Anthroposophy and its Opponents

GA 255b — 16 November 1920, Stuttgart

Öffentlicher Vortrag

Die Wahrheit der Geisteswissenschaft und die praktischen Lebensforderungen der Gegenwart. Zugleich eine Verteidigung der anthroposophischen Geisteswissenschaft wider ihre Ankläger

Meine sehr verehrten Anwesenden! Man könnte sich denken, daß schon der Titel des heutigen Vortrages da oder dort Bedenken erregen würde. Geisteswissenschaft — diejenige Geisteswissenschaft, die ich nun schon fast zwei Jahrzehnte auch hier in Stuttgart vertreten durfte und die sich zunächst, wie viele meinen, vorzugsweise zu tun macht mit dem höchsten Geistigen, mit den übersinnlichen Angelegenheiten des Menschen - und die unmittelbar praktischen Lebensforderungen der Gegenwart: sie sind durch den Titel meines heutigen Vortrages zusammengestellt. Und es wird heute meine Aufgabe sein, solche Vorurteile, welche die dahin gehenden Gebiete sich durchaus nicht zusammendenken können, zu überwinden, und gerade dadurch zu zeigen, wie von einer richtigen Auffassung des Zusammenhanges von Geist-Erkenntnis und den unmittelbarsten praktischen Lebensforderungen vieles abhängt, was wir heute brauchen, um aus der großen Not, aus dem gewaltigen Elend der Zeit herauszukommen. Ich möchte daher gleich von etwas unmittelbar Praktischem ausgehen.

Vielleicht könnte es scheinen, als ob das zunächst mit meinem heutigen Vortrag keinerlei Zusammenhang hätte: Ich möchte ausgehen von dem vorläufigen Ende, das gefunden hat der die Menschheit der zivilisierten Welt so erschreckende englische Bergarbeiterstreik. Der Ausgang, wie Sie wissen, war durch geraume Zeit hindurch recht unsicher. Der Streik ist vorläufig beigelegt worden, beigelegt worden durch die Verhandlungen der Parlamentarier mit der arbeitenden Bevölkerung. Wer Kenntnis genommen hat von der Art und Weise, wie von seiten der parlamentarischen Körperschaft und der arbeitenden Bevölkerung durch Verhandlungen dieser Streik beigelegt worden ist und wer über Vorgänge der Wirklichkeit ein unbefangenes Urteil hat, der wird sich sagen müssen: So wie die Mafßnahmen verabredet worden sind, so hängt es ganz und gar von der Gestaltung der englischen Wirtschaftslage in den nächsten Jahren ab, wie schnell sich dieser Streik wiederholen muß. Denn die Frage ist: Wird es der englischen Wirtschaft möglich sein, die Bedingungen zu erfüllen, die da verabredet worden sind? Mit aller Wahrscheinlichkeit wird das nicht der Fall sein. Man kann sagen, daß der schlaue Lloyd George das geahnt hat. Aber dieser Mann hat überall die Möglichkeit, durch eindringliche parlamentarische Rede zu wirken. Weniger hat er die Möglichkeit, die Bedingungen der Wirklichkeit zu durchschauen und durch seine Maßnahmen etwas hervorzurufen, was die nötige Dauer haben könnte. Er sah das wohl auch voraus. Deshalb vertrat er vor den Parteien Maßnahmen, die dazu dienen sollten, in dem Augenblick, wenn sich ein solcher Streik wiederholt, Kräfte der Staatsmaschinerie in Wirksamkeit zu bringen. Nun trug sich etwas sehr Merkwürdiges zu: Die Parteien der Rechten bis weit in die Mitte herein hatten eigentlich Angst vor solchen Maßnahmen. Man wollte diese Maßnahmen nicht eigentlich Gesetz werden lassen. Alle sprachen dafür, diese Maßnahmen nicht Gesetz werden zu lassen, weil man sich nicht getraute, hinzuweisen darauf, welche strengen Maßregeln der Staat ergreifen werde bei einer Wiederholung dieses Streiks. Lloyd George hielt eine halbstündige Rede, und alle Bedenken, alle Angstgefühle waren weggefegt. Die Rede wirkte so, daß man dasjenige, was er beabsichtigte, als eine Staatsnotwendigkeit ansah. Dieser Mann, der Typus eines Parlamentariers, hatte durch seine Rede die Leute überwältigt.

Man muß auf so etwas hinweisen, wenn man betrachten will Wichtigstes in der Geistesverfassung der Gegenwart, denn eigentlich sieht man gerade in den Vorgängen des praktischen Lebens am allerbesten diese Geistesverfassung der Gegenwart. Der Mann hatte etwas zu verteidigen, was ganz und gar ins Unsichere hineinweist, wovon man nicht wissen kann, wie es ausgeht. Er hatte keine Ideen, die zu Maßnahmen hätten führen können, welche sich wirklichkeitsgemäß ausnehmen, welche so gewesen wären, daß man hätte sagen können: Von diesen Parteien wird etwas hineingeworfen in die wirtschaftliche Wirklichkeit, was verspricht, dieser Wirtschaft wirklich aufzuhelfen. So etwas hatte er nicht. Aber er hatte die Rede, welche den Leuten die Angst vertrieb, welche sie dazu brachte, irgend etwas zu unternehmen, was zwar nicht wirklichkeitsgemäß ist, was aber zunächst die Denkungsart, die Gesinnung, die Seelenverfassung befriedigt.

Das ist charakteristisch für die Gegenwart. Es ist vor allen Dingen charakteristisch für dasjenige, was in der neueren Zeit immer mehr und mehr heraufgekommen ist, was nur jetzt, in dieser Zeit der großen, der gewaltigen Not ins Wanken kommt. Es ist charakteristisch für die besondere Auffassung des Parlamentarismus und seiner Aufgaben. Im Parlamentarismus sind vertreten Menschen, die sich allgemeine Vorstellungen machen über den Gang der notwendigen Ereignisse, und Menschen, die Maßnahmen treffen nach den Interessen, die sie haben, oder auch nach allgemeinen mehr oder weniger sogar abstrakten Ideen, die sie sich von der Wirklichkeit machen. Und im Grunde genommen wurde durch lange Zeiten innerhalb der modernen Zivilisation entschieden nach solchen Ideen, über die man wohl schön reden konnte, die aber nicht die Stoßkraft hatten, aus Wirklichkeitserkenntnis heraus in die Wirklichkeit einzugreifen. Und im Grunde genommen ist diese Art des Denkens, diese Art der Anschauung der Gegenwartsmenschheit so, daß diese Anschauung, diese Denkungsweise fremd der Wirklichkeit ist, daß sie ohnmächtig ist, aus der Wirklichkeit heraus zu denken und wiederum durch die Gedanken in die Wirklichkeit hineinzuarbeiten.

Man könnte viele Beispiele von Vorgängen der Gegenwart anführen, die dasselbe beweisen würden wie die Beilegung des englischen Bergarbeiterstreiks. Man könnte auf vieles hinweisen, was zeigen würde, wie die Denkweise der Menschen gewissermaßen über der Wirklichkeit schwebt, wie aber gerade an den Stellen, wo Entscheidungen fallen müssen, dann diejenigen Ideen, die so über der Wirklichkeit schweben und die Entscheidungen treffen sollten, sie nicht treffen können. Wir sind trotz unseres Materialismus, trotz unseres Naturalismus, trotz unserer auf Erfahrung pochenden Wissenschaft eine wirklichkeitsfremde Menschheit geworden. Das ist im Grunde das tragische Schicksal der Gegenwart, daß wir eine wirklichkeitsfremde Menschheit geworden sind. Und stehen nicht etwa die Ereignisse seit den letzten Jahren vor der ganzen europäischen Menschheit in ihrer verheerenden, zerstörenden Wirkung da? Und steht ihnen nicht gegenüber die Ohnmacht der Gedanken, die Ohnmacht der Ideen, um diese Ereignisse zu bezwingen, ihnen eine Gestalt zu geben, innerhalb welcher der Mensch auch wirklich leben kann?

Was hat mit alledem die Wahrheit der Geisteswissenschaft zu tun? Um diese Frage zu beantworten, muß ich schon auf einiges hinweisen, das ich ja, vor allerdings kleinerem Kreise, durch viele Jahre hier in Stuttgart immer wieder auseinandergesetzt habe. Ich muß zunächst darauf hinweisen, daß diese Geisteswissenschaft allerdings aus einer besonderen, auf methodischer Seelenentwicklung aufgebauten Forschung heraus - dem Menschen die Anschauung überliefert über seinen ewigen Wesenskern: über dasjenige, was der Mensch ist vor der Geburt, vor der Empfängnis, über dasjenige, was er nach dem Tode wird, über dasjenige, was aber gerade auch als Geistig-Seelisches zwischen Geburt und Tod übersinnlich im Sinnlichen vom Menschen aus wirkt.

Aber hinzugetreten ist in den letzten Jahren zu demjenigen, was so geisteswissenschaftliche Erkenntnis sein will für die menschlichen Seelenbedürfnisse, für die menschliche Wissenssehnsucht, hinzugetreten ist allerlei an praktischen Einrichtungen. Hinzugetreten ist der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus, der aus der besonderen Art geisteswissenschaftlicher Denkweise heraus in die soziale Gestaltung des gegenwärtigen Lebens so hineinwirken will, daß nicht über der Wirklichkeit im Wolkenkukkucksheim schwebende Ideen herrschen sollen, sondern Ideen, die aus der Wirklichkeit stammen und deshalb auch die Wirklichkeit gestalten können. Wirklichkeitspraktische Ideen sollen den sozialen Forderungen gegenübergestellt werden gerade aus dieser Geisteswissenschaft heraus.

Und es entstand aus dieser Geisteswissenschaft heraus hier in Stuttgart die Waldorfschule, deren Pädagogik und Didaktik, deren ganzes Erziehungswesen nicht etwa die Weltanschauung der Geisteswissenschaft verbreiten will, sie schon den Kindern einimpfen will - davon kann gar nicht die Rede sein -, sondern die diejenige Lehr-, Unterrichts- und Erziehungspraxis in der Schule anwenden will, welche aus der Geisteswissenschaft hervorgehen kann. Die Waldorfschule will anwenden jene Praxis, durch die das Kind, weil es vom Geiste aus erzogen wird, auch gerade durch diese - um das Goethesche Wort zu gebrauchen - geistgemäße Erziehung ein wirklich praktischer Mensch zu werden, ein Mensch, der mit seiner ganzen Persönlichkeit in der Wirklichkeit drinnenstehen kann.

Und sogar ist hervorgegangen in der letzten Zeit aus der geisteswissenschaftlichen Denkweise die ganz praktische Einrichtung des «Kommenden Tages», der von seinem Kreise aus auf das Wirtschaftsleben gesundend wirken möchte, indem er die bloße Geschäftsroutine ersetzen will durch die geistgetragene Geschäftsund Wirtschaftspraxis. Und wenn diese Dinge verstanden werden, meine sehr verehrten Anwesenden, dann werden sie zweifellos vieles andere im Gefolge haben, denn für das Leben, nicht für ein weltfremdes Sinnen und Brüten ist Geisteswissenschaft da. Um sie in dieser ihrer Aufgabe zu erkennen, muß aber allerdings mit einigem hingewiesen werden auf ihr besonderes Wesen.

Diese Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, sie wächst unmittelbar hervor aus dem Wissenschaftsgeist der Gegenwart jenem Wissenschaftsgeist, der in den letzten drei bis vier Jahrhunderten heraufgezogen ist innerhalb der Entwicklung der zivilisierten Menschheit, der die besondere wissenschaftliche Gesinnung, die heute eine so große Autorität besitzt, erzeugt hat. Und ich muß schon hinweisen darauf, wenn sich das vielleicht auch zunächst nicht populär ausnehmen wird, wie herauswächst auf der einen Seite die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft aus der heute anerkannten Wissenschaft, wie sie auf der anderen Seite aber doch diese anerkannte Wissenschaft durchaus wandelt, durchaus zu etwas anderem macht. Das hat ja gerade der Dornacher Hochschulkurs im vergangenen September/Oktober zeigen sollen, daß diese einzelnen Wissenschaften durch Geisteswissenschaft etwas anderes werden können, als sie bisher waren. Das soll auch der heute angekündigte, von dem Verein der Hochschulstudenten veranlaßte Hochschulkursus durchaus zeigen.

Betrachten wir, um dasjenige anzuschauen, was Geisteswissenschaft eigentlich ist, betrachten wir zunächst das Wesen der heute anerkannten, mit Recht auf ihren Gebieten anerkannten Wissenschaft. Diese Wissenschaft, die ja insbesondere auf dem Gebiet des Naturerkennens ihre großen Triumphe gefeiert hat, die der Menschheit so unerläßliche Dienste geleistet hat, diese Wissenschaft, sie legt einen besonderen Wert darauf, nicht nur die Gesetze über die Natur, sondern auch Gesetze über die Geschichtsentwicklung der Menschheit und anderes, auch über das soziale Leben zu erkennen, welche von der Subjektivität wie vom Persönlichen des Menschen ganz losgelöst sind. Die Wissenschaft von heute betrachtet es geradezu als ihr Ideal, Ideen so zu haben, Beobachtungsergebnisse so zu registrieren, daß dieses Ideenhafte der Naturgesetze und anderer Gesetze, daß diese Beobachtungsresultate von dem Menschen, der sie faßt, der sie macht, ganz unabhängig seien. Die heutige Wissenschaft betrachtet es als ihr Ideal, daß gewissermaßen der Mensch sich ganz ausschaltet, indem er erkennt. Und je mehr er sich ausschaltet, je mehr er ganz unpersönlich in den abstrakten Ideen lebt, desto stärker — meint man - ist er wissenschaftlich. Was aber bringt diese Wissenschaft hervor? Derjenige, der in dieser Wissenschaft lebt, der kann es empfinden, was sie hervorbringt. Sie bringt etwas hervor wie Bilder der äußeren Wirklichkeit, die gerade deshalb, weil sie nach dem Ideal der Wissenschaft unpersönlich sein müssen, den Menschen selbst eigentlich ganz kalt lassen, gewissermaßen innerlich vom Menschen sich absondern.

Meine sehr verehrten Anwesenden, ich möchte einen Vergleich gebrauchen, um dasjenige, was der Mensch an der heutigen Wissenschaft erlebt, zu charakterisieren. Der Mensch strebt danach, die äußere Natur, die äußere Wirklichkeit überhaupt durch diese Wissenschaft so in sich hineinzubekommen, daß sie in ihm lebt wie die Spiegelbilder, die in einem Spiegel entstehen von demjenigen, was vor dem Spiegel steht. In der Tat, etwas Abstraktes, etwas Bildhaftes hat der Inhalt dieser Wissenschaft. Und wenn man da noch so viel von dieser Wissenschaft in sich trägt, wenn man gewissermaßen den Kopf ganz voll gestopft hat mit den Ergebnissen dieser Wissenschaft und man hineinblickt in sein Inneres, hineinblickt in alles dasjenige, was im Menschen lebt an Erkenntnissehnsuchten gegenüber dem, was er selber ist, was in ihm lebt, um sich an der Welt gewissermaßen zu erwärmen, um sich in der Welt zurechtzufinden, da ist es so, als wenn jemand, um hinter die Bilder des Spiegels zu kommen, die Hand ausstrecken und hinter den Spiegel greifen würde. Weil man nur Bilder hat, greift man hinter dem Spiegel nichts. Die Wissenschaft ist gerade stolz darauf, daß ihre Begriffe, ihre Ideen so sind, daß, wenn man hineinfaßt in das unmittelbare, warme menschliche Leben, von diesen Bildern nichts darinnen ist. Durch diese Wissenschaft wird eben nur erkannt, in Bildern erkannt, aber es wird nicht erlebt. Es fließt durch die Bilder dieser Wissenschaft nichts in den Menschen hinein, was ihm Antwort gibt auf die großen, unmittelbar gefühlten Fragen des Daseins: nach dem Ewigen in seinem Wesen, nach demjenigen, was über Geburt und Tod hinausgeht. Es fließt aus den objektiven Bildern dieser Wissenschaft auch nichts in den Menschen hinein, was hinweist auf die Kraft, die aus seiner inneren Wärme unmittelbar in das Leben hineinwirkt.

Es ist ja oftmals das Wesen dieser Wissenschaft geschildert worden. Es kann im Grunde nur von demjenigen geschildert werden, der mit Erkenntnissehnsucht, mit einem Gefühl für das wahrhaft Menschliche an diese Wissenschaft herangeht und der dann in unmittelbarem Erlebnis dasjenige wahrnimmt, was ich eben geschildert habe, der wahrnimmt, wie ein Hineinfassen in des Menschen Seele, in des Menschen Geist gegenüber den Bildern der Wissenschaft so ist, als wenn man, um hinter den Ursprung der Spiegelbilder zu kommen, hinter den Spiegel, ins Nichts, greifen würde. Je mehr man sich klar wird darüber, wie man da ins Nichts greift — gerade dann, wenn diese Wissenschaft auf ihrem Gebiete ihr höchstes Ideal ergreift -, desto mehr wird man auch finden, warum dasjenige, was aus dieser Wissenschaft kommt, in das praktische Leben nicht hineinfließen kann.

Ja, in der Fabrik, in der Industrieunternehmung, im Handelszusammenhang, da bedarf es leitender Menschen, welche aus der warmen Liebe für den anderen Menschen, aber auch aus der warmen Liebe für Produktion und menschlichen Verkehr, für alle äußeren Vorgänge arbeiten, welche aus der Wärme der Seele heraus wirken. Aber unsere Universitäten, unsere Bildungsanstalten mit ihrer objektiven Wissenschaft, mit ihrer Wissenschaft, die möglichst unpersönlich sein will, sie senden hinaus in das praktische Leben diejenigen Menschen, die auf der einen Seite hinaufschauen zu der Wissenschaft, die nur in kalten Bildern lebt, und die auf der anderen Seite in dem praktischen Leben -— weil es nicht durchwärmt werden kann von einem Geistesleben, das von solcher Geisteswissenschaft ausgeht -, in diesem praktischen Leben nur Routiniers werden, nur Experimentatoren werden: keine Brücke zwischen dem, was der Geist erschauen will als Wissenschaft, die die größte Autorität in der Gegenwart doch hat, und demjenigen, was man täglich tun muß im unmittelbaren Leben, und das daher ideenlos, rein nach der Routine dahinlebt!

Geisteswissenschaft, so wie sie hier gedacht ist, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, sie will ein solches Seelenleben entwickeln, ein solches Wissen gestalten, daß man von ihr sagen kann - ich will wiederum einen Goetheschen Satz gebrauchen -: diese Geisteswissenschaft soll dem strengsten Mathematiker von ihrer Methode, von ihrem ganzen Verfahren Rechenschaft ablegen. Aber trotzdem dasjenige, was in dieser Geisteswissenschaft ausgearbeitet wird, ganz und gar durchdrungen sein soll von der Gewissenhaftigkeit der Wissenschaft der Gegenwart, die solche Triumphe gefeiert hat, trotzdem diese Geisteswissenschaft gelernt haben soll die volle Diszipliniertheit dieser Wissenschaft, so muß sie, gerade weil sie aus dieser Wissenschaft heraus arbeitet, aber mit diesem Wissenschaftsgeist nicht drinnen stehenbleibt und von den Grenzen der Wissenschaft schwärmt, gerade deshalb muß diese Geisteswissenschaft von der gewöhnlichen Wissenschaft sich unterscheiden.

Die gewöhnliche Wissenschaft erkennt, sie erkennt in wirklichkeitsfremden Bildern; die Geisteswissenschaft erlebt ihren Geistinhalt. Der Unterschied, der besteht zwischen Erkennen und Erleben der Seele, das ist der Unterschied zwischen äußerlicher, naturwissenschaftlicher Methode und geisteswissenschaftlicher Methode. Derjenige, der zur Geisteswissenschaft forschend kommen will, der muß darauf kommen, daß in den Tiefen der menschlichen Seele Kräfte liegen, die für das ganze menschliche Leben so verborgen bleiben können, wie gewisse Kräfte in der kindlichen Seele verborgen bleiben, wenn man das Kind nicht erzieht. Man könnte sich vorstellen: Wenn ein Kind nicht erzogen würde, es würde auf einer gewissen Stufe der Wildheit stehenbleiben. So lebt in jeder Menschenseele eine Summe von Kräften, von unmittelbar anschauenden Kräften, welche unsere heutige Wissenschaft - die alles unpersönlich haben will und daher den Menschen nicht entwickeln will — aus der Seele nicht herausholen will, denn das wäre ja etwas Persönliches, welches von dieser gewöhnlichen Wissenschaft unberücksichtigt bleibt. Geisteswissenschaft geht aber so zu Werke, wie ich es ausführlich beschrieben habe in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft im Umriß» oder in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Geisteswissenschaft lehrt, daß, wenn die Seele des Menschen gewisse Übungen durchmacht - Übungen, von deren Art und Wesenheit Sie dort lesen können in diesen Werken -, die in der Seele verborgenen Kräfte in das Bewußtsein herauftreten und der Mensch sich bewußt wird: er hat noch andere Anschauungskräfte, als die Erkenntniskräfte der gewöhnlichen Wissenschaft sind.

Ich habe im letzten Vortrage schon darauf hingewiesen, daß wir unter unserer gewöhnlichen Erkenntnisweise etwas haben, was zwar sehr abstrakt ist, was aber in einer gewissen Weise hinzielt auf das, was auch in der geisteswissenschaftlichen Methode das Maßgebende ist: es ist die Mathematik. Das, was wir als mathematische Wahrheiten kennenlernen, das wissen wir dadurch, daß uns die unmittelbare Anschauung, die unmittelbare Wahrheit des mathematischen Inhaltes aus der Seele aufsteigt. Da brauchen wir nichts äußerlich zu konstatieren. Da brauchen wir auch nichts äußerlich bestätigt zu finden. Da wissen wir, was wir wissen, durch dasjenige, was aus unserer Seele aufsteigt. Den pythagoräischen Lehrsatz halten wir für wahr, wenn wir ihn durchschaut haben, und wenn der und der uns widersprechen würde darin: wir wissen durch das Erleben, das anschauliche Erleben, daß es eine mathematische Wahrheit ist, und wir fordern keine äußerliche Bestätigung. Dasjenige, was von dem heutigen Wissenschaftsgeiste nur für die Mathematik gelten gelassen wird, das kann umfassend entwickelt werden in der menschlichen Seele, so daß aus dieser menschlichen Seele nicht bloß heraufsteigen Linien und Linienzusammenhänge, Zahlen und Zahlenzusammenhänge, sondern daß heraufsteigen Lösungen gewaltiger Weltenrätsel, daß heraufsteigen Wahrheiten über des Menschen Wesenheit und über der Welt Wesenheit.

Warum kann das sein? Derjenige, der sich kein unbefangenes Urteil erwirbt über den tiefen, intimen Zusammenhang zwischen dem Menschen und der Welt, der wird zunächst erstaunt sein, ‚wenn man ihm sagt, daß aus dem Inneren des Menschen auf mathematische Art aufsteigen können Wahrheiten über des Menschen Wesen, über der Welt Wesen. Derjenige aber, der hinschaut auf das, was den Menschen intim mit der Welt verbindet, der gewahr wird, wie alles dasjenige, was draußen im Raum und in der Zeit ist, im Grunde genommen im Menschen lebt, weil ja der Mensch herausgeboren ist aus der ganzen Welt und täglich sich aus dieser ganzen Welt heraus weiterentwickelt, er wird nicht verwundert sein darüber, daß aus dem Menschenwesen, das ja herausgestaltet wurde aus der ganzen Welt, auch die Anschauung dieses ganzen Welteninhaltes aufsteigen kann. Die geisteswissenschaftliche Erfahrung zeigt einfach, daß dies deshalb aufsteigen kann, weil der Mensch verbunden ist in seinem Innern erstens durch seinen physischen Leib mit allem, was mineralisch, pflanzlich, tierisch in seiner Umgebung ist; er trägt diese Reiche der Natur in einer höheren Gestaltung in seinem physischen Leibe in sich. Er trägt zweitens aber auch alles dasjenige, was geistig-seelisch ist in der Welt, in seinem Geistig-Seelischen in sich. Daher kann er, wenn er nur die entsprechenden Methoden für die Seelenentwicklung anwendet, aus sich aufsteigen lassen Wahrheiten über die Menschheits- und Weltengeheimnisse, so wie die mathematischen Wahrheiten in ihm aufsteigen.

Aber dasjenige, was im gewöhnlichen Wissen vorhanden ist, das nur zu Bildern kommt, das ist anders in dieser Geisteswissenschaft; sie muß ja aus dem Persönlichsten hervorgeholt werden. Der ganze Mensch muß in sich selber gehen, um den Schatz der Wahrheit über die Welt und über sich selbst aus sich herauszuholen. Dadurch ist der Mensch auch mit dem verbunden, was da wie eine mathematische Wahrheit in ihm aufsteigt, aber jetzt wie eine Wahrheit, die innig mit seinem und der Welten Wesen zusammenhängt. Diejenigen, die nur objektive Bilder der Welt haben wollen, sie haben gut reden. Es kann ihr Bedürfnis sein, solche objektiven Bilder zu haben - zu den intimen Wahrheiten über Welt- und Menschenleben kommen sie durch solche Bilder nicht. Da muß schon die Persönlichkeit voll hineingeworfen werden in das Erkennen. Dann aber wird das Erkennen zum Erleben. Dann, meine sehr verehrten Anwesenden, wird der Mensch dadurch, daß er in methodischer Weise die Seele über das gewöhnliche Leben hinaus weiterentwikkelt - so wie man im gewöhnlichen Leben die Seele des Kindes entfalten muß -, innerlich in seiner ganzen Seelenverfassung in ein Erleben versetzt, das allerdings sich gründlich unterscheidet von dem gewöhnlichen Wissenschaftsleben.

Im gewöhnlichen, äußeren Leben, da nehmen wir an dem, was uns zunächst angeht, auch mit Interesse Anteil. Wir werden warm, wenn der Freund uns sein Schicksal erzählt; wir werden zornig, wenn Unrecht geschieht; wir empfinden Schmerz, wenn Not um uns herum herrscht und so weiter. Wir sind mit unserem ganzen Menschen, mit unserem ganzen Erleben bei dem, was uns in der äußeren Umwelt entgegentritt, die wir durch unsere Sinne und durch sonstiges am Menschen erleben, wahrnehmen. Das ist in dem Erleben der abstrakten Wissenschaft, die ja für die Natur ganz gut ist, aber nicht der Fall. Die Natur steht uns ja im Grunde genommen als ein Totes gegenüber. Kein Wunder, daß die tote Wissenschaft, die uns kalt läßt, am besten auch für die Natur geeignet ist. Wenn der Mensch aber erlebt dasjenige, was wie eine geistige Mathematik heraufsteigen kann aus seiner Seele, dann nimmt er Anteil, lebensvollen, warmen Anteil an alle dem, was da wirklich aufsteigt als Anschauung über die Welt und über das Menschenleben.

Ich möchte an zwei Beispielen klarmachen, was ich mit diesem Anteil an der erlebten Wissenschaft eigentlich meine. Ich habe vor einiger Zeit hier in Stuttgart einen Vortrag gehalten in Anknüpfung an das berühmte Buch von Oswald Spengler «Der Untergang des Abendlandes». Diejenigen der verehrten Anwesenden, die diesen Vortrag angehört haben, werden mir nicht nachsagen, daß ich Spengler unterschätze. Ich habe viel Lobendes gesagt; ich habe die Ausführungen Oswald Spenglers sogar genial genannt, und das sind sie auch. Aber ich habe dazumal auch auf den Grundirrtum der Spenglerschen Ausführungen hingewiesen. Heute möchte ich auf eine andere Seite dieser Ausführungen noch besonders hinweisen. Ich möchte auf die ganze Art und Weise hinweisen, wie sich die genialen - ich nenne sie nochmals so -, wie sich die genialen Ideen Spenglers einleben in die Seele desjenigen, der zu erlebter Geisteswissenschaft gekommen ist. Man kann diese Ideen, die aus allen heute gangbaren Wissenschaften genial aufgenommen sind, im einzelnen verfolgen; man kann sie in sich aufnehmen. Ist man Geisteswissenschafter, hat man in sich erlebtes Wissen, und bringt man in die Seele dann die Spenglerschen Ideen herein, dann kann man nicht so einfach eine Idee neben der anderen seelisch erleben, dann kann man auch nicht mit kalter Klugheit etwa auf die Widersprüche der eigenen Ideen mit den anderen Ideen der heutigen Wissenschaft oder der gesamten Ideenwelt Spenglers hinweisen. Das wäre abstraktes Erkennen. Das wäre bloße Logik. Bei solcher bloßen Logik, bei solchem bloßen abstrakten Erkennen kann man nicht stehenbleiben, wenn man Geisteswissenschafter ist. Der Geisteswissenschafter nimmt zum Beispiel Spenglersche Ideen auf, die ja ganz aus dem Wissenschaftsgeist der Gegenwart herausgeboren sind. Aber indem er die eine Idee auf sich wirken läßt und die andere Idee auf sich wirken läßt, indem diese Ideen in ihm leben weil er erlebendes Erkennen in sich aufgenommen hat -, stört eine Idee die andere. Eine Idee spießt gewissermaßen die andere auf; man erlebt in sich den Schmerz des Aufspießens. Man erlebt in sich so etwas, wie man an den äußeren Lebenswidersprüchen, die in unserer Nähe sind, erlebt. Das ist der Unterschied zwischen Erlebniswissenschaft und bloßer Erkenntniswissenschaft. Dasjenige, was man sonst nur kennt aus dem gewöhnlichen Leben: daß man Schmerz und Freude, Entzückung, Wärme und Kälte erlebt, das wird einem zuteil an den Ideen, wenn man Erlebniswissenschaft in sich aufgenommen hat, wenn man das in sich aufgenommen hat, was ich hier seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten immer anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt habe. Es strömt aus dem ganzen Menschen in Seele und Geist herein dasjenige, was Schmerz und Leid und Freude und Entzücken ist, dasjenige, was Persönlichkeit ist - und trotzdem bleibt der Mensch gegenüber der Außenwelt in objektiver Anschauung. Geradesowenig, wie man einem schmerzlichen äußeren Ereignis gegenüber sagen kann, der Mensch sei unobjektiv, wenn er Schmerz empfindet, so wenig kann man sagen, durch dieses Hinaufstrahlen des persönlichen Erlebens in dasjenige, was sonst bloß kalte Ideenwelt ist, werde der Mensch unobjektiv, weil er die Kraft seiner Persönlichkeit in sein Wissen, in sein Erlebnis-Erkennen hineinstrahlt.

Und ich möchte ein anderes Beispiel anführen. Es kommt gerade in der Gegenwart vielfach vor, daß die bloße Erkenntnisweisheit, jene Weisheit, die in abstrakten Ideen lebt, sich fortbildet zu philosophischem Denken. Diese Weisheit, die gewissermaßen nur Spiegelbilder, unpersönliche, blutleere Spiegelbilder der äußeren Wirklichkeit gibt, sie kann ihre großen Triumphe feiern, wenn sie unmittelbar an der äußeren Erfahrung sich entwickelt, denn dann wirkt diese äußere Erfahrung auf die Sinne, dann ist in den sinnlichen Eindrücken das Lebensvolle enthalten. Wenn aber abgesehen wird von diesen äußeren sinnlichen Eindrücken, wenn wir nicht Mineralien, Pflanzen, Tiere, Wolken, Flüsse und so weiter beschreiben, sondern das, was wir an der äußeren Welt an Ideen, an bloßen Spiegelbilder-Ideen gewonnen haben, fortspinnen zu Philosophien, dann kommt so etwas heraus, wie es bei der Keyserlingschen Philosophie der Fall ist - dieser Keyserlingschen Philosophie, die sich insbesondere heute dick aufspielt, die aus blutleersten Abstraktionen besteht, die dasjenige, was als Spiegelbilder-Ideen an der äußeren Erfahrung entwickelt ist, fortspinnt und dadurch selbstverständlich denjenigen Inhalt auspreßt, der sonst an der äußeren Erfahrung gewonnen ist, und die im Fortspinnen der Spiegelbilder-Ideen nur zu den inhaltsleersten, phrasenhaftesten Ideen kommt.

Derjenige, der wirklich lebendiges Erkennen, erlebtes Erkennen in sich hat, der fühlt auch persönlich etwas unmittelbar an den blutleeren Keyserlingschen Abstraktionen, die sich jetzt in den «Weisheitsschulen» der Menschheit aufdrängen. Er fühlt so etwas, wie man äußerlich körperlich fühlt, wenn man in einem Raume lebt, der nicht Luft genug hat, wenn man an Lufthunger leidet, wenn man nach Luft schnappt, die sich einem nicht ergibt. Derjenige, der gelernt hat, mit diesen Ideen in die Wirklichkeit hineinzugreifen, der gelernt hat, mit seinem Erkenntnisvermögen unterzutauchen in die Wirklichkeit, der fühlt sich schmerzhaft wie in einem luftleeren Raum, in dem er nicht atmen kann, wenn er die blutleeren Abstraktionen des Grafen Hermann Keyserling zu absolvieren hat. Aber gerade solche Dinge sind für die Gegenwart charakteristisch, denn sie drücken dasjenige aus, was die Gegenwart entwickelt aus der Spiegelbilder-Wissenschaftlichkeit heraus, die weltfremd wird, die glaubt, etwas besonders Vornehmes zu entwickeln, wenn sie in dieser Weltfremdheit schwebt, die aber nimmermehr in die Wirklichkeit untertauchen kann.

Und, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn wir uns nun das äußere praktische Leben anschauen, sagen wir die alten religiösen Bekenntnisse: gewiß, sie sind ja da - sie sollen, wie ich im letzten Vortrage ausgeführt habe, von gutmeinenden Menschen sogar gesammelt und vereinigt werden, damit wiederum ein geistiger Impuls durch die Menschheit gehen könne -, aber sie sind gewissermaßen abstrakt geworden, sie werden nur gepflegt, um das abstrakte Innere des Menschen zu erwärmen. Sie greifen nicht mehr ein in das wirkliche, äußere Leben. Man frage sich doch nur einmal, wieviel von den wirklichen Bekenntnis-Ideen etwa im heutigen Wirtschaftsleben noch drinnenstehen; sie haben nicht die Kraft, da hineinzuwirken. Und auch anderes, was die Menschen aus einem gewissen Konservativismus heraus an geistigem Leben aus alten Zeiten behalten, es ist gewiß ehrwürdig, es hat auch unermeßliche Wahrheitsinhalte in sich, aber es hat heute keine Lebenskraft mehr. Lebenskraft möchte haben - kann es aber durch seine eigene innere Wesenheit nicht haben - dasjenige, was ich den Spiegelbilder-Wissenschaftsgeist nennen möchte.

Diesen Spiegelbilder-Wissenschaftsgeist, ihn haben ja alle diejenigen aufgenommen, die heute nachdenken über eine mögliche Gestaltung des sozialen Lebens. Diesen Spiegelbilder-Wissenschaftsgeist haben im Grunde genommen Lenin und Trotzki aufgenommen, und sie haben ihn umsetzen wollen in Gestaltungen des wirtschaftlichen Lebens; etwas Neues haben sie bilden wollen. Der zerstörende Geist eines militarisierten Wirtschaftsstaates lebt im Osten Europas, und weit bis nach Asien hinein treibt er heute schon ziemlich eindringliche Propaganda. Dasjenige, was dieser Spiegelbilder-Geist in die Wirklichkeit des sozialen Lebens hineintragen will, es wird nur zerstörerisch sein. Den Menschen werden dadurch, daß sie an soziale Theorien, an soziale Paradiese glauben, die aus diesem Spiegelbilder-Wissenschaftsgeist heraus gemacht sind, die schlimmsten Illusionen erwachsen, denn sie werden Raubbau treiben mit dem, was das praktische Leben von früher heraufgebracht hat; es wird dasjenige verzehrt und zerstört werden, was eine heute nicht mehr sympathische - vielleicht mehr oder weniger mit Recht nicht mehr sympathische — Wirtschaftsordnung heraufgebracht hat, aber es wird kein Neues hervorgehen, weil aus dem, was bloß Bilder sind, wenn es in das praktische Leben eindringen will, keine Wirklichkeit sich herausentwickeln kann. Aber dieser Geist, der gewissermaßen aus dem bloßen Denken, das an der Wirklichkeit der letzten Jahrhunderte, insbesondere des 19. Jahrhunderts geschult ist, dieser Geist, er hat geherrscht überall da, wo jene Mächte heraufgekommen sind, die dann zur furchtbaren Katastrophe von 1914 geführt haben, denn - ich möchte sagen — man kann ja mit Händen greifen, wie dieser Geist, der allmählich immer mehr und mehr Autorität gewonnen hat, aber immer mehr und mehr an Wirklichkeitssinn verloren hat, wie dieser Geist gewirkt hat. Ich möchte nur ein paar Beispiele anführen.

Ich habe ja schon hingewiesen darauf, wie eine Persönlichkeit wie Lloyd George, der im Grunde genommen ganz von diesem Geiste wirklichkeitsfremder Ideen erfüllt ist, parlamentarisiert, aber nicht in die Wirklichkeit hineinwirkt. Aber man kann etwas anderes anführen: Mit der neueren Zeit, mit derselben Zeit, in der der eben geschilderte Wissenschaftsgeist sich entwickelt hat, ist ja auch heraufgekommen der Ruf der Menschheit nach Freiheit, nach Demokratie. Die Staaten wollten sich durchdringen mit Freiheit, mit demokratischen Kräften. Es ist oftmals erwähnt worden: In dem Deutschland, das jetzt zu Boden geworfen worden ist durch seine Feinde — was lebte denn als äußere Staatskonfiguration in diesem Deutschland? Es lebte dasjenige, was sich ausdrückte in den Worten «allgemeines, geheimes, gleiches Wahlrecht». Da war von der Seite des Wahlrechtes aus die freieste Verfassung, die man sich denken kann. Wo lebte das aber? Es lebte auf dem Papier. Die Verfassung war da; die Menschen standen so wenig in der Wirklichkeit drinnen mit demjenigen, was da sich ausdrückte in einer wirklichkeitsfremden Idee, daß sie sogar ertragen konnten, daß ein Mensch im Deutschen Reich die freiste Wahlrechtlichkeit hatte, daß derselbe Mensch aber, der für das Reich das allgemeine, geheime, gleiche Wahlrecht hatte, im Einzelstaat in dem gebundensten Wahlrecht wählte.

So lebte man wirklichkeitsfremd, in einer Wirklichkeitslüge darinnen. Und ein persönliches Regiment, das nichts zu tun hatte im Grunde genommen mit dem, was da auf dem Papiere stand, das war Wirklichkeit. Keine Brücke war zwischen den schönen Ideen, die auf dem Papier standen und die deshalb abstrakt waren, und demjenigen, was äußere Wirklichkeit war. Und, meine sehr verehrten Anwesenden, schließlich leben wir ja auch jetzt in manchen schönen Dingen, die nur auf dem Papier stehen. Man vergleiche das, was die Aspirationen der Menschen sind, mit dem, was täglich geschieht im geistigen, staatlichen und wirtschaftlichen Leben, und man wird sehen, wie die Menschen auf der einen Seite sich Illusionen machen, weltfremde Ideen, gelernt an dem unerlebten Wissenschaftsgeiste und auf der anderen Seite in einer Wirklichkeit leben, die in der Routine verkommt, weil sie ideenlos und iideenleer ist, und in der alles dasjenige, was, weil es wirklichkeitsfremd erzogen ist, nur bis zum Worte kommt. Da kann man, so möchte ich sagen, auf Schmerzlichstes hinweisen.

Es lebte zum Beispiel in demjenigen Lande, in dem ich ja auch drei Jahrzehnte, die Hälfte meines Lebens zugebracht habe, in Österreich ein Mann, der gerade den deutschen Zivilisationseinschlag in Österreich ganz besonders liebte, der ganz aus diesem deutschen Zivilisationseinschlag in Österreich herausgewachsen war. Der Mann verstand, was das Wort «Vaterland» bedeutet. Er hatte schon eine lebendige Empfindung für das Wort «Vaterland». Es war ein Geist, der hinausstrebte über die Spiegelbilder-Ideen der Gegenwart in eine wirklichkeitsgemäße Seelenanschauung hinein, wenn er auch nicht gerade weit darin gekommen ist, was ja in seinem Zeitalter unmöglich war. Er wollte wirklichkeitsgemäß denken, und er sah wenigstens mit wirklichkeitsgemäßem Empfinden sein österreichisches Vaterland an; da lebten seine Stammesgenossen, die Deutschen. Mit ihnen zusammen wollte er das Heimatgefühl, das Vaterlandsgefühl erleben. Die staatliche Konfiguration Österreichs, die aus dem heute geschilderten, an der modernen Wissenschaft gelernten, unwirklichen Geiste heraus geboren ist, die ließ ihn mit Schmerz empfinden, daß da drüben jenseits der Erzberge und des Böhmerwaldes seine stammverwandten Deutschen lebten, mit denen er sich in einem Vaterland zusammenfühlte, mit denen er aber nur das Heimatgefühl teilen durfte. Er, den ich meine, ist Robert Hamerling — der deutsch-österreichische Dichter. Er hat, ich möchte sagen aus Wirklichkeitssehnsucht heraus ein Wort geprägt, das wohl nur derjenige in seiner ganzen Tiefe empfinden wird, der viel gelitten hat an dem Unwirklichkeitsgeiste der Gegenwart, durch den die einzelnen Gebilde [Österreichs] nach und nach als Staatsgebilde von Unwirklichkeit durchtränkt waren. Hamerling hat es aus seinem Wirklichkeitssinn heraus nicht ertragen, dasjenige zu sagen, was Millionen von Deutschen drüben jenseits der Erzberge und des Böhmerwaldes gesagt haben in der Phrase: «Österreich ist mein Vaterland». Denn damit sagten sie etwas Wirklichkeitsfremdes, etwas aus WolkenkuckucksheimIdeen Herausgeborenes, was in Wirklichkeit keinen Bestand hatte. Hamerling sagte: «Deutschland ist mein Vaterland, Österreich ist mein Mutterland». Er brauchte eine Ergänzung, um die Wirklichkeit zu finden. Geister, die mit der Wirklichkeit verbunden sein wollen, die mußten schon zu solchen Bezeichnungen greifen wie Hamerling mit dem «Österreich ist mein Vaterland, Deutschland ist mein Mutterland», wenn sie ihren Wirklichkeitssinn zur Geltung bringen wollten gegenüber dem Unwirklichkeitssinn, der sie, der uns alle in der Gegenwart umgibt - jener Unwirklichkeitssinn, der die Ideen nur wie Spiegelbilder erfaßt, der dann, wenn er hinter diese Ideen in das Menschliche, in die Wirklichkeit des Menschlichen hineingreifen will, Leeres findet, so wie man nichts findet, wenn man hinter den Spiegel greift. Die besten Geister krankten in den verflossenen Epochen an der Sehnsucht nach einer solchen Wirklichkeit, die ganz praktisch ist, die das Leben unmittelbar angreift und die dennoch nicht geistlos, nicht ideenleer ist, die dasjenige, was dem Menschen am wertesten ist, am sinnvollsten sein muß, die von ihm erlebten Ideen, in die Wirklichkeit hineintragen kann.

So ist Geisteswissenschaft dasjenige, was ja wirklich auf der einen Seite durch das Erkennen hinstrebt zu den höchsten geistigen Inhalten, die der Mensch erleben kann. Aber die werden nicht in Spiegelbildern erlebt, die werden auf der andern Seite im Zusammenhang mit dem ganzen Menschen erlebt, werden herausgeholt aus dem ganzen Menschen. Sie erziehen daher den Menschen auch wiederum zur Wirklichkeit. Wird Geisteswissenschaft, wie es erstrebt wird von ihren Trägern, ein Kulturelement in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft, so wird von ihr nicht das ausgehen, was von den bisherigen Bildungsanstalten ausgeht und was nicht die Brücke zum Leben findet, sondern von ihr wird etwas ausgehen, was schon an seinem Ursprung die Idee, das Wissen, die Erkenntnis verbindet mit dem warmen Menschenleben, mit dem auch, wodurch der Mensch im praktischen Leben drinnensteht. Wer auf der einen Seite nach Geistesforschung strebt und auf der anderen Seite wiederum sich erhalten hat die warmen Interessen für alles Menschliche, dem begegneten in der jüngsten Vergangenheit gar viele Menschen, die die Lebensroutine, der geistlose Lebensmechanismus an diesen oder jenen Platz des Lebens hingestellt hat. Sie fühlten in ihrem Beruf das Mechaniistische, das darin bestand, daß sie wie ein Rad in der Staatsoder Wirtschaftsmaschine an einem Platze standen. Sie fühlten gewissermaßen das, worin sie standen, als menschenentwürdigend, denn den Menschen sogen diese Berufe ja aus. Es war ja alles das, was als Konfiguration des Wirtschafts-, des Staatslebens da war, aus wirklichkeitsfremden Ideen hervorgegangen. Oh, so fremd war das der äußeren Wirklichkeit, was die Menschen dachten aus der Spiegelbilder-Wissenschaft heraus, wie die Ideen des Mechanikers fremd sind der Maschine. Da erlebten wir auf allen Gebieten Wissenschaft, deren Ideen dem äußeren sozialen Leben so fremd waren, wie der Maschine fremd sind die Ideen des Mechanikers. Da erlebten wir Sozialpolitiker, Staatsmänner, deren Ideen ebenso wirklichkeitsfremd gegenüber dem praktischen Leben waren. Kein Wunder, daß wir in einem praktischen Leben drinnenstehen, das wie ein Mechanismus, wie eine Maschine den Menschen in sich aufnimmt. Dieses Sich-Fühlen wie in einer Maschine, das ist doch die furchtbare letzte Grundlage der brennenden sozialen Fragen — man sieht sie leider nur nicht in ihrer wahren Gestalt, alles andere sind eben ihre Ausläufer.

Wenn statt der abstrakten Wissenschaft, statt der SpiegelbilderNaturwissenschaft die persönlichkeitswarme Geisteswissenschaft von den Bildungsanstalten ausstrahlen wird, dann wird diese Wissenschaft das Leben so gestalten, daß es diese Menschen gar nicht geben kann, die an irgendeinem Punkte des Lebens in der Praxis drinnen sich nur fühlen wie in einem Rade. Denn dasjenige, was aus der tiefsten, intimsten Menschlichkeit heraus gedacht ist und wirklich in das soziale Leben als soziale Gestaltung hineinkommt, das wird auch wiederum menschlich anschlagen an jeden, auch an denjenigen, der gewissermaßen an einem äußerlich geringen sozialen Posten steht. Was oben menschlich erkannt, erschaut wird, das wird bis nach unten hin ins Menschenherz des Arbeitenden schlagen. Was mit dem Menschen schon verbunden ist in der Theorie, die aber Leben ist, das wird Leben sein können, wenn es bis unten die Praxis ergreift. Eine solche Geisteswissenschaft, sie kann nur in Freiheit gedeihen. Daher fordert das, was herausgewachsen ist als sozialer Impuls aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, die freie Entfaltung des Geisteslebens, nicht die staatliche Bevormundung, nicht die staatliche Beaufsichtigung, auch nicht die Abhängigkeit des Geisteslebens von der Wirtschaft, sondern seine Selbstverwaltung. [Diese ist notwendig], damit der Mensch finde in dem freien Geistesleben, was er nur in einem solchen finden kann: Lebendiges Erkennen, nicht bloßes Spiegelbilder-Wissen. Dieses Spiegelbilder-Wissen ist dasjenige, was Staat und Wirtschaft in seiner Abstraktheit aus sich herauspreßt. Lebendiges, den Menschen freimachendes Geistesleben wird durch freie Selbstverwaltung des einen Gliedes des sozialen Organismus entstehen können.

Und das Wirtschaftsleben, es wird nimmermehr sich unter Menschen so entwickeln können, daß man gewissermaßen nur redet, redet von Ideen, die wirklichkeitsfremd sind, daß man nur so redet wie routinierte Parlamentarier, zum Beispiel wie Lloyd George, daß man redet von Ideen, die so wenig in das Wirtschaftsleben, so wenig aussichtsvoll für die nächste Zukunft in die Wirklichkeit hineingreifen. In unseren Parlamenten wird von wirklichkeitsfremden Ideen, gelernt an der Spiegelbilder-Weisheit, viel geredet. Ein gedeihliches Entwickeln des in allen Fugen krachenden Wirtschaftslebens brauchen wir. Wir erhalten die Gesundung unseres Wirtschaftslebens nur dadurch, daß, ebenso wie wir das Geistesleben auf der einen Seite der freien Selbstverwaltung übergeben, wir das Wirtschaftsleben auf der anderen Seite frei den Wirtschaftenden, das heißt allen Menschen, zu freier Selbstverwaltung übergeben.

Einige Menschen fühlen, daß das Wirtschaftsleben nur gedeihen kann, wenn es die Wirtschafter selbst in freier Verwaltung haben. Aber sie verlangen doch wiederum aus dem wirklichkeitsfremden Sinn heraus Halbheiten. Sie verlangen zum Beispiel, daß aus den Parlamenten, wo ja durch die Majoritäten der Parteien, die natürlich nicht aus dem Fachlichen und Sachlichen heraus urteilen, die Entscheidungen getroffen werden. Sie fordern, daß die Parlamente beraten werden von Sachverständigen-Kollegien, die aus den Berufsständen und aus der Zusammenstellung von Konsumenten und Produzenten und dergleichen gebildet werden. Aber das ist wiederum eine wirklichkeitsfremde Halbheit, denn man denke sich das souveräne Parlament, beraten vom wirtschaftlichen Körper — und dann werden die Entscheidungen doch wiederum von den Majoritäten gefällt.

Nein, darum handelt es sich nicht, sondern darum allein handelt es sich, daß dasjenige, was im wirtschaftlichen Leben geschieht, aus den Assoziationen selber hervorgeht, die aus der Wirtschaft heraus entstehen. Die wirtschaftlichen Körperschaften müssen untereinander ihre Verträge schließen. Sie müssen absehen von demjenigen, was die Leute reden, die nicht drinnenstehen in irgendeinem Wirtschaftszweige. Es muß jeder Wirtschaftszweig zur Geltung kommen durch unmittelbare Verhandlungen von Assoziation zu Assoziation. Ein freies Wirtschaftsleben aus sachlichen und fachlichen Verhandlungen unter den Wirtschaftskörpern — das muß sich bilden. Das Wirtschaftsleben ebenso wie das Geistesleben in freier Selbstverwaltung — das ist das einzige, was auf gesunde Weise in die Zukunft hineinführen kann.

Dann wird zwischen dem sich selbst verwaltenden Geistesleben und dem sich selbst verwaltenden Wirtschaftsleben mitten drinnen das übrigbleiben, worüber alle Menschen als Gleiche demokratisch parlamentarisieren können. Wenn man das Geistesleben, das auf Fähigkeiten beruhen muß und aus Fähigkeiten erwachsen muß, und das Wirtschaftsleben, das aus Sachlichem und Fachlichem gestaltet sein muß, wenn man erst das rechts und links beseitigt, dann bleibt das übrig, worüber Lloyd George und dergleichen Typen von Parlamentariern allein reden können, dann bleibt diejenige Wirklichkeit übrig, die von den Reden, von den Wirkungen der Worte abhängig ist. Dann bleibt das übrig, wo hinein sich Verfassungen ausleben können, wenn sie nicht — wie die ehemalige Verfassung des Deutschen Reiches — bloß auf dem Papier stehenbleiben sollen.

Diese Dreigliederung, sie geht unmittelbar als eine Befriedigung praktischer Lebensforderungen aus dem wahren, inneren Charakter anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft hervor. Und manches andere Praktische geht aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft hervor, zum Beispiel die Waldorfschule, die so eingerichtet ist, daß sie heute schon in ihrer Konfiguration dient dem freien Geistesleben, das von nichts abhängig ist als lediglich von dem, was aus dem Menschen selbst, aus Lehrern und Schülern, an Fähigkeiten aufsteigen kann.

Damit habe ich dasjenige charakterisiert, was Geisteswissenschaft zu einem eminent Praktischen macht. Diese Geisteswissenschaft ergreift ja nicht ein abstraktes Wissen, nicht ein bloß ideenhaftes Wissen, sondern sie ergreift im Wissen die Wesenheit. Sie erzieht daher den Menschen so, daß er auch in die Handhabung des alltäglichen Lebens dasjenige hineintragen kann, was ihm zunächst an der Wissenschaft anerzogen wird. Die Wissenschaft des Geistes ist an ihrem Ursprung praktisch, daher wird sie eine Praxis begründen, welche in ihren Ausläufern, trotzdem sie ideenerfüllt ist, lebensfähig, menschenbefreiend sein kann.

Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, lassen Sie mich zum Schlusse mit ein paar Worten noch folgendes charakterisieren. Wie alles, was sich als eine so radikale Anschauung jemals in die Welt hineingestellt hat, so wird auch diese Geisteswissenschaft von denjenigen bekämpft, die sich eben gar nicht vorstellen können, daß der Mensch hinauskommen könne aus den gewohnten Geleisen. Es haben sich heute die meisten Menschen, die überhaupt mit etwas Wissenschaftlichem zu tun haben, so eingelebt in den Geist der nicht erlebten, sondern bloß gedachten Wissenschaft, daß sie sich gar nicht denken können, daß es die jetzt hier durch Jahrzehnte von mir geschilderte, heute in ihren Grundzügen nur skizzenhaft dargestellte, lebendige Geist-Erkenntnis geben kann. Und sie bringen es fertig zu sagen, daß dasjenige, was diese Geisteswissenschaft schaut, vielleicht auch bloß auf Suggestion beruhen könne, seien es Selbstsuggestionen, seien es die Suggestionen von anderen.

Man hört da ganz sonderbare Dinge - ich muß, gerade wenn ich das Wesen des Geisteswissenschaftlichen, wie ich es vertrete, charakterisiere, am Schlusse mit ein paar Worten auch auf solche Äußerlichkeiten hinweisen -, man hört da ganz sonderbare Dinge. Da wird zum Beispiel gesagt, dasjenige, was ich dargestellt habe, das könne ja auf Suggestionen beruhen, die mir gekommen wären aus der Lektüre der Bücher von solchen Persönlichkeiten wie Blavatsky und Besant. Und es wird jetzt sogar schon mit einer gewissen wissenschaftlichen Strenge darauf hingewiesen, daß ich vom Jahre 1900 ab oder 1901 ab mich vertieft hätte in die Schriften von Blavatsky und Besant und daß das in meiner Geisteswissenschaft wiederkehre, was in diesen Schriften sich findet. - Nun, in diesen Schriften ist manches, was alte Überlieferung ist. Geradeso wie derjenige, der heute Geometrie darstellt, die geometrischen Wahrheiten der Jahrhunderte wieder darstellen muß, so findet sich natürlich vieles, was in früheren Büchern steht, auch in meinen Schriften wiederum. Wer aber dann behauptet: Alles, was in meinen Büchern steht, finde sich schon in früheren [Büchern von Blavatsky und Besant], es sei nichts da hinzugekommen, der ist entweder blind oder er lügt offensichtlich, denn es ist ja nicht wahr -— wie sich für jeden herausstellt, der meine Bücher mit diesen andern Büchern vergleicht.

Aber noch scheinbar wissenschaftlicher wird vorgegangen. Da wird zum Beispiel gesagt: Ja, der Steiner war vom Jahre 1901 bis zum Jahre 1913 ein esoterischer Schüler von Besant. — Nun, ich will Ihnen eine Tatsache erzählen. Im Jahre 1900/1901 erschien mein Buch «Welt- und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert», welches diejenigen Menschen, die gerne bei mir nach Widersprüchen angeln, zu meinen «naturalistischen» Bücher rechnen. Fast ganz in derselben Zeit ist meine Schrift erschienen «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung». Diese Schrift ist unmittelbar nach ihrem Erscheinen in einer englischen Zeitschrift in Übersetzung erschienen. Man drängte mich dazu, innerhalb der Theosophischen Gesellschaft Vorträge zu halten und auch theosophische Versammlungen in London selbst zu besuchen. Da hatte man bereits in der englischen Übersetzung diese genannte Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» gelesen. Und eine der bedeutendsten Autoritäten unter diesen englischen 'Theosophen sagte mir dazumal klipp und klar - ich referiere nur: «Dasjenige, was in Ihrer «Mystik» steht, enthält eigentlich reichlich dasjenige, wonach wir mit unserer Theosophie hinstreben.» - Nun, derjenige, dem man so etwas gesagt hat, der hatte wahrhaftig nicht von Besant oder Blavatsky erst etwas zu lernen. Das sage ich nicht aus Unbescheidenheit, sondern einfach aus den Tatsachen heraus.

Man ist aber noch wissenschaftlicher zu Werke gegangen, ganz gründlich wissenschaftlich. Man hat sich sogar, wie man angeführt hat, auf die Strümpfe gemacht und ist nach Weimar gereist, wo ich vom Jahre 1889 bis zum Jahre 1897 gelebt habe. Und als Ergebnis dieser Reise konnte man sogar anführen, daß irgendeine Dame, deren Namen man zu nennen bereit ist, gesagt hätte: «Der Steiner war während seiner Weimarer Zeit Atheist.» Nun, ich habe es ja schon öfter erklären müssen, daß sich die wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit manchmal auf die Klatschbasenstrümpfe begibt. Aber ich möchte Ihnen doch eine kleine wirkliche Tatsache erzählen aus meiner Weimarer Zeit, damit Sie eine Ansicht bekommen können über den angeblichen Atheismus dieser Weimarer Zeit: Es war ungefähr in der Mitte meiner Weimarer Zeit, jedenfalls nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe meiner «Philosophie der Freiheit», wo in Weimar ein evangelischer Geistlicher, der dazumal in Weimar außerordentlich angesehen war, einen Vortrag gehalten hat über «Die freie christliche Persönlichkeit». Sie können diesen Vortrag nachlesen in der Zeitschrift «Die Wahrheit», herausgegeben von Christoph Schrempf; ich weiß nicht, in welchem Jahrgang, aber es sind nicht viele erschienen, man wird es leicht finden können. Es ist da auf die «Philosophie der Freiheit» an einer Stelle verwiesen. An einer anderen Stelle ist aber nochmals in diesem Vortrage auf mich verwiesen, nur hat der Vortragende unterlassen, an dieser Stelle auch meinen Namen zu nennen. Das macht natürlich nichts; aber es kann vielleicht gerade gegenüber der Klatschbasenbehauptung von meinem Weimarer Atheismus wichtig sein, auf diese Stelle des Vortrages, der auch gedruckt ist und der von einer ernstzunehmenden Persönlichkeit gehalten wurde, hinzuweisen. Diese Persönlichkeit sagte in dem Vortrag ungefähr das folgende:

Neulich sagte mir jemand, wenn man in der rechten Weise sehe, daß Gott die unendliche Liebe zu den Menschen in sich habe, könne man von Gottes Sein nicht so sprechen, wie man von dem Sein der gewöhnlichen Dinge redet, denn Liebe sei Hingabe an ein anderes. Und wenn Gott die Fülle der unendlichen Liebe in sich hat, dann geht er aus der Fülle dieser Liebe durch ein Ausgießen seines Seins in alle Wesen über, und dann kann man nicht mehr von dem Eigensein Gottes in gewöhnlichem Sinne sprechen.

Diese Persönlichkeit sagte dazumal von ihrem rein evangelischen Standpunkte: Warum soll denn die Liebe der Moloch sein, der Gott aus sich selber austreibt? —

Nun, die tiefere philosophische Frage, die darin liegt, will ich selbstverständlich heute nicht behandeln. Aber derjenige, der so von der göttlichen Liebe zu diesem Manne gesprochen hat, der war ich. Und ich frage Sie, ob derjenige ein Atheist genannt werden darf, der über die Persönlichkeit Gottes in einer solchen Weise spricht? Das ist eine Wahrheit, und diese Wahrheit ist dokumentarisch zu belegen. Und gegenüber dieser Wahrheit ist es mir ganz egal, was bei dieser oder jener Weimarer Persönlichkeit heute noch über meinen angeblichen Atheismus erfragt werden kann.

Und so könnte ich wider die Ankläger der Geisteswissenschaft Tatsache für Tatsache anführen, aber die Ankläger haben ja zumeist kein Interesse, die Tatsachen wirklich ins Auge zu fassen, sondern sie haben nur ein Interesse daran, ihr eigenes Licht leuchten zu lassen und deshalb Geisteswissenschaft in ein entsprechend anderes Licht zu setzen. Ich bin nie neugierig, was diese Leute sagen, denn es kann in der Regel vorauskonstruiert werden, was zum Beispiel der Graf Hermann Keyserling, den ich heute schon erwähnt habe, als Charakteristik meiner Anthroposophie gesagt hat in seinem abstrakten Buch, das eben den Charakter hat, den ich heute dargestellt habe. Das konnte man sich aus der Keyserlingschen leeren Weisheit heraus von vorneherein konstruieren. Das weiß man ebensogut, wie man weiß, was ein solcher Mensch über die Geisteswissenschaft zu sagen hat, der die Eduard von Hartmannschen Ideen nachplappert wie der Drews. Diese Leute, sogar wenn sie Graf Hermann Keyserling sind, sie haben immer eines nötig - da sie im Grunde genommen doch nicht den Willen haben, auf die Sache einzugehen, so haben sie an einem Punkte immer eins nötig, und ich sage das mit allem Radikalismus: sie haben immer nötig zu lügen. Sie finden an einer Stelle des Buches «Philosophie als Kunst» von Hermann Keyserling die Behauptung, ich sei ausgegangen mit meiner, wie er meint «materialistisch gestalteten Geisteswissenschaft» - die er nur so nennt, weil er davon keinen Dunst hat, nicht einmal einen blauen -, Sie finden da die Behauptung, daß ich ausgegangen sei von Haeckelschen Ideen, daß in Haeckelschen Ideen der Ursprung meiner Anthroposophie liege.

Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe über Haeckel geschrieben am Ende der neunziger Jahre, und ich muß hier eine Tatsache erwähnen: Ich habe die Einseitigkeit der Haeckelschen Weltanschauung im Jahre 1893 in einem Vortrage über einen geistgemäßen Monismus im Wiener «Wissenschaftlichen Club» dargestellt. Ich kam dann wiederum nach Weimar zurück, wo ich dazumal meinen Aufsatz in einer der ersten Nummern der «Zukunft» über die Gesellschaft für ethische Kultur geschrieben hatte. Hackkel schrieb mir nach diesem Aufsatz, und ich sandte ihm [später] den Abdruck meines Wiener Vortrages gegen den materialistischen Monismus. Und Haeckel knüpfte dazumal jene Verbindung an, die dazu geführt hat, daß Haeckel in einer gewissen Weise sehr freundlich meinen damaligen Bestrebungen gegenüberstand. Und es hat auch geführt zu einer Auseinandersetzung mit dem Haeckelismus, was notwendig war aus der wissenschaftlichen und geistigen Entwicklung der Zeit heraus, denn der Haeckelismus war eine Zeitenmacht. Man sieht daraus - ich sage das wahrhaftig nur genötigt durch dasjenige, was von feindlicher Seite vorgebracht wird, ich habe es ja lange genug nicht gesagt, ich sage es nicht aus irgendeiner Unbescheidenheit heraus -: Wahr ist nicht, daß ich irgendeine Anknüpfung an Haeckel gesucht habe; Haeckel ist an mich herangekommen von sich aus, an diejenige Art und Weise der Bestrebungen, die ich gepflegt habe. Nicht ich bin Haeckel nachgelaufen, sondern Haeckel, trotzdem er Haeckel ist, ist zu mir gekommen geradeso wie ich der Theosophischen Gesellschaft nicht nachgelaufen bin, sondern die Theosophische Gesellschaft zu mir gekommen ist und meine Vorträge verlangt hat. Hermann Keyserling lügt, wenn er sagt, ich sei von Haeckel ausgegangen, denn daß er lügt, kann man nachweisen, wenn man das betreffende Kapitel meiner Auseinandersetzungen mit Haeckel in meinen «Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften» aus den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts liest. Wer die Behauptung aufstellt, ich sei von Haeckel ausgegangen, trotzdem jene Auseinandersetzung mit Haeckel vorliegt, von dem darf man sagen: er lügt, auch wenn er Weisheitsschulen gründet.

Das ist das Eigentümliche der Gegner der Geisteswissenschaft: Weil sie gar nicht den Willen haben, auf die Sache einzugehen, deshalb müssen sie immer an einer bestimmten Stelle lügen. Ob sie nun lügen wie der Graf Hermann Keyserling, etwas vornehmer, in Lackstiefeln, oder ob sie lügen wie der Professor Traub oder ob sie so grob, so «ferkelig» lügen wie der benachbarte Rohm in Lorch, darauf kommt es nicht an. Denn es liegt ein innerer Grund vor, daß diese Leute bei dem, was sie gegen Geisteswissenschaft vorbringen, übergehen zur Lüge. Irgend etwas, was gegen Geisteswissenschaft wissenschaftlich sprechen würde, das würde von mir als erstem aufgenommen werden, und es würde darüber gesprochen werden. So wie ich in meinem letzten Vortrag hier gesagt habe: Derjenige, der wirklich die von mir charakterisierte seelische Entwicklung durchmacht, die durchgemacht werden muß, um Geistesforscher zu werden, der weiß, daß es sich nicht um Suggestion handeln kann. Denn ebenso, wie ich weiß, wenn ich ein Kilogrammgewicht aufhebe, daß ich daran meine innere Kraft erstarken muß, daß gewissermaßen mein Ich am Widerstand sich erkraften muß, so weiß ich, daß mein Ich sich erkraften muß, wenn ich die geistige Anschauung haben will, während es sich durch eine Suggestion nicht erkraftet.

Aber auch anderes bringen die Leute vor. So zum Beispiel wird selbst die Absurdität heute wiederum vorgebracht, daß man nicht dürfe durch bloßes Denken die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse, die in meiner Anthroposophie leben, anerkennen und weitertragen, sondern diese müßten auf dieselbe Weise nachgeprüft werden, [wie sie erforscht worden sind]. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, was hat es denn überhaupt mit diesem Nachprüfen für eine Bewandtnis? Mathematische Wahrheiten sind das Vorbild für die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Eine Zustimmung von anderen zum Beispiel zu dem pythagoräischen Lehrsatz und seine Anerkennung ist nicht nötig; man lernt ihn verstehen aus dem inneren Erleben heraus, die anderen stimmen zu aus ihrem freien Urteil, nicht aus irgendeiner äußeren Erfahrung heraus. Geisteswissenschaftliche Wahrheiten haben Bestätigung so wenig nötig wie mathematische Wahrheiten. Sie entspringen aus dem freien geistigen Erleben des Menschen heraus, nicht auf die Weise, wie manche der Gegner der Geisteswissenschaft heute meinen. Und dann wurde von mir oftmals gesagt: Zum Erforschen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse gehört die geisteswissenschaftliche Schulung - zu ihrem Verarbeiten nicht; das kann man mit den Ideen, mit dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstand. Auch dafür ist die Mathematik ein Vorbild. Um mathematische Entdeckungen zu machen, sind besondere mathematische Fähigkeiten nötig. Sind die Entdeckungen gemacht, dann kann sie jeder, der mathematische Ideen hat und sie bis zu einer entsprechenden Entwicklung gebracht hat, belegen, beweisen, weitertragen. Und so ist es in der Geisteswissenschaft. Und diejenigen verstehen einfach das innerliche Gefüge der Geisteswissenschaft nicht, die an solchen Punkten einhaken wollen.

Nun, ich könnte diese Litanei — ich empfinde sie selber als eine Litanei —, mit der man eigentlich nur die Gemüter aufhält, lange fortsetzen. Und wenn diejenigen - sie sind sehr, sehr zahlreich -, die als Ankläger der Geisteswissenschaft heute auftreten, sich auf den Boden begeben würden, auf dem die Geisteswissenschaft steht — die eben, um noch einmal dieses Goethesche Wort zu gebrauchen, dem strengsten Mathematiker Rechenschaft geben möchte in bezug auf ihre Methoden und ihre Diszipliniertheit -, wenn sich diese Ankläger auf den Boden der Geisteswissenschaft begeben würden, so würden sie einsehen, daß diese Geisteswissenschaft durchaus nicht eine Gegnerin der heutigen Wissenschaftlichkeit ist, sondern daß sie diese Wissenschaftlichkeit anerkennt in bezug auf ihre Disziplin, auf ihre strengen Methoden. Geisteswissenschaft anerkennt diese Wissenschaftlichkeit in ihren strengen Methoden, nur führt sie diese über sich selbst hinaus, wie es von den dreißig Dozenten bei den Dornacher Hochschulkursen gezeigt werden sollte und hier bei weiteren Hochschulkursen gezeigt werden soll. Man würde andere Dinge herantragen an die Geisteswissenschaft, und zwar dasjenige, was - aber allerdings in seiner wahren Gestalt, nicht in seiner karikaturhaften und verzerrten Gestalt - von dieser Geisteswissenschaft oft und oft selbst als mögliche Einwände erwähnt und auch widerlegt worden ist.

Heute, meine sehr verehrten Anwesenden, hat man es, wenn man ganz auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, wie sie hier gemeint ist, im Grunde mit Wichtigerem zu tun als mit einer solchen Auseinandersetzung mit wesenloser Gegnerschaft. Heute hat man es zu tun mit der Beantwortung der Frage: Wie kommt der Mensch aus seiner lebensvollen Erkenntnis zu einer von Liebe durchstrahlten sozialen Lebenspraxis? - Die kalte Spiegelbilder-Wissenschaft trägt in die Praxis das Liebelose, das Liebeleere hinein. Jene Erkenntnis, die innerlich erlebt werden muß als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, sie erscheint dem Menschen so, daß er in seinen äußeren Betätigungen, auch seines unmittelbaren Lebens, seine ganze Persönlichkeit hineinträgt. Und ist die Gemeinschaft noch so kompliziert: derjenige, der an der Geisteswissenschaft erzogen ist, er kann das, was er mit dem allerintensivsten Anteil der Persönlichkeit an der Geisteswissenschaft erlebt, auch in das soziale äußere Leben hineintragen - gleichgültig, ob er in einer führenden oder in einer nicht-führenden Stellung ist. Denn das, was mit der ganzen Persönlichkeit erlebt wird, es wird, wenn es in die Tat übergeht, ebenfalls Erlebnis. Das äußere Erlebnis aber, bei dem die Persönlichkeit ganz dabei sein muß, das ist das Erleben in Liebe. Eine Erkenntnis, die erlebte Ideenwelten im Geiste anstrebt, die engagiert den ganzen Menschen so, daß dieser Mensch sich in Liebe in das soziale Leben hineinstellt, daß er von Liebe die sozialen Ideen durchdringen läßt. Wie in der Geistesforschung das unmittelbare Erlebnis des Geistes innerlich lebt, so trägt Geisteswissenschaft durch die Dreigliederung des sozialen Organismus die Liebe in das soziale Leben, in die Gemeinschaft hinein. Sie stellt die Ideen als solche in die Wirklichkeit hinein, so daß Liebe der Träger dieser Ideen in der Wirklichkeit sein kann. Liebe im sozialen Leben kann nur verbunden sein mit erlebter, nicht bloß mit erkennender Wissenschaft. Daher hat man, wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, wie sie hier gemeint ist, zunächst vor allen Dingen den Blick gerichtet auf den Zusammenhang dieser geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse, dieses geisteswissenschaftlichen Lebens, mit der sozialen Liebe, mit der sozial liebevollen Praxis, die nicht bloß Routine ist, sondern die in Liebe, von leuchtenden Ideen getragen ist. Und das, meine sehr verehrten Anwesenden, brauchen wir, wenn wir nicht in die Barbarei versinken, sondern zu einer neuen Zivilisation hinkommen wollen.

Das brauchen wir: ein Geistesleben, das nicht im Wolkenkuckucksheim lebt, sondern das hinuntersteigt bis in die Praxis, ein praktisches Leben, das nicht verächtlich zu der weltfremden Geistigkeit hinaufschaut, sondern das sich durchdringen läßt in Liebe von den wirklichkeitsgetragenen Ideen. Einen Geist brauchen wir, der nicht wesenlos in Wolken schwebt, sondern der in der Praxis lebt. Eine Praxis brauchen wir, die nicht ideenlose Routine wird, sondern eine Praxis, die geisterfüllt ist. Einen Geist brauchen wir, der die Praxis durchleuchtet; eine Praxis brauchen wir, die vom Geiste durchwärmt ist. Dann können wir einen fruchtbringenden Weg in die Zukunft antreten.

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