The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913
GA 250 — 29 March 1913
52. Zu den Jüngsten Entwicklungen II
Ansprachen von Rudolf Steiner nach dem Zyklus «Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen (physischen Leib, Ätherleib, Astralleib) und sein Selbst?» (GA 145)
Wie ich am Eingang dieses Vortragszyklus bemerkte, war mir selbst dieser Vortragszyklus in einer gewissen Weise eine feierliche, ernste Veranstaltung; eine feierliche, ernste Veranstaltung aus dem Grunde, weil wir sozusagen den ersten Vortragszyklus innerhalb des Kreises unserer theosophischen Freunde haben nach - nennen wir es heute von dem einen Aspekt aus, von dem aus wir es auch betrachten können -, nach unserer Befreiung von demjenigen, was uns in einer gewissen Weise doch Fesseln angelegt hat, Fesseln, die wir, wenn wir mit den Anforderungen der spirituellen Menschheitsentwicklung wirklich fortschreiten wollen, immer unerträglicher und unerträglicher hätten finden müssen.
Es ist, meine ich, durchaus zu fühlen gewesen an manchen Stellen gerade dieses Vortragszyklus, dass gewisse hemmende geistige Kräfte jetzt wie von uns abgefallen sind und dass mancherlei - ich weiß nicht, ob es viel gefühlt worden ist -, dass mancherlei in einer weniger gehemmten Weise aus den Geheimnissen des höheren Daseins schon in diesem Vortragszyklus vor die Ohren unserer verehrten Freunde hat gebracht werden können, mehr als das in früheren Zeiten der Fall war, wo wir doch noch immer das Leidwesen mit uns herumtrugen - das uns in gewisser Beziehung ein Leidwesen war -, dass Gedankenformen hereingebracht wurden innerhalb unserer Gesellschaft, welche von Quellen herrühren, die diesen Gedankenformen - und wenn sie auch erst durch Bücher zu den Menschen sich verbreitet hatten -, einen gewissen hemmenden Einfluss gemacht haben.
Denn da, wo wir es mit Geistigem zu tun haben, haben wir es mit realen Kräften zu tun. Wir haben es mit einer Befreiung zu tun, haben es damit zu tun, dass uns früher hemmende Gedanken jetzt wie - ich will nicht sagen wie - abziehen aus unseren Reihen, richtig abziehen; Gedanken, die vorher innerhalb unserer Arbeit - ich will nicht sagen wie — gewirkt haben. Die Welt wird vielleicht in gar nicht so fernen Zukunftszeiten sich ein wenig überzeugen können davon, welcher Art diese Gedankenformen und mancherlei elementare Gewalten sind, die von manchen Seiten sich früher in unsere Reihen mischten, in der neueren Zeit eigentlich nur noch in der Form einer in die bekannten objektiven Unwahrheiten gehüllten Entstellung unserer Arbeit sich hineingossen.
Wir werden immer mehr und mehr das, was geschehen ist, als eine Befreiung fühlen; aber gar mancherlei wird verstanden werden müssen, meine lieben Freunde. Wir haben es insbesondere in Deutschland bemerken müssen, dass auftrat eine gewisse Bewegung mit Prätentionen, deren wahrheitsgetreue Schilderung geradezu eine Ungeheuerlichkeit darstellen würde; denn die Art und Weise, wie zum Beispiel unsere Gegner in Deutschland aufgetreten sind, was geführt hat zur notwendigen Abwehr, das zeigte überall, in jedem Punkte, das Gegenteil dessen, was von einer wirklichen okkulten Bewegung angestrebt werden muss, zeigte überall eine in objektive Unwahrheiten gegossene Tyrannisierungssucht. Ein wirklicher Okkultist kann nur dazu kommen, mit denjenigen, von denen er weiß, dass sie nicht zu ihm gehören können, nichts zu tun haben zu wollen; das heißt, sie nicht in seinen Reihen haben zu wollen. Das ist das einzige Prinzip, das in einer okkulten Bewegung herrschen kann: positive Arbeit und das Recht, sich um andere nicht kümmern zu wollen, die auf anderem Boden arbeiten. Das war das Einzige, was innerhalb unserer Reihen beansprucht worden ist. Und derjenige, der prüft, wird dieses uralt heilige Kriterium wirklichen Verständnisses für den Okkultismus gerade in unseren Reihen verwirklicht finden können.
Hohnsprechend auf wirklichen Okkultismus war die Forderung, dass zum Beispiel die Deutsche Sektion jedermann aufnehmen müsse, der nicht nach der Meinung dieser Sektion, sondern nach seiner eigenen Meinung dazuzugehören habe. Das, was dazumal unsere Gegner von uns verlangt haben und weswegen sie jede beliebige Sache als Unwahrheit gegen uns geschleudert haben, war gleich mit der Forderung, dass die Menschen nicht auf den Beinen, sondern auf dem Kopfe gehen sollen; nur verfolgt man in unserer Zeit die Dinge eben nicht bis zu ihren letzten Konsequenzen.
Es ist ja so weit gekommen, dass in den letzten «Mitteilungen» gesagt werden musste, dass einer der Vertreter des «Systems Besant» in Deutschland es dahin gebracht hat, den Satz auszusprechen, dass er ja nicht verstünde, wie jener sonderbare Knabe bloß eine solche Entwicklung hätte durchmachen können, wie er sie durchgemacht haben soll. Denn, sagt der Herr, Annie Besant paradiert mit ihm als dem kommenden Christus; der Ausdruck «paradiert» wurde gebraucht; aber derjenige, der die soundso vielen Inkarnationen jenes sonderbaren Knaben gelesen hat, der wird schon wissen, dass Annie Besant nicht den Christus der Evangelien damit meint; sie sagt nur - sagt jener Herr - zu der europäischen Menschheit, dass derjenige, den sie nicht für den Christus hält, der Christus sei. Nun ich glaube, wenn es möglich ist, dass jemand solche Dinge hinschreibt, so ist Beweis genug für eine Sache geliefert, die nicht weiter gekennzeichnet werden soll.
Das kann also eine Befreiung bedeuten, was geschehen ist. Das werden Sie vielleicht auch mitempfunden haben bei diesem Zyklus, der für mich in gewissem Sinn ein feierlicher und ernster war, weil er der erste war in unserem neuen Wirken, in unserem neuen Schaffen; und es konnte ja wahrhaftig nichts anderes sein als das Gefühl der Verpflichtung für dieses Schaffen, was uns die Möglichkeit geboten hat, mit einem gewissen Gleichmut alles das, was in so abstoßender und aufdringlicher und oftmals so dreister Weise an uns herangetreten ist, hinzunehmen.
So lassen Sie denn gerade diesen Vortragszyklus, meine lieben Freunde, die Sie an ihm haben teilgenommen, in Ihren Herzen als eine gewisse Inauguration einer neuen Arbeitsperiode von uns empfunden sein. So habe ich Sie schon beim Beginn dieses Zyklus begrüßt; so, denke ich, waren wir in einer gewissen Weise doch gleichgestimmt nebeneinander; und wenn wir, meine lieben Freunde, gar manchen diesmal haben nicht da sitzen sehen, der vielleicht dagesessen hätte, wenn die Ereignisse nicht vorangegangen wären, so mag uns ein anderes, wenn wir es richtig empfinden, über alles das hinausheben: Gerade dieser Vortragszyklus hat uns ja zu unserer - ich darf insbesondere auch in diesem Falle sagen -, zu meiner tiefsten Freude unmittelbar vor unseren Augen, unmittelbar vor unserem Herzen gezeigt, dass diejenige Persönlichkeit in unserer Mitte mit uns weilt, vereint mit unseren Meinungen in diesem Falle, die uns so
teuer geworden ist und so teuer bleiben wird: unser lieber, hochverehrter Edouard Schuré, der so viel für westländische moderne Esoterik in einer ungeheuer wertvollen Literatur getan hat. Dass diese Persönlichkeit uns das Kleinod ihrer Anwesenheit bei diesem Vortragszyklus der Anthroposophischen Gesellschaft mit auf den Weg gegeben hat, ist ein Geschenk, das wir gar nicht hoch genug schätzen können.
Damit wollte ich nur Färbung, Empfindungsnuance geben den GrüRen, die ich Ihnen zurufe am Ende dieses Vortragszyklus, dahingehend, dass wir in dem von uns gemeinten alten theosophischen Sinn uns vereint fühlen in unseren Seelen, in unseren Herzen, auch da, wo wir auseinandergegangen sein werden, und dass wir empfinden werden, empfinden mögen ein räumliches, ein physisches Beieinandersein, wie bei einem solchen Zyklus, als den Ausgangspunkt eines Zusammengehörens der Seelen, der Herzen für das geistig Dauernde, für das, was arbeiten darf an der spirituellen Entwicklung der Menschheit.