The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — 10 December 1911, Berlin
45. Zehnte Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft
Bericht in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Hauptquartier Adyar), herausgegeben von Mathilde Scholl», Nr. 13/1912
Um 10¼ Uhr eröffnet der Generalsekretär der Deutschen Sektion, Herr Dr. Rudolf Steiner, die zehnte ordentliche Generalversammlung mit den Worten:
«Es obliegt mir zunächst, Sie alle im Sinne unserer theosophischen Bewegung und aus dem Geiste heraus, der uns zusammenführt, auf das Herzlichste zu begrüßen. Diese Versammlungen geben uns ja immer Gelegenheit, viele unserer Freunde gleichzeitig an einem Ort versammelt zu sehen. Und dasjenige, was für einen wirklichen Theosophen dabei das Wichtigste ist, ist zweifellos, sich vereint zu wissen mit vielen Freunden und Gesinnungsgenossen, also mit Menschen, welche im Sinne unserer Gegenwart mit befruchtenden Ideen über geistige Angelegenheiten das Herz erfüllt haben. Dass unsere Gedanken und Empfindungen Kräfte sind, die schon als einzelne Bedeutung haben innerhalb der Realität, das ist uns als Theosophen ja tief ins Herz geschrieben. Dass aber der Zusammenfluss einer größeren Anzahl solcher individuellen Kräfte noch etwas ganz anderes bedeutet, muss derjenige zugeben, welcher im Sinne einer Realität das spirituelle Leben ansieht. Derjenige ist erst im Beginne des Verständnisses des spirituellen Lebens, der da meint, dass alle Verbreitung der Theosophie lediglich davon abhänge, wie äußerlich auf dem physischen Plane, durch eine äußere Propaganda oder durch Worte die Mitmenschen überzeugt werden. Wer aber eingedrungen ist in die Bedeutung der spirituellen Erkenntnis, der weiß, dass die Kräfte, die unsichtbar in der Welt walten, die Kräfte der guten Gesinnung, die zusammenfließen aus echten theosophischen Herzen, auch in übersinnlicher Weise ergeben einen Strom, der einfließt in die Evolution der Menschheit. So werden wir immer mehr geneigt sein, eine äußere Versammlung von Theosophen anzusehen wie ein Symbolum für dasjenige, was zwischen den Herzen und von den Herzen aus spielt, und nicht in der äußeren Welt wahrgenommen werden kann. Darin spricht sich erst die Heiligkeit und Würde der theosophischen Weltanschauung aus, aber auch dasjenige, was diese theosophische Weltanschauung berechtigt, in einer ganz eigenartigen Weise als ein Element, das seine wahre Kraft im Übersinnlichen hat, in unsere Menschheitsevolution einzugreifen.
Dass wir neben dem ja überwiegenden Missverständnis unserer Auffassung, dem wir begegnen, auch einiges Verständnis in der Welt finden, das bezeugen gerade vielleicht die Fortschritte, die wir in diesem Jahr gemacht haben. Wir brauchen nur darauf hinzuweisen, dass wir unter steigendem Interesse unsere Aufführungen in München veranstalten konnten, dass unsere Bestrebungen in der Kunst, die wir in unseren Mysterien zum Ausdruck bringen, in der Aufeinanderfolge der letzten Jahre Erfolg gehabt haben. Wir konnten ja 1909 eine, 1910 zwei und 1911 sogar drei Aufführungen veranstalten. Es ist dies nur eines der Symptome, die für den wahren Fortschritt, nicht für einen bloß scheinbaren, innerhalb unserer Bewegung sprechen.
Als ein anderes Symptom darf angesehen werden, dass in Stuttgart bereits ein eigenes Heim unserer Weltanschauung gebaut worden ist. Wer ein wirkliches Verständnis für Theosophie hat, dem braucht nicht auseinandergesetzt zu werden, was es bedeutet, dass einmal die Bestrebungen der Theosophie so umgeben sein können von Raumesgrenzen, die selber aus dem theosophischen Gedanken herausgeboren sind. Nicht anstehe ich zu bekennen, dass ich die ganze Art und Weise, wie dieses theosophische Heim innerhalb Stuttgarts entstanden ist, fast mehr noch als das, was zuletzt - weil ja keine Wirklichkeit entspricht dem Ideal
herausgekommen ist, bedeutungsvoll finde. Es ist ein Bau entstanden im Verein mit einem verständnisvollen Baumeister, der wusste den theosophischen Gedanken die äußere Form zu geben. Mehr noch halte ich ein anderes für einen Prüfstein theosophischer Gesinnung unserer Kreise. Der Bau ist entstanden, ohne dass in der Außenwelt mit der Werbetrommel Propaganda getrieben worden ist. Es ist die ganze Angelegenheit unter Theosophen geblieben und ist auch heute noch, nachdem der Bau fertig ist, eine Sache unter Theosophen.
Solch eine Bestätigung unseres theosophischen Gedankens ist wohl die beste Begrüßung, die wir für unsere Seelen am heutigen Tage hier empfangen können; und in diesem Sinne, dass die theosophische Bewegung nicht verlieren möge dasjenige, was das Wichtigste ausmacht, dass sie nur da wirken mag, wo ihr diese Gesinnung entgegenschlägt und nicht, wo man mit der äußeren Werbetrommel wirken muss, in diesem Sinne lassen Sie diese Vereinigung durchflossen sein von unseren theosophischen Gedanken.
Damit sind wir, nachdem ich Sie auf das Herzlichste willkommen heiße, bei den geschäftlichen Teilen unserer Generalversammlung angekommen, und ich bitte Sie, diese recht geschäftlich zu behandeln.»
Erster [Tagesordnungspunkt]:
Feststellung des Stimmenverhältnisses der Delegierten der einzelnen Zweige.
Vorgenommen werden musste eine Klarstellung des Stimmrechtes der Mitglieder der Schweizer Zweige innerhalb der Deutschen Sektion.
Herr Dr. Steiner: «Dass wir in dieser Stunde mit vollem Recht den Schweizer Zweigen die Abstimmung in der Deutschen Sektion zuzugestehen haben, zu der sie de facto noch gehören, muss ich hier bemerken. Es ist eine Schweizerische Sektion gegründet worden. Diejenigen Schweizer Zweige, die der Deutschen Sektion angehörten, weigerten sich einzutreten in die Schweizer Sektion. So war die Alternative entstanden, entweder dass die Schweizer Zweige der Deutschen Sektion beitraten ‚oder sie traten aus der Gesellschaft aus. Es gelangte gestern ein Brief von der Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft in meine Hände, in dem zum Ausdruck gebracht wird, dass diesen Zweigen das Recht zustehe, einen neuen, selbstständigen Körper zu bilden. Bevor dieser gebildet ist, müssen nach allen bisherigen Gepflogenheiten der Theosophischen Gesellschaft die ehemaligen Schweizer Mitglieder der Deutschen Sektion noch zu dieser gezählt werden. Sie hingen sonst in der Luft, wenn wir ihnen nicht das Stimmrecht innerhalb der Deutschen Sektion zuerteilen würden.
Ich habe nun noch die Frage zu stellen, ob von Mitgliedern, die nicht irgendeinem Zweige angehören, Delegierte gewählt worden sind.»
Herr Krojanker bemerkt hierzu, dass die Sektionsmitglieder voneinander nichts wüssten. Darauf erwidert Herr Dr. Steiner, dass das Sache der Sektionsmitglieder selber sei, miteinander bekannt zu werden; das Recht, Delegierte zu wählen, stehe ihnen nach früheren Generalversammlungsbeschlüssen zu. Er machte den Vorschlag, ein Zentrum zu bilden, bei dem sich alle Sektionsmitglieder melden können. Damit wäre dann ein Anfang gemacht zum Zusammenschluss. Herr Krojanker erklärt sich bereit, Meldungen vonseiten der Sektionsmitglieder entgegenzunehmen, damit in Zukunft deren Zusammenschluss erfolgen und die Delegiertenwahl bewerkstelligt werden könne.
Hierauf wurde das Stimmenverhältnis festgestellt. Es ergeben sich als Vertreter der einzelnen Zweige und als Träger von deren Stimmen:




Zweiter [Tagesordnungspunkt]: Berichte des Generalsekretärs, des Sekretärs, des Kassierers, des Schriftführers und der Revisoren.
Herr Dr. Steiner: «Ich habe an dieser Stelle in den vorhergehenden Jahren einen sachlichen Bericht über die Arbeit innerhalb der Deutschen Sektion gegeben. Mit Rücksicht darauf aber, dass, nach dem, was durch den Vorstand vorausgesehen werden kann, allerlei langwierige Angelegenheiten an die Versammlung herantreten sollen, möge an dieser Stelle von der üblichen Ansprache abgesehen werden. Dagegen wird der geschäftliche Bericht gegeben werden.»
Es folgt der Bericht des Sekretärs, Fräulein von Sivers, über die Mitgliederbewegung:
Zahl der Mitglieder: 2318 gegen 1950 im Vorjahre
Neu eingetreten sind: 458
Ausgetreten oder nicht mehr
aufzufinden und deshalb gestrichen: 67
In andere Sektionen übergetreten: 3
Gestorben: 20
Neu gegründet wurden sechs Zweige:
Zweig Bochum, Zweig Graz, Zweig Heidenheim, Zweig Linz, Zweig Neuchätel, Zweig Tübingen.
Neu gebildet wurden zwei Zentren: Zentrum Hamburg und Zentrum New York.
Gesamtzahl der Zweige: 53, der Zentren: 5.
Herr Dr. Steiner: «Zu diesem Berichte ist etwas hinzuzufügen. Es handelt sich darum, zu gedenken unserer lieben Mitglieder, die in diesem Jahre von dem physischen Plane abgegangen sind.
Wir haben gerade in diesem Jahre eine größere Anzahl von Mitgli dern dadurch verloren, dass sie durch den Tod den physischen Plan verlassen haben. Es geziemt uns, in einer herzlichen Weise dieser Mitglieder zu gedenken.
Vor allen Dingen obliegt es mir zu gedenken eines alten Mitgliedes der Deutschen Sektion und des Kölner Zweiges, unseres lieben Fräulein Hippenmeyer, welches mit einer immer sich steigernden Wärme für unsere theosophischen Gedanken eine außerordentlich große Regsamkeit verband für die weitesten Weltinteressen. Diejenigen, die sie näher gekannt, waren ebenso hingezogen durch ihr schönes, gutes, theosophisches Herz wie durch ihre Weltinteressen. Fräulein Hippenmeyer ging diesen Interessen nach nicht in philisterhafter Weise, sondern unternahm in groRem Umfange Reisen, die Weltreisen genannt werden können. Wenn man bedenkt nur die äußeren, rein technischen Schwierigkeiten dieser Reisen für eine einzeln reisende Dame, und Fräulein Hippenmeyer war noch dazu eine schwächliche Dame, dann ist das etwas, wofür man viel Bewunderung haben kann. Für unsere theosophische Sache war sie in äußerst sympathischer Weise rührig, und es war all denen, die sie gekannt hatten, schmerzlich, zu hören, dass sie auf einer ihrer großen Reisen in Java den physischen Plan verlassen hat.
Weiter habe ich zu gedenken eines außerordentlich rührigen Mitarbeiters, der ebenfalls der Loge Köln angehörte, unseres lieben Freundes Ludwig Lindemann. Es steht noch vor mir der Eindruck, den ich hatte, als ich Ludwig Lindemann zum ersten Male sah, der mir tief lebendig seine Tendenzen darstellte. Er ist seitdem von Tag zu Tag gewachsen, trotzdem das stärkste Hindernis für ihn vorhanden war, nämlich eine schwere Krankheit. Er hat trotzdem keinen anderen Gedanken gehabt, als seine ganze Existenz einzusetzen für die Verbreitung des theosophischen Gedankens. Und als er seiner Gesundheit wegen nach Italien gehen musste, hat er dort für die Pflege des theosophischen Gedankens gewirkt. Er hat dort die kleinen Zentren, die wir haben, Mailand, Palermo begründet. Er hat es verstanden, an diesen Orten das intensivste und herzlichste theosophische Leben zu begründen. Ludwig Lindemann war von allen, die ihn kannten, mit jener Liebe geliebt, die aus der Selbstverständlichkeit des spirituellen Zusammenhanges mit einem Menschen ersprießen kann. Lindemann folgte seinen großen theosophischen Interessen intensiv, und ich konnte schen, als ich ihn in den letzten Wochen vor seinem Tode besuchte, wie aus dem verfallenden Leibe herausdrang ein tiefer, herzlicher, theosophischer Enthusiasmus. So war es mir eine tiefe Befriedigung zu sehen, wie unsere Mailänder Freunde innig sich verbunden fühlten mit unserem lieben Freunde Lindemann. Als ich in Mailand war, zeigte man mir das Zimmer, das für Lindemann bereitet war, in dem er hätte leben können, wenn er noch einmal hätte nach Italien kommen können. Ich war ja damals des festen Glaubens, dass er hätte noch einige Jahre wirken können, wenn es möglich gewesen wäre, dass er noch einmal nach Italien hätte kommen können; es war alles dort für ihn vorbereitet; Karma wollte es anders. Wir aber sehen ihm nach, wie Theosophen demjenigen nachsehen, der den Schauplatz seines Lebens und Wirkens in der physischen Welt in unserem Sinne verlassen hat, indem wir uns ebenso treu und herzlich mit ihm verbunden fühlen, wie wir es getan haben, als er noch unter uns auf dem physischen Plane weilte.
Einer dritten Persönlichkeit habe ich zu gedenken, die vielleicht für viele unerwartet schnell den physischen Plan verlassen hat; es ist unser liebes Sektionsmitglied Doktor Max Asch. In seinem viel bewegten Leben hatte er mancherlei zu überstehen, was es einem Menschen schwer machen kann, einer rein geistigen Bewegung nahezutreten. Er hat aber zuletzt den Weg so zu uns gefunden, dass er, der Arzt, das beste Heilmittel für seine Leiden in der Pflege theosophischer Lektüre und Gedanken gefunden hat. Wiederholt hat er mir versichert, dass dem Arzte kein anderer Glaube in der Seele ersprießen könne an irgendein anderes Heilmittel als dasjenige, was spirituell aus theosophischen Büchern kommen kann, dass er die theosophische Lehre wie Balsam in seinen schmerzdurchwühlten Körper strömen fühlte. Wirklich bis in seine Todesstunde pflegte er in diesem Sinne Theosophie. Und es war mir eine schwere Entsagung, als, nachdem dieser unser Freund dahingeschieden war, und mir seine Tochter schrieb, ich möchte einige Worte an seinem Grabe sprechen, ich diesen Wunsch nicht erfüllen konnte, da an diesem Tag mein Vortragszyklus in Prag seinen Anfang nahm, und es mir deshalb eine Unmöglichkeit war, dem theosophischen Freunde diesen letzten Dienst auf dem physischen Plane zu erweisen. Dass ihm die Worte, die ich hätte an seinem Grabe sprechen sollen, als Gedanken nachgesandt worden sind in diejenige Welt, die er damals betreten hatte, dessen können Sie versichert sein.
Ferner habe ich zu gedenken eines Berliner Freundes, Mitglied unseres Besant-Zweiges, der sich zuletzt nach mancherlei Bestrebungen wie in einem Hafen fand in unserer Bewegung. Es ist unser lieber Freund Ernst Pitschner, welcher seit langer Zeit mit den Keimen des Verfalles behaftet unter uns weilte und bis zu seinem Tode in der intensivsten Weise mit uns vereint bei der theosophischen Arbeit war. Es war ein eigentümliches Karma, dass nach wenigen Wochen ihm seine Gattin in die übersinnlichen Welten nachfolgte.
Ferner habe ich zu gedenken unseres lieben Mitgliedes Christian Dieterle aus Stuttgart. Er hat sich schwer, aber außerordentlich strebsam in das theosophische Leben hineingefunden und war in den letzten Monaten ein in der intensivsten Weise theosophisch denkender Mann.
Dann wollen wir gedenken eines älteren Theosophen, der dem Mühlhausener Zweige entrissen worden ist, Josef Kellers. Es ist das einer der Fälle, wo man, trotzdem man im Leben nur einmal lebendig vor sich gestellt hat einen Menschen, in ihm eine tiefe Geistes- und Herzensverfassung sogleich anerkennen muss. Keller hat namentlich in seinen letzten Monaten, zu den herzlich überzeugten Theosophen gehört und alle, die ihn kannten, werden ihm ein treues, liebevolles Andenken bewahren.
Weiter habe ich zu gedenken eines Mannes, der in schwerer Krankheit ans Bett gefesselt noch durch die Vermittlung einer uns teuren Persönlichkeit mit der Theosophie bekannt gemacht worden ist, Karl Gesterdings.
Ich habe zu gedenken unseres lieben Freundes Edmund [Reebstein], der uns in verhältnismäßig jungen Jahren nach kurzer Krankheit entrissen worden ist, und den diejenigen, die ihm nähergetreten sind, außerordentlich schätzen gelernt haben.
Ein ganz Gleiches habe ich zu sagen von Frau Major Göring, die viele Jahre innerhalb unseres Zweiges mitgearbeitet hat.
Es ist die Liste unserer Verstorbenen diesmal eine so große, dass alles das, was ich sagen möchte, zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde.
Noch habe ich zu gedenken unserer Mitglieder Erwin Baumberger aus Zürich, Georg Stephan aus Breslau, Frau Fanny Russenberger aus St. Gallen, Johannes [Radmann] aus Leipzig, Karl Schwarze aus Leipzig, Wilhelm Eckle aus Karlsruhe, Georg Hamann aus Hannover, Wilhelmine Mössner aus Stuttgart I, Walter Krug aus Köln, Frau Silbermann aus Heidelberg, Frau [Liendl] aus München I.
Ich betrachte es heute noch besonders als meine Pflicht, an dieser Stelle zu gedenken des Abgangs vom physischen Plan einer Persönlichkeit, die viel bekannt in allen theosophischen Kreisen war, die durch einen schmerzlichen Tod uns entrissen worden ist, die viel gewirkt hat, deren wir ebenso in Liebe gedenken wie der anderen, ich meine Frau Helene von Schewitsch. Sie kennen ihre Bücher, ich brauche sie nicht näher zu charakterisieren. Ich muss betonen, dass die Verhältnisse so lagen, dass ich ihrer Aufforderung immer Folge geleistet habe, wenn sie mich bat, bei meinem Münchener Aufenthalt, auch in ihrem Kreise einen Vortrag zu halten. Nur andeuten möchte ich, dass für mich selber dieses ganze Leben sich als etwas tief Tragisches darstellt; und ich darf wohl sagen, dass mir Frau von Schewitsch außerordentlich vertrauensvoll entgegengekommen ist, und dass ich berechtigt bin zu sagen: Dieses Leben hatte eine tiefe Tragik. Es war mir auch vergönnt, hineinzuschauen in dieses Herz; und dasjenige, was ich tragisch nenne, fassen Sie bitte so auf, dass mit dem Tragischen dasjenige gemeint sein soll, was die meisten von Ihnen aus meinen Vorträgen heraus unter «Tragik> verstehen werden.
Wir erfüllen eine Pflicht der Herzlichkeit, äußerlich zum Ausdruck zu bringen, wie wir gedanklich verbunden sind mit den Toten, indem wir uns von unseren Sitzen erheben.»
Bericht des Kassierers:
Bei diesem Berichte weist der Kassierer - Herr Seiler - darauf hin, dass es außerordentlich schwierig sei, den Kassenbericht rechtzeitig fertigzustellen, da vonseiten der Zweige die Abrechnungen sehr unpünktlich eingesandt würden, oft erst wenige Tage vor der Generalversammlung. Es bestände eine große Unordnung und Ungenauigkeit auch im Ausfüllen der vorgedruckten Formulare, sodass dem Kassierer die größten Schwierigkeiten erwüchsen, besonders daraus, dass viele Berichte nicht rechtzeitig eingingen. Kassenbericht Jahresabschluss 1910/11:

Herr Dr. Steiner: «Sie haben eben gehört, wie schwierig es wird, was allerdings wünschenswert wäre, zur rechten Zeit, das Rechte zu machen. Was nützt es aber, wenn es auch wünschenswert ist, am 31. August die Kasse abzuschließen und 14 Tage vor der Generalversammlung den einzelnen Zweigen den Bericht zuzusenden, da wir doch überhaupt von den Zweigen die Unterlagen, die wir dazu brauchen, erst wenige Tage vor der Generalversammlung bekommen. Es scheint mir - das ist meine persönliche Meinung -, dass in der Theosophischen Gesellschaft auch herrschen sollte eine theosophische Billigkeit, die darin bestehen sollte, dass, wenn eine Sache nicht ausgeführt wird, man frage, woran liegt das denn eigentlich? Es könnte ja gesagt werden: Das Generalsekretariat habe die Pflicht, die Logen dazu anzuhalten; aber was nützt das, wenn die Logen es doch nicht tun. Wir werden auch wenig verlieren, wenn wir nicht in der Lage sind, auf den Buchstaben zu schwören.
Es muss schon einmal die Gesellschaft selber einen Einblick bekommen in die Art und Weise, wie diese Billigkeit aufgefasst wird.
Ich bin verpflichtet, an dieser Stelle einen Brief vorzulesen, und ich bitte Sie denselben ganz sachlich zu beurteilen. Ich bin deshalb genötigt, den Brief vorzulesen, weil es ausdrücklich verlangt wird; ich möchte Sie aber bitten, sich ein ganz unbefangenes Urteil zu bilden und mit der Diskussion über diesen Brief zu warten, bis wir bei dem dritten Punkt stehen: Anträge aus dem Plenum. Es liegt im Interesse der Versammlung, auch andere Punkte, wie die Dechargen-Erteilung für den Gesamtvorstand erst anzusetzen bei dem dritten Punkte. Daher bitte ich Sie zunächst einmal die Verlesung dieses Briefes anzuhören. Ich bringe zur Abstimmung, ob es Ihnen genchm ist, mit der Diskussion zu warten bis zum dritten Punkt.»
Die Abstimmung ergibt die Zustimmung der Versammlung.
Hierauf verliest Herr Dr. Steiner die folgenden Briefe:
Leipzig, den 8. Dezember 1911 An die Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft (Deutsche Sektion) Berlin. Der $ 11 der Satzungen sagt: Das Rechnungsjahr der Sektion endigt mit dem 31. August. Eine vom Schatzmeister aufgestellte und von den Revisoren geprüfte Jahres-Abrechnung soll jedem Zweige 14 Tage vor der jährlichen Generalversammlung durch den Generalsekretär zugestellt werden. Es steht fest, dass der Generalsekretär diese Pflicht seit Jahren nicht erfüllt hat. Ich bat ihn daher, am 5. November in einer Mitgliederversammlung des Leipziger Zweiges, er möge dafür sorgen, dass wenigstens in der Generalversammlung den Delegierten die Jahresabrechnung vorliege. Er lehnte meine bescheidene Bitte aus nichtigen Gründen ab. Ich stellte nun am 27. November in der Leipziger Mitgliederversammlung einen ähnlichen Antrag, der aber auch abgelehnt wurde. Aus diesem Grunde sehe ich mich leider gezwungen, an die Generalversammlung selbst mit der Bitte heranzutreten, folgenden Antrag bei Punkt 2 der Tagesordnung (Bericht des Generalsckretärs) zum Beschluss zu erheben: Antrag: Der Generalsekretär der Theosoph[ischen] Gesellschaft Herr Dr. Steiner wird aufgefordert: 1) für die Zukunft die Satzungen der Deutschen Sektion pflichtgemäß peinlichst zu erfüllen und gemäß S 9 und S 11 jedem Zweige 14 Tage vor der Generalversammlung die Jahresabrechnung zur Durchsicht und zur Prüfung zuzustellen und 2) für dieses Mal wegen seiner Pflichtverletzung in aller Form protokollarisch um Indemnität zu bitten. Sollte auch die Generalversammlung wider Erwarten die Verfassung und die Satzung, das heißt Recht und Gerechtigkeit ignorieren und meinen ‚Antrag oder eine sinngemäße Abänderung desselben ablehnen, so werde ich erwägen, ob ich nicht die Aufsichtsbehörde, das heißt das Königliche ‚Amtsgericht in Berlin, anrufe, um der Satzung zu ihrem Rechte zu verhelfen und also sämtliche Beschlüsse der Generalversammlung für ungesetzlich erklären zu lassen. Die unausbleibliche Folge wäre eine neue Generalversammlung, die alsdann satzungsgemäß nach $ 11 einberufen werden müsste. Dr. M. Haedicke prakt. Arzt in Leipzig. Leipzig, den 8. Dezember 191[1]; Burgstraße 2 An den Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft Herrn Dr. Steiner in Berlin. Sehr geehrter Herr Doktor! Jedes Mitglied der Theos[ophischen] Gesellschaft hat satzungsgemäß bei der Generalversammlung eine beratende (aber keine beschließende) Stimme. Daher bitte ich Sie in Ihrer Eigenschaft als Generalsekretär und ausübender Beamter des Vorstandes, den beiliegenden Brief an die Generalversammlung bei Punkt 2 der Tagesordnung (Bericht des Generalsekretärs) zur Verlesung zu bringen oder vom Schriftführer vorlesen zu lassen. In Verwaltungssachen hört sogar bei uns Sachsen die Gemütlichkeit und Schlamperei auf. Gleichzeitig möchte ich Sie daran erinnern, dass ich hier in der Versammlung für die Toleranz sprach und unter anderem auch sagte, dass die katholische Kirche gegen Rechtsbrecher tolerant sei und sie nicht ausstoBe. Sie bestritten das. Ich schwieg, weil Sie als Katholik das doch besser wussten oder hätten wissen müssen. Und doch haben Sie sich geirrt. Die katholische Kirche exkommuniziert die Rechtsbrecher, das heißt Mörder und Diebe nicht! Natürlich werden Antimodernisten und andere ft f exkommuniziert, denn Glaubens- und Gewissensfreiheit gibt es ja nicht, sondern nur Gehorsam gegen die Kirche. Wie fortschrittlich und freiheitsatmend und brüderlich versöhnend nimmt sich dagegen unser § 2 und 3 der Verfassung aus: kein Unterschied des Glaubens und der Rasse, kein «Glauben an, irgendein Dogma». Sehr geehrter Herr Doktor! Sie haben diese Verfassung mit Ihrer Namensunterschrift unterzeichnet und müssen daher als Mann von Ehre entweder die Verfassung hoch und heilig halten oder diese Verfassung abändern lassen oder aber Ihr Amt niederlegen. Da Sie nun hier öffentlich von «theosophischen Dogmen» geredet haben, so bitte ich Sie zu widerrufen oder eine der drei obigen Konsequenzen zu ziehen. Denn es leuchtet ein ohne Weiteres: 1) dass die theosophische Gesellschaft gar kein Dogma hat und eine solche Behauptung daher ein offenbarer Widerspruch gegen § 3 der Verfassung ist und 2) dass Ihre Behauptung eines ‹theosophischen Dogmas› eine contradictio in adjecto ist wie zum Beispiel ‹dunkle Sonne› oder ‹toleranter Jesuit›. Bitte erklären Sie also bei Gelegenheit, dass die theosophische Gesellschaft kein Dogma hat und auch logischerweise niemals eins haben kann, ebenso wie Theosophie nicht Geisteswissenschaft ist, sondern nach Blavatsky «die Weisheit derjenigen, die göttlich sind». Mit theosophischem Gruße! gez. Dr. M. Haedicke.
Die Verschiebung der Dechargenerteilung wird durch Abstimmung von der Versammlung angenommen.
Herr Dr. Steiner stellt die Frage, ob zu dem Kassenbericht jemand etwas zu sagen habe.
Herr Pastor Wendt: «Wo kommen die 789 Mark 75 Pfennig Kongressabgaben hin? Und weshalb wurde der Kongress noch in letzter Stunde abgesagt, als die meisten schon nach Italien unterwegs waren?» Herr Dr. Steiner: «Da ich auf diese Weise interpelliert bin, muss ich auf diese Frage antworten. Ich werde es tun, so gut es möglich ist. Ich muss aber da etwas zurückgreifen auf diejenigen Vorgänge, die zu solchen Kongressen geführt haben.
Im Jahre 1904 ist der Beschluss gefasst worden, diese Kongresse der damals begründeten Föderation der europäischen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft abzuhalten. Dazumal wurde der Beschluss gefasst, jedes Jahr einen solchen Kongress zu halten. Es wurde die Art festgelegt, wie diese Kongresse vorzubereiten sind, und wie die Sektionsleitungen des Landes, in welchem sie abgehalten werden sollten, sich an der Veranstaltung zu beteiligen haben. Es wurde auch festgesetzt, dass ein bestimmter Betrag, ich glaube pro Kopf 50 Pfennig, von jeder Sektion dazu eingesandt werden sollte.
Nun komme ich zu einem mir wichtig erscheinenden Punkte, das ist, dass in Paris - gelegentlich des Kongresses 1906 - nicht nur der Beschluss gefasst worden ist, einen Kongress nur alle zwei Jahre abzuhalten, sondern dass auch gleichzeitig eine andere Sache verhandelt wurde. Es wurde nämlich darüber verhandelt - und ich bitte dies insbesondere zu berücksichtigen -, ob man nicht ein bitteres Gefühl hervorrufen könne durch die Begründung eines europäischen Kongresses bei unserem damals noch lebenden Präsidenten Olcott. Es war allen Beteiligten damals eine Herzensfrage, die auftauchte durch einen Mann, der Olcott besonders nahestand, durch den Kommandanten Courmes, die Frage, ob es Olcott nicht schmerzlich sein könnte, wenn eine besondere Körperschaft der europäischen Sektionen begründet würde, in der Olcott nichts zu sagen habe. Es war einem jeden klar, dass die Föderation in diesem Sinne begründet wurde, dass der Präsident nichts hineinzureden habe. Es war uns außerordentlich schwer, demgegenüber einen solchen Beschluss zu fassen; er musste aber gefasst werden, und er zeigte klar, dass hineinzureden habe nur die Föderation der Sektionen selber und nicht der Präsident der Gesellschaft; und soviel mir bekannt ist, hat Olcott diesen Beschluss niemals schmerzlich empfunden. Dieser Beschluss hat dazu geführt, dass die äußeren Veranstaltungen von der Sektion des betreffenden Landes übernommen wurden, das zu diesem Kongress in dem einzelnen Falle ausersehen war. Nun war für dieses Jahr Genua ausersehen. Mit intensivster Hingabe haben sich unsere Freunde bemüht, diesen Kongress vorzubereiten und abzuhalten. Natürlich waren dazu Gelder notwendig, und da diese Gelder in der Regel acht Tage vor dem Kongress ausgegeben sind, so haben wir kein Recht, über jene Gelder - die pflichtgemäß abgeführt sind - in irgendeinem Sinne hier weiter zu sprechen.
Es traten vorher noch gewisse Schwierigkeiten ein, die Cholera. Ich habe mich nicht auf dasjenige verlassen, was bekannt wurde durch die Zeitungen und so weiter, sondern vor allem vertraut auf die Mitteilungen unseres Freundes, Professor Penzigs, der mir wiederholt versicherte, dass es gar nicht möglich sei in Genua von einer Epidemie zu sprechen. Ich konnte deshalb mit bestem Gewissen in München die Zahl der deutschen Teilnehmer ungefähr feststellen und sie Professor Penzig angeben.
Ich war genötigt, nach dem Münchener Zyklus einige Tage zu verreisen und kam in München wieder an am 10. September, um nun meine Vorbereitungen für Genua zu treffen. Da fand ich einen Brief von Professor Penzig, der mir darin seine Freude ausdrückte, so viele unserer Mitglieder in Genua begrüßen zu können und mir ein letztes Mal versicherte, dass weder irgendwelche Krankheitsgefahr, noch QuarantäneSchwierigkeiten sich ergeben könnten. Am Abend des 10. September bekam ich ein Telegramm: Kongress findet nicht statt, bitte Mitglieder zu [benachrichtigen]. - Nun mussten die verschiedenen Adressen gesucht werden, und das war natürlich sehr schwer; wir fanden etwa sieben oder acht nicht, und es tut mir leid, Herr Pastor, dass Sie gerade darunter waren.
Es oblag mir aber, damals auch die Gründe zu erfahren, warum der Kongress nicht stattfände. Ich telegrafierte daher - nachdem, ich Sonntag abends den 10. September das Telegramm empfangen hatte - am Morgen des folgenden Tages ungefähr: Da die Absage im höchsten Maße befremden muss, bitte um Angabe der Gründe. - Am Abend erhielt ich die Antwort: Habe auf strikte Ordre der Präsidentin und des Sekretärs des Kongresses gehandelt, bitte sich an diese zu wenden.
Die Sektion als solche ist natürlich berechtigt, den Kongress abzusagen, und wir mussten uns danach richten. Würde ich eine Absage von London oder woanders herbekommen haben, so würde ich trotzdem nach Genua gereist sein, so aber war die Absage rechtskräftig, wenn auch unverständlich. Ich habe aber nicht über Berechtigungen zu sprechen, sondern über Tatsachen. Dies hat sich zugetragen, und Sie werden daraus ersehen, dass wir unmöglich einen Einwand erheben konnten gegen die Einsendung unserer Kongressgelder, die verwendet worden sind, und gegen deren Verwendung wir nicht das Geringste einzuwenden haben können.»
Bericht der Kassenrevisoren:
Herr Tessmar als Kassenrevisor führte aus, dass die Bücher durch ihn und Fräulein Motzkus ordnungsmäßig geprüft und richtig befunden worden sind, und kommt nochmals zu sprechen auf die von den Zweigen nicht rechtzeitig eingesandten Berichte.
Dritter [Tagesordnungspunkt]: Anträge aus dem Plenum:
Herr Dr. Steiner: «Es liegt ein Antrag vor in einer zweifachen Gestalt. Ein Antrag in Sachen Doktor Hugo Vollrath. Die eine Gestalt des Antrages lautet»:
Antrag:
Die unterzeichneten Mitglieder der «Deutschen Sektion der a) Die Generalversammlung wolle beschließen, die Vorgänge, die auf der Generalversammlung vom 26. Oktober 1908 zum Ausschluss des Herrn Dr. Hugo Vollrach in Leipzig führten, erneut zu prüfen und zu diesem Zwecke eine Kommission von sieben Mitgliedern zu wählen. b) Die gewählte Kommission soll spätestens sechs Wochen nach der diesjährigen Generalversammlung ihre Tätigkeit beginnen und das Resultat ihrer Prüfungen dem Generalsekretär der «Deutschen Sektion» übermitteln. c) In die gewählte Kommission sind keine Mitglieder aufzunehmen, die, ohne die Sachlage genau zu kennen, seinerzeit für den Ausschluss gestimmt haben. d) Die gewählte Kommission hat darüber zu entscheiden, ob der am 26. Oktober 1908 gefasste Beschluss aufrechtzuerhalten oder zu annullieren ist. Weißer Hirsch, den 6. Dezember 1911, gez. H. Ahner Vorsitzender der Loge zum Gral in Dresden. Paul Krojanker, M.d.D.S. Antrag: Die unterzeichneten Mitglieder der Deutschen Scktion der b) Die gewählte Kommission soll spätestens sechs Wochen nach der diesjährigen Generalversammlung ihre Tätigkeit beginnen und das Resultat ihrer Prüfungen dem Generalsekretär der «Deutschen Sektion» übermitteln. ©) Als Mitglieder der Kommission können nur solche gewählt werden, die bei der Ausschlusskonferenz des Vorstandes nicht mitgestimmt haben. d) Die gewählte Kommission hat darüber zu entscheiden, ob der am 26. Oktober 1908 gefasste Beschluss aufrechterhalten oder zu annullieren ist. gez. Curt Richard Müller [Rudolf Steiner:] «Zu diesen Anträgen ist es nötig, der Generalversammlung vorzulegen eine Druckschrift, welche in der gleichen Angelegenheit Herr Doktor Hugo Vollrath verfasst hat. Herr Doktor Vollrath hat vor einiger Zeit an die Mitglieder diese Druckschrift gesandt, in welcher er zuerst abdruckt dasjenige, was ich in der Generalversammlung 1908 im Auftrage des Vorstandes über die in Betracht kommende Angelegenheit zu sagen hatte, gewissermaßen als Sprachrohr des Vorstandes; und dazu fügt Doktor Vollrath noch besondere Ausführungen. Der Vorstand hat nun beschlossen - damit in keiner Weise gesagt werden kann, dass wir den Mitgliedern etwas vorenthalten -, diese Ausführungen Doktor Vollraths verlesen zu lassen.» Herr Selling verliest die Ausführungen Doktor Vollraths, welche folgenden Inhalt haben: An den Vorstand und an die Mitglieder der Deutschen Scktion der Theosophischen Gesellschaft: Auf der VII. General-Versammlung der Sektion wurde auf Antrag der Leipziger Loge, vertreten durch Frau Wolfram, der Beschluss verkündet, dass der Unterzeichncte aus der Sektion ausgeschlossen sei. Damals habe ich diesem Beschluss keinen großen Wert beigemessen, da ich den Zweck dieser Veranstaltung erkannte, und da ich in meiner Arbeit für die Theosophische Gesellschaft nicht direkt gehindert wurde. Gestützt auf das gute Gesetz von Karma, erblickte ich darin eine Prüfung, die mich über die ethische Auffassung der Theosophischen Gesellschaft seitens der Sektion orientierte, und die mich für noch schwerere Aufgaben vorbereiten sollte. Meiner nächsten Umgebung war es ja bekannt, dass ich seit 1902 meine Ehre und meinen Ruf sowie mein Vermögen und meine Arbeit als Opfer in den Dienst der Meister, den Gründern der Theosophischen Gesellschaft gestellt hatte. Wie es sich aber herausstellte, war mein Ausschluss die Quelle einer unabsehbaren Flut von Gehäßigkeiten schlimmster Art. Die harmlosen freundschaftlichen Beziehungen, die ich zu vielen Mitgliedern hatte, wurden sofort in verletzender Weise abgebrochen, und man glaubte, jetzt die Pflicht zu haben, sobald mein Name auftauchte, ihn zu beschimpfen. Da nun in letzter Zeit von Frau Wolfram als Grund meines Ausschlusses ganz neue, damals nicht mögliche Gründe angegeben werden, und da die Hetzereien sich vermehren, sogar gegen meine neu eingetretenen Mitarbeiter, die man außerdem systematisch gegen mich bearbeitet, so würde ich sicher jetzt durch Unterlassung ein großes karmisches Verschulden auf meine Arbeit laden, wenn ich noch weiter schweigen würde. Nach dem Protokolle hat man mich ausgeschlossen, weil die Leipziger Loge sich die Gurgel zugeschnürt fühlte. Aber, nachdem nun die Gurgel wieder freigeworden war, ließ man mich erst recht nicht in Ruhe arbeiten, und hetzte gegen meine Mitarbeiter weiter, schlimmer als vorher. Ich stellte deshalb den Antrag an den Vorstand der Sektion und an das General-Sekretariat: 1. den Antrag der Frau Wolfram wegen meines Ausschlusses in würdiger Weise fallen zu lassen, 2. ein Ehrengericht zu wählen, das über bestehende Missverständnisse und Gerüchte zu entscheiden und aufzuklären hat. Meine Begründung von Punkt 1 ist: Frau Wolfram hat ihren Antrag = entgegen den Bestimmungen der Satzungen der Sektion - erst kurz vor Beginn der VII Generalversammlung eingebracht, anstatt mindestens 14 Tage vorher; die in Berlin anwesenden Delegierten und Vorstandsmitglieder wurden überrascht. Sie hatten keine Zeit, die Anschuldigungen der Frau Wolfram zu prüfen. Gerade bei so schwerwiegenden Entscheidungen, wo an den Grundlagen der Theosophischen Gesellschaft gerüttelt wird, sollten die Mitglieder, mindestens aber die Vorsitzenden befragt werden. Im Vereinsleben ist es ferner unkorrekt, wenn man ein Mitglied angreift, ohne dass man ihm Gelegenheit gibt, sich gegen die geheimen Attacken zu verteidigen. Ich fordere das Recht zu meiner Verteidigung. Unter Verteidigung verstehe ich nicht Rechtfertigung, sondern eine Gelegenheit, Beweismaterial gegen die Angriffe vorlegen zu können, damit vermieden wird, der Mitwelt falsche Darstellungen von Tatsachen zu geben, wodurch die Theosophische Gesellschaft als solche karmisch belastet wird. Meine Begründung von Punkt 2 ist: Das Ehrengericht hat den Ausgleich herzustellen zwischen auftretenden Spannungen innerhalb der Deutschen Sektion. Wird diese naturgemäße Instanz übergangen, so siegt die Brutalität und die Gesetzlosigkeit. Willkür aber ist keine Freiheit! Von den Arrangeuren meines Ausschlusses ist behauptet worden, ich brauche durchaus die Deutsche Sektion, deshalb versuche ich, wieder hineinzukommen. Wer etwa im Banne dieser Phrase steht, der betrachte meine Arbeit nach der Zeit meines Ausschlusses als Leiter des Direktoriums des Bundes für Gesundes Leben und des Direktoriums der Deutschen Gesellschaft für psychische Forschung, als Herausgeber guter theosophischer Literatur und als Redakteur der «Theosophie» und als Herausgeber vier anderer ethischer Zeitschriften, Unternehmen, die sämtlich im Dienste des erhabenen Kulturgedankens der Theosophischen Gesellschaft stehen. Wenn Frau Annie Besant mich als Sekretär des «Bundes des Sternes im Osten» ernannt hat, so betrachte ich das nicht als mein Verdienst, sondern als ein Vertrauen, das mir von ehrlichen großen Menschen entgegengebracht wird, von Menschen, die, frei von Furcht, den Mut haben, auf Realpolitik zu verzichten und dem Prinzip treu zu bleiben, denn nur auf diese Weise sind sie würdig und geeignet, die große Erlösungsbotschaft der Weißen Loge in ihren Händen zu halten und sie dem Zeitgeiste zu verkündigen. Zu den gröbsten Anschuldigungen und Verleumdungen soll nur ganz kurz heute schon Stellung genommen werden. Ich bitte deshalb, genau das Protokoll durchzulesen, da ich dessen Kenntnis voraussetzen muss. Dr. Steiner und Fräulein von Sivers hatten schlimme Erfahrungen gemacht mit der Sezession der Theosophischen Gesellschaft, der sogenannten Internationalen Theosophfophischen Verbrüderung (L.T.V.) ebenso mit der Theosophischen Gesellschaft von Paul Raatz in Berlin. Ich stand nun zu diesen Vereinen weder geschäftlich noch als Mitarbeiter in irgendwelchen Beziehungen. Dr. Steiner hatte davon genaue Kenntnis. Er wusste, dass ich von Wilhelmstraße 120, Sitz des Vereines von Paul Raatz, übergesiedelt war nach Motzstraße 17, weil ich mit den Grundsätzen der Gesellschaft, die eine Oppositionsstellung einnimmt, nicht einverstanden war. Das geschah, noch ehe ich sein Schüler wurde. Ich war wöchentlich oft drei bis vier Mal mit Dr. Steiner zusammen. Sobald mich Dr. Steiner irgendwo sah, erkundigte er sich nach meinem Verhältnis mit seinen Antipoden in Leipzig, den Vertretern der I.T.V. Als ich ihm auf Drängen, gegen diese Leute vorzugehen, sagte, dass ich mich durch gewisse freundschaftliche Beziehungen verpflichtet fühle, die Leute ruhig arbeiten zu lassen, und dass ich in solchen wichtigen Fragen den Lauf der Dinge dem Gesetz von Karma überließe, da antwortete Dr. Steiner darauf: «Ich solle bedenken, dass es sich hier doch um Geld, um bares Geld handele. Karma seien wir, es könne nicht wirken, wenn wir nicht wollten. Es ginge doch nicht, dass ich mich zwischen zwei Stühle setze.» Ich sagte ihm, dass ich auf eigenen Füßen stehe, und dass es mir daran liege, mich nicht irgendwo hinzusetzen, sondern für unsere Sache zu arbeiten. Ich ließ mich aber durch die Einwendungen Dr. Steiners beeinflussen, da ich glaubte, dass ohne ihn das Arbeiten für die Theosophische Gesellschaft mir sehr erschwert würde. Er wusste ferner, dass ich erst auf seine und Frau Wolframs Veranlassung, die beiden waren genau orientiert, mein Kapital von der Theosophischen Zentralbuchhandlung der I.T.V. in Leipzig zurückforderte, durch das damals diese Buchhandlung erhalten wurde, und wodurch ein indirekter Zusammenbruch herbeigeführt wurde, der auch bald eintrat. Erst dadurch waren die Prozesse möglich, die man mir kurz darauf zum Vorwurf machte. In diesen Prozessen ist mein Gegner stets verurteilt worden. Mein Gegner wurde fünf Mal zu Gefängnisstrafen verurteilt. Ich erhielt nie eine Strafe. Dr. Steiner verfasste mit eigener Hand einen Teil meiner ersten gerichtlichen Eingabe; erst dann, als seine Gegner ihm den Vorwurf machten, er, Dr. Steiner, wolle sich durch mich in Besitz jener Buchhandlung bringen, da zog er sich von mir zurück, und er verstand mich plötzlich nicht mehr, wie er sagte. Frau Wolfram hat sich immer über mein damaliges scheinbar passives Verhalten den Arbeiten der Theosophischen Gesellschaft gegenüber aufgeregt und mir gelegentlich Ämter und Posten angeboten. $o wollte sie mich zum Vorsitzenden der Leipziger Loge machen, als Herr Bresch ausschied, und ehe Herr Jahn dann das Amt übernahm. Da ich damals am selben Abend mit Dr. Steiner nach Berlin zurückfuhr, so musste ich die Verhandlung wegen des Amtes des Vorsitzenden aufgeben. Dr. Steiner habe ich mich niemals aufgedrängt zur Mitarbeit. Ich habe ihm gegenüber beständig betont, dass ich für die Theosophische Gesellschaft lebe und sterbe, dass die Interessen der Theosophischen Gesellschaft die meinigen seien, und dass, wenn der Meister mich irgendwo einrangieren kann, er schon Mittel und Wege finden werde. Mein einziger Vortragsabend in der Motzstraße 17 geschah auf Antrag des Fräulein Sivers, die mich öffentlich in einem früheren Vortragsabende dazu aufforderte. Der Gedanke, ein buchhändlerisches Unternehmen ins Leben zu rufen, reifte im Verkehr mit Dr. Steiner. Dieser klagte darüber, dass Fräulein von Sivers sich aufreibe mit einer Arbeit, die ihr nichts einbringt. Sie habe sehr viele Bücherbestellungen zu erledigen, während der Verleger M. Altmann in Leipzig ihr nur wenig Rabatt gewähre, und diesen müsse sie zusetzen durch Porto, Verpackung und Arbeit. Ähnliches wurde mir auch von Fräulein von Slivers selbst gesagt. Da ich nun in der Lage war, gerade hier einzugreifen, und ich mich keiner praktischen Arbeit schäme, selbst solcher nicht, die einem den Vorwurf einbringen könnte, dass sie um des Gewinnes willen getan wird, so hielt ich es selbstverständlich für einen Akt der Menschenfreundlichkeit, Abhilfe zu schaffen, und Dr. Steiner versprach mir daraufhin, in Verlag zu geben sein Manuskript «Die Geheimwissenschaft» und Fräulein von Sivers ihre Übersetzungen. In Aussicht hatten wir damals genommen «La pretresse d’Isis» von Schur&. Mit großen Opfern rief ich sofort das bestehende buchhändlerische Unternehmen, das Theosophische Verlagshaus, ins Leben. Angeblich wegen des «unglaublichen Rot» eines Prospektes schrieb Fräulein] von Sivers mir einen groben Brief, ich habe ihn noch in den Händen, und beide, Dr. Steiner] und sie brachen ohne jede Aussprache alle Beziehungen zu mir, trotzdem ich persönlich die ganze Auflage des Prospekte in die Motzstraße 17 brachte zur Vernichtung und trotzdem ich versicherte, meinen Geschäftsführer A. Strauch sofort zu entlassen, wenn er wieder ohne meine genaue Vorschrift einen Prospekt aufsetzen würde. Ich war Dr. Steiners Schüler und lernte die Übungen seines Systems gründlich kennen, sowohl solche, die ich persönlich erhielt, als auch die, die er an andere verteilte, und ich war erstaunt über die Handhabung dieser heiligen Dinge, am meisten aber über Steiners Inkonsequenz. Er erklärte mir eines Tages wörtlich, dass das Tischtuch zwischen uns vollständig zerschnitten sei, während er einem anderen Schüler, einer jungen Dame sagte, die aus seinem Kreise austreten wollte, er könne die Verbindung selbst nicht lösen. Da ich glaubte, das Vertrauen von Dr. Steiner und Fräulein] von Sivers zu haben, und da beide damals durchaus souverän in der Sektion waren, so schuf ich eine literarische Abteilung, die dazu dienen sollte, gute Übersetzungen ausländischer Mitarbeiter zu liefern. Wer seine Beiträge kostenlos lieferte, sollte als Ehrenmitglied geführt werden. Zwei Mitglieder in Holland und Russland, die persönlich mit Dr. Steiner bekannt waren, wurden als Ehrenmitglieder geführt. Wenn diese Abteilung sich als praktisch erwies, so sollte sie lebensfähig werden, und bei der nächsten Generalversammlung hoffte ich, diese Abteilung offiziell der Sektion als wertvolle Arbeitsgruppe übergeben zu können. Inzwischen aber fand mein Ausschluss statt, und diese Arbeit wurde vereitelt, da man nicht darnach fragte, was wurde geleistet, sondern was hast du eigentlich für Motive bei der Sache. Wenn man aber nach Motiven sucht, ist man leicht der Täuschung ausgesetzt, seine eigenen Gedanken zu sehen. Die Theosophische Gesellschaft ist nicht verantwortlich für das Privatleben und die Meinungen ihrer Mitglieder. Das sollte doch Dr. Steiner wissen. Die, die sich ein objektives Urteil über die Polemik Dr. Steiners den offenen Brief betreffend, bilden wollen, können beliebige Exemplare von mir gratis erhalten. Dr. St[einer] hat den Brief nicht einmal ordentlich durchgelesen, und dann versucht er, einiges Gelesene zu verallgemeinern. Diese mangelhafte Objektivität würde einem heutigen Gelehrten schon den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit einbringen. Der Okkultist aber hat die Pflicht, eine noch viel größere Objektivität zu zeigen als der heutige Akademiker. Was ich in dem offenen Brief sagte, stützt sich in einigen Punkten auf die Geheimlehre, und jeder kann das annehmen, was seiner Vernunft und seinem Gewissen entspricht. Gelehrte Streitereien und blinder Glaube haben bekanntlich in der Theosophischen Gesellschaft keinen Platz. Was ich über die Nervosität gewisser Kreise gesagt habe, ist meine persönliche Erfahrung, die ich mir selbst von Dr. Steiner nicht uminterpretieren noch verallgemeinern lasse. Die Volksweisheit sagt sehr richtig: «Getroffene Hunde bellen.» Da ich mich nicht in ein bestimmtes System festgelegt habe, sondern die Offenbarung der Wahrheit in allen Systemen sehe, so habe ich ein viel freieres Urteil über die gesamte theosophische Bewegung in Deutschland als Dr. Steiner. Dr. Steiner hat durch sein vieles Reden zur Begründung meines Ausschlusses selbst dem ganz unbereiligten Beobachter ein wirklich recht plastisches Bild von Unruhe und Überreiztheit gegeben. Eine Sektion, die ihre Ruhe und Stabilität im göttlichen Gesetz und im Geiste findet, braucht sich wohl kaum von einem einzigen Mitgliede, das noch nicht einmal ein Amt, weder im Vorstand noch in irgendeiner Loge bekleidete, in Aufregung versetzen zu lassen. Man lese nur ein wenig zwischen den Zeilen des Protokolls. Der zielbewusste Arbeiter lässt sich nicht von anderen aus der Ruhe bringen. Wenn ich in einem offenen Briefe meine Motive klarlegte wegen Annahme eines Verlagszeichens, eines verhältnismäßig unwichtigen Dinges, man hatte mir allerlei üble Motive untergeschoben, so ist das scharfe Verurteilen von Dr. Steiner, als eines okkulten Lehrers, nicht am Platze. Seine Worte: «Unsinn, grandioser Dilettantismus, deinen Sudel sauf selber, ausgewalztes Blech» sind kein Beweis von Verständnis und Toleranz gegenüber den Meinungen strebender Mitglieder. Wer Seelensorger sein will, und eine solche Instanz für sich beansprucht, muss Milde zeigen. Toleranz ist aber die Grundlage jeder gemeinsamen Arbeit, was würde dabei herauskommen, wenn man über Dr. St[einer] zu Gericht sitzen würde und seine Ehescheidungsangelegenheiten zum Gegenstande einer Generalversammlung machte? Es soll hier Dr. Steiner keineswegs zu nahegetreten werden, denn seine Kritik in diesem Falle hat er ja bereits dramaisiert in seinem «Rosenkreuzer-Mysterium», worin er auf Seite 38 die abgeschiedene Frau des Johannes die Situation klar zeichnen lässt. Ich bin in der Deutschen Sektion der Ehre keines Mitgliedes zu nahegetreten, wer etwa das Gegenteil behauptet, der trete vor. Eingriffe in das Seelenleben anderer habe ich mir nicht gestattet. Als ich vor einigen Wochen Dr. Franz Hartmann sprach, klagte er darüber, dass man ihn sehr oft mit Zuschriften belästige, in denen die heftigsten Anklagen geführt werden gegen die okkulten Schulungen Dr. Steiners, die eine Reihe von Personen bereits in das Irrenhaus und auf das Totenbett gebracht haben. Dr. Hartmann nannte mir verschiedene Namen. Auch mir sind Adressen zugesandt worden von solchen, die die Gesundheit des Körpers und der Seele verloren durch Steiner’sche Schulung. Gewisse Manipulationen von Steiners Geschäftsführung stehen direkt im Gegensatz zum Handelsgesetz. Hat darüber etwa die Majorität der Sektion zu beschließen, ob das gut ist oder nicht? So lange solche und ähnliche Dinge, die tief eingreifender Art sind, noch die öffentliche Meinung in Deutschland beschäftigen, hat Dr. Steiner da das Recht, Mitglieder zu diskreditieren und sie ohne jede Verteidigung dem Spott seiner Sektion preiszugeben? Der Okkultismus ist die praktische Wissenschaft der Liebe und Weisheit, warum hat nun Dr. St{einer] allein das Recht zur Polemik und zur Verurteilung? Davon hat er reichlich Gebrauch gemacht zu der Zeit der Hetze gegen seinen Mitarbeiter in der Theosophischen Gesellschaft, C. W. Leadbeater, in den Privatsitzungen der deutschen Mitglieder bei Fräulein von Sivers während des Pariser Kongresses 1905. Ich war überrascht über die vernichtende Polemik Steiners; und trotzdem ich damals ihn äußerst schätzte, konnte ich es doch nicht unterlassen, ganz sachlich auf die Verfassung der Theosophischen Gesellfschaft hinzuweisen, ich wurde aber scharf von Fräulein von Sivers und Dr. Steiner zurückgewiesen. Nach dem Schlusse der Sitzung versicherten mir beide, dass sie nichts gegen meine Person hätten. Es ist unwahr, wenn ich in den Ausdrücken des Dr. Steiner reden soll, dass ich meine Sachen als ‹Adyar-Dinge› in die Welt hinausschicke. Ich habe stets das Prinzip der Theosophischen Gesellschaft vertreten, nach dem jedes Mitglied für das, was es schreibt, selbst verantwortlich ist und nicht die Gesellschaft oder deren offizielle Vertreter. Der Erfolg meiner Arbeit bis heutigen Tages bestätigt mir die Richtigkeit dieses Prinzipes. Es ist unwahr, wenn Dr. Steiner behauptet, mein Ausschluss sei durch Majoritätsbeschluss geschehen. Dr. Steiner hat sich bei der Abstimmung im Vorstande der Stimme enthalten. Der Vertreter der Dresdner Loge war dagegen. Von einem Majoritätsbeschlusse könnte man aber erst dann reden, wenn der Antrag von Frau Wolfram ordnungsgemäß den Vorsitzenden der Logen mindestens 14 Tage vor der Generalversammlung zugestellt worden wäre, damit die Mitglieder von seinem Inhalte in Kenntnis gesetzt werden konnten. Jetzt lässt sich natürlich das schwer nachholen, weil die Mitglieder bereits gegen mich beeinflusst worden sind. Die Sektion hat mit dieser Ausschluss-Manipulation gezeigt, dass ihre Vereinsmoral noch unter der sozialdemokratischen Vereinsmoral steht. Schließt diese Partei eins ihrer Mitglieder aus, so werden die Gründe des Ausschlusses offiziell bekanntgegeben, damit der Betreffende sich verteidigen kann. Es ist üblich in den Generalversammlungen, die Protokolle beweisen es, dass wegen Kleinigkeiten stundenlang verhandelt werden kann, in einer Ausschlussangelegenheit aber, die nicht zu den Kleinigkeiten gehört, fürchtet man die öffentliche Meinung. Es ist überhaupt unverständlich, wie ein Okkultist glauben kann, dass durch Majoritätsbeschluss ein Fortschritt des Geistes erreicht werden kann. Wer das glaubt, ist nicht nur ungebildet, sondern auch abergläubisch. Der Glaube an die Majorität ist ein Wahn. Mit Frau Wolfram habe ich allerdings große Geduld gehabt. Solange ich ihren Vorlesungen über Friedrich Nietzsche Gehör schenkte - sie gab mir dieses Privatissimum zweimal -, war ich ihr guter Freund. Ich musste ihr verschiedene Male entgegentreten, ich tat es in rücksichtsvoller Weise, als sie Vertreter der theosophischen Weltanschauung in ihren Logenvorträgen angriff. Sie beschäftigte sich beständig mit irgendeiner Person. Von ihr wurden gewisse Postulate aufgestellt, nach denen sie den Wert der Mitglieder beurteilte. Als ich zum Beispiel nicht blindlings zugeben wollte, dass Dr. St{einer] der größte Initiierte Europas sei, und dass bei der nächsten Präsidentenwahl Dr. Steiner] unbedingt an die Stelle von Frau Besant rücken müsse, denn Dr. St[einer] sei ein viel besserer Redner, wie sie auf dem Münchner Kongresse verschiedene, sogar ältere Mitglieder überzeugen wollte, und als ich sie nicht bei jeder Gelegenheit um Rat fragte, bei Gründung des Theosophischen Verlagshauses, da ergoss sich der Hass dieser Frau auf mein Haupt, ein Hass, dessen Energie umso bewunderungswürdiger ist, weil darin eine große negative Kraft zutage trat, die schließlich auch indirekt dem Werke des Meisters dienen muss. Um allen Verleumdungen aus dem Wege zu gehen, beschloss ich nun, selbst eine Loge in Leipzig zu gründen, wie es zum Beispiel in München, Stuttgart und in anderen Städten geschehen ist; das aber steigerte erst recht den Hass Frau Wolframs. Als 1908 Dr. Steiner einen Vortragszyklus in Leipzig hielt, verbot sie meinen Mitarbeitern und mir den Zutritt, trotzdem die Vorträge öffentlich waren. Dr. St[einer] hob später das Verbot auf. Ihren Mitgliedern teilte sie mit, dafür zu sorgen, dass Dr. Vollrach nicht nur aus der Deutschen Sektion, sondern aus der Theosophischen Gesellschaft überhaupt entfernt würde. Die Heiligkeit des inneren Kreises (E.S.) benutzte sie, um unter dem Deckmantel des Schweigens einen meiner Mitarbeiter zu veranlassen, mich kurz nach Gründung des Theosophischen Verlagshauses sofort im Stich zu lassen, damit das Unternehmen den Bankrott anzumelden gezwungen sei. Dr. Vollrath, so behauptete sie, sei irrsinnig, und jetzt wäre es seinem Vater noch möglich, ihn in eine anständige Irrenanstalt unterzubringen. (Die Zeugen sind noch am Leben.) Sie berief sich bei dieser Scheußlichkeit auf das Zeugnis ihres Lehrers, Dr. Steiner. Meinem Mitarbeiter versprach sie eine Stelle in Dr. Steiners Generalsekretariat zu verschaffen. Ein anderer Mitarbeiter litt nach ihrer Meinung an gefährlichem Größenwahn. Dieser arme Mensch konnte sich in seiner körperlichen Organisation nicht so gegen die okkulten Attacken dieser Frau schützen wie ich, und seine zarte sensitive Konstitution litt monatelang unter den furchtbarsten seelischen Depressionen. Diese Erlebnisse waren für mich ein furchtbares Kapitel in der Geschichte der Theosophischen Gesellschaft. Die Stänkereien der Frau Wolfram haben sich im Laufe der letzten drei Jahre in der ganzen Sektion verbreitet. Als man mich auf dem Budapester Kongress erblickte, begann eine wirkliche Hetze. Erst als ich dem Generalsekretär der ungarischen Sektion erklärte, die Intervention unserer verehrten Frau Präsidentin anzurufen, wurde mir gnädigst erlaubt, an dem Kongress teilzunehmen, trotzdem ich bereits seit Monaten die Zulassungskarte in den Händen hatte. Frau Wolfram sagt in dem Protokoll, dass meinerseits geweint und geschrien worden wäre. Zum Schreien war es allerdings. Geweint habe ich einmal, dessen schäme ich mich auch heute nicht, die übrigen damals Anwesenden sind heute noch auf dem physischen Plane. Es war ein Moment, in dem mir die Hoheit der Menschheit und die Würde der Weiblichkeit in einem ihrer Vertreter zu schwinden schien. Die unmittelbare Nähe ungeahnter Bosheit löste in mir einen Schmerz aus, den ich damals nicht verbergen konnte, obwohl ich Tränen fast nicht kannte! Heute, nach vier ‚Jahren, trotz vieler Arbeit, steht dieses seelische Ergebnis noch plastisch mir vor Augen. Mir war die Quelle bekannt, woher Frau Wolfram das Geld für die Ausbildung ihrer beiden Kinder nahm, sie hatte damals zwei. Das war ihr sehr peinlich, und sie fürchtete sich vor meiner Mitwisserschaft, das erklärt teilweise die kühne Anstrengung, mich unschädlich zu machen. Der feine seelische Takt des Okkultisten, der tiefer in das Seelenleben der anderen hineinschaut, erlaubt es nicht, dass er restlos das Seelenleben seiner Gegner vor der Öffentlichkeit enthüllt, denn dadurch lenkt er die Aufmerksamkeit der anderen zu sehr auf das Unwesentliche, die Person, auf Kosten des Wesentlichen, der Prinzipien und der Aufgaben der Theosophischen Gesellschaft, denen aber in erster Linie die Aufmerksamkeit und das konzentrierte Interesse gilt. Ich habe deshalb nur andeutungsweise versucht, einige Erklärungen zu geben, die die absichtlich verschleierten Umstände meines Ausschlusses bis zu einem gewissen Grade aufhellen können. Ich kann heute aber noch nicht voraussehen, welche Konsequenzen eintreten werden, da das von der Antwort abhängt, die mir von der Deutschen Sektion gegeben wird. Es liegt in meiner Natur als Repräsentant der arischen Rasse, nachdem ich drei Jahre versucht habe, in Schweigen zu verharren, als unbesiegter Kämpfer in das Reich der Sanftmut und des Friedens einzutreten, nicht aber als gelehrter, diplomatischer Stubenhocker beim warmen Ofen. Wohin sollten wir kommen in der Theosophischen Gesellschaft, um darüber mit Majoritätsbeschluss zu entscheiden, ob ein Generalsekretär alten Käse essen, ob er eine Künstlerkrawatte sich umbinden oder ob er seiner Frau einen Scheidebrief schicken darf? Die Autorität eines okkulten Lehrers, eines Meisters oder eines Theosophen lässt sich doch nicht mit Majoritätsbeschluss begründen! Haben wir denn das Recht, in unseren Mitgliedern Niederes zu sehen? Oder ist es unsere Pflicht, von ihnen Großes zu erwarten, denn sind wir nicht die Verkünder von Größe, Wahrheit, Schönheit und Stärke? Arbeiten wir nicht an einer Zivilisation, die auf Brüderlichkeit, Liebe und Weisheit gegründet ist? Müssen wir deshalb nicht die Ersten sein, diese Eigenschaften in uns, in unserer Umgebung, in unseren Kreisen zu loben und zu betätigen? Sollen Willkür, Majoritätsbeschlüsse und Realpolitik die Führung in der Theosophischen Gesellschaft übernehmen, und Mitglieder, die sich auf Seite des Prinzips stellen, der Lächerlichkeit preisgegeben werden? Nein, «Eine Grenze hat Tyrannenmacht! Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last, greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel und holt herunter seine ew’gen Rechte, die droben hangen unveräuBerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.» Damit nun die fürchtbaren, aber auch fruchtlosen Stänkereien gegen meine Mitarbeiter und meine Arbeit endlich einmal aufhören, lasse ich diese Eingabe an die Sektion in hoher Auflage drucken und an alle Mitglieder der Sektion versenden, um das öffentliche Gewissen in ihnen zu wecken und die Einrichtung eines Schiedsgerichtes zu veranlassen, wo wenigstens die gröbsten Äußerungen organisatorischer Willkür innerhalb der Sektion besprochen werden können und wo die in Umlauf gesetzten Gerüchte auf ihren Wert hin geprüft werden können und das dann Beschlüsse fassen kann auf einer gerechten Grundlage! Ich habe aus dem Protokoll der siebten Generalversammlung einen Auszug drucken lassen, der wörtlich die ganze Verhandlung bringt und der zum leichteren Verständnisse der Angelegenheit nötig ist. Dr. Hugo Vollrath Danach werden verlesen Briefe von Dr. Vollrath und Herrn Dr. Hübbe-Schleiden. Sie haben folgenden Inhalt.
[Rudolf Steiner:] «Doktor Vollrath schreibt an mich am gestrigen Tage»:
Bund des Sternes im Osten. Sekretariat für Deutschland: Dr. Hugo Vollrath, Leipzig, Salomonstr. 18. Datum: 8. Dezember 1911. Sehr geehrter Herr Doktor! Wie ich höre, halten morgen eine Anzahl Mitglieder der Scktion eine Versammlung in Berlin ab wegen Stellung eines Antrages meinen Ausschluss betreffend. Wäre es nicht besser, wenn darauf hingewirkt werden könnte, dass die Aussprachen, die nötig sein werden zur Bildung jener Kommission, möglichst abgekürzt werden? Ich habe gesehen, dass mehr Staub aufgewirbelt wird, als nötig ist, und dass unsere Gegner diese Angelegenheit in einem ganz anderen Sinne auffassen, als es mir in Hinsicht auf Ihre Stellung lieb ist. Denn im Grunde genommen stehen Sie mir unendlich näher als jene, die das Kind mit dem Bade ausschütten wollen. Sollte es der Lauf der Dinge fügen, dass ich wieder Mitglied der Sektion werde, so wäre es mir natürlich viel angenehmer, ohne großen Verdruss und ohne zu neuen Missstimmungen der Anlass zu sein, Ihnen die Hand der Versöhnung, die meinerseits aufrichtigen Herzens dargeboten werden kann, zu reichen. Sollten Sie aber durchaus abgeneigt sein, sei es, dass Sie mir das alte Misstrauen noch entgegenbringen, dann bin ich auch bereit, diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die mein geistiger Selbsterhaltungstrieb mir in die Hand gibt. Die heiligen Wesen werden auch ferner mir zur Seite stehen. Ich halte es aber stets für richtiger, bei Abstimmungen erst einmal dahin zu gehen, wo die Ursachen liegen, um Zeit und Arbeit zu ersparen. Sollte das Gleichgewicht bei meiner eventuellen Wiederaufnahme in der Sektion irgendwie gestört werden, so wäre ich natürlich bereit, zurückzutreten, und zwar freiwillig. Die Gründung der Freien Internationalen Sektion, deutscher Zweig, wäre dann die natürliche Folge. Falls Ihnen eine Besprechung mit mir vor der Generalversammlung ratsam erscheint, so bitte ich mich davon benachrichtigen zu wollen, und zwar nach dem Evlangelischen] Hospiz $t. Michael am Anhalter Bahnhof. Mit theosophischem Gruße! Ergebenst Dr. Hugo Vollrath.
[Rudolf Steiner:] «Doktor Hübbe-Schleiden schrieb mir vor einigen Tagen»:
Göttingen, 8. Dezember 1911. Lieber Herr Doktor! Verursacht wird dies Schreiben dadurch, dass Herr Dr. Vollrath mich soeben brieflich bittet, seinen Antrag an die Sektions-Versammlung zur Einsetzung einer Kommission für die Prüfung seines Ausschlusses aus der Sektion mit zu unterzeichnen. Darauf erwidere ich ihm heute, dass ich hierüber an Sie direkt schreibe: Ich unterstütze seinen Antrag auf die Einsetzung der Prüfungs-Kommission, und zwar aus folgendem Grunde: Ich bin 1908 in der Versammlung, durch die Vollrach ausgeschlossen worden ist, nicht anwesend gewesen. ‚Aber aus dem Berichte und den weiteren Mitteilungen darüber habe ich den Eindruck gewonnen, dass jener Beschluss damals nicht in befriedigender Weise stattgefunden hat, wenn er den Augenblick auch als durch die Umstände geboten erschien. Gegenwärtig wird es sowohl Ihnen wie Frau Wolfram selbst erwünscht sein, dass diese Angelegenheit formell sine ira et studio definitiv erledigt wird. Zum Schluss erwähne ich noch, was für Sie wohl selbstverständlich ist, dass ich durchaus nicht einverstanden bin mit dem Ton und Inhalt von Herrn Dr. Vollraths gedruckter Entgegnung und Begründung seines Antrags auf erneute Prüfung seiner Angelegenheit. Falls sein Antrag darauf meiner Unterstützung bedarf, so gebe ich sie hiermit; denn ich bin durchaus dafür, dass ihm im vollsten Maße unparteiische Gerechtigkeit zuteilwerde. Aber ich bitte, mich nicht mit Herrn Dr. Vollrath zu identifizieren; und da mir die tatsächlichen Verhältnisse nicht selbst bekannt sind, bitte ich, diese meine Antrag-Unterstützung sachlich weder für noch gegen Dr. Vollrach zu verwerten. Ihr aufrichtig ergebener Dr. Hübbe-Schleiden.
Dazu wünscht das Wort Herr Michael Bauer:
«Herr Doktor Vollrath hat kein Recht, einen Antrag zu stellen, und nach meiner Auffassung haben wir auch keinen Grund, ihm eine Antwort zu geben. Wir könnten uns nach Anhören dieses Briefes und Pamphletes auf den Standpunkt stellen, die Sache abzutun, da sie eine Gesinnung verrät und ein Ton darin angeschlagen wird, der uns widerstrebt und uns nahelegt, durch eine rasche Abfertigung die ganze Sache aus der Welt zu schaffen. Es kann uns gar nicht einfallen, Doktor Vollrath widerlegen zu wollen, denn widerlegen kann man nur gewisse Dinge. Es gibt in der Welt so vieles, was sich durch Reden nicht ändern lässt. Da gibt es nun Gesichtspunkte, die darüber hinweghelfen, zum Beispiel der Humor. Unter solche Dinge gehört meiner Meinung nach die Anschauung des Herrn Vollrath. Wir wollen nun nicht zu widerlegen versuchen, wir wollen nur hinweisen auf Tatsachen, auf die Tatsache, dass er absoluten Unsinn behauptet hat und denselben rechtfertigen will. Wie er zum Beispiel an die beiden Säulen im Münchener Kongress-Saal erinnert und behauptet, die eine Säule sei die Ich- die andere die Bin-Säule und das rechtfertigen will, so kann man ihm nur sagen, dass er die eine Säule ja auch die Jakobund die andere die Benjamin-Säule nennen könnte.
Wenn er den Ausdruck «Ausgewalztes Blech» rügt, so habe ich die Überzeugung, Blech ist ein noch viel zu gutes Ding, Pappendeckel könnte man eher sagen. Wenn man solche Sachen schreibt, dann ist es ganz unnötig, nach einem Mittel zu suchen, um einen solchen Menschen lächerlich zu machen. Aber es liegen ja noch ganz andere Dinge vor, sodass wir nicht unterlassen können, uns eingehender mit der Sache zu befassen. Von all den logischen Widersprüchen ganz abgesehen.
Was uns veranlassen muss, uns mit der Sache näher zu befassen, ist nicht das Pamphlet als solches, das wurde ja außerhalb der Theosophischen Gesellschaft geschrieben; der Gesichtspunkt, warum wir uns damit befassen müssen, ist ein sehr trauriger, nämlich der, dass nach diesem Pamphlet sich innerhalb unserer Gesellschaft Leute gefunden haben, die mit solcher Gesinnung Hand in Hand gehen. Man konnte vor einem Jahr noch sagen: «Ich glaube, dass Doktor Hugo Vollrath mit Recht ausgeschlossen is, das kann man heute nicht mehr sagen. Heute muss man sagen: «Ich weiß, dass Doktor Hugo Vollrath mit Recht ausgeschlossen ist.»
Herr Doktor Vollrath spricht von absichtlich verschleierten Umständen seines Ausschlusses. Sie, die damals mitgestimmt haben, sind also beteiligt an den absichtlich verschleierten Umständen. Es wäre doch schon richtig gewesen, Doktor Vollrath auszuschließen bloß deswegen, weil er damals jene Zettel verschickte, wirklich nur deswegen.
Wir haben heute von individuellen Kräften und Wirkungen gehört; das ist ja gerade die Eigenart unserer heutigen Entwicklung, dass einzelne individuelle Menschen sich verbinden können, das ist ja gerade das tiefste Moment der christlichen Entwicklung. Wenn man aber Propaganda treibt, so appelliert man an Gefühle, die nicht mit dem freien Menschentum Hand in Hand gehen. Wer das tut, der arbeitet nicht in unserem Sinne. Jedes Mitglied, das Propaganda treibt, muss ausgeschlossen werden. Man sagt: Die Toleranz muss uns bestimmen, die brüderliche Liebe gebietet uns, solche Mitglieder unter uns zu dulden. - Wenn man das sagt, dann weiß man eben nicht, was eine Gesellschaft ist. Natürlich müssen wir dulden, was in der Welt vorgeht, was wir nicht hindern können, doch müssen wir von uns ferne halten diejenigen, die nicht in unserem Sinne arbeiten können.
Herr Doktor Vollrath hat eine Äußerung der damaligen Generalversammlung nicht mit abgedruckt in seinem Pamphlet, er hat gesagt: «Eine Gesellschaft, die einen ausschließt, verliert ihren kosmopolitischen Charakter.» Aber was heißt denn das! Man könnte doch mit demselben Recht sagen: Ein Garten, aus dem man ein Unkraut über den Zaun wirft, verliert sein Dasein als Garten. Eine Gesellschaft muss sich das Recht vorbehalten, Mitglieder ausweisen zu können, denn es ist ihre Pflicht, alle Elemente hinauszutun, die nicht mehr hineingehören, wenn sie ihre Arbeit in der richtigen Weise fortsetzen will. Nun von diesem Gesichtspunkte aus sind wir eine Gesellschaft. Die Toleranz, die immer angerufen wird, sollte doch nicht nur gegenüber unseren Gegnern, sondern doch wohl auch gegenüber unseren Freunden geübt werden. Es ist notwendig, dass wir reinen Tisch schaffen und klare Köpfe. Wenn wir das so weitergehen lassen, wenn wir sagen: «Wir müssen doch, diese Leute darinnen lassen in der Gesellschafv, was bekommen wir dann schließlich für eine Gesellschaft?
Es kann natürlich vieles angefasst werden, aber in unsere Gesellschaft gehört es nicht. Ich erlebte einmal, dass einer sagte: Wir sollten doch mal Dinge in unseren Logen behandeln wie zum Beispiel die Kochkiste.
Aber das alles ist eigentlich noch gar nicht das Schmerzlichste an der ganzen Sache, wenn wir sagen, es sind die Grundfundamente der Gesellschaft im Nerv angegriffen, und wenn wir dann immer noch von Mitgliedern hören müssen: «Vielleicht ist ihm doch Unrecht geschehen.» Das Schmerzlichste ist mir ein ganz anderer Punkt. Nehmen Sie einmal alles aus Ihrem Kopf und Bewusstsein hinweg, was Sie durch die Theosophie, wie wir sie durch Herrn Doktor Steiner erhalten haben, an Klärung, Erhebung, Stärkung erlangt haben, und stellen Sie sich einmal vor Ihre Bibliothek, die bloß Bücher enthielte, die Sie vorher kannten, und dann überlegen Sie sich bitte einen Augenblick, was Sie im Lauf der Jahre haben erleben können an Freude, Erhebung, Erkenntnisfreude, Befruchtung, und vergleichen Sie das mit den Erlebnissen, die Sie vorher hatten, so haben Sie ein Bild davon, wie die Gesellschaft vorher bestand, und wie sie heute ist. Ich gehörte ihr an. Da muss man sagen, es ist ein so Ungeheures geschehen in diesen letzten Jahren, wofür ich nur einen Ausdruck des Rama-Krischna habe: «Wenn ein Heiliger kommt, so vermag er verschüttete Quellen zum Fließen zu bringen; ein Gottgesandter vermag, Quellen fließen zu machen, wo keine waren.»
Wir haben das erfahren, aber wir haben auch erfahren, dass unter uns Leute waren, die diese Quellen vergifteten, beschmutzten. Es ist mir ganz klar geworden, dass es in dieser Art nicht weitergehen kann. Wir können die Gesellschaft nicht einfach wachsen lassen, ohne der Gefahr entgegenzugehen, dass wir eine Majorität haben, die eigentlich nicht in die Gesellschaft gehört, und die es uns unmöglich machen kann, in der rechten Weise in dieser Gesellschaft zu arbeiten. Unsere Gesellschaft ist ein Organismus, durch den das innere Leben in die Welt hineinwirken soll. Wenn der zu faul, zu bequem ist, sodass er keinen Krankheitsstoff mehr ausstoßen kann, so muss er dem Verfall entgegengehen. Wir haben heute vielleicht die Gelegenheit noch, den Körper gesund zu machen, und ich richte an Sie den Appell, energisch heute dabei zu sein, dass wir solche Dinge in einer künftigen Generalversammlung nicht mehr vor uns stehen haben, dass aus dem Schoße der Gesellschaft heraus Angriffe gegen uns gerichtet werden können. Die Generalversammlung muss hier etwas tun, es handelt sich hier nicht um die Person Doktor Steiners, es handelt sich um die Gesellschaft und um ihren Organismus. Es muss heute etwas geschehen, das später nicht mehr geschehen kann. Es bleibt uns nichts übrig, als radikal vorzugehen.
Der Antrag, der vielleicht sich ergeben wird, liegt mir noch nicht vor, und ich habe nicht die Absicht, irgendwie vorzugreifen. Was ich erreichen wollte, ist, Ihnen eine Ahnung zu geben von dem ungeheuren Ernst dieser Stunde. Wir dürfen nicht mit Bequemlichkeit, mit Schlafhaubigkeit an diese Sache herangehen. Es ist nicht eine Kleinigkeit, es ist nicht damit getan, dass wir Herrn Vollrath abtun, es ist notwendig, dass wir in Einmütigkeit einen Weg betreten, auf dem wir den Organismus gesund machen, indem wir ausschließen aus der Gesellschaft, was nicht in sie hineingehört.» Herr Ahner: «Ihre Blicke richten sich hin nach einer Stelle, und Sie werden erwarten, dass ich zu dem eben Gehörten meine Meinung abgebe. Es ist immer eine bedeutungsvolle Sache, wenn aus allen Teilen unseres Vaterlandes diejenigen Elemente hier sich versammeln, die dazu berufen sind, die hohen Ziele, welche die Theosophie verfolgt, weiterzuführen, um der gesamten Menschheit etwas zu bieten, damit sie sich, dem Wunsche hoher Meister entsprechend, weiterentwickele.
Es handelt sich heute um eine Angelegenheit, die nach meiner Meinung in einer theosophischen Gesellschaft nicht vorkommen sollte. Ich will hier auf die ganze Geschichte, was da vor uns liegt, nicht eingehen. Was Herr Doktor Vollrath verschuldet haben sollte, darüber will ich kein Wort verlieren, denn es ist vollständig aussichtslos, dass ich ein klares Bild geben könnte. Herr Doktor Hübbe-Schleiden unterstützt ja diese Anträge, indem er tatsächlich wünscht, dass eine Kommission noch einmal die Tatsachen untersuche. Ich war seinerzeit, als der Antrag Frau Wolframs auf Ausschließung des Doktor Vollrath verlesen wurde, selbst Vorstandsmitglied der Deutschen Sektion. Ich habe keinen Grund gefunden, weshalb man ein so eifriges, tätiges Mitglied ausschließen sollte. Ich habe damals darauf hingewiesen, was Theosophie ist. Eines ist wichtig, ich weise hier auf ein Bibelwort hin, das wahr ist: «Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.»
Hier sind Hunderte versammelt, sollte er nicht hier unter uns sein? Ich glaube ja, und ich hoffe, dass er in unser aller Herzen ist, jener Christusgeist, der da sagt: «Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen.> Und jetzt, wo wir vor Weihnachten stehen, vor diesem Feste der Liebe, wo der Christus geboren worden ist, soll er doch auch in uns geboren werden. Lassen Sie doch diese Geburt stattfinden, sagen Sie sich, wir wollen alles vergessen, wir wollen brüderlich handeln, Liebe um Liebe, Herz um Herz! Ich habe mich des Verfolgten angenommen, ich bitte Sie, reichen Sie mir die Hand, Sie haben mich ganz. Lassen Sie Liebe um Liebe handeln.»
Herr Krojanker: (Anfänglich unverständlich) «Es ist doch nicht möglich, wir müssen doch zu den Tatsachen wieder zurückgehen. Ich muss gestehen, dass ich sehr überrascht worden bin durch die Verlesung der Vollrath’schen Broschüre, die hier Pamphlet genannt wird. Es konnte das von uns Antragstellern nicht vorausgeschen werden. Ich halte es auch für einen Fehlbeschluss des Vorstandes. Wenn eine Kommission berufen würde, so könnte dieselbe auf die Einzelheiten eingehen; hier vor der Generalversammlung ist das ja nicht denkbar. Wir sollten uns entschließen, eine Kommission zu wählen; sie sollte nur noch einmal untersuchen, was eigentlich geschehen war. Die Generalversammlung sollte nur entscheiden, ob eine Kommission gewählt werden sollte. Ich muss betonen, dass es mir als Antragsteller durchaus ferne liegt, dem Vorstande zu nahezutreten, aber nach dem, was ich geprüft habe, muss ich annehmen, dass er nicht genügend unterrichtet worden ist. Deshalb soll jetzt eine Kommission gewählt werden, damit diese Dinge zur Kenntnis kommen. Was sich nun darauf bezieht, was Herr Bauer hier gesprochen hat, so muss ich gestehen, dass mich das Theosophische, was er sprach, durchaus sympathisch berührte, aber wir brauchen uns von Herrn Bauer nicht sagen zu lassen, was Theosophie ist. Er hat sich ein Urteil erlaubt über die Gründe, die uns veranlassen, für Vollrath einzutreten. Das habe ich mir sehr lange überlegt, und ich versichere Sie, dass diese Dinge, wenn sie nicht auf dem Boden der theosophischen Bewegung zu Ende geführt werden, draußen weitergeführt werden. Wenn Herr Bauer sich in seiner Eigenschaft als Lehrer darüber aufregt, dass einige Sätze nicht so ganz richtig seien, so ist mir das geradezu unverständlich. Ich bin auch durchaus nicht einverstanden mit alledem, was da gedruckt ist. Ich bitte Sie, nehmen Sie die Anträge an, und sie sollen auch nicht wieder erwähnt werden. Ich bitte Sie nur, die Möglichkeit zu geben, dass die Tatsachen einzeln vor der Kommission geprüft werden. Ich betone aber, dass ich mich durchaus nicht mit dem Druckwerk Vollraths identifizieren will. Vergessen Sie doch nicht, dass wir in Vollrath einen Menschen vor uns haben, der innerlich noch nicht reif ist, der voll Zorn ist. Er ließ die Zeit verstreichen und hat sich nur in diesem Pamphlet, wie es genannt wird, Luft schaffen wollen.»
Herr Dr. Unger: «Gestatten Sie mir zunächst, einige Dinge gleichsam festzunageln, die eben an unser Ohr geklungen sind. Es handelt sich darum, unserem Freunde, Herrn Bauer, zu Hilfe zu kommen gegenüber den Vorwürfen, die ihm gemacht worden sind, und gleichsam zu unterstreichen, was er ausgeführt hat. Es wurde gesagt: «Wir wollen uns nicht von Herrn Bauer sagen lassen, was Theosophie ist.» Aber uns wurde von Herrn Vollrath und seinen Genossen beständig vorgehalten, was Theosophie sein soll. Weiter wurde gesagt: Der Antragsteller sei nicht einverstanden mit der Form, in der die Broschüre abgefasst worden ist; trotzdem aber ist der Antrag gestellt, wie er sagt, im Interesse der Theosophischen Gesellschaft. Es ist mir von Wichtigkeit, dass das festgenagelt wird. Denn wenn jemand moralisch unterstützt, was ein anderer als Schmutz und Unflat gegen die Theosophische Gesellschaft schleudert und das unterstützt unter Hinweis auf eine mangelhafte Form, so ist das keine Logik. Das geht nicht an. Das ist Doppelzüngigkeit, wenn man sagt: «Ich bin gar nicht einverstanden mit dem, was da gesagt wird, ich unterstütze nur den Antrag.» Man behauptet, dass die damaligen Vorstandsmitglieder nicht orientiert waren über dasjenige, worüber sie entschieden haben. Entweder ist nun das eine wahr oder das andere. Wenn man nicht einverstanden ist mit dem Pamphlet, dann darf man auch nicht den Vorwurf machen, dass der Vorstand nicht orientiert gewesen wäre. Es wurde von den Antragstellern verlangt, dass Herrn Doktor Vollrath Gelegenheit gegeben werde, sich zu rechtfertigen. Wir haben ja die Rechtfertigung vor uns liegen. So schaut sie aus, diese Rechtfertigung. Schmutz, Verleumdung, Gift und Drohung, das ist der Inhalt dieser Rechtfertigung. Herr Bauer hat ganz richtig gesagt: «Wir sehen doch an dem, was vor uns liegt, was für ein Geist dahintersteht> Wenn aber so etwas unterstützt wird, so verbindet sich doch der Antragsteller mit diesem Geiste! Dass solche Unterstützung aus unseren Kreisen heraus erfolgen konnte, das ist etwas, von dem man sagen muss: So darf es nicht weitergehen. Herr Krojanker wehrt sich dagegen, dass Herr Bauer uns sage, was wir unter Theosophie verstehen sollen; doch das hindert nicht, dass dies von der Gegenseite beständig geschieht. Herr Ahner hat gesagt, er wolle uns keinen Vortrag halten über Christentum. Aber nun hat er ja doch uns erzählt, was sein Christentum ist und viel geredet von Liebe, Christentum, Brüderlichkeit, und weiß Gott was. Wo steckt denn aber die Liebe in diesem Pamphlet? Wo steckt da die Brüderlichkeit und das Christentum? Das ist die Frage. Solchen, die von Liebe überfließen, und diese Liebe dann so betätigen, dass sie ein solches Pamphlet unterstützen, denen gegenüber muss gesagt werden, dass sie zwar in der Theosophischen Gesellschaft sind, aber in der theosophischen Bewegung sind sie nicht! Jemand, der die Liebe im Munde führt, und solche Taten vollzieht, hat keine Ahnung von dem, was wir unter Theosophie verstehen wollen. Wer jemals wirklich in unserer Arbeit gestanden hat, der weiß, dass wir zusammenhängen müssen wie die Kletten, um Anteil zu haben an dem Geistesgut, das wir uns erobert haben seit zehn Jahren. Dieses Arbeitsgut muss respektiert werden. Es hat keinen Sinn, zu sagen, unsere einzigen Bedingungen der Aufnahme sind die drei Punkte unserer Satzungen. Wir brauchen nicht jeden, der bei uns anfragt, aufzunehmen, in keiner Weise. Damals vor drei Jahren ist der Antrag angenommen worden, mit allgemeinem Verständnis, der unser Arbeitsgut schützen sollte. Diese unsere Gesellschaft sollte nach und nach ein Körper werden - das ist unser aller Ansicht -, der ein Ausdruck werden soll von demjenigen, was als theosophischer Geist vorhanden ist. Lassen Sie die Theosophische Gesellschaft auseinanderstieben, die theosophische Bewegung bleibt. Besser wäre es, die Gesellschaft flöge auseinander, als dass ein Titelchen verloren ginge von dem Geistesgut, das wir uns erobert haben. Noch schärfer soll es betont werden: Was wir als theosophische Bewegung nach und nach uns erarbeitet haben, was niemals abgeschlossen sein kann, niemals in Paragrafen abgegrenzt sein kann, das ist wirklich vorhanden. Wenn wir aber solche Anträge bekommen können, dass, nach den Statuten der Gesellschaft, der theosophischen Arbeit geschäftsordnungsmäßig Prügel zwischen die Beine geworfen werden können, so ändern wir eben die Statuten.
Die Aufgaben sind vorhanden, ob die Gesellschaft sie wird erfüllen können, das entscheidet gerade diese Stunde. Zu dem, was sich in München bilden soll in den nächsten Jahren, zu dem Wachsen des theosophischen Arbeitsgutes, das wir uns erobert haben, das Leben gewinnen soll in der Welt, brauchen wir einen physischen Leib, wir brauchen Mitglieder, aber keine Paragrafen, die bringen das nie zustande. Wenn heute gesagt worden ist, dass es ein bedeutendes Ereignis war, dass wir in Stuttgart einen Bau dem theosophischen Leben übergeben konnten, so möge hier festgestellt werden aus eigenster Erfahrung heraus, was Herr Doktor Steiner gesagt hat in der Weiherede für diesen Bau: «Nötig ist das Vertrauen.» Es ist nicht nötig, dass jeder seine Weisheit heranbringe, dazu hat man eben einen Vorstand geschaffen, als Ausdruck des Vertrauens. Und diesem nun bei jeder Gelegenheit einen Paragrafen-Prügel zwischen die Beine zu werfen, geht nicht an; auf diese Weise bringen wir gar nichts zustande, und gewiss hätten wir diesen Stuttgarter Bau nicht zustande gebracht, wenn nicht die Mitglieder in hochherziger Weise dieses Vertrauen geübt hätten. Durch Kommissionen, wie sie die heutigen Anträge verlangen, hätten wir nicht nur keinen Bau, sondern auch kein Geld dafür.
Durch dieses Pamphlet und durch das, was heute geschah, fühlt sich der Vorstand in dem, was der eigentliche Ehrenpunkt des Vorstandes ist, beleidigt, so tief es nur sein kann. Er muss von der heutigen Versammlung die Ehrenrettung erwarten.
Es ist das Projekt erörtert worden, dass aus dieser Versammlung eine Kommission gebildet werden solle, aber keine im Sinne der Antragsteller, sondern eine solche, die ausarbeiten möge einen Entwurf für eine neue Satzung, die es unmöglich macht, dass derartiges, wie es in diesen Anträgen zum Ausdruck kommt, jemals wieder geschehen kann. Es ist meine Überzeugung, dass, wenn die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft auch Mitglieder der theosophischen Bewegung sein würden, jede Satzung recht wäre. Da das nicht so ist, so müssen wir das Statut richten nach dem Geiste unserer Bewegung. Der Vorstand selbst entzicht sich einer solchen Antragstellung, weil er ja von der Versammlung seine Ehrenrettung erwartet.
Es wäre vielleicht besser, solche Angriffe durch Nichtbeachtung abzutun. Es hat gewiss etwas Sympathisches, wenn gesagt wird, wir wollen uns nicht mit Schmutzereien abgeben. Aber hier wird es zur Pflicht, das Kind beim richtigen Namen zu nennen. Wenn wir die Möglichkeit haben wollen, uns in unser Arbeitsgut zu vertiefen, so muss erst reiner Tisch gemacht werden, da muss auch einmal das Schwert des Zornes zu seinem Recht kommen.
Es mag sein, dass mancher gegenwärtig lieber sachliche theosophische Auseinandersetzungen hören würde. Es gilt aber, der Entrüstung Ausdruck zu geben; es liegt mir daran zu betonen, dass ich mich nicht schäme einer solchen Entrüstung. Ich würde mich schämen, wenn wir, wie unser Freund Bauer sagte, die Schlafhaubigkeit besäßen, uns nicht zur Tat aufzuraffen. Es sollte möglich gemacht werden, dass einem nicht mehr Prügel zwischen die Beine geworfen werden können, dass der Generalsckretär und der Vorstand auch statutengemäß geschützt werden vor solchem Schmutz. Deshalb erwartet der Vorstand von Ihnen heute eine Tat!»
Hier wird auf den Vorschlag von Herrn Dr. Steiner beschlossen, eine Pause von eineinhalb Stunden eintreten zu lassen, und die Versammlung am Nachmittage um vier Uhr fortzusetzen.
Um halb vier Uhr eröffnete Dr. Steiner wieder die Sitzung, indem er eine Depesche des folgenden Inhalts zur Verlesung brachte: «Sende hiermit der Deutschen Sektion zu ihrer Generalversammlung meine ehrfurchtsvollen Grüße und besten Wünsche. Kinell.»
Hierauf folgte eine Rede, die Herr Pfarrer Klein über die Bedeutung der Theosophie im Anschlusse an die Paulusworte von der «Gottes-Weisheit» hielt.
Dr. Steiner gab sodann den Inhalt der Rednerliste bekannt, in welcher noch folgende Redner eingezeichnet standen: Herr Arenson, Herr Molt, Herr Pfarrer Klein, Herr Pastor Wendt, Herr von Rainer, Herr Architekt Schmid und Herr Walther.
Zunächst erhielt das Wort Herr Arenson: «Als mir zuerst Kunde ward von den Anträgen, die für diese Generalversammlung gestellt worden sind, als mir gesagt wurde, dass das scheinbar Unmögliche möglich geworden, dass sich in unserer Gesellschaft Mitglieder gefunden haben, die die Hand dazu boten, dass dieser Antrag eingebracht werden konnte, die das sozusagen unterstützten, was Herr Doktor Vollrath in seinem Pamphlet verlangt: nämlich hier gehört zu werden und nochmals mit einer Prüfung dieses Falles zu beginnen - da kam mir zuerst der Gedanke, der Impuls: zur Tagesordnung übergehen; es gibt nichts anderes, als solche Dinge einfach zu ignorieren. Dann aber hat sich bei reiflicher Überlegung das Resultat doch etwas anders gestaltet. Es ist gewiss etwas Gutes, in positiver Weise Arbeit zu leisten und, wenn sich uns etwas entgegenstellt, dann kurzer Hand zur Tagesordnung überzugehen. Das können wir aber in diesem Falle unmöglich tun. Hier handelt es sich um eine Tat, die mit aller Energie vorgenommen werden muss, wenn wir nicht erleben wollen, dass wir dem Schmutze zum Opfer fallen.
Nun könnte man, wenn man zur Sache selbst übergeht, fragen: Worauf basiert denn eigentlich dieser Antrag auf Wiederaufnahme des Falles? Eine derartige Wiederaufnahme eines Verfahrens ist doch nur dann gerechtfertigt, wenn neues Material gefunden worden ist, das geprüft werden soll, um daraus festzustellen, ob es geeignet ist, das bereits Vorhandene in eine andere Beleuchtung zu bringen. Wir wissen, das ist nicht der Fall; wir wissen, es ist kein Grund vorhanden, ein Verfahren jetzt wieder aufzunehmen, das seinerzeit mit aller Gründlichkeit durchgeführt worden ist. Ich kann hier nur in aller Kürze sagen, dass die Mitglieder des Vorstandes, welche damals den Beschluss gefasst haben, die Sache so prüften, wie dies heute überhaupt nicht mehr möglich ist. Es ist völlige Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, die hier einfach glauben machen will, wir wären einem augenblicklichen Impulse gefolgt und hätten dadurch den Ausschluss von Doktor Vollrath bewirkt. Wir waren im Gegenteil in alle Einzelheiten eingeweiht, wussten vollkommen, was sich begeben hatte. Wir kannten jede Kleinigkeit und kannten sie so, dass, wenn wir die ganzen Verhältnisse in wenigen Worten vorgebracht hätten, jeder andere auch imstande gewesen wäre, innerhalb weniger Minuten den Entschluss zu fassen, der damals gefasst worden ist. So waren wir eingeweiht in das, was zu dem bekannten Beschlusse führen musste. Es ist dies jetzt schwer nachzuprüfen, weil alles das, was wir damals in gründlicher Weise überlegt hatten, durch das, was in Schrift und Wort inzwischen bekannt gemacht wurde, in ein ganz neues Licht gekommen ist und daher auch nicht mehr zu einer Erkenntnis der damaligen Sachlage führen kann.
Wir können sagen - und das soll gewiss keine Ironie sein, sondern ist bittre Wahrheit: Den Schlüssel zur Wahrheit findet man bei allem, was Doktor Vollrath sagt, indem man die von ihm behaupteten Dinge einfach umkehrt. Nehmen wir einen konkreten Fall, um zu zeigen, was damit gemeint ist, Herr Doktor Vollrath sagt in seinem Pamphlet, dass damals in Paris von Herrn Doktor Steiner mit großer Energie gegen Leadbeater vorgegangen sei. Die betreffende Stelle lautet, wie folgt: «Der Okkultismus ist die praktische Wissenschaft der Liebe und Weisheit, warum hat nun Dr. Steiner allein das Recht zur Polemik und zur Verurteilung? Davon hat er reichlich Gebrauch gemacht zu der Zeit der Hetze gegen seinen Mitarbeiter in der Theosophischen Gesellschaft, C. W. Leadbeater, in den Privatsitzungen der deutschen Mitglieder bei Fräulein von Sivers während des Pariser Kongresses [1906]. Ich war überrascht über die vernichtende Polemik Steiners, und, trotzdem ich ihn damals äußerst schätzte, konnte ich es doch nicht unterlassen, ganz sachlich auf die Verfassung der Theosophischen Gesellschaft, hinzuweisen, ich wurde aber scharf von Fräulein von Sivers und Dr. Steiner zurückgewiesen. Nach dem Schlusse der Sitzung versicherten mir beide, dass sie nichts gegen meine Person hätten.»
Die Wahrheit darüber ist nun Folgendes: Damals im Jahre [1906] befand sich Leadbeater in sehr schwierigen Verhältnissen, und Doktor Steiner war der Einzige, der ihn in energischer und sachlich begründeterweise verteidigt hat. Es sei in diesem Zusammenhange gesagt, da die meisten unserer Mitglieder in Deutschland von dem Falle gar nichts erfahren haben, dass selbst unsere Präsidentin Annie Besant eine scharfe Angreiferin Leadbeaters war und bezüglich dessen, um was es sich da handelte, den Ausspruch getan hat, dass es eine «moral insanity» sei, wogegen Doktor Steiner in begründeter Weise die Partei Leadbeaters ergriffen und ihn verteidigt hat. Dass Doktor Steiner in dieser Weise gehandelt hat, hat ihm später manchen Vorwurf eingebracht. Was der Fall Leadbeater eigentlich war, damit haben wir uns heute nicht zu beschäftigen. Die Tatsache steht aber fest und kann jederzeit belegt werden durch Zeugen, dass genau das Gegenteil der Fall ist von dem, was Doktor Vollrath in seinem Pamphlet zum Ausdruck bringt. So können wir von Satz zu Satz gehen.
Wenn wir ferner lesen, was Doktor Vollrath schreibt: «Erst als ich dem Generalsekretär der Ungarischen Sektion erklärte, die Intervention unserer verehrten Frau Präsidentin anzurufen, wurde mir gnädigst erlaubt, an dem Kongresse teilzunehmen, trotzdem ich bereits seit Monaten die Zulassungskarte in Händen hatte, so ist dazu zu bemerken, dass diejenigen, welche dabei gewesen sind, wissen, dass Doktor Steiner ihm die Teilnahme nicht verweigert, sondern ermöglicht hat. Wenn Doktor Vollrath aber sagt, dass er nicht zugelassen worden sei, trotzdem er die Zulassungskarte seit Monaten in Händen hatte, so muss dagegen erklärt werden, dass er sich diese Zulassungskarte dadurch verschafft hatte, dass er sein durch den Ausschluss ungültig gewordenes Diplom der Deutschen Sektion in Budapest eingereicht und daraufhin die Zulassungskarte ausgehändigt erhalten hat.
So geht es weiter. Es würde uns allzu weit führen, wollten wir alles durchhecheln, was hier in der Schmähschrift steht. Das Einzige, was man sagen kann, ist, dass in solcher Weise jeder Satz etwas von versteckter Bosheit enthält. Nehmen Sie das, was Sie vorhin gehört haben. Ist es nicht die reinste Ironie, wenn Doktor Vollrath dann auf Seite 9 seiner Schmähschrift sagt: «Der feine seelische Takt des Okkultisten, der tiefer in das Seelenleben der andern hineinschaut, erlaubt es nicht, dass er restlos das Seelenleben seiner Gegner vor der Öffentlichkeit enthüllt, denn dadurch lenkt er die Aufmerksamkeit der andern zu sehr auf das Unwesentliche, die Person, auf Kosten des Wesentlichen, der Prinzipien und der Aufgaben der Theosophischen Gesellschaft, denen aber in erster Linie die Aufmerksamkeit und das konzentrierte Interesse gilt. Ich habe deshalb nur andeutungsweise versucht, einige Erklärungen zu geben, die die absichtlich verschleierten Umstände meines Ausschlusses bis zu einem gewissen Grade aufhellen könnten. Ich kann aber heute noch nicht voraussehen, welche Konsequenzen eintreten werden, da das von der Antwort abhängt, die mir von der Deutschen Sektion gegeben wird.»
Damit ist gesagt, wer der Seelenforscher ist; wer so taktvoll ist, dass er das Seelenleben seiner Gegner nicht restlos vor der Öffentlichkeit enthüllt. Aber dieser taktvolle Seelenforscher enthüllt gerade genug, um in seiner Weise zu wirken nach dem alten Prinzipe: «Wenn es auch nicht wahr ist, etwas bleibt doch davon hängen.»
Ich bin in der Deutschen Sektion der Ehre keines Mitgliedes zu nahegetreten, wer das Gegenteil behauptet, der trete vor» Um diesen Satz im richtigen Lichte erscheinen zu lassen, bitte ich nochmals folgende Worte zu hören, die Sie leider schon einmal haben hören müssen: «Mir war die Quelle bekannt, woher Frau Wolfram das Geld für die Ausbildung ihrer beiden Kinder nahm, sie hatte damals zwei. Das war ihr schr peinlich, und sie fürchtete sich vor meiner Mitwisserschaft, das erklärt teilweise die kühne Anstrengung, mich unschädlich zu machen.»
Meine Freunde, wer eine solche Sprache führt, der begibt sich in die Reihe derjenigen, die den anständigen Menschen nicht mehr angehören. Ein Mensch, der in dieser Weise etwas ausspricht, was, man darf schon sagen, neben aller Gemeinheit auch noch den Charakter der Drohung hat, ist nicht würdig, unter anständigen Leuten gehört zu werden. Wir aber vertreten noch etwas anderes als nur den Anspruch, anständige Menschen zu sein. Das, was im Allgemeinen in der Welt als Tugend gilt, das soll uns etwas Selbstverständliches sein, das wir gar nicht als etwas Besonderes zu erwähnen haben. Wir haben etwas zu vertreten, was hoch über alledem steht, was als gewöhnliche Pflicht, als gewöhnliche Tugend anerkannt wird. Deshalb ist es auch unsere Pflicht, in unseren Handlungen so vorzugehen, dass sich ein Einvernehmen, eine Harmonie darstellt, und deshalb wurde es von meinem Vorredner so energisch betont, dass wir uns nicht damit begnügen können, jetzt einfach zur Tagesordnung überzugehen oder etwa ein Vertrauensvotum entgegenzunehmen in der Art, wie das sonst üblich ist. Nein, unser verehrter Führer, der ganze Vorstand ist in unerhörter Weise gekränkt durch das, was da geschehen ist. Für diese Dinge gibt es nur eines, nämlich: dass die Generalversammlung des heutigen Tages in irgendeiner charakteristischen Weise sich äußert, damit wir in der Zukunft sicher sind, dass solche Dinge uns unsere kostbare Zeit nicht wieder nehmen, dass solche Dinge in unsere Versammlungen nicht eine Stimmung hineintragen, wie sie wirklich in theosophischen Generalversammlungen nicht vorhanden sein soll.
Nehmen Sie alles in allem. Ist nicht ein jedes Wort, was da gesprochen wird, sowohl von dem, was Doktor Vollrath selber sagt, wie auch von dem, was seine Anhänger zur Begründung des Antrages vorbringen, voller Widerspruch? Oder ist es nicht ein Widerspruch, wenn in dem Schreiben des Herrn Doktor Hübbe-Schleiden gesagt wird, dass er sich nicht einverstanden erklärt mit dem Ton und mit dem Inhalte der Ausführungen Doktor Vollraths, dass er aber trotzdem seinen Antrag unterstützt. Ist es nicht sonderbar, dass Doktor Hübbe-Schleiden sich weder mit Form noch mit Inhalt einverstanden erklären kann - was bleibt da eigentlich übrig? - aber trotzdem den Antrag unterstützt? «Ich bin nicht auf der Generalversammlung gewesen, «der Inhalt der Eingabe Doktor Vollraths widerspricht meinem Empfinden, «die Form widerspricht meinem Empfinden» - aber ich unterstütze den Mann: Das sind Widersprüche in sich, da ist nirgends ein gesunder Halt, ein gesunder Boden, auf dem man fußen könnte. Aus heiterem Himmel heraus soll uns ein Blitzstrahl treffen. Wir wollen nicht alte Sachen aufwärmen, nicht etwas Beschlossenes, was längst erledigt ist, und wozu kein Anlass vorliegt, uns jemals wieder damit zu beschäftigen, aufs Neue einer Verhandlung unterwerfen. Nicht handelt es sich darum, uns mit etwas zu beschäftigen, was längst in gründlicher Weise erledigt ist, sondern darum, dass wir Stellung nehmen gegenüber solchen Strömungen, die sich dadurch kundgeben, dass, zum Teil sogar in einer ganz, ungehörigen Form, in einer unglaublichen Weise vorgegangen wird. Ich möchte nur an den Brief erinnern, der Ihnen vorgelesen wurde, in dem die Einsendung des Kassenberichtes, wie er in den Statuten vorgesehen ist, verlangt wird. Drohend mit Klagen und Gericht wird da vorgegangen; und dann behaupten diese Leute noch, alle diese Dinge im Interesse der Theosophie zu tun.
Und dann: Liegt nicht ein grotesker Widerspruch darin, dass derselbe, der dieses Pamphlet geschrieben hat, auch der Verfasser des andern Briefes ist, worin er versöhnend die Hand reicht und sich in einer Weise auslässt, die es fast unglaublich erscheinen lässt, dass diese beiden Schriftstücke von demselben Menschen herstammen? Für uns, die wir seit langen Jahren im Vorstande mit tätig sind, hat sich daraus ergeben, dass wir unter keinen Umständen in dieser Weise weiterwirken können. Wir haben seiner Zeit unsere Pflicht getan; das wussten wir damals, das wissen wir auch heute. Heute aber können wir nichts weiter tun. Heute ist es die Theosophische Gesellschaft, das heißt deren Deutsche Sektion, die es in der Hand hat, nun zu wirken, dass es zum Heile oder zum Unheile werde. Wir haben vorhin aus berufenem Munde gehört, was es für uns bedeutet, in diese Bewegung eingetreten zu sein, die sich in unserer Deutschen Sektion offenbart, wir haben gehört Worte, die gewiss nachhaltig in den Herzen derer wirken werden, die aus innerstem Wesen heraus Theosophen sind, nicht deshalb, weil sie ihren Beitrag bezahlen, sondern weil sie in ihrem innersten Wesen empfinden, welch ein Glück es ist, einer solchen Bewegung dienen zu können. Und auch in den Worten, die dieses Große und Gewaltige dartaten, klang es uns wie eine gewaltige Mahnung entgegen, dass ein solches Gut, das uns anvertraut wird, auch eine große Verantwortlichkeit uns auferlegt. Der Sinn und Zweck meines Sprechens ist, dass Ihnen diese Verantwortlichkeit klar werden möge, dass Sie sich darüber einig sind, dass wir ein solches Gut nur verdienen können, wenn wir uns jederzeit jener gewaltigen Verantwortlichkeit bewusst bleiben, die wir auf uns genommen haben. Seien wir uns klar darüber: Nicht die Gegner können unsere Gesellschaft, die äußere Form der theosophischen Bewegung, zerstören; nicht Doktor Vollrath, auch nicht die, welche ihn stützen wollen. Wir selber aber können sie zerstören, wenn wir es in falscher Sentimentalität versäumen, mit Entschiedenheit diejenigen zurückzuweisen, die an den Grundfesten unserer Bewegung und Gesinnung rütteln wollen. Wir wollen mit aller Kraft einstehen für unsere Sache als Menschen, die allerdings nicht glauben, schon Theosophen zu sein; die aber ernst danach streben, Theosophen zu werden.» Nun hat das Wort Herr Molt: «Ich glaube im Namen aller Anwesenden zu sprechen, wenn ich Herrn Arenson für seine warme Ansprache innigen Dank sage, gleichzeitig mich aber auch zum Sprachrohr derselben mache, indem ich sage: Es bedarf nicht des Appells, um in diesem Falle den richtigen Weg zu gehen. Ich habe das Gefühl, wir tun dem Verfasser der Schmähschrift viel zu viel Ehre an, wenn wir nur noch mit einem Worte auf die Einzelheiten derselben eingehen. Ich habe das Gefühl, im Namen der weitaus größten Mehrzahl hier auszusprechen, dass wir es uns verbitten müssen, unsere kostbare Zeit und die schöne Stimmung, mit der wir hierhergekommen sind, durch derartige Sachen zu verderben. Es muss wie ein Schrei der Empörung, der Entrüstung durch unsere Reihen gehen, dass man uns an einem solchen Tage noch mit diesen Sachen kommt; und ich muss bekennen, ich bedauere diejenigen, die als Antragsteller in dieser Angelegenheit hier aufgetreten sind, und es gewagt haben, eine solche Sache zu unterstützen. Ich glaube es als selbstverständlich betrachten zu dürfen, dass wir die Debatte schließen, und ich glaube ferner, es bedarf keines Vertrauensvotums gegenüber dem Vorstande, dass er seinerzeit richtig gehandelt hat. Wir brauchen nur die Worte, die aus der Schmähschrift uns entgegentönen, auf uns wirken zu lassen, um zu erkennen, dass Doktor Vollrath mit vollem Recht ausgeschlossen ist. Wenn er nicht schon ausgeschlossen wäre, so müsste er heute nicht einmal, sondern dreimal ausgeschlossen werden. Um die Debatte abzukürzen, und unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen, habe ich mir erlaubt, einen Antrag zu formulieren. Ich finde es unter unserer Würde, auch nur mit einem Worte auf die Sache, nochmals einzugehen. Den Antrag habe ich in drei Teile geteilt. Sie lauten:
- Die zehnte Generalversammlung bringt hiermit ausdrücklich ihre Empörung und Entrüstung über die Schmähschrift des Dr. Vollrath zum Ausdruck.
- Sie lehnt deshalb die Anträge Ahner und Krojanker und Müller ab.
- Sie ersucht diese Herren, welche durch ihre Antragstellung sich offensichtlich in Gegensatz zum Geist der Bewegung gestellt haben, die Konsequenz durch ihren Austritt zu ziehen.»
Dr. Steiner: «Da die gestellten Anträge meritorische und nicht geschäftsordnungsmäßige Anträge sind, so werden diejenigen verehrten Freunde, die bereits in der Rednerliste eingezeichnet sind, das Wort noch zu erhalten haben.»
Der nächste Redner ist Herr Pfarrer Klein: «Es ist mit bewegten Tönen auf die christliche Liebe und Duldsamkeit hingewiesen worden. Das hat mich als christlichen Prediger getroffen, und ich musste mich prüfen, ob wir nicht ein Gebot übertreten, wenn wir uns hier gegen die ganze Sache wenden. Ich muss aber auch Herrn Ahner daran erinnern, dass er den Christus nur einseitig gezeichnet hat. Der Christus Jesus ist durchaus nicht immer der liebe Heiland» gewesen, und durchaus nicht immer sind seinem Munde Worte der Nachsicht und Duldung entflossen. Es hat einen Punkt gegeben, wo dieser liebevolle, nachsichtige Christus unerbittlich war, und das war der Punkt, wo die Sache selber infrage kam. Die Pharisäer sind auch brave Leute gewesen; Leute, die einen ehrbaren Lebenswandel führten, die aus voller Ehrlichkeit heraus für ihre Religion stritten, kurz Leute, die in vieler Beziehung ausgezeichnete Menschen gewesen sind. Wir wissen aber auch, dass Christus gerade gegen diese Leute, die immer die Frage aufgeworfen haben: «Was ist das wahre Christentum, was ist das wahre Judentum? — ganz in ähnlicher Weise wie wir von Doktor Vollrath immer hören: «Was ist Theosophie®» in der rücksichtslosesten Weise vorgegangen ist. Ich erinnere nur an die Ausdrücke «Otterngezüch» et cetera. Das sind starke Worte. Und warum war der milde, nachsichtige Jesus genötigt, sie gegen diese Pharisäer zu schleudern? Sie glaubten, er handle aus falschen, schlechten Mächten heraus, er treibe die Teufel mit Belzebub aus und so weiter, und brachten seiner Erscheinung überhaupt das größte Misstrauen entgegen. Das ist der springende Punkt. Denjenigen also, der appelliert an unsere Toleranz und Milde und sagt, wir sollten mit Herrn Vollrath Frieden schließen, möchte ich daran erinnern, dass diejenigen, welche damals gegen Jesum eiferten, welche sein Wesen in so gründlicher Weise verkannten, welche sein Wesen in so schmählicher Weise zurückgewiesen haben, mit den schärfsten Ausdrücken bekämpft worden [sind], und zwar durch Jesus von Nazareth selber, in dem der Christus wohnte. Wir sehen auch hier in unserem Fall, dass der Mann, welcher uns Gottes-Weisheit vermittelt, in dieser Weise missverstanden, misserkannt wird. Wer ihm aber dazu noch solche Motive unterschiebt, wie das hier geschehen ist, wer so gründlich ihn missversteht und seine Gegnerschaft in so hässlicher Form betreibt, der kann nicht mehr in unsern Reihen sein - um Christi und unserer Sache willen. Christus selbst war derjenige, der den Pharisäern entgegengetreten ist, als sie ihn so missverstanden und misserkannten. Wir haben ein gutes Gewissen, wenn wir diesen Dingen in derselben Weise entgegentreten. Wir, die wir von dem ganzen Handel bisher nichts wussten, könnten sagen: Setzt in der Sache ein neues Gericht ein. Frau Wolfram soll sich noch einmal verteidigen. Das könnten wir tun, wenn wir ein Kegelklub oder ein Kriegerverein wären. Wir können es aber nicht tun, weil wir eine Theosophische Gesellschaft sind. Weil wir eine Geistesgemeinschaft bilden, müssen diese Dinge in einer ganz anderen Weise erledigt werden. Wenn wir diese Dinge noch einmal aufrührten, würden wir aussprechen, dass wir weder zu unserem Führer, noch zu unserem Vorstande das mindeste Vertrauen haben. «Wir waren damals nicht dabei», könnten wir, sagen, «wir wollen die Sache nochmals prüfen.» Damit würden wir aber aussprechen, dass wir unserem Lehrer nicht die Fähigkeit zutrauen, den Doktor Vollrath zu durchschauen. Wenn er aber das nicht könnte, dann wäre er nicht unser Lehrer, könnte er nicht unser Führer sein. Wenn er aber diese Fähigkeit hat, dann dürfen wir nicht den gewöhnlichen Maßstab, nicht den Maßstab von anderen Vereinen anlegen und sagen: Hier muss nochmals untersucht werden, hier muss ein Ehrengericht eingesetzt werden und so weiter.
Ich habe schon heute Nachmittag darauf hingewiesen, was ich von dieser Sache verstehe und halte. Daher dürfen wir aber auch unter keinen Umständen gestatten, dass unser Führer in dieser Weise heruntergesetzt wird. In der vorgeschlagenen Art vorgehen kann schließlich ein Verein, wenn sein Obmann angegriffen worden ist. Wenn aber ein Mann, der uns Gottesweisheit vermittelt, in dieser Weise angegriffen wird, dann ist das etwas, was wir unter keinen Umständen dulden können.
Herr Bauer hat gesagt, dass es schlimm sei, dass ein solches Verfahren noch Verteidigung gefunden hat in unseren eigenen Reihen. Es ist noch etwas anderes schlimm. Und das ist es, was ich jetzt sagen werde: Ich finde, dass Doktor Vollrath, trotzdem er aus unserer Sektion ausgeschlossen worden ist, eine ungeheure Stütze empfängt durch die Präsidentin unserer Theosophischen Gesellschaft, indem sie ihn in ganz besonderer Weise mit ihrem Vertrauen beehrt und ihm Ämter verleiht, sodass sein Vorgehen gegen uns durch die Präsidentin Annie Besant noch eine besondere Stütze und Stärke erhält. Wir müssen daher bis an die Wurzel des Übels gehen. Wir müssen Adyar zur Kenntnis bringen, dass wir jede Unterstützung des Doktor Vollrath direkt oder indirekt durch das Hauptquartier Adyar als eine Schädigung der theosophischen Arbeit in Deutschland betrachten. Wir dulden nicht, dass der Generalsekretäi unserer Sektion hier dauernd beschimpft wird, und dass solche Persönlichkeiten dort Schutz und Unterstützung finden. Und das ist der Nerv der Sache. Ich fühle deutlich: Wir stehen an einem wichtigen Zeitpunkte, und wir müssen nach Adyar zu erkennen geben, dass wir ein solches Spiel nicht dulden, dass der Mann dort Unterstützung findet, der unseren Führer und Generalsekretär beschimpft.
Ich bitte Sie, den folgenden Antrag anzunehmen: Nachdem die Generalversammlung 1911 nach eingehenden Verhandlungen mit großer Einmütigkeit und Entschiedenheit die vom Vorstand und der Generalversammlung 1908 ausgesprochene Aberkennung der Mitgliedschaft Doktor Vollraths neuerdings gutgeheißen hat, gibt die Generalversamm lung dem Hauptquartier in Adyar zu bedenken, dass fortan jede direkte oder indirekte Unterstützung Doktor Vollraths, wie sie in der letzten Zeit stattgefunden hat, von der Deutschen Sektion der theosophischen Gesellschaft als eine Schädigung ihres Ansehens und ihrer Arbeit angesehen werden muss.»
Molt: «Ich beantrage Schluss der Debatte.»
Ahner: «Nachdem die ganze Angelegenheit so weit gediehen ist, möchte ich bitten, die Debatte nicht zu unterbrechen. Es wäre das eine Benachteiligung der angegriffenen Personen, wenn sie nicht zu Worte kämen, nachdem sie in einer solchen Weise bloßgestellt sind. Es erfordert dies das Gebot der Gerechtigkeit und die Rücksicht auf jeden der Angegriffenen. Es ist keine Kunst, jemanden zu bekämpfen, von dem man weiß, dass er sich nicht verteidigen kann.»
Dr. Steiner: «Ich habe mir vorgenommen, in keiner Weise in diese Debatte einzugreifen und habe daher auch davon Abstand genommen, während der Debatte den Vorsitz an jemand andern zu übertragen. Ich denke, es kommt nicht darauf an, dass ich den Vorsitz während dieser Debatte einem anderen übertrage, sondern darauf, dass Sie einverstanden sind mit der Objektivität, mit welcher ich mich bemühe, die Sache zu führen. Sie werden daher auch damit einverstanden sein, dass ich jetzt ein paar Worte zu Ihnen spreche.
Es ist unmöglich, dass wir jetzt einen Antrag auf Schluss der Debatte annehmen. Die Sache muss besprochen werden, und wir haben kein Recht, in diesem Stadium einen Antrag auf Schluss der Debatte zu stellen oder einen solchen anzunehmen, nachdem im Laufe der Debatte so viele Fragen aufgenommen worden sind. Da sind Dinge berührt von der außerordentlichsten Wichtigkeit für uns und unsere Theosophische Gesellschaft. Dasjenige, was hier wirklich schädigen würde, wäre ein bequemes Beiseiteschieben der Sache durch Annahme eines Antrages auf Schluss der Debatte. Wenn diese Art, sich vor allzu langen Debatten zu retten, auch häufig zur Anwendung gekommen ist, so bitte ich doch: Schieben Sie heute nicht wieder die Debatte in dieser bequemen Weise auf die Seite, sondern betrachten Sie es als Ihre Pflicht, die Sache tatsächlich zu Ende zu führen. Mit den Bemerkungen, die Herr Pfarrer Klein ausgesprochen hat, sind so viele neue Gesichtspunkte in die Debatte hineingekommen, und nun sollen wir einen Antrag auf Schluss der Debatte annehmen? Das ist unmöglich. Ich verstehe eigentlich nicht, warum im Laufe einer solchen Debatte, da eine ganze Anzahl von Rednern noch in der Liste eingetragen ist - ganz abgesehen davon, wer hier Verteidiger und Ankläger, Angegriffener und Angreifer ist - diese nicht in der ausgiebigsten Weise zu Worte kommen sollen? Da eine weitere Erörterung dieser Dinge wünschenswert ist, so möchte ich Sie bitten, nicht den unmöglichen Antrag auf Schluss der Debatte zu stellen.
Was ich eben sagte, betrifft auch den Antrag, den ich schriftlich erhalte und den ich noch zur Verlesung bringen muss.»
Im Namen der Zweige Hamburg und Bremen stellen die Delegierten dieser Zweige den Antrag, «nachdem, durch die stattgefundenen Erörterungen, die Sachlage betreffend, die gestellten Anträge genügend geklärt erscheinen, die Diskussion zu schließen, die gestellten Anträge abzulehnen, und dem Vorstande der Sektion insbesondere Herrn Dr. Steiner ihren Dank und ihr Vertrauen durch Erheben von den Sitzen auszusprechen; die Generalversammlung, möge ferner, den Vorstand ermächtigen, ähnliche Anträge in Zukunft innerhalb des Vorstandes zur endgültigen Entscheidung zu bringen, gleichzeitig geeignete Statutenänderungen vorzubereiten, die ähnliche Vorkommnisse für die Zukunft unmöglich machen.»
G. F. Scharlau, J. G. Schröder, Schwester Louise Hesselmann, ‚Albert Dibbern, Leinhas.
[Rudolf Steiner:] «Es kommt heute nicht darauf an ein Vertrauensvotum zu erhalten, sondern darauf, dass wir die vorliegenden prinzipiellen Dinge zur Entscheidung bringen. Es handelt sich nicht um den Vorstand, nicht um die Person Doktor Vollraths, nicht um meine Person, sondern um Dinge prinzipieller Art, und da kann man nicht durch Erheben von den Sitzen seine Meinung zum Ausdruck bringen. In so bequemer Art dürfen wir heute die Sache nicht erledigen.»
Der Antrag auf Schluss der Debatte wird abgelehnt.
Darauf werden die Anträge Molt, Hamburg, Bremen zurückgezogen, und die Debatte nimmt ihren Fortgang.
Pastor Wendt: «Vor drei Jahren war ich derjenige; der beantragte: Wir wollen vorläufig den Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als einen der unsrigen betrachten, deshalb «vorläufig, weil ich mir damals sagte, der junge Mann kann sich in drei Jahren ja bessern. Er hat das nicht getan, im Gegenteil, er bohrt weiter. Nun ist es aber die höchste Zeit, dass wir diesem Gelichter an den Kragen gehen. Ich bin ein alter Mann heute; wir haben es aber früher in unserer Studenten-Verbindung oft gehabt, dass wir Füchse durchgeschleppt haben. Wenn die Jungens aber vor einer Mensur kneifen wollten, so flogen sie ohne Gnade hinaus. Das war für uns eine Selbstverständlichkeit. Wenn man aber heute unsere Sache so schlechtmacht, wie es hier geschehen ist, dann sage ich auch heute noch: Hinaus damit. Mit solchen Jungens, mit solchem Gelichter will ich nicht in der Hölle zusammensitzen, geschweige denn im Himmel.»
Dr. Steiner: «Die Ausdrücke Jungens und so weiter wollen wir vermeiden.»
Pastor Wendt: «Es liegt doch so, dass jemand in unserer Gesellschaft bleiben will, obgleich er wider die Gesellschaft arbeitet. Wenn wir wider die Wahrheit arbeiten, so haben wir einen Fehler gemacht, das wissen wir. Wenn wir aber noch dazu den Fehler leugnen, dann können wir überhaupt nicht vorwärtskommen. Es ist eine viel zu heilige, viel zu ernste Sache, das Christus-Prinzip in die Welt zu bringen, als dass ich es für berechtigt halten könnte, sie so in der Debatte zu gebrauchen. Ich habe dem Herrn, nachdem ich von diesen Dingen Kenntnis genommen habe, vorhin auch gesagt: Jetzt sind wir geschiedene Leute, jetzt ist es aus mit uns. Wie können Sie solche Sachen in die Welt setzen und uns dazu noch drohen, uns in dieser Weise vor die Öffentlichkeit zu bringen. Lieber Sohn, sagte ich, dazu gehört noch etwas anderes. Ich möchte bemerken, dass der beste Ausweg aus dieser Sache - damit wir sie nicht alle Jahre haben - der zu sein scheint, dass wir uns durch Annahme des folgenden Antrages für die Zukunft schützen: Ausgeschlossen ist jedes Mitglied, das gegen den Geist der Theosophischen Gesellschaft nach dem Urteil der Generalversammlung verstoßen hat. Wenn es nötig wäre, könnte ich Ihnen den Ernst der Sache noch weiter darlegen. Es ist eine alte Sache: Wer nicht ausschließt, schließt auch nicht ein. Wir müssen aber unter den obwaltenden Umständen unsere Arbeit schützen und wahren und dürfen nicht etwa auf zwei Schultern Wasser tragen. Wir müssen vielmehr klipp und klar sagen: Mann, du gehörst nicht zu uns.»
Ahner: «Es ist bedauerlich, dass wir uns mit dieser Materie hier beschäftigen müssen, und es handelt sich auch eigentlich nicht darum, bei dieser alten Geschichte in Erwägung zu ziehen, was damals geschehen ist. Ich selbst war damals mit im Vorstande: Als der Antrag auf Ausschluss des Herrn Doktor Vollrath eingebracht worden ist von Frau Wolfram. Ich muss aber offen gestehen, dass mir vorher nicht die geringste Information über die Angelegenheit zugegangen ist. Ich stand einfach vor einer ganz dunklen Geschichte und war in der Tat höchst erstaunt, diesen Antrag von Frau Wolfram zu hören. Ich habe damals in der Vorstandssitzung weiter nichts in der Sache erblicken können als persönliche Angelegenheiten zwischen diesen beiden Persönlichkeiten. Und aus diesem Grunde habe ich mir gesagt: Aus persönlichen Missverständnissen heraus kann man niemanden aus der Theosophischen Gesellschaft ausschließen. Doktor Vollrath hat auch nie Gelegenheit gehabt, sich zu verteidigen. Er ist nicht zur Vorstandssitzung aufgefordert worden, er hat nicht Gelegenheit gehabt, den Vorstandsmitgliedern Material zu unterbreiten, dass sie hätten Einsicht in die Dinge bekommen können. Es ist lediglich Frau Wolfram gehört worden. «Aber eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man muss sie [billig] hören beede». Das ist, wie ich glaube, ein alter deutscher Spruch, der auch heute noch Geltung hat unter gerechtigkeitsliebenden Menschen.
Ich muss hier auch gestehen, dass ich durchaus nicht etwa persönlich für Doktor Vollrath einzutreten gedenke oder irgendwie die Absicht habe, mich persönlich in Gegensatz zu irgendwelchem Vorstandsmitgliede zu stellen. Für mich gelten Personen in dieser Angelegenheit gar nichts. Mir sind in dieser Angelegenheit Personen eine Null. Nur in den Leuten, in denen die Person die Oberhand hat, in denen die Person alles sein will, kann das Persönliche Geltung haben, denn Sie wissen ja, vor Gott hat die Person keinen Wert. Ich sage also: Persönlich halte ich diese Angelegenheit für nichtig. Ich würde den Antrag fallen lassen, wenn mein Vorschlag angenommen würde. Lassen Sie den Geist christlicher Nächstenliebe walten und lassen Doktor Vollrath Sektions-Mitglied sein. Dann ist alles gut. Würde er da schaden können? Nein. Wenn Sie das meinen, dann prüfen Sie aber auch die 2000 Mitglieder der Gesellschaft, prüfen Sie die Herzen, fangen Sie an mit dem Prinzipe der Sozialdemokratie: Wer nicht pariert, der fliegt. Tun Sie, was Sie wollen, ich muss aber sagen: Es ist heute ein entscheidender Tag für die Theosophische Gesellschaft. Annie Besant würde, wenn sie hier wäre, sicherlich zum Frieden sprechen, und auch der alte Doktor Hübbe-Schleiden, der jetzt an achtzig Jahre alt ist, unterstützt den Antrag. Die Eingabe, die gemacht ist von Doktor Vollrath, die negiere ich vollständig. Wir haben das nicht geschrieben und brauchen es nicht zu vertreten. Aber ich sage: Urteilen Sie nicht nach dem irdischen Verstande, sondern greifen Sie an Ihr Herz, denken Sie, dass Ihr Intellekt etwas Vergängliches ist, und dass wir das Persönliche, welches kein Ansehen hat vor Gott, fallen lassen. Lassen Sie den Christus in Ihnen sprechen. Die Herren Pastoren haben alles recht schön vorgebracht. Aber ich muss gestehen: Es gibt immer wieder Stellen in der Bibel, die man dazu ausnutzen kann, das Gegenteil zu beweisen von dem, was gesagt ist. Ich verstehe das, was vom Geist der Liebe in der Bibel gesagt ist. Ich glaube die Herren Pastoren werden auch das Kapitel des ersten Korinther-Briefes, welches von dem hohen Liede der Liebe handelt, gelesen haben; oder wenn sie es nicht gelesen haben, dann gucken sie es sich einmal an.»
Arenson: «Es ist nicht wahr, dass nur Frau Wolfram in dieser Sache zur Sprache gekommen ist, es ist durchaus so gewesen, wie die Dinge im Protokoll geschildert sind. Wir haben Gelegenheit gehabt, die Sache gründlich zu prüfen. Herr Vollrath hat Gelegenheit gehabt, zu sprechen. Ob Herr Ahner sich in die Sache hat hineinleben können, das zu entscheiden, obliegt uns nicht. Wenn er sagt, dass es nicht der Fall war, so glauben wir es ihm sofort. Wir andern aber haben einen vollständigen Einblick in die Sache bekommen und konnten unsern Entschluss fassen.»
Dr. Steiner: «Es sollte hier eine Gepflogenheit sein, auch in scheinbar unwesentlichen Dingen auf das Wahre hinzuweisen: Doktor Hübbe-Schleiden ist nicht an 80, sondern etwa 62 Jahre alt- Herr Günther Wagner verbessert 65 Jahre. Ich bitte das nicht als Pedanterie zu betrachten, wenn ich mit Nachdruck dessen Jugendlichkeit verteidige.»
Das Wort hat Herr von Rainer: «Wie der Vorsitzende erwähnt hat, ist die Debatte nicht als eine persönliche, sondern als eine prinzipielle zu betrachten, und ich sehe in dieser ganzen Debatte nicht etwa die Frage zur Entscheidung gestellt, die Personen betrifft, sondern die Frage, ob die Verfassung des Vereins in der Art, wie sie ist, weiterhin bestehen bleiben kann, ob sie in der Art, wie sie gemeiniglich bei den Vereinen besteht, auch bei unserer Gesellschaft fernerhin bestehen bleiben kann. Wenn wir das, was heute gesprochen worden ist, und die Art und Weise, wie Anträge gestellt und begründet worden sind, uns vergegenwärtigen, so müssen wir uns sagen: Es ist etwas darin, was charakteristisch ist für unser heutiges Vereins- und öffentliches Leben und was fußt auf missverstandenen allgemeinen Menschenrechten, indem jedem Menschen im Verein oder im öffentlichen Leben das Recht zugestanden werden soll, dass er alles vorbringen kann, was er nur vorbringen will. Es ist das einfach ein Missbrauch des Wortes. Wir müssen zugestehen, dass schöne Worte gebraucht worden sind zur Unterstützung der Anträge, wir müssen aber auch sagen, dass es nur Worte sind, die in der angedeuteten Art missbraucht wurden. Es handelt sich nicht darum, dass schöne und gute Gründe für den Antrag angeführt worden sind, sondern um etwas anderes, und von diesem anderen sagt jeder der Antragsteller und Verteidiger, dass er damit nichts zu tun haben will. Es handelt sich nämlich um Inhalt und Form der Anträge, die hier eingebracht worden sind. Deshalb müssen wir sagen, dass es mit einem Statut, in der Form, wie es heute ist, nicht weitergehen kann, und daher stelle ich den Antrag: Die zehnte Generalversammlung möge beschließen, dass eine Kommission zur Revision der Statuten im Sinne der von den Herren Bauer und Unger geäußerten Ansichten eingesetzt werde, deren Mitglieder vom Vorstande zu ernennen sind.
Wenn Sie diesen Antrag zum Beschluss erheben, dann werden Sie die positive Seite dessen, was heute hier besprochen worden ist, unterstützen, dann werden Sie die positive Seite hervorkehren. Sie zeigen dann, dass Sie Vertrauen zu unserm Vorstande haben. Weil wir dieses haben, legen wir es in seine Hände, ein Statut zu verfassen, wie es richtig ist für unsere Gesellschaft. Der Vorstand, wird dann auch einen Ausdruck zu finden vermögen, dass in unserer Versammlung ein Verständnis aufzugehen beginnt für das, was uns als Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft hier geboten wird. Es wird das sein ein mächtiger Impuls, der von uns herausgeboren wird, in welchem der Vorstand eine mächtige Anregung haben wird, und der ihm zugleich das Vertrauen geben muss für seine weitere Arbeit. Wenn einer etwas liest wie dieses Pamphlet, so soll er auf der anderen Seite auch die Möglichkeit haben zu wissen, was zu halten ist von dem, was so über Theosophie und ihre Führer gefaselt wird. Dann werden auch die Worte, die gesprochen worden sind, nicht im Geringsten imstande sein, das Verhältnis zu unserm Führer in irgendeiner Weise zu berühren. Ich empfehle daher diesen Antrag einstimmig anzunehmen.»
Der nächste Redner ist Herr Walther: «Es ist heute Morgen von den Unterstützern jenes Schriftstückes, das nun so häufig schon hat an unser Ohr klingen müssen, vorgebracht worden, dass der Ausschluss Doktor Vollraths zu Unrecht erfolgt sei. Demgegenüber darf ich als Teilnehmer an jener Generalversammlung erklären, dass Doktor Vollrath eben in der Generalversammlung, also öffentlich vor allen Mitgliedern, seine Einwendungen hat vorbringen dürfen, dass wir alle die Einwendungen gehört haben und auch hören durften die Gründe, die zu seinem Ausschlusse geführt haben, und diese Gründe waren sehr ernster Natur, denn es handelte sich um das Leben eines Teiles unserer Gesellschaft, nämlich des Leipziger Zweiges. Wenn von unserm Vorstande gesagt worden ist, dass unser Leipziger Zweig nicht mehr existieren kann, wenn von einem Mitgliede wie Doktor Vollrath diesem Zweige fortgesetzt Schikanen bereitet werden, dann mussten wir - und zwar auch aus Christenpflicht heraus -, diesem Zweige zu Hilfe kommen. Wir mussten diesen Antrag unterstützen, und wir haben ihn damals auch fast einmütig unterstützt. Es mögen einzelne unter uns gewesen sein, die ihm damals nicht beigestimmt haben, aber die weitaus größte Mehrzahl hat es sicher getan. Heute stehen wir vor einer noch viel gewichtigeren Sache, heute gilt es unseren ganzen Körper zu verteidigen gegen die Angriffe, die von anderer Seite gegen unsere Sektion gesprochen worden sind. Es handelt sich nicht um Persönlichkeiten hier, es handelt sich nicht darum, ob dieser ‚oder jener im Vorstande ist, ob dieser oder jener unter uns lehrt, sondern um das, was gelehrt wird. Wir haben als Mitglieder die Pflicht, zu prüfen, was uns an Lehren geboten wird und uns dann nach erfolgter Prüfung zu entscheiden, und da glaube ich, wenn ich für mich spreche, dann ist es nicht aus einer persönlichen Neigung gegenüber meinem Lehrer heraus, sondern aus meiner innersten Erkenntnis heraus, in ganz Weise, wie dies auch von unserm lieben Mitgliede, dem Pfarrer Klein, geschildert wurde, aus einer Erkenntnis heraus, die in schwerer geistiger Arbeit errungen worden ist. Nicht die Person des Führers war es also, die mich zu ihm geführt hat, sondern die Sache. Aus dieser Tatsache heraus, fühle ich mich gedrungen, zu Ihnen zu sprechen und zu sagen: Prüfen Sie die Wahrheiten, die Ihnen hier gegeben werden, vergleichen Sie sie und entscheiden Sie sich dann. Und wenn Sie die Dinge mit all ihrer Gedankenkraft geprüft haben, dann werden Sie finden, wohin Sie Ihren Weg zu nehmen haben, dann werden Sie sich entscheiden nach der Sache, dann werden Sie sehen, dass es gilt hier ein Weisheitsgut zu schützen, das uns geraubt werden soll, indem es in Hände gerät, die unberufen sind. Auf die Gefährlichkeit einer solchen Möglichkeit wurde ja schon hingewiesen. Darum bitte ich, dass die letzten Anträge, die hier mitgeteilt wurden, zur Diskussion gestellt werden, damit daraufhin ein neues Statut ausgearbeitet werden kann, welches die Möglichkeit bietet, dieses Weisheitsgut zu schützen. Wenn wir auch ganz allein in unseren theosophischen Gruppen wirken müssten, so wollen wir doch feststehen, weil wir erkannt haben, dass es Weisheit ist aus göttlichen Höhen, die hier infrage steht, und dass wir darauf hinarbeiten müssen, dass wir gleichsam einen Panzer für die Deutsche Sektion schmieden, indem wir ein Statut ausarbeiten, gemäß dessen es nicht mehr möglich sein wird, dass Elemente in unsere Gesellschaft hineinkommen oder darin auftreten können, die Bresche legen wollen in das Gebäude, das wir so mühsam gebaut haben. Darum bitte ich zu diesem Antrag Stellung zu nehmen, der Art, dass wir ausarbeiten lassen das Statut von unserm Vorstande, zu dem wir Vertrauen gehabt haben und noch das Vertrauen haben, dass er auch dieses Werk zu unserem Heile durchführen wird.»
Der nächste Redner ist Architekt [Schmid]; «Den Worten meiner Vorredner oder besser dem Antrage des Herrn von Rainer wäre nur noch das eine hinzuzufügen, (hier unterbricht Herr Krojanker, indem er sagt, dass er sich früher zum Wort gemeldet habe, worauf Herr Dr. Steiner erwidert, dass Herr [Schmid] schon vor ihm auf der Rednerliste stehe), dass nicht gesagt wird, dem Vorstande werde anheimgegeben, eine Kommission zu wählen, sondern dass der Vorstand diese Arbeit selber vollziehen möge. Es liegt mir sehr viel daran, dass der Antrag in dieser Form zur Annahme kommt, weil wir in gewisser Weise damit ausdrücken können, was wir mit der ganzen Sache wollen, nämlich, dass wir unseren Vorstand sowohl bezüglich der Vergangenheit als auch fü die Zukunft als vollkommen befähigt und vertrauenswürdig halten, alle derartigen Dinge von sich heraus auszuarbeiten. Damit weisen wir auch darauf hin, was heute Abend schon angeregt worden ist, dass nur der Vorstand derartige Schriftstücke in seiner Mitte verarbeiten möge. Im Hinblick auf den neuen Antrag des Herrn von Rainer, wird es indessen nicht von Bedeutung sein, das aufrechtzuerhalten. Ich bitte aber dadurch ein Vertrauensvotum auszusprechen - obgleich wir es gar nicht nötig hätten —, dass wir den Vorstand für genügend halten, diese Satzungsänderungen selbst vorzunehmen.»
Das Wort hat Frau Dr. Vollrath: «Es ist so viel hin und her geredet worden, dass ich nun doch noch etwas sagen muss. Vor allen Dingen ist Doktor Vollrath der Vorwurf gemacht worden - und es werden ihm geradezu schlechte Motive untergeschoben -, dass er Doktor Steiners Ruf schädigen wolle. Ich fühle mich kompetent, sagen zu können, dass dem nicht so ist. Doktor Vollrath würde in keiner Art und Weise diese Eingabe gemacht haben, wenn er nicht wiederholt aus der Leipziger Loge von Mitgliedern, die zu uns gekommen sind, gehört hätte, dass von Frau Wolfram in ihren Kursen behauptet werde, dass sich Doktor Vollrath des Diebstahls an geistigem Eigentum schuldig gemacht habe, indem er aus Vorträgen Doktor Steiners Sachen zusammenstelle und sie dann veröffentliche. Doktor Vollrath war darüber sehr aufgebracht. Ich habe ihm seinerzeit gesagt: Es nützt nichts, hier die ganze Ausschlussaffäre wieder aufzurütteln. Er sagte aber: Nein, das muss sein, das kann ich nicht auf mir sitzen lassen; denn, erstens kommen in meiner Zeitschrift Aber auch die damalige Versammlung hat nur zum kleinsten Teile gewusst, dass Frau Wolfram ein gutes Motiv bei ihrem Vorgehen gegen Doktor Vollrath nicht gehabt hat. Dass sie das nicht gehabt hat, geht schon daraus hervor, dass sie mich in einer Weise empfing, als ich sie infolge ihrer Einladung besuchte, die nicht mehr als theosophisch zu bezeichnen ist. Sie empfing mich mit den Worten: «Wissen Sie schon das Neueste? Doktor Vollrath ist verrückt» Das war mir, die ich Doktor Vollrath seit zehn Jahren kenne, sehr schmerzlich, und ich meine, wenn irgendjemand wirklich etwas hat oder seine Nerven etwas herunter sind, so sollte man deswegen in einer Theosophischen Gesellschaft keine Gedanken dieser Art ausbreiten, weil man als Theosoph doch wissen muss, dass auch solche Dinge auf die Menschen wirken. Da kann es dann allerdings vorkommen, dass ein Mensch verrückt wird, nicht aber etwa durch Krankheit, sondern durch die schlechten Gedanken der andern. Ich bin überzeugt, dass alle die Personen, die ihre Hand hier im Spiele haben, sich ein schweres Karma schufen. Ich möchte also hier nur sagen, dass Doktor Vollrath unrichtige Motive untergeschoben werden. Man bedenke doch das eine: Man verbreitet doch nicht theosophische Schriften, wenn man die Theosophische Gesellschaft schädigen will. Wir haben bei unserer Arbeit so und so viele tausend Mark zugesetzt, und wir setzen täglich noch zu; wir haben noch gar nichts verdient. Doktor Vollrath ist aber auch anders veranlagt als die andern. Er will sich nicht an die Rockschöße von Doktor Steiner hängen, er will sich nicht führen lassen. Ich meine, deshalb hätte man ihn aber doch noch als Mitglied betrachten können. Dann hätte man ihm auch damals sagen können: Lassen Sie doch die Sache, setzen Sie diese Dinge doch nicht in die Welt. - Doktor Vollrath ist eine eigenartige Natur, die immer das Gegenteil tut von dem, was der andere will, wenn man ihm nicht reinen Wein einschenkt und alles offen sagt. Wenn man ihm aber gesagt hätte, lasse das, das nützt nichts, höre doch auf damit, und hätte ihm die Gründe dafür auseinandergesetzt, dann wäre ihm wohl beizukommen gewesen. Ich bin überzeugt davon. In einem so großen Werke, wie unsere Bewegung cs ist, sollte niemand erwarten, dass alle seine Gefährten ihm gleichwertig sind, gleich intuitiv, gleich mutig und so weiter. Nun ist aber der erste Schritt des Weges, dass man schonungsvoll ist gegenüber Personen von höchst ungleichem Charakter und ungleichen Eigenschaften und so weiter. Ein Zeichen von Rückschritt wäre es, von dem andern zu erwarten, dass er liebe, was man selber liebt, handle, wie man selber handelt, und Mahatma Kuthumi sagt: Solange man noch keinen vollkommenen Gerechtigkeitssinn entwickelt hat, sollte man lieber Mitleid walten lassen, als das geringste Unrecht begehen.» Das Wort hat Herr Krojanker: «Selbst in einem politischen Verein ist es nicht Sitte, dass man die Gegner so persönlich angreift, wie es hier der Fall gewesen ist. Wenn bedauert worden ist, dass eine Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft gezwungen wurde, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen und sich mit ihnen abzufinden, so muss ich die Schuld von den Antragstellern durchaus abwälzen. Wir haben es Ihnen anheimgegeben, einfach eine Kommission zu wählen. Es brauchten hier die Einzelheiten nicht breitgetreten zu werden; und trotz dieser Breittreterei brauchen Sie doch noch nicht unterrichtet zu sein. Um genügend unterrichtet zu sein, müsste eine solche Kommission gewählt werden. Warum fühlt sich denn der Vorstand persönlich beleidigt? Dadurch, dass eine solche Kommission gewählt werden soll? Sehen Sie doch einmal in der Welt herum, und betrachten Sie sich die Sache im Vergleich zu einem Gericht draußen. Natürlich nimmt man doch als selbstverständlich an, dass ein Richter sein Urteil nach bestem Wissen und Gewissen abgibt. Kann er aber deshalb böse sein, wenn man eine Sache einem andern Richterkollegium zur nochmaligen Beurteilung überweist? Nein, denn es kann ja der Fall sein, dass der erste Richter dieses oder jenes gar nicht gesehen hat. Dass man diesen Wunsch so angreift, ist mir sehr merkwürdig. Es handelt sich doch gar nicht darum, Doktor Steiner zu nahezutreten, es handelt sich doch gar nicht darum, der Theosophischen Gesellschaft zu nahezutreten. Es muss doch ein Unterschied gemacht werden zwischen der Theosophie und einer Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft. Die ist doch dazu da, weltliche Dinge zu behandeln. Wenn Sie das nicht wollen, dann schaffen Sie die Generalversammlung doch ab. Wenn man eine Generalversammlung ansetzt, dann nimmt man doch an, dass darin auch verhandelt werden soll, und das, was hier vorgebracht wurde, sind doch Dinge, die im Rahmen einer Theosophischen Gesellschaft durchaus möglich sind. Deshalb aber darf man doch nicht einfach diejenigen, welche einmal gegen den Strom schwimmen, so herunterreißen, wie das hier geschehen ist. Niemand hat das Recht, zu beurteilen, wie sehr ich Theosoph bin oder nicht, niemand kann beurteilen, wie ich der Theosophischen Gesellschaft nützen kann oder nicht. Hier haben Sie soeben Frau Vollrath gehört und sie hat unendlich schonend gesprochen. Verweisen Sie die Angelegenheit aus der Gesellschaft heraus, so bleibt dieselbe als solche doch bestehen, und besonders dürfte die Affäre Vollrach-Wolfram noch nicht beendigt sein. Weshalb sind auch die persönlichen Anfeindungen gegen uns gerichtet worden? Sind unsere Namen unter dem Antrage von Doktor Vollrath ‚oder unter unserm eigenen Antrage? Hat dieser vielleicht etwas Ehrenrühriges? Verstößt er gegen das Wesen der Theosophischen Gesellschaft? Nein, alles, was darinnen steht, kann bestehen und ist sachlich begründet. Wollen Sie unsern Antrag nicht annehmen, dann wird eben die Sache nicht vor die Kommission kommen. Die persönlichen Angriffe, die sollten aber unterbleiben können.» Dr. Steiner: «In gewisser Beziehung liegt - und deshalb muss ich hier einige Worte sagen - ein versteckter Angriff auf die Geschäftsführung des Tages in dem, was Herr Krojanker sagt, da er hier zum zweiten Male tadelt, dass diese Dinge in so breiter Weise behandelt werden. Darin steckt ein versteckter Angriff gegen die Geschäftsführung, ebenso wie auch darin, dass Herr Krojanker gesagt hat, dass die ganze Broschüre nicht vorgelesen zu werden brauchte. Es ist hier ein Antrag gestellt, den Ihnen vorzulegen ich die Verantwortung nicht hätte übernehmen können, wenn nicht zu gleicher Zeit die Unterlagen geschaffen worden wären, durch die Sie sich bis zu einem gewissen Grade doch ein durchgreifendes Urteil schaffen konnten. Ich möchte Sie doch fragen, ob in Bezug auf die Urteilfindung bei diesem Antrage nicht doch einiges von dem, worauf der Antrag fußte, wirklich zu Gemüte zu führen war. Sie mussten doch wissen, warum Sie einer Kommission von sieben Mitgliedern zustimmen sollen. Zur Urteilsfindung waren gewisse Unterlagen nötig, und ich muss gestehen, dass ich von diesem rein geschäftsmäßigen Standpunkte, den ich vorläufig einhalten werde, nicht erkenne, wie man auf der einen Seite über den gestellten Antrag einen Beschluss fassen soll, und wie auf der andern Seite nicht das geschehen soll, was den Einzelnen befähigen kann, die richtige Stellung gegenüber der Sache und das richtige Urteil zu finden. Das andere würde heißen: Wir stellen den Antrag, nehmt ihn unter allen Umständen an. Ich möchte hier nur fragen, was die Herren Antragsteller sagen würden, wenn der Antrag pauschaliter abgelehnt worden wäre? Die Antragsteller sollten das weiteste Entgegenkommen darin sehen, dass wir uns den ganzen Tag damit beschäftigt haben, damit uns alle Unterlagen bekannt würden, die dazu dienen können, ein richtiges Urteil zu bilden. Zu unserm Vergnügen haben wir die Sache nicht breitgetreten, und es ist gut, dass damit die Möglichkeit, eine doppelte Sprache in der Welt zu führen, aus der Welt geschafft wird. Denn auf der einen Seite hieße es, in der Theosophischen Gesellschaft herrscht nichts als Autoritätsglaube, und man kennt darin nichts anderes, als das nachzusprechen, was von gewissen Stellen aus gesagt wird. Wenn aber dann von gewissen Stellen aus in entsprechender Weise an die Mitglieder appelliert wird, eine Sache wirklich zu Ende zu führen, dann heißt es auf der anderen Seite: Warum kürzt man die Debatte nicht ab und liest uns erst die nötigen Unterlagen zur Urteilsfindung vor. Dies nur gegen die versteckten Vorwürfe gegenüber der Geschäftsführung. Mittlerweile ist es sechs Uhr geworden. Eingezeichnet in die Rednerliste sind noch: Herr Tessmar und Frau Wolfram. Ich bedaure sehr, dass wegen der Einrichtungen des Architektenhauses keine andere Tageseinteilung möglich war. Ich bitte Sie daher, sich jetzt über die Sachen draußen herzumachen und sich, wenn alles aufgezehrt ist, zu einem Beisammensein hier wieder zusammenzufinden. Zwei Möglichkeiten liegen da vor: Die eine ist die, dass wir die angesetzten künstlerischen Darbietungen entgegennehmen, die andere die, dass wir schon heute die Debatte, die wir begonnen haben, fortsetzen und den geselligen Abend auf den morgigen Tag verlegen. In diesem letzteren Falle würden wir um acht Uhr die unterbrochene Debatte fortsetzen können. Im anderen Falle würde die Fortsetzung der Debatte morgen früh um zehn Uhr erfolgen müssen. Ich bitte Sie, da wir jetzt über die Tageszeit der Versammlung abstimmen, sich als Urversammlung zu betrachten.» Die Versammlung entschloss sich für die Fortsetzung der Debatte um acht Uhr. Fortsetzung um acht Uhr abends: Frau Wolfram will feststellen, dass sie niemals irgendetwas gesagt habe, das Herrn Dr. Vollrath hätte schädigen können. Sie habe nur auf Fragen wahrheitsgemäß geantwortet. Diese Antworten seien durch Logenklatsch kolportiert worden, wovon sie selbst nichts gewusst habe. Erst auf der Generalversammlung der Leipziger Loge habe sie davon erfahren. Die Behauptung, sie habe Dr. Vollrath des geistigen Diebstahls beschuldigt, sei gegenstandslos, da Dr. Vollrath selbst nicht Autor sei. Außerdem wendet sich Frau Wolfram gegen die Drohung des Herrn Krojanker, dass die ganze Sache außerhalb der Gesellschaft eine Fortsetzung haben würde, wenn innerhalb der Gesellschaft alle Anträge abgewiesen würden, indem sie mitteilt, dass sie längst bereit sei, sich einer Eventualität gegenübergestellt zu sehen, wie sie hier gemeint zu sein scheint. Frau Wolfram betont noch, dass sie dem Verlage «Wahres Leben eine Auskunft, die verlangt worden war über Herrn Dr. Vollrath, versagt habe. Frau Dr. Vollrath gibt die Möglichkeit eines Logenklatsches zu. Sie habe geglaubt, was ihr überbracht worden sei. Außerdem teilt sie für Herrn Krojanker, der nicht anwesend ist, mit, dass ihm gegenüber ein Missverständnis vorliege, da er geglaubt habe, dass erst der zu wählenden Kommission, nicht der Generalversammlung, die Broschüre vorgelegt werden solle. Herr Dr. Steiner: «Sie verzeihen, dass ich an dieser Stelle in die Debatte mit einigen Bemerkungen eingreife, die notwendig sind. Ich möchte in Form von ein paar Fragen dasjenige sagen, was ich gerne in diesem Augenblicke sagen würde. Es bleibt selbstverständlich durchaus Frau Doktor Vollrath überlassen, die Antwort zu geben oder nicht zu geben. Frau Doktor Vollrath hat in einer, wie ich sehr gerne gestehe, äußerst sympathischen Weise Verschiedenes auseinandergesetzt, was mir nach zwei Richtungen hin wichtig ist. Auf der einen Seite erfahren wir dadurch in einer bestimmten Art etwas darüber, worüber Herr Doktor Vollrath sich eigentlich beklagt; denn aus dem Schriftstück konnten wir das nicht finden. Auf der anderen Seite ist mir das Gesagte deshalb interessant, weil wir daraus ersehen können, wie der Gang der Verhandlung in jener Kommission sich bewerkstelligen würde. Man würde immer neue Dinge anführen, und man käme niemals an ein Ende. So lassen Sie mich die Frage stellen, und ich bitte Frau Doktor Vollrath mir zu antworten. Frau Doktor Vollrath hat ausgeführt, ihr Mann beklage sich, dass man ihm vorgeworfen habe, er hätte irgendwelche Dinge, die aus meinen Büchern oder aus meinen Vorträgen stammen, veröffentlicht. Ich möchte nun bemerken, dass ich selber derartiges niemals oder höchstens ironisch besprochen habe. Ich müsste in meiner nicht nur theosophischen, sondern auch vortheosophischen Zeit wirklich recht weit zurückgehen, wenn ich alles als eine Plagierung auffassen würde, was aus meinen Ideen von andern genommen worden ist. Ernstlich würde ich mich nur in dem Falle dagegen wenden, wenn es zu Irrtümern führen könnte. Zu einem Irrtum hat es ja hier tatsächlich nicht geführt. Innerhalb gewisser Grenzen betrachte ich dasjenige, was geistig hervorgebracht wird, als ein Gut, das dazu in die Welt gebracht wird, damit es verbreitet wird. Es ist aber heute gesagt worden, was eben in jener Broschüre nicht steht, dass sich Herr Doktor Vollrath durch diesen Vorwurf getroffen fühlte; warum hat Herr Vollrath diese Sache nicht in seine Broschüre hineingeschrieben, sondern zum Beispiel die Sache mit Leadbeater, von der objektiv gerade das Umgekehrte richtig ist? Es ist nicht einerlei, dass, während tatsächlich alte Mitglieder über Leadbeater so gesprochen haben, als ob man ihn mit den Stiefelabsätzen herausstoßen müsse, ich ihn damals verteidigt habe. Wenn Herr Vollrath sich durch das von Frau Doktor Vollrath Vorgebrachte angegriffen fühlt, warum schreibt er nicht dieses, sondern etwas, was nicht richtig ist. Es ist nicht einerlei, ob durch die Doktor Vollrath’sche Broschüre, wenn sie etwa nach Adyar geschickt wird, ein sonderbares Bild hervorgerufen wird, wenn die Leute da vernehmen, dass ich Leadbeater angegriffen und nicht verteidigt hätte. Nun stelle ich die Frage: Warum sagt Herr Doktor Vollrath nicht dasjenige, worüber er sich wirklich zu beschweren hat, dafür aber etwas, was objektiv nicht richtig ist? Ich möchte doch schon jetzt auch bemerken, dass es recht sonderbar von uns wäre, wenn wir uns durch Drohungen einschüchtern und beeinflussen ließen. Es wäre von Bedeutung und für mich sehr wichtig, wenn alles vorgebracht würde, was man vorbringen kann. Wir wollen nach keiner Richtung hin geschont werden. Wir wollen lediglich der Wahrheit auf den Grund kommen. Dass also gesagt werden konnte, dass etwas geschehen würde, wenn wir der Minorität nicht den Willen tun, das ist, wie ich gestehen muss, eine sonderbare Art, eine Debatte zu führen. Bitte, Frau Doktor Vollrath, fassen Sie dies nicht auf in einer anderen Weise, als dass ich bemüht bin, die Sache so objektiv als möglich zu führen. Es wäre wirklich ein Leichtes, noch mancherlei vorzubringen, aber ich will darauf verzichten. Selbstverständlich ist es nicht meine Meinung, dass wir Sie in irgendeiner Weise zwingen wollen zu antworten. Es braucht dies natürlich auch nicht sogleich zu geschehen.» Frau Dr. Vollrath: «Ich kenne die näheren Gründe nicht, die Herrn Doktor Vollrath veranlassten, dies zu schreiben. Der Anstoß ist, dass er von Neuem angegriffen worden ist. Deshalb wollte er die früheren Vorgänge darstellen.» Herr Dr. Steiner: «Hat noch jemand etwas zu sagen, was beitragen könnte zur Urteilsbildung über die gestellten Anträge?» Herr Pfarrer Klein: «Ich möchte fragen, inwiefern Herr Doktor Vollrath in der letzten Zeit von Mitgliedern belästigt und angegriffen worden ist, und worin die Kränkungen, die ihm zugefügt worden sein sollen, bestehen?» Frau Dr. Vollrath: «Es ist immer nur von der Leipziger Loge gesprochen worden. Herr Doktor Vollrath sagt: Weil ihm das Messer an die Kehle gesetzt worden sei, deshalb wäre er aggressiv geworden. Er habe sich wehren müssen. Könnte ich jetzt wohl noch einen Antrag stellen? Ist es denn nicht möglich, vor einer Kommission oder vor dem Vorstand Herrn Doktor Vollrath einmal zu hören, damit er sich verteidigen kann? Man möge gestatten, dass eine Aussprache herbeigeführt werde. Wenn es möglich ist, dann stelle ich diesen Antrag; dies ist das Einzige, was ich tun möchte.» Herr Dr. Steiner: «Ich bemerke, dass nach den Vorgängen, die sich zugetragen haben, ich persönlich darüber das Folgende zu sagen habe. Ich bitte dies aber als meine eigene persönliche Meinung aufzufassen. Ich fasse die ganze Sache so auf, dass ich nicht finde, dass man es in diesem Falle als eine Verurteilung ansehen müsse, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. Es handelt sich nicht darum, jemandem abzusprechen, dass er in der Gesellschaft sein kann; es handelt sich darum, dass es sich zeigte, dass Herr Doktor Vollrath mit seiner Anschauung in Kollision mit derjenigen der Gesellschaft stand. Das ist nichts Ehrenrühriges. Ich bat damals selbst darum, die Maßnahme zu mildern, und Herrn Doktor Vollrath nicht auszuschließen, sondern ihn nicht mehr als Mitglied der Gesellschaft zu betrachten. Das besagt klar, um was es sich handelt. Damit ist nur gesagt, dass wir nicht mit ihm zusammenarbeiten können. Es war höchst sachlich gemeint, dass ich diese Bitte an den Vorstand damals stellte. Ich möchte bemerken, dass ich selbstverständlich geneigt bin, Herrn Doktor Vollrach zu hören, dass dann aber jedes Wort absolut festgestellt werden müsste. Bedenken Sie, dass Doktor Vollrath ja aus den Pariser Versammlungen genau das Gegenteil dargestellt hat von dem, was tatsächlich geschehen ist. Ich würde eine Unterredung für fruchtlos halten, wenn nicht jedes Wort genau fixiert würde. Außerdem müssten Sie selber, Frau Doktor Vollrath, da Sie die Antragstellerin sind, bei einer solchen Unterredung dabei sein. Die Sache als solche halte ich für gänzlich fruchtlos, aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass sie deshalb nicht zu unterbleiben brauchte, denn sie könnte ja die Frucht haben, dass diese Fruchtlosigkeit konstatiert würde. Ich möchte noch eine Zwischenbemerkung machen. Nach dem einen Antrag sind nur diejenigen in die Kommission zu wählen, die damals nicht mitgestimmt haben. Ich habe nicht mitgestimmt. Ich muss das von Frau Doktor Vollrath Vorgebrachte selbstverständlich nun als einen Antrag behandeln. Der Vorstand wird sich dazu zu äußern haben. Das ist aber sofort nicht möglich, er müsste sich erst darüber verständigen.» Herr Pfarrer Klein: «Ich bitte, den Antrag abzulehnen, da ich eine Verständigung für ausgeschlossen halte nach dem, was wir aus dem Pamphlet heute gehört haben.» Frau Dr. Vollrath: «Darüber ist Herr Doktor Steiner doch wohl erhaben. Es soll doch Herrn Doktor Vollrath nur die Gelegenheit gegeben werden, etwas wiedergutzumachen.» Herr Pfarrer Klein: «Wenn auch Herr Doktor Steiner selbstverständlich darüber erhaben ist, so sind wir aber nicht darüber erhaben. Wir müssen unseren Führer schützen.» Herr Dr. Steiner: «Es wäre nun doch wirklich recht gut, wenn wir die Dinge nicht auf die persönliche Note legen würden. Es liegt hier doch die Möglichkeit vor, recht leicht abzutrennen die Person von der Sache. Wir würden in einer ganz falschen Beleuchtung die Sache angesehen haben, wenn bei irgendjemandem die Meinung zurückbleiben könnte, dass hier persönliche Angelegenheiten verhandelt worden wären. Was geht uns Frau Wolfram und Herr Doktor Vollrath, was geht uns Doktor Steiner an? Es könnten ja drei ganz beliebige Personen sein. Nehmen Sie doch einmal Bezeichnungen, Signaturen zum Beispiel A, B und C. B betreffe als Signatur eine Dame, es ist gleichgültig ob das Frau Wolfram ist oder eine andere. Über diese Dame ist etwas geschrieben. Es kommt nicht darauf an, dass das von Herrn Doktor Vollrath geschrieben ist. Ich frage Sie jetzt ganz sachlich, ohne Ansehen der Person, was derjenige, der Empfindung im Leibe hat, der die Dinge so nimmt, wie sie vor unsere Ohren getreten sind, was der denkt über die moralische Qualität dieses Satzes: «Mir war die Quelle bekannt, woher Frau Wolfram das Geld für die Ausbildung ihrer beiden Kinder nahm; sie hatte damals zwei. Das war ihr sehr peinlich, und sie fürchtete sich vor meiner Mitwisserschaft, das erklärt teilweise die kühne Anstrengung, mich unschädlich zu machen»? Es liegt also die Tatsache vor, dass der Antrag gestellt wird: Es soll eine Persönlichkeit in die Gesellschaft wieder eingeführt werden, die einen solchen Satz geschrieben hat. Man kann annehmen, es läge gar nichts anderes vor als dieser Satz. Ich frage Sie nun, ob es möglich ist, dass jemand diesen Satz schreibt und innerhalb unserer Gesellschaft ist. Wenn irgendeiner der Meinung ist, dass es jemanden geben sollte, der innerhalb unserer Gesellschaft einen solchen Satz über eine Dame schreiben darf, demgegenüber gibt es zweierlei: Entweder es ist etwas daran wahr - und dann wäre überhaupt nichts darüber zu sagen -, ... oder dieser Satz ist, vielleicht unüberlegt, hingeschrieben. Ich frage Sie nun: Darf ein Theosoph auch nur unüberlegt so etwas hinschreiben? Soll denn bloß immer von Liebe und dergleichen gesprochen werden? Soll nicht einmal gefragt werden, ob derjenige, der unserer Gesellschaft angehört, diese Liebe zu entfalten fähig ist, wenn er in der Lage ist, diesen Satz zu schreiben. Ob es angeht, dass in einer Theosophischen Gesellschaft ein solcher Satz geschrieben wird? Ich würde es als ein großes Unglück betrachten, wenn ein solcher Satz vom Himmel fallen und hier hereinregnen könnte. Es handelt sich in unserem Fall darum, dass man eine Sache auch liest, dass sie als Ausfluss irgendeiner menschlichen Manifestation genommen wer de. Ich bitte zu beachten, dass die Verletzung der Empfindung, die mit diesem Satze gegeben ist, geradezu eine ungeheuerliche ist, sodass ich nicht verstehe, wie man überhaupt vom menschlichen Standpunkte aus dazu kommen kann, eine solche Sache zu verteidigen. Es handelt sich hier wirklich nicht bloß darum, dass dies hier steht, sondern darum, dass es überhaupt möglich ist, einen solchen Satz zu schreiben. Das würde ja auch in der bürgerlichen Gesellschaft als eine schwere Ehrenbeleidigung angesehen werden. Das sind Dinge, die als Empfindungsnuancen in Betracht kommen. Sehen Sie ganz ab von allem Übrigen, und bedenken Sie, ob es möglich ist, dass ein solcher Satz in einer Broschüre stehe, die in Verbindung stünde mit unserer Gesellschaft. Es handelt sich heute nicht darum, über irgendjemanden zu Gericht zu sitzen. Es handelt sich nicht darum, dass diese Dinge in die Luft gesprochen werden, sondern darum, dass wir uns klar werden darüber, dass in der Theosophie die Hauptsache auf das Fühlen und die Empfindung ankommt. Da haben wir ja doch einen Maßstab, den wir anlegen können. Deshalb meine ich, es ist wirklich notwendig, dass wir die Sache von diesem sachlichen Gesichtspunkte aus betrachten. Es ist eine fruchtlose Arbeit, sich verständigen zu wollen mit jemandem, der eine andere Sprache führt. Es ist kein Boden der Verständigung da. Es ist wirklich so, wie wenn man deutsch hinreden würde, und die Antwort chinesisch zurückgegeben würde. Anhören könnten wir Herrn Doktor Vollrath schon, aber herauskommen würde nichts dabei. Das Karmagesetz ist nun doch einmal Gesetz; man muss doch eintreten für dasjenige, was man getan hat. Man kann nicht heute einen solchen Satz in die Welt setzen und sich morgen entschuldigen dafür. Deshalb ist jener Brief von Herrn Doktor Vollrath Ihnen ja vorgelesen worden. Das bitte ich Sie als meine persönliche Meinung zu betrachten. Ich hätte sie nicht vorgebracht, wenn ich nicht gefunden hätte, dass dies nicht genug in Betracht gezogen worden ist. Abgeschen von allem Übrigen, betrachten Sie bitte das, was hier in die Welt gesetzt worden ist als ein objektives Schriftstück; dann ist es eine Unterlage für die Urteilsfindung zum Antrage von Frau Doktor Vollrath. Derselbe kann jetzt sofort nicht erledigt werden. Er muss erst im Vorstande beraten werden.» Herr Pfarrer Klein: «Die Generalversammlung kann aber wünschen, dass der Vorstand nicht darüber abstimmt.» Herr Dr. Steiner: «Der Vorstand kann aber doch noch Herrn Doktor Vollrath anhören, wenn ihm dies gut dünkt.» Herr Tessmar: «Nicht als Vorstandsmitglied könnte ich hier sprechen, denn ich habe kein Mandat dazu. Aber ich möchte meine persönliche Meinung sagen. Ich habe ein sympathisches Gefühl für die Art und Weise, wie Frau Doktor Vollrath gesprochen hat, aber ich halte eine Aussprache mit Doktor Vollrath für vollkommen fruchtlos. Was soll denn in dieser Sache noch gesprochen werden. Herr Krojanker hat von Instanzen gesprochen. In der äußeren Welt kann im Deutschen Reich das Reichsgericht als letzte Instanz entscheiden, weiter geht es nicht. Ein ganz Ähnliches ist ja aber hier geschehen. Die Generalversammlung hat als letzte Instanz damals den Beschluss des Vorstandes sanktioniert. Damit ist doch etwas getan worden. Dann hat Herr Ahner gesagt, er sei damals im Vorstande gewesen und hätte keine Ahnung gehabt von dem, was Doktor Vollrach vorgeworfen worden sei. Das ist aber gar nicht wahr. Man kann so einen Beschluss doch gar nicht fassen, wenn man nicht etwas hat, woran man ihn fassen kann. Wenn Herr Doktor Vollrath einmal sagt, Herr Doktor Steiner trete für Mazdaznan ein, und wir wundern uns alle sehr, und es kommt heraus, dass Herr Doktor Steiner von Ahura Mazdao gesprochen hat, dann hört doch einfach alles auf. Es gibt doch Dinge, die unmöglich sind. Wenn die gegnerische Seite das nicht versteht, so ist es ihr nicht mit Worten zu erklären. Wer das Gefühl nicht hat, dass es dann aus sein muss, dem ist nicht beizukommen. Was würde denn kommen, wenn wir sagen würden: Nun, hier ist die Bruderhand, kommen Sie Herr Vollrath!»? Dann hätten wir morgen doch dieselbe Geschichte. Die Antragsteller haben nicht das Vertrauen zum Vorstand. Ich persönlich habe kein Vertrauen zu Herrn Doktor Vollrath. Würde Herr Vollrath wieder aufgenommen, so würde gesagt werden: Seht Ihr, der Vorstand hatte unrecht! Zweitens aber liegt ja noch die Drohung vor mit dem äußeren Gericht. Das ist eine so gemeine und versteckte Drohung, dass es ganz unmöglich ist, mit dieser Partei zu verhandeln. Es handelt sich hier um die theosophische Sache, die über unseren Gefühlen steht. Es handelt sich um das theosophische Leben. Heute Morgen ist bei den Reden von Herrn Ahner und Herrn Krojanker von einigen Mitgliedern geklatscht worden. Daraus ersieht man doch, dass das Unglück jetzt schon weitergewirkt hat. Sind Sie Gartenbesitzer, und wollen Sie schöne Erdbeeren haben, dann müssen Sie das Unkraut herauswerfen. Sie müssen die Raupen töten oder Sie bekommen keine Erdbeeren. Es ist schlimm genug, wenn in diesem Saale, in dem wir schon so viele herrliche Vorträge hören durften, ein solcher Wurm wie ich reden muss. Ich bin nicht Parlamentarier, mir wäre es viel lieber, ich brauchte nicht zu reden. Auch würde ich lieber Frau Doktor Vollrath helfen. Aber es ist doch unmöglich. «Diem perdid», diesen Tag haben wir verloren. Es muss irgendeine Tat geschehen, dass das nicht wieder vorkommt. Was uns Herr Doktor Steiner gegeben hat, habe ich in mein Herz fließen lassen; und als vor Jahren schon einmal Herr Krojanker eine Sache vorbrachte, habe ich damals schon gesagt: An der Person ist hier nichts gelegen, sondern an der Sache. Schaffen Sie also die Möglichkeit, dass ein Mensch wie ich hier vor Ihnen nicht mehr zu sprechen braucht.» Herr Dr. Steiner: «Es ist aber nun wirklich notwendig, zur Sache zu kommen. Betrachten Sie also den Antrag als gestellt, dass der Vorstand morgen auf den Antrag von Frau Doktor Vollrath eine Antwort gäbe. Es handelt sich ja nur um ein Ja oder Nein. Der Antrag kann aber in diesem Augenblicke nicht erledigt werden. Der Vorstand muss sich doch schlüssig werden können. Das ist doch eine selbstverständliche Sache. Ich schlage vor, dass Sie mich den Vorstand bitten lassen, dass er morgen sagt entweder Ja oder Nein. Ich kann unmöglich geschäftsordnungsmäßig über die Sache hier abstimmen lassen.» Fräulein von Sivers: «Wir könnten ja darüber gleich einig werden. Wir wissen, dass Herr Doktor Vollrath keine wahrhaften Tatsachen vorbringen kann und richtige oft entstellt.» Herr Dr. Steiner: «Es ist geschäftsordnungsmäßig unmöglich, dass der Vorstand jetzt sich über etwas äußere, worüber er sich nur in corpore äußern kann.» Es wird der Antrag gestellt, dass der Vorstand sich auf fünf Minuten zurückziehe. Herr Dr. Steiner: «Es wäre natürlich viel geschickter, wenn uns das nicht aufhalten würde.» Es wird über den Antrag abgestimmt, der Antrag wird abgelehnt. Herr Ahner: «Ich möchte noch etwas berichtigen. Herr Tessmar äußerte, dass damals der Vorstand vollständig orientiert gewesen sei, und dass auch ich orientiert gewesen sein müsste. Ich habe aber keine Gelegenheit gehabt, Herrn Doktor Vollrath damals selbst zu hören, da kann ich nicht mit gutem Gewissen abstimmen. Man muss beide Parteien hören. Als Antwort auf meine Abstimmung wurde ich nicht mehr in den Vorstand gewählt.» Herr Pfarrer Klein beantragt, dass Herr Dr. Vollrath nicht weiter in der Angelegenheit gehört würde. Der Antrag kommt zur Abstimmung und wird angenommen. Herr Dr. Steiner: «Wir kommen nun zu einer Anzahl von Anträgen, die großenteils höchst schwieriger Natur sind. Es liegen vier Anträge vor. Da ist zunächst der Antrag Molt, der eigentlich aus drei Unteranträgen besteht. Der erste Punkt ist: Die zehnte Generalversammlung möge ihre Empörung und Entrüstung zum Ausdruck bringen.» Fräulein Stinde: «Es ist hier schon so vieler Entrüstung Ausdruck gegeben worden, dass es nicht nötig wäre, dieselbe nochmals ausdrücklich zu wiederholen.» Fräulein Brandt: «Man braucht seiner Entrüstung nicht Ausdruck zu geben, da man ja nur Mitleid mit Herrn Doktor Vollrath haben kann.» Herr Dr. Steiner: «Es wird nötig sein, intensiver zu sagen, was wir zu sagen haben als dadurch, dass wir unserer Empörung und Entrüstung Ausdruck geben. Es ist notwendig, dass wir Dinge tun, die sich weniger gegen eine Persönlichkeit richten. Die Schmähschrift ist nicht zur Beurteilung vorgelesen worden, sondern zur Urteilsfindung.» Herr Hubo: «Ich möchte Herrn Molt bitten, diesen Teil des Antrages zurückzuziehen.» Herr Molt: «Ich glaube, es hat genügt, dass wir vorhin die Entrüstung konstatieren konnten, und deshalb glaube ich, diesen Punkt zurückziehen zu können.» Herr Dr. Steiner: «Wir kommen zum zweiten Punkt des Antrages Molt, die Versammlung möge die Anträge Krojanker, Müller, Ahner ablehnen.» Herr Hubo unterstützt diesen Antrag und stellt den Antrag, sofort darüber abzustimmen. Dieser Antrag Hubo wird zur Abstimmung gebracht und angenommen. Der Antrag Molt wird zur Abstimmung gebracht und von der Versammlung mit allen gegen eine Stimme angenommen. Die Anträge Krojanker, Müller, Ahner sind abgelehnt. Herr Dr. Steiner: «Wir kommen zum dritten Punkte des Antrages Molt: «Die Herren, die durch Unterstützung der Anträge Krojanker, Müller, Ahner gegen den Geist der theosophischen Bewegung verstoßen haben, möchten die Konsequenz ihrer Handlungsweise ziehen, indem sie ihren Austritt aus der Gesellschaft erklären.» Herr Ahner: «Wie ich aus diesem Antrage höre, betrachtet man es als untheosophisch, eine andere Meinung zu haben als die Majorität, für untheosophisch, einem bedrängten Bruder zu Hilfe zu kommen, der für die Theosophie nicht wenig getan hat, dessen Tätigkeit volle Anerkennung findet im Hauptquartier in Indien. Er ist von Misses Besant zum Sekretär des Sternes des Ostens ernannt. Wenn Sie die persönliche Meinung eines Menschen als Grund angeben, ihn nicht mehr als Bruder anzuerkennen, so steht Ihnen das frei. Für mich ist das kein Grund. Ich stelle mich auf den christlichen Standpunkt. Ich betrachte es als keine Schande, als Verteidiger Doktor Vollraths hier zu stehen. Ich habe schon gesagt, es ist sehr bequem, mit dem Strom zu schwimmen. Aber dem Hilflosen nicht zu helfen, diesen Vorwurf will ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich brauche keine theosophische Versammlung, keine theosophische Gesellschaft, um zur wahren Erkenntnis zu gelangen. Alle spirituelle Entwicklung muss aus sich selbst herauskommen. Pfropfen Sie nur Ihr Gehirn voll mit Dogmen, da geht Ihnen noch lange nicht das Licht auf. Urteilen Sie, wie Sie wollen, für mich ist kein Grund vorhanden, meinen Austritt zu erklären.» Herr Dr. Stein: Nur ungern soll, weil es sich um die Entscheidung handelt, von mir in die Debatte eingegriffen werden. Ich möchte bemerken, dass der heutige Tag als ein außerordentlich verdienstvoller angesehen werden muss. Damit ist etwas getan, denn das Wichtigste, das geschehen ist, ist, dass eine Anzahl von Persönlichkeiten hier gesprochen hat, sodass wir entgegengesetzte Meinungen hören konnten. Worte sind in gewissem Sinne auch Taten. Lassen Sie mich nun auch meine Meinung vorbringen. Ich sehe absolut keinen Grund ein, dass dieser Punkt des Antrages, der eben verlesen worden ist, angenommen werden sollte. Ich sehe nicht ein, dass durch diesen Punkt etwas anderes erreicht werde als das genaue Gegenteil von dem, was der Antragsteller gerne erreichen möchte. Wir haben den Beweis für meinen Glauben aus der Rede unseres verehrten Freundes Herrn Ahner entnehmen können. Sie bewirken nur durch einen solchen Antrag, dass draußen in der Welt gesagt wird, was eben hier gesagt worden ist: Es wird in der theosophischen Bewegung herausgeworfen derjenige, der einem hilflosen Bruder beisteht. — Ich bitte Sie, diese Worte ein wenig zu prüfen. Wir müssen als Theosophen immer auf dem Boden der Wahrheit stehen. Es handelt sich also darum, ob man ein Recht hat zu sagen: «Wir sind einem hilflosen Bruder beigesprungen. Dieser Satz enthält eine Anklage, in der keine Realität ist, nämlich die, dass die anderen den Hilflosen malträtiert hätten. Hat aber denn in Wahrheit irgendjemand Herrn Vollrath etwas getan? Was ist denn geschehen? Eine Gesellschaft von mehr als 1000 Mitgliedern hat erklärt, sie betrachte Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als zu ihr gehörig. Dieses ist identisch mit dem, wie wenn ich sage, ich kann mit einem gewissen Menschen in meiner Wohnung nicht verkehren. Es kann natürlich jeder seine Theosophie treiben. Es ist also in Wirklichkeit nichts geschehen, als dass festgestellt worden ist, jeder habe das Recht, zu sagen, er könne mit dem oder jenem nicht zusammenarbeiten. Wenn man diesen dann einen Hilflosen nennt und von sich selbst sagt, man habe ihm beigestanden, so liegt darin eine sehr schwere Anklage. Damals habe ich Herrn Doktor Vollrath ausdrücklich gesagt: «Wären Sie Mitglied der Berliner Loge, so läge die Sache ganz. anders, es wäre nicht notwendig, dass Sie austreten» Wir hätten ihn verdaut. Wenn nun jemand kommt und sagt, er hätte diesem Hilflosen beigestanden, so ist das eine schwere Anklage, die keine sehr liebevolle Gesinnung bezeugt. Aber sie ist auch objektiv unwahr, ist keine Realität. Denn Herrn Doktor Vollrath ist ja gar nichts geschehen. Man würde die Theosophische Gesellschaft wahrhaftig überschätzen, wenn man sie erklären würde als eine Korporation, in der man unbedingt darinnen sein müsse, um Theosoph zu sein. Ich kann ja auch den Grund haben, mit einem nicht zusammenarbeiten zu können, weil dieser viel zu genial für mich ist. Ich finde es ganz unverständlich, wenn einer kommt und sagt: Ich will in einer Gesellschaft drinnen sein, die mich gar nicht haben will» Welche Tyrannis käme in die Welt, wenn jeder eine Gesellschaft zwingen könnte, dass sie ihn unbedingt in sich haben müsse. Wenn die Tyrannis so weit gehen könnte, dass jeder in der Lage sein könnte, sich einer Gesellschaft aufzuzwingen, die nicht mit ihm arbeiten will, wo kämen wir hin. Nichts anderes erreichen Sie, wenn Sie diesem dritten Punkt beistimmen, als dass solche Worte wie «Ich stand einem Hilflosen bei, deshalb wurde ich aus der Gesellschaft geworfen» draußen in der Welt gehört würden. Ich glaube, wenn jedes Mitglied sich bewusst ist dessen, was heute zum Ausdruck gebracht worden ist, dass Worte Taten sind, so genügt das. Eine Verständigung ist nicht möglich, wenn Worte gebraucht werden, die objektiv nicht richtig sind.» Herr Molt zieht seinen Antrag zurück. Ein Antrag des Herrn Pastor Wendt betrifft die Ausscheidung derjenigen Mitglieder, die die Anträge in Sachen Vollrath unterstützten. Herr Dr. Steiner bittet diesen Antrag nicht anzunehmen, da derselbe inhaltlich identisch sei mit dem Antrage Molt, der schon zurückgezogen sei. Herr Pfarrer Klein (reicht eine Resolution ein): «Ich möchte bitten, einige sehr dringende Worte von mir anzuhören. Ich lege den allergrößten Wert darauf, dass Sie recht ernst diese Resolution überlegen. Es ist nicht möglich, dass von Adyar aus Herr Doktor Vollrath ausgezeichnet wird durch Verleihung besonderer Titel. Es ist nicht möglich, dass das so weitergehe. In Adyar muss doch bekannt sein, was 1908 vor sich gegangen ist. Es ist ganz unverständlich, dass Doktor Vollrath zum Sekretär des Sternordens aus dem Osten ernannt worden ist. Entweder - Oder! Wenn Herr Doktor Vollrath den Generalsekretär in einem solchen Pamphlet derartig beschimpft, und die Generalversammlung sich energisch gegen diese Tatsache erklärt, so ist eine solche Auszeichnung innerlich unmöglich. Hier handelt es sich nicht um christliche Brüderlichkeit, sondern um Klarheit. Christus hat gesagt: Ich bin die Wahrheit. Man soll aber doch in Adyar wissen, wie hier vorgegangen worden ist. Es wird vom Hauptquartier Adyar aus nicht klar gehandelt. Es kann auch nicht geschehen, dass vonseiten des Hauptquartieres aus in derselben Art weitergewirtschaftet wird wie bisher. Ich möchte, dass in Adyar bekannt werde, dass wir nicht gewillt sind, zu dulden, und es als Schädigung unserer Arbeit empfinden, wenn auf diese unklare Weise - milde gesagt - von Adyar aus Herr Doktor Vollrath unterstützt wird. Ich bin mir der Tragweite dieses Schrittes wohl bewusst, aber ich glaube, dass wir heute nur eine halbe Arbeit getan hätten, wenn wir nicht nach Adyar ein Signal geben würden, dass uns das Vertrauen, das man dort Herrn Doktor Vollrath entgegenbrachte, nachdem die Vorgänge von 1908 bekannt waren, in tiefster Seele verletzt hat; dass man mit der Deutschen Sektion nicht alles machen kann, und dass diese mit der Titelverleihung an Herrn Doktor Vollrath nicht einverstanden sein kann.» Herr Dr. Steiner: «Es ist notwendig, da dieser Punkt eine sehr schwerwiegende Sache ist, und ich der Generalsekretär bin, dass ich mich zu dieser Sache äußere. Es handelt sich hier für mich nicht im Allergeringsten Sinne um meine Person. Es kann aber allerdings notwendig sein, dass die Gesellschaft geschützt werden muss, wenn es sich darum handelt, dass dieser Gesellschaft die Lebensbedingungen abgeschnitten werden, wenn die theosophische Lehre nicht mehr wie bisher verbreitet werden könnte. Bei diesem Punkte können wir noch leichter und bestimmter wie vorher das Sachliche vollständig abtrennen vom Persönlichen. Dieses Sachliche ist das Folgende. Ende Oktober oder Anfang November ist die heute Ihnen verlesene Schrift des Herrn Doktor Vollrath erschienen. Diese Schrift ist nun einmal da und sogar in einer möglichst starken Auflage. In dieser Schrift stehen eine Anzahl Dinge, die, wenn sie wahr wären, doch geeignet wären zu begründen, dass kein Hund mehr von uns ein Stück Brot nähme. Nehmen Sie einmal an, die Dinge, die da geschrieben sind, wären wahr! Da möchte ich Sie doch fragen, ob dann kein Makel an denen hinge, von welchen sie gesagt werden? Kein Hund würde von den mit Namen Genannten noch ein Stück Brot nehmen. Gleichzeitig ungefähr erschien ein «Adyar-Bulletin. Dort waren angeführt als Repräsentant des Sternes des Ostens Doktor Hübbe-Schleiden und als Vertreter Doktor Hugo Vollrath. Wir sind als Deutsche Sektion ein integrierender Teil der Gesamtgesellschaft. Ist es nun richtig, dass man für den Präsidenten eintritt, wo man nur immer kann, oder ist es ein unnormaler Zustand, wenn man nicht für ihn eintreten kann? Nehmen wir an, ich selbst wäre vor die Frage gestellt: «Trittst du für die Präsidentin ein® - Jab. - Wird man mir dann entgegnen: «Dann gibst du aber doch demjenigen, der diese Broschüre geschrieben hat, recht. Denn die Präsidentin ernennt den zu ihrem Vertreter, der so gegen dich auftritt? - Nehmen wir aber an, es würde jemand sagen: «Das brauchst du nicht. Du kannst eintreten für die Präsidentin, trotzdem diese Dinge in der Broschüre stehen, denn die Präsidentin kann ja einen Irrtum begehen. - Die Präsidentin war aber über die Sachlage pflichtgemäß ganz genau von Anfang an unterrichtet. Es ist ihr von Anfang an mit der nötigen Klarheit geschildert worden, was vorgegangen war. Die Präsidentin hat trotzdem dieses Misstrauensvotum gegen den Generalsekretär der Deutschen Sektion abgegeben. Entweder also ist das eine oder das andere in jeder Weise brüchig. Misses Besant musste wissen, wie es um die Dinge steht. Diese Sache steht so da, dass der Generalsekretär durch Adyar gegenwärtig in die Unmöglichkeit versetzt worden ist, die Präsidentin zu verteidigen. Das ist ein anormaler Zustand, und ich versichere Sie, dass es kaum eine schmerzlichere Alternative für mich geben kann. Es ist für mich eine sehr schmerzliche Angelegenheit. Sie wissen, wie weit ich immer, wenn es möglich war, in der Verteidigung der Präsidentin gegangen bin. Aber eines gibt es, das unbedingt maßgebend sein muss, das ist das absolute Feststehen auf dem Boden der Wahrheit. Diese eine Aufgabe habe ich mir gesetzt und das darf ich erwähnen. Derjenige, der vielleicht nicht die okkulte Unterlage, sondern nur die Geschichte der okkulten Bewegung kennt, weiß, wie nahe immer verbunden waren Scharlatanerie und Okkultismus. Es ist eine okkulte Grunderfahrung, dass da nur ein dünnes Spinnwebfädchen zwischen beiden ist. Das eine aber darf ich mir zuschreiben, dieses Ideal habe ich mir gesetzt: Es soll erprobt werden, ob eine absolute, in alle Einzelheiten eingehende Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit verbunden sein kann mit einer okkulten Bewegung. Wenn alles hinschwindet von dem, was wir hier tun können, das eine möchte ich, das niemals hinschwinden kann, dass einmal eine theosophische Bewegung bestanden hat, die sich zur Devise gesetzt hat: Es soll gezeigt werden, dass man wirklich Okkultist und zugleich Vertreter der ungeschminkten, absoluten Wahrheit sein kann. Wer die Geschichte der religiösen Bewegungen kennt, wird mir recht geben. Ich betrachte es daher als eine schwere Anomalie - wenn ich meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringen darf -, wenn es durch die Kurzsichtigkeit der Adyar-Politik unmöglich geworden ist, die Präsidentin zu verteidigen. Das Schmerzlichste ist, dass dies in unserer theosophischen Bewegung hat passieren können. Es ist für mich ein tiefer Schmerz, schmerzlicher als alle anderen Dinge, denn ich muss gestehen, dass niemand Misses Besant mehr lieben kann als ich. Aber der Schmerz ist abgerungen der Wahrheit und die Wahrheit ist dasjenige, was man das Höchste nennen kann. Aber, gemessen an der Liebe ist sie, wie ein Dichter sagt, grausam. Das ist etwas, was notwendig war auszusprechen. Nun könnte man ja leicht sagen: Dann treten wir eben aus der AdyarBewegung aus. Die Adyar-Politik ist nicht identisch mit der Theosophischen Gesellschaft. Aber, wir können uns nicht auf den Standpunkt stellen: Uns gefällt das nicht, oder: Wir spielen nicht mehr mit. Sondern es handelt sich darum, dass wir positiv wissen, was wir wirklich in der Welt vertreten wollen. Entweder ist das, was wir wollen, die Wahrheit - und dann wird sie sich durchringen - oder sie ist es nicht, und dann kann niemand uns retten. So also kann ich nicht einschen, dass eine notwendige Konsequenz wäre für uns, auszutreten. Wenn wir uns nur jederzeit bewusst sind, was wir wollen, dann können wir jederzeit auch sagen, was wir wollen. Gleichgültig wie viele Mitglieder wir sind; wir wissen, was wir wollen, und können es zum Ausdruck bringen. Die Theosophie steht höher als jedes Amt in der Theosophischen Gesellschaft. Wir dürfen es also auch sagen der Präsidentin in Adyar. Unsere Aufgabe ist es zu sagen: Das wollen wir. Und wie man auch in Adyar darüber denken mag: Das wollen wir, wenn wir mit diesem Antrage den Anfang machen, uns auf den Boden eines souveränen Wollens zu stellen. Wenn wir eine solche Sprache führen, so ist das nur die Konsequenz von dem, was heute gesprochen worden ist. Sind also die Dinge, die heute verhandelt wurden, nur zu ihrem hundertsten Teil berechtigt, dann dürfen wir schon sagen: Das wollen wir, und wie viele Mitglieder der Gesellschaft auch dawider sind. Das bezieht sich nicht auf Lehren, sondern auf Verwaltungssachen. Und wenn wir den Anfang machen, dass wir nicht jedes Wort aus Adyar einfach nachsprechen, dann haben wir etwas zu sagen. Es wird in gewisser Weise darauf ankommen, dass wir verstehen, einmal mit Adyar deutlich zu sprechen. Wir werden die Fortsetzung dann schon finden. Es handelt sich immer nur um Verwaltungsfragen, andere Dinge gehören nicht hierher. Theosophie ist ebenso, wie sie über den Erdball hinüber kosmopolitisch ist, zugleich bis zum Exzess individuell. Es hat keinen Sinn, wenn man so viele Sektionen gründet, als Landesgrenzen existieren. Dann könnte man ja auch in der Schweiz so viele Sektionen gründen, so viele Kantone es da gibt. Diese heutigen Einrichtungen entsprechen überhaupt nicht dem theosophischen Geist. Das alles aber würde nicht erschöpfen, um was es sich eigentlich handelt. Es handelt sich darum, dass eine schmerzliche Anomalie geschaffen worden ist, und dass wir nicht anders können, als dieselbe ins Auge fassen. Aber wir müssen das auch zum Ausdruck bringen. Deshalb bitte ich Sie, zu diesem Antrag Stellung zu nehmen.» Fräulein Stinde: «Ich möchte den Antrag des Herrn Pfarrer Klein tte er ihn nicht gestellt, so hätte ich es getan.» Herr Dr. Unger: «Es wäre meine Frage, ob nicht zu überlegen wäre, dass diese Resolution etwas sorgfältiger redigiert würde. Es wäre ein weiterer Vorschlag oder Antrag, dass ein kleinerer Kreis dazu bestimmt werde, über die Art und Weise, wie dieser Protest zum Ausdruck gebracht werden soll, zu beraten, und dass diesem Kreise eine gewisse Zeit zur Verfügung gestellt werde.» Herr Pastor Wendt bittet, dem Vorstande die Abfassung der Resolution zu übertragen. Herr Dr. Steiner: «Ich bitte noch einmal, sich die Sache von dem Standpunkte aus genau zu betrachten, den ich eben angegeben habe. Es ist eine Unmöglichkeit, wenn man nicht die Wahrheit verwuseln will, jetzt Adyar zu verteidigen. Entstellt dargestellt werden kann dies natürlich auch in der Außenwelt. Ich bitte auch ins Auge zu fassen, dass Dinge, die geschehen sind, nicht durch Entschuldigungen aus der Welt geschafft werden. Wir stehen also vor der Frage, ob die Resolution ins Auge gefasst werden soll.» Es wird zur Abstimmung geschritten. Die Versammlung bejaht die Annahme der Resolution. Auch der Antrag des Herrn Pastor Wendt, dass der Vorstand mit der Abfassung und Beförderung der Resolution beauftragt werde, wird von der Versammlung angenommen. Herr von Rainer: Ich möchte beantragen die Einsetzung einer Kommission, zur Ausarbeitung der Statuten im Sinne der Ausführungen Herrn Bauers und Doktor Ungers.» Es wird über diesen Antrag abgestimmt. Der Antrag wird angenommen. Herr Dr. Steiner: «Damit keine Veranlassung gegeben ist, dass diese Generalversammlung ungültig erklärt werde, ist es nötig, dass die Versammlung mir die Indemnität gebe, da nach den Statuten vierzehn Tage vor der Generalversammlung die Abrechnung an die einzelnen Logen vom Generalsekretär geschickt werden soll, dies aber nicht geschehen ist.» Herr Arenson: «Es ist meine Ansicht, dass eine solche Erklärung der Generalversammlung verbunden sein müsste mit einer anderen, nämlich mit dieser, dass die Versammlung sich verbietet, in einem solchen Tone zu unserem Generalsekretär zu sprechen, ganz abgesehen davon, dass man sich hätte erkundigen können, welche Gründe zu der Verzögerung geführt haben; dass so etwas in anderen Ausdrücken geschähe.» Frau Wolfram: «Ich möchte hinzufügen, dass Herr Doktor [Haedicke] vollständig von den Schwierigkeiten solcher Dinge unterrichtet war.» Herr Dr. Steiner: «Es ist auch von mir Herrn Doktor [Haedicke] gesagt worden, dass, wenn irgendeine Lässigkeit vorliegt, das nicht an uns liege, sondern an den einzelnen Logen. Es wäre also zwecklos, mit einem Herrn zu sprechen, der diese Gründe mehrfach gehört hat und trotzdem immer wieder seine Sache vorbringt. Es schreibt also Doktor [Haedicke]: Sie haben die Verfassung mit Ihrer Namensunterschrift unterzeichnet und müssen daher als Mann von Ehre entweder die Verfassung hoch und heilig halten oder diese Verfassung abändern lassen oder aber Ihr Amt niederlegen. Da Sie nun öffentlich von «theosophischen Dogmen» geredet haben.» Das ist eine Behauptung, die auch nicht den Schein von Richtigkeit für sich hat. Wir wollen nicht auf die Logik eingehen. Welche Dinge möglich sind, das sehen wir an diesen Sachen, dass man sich diese unmöglichen, handgreiflichen Sachen als eine Belehrung sagen lassen muss: Bitte erklären Sie also bei Gelegenheit, dass die Theosophische Gesellschaft kein Dogma hat und auch logischerweise niemals eins haben kann, ebenso wie Theosophie nicht Geisteswissenschaft ist, sondern nach Blavatsky, die Weisheit derjenigen, die göttlich sind.» Es kommt also jemand und sagt: Es gibt keine theosophischen Dogmen. Dann aber behauptet er, ich hätte zu erklären, dass Theosophie göttliche Weisheit sei. Das also, was uns nun vorliegt, wäre, dieses Mal für die Pflichtverletzung Indemnität zu geben.» Herr Seiler: «Ich will nicht eingehen darauf, dass da mit dem königlichen Amtsgericht gedroht wird. Ich möchte nur sagen, dass man doch nicht den Generalsekretär belangen kann. Wenn einen eine Schuld trifft, so trifft sie mich. Wenn jemand um Entschuldigung zu bitten hat, so bin ich das. Das kann nur davon herrühren, dass Herr [Haedicke] ein ganz junges Mitglied ist, der gar nicht weiß, wie hier gearbeitet wird. Man muss doch wissen, dass man mit solchen Dingen nicht an Herrn Doktor Steiner herantreten kann und begreifen, dass wir uns alle Mühe geben müssen, den Generalsekretär möglichst frei zu halten von solchen Sachen. Es erscheint mir als eine ganz gewaltige Ungehörigkeit, wenn von Mitgliedern Intentionen hierher gelangen, sodass Herr Doktor Steiner öffentlich um Entschuldigung bitten soll. Das dürfte doch nicht verlangt werden von unserem Generalsekretär.» Herr Dr. Steiner: «Es ist aber nach den Paragrafen nicht anders möglich, als dass Sie mir Indemnität geben, denn Herr Doktor [Haedicke] könnte sonst die Generalversammlung für ungültig erklären. Ich glaube, wir alle haben an dieser Versammlung genug; wir würden dann die ganze Sache noch einmal durchmachen müssen. Deshalb ist es notwendig, dass wir den Punkt so fassen, wie er formal gefasst werden muss. Es darf nicht sein, dass wir heute einen unrichtigen Beschluss fassen. Es ist nötig, dass Sie mir Indemnität geben, weil die Statuten verletzt sind.» Herr Tessmar: «Es steht fest, dass der Antrag von Herrn [Haedicke] auf richtigen Tatsachen basiert. Er ist formal nur nicht richtig, da der betreffende Herr nicht weiß, wie der Kassenbericht zustande kommt. Sie finden hier die wunderbare Sachlage, dass auch wir Revisoren nun mit Recht sagen können: Nein, wir sind Schuld! Die Sache ist die, dass Herr Doktor [Haedicke] mit seinem Antrage tatsächlich recht hat. Hier in den Statuten stehen ja die Worte: «Soll durch den Generalsekretär zugestellt werden. Zu einer Zustellung muss er aber erst etwas haben. Meine persönliche Ansicht ist, dass es ja darauf wirklich nicht so sehr ankommt, sondern darauf, dass theosophische Arbeit geleistet wird. Sie, Herr Doktor [Haedicke], sind nun derjenige, der getan hat, was ich seit acht Jahren wünsche. Sie haben dadurch etwas Gutes geschaffen. Denn jetzt werden ja die Statuten anders gemacht werden; und zwar für diejenigen, die die theosophische Sache nicht begriffen haben und dadurch Paragrafenschnüffler geworden sind. Eine Lex [Haedicke] wird nun nicht mehr da sein. Ich möchte hier den Antrag stellen, dass die Generalversammlung dem Generalsekretär Indemnität erteilt.» Herr Hubo: «Im Anschluss an diesen Antrag des Herrn Tessmar möchte ich den Zusatz beantragen, dass dieses angebliche Versäumnis als unverschuldet betrachtet werde, und dass über alle übrigen Punkte des Antrages [Haedicke] zur Tagesordnung übergegangen werde.» Herr Dr. Steiner: «Es liegt der Antrag vor, dem Generalsekretär Indemnität zu erteilen. Ob verschuldet oder nicht, ist gleichgültig.» Die Generalversammlung erteilt dem Generalsekretär Indemnität durch Abstimmung. Herr Dr. Steiner: «Es liegt ein anderer Antrag vor, der Antrag Arenson: «Die Generalversammlung möge zum Ausdruck bringen, dass man sich den Ton, wie er angeschlagen worden ist von Herrn Doktor [Haedicke], verbietet.» Der Antrag wird angenommen. Herr Dr. Steiner: «Wir kommen zur Dechargenerteilung an den Vorstand. Ich möchte noch ausdrücklich bemerken, dass es mir durchaus nicht darauf ankommt, in irgendeinem Zeitpunkt von dem Amte eines Generalsekretärs zurückzutreten, wenn es etwa notwendig werden sollte aus dem Grunde, weil durch die Art und Weise, wie in der Gesellschaft vorgegangen werden muss, die beiden Ämter, die Führung der theosophischen Bewegung und das Amt des Generalsekretärs nicht mehr verträglich miteinander wären. Es könnte sich das ergeben, wenn nicht zwischen den Zeilen des theosophischen Lebens eine gewisse Billigkeit herrschen würde. Warum sollte das auch nicht möglich sein. Sie müssen dasjenige, was ich jetzt sage, in dem Lichte betrachten, dass ich niemals etwas anderes sein will als ein theosophischer Lehrer, und dass alles dasjenige von mir geschehen muss, was im Sinne der Vertretung der theosophischen Wahrheit geschehen muss. Derjenige, der in einer solchen Lage ist, muss selbstverständlich diesem oder jenem etwas Unangenehmes sagen. Er ist ja verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Die Wahrheit braucht aber nicht immer verstanden zu werden. Da der theosophische Lehrer gezwungen ist, die ungeschminkte Wahrheit jedem einzelnen Menschen zu sagen, so muss er selbstverständlich Feinde haben, Gegner haben. Es kann gar nicht anders sein. Die Art und Weise dieser Gegnerschaften, welche hervorgerufen werden durch die Tätigkeit des theosophischen Lehrers, kann unter Umständen nicht verträglich sein mit der Tätigkeit des Generalsekretärs der Theosophischen Gesellschaft. Wenn dieser Zeitpunkt herbeigekommen sein sollte, wo eine Vereinigung dieser beiden Ämter nicht mehr denkbar wäre, dann wird es nötig sein, an ein anderes Arrangement zu denken. Ich möchte noch bemerken, dass niemand das Recht hat zu sagen, dass am heutigen Tage von mir etwas gesagt worden sei gegen die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft. Es ist nur gesagt worden, dass es mir unmöglich ist, die Präsidentin zu verteidigen. Wir kommen nun dazu, dem Vorstand in seiner Gesamtheit Decharge zu erteilen.» Die Decharge für den Gesamtvorstand wird von der Versammlung erteilt. Herr Dr. Steiner: «Wir schreiten nun zur Neuwahl des Vorstandes, insoweit die Vorstandsmitglieder nicht lebenslänglich gewählt sind. Vom Vorstande werden zu dieser Wahl vorgeschlagen die bisherigen Vorstandsmitglieder, deren Mandat abgelaufen ist: Herr Bauer, Herr Doktor [Grosheintz], Herr Tessmar, Herr Doktor Unger, Frau Noss, Frau Wolfram, Frau Smits. Ferner ist der Vorstand zu ergänzen um zwölf neue Vorstandsmitglieder, da für je 100 Mitglieder ein Vorstandsmitglied gewählt werden muss, und die Gesellschaft seit der letzten Wahl um 1180 Mitglieder gewachsen ist. Für diese Wahl schlägt der Vorstand vor: Frau von Bredow, Fräulein Völker, Frau Wandrey, Herrn Del-Monte, Herrn Doktor Peipers, Herrn Doktor Noll, Gräfin Kalckreuth, Herrn von Rainer, Graf Lerchenfeld, Herrn Professor Gysi, Herrn von Damnitz, Fräulein Mücke. Aus der Versammlung werden vorgeschlagen: Herr Pfarrer Klein, Herr [Walther], Herr van Leer, Fräulein Winkler, Fräulein von Eckardtstein. Herr Molt zur Geschäftsordnung: «Ich möchte bitten, die Vorschläge des Vorstandes anzunehmen. Ich glaube, das wäre der beste Ausdruck eines Vertrauensvotums.» Herr Dr. Steiner: «Über diesen Antrag muss sofort abgestimmt werden.» Der Antrag Molt wird angenommen. Vierter [Tagesordnungspunkt]: Berichte der Vertreter der Zweige: Es liegt ein Bericht des Züricher Zweiges vor. Es wird beantragt, der vorgerückten Stunde wegen, diesen Bericht in die «Mitteilungen» aufzunehmen. Der Antrag wird angenommen. Fünfter [Tagesordnungspunkt]: Verschiedenes: Herr Dr. Steiner: «Ich möchte noch bemerken, dass stattfinden wird auch die erste Generalversammlung des Johannesbauvereins, wenn möglich am Dienstag. Es wird die Zeit noch bekannt gegeben werden.» Da zu dem fünften Punkt niemand etwas zu bemerken hat, so schließt der Generalsekretär den geschäftlichen Teil der Generalversammlung. Die Äußerung des Vorstandes auf den Antrag von Frau Dr. Vollrath soll am nächsten Morgen erfolgen. (Der Vorstand lehnte in motivierter Weise eine Verhandlung mit Dr. Vollrath ab.)