Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 12 November 1920, Stuttgart

Letter to Edith Maryon

Rudolf Steiner an Edith Maryon

Stuttgart, 12. November 1920
Landhausstraße 70

Meine liebe Edith Maryon!

Herzlichen Dank für den eben angekommenen Brief; es ist mir lieb, daß es dem Atelier gut geht. Hoffentlich geht es so weiter. Meine Arbeit hier ist diesmal vielleicht äußerlich weniger anstrengend dafür gebe ich acht - aber erfordert viel Nachdenken, um manches in Ordnung zu bringen, was eben in Unordnung ist. Wenn die Menschen doch wirklich menschlich gut zusammenarbeiten könnten; allein daran fehlt es am meisten. Das gibt so viel zu tun, daß ich sogar heute zum ersten Male habe an einem Unterrichts-Vormittag in der Schule teilnehmen können. Da aber scheint es gut zu gehen.

Mittwoch war ein sehr gut besuchter öffentlicher Vortrag, Dienstag soll ein zweiter sein. Dann soll Donnerstag Vortrag in Freiburg, ein öffentlicher Vortrag und Freitag eine Eurythmie-Aufführung sein. Am 21. hoffe ich in Dornach zu sein. Denn ich werde alles tun, um vor Donnerstag hier fertig zu werden. Ganz gewiß ist das wohl nicht; aber es könnte ja sicher nicht mehr als zwei Tage Verzögerung geben. Es ist eben schwer, die Dinge in Ordnung zu bringen, die hier in Unordnung sind.

Für heute herzlichste Grüße von

Dr. Rudolf Steiner 55. Edith Maryon an Rudolf Steiner Bildhauer Atelier Goetheanum Dornach bei Basel, 14. Nov. 1920 Sehr verehrter lieber Lehrer,

ich sende hiermit eine Kritik der «Threefold State» von einer angesehenen Zeitung in Nord-England, und weil es mir ziemlich gut scheint, habe ich auch einige Extra-Kopien bestellt.

Mr. Gaze konnte wegen der Kürze der Zeit keinen Paß bekommen und ist schon abgereist. Er sagt, daß man wahrscheinlich eine zweite Auflage der «Threefold State» im Frühling erscheinen lassen muß und meinte, man könnte es vereinen mit allen oder einigen Aufsätzen aus «In Ausführung der Dreigliederung des sozialen Organismus». Ich habe ihm gesagt, am besten wäre es, dieses dem Verfasser direkt zu schreiben und nach seinen Wünschen zu fragen. Heute habe ich Sharps (Herrn und Frau) besucht und feierlich gratuliert, Donnerstag war die Heirat. Freitag werde ich das Schmiedelchen besuchen, ein Bild vom ersten Geburtstag (8 Tage) hat der stolze Papa schon herumgezeigt.

Samstag haben wir einen Vortrag von Dr. Boos im Bernoullianum.

Aus Stuttgart kommt keine Nachricht, ich kann nur hoffen, daß alles gut vorwärts geht und sende herzlichste Grüße

Edith Maryon

Wird Dr. Unger die Öfen für die Häuser bekommen können?

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