The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — 21 September 1911, Berlin
44. Der sistierte sechste Kongress der Föderation der europäischen Sektionen in Genua im September 1911 (Ausführungen des Herausgebers)
Der sechste Kongress der Föderation der europäischen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft (Adyar) hätte vom 17. bis 21. September 1911 in Genua unter dem Leitgedanken «Von Buddha zu Christus» durchgeführt werden sollen. Der Gegensatz zwischen Annie Besants und Rudolf Steiners Christuslehre sollte dort offen behandelt werden. Sogar Krishnamurti wurde in Begleitung von Annie Besant zum Kongress in Genua erwartet.
Der Kongress wurde allerdings kurz vor seinem Beginn abgesagt. Siehe hierzu auch die Schilderungen Rudolf Steiners auf der zehnten Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft im Dezember 1911 auf den folgenden Seiten 454 f. im vorliegenden Band.
In einem Artikel in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft» Nr. 14/1912 schildert Rudolf Steiner die Absage wie folgt: «Ich sage, dass ich mich nach der Absage an den General-Sekretär der italienischen Sektion [Otto Penzig]1 gewandt habe, um die Gründe zu erfahren der Absage. Der antwortet mir in einem Telegramm: dich habe auf strikte Ordre vom Präsidenten Mrs Besant und Sekretär Mr Wallace gehandelt; bitte sich dahin zu wenden.» - Dies der strenge, objektive Tatbestand. Mrs Besant verbreitet jetzt das Folgende: Ich hätte die ganze Sache falsch dargestellt, denn sie hätte niemals den Kongress abgesagt, sondern nur nach Genua gemeldet, dass sie dahin nicht komme. Dadurch bildet sich in weiten Kreisen der Theosophischen Gesellschaft die Meinung, ich hätte bei unserer Generalversammlung etwas Unrichtiges gesagt, während ich über meine Auffassung der Sache gar nichts gesagt habe, sondern nur meinen Mitgliedern den klaren Wortlaut des offiziellen Telegrammes des entsprechenden verantwortlichen General-Sckretärs mitgeteilt habe. Ich habe niemals gesagt, Mrs Besant habe den Kongress abgesagt, sondern stets nur, dass sie ihn nicht abgesagt haben könne, weil sie dazu kein Recht habe.»
Das Telegramm von Otto Penzig, datiert auf den 11. September 1911, ist erhalten geblieben (Archiv-Standort 97/IV). Es lautet: «habe auf stricte ordres von praesidentin besavit [besant] und wallace secretair der foederation gehandelt bitte sich an diese officiell zu wenden = penzig +.»
Penzig scheint - laut eigener Darstellung - mit diesem Telegramm Annie Besants vorangehende Absage zur Teilnahme am Kongress überdeutet zu haben. Siehe hierzu allerdings auch seine diesbezügliche Darstellung in seinem Brief vom 23. November 1912 an Rudolf Steiner, der in «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft» Nr. 15/1913, S. 5 wiedergegeben wurde. Hieraus geht eher hervor, dass zwar Annie Besant nachträglich geäußert habe, dass sie sich nie hätte erlauben wollen, den Kongress abzusagen, sondern allein ihre Teilnahme. In ihrem Bestätigungstelegramm aber auf die Nachfrage Penzigs, ob aus ihrer Absage auch die Sistierung des Kongresses zu folgen habe, schrieb sie «abandoning congress», was so viel wie «Kongress preisgeben» heißt. Ob damit gemeint war, dass Annie Besant ihre Teilnahme an dem Kongress oder den Kongress als Ganzes gemeint habe, muss offenbleiben.
Siehe auch Rudolf Steiners Brief an die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft vom 15. Januar 1913, in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft» Nr. 15/1913 (dieser Brief als auch das o.a. Zitat Rudolf Steiners aus den Mitteilung Nr. 14/1912 sind im Rahmen der Rudolf Steiner Gesamtausgabe abgedruckt in «Schriften zur Geschichte der Anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft 1902-1925», GA37).
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General-Sckretär der italienischen Sektion [Otto Penzig]: Einfügung durch den Herausgeber. ↩