Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 23 January 1922, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
23. Jan. 1922
Sehr verehrter lieber Lehrer,
ich hatte vor, erst morgen zu schreiben, aber Flossie hat einen Brief von Mrs. Drury-Lavin erhalten mit der Bitte, ihn mir zu zeigen. Es scheint, daß sie zu Hause angekommen ist und dort feststellen mußte, daß eine Sitzung einberufen worden war von Mr. Dunlop und Miss Osmond, ohne daß man sie vorher benachrichtigt hatte, daß die Sitzung stattfinden sollte. Einige andere waren auch dabei, als Mrs. D.-L. leise, müde und schmutzig von der Reise, angekommen ist, und dabei einen großen Choc erfuhr! Sie haben nämlich beschlossen, daß Miss Osmond eine Wohnung für Sie und Frau Doktor mieten und ihre ganze Zeit, während Sie in England sind, Ihnen widmen sollte. Natürlich würde dann das Ganze eine theosophische Prägung bekommen, und die wissenschaftliche und erzieherische Atmosphäre, die man mit Mühe geschaffen hat, wäre dann einfach weg!
Mrs. Drury-Lavin hat protestiert: man müsse wenigstens Mrs. Mackenzie konsultieren und hat endlich erreicht, daß man eine Woche abwartet.
Ich habe Ihnen schon gesagt, daß Mrs. Mackenzie Sie aller Wahrscheinlichkeit nach in die Barsell Rd. einladen wird, falls nicht die anderen Mitglieder zu starke Ansprüche stellen. Ich hoffe, sie wird jetzt eine offizielle Einladung schicken, würde Ihnen das angenehm sein? Ich habe ihr einen kleinen Brief geschrieben, habe aber versucht, sehr vorsichtig zu schreiben. Das ganze sieht aus wie ein Coup von seiten Miss Osmonds und Mr. Dunlops; er erscheint fast nie in dem Zweig und wollte nur, so scheint mir, die Pläne von Miss Osmond durchsetzen gerade dann, während Mrs. Drury-Lavin, M. Kaufmann und die anderen, die arbeiten, alle abgereist waren, und dies hätten sie schon erreicht, wenn nicht Mrs. Drury-Lavin gleich nach ihrem Besuch bei mir im Atelier abgereist wäre. Miss O. [Osmond] scheint andere nicht sehr wünschenswerte Tätigkeiten zu entfalten, diesmal auf medizinischer Seite; Flossie hat mir einen Brief an Miss O. gezeigt, eine Antwort an Mrs. O. über die Krankheit Miss Burnetts, weil sie wissen wollte, ob sie sich richtig ausgedrückt hat auf Englisch. Es scheint mir, als ob Miss O. den Ärzten gegenüber nicht auf richtige Weise ein wahrheitsgetreues Bild geschaffen hat von der Art und Weise, wie Sie nur im Zusammenhang mit Berufsärzten irgendwelchen Rat geben können.
Ich glaube Zeit zu haben, um Sie in Hannover zu erreichen. Sonst ist nicht viel zu melden. Hoffentlich geht es mit der Gesundheit gut? Hier ist es leer und langweilig, aber [es gibt] genug zu tun.
Mit herzlichsten Grüßen
Edith Maryon
Ich dachte, es sei besser, obige Geschichte mitzuteilen; es sieht wie eine Intrige aus, was natürlich unangenehm ist.