Anthroposophy and its Opponents

GA 255b — 5 September 1920, Dornach

Schlusswort nach dem Mitgliedervortrag

Sehen Sie, zu alldem, was ich Ihnen schon mitteilen mußte - es ist mir eigentlich außerordentlich schwer, diese Dinge mitzuteilen -, zu alldem wiederum ein kleines Pröbchen, wie die Gegenwart ist:

Basler Volksblatt, 4. September 1920 Dornach, aus der Umgebung. Anthroposophie und Katholizismus. Eingesandt. Um über diesen aktuellen Gegenstand das katholische Volk einmal gründlich aufzuklären und die anthroposophischen Übergriffe aus Jüngster Zeit gegen katholische Priester gebührend zurückzuweisen, findet Sonntag, den 19. September 1920, nachmittags 3 Uhr, im großen Saale des Gasthofes «Zum Ochsen» in Dornach eine Regionalversammlung der Katholiken von Dornach, Arlesheim, Reinach und Aesch statt. Die Versammlung soll Stellung nehmen gegen die anthroposophische Propaganda. Eine einheitliche Aktion der Katholiken gegen das anthroposophische Wesen ist dringend notwendig. Da schon lange der Wunsch durch das Volk geht, daß in der Sache einmal etwas geschehen möchte, wird ein geschlossenes Auftreten der katholischen Vereine und ein zahlreicher Aufmarsch der Katholiken der vier genannten Gemeinden erwartet. Der eidgenössische Bettag bietet den richtigen Rahmen zu dieser ernsten, religiös-vaterländischen Tagung. Einberufen wird die Versammlung von den Vorständen der katholischen Volksvereine Dornach und Arlesheim. Das Programm wird noch bekanntgegeben werden.

Meine lieben Freunde, schließlich wäre das alles noch zu ertragen, wenn gegenüber dieser Gegnerschaft die Anhängerschaft nun in derselben Weise dastehen würde, wenn wirklich dasjenige da wäre, was notwendig ist. Allein, nachdem man eine solche eklige Pille geschluckt hat, kommt dann noch die bittere Pille, daß einem geschrieben wird aus einem Gebiete: Die Arbeit nehme doch viel Zeit und Geld in Anspruch, daher habe man den Beschluß gefaßt, alles Geld, das man aufbringen könne, im eigenen Lande zu lassen; man habe ja alles nötige Verständnis dafür, daß in Dornach etwas geschehen müsse, aber Geld gebe man dorthin nicht ab; man möchte das Geld im Lande behalten.

So, meine lieben Freunde, denkt man in einer Bewegung, welche in der Überwindung alles dessen bestehen soll, was die Menschen nach und nach in Käfige gesperrt hat, die schon kaum mehr zu überschreiten sind. Wir erleben es also, daß auf anthroposophischem Gebiete geradezu die Konsequenz dieser Landesabgrenzung gezogen wird und daß uns deutlich gesagt wird: Wir haben ja alles Interesse für Dornach, aber beitragen mögen wir nichts dazu, daß der Bau fertig werden kann, denn wir brauchen das Geld, das wir haben, im Lande für uns selber.

Nun, meine lieben Freunde, der Geist wird seine Wege finden, auch wenn Dornach unvollendet bleiben sollte, auch wenn dieses Goetheanum als Torso dastehen sollte. Für was es ein Wahrzeichen sein wird, wenn es einmal unvollendet dastehen wird, das will ich heute nicht erörtern, das überlasse ich jedem selber, bei sich zu überlegen und zu empfinden. Aber immerhin, die Gefahr ist nicht klein, daß das unvollendete Goetheanum als Wahrzeichen dastehen wird für das, was die Menschheit nicht gewollt hat. Man muß sagen, wenn es darauf ankäme, einige Befriedigung zu haben aus dem, was durch die Anhängerschaft - ich meine, durch die einen oder die anderen Mitglieder dieser Anhängerschaft — bereitet wird, so könnte man viel diskutieren. Aber da beginnt dann das Gebiet, wo ich sagen muß: Schmerzlichstes wird mir aus dem, was auch hier in Dornach geschieht.

Meine lieben Freunde, hier ist der Bau aufgeführt worden. Wir sind glücklich, daß wir die Orgel in diesem Bau drinnen haben. Scharen von Menschen kommen, die diesen Bau besuchen — und Mitglieder finden sich unter uns, die, wenn sie in dieser Weise fortfahren werden, nach und nach das, was hier aufgebaut ist, zur Jahrmarktsbude machen werden. So weit ist es gekommen, daß die Fremden, wenn sie eintreten in unseren Bau, einen Beliebigen hören, der sich hinstellt und Orgel spielen kann. Es wird bereits als ein gutes Recht angesehen, daß jeder Beliebige zu jeder Tageszeit sich an die Orgel setzt und die Orgel erklingen läßt, daß jeder Beliebige hier quiekst — das heißt Singen nennt er es. Und dann unter dem beliebigen Wirrwarr, der geschaffen wird, werden die Fremden hereingeführt.

Meine lieben Freunde, Freude ist mir noch nicht geworden aus dem, was einzelne Mitglieder hier treiben. Wenn ich sagen muß, daß man gut auf dem Wege ist, daß das, was aus den tiefsten Empfindungen der Seele, aus den heiligsten Empfindungen der Seele hervorgeholt worden ist, bei den einzelnen Mitgliedern zur Jahrmarktsbude gemacht worden ist, so gehört das zum allertiefsten Schmerz, der einem werden kann. Ich weiß schon, an welche Adresse ich das zu richten habe. Es ist durchaus nicht zu scharf gesprochen, wenn ich sage: Es besteht schon die Tendenz, dasjenige, was aus heiligsten Gefühlen hervorgeholt worden ist, zur Jahrmarktsbude zu machen, indem man nicht die Gelüste bezwingen kann, sich zum Beispiel in beliebiger Weise an der Orgel hinzusetzen und herumzuklimpern.

Meine lieben Freunde, die Gegner wären unter Umständen zu ertragen, wenn die Anhänger so wären, wie man es im Interesse unserer Sache wünschen müßte. Ich will wahrhaftig niemandem etwas anderes sagen, als was aus Wohlwollen gesagt ist. Ich hoffe, die Sachen werden verstanden werden, und es wird nicht so fortgefahren werden. Denn nicht, um irgend jemandem etwas Schlimmes zu sagen, sage ich das, sondern um das, was uns heilig sein soll, zu schützen gerade vor einer derartigen Profanation von seiten unserer Mitglieder.

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