Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 8 June 1919
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Villa Rosenau Arlesheim
Pfingsten Morgen, [8. Juni 1919]
Sehr verehrter lieber Lehrer,
Ihr Brief ist mir sehr willkommen, obwohl der Inhalt mir leid tut: [nämlich] zu hören, mit wieviel Hindernissen und Mißverständnissen man kämpfen muß, damit die so schwere Arbeit vorwärts kommen kann. Ich kann nur jedermann empfehlen, das Buch gründlich zu studieren, man hat es dann nicht nötig, alles mögliche hineinzubringen, was gar nicht mit der Sache zu tun hat. Ich werde mit der Übersetzung zuende kommen diese Woche, das heißt, das erste Mal; es muß dann kritisch durchgearbeitet werden. Ich habe noch nichts zu berichten über das Drucken, vorläufig bin ich nur in Korrespondenz mit Fräulein Franklin (der Boden mußte zuerst ein bißchen vorbereitet sein), ich hoffe aber, daß es jetzt so weit ist, daß sie den Verlag besuchen will in dieser Woche. Es scheint, Papier ist jetzt sehr teuer, und der Preis von Büchern sehr in die Höhe gestiegen; sie denkt auch, daß das Buch schwer zu verstehen ist. So weiß ich nicht, wieweit es uns glücken wird. Von Miss Hughes habe ich eine günstige Kritik von dem ersten Kapitel erhalten, von dem Professor noch nicht. Das letzte Buch möchte ich gern lesen, wenn ein Exemplar zu haben wäre, aber vielleicht muß man warten, bis es nicht mehr gefährlich ist, es zu senden. Gibt es Hoffnung, daß die Arbeit in Stuttgart Ende dieses Monats so weit ist, daß Sie die Arbeit hier wieder aufnehmen können? Es rückt alles langsam vorwärts, auf der Südseite des Goetheanums hat man zwischen den Säulen und Fenstern das Gerüst entfernt, so daß die Gewölbe und Säulen frei stehen, die Kapitäle sind zu sehen, und es ist wirklich wunderbar schön und läßt ahnen, wie es wirken wird, wenn es ganz befreit sein wird von dem Walde der Gerüststangen. Ich habe den Kopf (Plastilin) des 2. Ahriman im großen Atelier abgießen lassen, so daß, wenn man den hölzernen Kopf im kleinen Atelier ausarbeitet, das Modell daneben stehen kann. Aber das Original wird natürlich verdorben sein; darf ich es machen lassen, oder haben Sie es lieber, wenn wir eine Weile warten damit?
Ich hoffe, der Brief über Collison und die Photographien kam gut an? Sonst ist alles unverändert hier.
Mit herzlichem Gruß
L. Edith Maryon