The Fateful Year of 1923

GA 259 — 6 February 1923, Stuttgart

Sitzung mit dem Dreissigerkreis

[Die bisher ergebnislosen Verhandlungen haben zu dem nicht protokollierten Vorschlag Rudolf Steiners geführt, ein Neunerkomitee zu bilden, das anstelle des Zentralvorstandes die Leitungbis zur Delegiertenversammlung übernehmen soll.]

Dr. Stein: Es ist so wenig die Möglichkeit gegeben, neue Vertrauenspersönlichkeiten zu designieren.

Es sprechen über den Aufruf Dr. Schwebsch, Dr. Noll, Karl Stockmeyer, Dr. Unger, Paul Baumann, Dr. Hahn, Hans Kühn, Alexander Strakosch.

Marie Steiner: Der erste Satz des Aufrufs scheint mir die Gesellschaft ganz plötzlich auf eine demokratische Basis zu stellen.

Es sprechen Adolf Arenson, Dr. Unger, Frl. Dr. von Heydebrand, Dr. Kolisko, Jürgen von Grone, Dr. Stein - alle über den Aufruf.

Marie Steiner: Zentralvorstand? Ein solcher Vorstand kann doch nicht «Zentralvorstand» genannt werden! Ein solcher Riesenvorstand verdient wohl nicht den Namen «Zentralvorstand».

Dr. Blümel: In welcher Stellung steht der Zentralvorstand zum internationalen Leben?

Dr. Steiner: Es kann hier, so wie die Verhältnisse liegen, nur von der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, nicht einmal in Österreich gesprochen werden. Die anthroposophische Bewegung ist von Deutschland ausgegangen. Wir haben immerhin das erreicht — durch den englischen Lehrerbesuch ist es bekräftigt worden-, daß sozusagen das Ausland diese Tatsache hingenommen hat und anzuerkennen bereit ist — trotz aller sonstigen Abneigung gegen Mitteleuropa-, daß die anthroposophische Bewegung von Deutschland ausgegangen ist. Deshalb ist es notwendig, daß die Konsolidierung jetzt von Deutschland besorgt wird. Es hat sich die Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz gebildet. Eben in Bildung begriffen ist die Gesellschaft in Frankreich, ebenso in England. Die schwedische Gesellschaft ist von Anfang an eine eigene gewesen. Die norwegische will auch eine eigene werden. Diese Gesellschaften werden in Zukunft selbständig sein und einen gemeinsamen Mittelpunkt in Dornach suchen, so daß der internationale Mittelpunkt in Dornach bleiben wird. (Notiz von Dr. Heyer: «Dornach suchen, wenn Dornach bleibt.») Ich habe immer darauf bestanden, daß die Konsolidierung hier in Deutschland geschehen muß, weil diese historische Tatsache ja anerkannt wird, daß die anthroposophische Bewegung von Deutschland ausgegangen ist. (Notiz von Dr.Heyer: «Überall Krisis, falls in Deutschland keine Konsolidation.») Beschließen können Sie hier aber nichts. Die französische Gesellschaft wird die Tatsache anerkennen, sich mit der deutschen Gesellschaft in Dornach — wenn es bleibt - als zukünftigem Mittelpunkt zusammenzuschließen. Was hier geredet worden ist, gilt nur für die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland. Außerdem ist notwendig, daß sich diese Gesellschaft in Deutschland, als Ausgangspunkt der Anthroposophie, konsolidiert — und alles weitere sich dann anschließen kann. Das ist dasjenige, was formell zu verstehen ist: Daß hier, auf Grundlage der Historik, nach allen Seiten hin konsolidiert wird. Auch die Festsetzung der Mitgliedsbeiträge ist nicht für außerhalb Deutschlands zu machen. Das, was Sie «international» beschließen, darum kümmert sich keine Katze draußen. Ein Zentralvorstand kann nur für die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland dasein.

Adolf Arenson spricht über die Einladung der Delegierten.

Dr. Steiner: Erstens könnte über den Aufrufgesprochen werden. Aber Sie müssen sich klar sein, daß der provisorische Zentralvorstand von sich aus diesen Aufruf nicht unterschreiben kann. Da kommen, wenn alle diese Ding darinstehen, die Gründe von Herrn Arenson in Betracht, daß die Majorität des bisherigen Zentralvorstandes, die bleiben würde, nur ausgefüllt mit Dr. Kolisko, nach Weggang des Herrn Uehli, diesen Aufruf nicht unterschreiben kann. Der Aufruf kann auch nicht in dieser Weise gemacht werden, daß bloß eine Selbstanklage hinausgeschrieen wird in die Welt. (Notiz von Dr. Heyer: «Schrulle von Dr. Stein, daß Selbstanklage...») Er müßte mindestens von einer Vorstandsmajorität unterschrieben sein, die nicht in ihrer Mehrheit den bisherigen Vorstand darstellt.

Man kann nicht wirken dadurch, daß man seine eigene Schuld unterschreibt. Es können ja die Vorstandsmitglieder darunter stehen — es müßte aber eine Majorität da sein, die sich nicht identifiziert mit der Schuld. Diesen Aufruf, unterschrieben von drei Mitgliedern des provisorischen Vorstandes — Unger, Leinhas, Kolisko — hinauszusenden, hieße der Gesellschaft den letzten Todesstoß geben. Man stellt ein Vertrauen nicht dadurch her, daß man sich selbst ein Mißtrauensvotum ausstellt. Das gibt es nicht. Das kann nur Dr. Stein aus einer gewissen Lebensunpraxis heraus als etwas Mögliches ansehen!

Das zweite ist, daß Sie real berücksichtigen, wie weit die Dinge schon gediehen sind. Gerade heute habe ich einen Brief von Frau Wolfram bekommen, die darüber schreibt, daß der Leipziger Zweig kaum mehr funktioniert, weil sich die Zweigmitglieder zusammengetan haben zum «Bund für freies Geistesleben», der ohne Zusammenhang mit der Anthroposophischen Gesellschaft wirken wird. Diese Dinge werden sich vermehren. Man wird anfangen, die Anthroposophie außerhalb der Gesellschaft zu propagieren. Das Positive liegt darinnen, daß in einem gewissen Sinne auch neue Leute sich dafür einsetzen, nicht bloß in der Majorität die alten.

Mir ist dargestellt worden, daß die Jugendgruppe ganz versöhnt wäre. Dagegen ist mir heute dieses Schriftstück übergeben worden. Ich will durchaus nicht behaupten, daß im Sinne dieses Schriftstückes verfahren werden solle; es zeigt aber die Stimmung. Mit der hier gemeinten Vertretung der Jugend geht es nicht so, daß man einen in die Gesellschaft hereinruft, aber die Strömung müßte vertreten sein. Diese Gruppe müßte die Verantwortung für die fruchtbare Fortführung ihrer Arbeit übernehmen. Nicht wahr, eine solche Sache kann nur so bearbeitet werden, daß zunächst diese Leute ihre Entschließung für sich allein fassen; denn diese Gruppe steht vorläufig überhaupt noch nicht in der Anthroposophischen Gesellschaft darinnen. Es müßte also etwas entstehen, was als ein Ganzes mit solchen Gruppen in irgendwelche Beziehung tritt. Alle Kompromisse führen zu nichts, weil die Differenzen doch bald wieder da sind und nicht überbrückt worden sind.

Ich möchte, daß Sie sich darüber klar werden, daß in dieser Form der Aufruf nicht von den drei Vorstandsmitgliedern unterschrieben werden kann, sondern daß Sie auf Mittel und Wege sinnen müssen, um nun wirklich das zu umfassen, was heute zur Anthroposophie will, ganz gleichgültig, wie Sie es im Werte beurteilen.

Dann möchte ich noch auf folgendes aufmerksam machen. Es ist notwendig, daß diese Delegiertenversammlung an der Konsolidierung der Gesellschaft mitarbeitet. Dazu ist wirklich nicht notwendig, daß man etwas anderes für die Zusammensetzung der Delegierten als Grundsatz aufstellt, als daß alle Delegierten, die hergeschickt werden, im Sinne eines anthroposophischen Zusammenschlusses arbeiten. Da können keine solchen herkommen, die anti-anthroposophisch sind. Um zu konsolidieren, braucht man nicht Redner herzuberufen, die gegen die Anthroposophie reden. Da es sich um den Zusammenschluß der Anthroposophen handelt, ist es nötig, daß sie für die Anthroposophie reden.

Nicht wahr, die Anknüpfung an die alte Vertrauensmänner-Organisation wird im tiefsten Sinne des Wortes verstimmen. Es wird kaum etwas zustande kommen, wenn die alte Vertrauensmänner-Organisation gelten wird. Die Delegierten sollen mit denen, die hier führend sind, über dasjenige beraten, was laufende Angelegenheiten des anthroposophischen Zusammenschlusses sind. Es ist notwendig, daß man alles Bürokratische von der Kundgebung ausschließt, so daß Sie die Frage: Wozu kommen die Delegierten her? - einfach so beantworten müssen, daß sich die führenden Persönlichkeiten in Stuttgart über die laufenden Angelegenheiten besprechen wollen. Kein Programm vorher aufstellen! Dann wissen die Leute, wozu sie herkommen sollen. Aber wenn man eine Art bürokratische Organisation machen will, dann werden sie nur verstimmt. Es sind Haßstimmungen gegen das bürokratische System von Stuttgart da. Das muß total vermieden werden. Man muß so wenig wie möglich darüber sagen, wie man die Delegierten wählen soll. Bloß dies, daß es sich darum handelt, daß die Leute zusammenkommen, die von den Zweigen oder von den bestehenden Gruppen geschickt werden, damit hier eine gemeinsame Besprechung stattfinden kann. Ganz unbürokratisch die Sache machen!

Dann hielte ich es nicht für günstig, wenn zu stark bloß das Negative betont wird. Es kommt ja trotzdem. Wenn Sie die zwei Dinge zusammenlegen,1 so werden Sie sehen, daß im wesentlichen das Negative betont worden ist und nicht dasjenige, was als Positives dasein soll, um das man sich dann scharen sollte.

Aber ein Letztes, was nicht verschwiegen werden kann, ist dieses, daß Sie auf heftigen Widerstand stoßen werden, wenn Sie diesen Aufruf so gestalten, daß der Dreißigerausschuß in seiner Ganzheit die Sache unterschreibt. Dadurch werden Sie die Leute auseinanderstreben machen. Dieser Dreißigerausschuß ist ein Gegenstand des Anstoßes, der gewiß nicht wirkt. Er ist braver und besser als sein Ruf - aber unterschreiben kann er nicht. Dieser Ausschuß hat sich gründlich mißhellig gemacht.

Es sprechen einige.

Marie Steiner sagt dazu: Man solle nichts festlegen; Dr. Steiner kann ja nicht Vorstand sein.

Dr. Steiner: Der Zustand von 1918 ist nicht wiederherzustellen!- Also das ist schon richtig, was darüber im Aufruf steht, daß der Zustand von 1918 nicht wiederherzustellen ist, daß man nicht einfach geradewegs verlangen kann, daß sich irgendwie ein Vorstand bildet. Das kann nicht sein. Das müßte in anderer Form geschehen. Aber warum sollte denn tatsächlich die Chance nicht genützt werden, daß also gewissermaßen doch ein Weg gefunden würde, um diesen anthroposophischen Zusammenschluß zu bewirken, nachdem seit 1919, manchmal mit großem Aplomb von der Gesellschaft aus, alle möglichen Dinge unternommen worden sind. Ehe es zu spät ist, könnte doch ein Weg zum Zusammenschluß gefunden werden!

Aber Sie müssen sich klar sein, daß dazu ein wenig weltmännische Allüren gehören. Das Weltmännische würde fehlen, wenn man bloß diese zwei Elaborate zusammenstellt.2 So kann man heute überhaupt nichts in die Welt hinausschicken; man muß sich auch an die Kreise wenden, die eigentlich schon innerlich abgefallen sind. Denn diese Nachricht habe ich heute bekommen, daß in Leipzig sich ein «Bund für freies Geistesleben» begründet hat, weil dort der Zweig zerfällt und man doch Anthroposophie pflegen will. Sie dürfen die Sache nicht so machen, um einen Zusammenschluß zu bekommen, daß sich die Leute zusammenschließen im Gegensatz zur Gesellschaft. Sie verlieren diese Sache, wenn Sie nicht im letzten Moment einen Zusammenschluß bewirken. Dazu ist notwendig, daß Sie mit denen, die noch draußen stehen, wie die Jugend, wirklich aus einem neuen Ton heraus reden, ohne diese bloße Pater-peccavi-Idee, wo Sie sich selbst nur ein Mißtrauens-Votum geben. (Notiz von Dr. Heyer: «Sonst akzeptieren die Leute es!») Das fürchte ich. Es handelt sich darum, daß man die Sachen weniger negativ formuliert, daß Leute - wenn auch in Stuttgart — darunter stehen, die bisher nicht mit dem identifiziert werden, was man das «Stuttgarter System» nennt.

Die Kongresse sind ein Schulbeispiel dafür, wie es nicht hätte gemacht werden sollen. Diese Kongresse sind abgehalten worden mit vielen Kräften, und sie sind dann absolut nicht im Sinne der anthroposophischen Bewegung ausgemünzt worden, trotzdem ich betont habe, daß diese Kongresse uns, weil Anthroposophie unbegrenzt besprochen wird, letztendlich eine Gegnerschaft schaffen, die uns wie eine Mauer umgibt. Die Ausmünzung der Kongresse ist nie geschehen. Daher das Unglück mit dem Wiener Kongreß! Der Wiener Kongreß istan sich-in seinem Rahmen - etwas sehr Gelungenes gewesen. Aber durch das Nichtausmünzen ist er tatsächlich zu unserem Schaden ausgelaufen. Es hat jetzt in Dornach eine Besprechung stattgefunden, ob man in Berlin einen Kongreß machen sollte [siehe Seite 66]. Das hat nun dazu geführt, in Berlin keinen zu machen. Wären die früheren Kongresse nicht bloße Kraftanstrengungen gewesen, hinter denen die Anthroposophische Gesellschaft nicht stand, sondern wäre sie dahintergestanden, dann könnten wir auch einen neuen Kongreß machen. Denken Sie doch, was irgendeine andere Körperschaft aus einem solchen Kongreß gemacht hätte! Sämtliche Zeitschriften würden monatelang solch einen Kongreß ausgemünzt haben! Bei uns ist das nicht geschehen. Wir machen aus alledem nichts.

Es hat an Veranstaltungen gewiß nicht gefehlt. Wenn die Veranstaltungen zu unseren Gunsten gekehrt worden wären, dann würden wir nicht nötig haben, von einer Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft zu reden. Daß wir aus alledem nichts machen können, das ist gerade unser Unglück. Das, um was es sich handelt, ist dies, was überall hervortritt. Als die Leute von der «Religiösen Erneuerung» mit mir diskutiert haben, wo ich klargemacht habe, daß ich mich nicht am Herumreden beteiligen würde, da fragte ich: Habt Ihr irgend etwas, das zeigt, daß ich mich jemals so geäußert hätte über die religiöse Bewegung? — Wenn der rechte Standpunkt gewahrt worden wäre, so würde die Anthroposophische Gesellschaft durch ihre Organe klargemacht haben, was das bedeutet, daß außer allen übrigen Dingen auch noch eine religiöse Erneuerungsbewegung aus der Anthroposophischen Gesellschaft hervorgegangen ist. Ich möchte wissen, welche Körperschaft in der Welt überhaupt auf so viele Dinge hinweisen kann wie die unsrige! Dazwischen läuft immer die Anthroposophische Gesellschaft wie das fünfte Rad am Wagen.

Alle diese Dinge haben wir nicht vertreten als Gesellschaft, und darauf käme es gerade an. Man muß wirklich den Stier bei den Hörnern packen. Deshalb würde ich meinen: Wäre es nicht das vorteilhafteste — nachdem die Dinge nun einmal diesen Verlauf genommen haben -, jetzt in Erwägung zu ziehen, ob nicht dasjenige, was beabsichtigt war am 10. Dezember, doch als eine Anregung aufgenommen werden könnte, damit irgend etwas dabei herauskommt? Es hat sich darum gehandelt, daß der Zentralvorstand, verstärkt durch andere Persönlichkeiten, etwas aufnimmt, was aus der Gesellschaft selbst heraus in positiver Weise auf eine Konsolidierung hinweist.

Wir haben ja erlebt, daß das Siebenerkomitee aufgetreten ist. Es hat sich leider in Negationen verloren, und als sich die Negationen erschöpft hatten, hat es sich annulliert, es ist nicht mehr aufgetreten. Ja, nun wäre es doch möglich, daß dieselben Anregungen, die der Zentralvorstand ignoriert hat, in irgendeiner Weise doch aufgenommen würden, damit etwas geschieht, nicht vom Dreißigerausschuß, sondern von einer Anzahl prominenter Persönlichkeiten in Stuttgart, die etwas zu vertreten haben. Ich gebe Ihnen das bloß zur Erwägung. Wenn Sie die Sache so machen, daß die Majorität des früheren Vorstandes und der Dreißigerausschuß diesen Aufruf unterschreiben, dann erreichen Sie gar nichts.

Die Mitglieder diskutieren weiter.

Dr. Steiner: Es ist nicht mehr viel Zeit vorhanden, es ist zu lange gezögert worden. Meine Meinung ist diese, daß eigentlich viele Leute hier wissen könnten, was zu geschehen hat. Aber es kommt nur so wenig bei den Beratungen heraus. Es wäre traurig, wenn nichts herauskäme. Die Mehrzahl macht von der Gelegenheit keinen Gebrauch: Das ist ganz unbedingt so. Frl. Dr. Mellinger ist in der Jugendgruppe. Es hat gar keinen Sinn, sich mit der Jugendgruppe vorher zusammenzusetzen, bevor die Alten sich nicht konsolidiert haben. Es kommt nur eine Rederei heraus, wenn man mit der Jugend verhandelt. Dann könnten Sie ebensogut alle Weltbewohner zusammenrufen. Zustande kommen kann doch nichts, wenn die Alten nicht wissen, was sie wollen. Es dürfte gar nicht anders sein, als daß die Jugend vertrauensvoll bei den Alten etwas sucht. Vorher dürfte es gar nicht dazu kommen, sich mit der Jugend zusammenzusetzen. Diese Vertretung der Jugend kann erst kommen, wenn die alte Gesellschaft sich gefunden hat. Sonst - — wir können doch nicht den Bolschewismus im Prinzip einführen.

Frl. Dr. Mellinger äußert sich zu der Sache.

Dr. Steiner: Die Sache ist so — wollen Sie sie im Prinzip auffassen —: Die realen Institutionen, die zusammengehören und dasein müssen, sind: Berliner [Philosophisch-Anthroposophischer] Verlag; hiesiger [Kommender-Tag]Verlag; «Kommender Tag»; Zeitung [«Anthroposophie»]; Waldorfschule; früherer Vorstand; vielleicht zerstreute Interessen; «Religiöse Erneuerung»; Ärzte-Kollegium. Das Forschungsinstitut muß erst zeigen, daß es da ist. -— Nicht wahr, nun würde sich ergeben, daß jemand da sein muß vom «Philosophisch-Anthroposophischen Verlag». Den können wir selbst vertreten; für das würde Fri. Mücke in Betracht kommen; hierfür kann nur Frl. Mücke in Betracht kommen. — Hiesiger Verlag: W. Wachsmuth; Klinik: Dr. Palmer; die Zeitung: von Grone; «Kommender Tag»: Herr Leinhas; früherer Zentralvorstand: Dr.Unger; Waldorfschule: Dr.Kolisko; «Religiöse Erneuerung»: Dr. Rittelmeyer; zerstreute Interessen: Herr Werbeck.

Im Prinzip würde damit etwas geschaffen sein, was unter dem Aufruf stehen kann. So ungefähr habe ich mir zusammengestellt gedacht das Komitee, das ich genannt habe: die prominenten Persönlichkeiten, an die der Zentralvorstand sich wenden könnte. Ich habe mir gedacht, daß der Zentralvorstand sich ungefähr durch diese Persönlichkeiten ergänzt. Man muß wirklich die laufenden Dinge berücksichtigen. Es kommt doch in Betracht, daß beim Zusammenschluß der anthroposophischen Bewegung das Moment berücksichtigt wird, daß die Bewegung vor der Welt dasteht. Nun hat Herr von Grone diesen Aufsatz in der letzten «Anthroposophie» geschrieben, der beweist ja im eminentesten Sinne, daß er mitredet in der Richtung, die er angeschlagen hat in diesem Aufsatze, und daß Sie ihn aufnehmen müssen. Sie müssen sich nach den Tatsachen richten.

Es würden sich morgen in möglichst früher Tagesstunde die sieben Herren wieder zusammenfinden können: W. Wachsmuth, Dr. Palmer, Emil Leinhas, Dr. Unger, Dr. Kolisko, Dr. Rittelmeyer, Herr von Grone. Diese Sieben vereinigen sich, um den Aufruf zu Ende zu beraten. Dieser Aufruf muß eine Tat sein! Dagegen würde nur eines stehen: wenn sich die Persönlichkeiten gegenseitig nicht mögen! Ich möchte ganz gerne, zur Strafe, Dr. Stein darin haben; ich will Ihnen aber diese Strafe nicht antun. Es würde eine Strafe für die andern sein, wenn er neuerdings anfangen würde mit dem Pater-peccavi.

Dr. Palmer: Wie Herr Leinhas das [Klinisch-Therapeutische] Institut behandelt hat, das hat mir nicht gefallen.

Dr. Steiner: Herr Leinhas hat den «Kommenden Tag» zu vertreten; das ist aus der Sache heraus gemeint, daß die Interessen in einer intimeren Zusammenkunft ihrer Vertreter miteinander durchgesprochen werden.

Es müßte morgen in möglichst früher Stunde, so früh es nur sein kann, dieser Aufruf beraten werden. Wir müßten uns doch wieder um 5 Uhr als dieser Ausschuß hier vereinigen können. Es kommen mir morgen die jungen Leute auf den Hals, insbesondere wenn sie hören, daß ich etwas von «Bolschewismus» gesagt habe! Ein geschlossener Kreis ist nur dadurch real, daß die Dinge in diesem Kreise geschlossen bleiben. Sonst kommt es ganz auf dasselbe heraus, wie wenn man überall in die Aufsichtsräte die Gewerkschaftsführer hineinstellte. Das ist im Prinzip — spaßhaft charakterisiert — -— Haben denn die hier versammelten Frauen nicht Männer und die Männer Frauen, die in der Jugendbewegung sind, so daß alles hinausgetragen wird?

Wir können uns um 6 Uhr dann wieder treffen.



  1. Es dürften hier der zuletzt entstandene Entwurf zum «Aufruf» und das dazugehörige Begleitschreiben gemeint sein. ↩

  2. Es dürften hier der zuletzt entstandene Entwurf zum «Aufruf» und das dazugehörige Begleitschreiben gemeint sein. ↩

German original of Meeting of the Circle of Thirty · ← Previous · Next →