde, wie Berlin damals nicht gewählt wurde, als wir den Kongress der europäischen Sektionen veranstalten wollten. Aus dem Grunde, weil eine solche Sache eine so kolossale Arbeit erfordert von den Mitgliedern, dass diejenigen, die nicht dabei sind, überhaupt keine Vorstellung davon haben. Nun sind aber doch die Mitglieder Berlins das ganze Jahr beschäftigt mit den Angelegenheiten der Deutschen Sektion, und die praktischen Verhältnisse haben es einfach gezeigt, dass die Berliner Mitglieder sozusagen zusammenbrechen würden, wenn sie auch noch diese Arbeiten machen müssten. Etwas derartiges könnte nur in Berlin gemacht werden, wenn die Mitglieder entbunden würden von der Leitung der Deutschen Sektion. Weil aber diese Leitung am besten in Berlin bleiben wird, so ist selbstverständlich, dass an eine andere Stadt für diese Sache gedacht worden ist. Es ist mir der Antrag Henning gewiss außerordentlich sympathisch, aber wenn man die realen Verhältnisse bedenkt, so muss man eben sagen, dass es eben nicht geht. Dazu kommt aber noch ein innerer Grund in Betracht, der einem okkulten Gesetz entspricht; und das ist, dass tatsächlich nicht diejenigen Orte für spätere Epochen fruchtbar sind, die schon eine Blüte hinter sich haben. Der Appell will gerade Weimar gewählt haben, weil da schon einmal die Blüte des deutschen Geisteslebens sich entwickelt hat. In Weimar kann sich nur in der Gegenwart eine Archivtätigkeit entwickeln. Gesellschaften begründen sich dort, zum Andenken und Ausarbeiten des schon Dagewesenen. Das würde ja auch schon gegen Weimar sprechen, es würde grade das Große, das von Weimar ausgeht, sich wehren gegen unseren Plan, und wir würden nicht aufkommen können.»
Fräulein Stinde bemerkt noch dazu: «Die Adresse, wohin man die Gelder für den Bau schicken kann ist: An das Depot Fräulein Marie von Sivers und Fräulein Sophie Stinde, Deutsche Bank, München.»
Der dritte Antrag, von Frau von Sonklar, Berlin, betrifft ein regelmäRiges jährlich viermaliges Erscheinen der «Mitteilungen» und Erweiterung derselben.
Fräulein von Sivers bemerkt dazu, dass ein regelmäßiges, viermaliges Erscheinen der «Mitteilungen» niemals beschlossen worden sei, sondern, dass sie immer nur dann erscheinen sollten, wenn genügendes Material dafür vonseiten der Zweige eingelaufen sei. Die «Mitteilungen» sollten sich nur mit den internen Angelegenheiten der Deutschen Sektion befassen. Man könne übrigens im Allgemeinen die Beobachtung machen, dass desto mehr gearbeitet werde, je weniger man darüber berichtet. Für diejenigen Mitglieder, die die Kurse nicht mitmachen könnten, läge jetzt ein umfangreiches Studienmaterial vor durch die vervielfältigten Vortragszyklen.
Herr Scharlau äußert finanzielle Bedenken gegen das viermalige Erscheinen der «Mitteilungen». Hierauf beantragt Frau von Sonklar, aus den «Mitteilungen» eine Zeitschrift zu machen, um die Kosten durch das Abonnement zu decken.
Herr Tessmar widerspricht dem Antrag von Sonklar und macht den Vorschlag, dass die «Mitteilungen» wie bisher nach Bedarf erscheinen. Dieser Antrag wird von der Versammlung angenommen.
Nach kurzer Debatte beantragt Herr Walther, den Antrag von Sonklar auf Erweiterung der «Mitteilungen» abzulehnen. Durch Abstimmung wird der Antrag Sonklar abgelehnt.
Weitere Anträge liegen nicht vor.
Herr Dr. Steiner stellt den Dringlichkeitsantrag des Vorstandes, die Generalversammlung in die Zeit der Jahreswende zu verlegen.
Nach längerer, lebhafter Debatte beantragt Herr Arenson, vorläufig für das nächste Jahr zur Abhaltung der Generalversammlung den November ins Auge zu fassen. Dieser Antrag wird angenommen.
Nun verliest Herr Dr. Steiner ein Begrüßungstelegramm der Italienischen Sektion und teilt zugleich mit, dass der Kongress der Europäischen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft im nächsten Jahre, also 1911, vom 18. September ab in Genua stattfinden wird.
Vierter Punkt: Berichte der verschiedenen Zweige. Es liegen zwei Berichte vor; in Anbetracht der vorgerückten Zeit wird von deren Verlesung Abstand genommen und beschlossen, die Berichte in den nächsten «Mitteilungen» zu veröffentlichen.
Zu dem fünften Punkt, Verschiedenes, liegt kein Material vor. Herr Dr. Steiner schließt damit den geschäftlichen Teil und gibt bekannt, dass um 5Y Uhr der sachlich theosophische Teil der Generalversammlung beginnt.