The History of the Anthroposophical Society 1913–1922

GA 251 — 28 August 1916, Dornach

18. Persönliches statt Sachliches

Appelle an Sie zu richten, meine lieben Freunde, wie es wieder gestern sein musste, entspricht immer zugleich einem tiefen Leid darüber in meiner Seele. Aber man muss schon solche Appelle richten aus den Gründen heraus, die ja genügend gerade mit Bezug auf manche Vorkommnisse der letzten Zeit angegeben worden sind. Und würde ich nicht diese Appelle richten an Sie, so würde ja doch nicht über manche Dinge mit dem nötigen Ernst nachgedacht werden. Es muss schon einmal in unseren Kreisen über manche Dinge mit dem nötigen Ernst nachgedacht werden.

Man hätte ja erwarten können, dass manche Dinge, die heute draußen in der Welt infolge jener Ereignisse, die wir alle kennen, besprochen, gedacht werden, dass, über diese in anderer Weise hier gedacht würde. Das ist ja in der Weise, in der es erwartet hätte werden können, wie vielen bekannt sein wird, nicht eingetroffen. Noch nicht haben es die anthroposophischen Impulse dazu gebracht, dass in weiteren, weiteren Kreisen schon eine Gefeitheit dagewesen wäre gegen die Anfechtungen des heutigen unwirklichkeitsgemäßen Denkens besonders. Vielleicht ist es gut, wenn man sich das immer mehr und mehr zu einer gewissen Klarheit erhebt.

Dann könnte noch manches nachgeholt werden. Man wird sich allerdings frei machen müssen von vielem, was hereinbrandet in diese Bewegung und was die reine Wahrhaftigkeit in dieser Bewegung in höchstem Maße stört. Wir haben ja viele Erscheinungen erleben müssen, die wirklich so nur innerhalb einer solchen Bewegung erlebt werden können. Möchten doch auch die Zeiten kommen, wo vielleicht auch Bedingungen vorhanden sein könnten, unter denen die anthroposophischen Grundimpulse stark genug sein werden, manchem entgegenzuwirken, dem sie heute noch nicht stark genug entgegenwirken können.

Gewiss, meine lieben Freunde, dasjenige, was ich gestern am Schlusse sagte, hatte seine tiefe Begründung, weil vieles sich so entwickelt, dass es anfangs nicht beabsichtigt wird. Aber nicht auf das kommt es an, was anfangs beabsichtigt wird, sondern auf dasjenige, was als Folge des Unbeabsichtigten auch eintreten kann. Manchmal beabsichügt man dies oder jenes nicht und beruft sich dann darauf, dass man es nicht beabsichtigt hat. Aber, es kann eintreten. Und diejenigen Dinge, die ich gestern prognostiziert habe, liegen durchaus nicht außer dem Bereich der Möglichkeit, nicht einmal außer dem Bereich der Wahrscheinlichkeit.

Und es ist schon besser, mit sehenden Augen sich den Dingen gegenüberzustellen, als blind sich den Dingen gegenüberzustellen. Wenn es möglich sein kann, dass gewisse Dinge geradezu in ihr Gegenteil verkehrt werden, um statt sachlicher Erörterungen persönliche Verleumdungen zu pflegen - dann ist eben vieles möglich. Denn da ergreifen sehr sonderbare Mächte dann die Menschen, wenn einmal solches ins Spiel kommt. Sie werden nämlich, wenn Sie durchgehen — wenn’s auch wenig bemerkt wird —, wenn Sie durchgehen alles dasjenige, was wir erleben mussten in den nun vierzehn Jahren, in den nun zwei Mal sieben Jahren unserer Bestrebungen, Sie werden immer eines finden; suchen Sie, wo Sie wollen, Sie werden eines finden: Ist hier von uns aus notwendig geworden, dieses oder jenes, was den Anschein eines Kampfes hat, so ist es immerzu — schen Sie nur nach! -, so ist es immer so gewesen, dass es zunächst auf sachlich-wirklichem Gebiete war. Auf der anderen Seite wurde es immer ins Persönliche gezogen. Sehen Sie überall nach: Von den ersten Kämpfen, die wir zu führen hatten, bis zu den letzten Symptomen, die auftreten, sehen Sie nach, wie das Bestreben besteht, Sachliches auf die persönlichen Dinge hinüberzuführen. Und sehen Sie das Charakteristische, das Typische in dem ganz besonders objektiv raffinierten Fall, der jetzt zur Besprechung gelangt ist, sehen Sie, wie Sachliches, wo nicht Rücksicht genommen ist auf irgendein Persönliches, so behandelt wird, dass von der anderen Seite das Persönliche herüberklingt! Ich bitte Sie, versuchen Sie nur einmal das zu prüfen! Aber man prüfe auch wirklich! So war es in den zwei Mal sieben Jahren, in denen wir arbeiten.

Gewiss! Über dieses oder jenes, worüber ich geschrieben habe, kann dieser oder jener eine Anschauung haben. Man würde erst sehen, was gegen die wohlfundierten Dinge einzuwenden ist, wenn man auf dem Gebiete der Sachlichkeit, der Unpersönlichkeit bliebe. Aber man hütet sich, dabei zu bleiben. Man spielt die Dinge aufs persönliche Gebiet hinüber und kämpft mit objektiven Unwahrheiten. Darauf muss auch hingewiesen werden jetzt, wo wir am Ende der zweimal siebenjährigen Periode stehen.

Das nächste Mal, am Sonnabend, werden wir uns wohl wiederum um 19 Uhr hier versammeln.

German original of Personal Rather than Factual · ← Previous · Next →