Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 25 July 1920
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel, 25. Juli 1920
Sehr verehrter lieber Lehrer,
es scheint mittwochs einen direkten Zug zu geben über Lille, Calais, so daß man Paris vermeiden kann. Das Paß-Visum habe ich ohne irgendwelche Schwierigkeiten bekommen, der Vize-Konsul hat mir sogar das zweite Visum vom Französischen Konsul selbst geholt, wofür ich wirklich dankbar war, weil ungefähr 30 Leute schon auf der Straße warteten, unter der brennenden Sonne. Die Arlesheimer Gemeinde hat auch sofort eine Rückreise-Bewilligung ausgestellt, so wenn nichts Besseres (oder weniger Schlimmes!) geschieht, sollte man Mittwoch Abend 10.50 fahren (4. Aug.).
Zwei Engländerinnen und drei Engländer sind angekommen; sie erzählen, Rosenkrantz habe bis jetzt wenig Erfolg gehabt für unseren KunstKursus, und daß die Menschen dort einfach einschlafen, obwohl es viele gibt, die gerne nehmen würden, was wir zu geben haben; aber sie nehmen es nicht wahr, und niemand kann es begreiflich machen. Heute besuchen sie die Gruppe.
Dorothy Pethick ist in Linthal, Glarus, und übersendet eine Kopie eines Briefes von Mrs. Drury-Lavin an Walleen mit der Bitte, ihn zu übergeben, falls der Brief nach Kopenhagen nicht angekommen sei. Sie verspricht, den Aufenthalt hier zu bezahlen usw.
Ich hoffe sehr, daß Dr. Boos’ Vortrag Dienstag ruhig verlaufen wird und daß er keine [Störung] erfährt.
Der Tag ist hier ruhig verlaufen, obwohl man von morgens früh bis spät abends immer noch Karussell-Musik hört. Viele Besucher waren im Bau, aber sie haben sich gut benommen.
Ich hoffe, daß die Arbeit in Stuttgart bald fertig sein wird, so daß Sie Samstag ankommen können in Dornach. Wir haben jetzt einen Teil der Gruppe abgerüstet (Lucifer).
Mit herzlichsten Grüßen
Edith Maryon