Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 3 June 1913

Letter from Edith Maryon

Edith Maryon an Rudolf Steiner
[Übersetzung]

Türkenstraße 27 I1
München, 3.6.13 Dear

Dr. Steiner,

sehen Sie sich doch bitte den beiliegenden Ausschnitt aus der «Church Times» an, welchen mein Vater mir soeben geschickt hat. Leider ist das Datum abgeschnitten, aber ich nehme an, daß es die Ausgabe vom letzten Freitag ist. Diese Zeitung wird praktisch vom gesamten englischen Klerus gelesen, sicher von der ganzen anglikanischen Kirche, und erreicht durch die Geistlichen einen großen Teil der Gemeindemitglieder. Darüber hinaus wird sie auch von vielen Nichttheologen gelesen. Die Sache scheint mir daher von beträchtlicher Wichtigkeit und es sollte eine Antwort erfolgen auf die vielen falschen Ansichten, die ausgesprochen werden.Wollen Sie mir sagen, ob auch Sie finden, daß eine Antwort angebracht wäre?

Ich bin der Ansicht, daß eine Antwort von einem englischen Autor gegeben werden sollte, da nur ein Engländer die englische Kirche kennen und sie verstehen kann. Nur ein solcher könnte den Lesern der «Church Times» ein anderes Verständnis vermitteln. Die Antwort müßte von dem fähigsten Denker geschrieben werden, den wir finden können.

Die geeignetste Person, die mir eingefallen ist, ist Mrs. (Professor) Mackenzie. Ich glaube, Sie haben sie bei Dr. Felkin getroffen, sie ist seit 7 oder 8 Jahren Mitglied seines Ordens und Professor für Erziehung an der Universität von Cardiff (wo ihr Mann Philosophie lehrt). Beide sind Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich bin mit ihr persönlich befreundet, so daß ich sie fragen könnte, ob sie eine Entgegnung schreiben würde, aber natürlich kann ich nicht in Ihrem Namen sprechen, auch weiß ich nicht, ob Sie damit einverstanden wären, vielleicht haben Sie noch einen besseren Vorschlag.

Aus dem anderen Ausschnitt ersehen Sie, daß Mrs. Besant in London einen Vortrag hält. Ich verstehe nicht, wie sie das wagen kann, nach dem, wie der zweite Prozeß gegen sie ausgegangen ist. Wir hatten ein Telegramm mit dem Urteilsspruch des Richters, aber bisher noch keinen Zeitungsbericht (ich meine die Ehrverletzungsklage). Wenn eine Entgegnung erfolgen soll, so meine ich, daß es sobald wie möglich sein müßte; vielleicht lassen Sie mich wissen, was Sie wünschen, und in welcher Richtung die Antwort gehen sollte - oder lassen Sie es durch jemanden an mich ausrichten.

Ihre ergebene

L. Edith C. Maryon

Vielleicht wäre Prof. Mackenzie einverstanden, es mit mir zusammen zu machen; ich könnte ihr jedenfalls die Fakten liefern, die sie in einem Artikel verarbeiten würde. Wenn sie annimmt, wird es gut gemacht, sie ist außerordentlich gescheit.

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