Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 10 August 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel, 10. Aug. 1923
Sehr verehrter lieber Lehrer,
heute eine große Freude! Zwei Ausschnitte aus der «Yorkshire Post», 6. und 7. August, in der zweiten ein Referat Ihres Vortrages vom Montag, in der anderen etwas über die Rede von Miss Mellfand]. Der erste Vortrag ist wieder von einem anderen Standpunkt aus gesehen; sie werden so interessant sein, ich beneide die Zuhörer! Hoffentlich sitzt der Yorkshire-Postmann fleißig bei jedem Vortrag! Ich sende den Ausschnitt nicht, weil Sie sicher das ganze Blatt haben. Gräfin Hamilton bekam eine Postkarte, sie hat ste mir geliehen. Solch ein merkwürdiges Ding! Darauf ist eine gräßliche Lokomotive in schwarz, grün und rot angestrichen, und oben die Inschrift «Just arrived in Ilkley». Unten ist ein Schlitz, man macht ihn auf und aus dem Bauch des Monstrums speit er einen langen Streifen Papier aus, worauf 12 kleine Bilder von Ilkley gedruckt sind. Also weiß ich jetzt ein bißchen, was Sie täglich vor Augen haben. Leider mußte ich das Biest [Postkarte] wieder zurückgeben.
Wie ist es jetzt in Ilkley? Heiß wie hier? Und sind die Zimmer und das Essen befriedigend?
Hier pflückt man die Brombeeren von der Hecke, eine Anzahl Leute sind damit beschäftigt und es tönen herüber immer wieder Vokale in allen Tonarten, wenn die starken Brombeerdornen ihre Früchte verteidigen. Sogar hat Erbsmehls Sohn ein Stück von seinem «Hosenboden» auf den Dornen zurückgelassen und dies sieht etwas sonderbar aus.
Freitag war es allzu heiß, noch schlimmer in der Nacht, Samstag morgen ein kleiner Sturm, und dann wurde es etwas kühler, so daß man sich wieder erholen konnte von der Hitze. Heute Sonntag ist es kühler und sehr schön. Keine Nachricht seit dem Brief vom Donnerstag. Frau Finckh war sehr nett und schickte mir zwei Zeitungsausschnitte.
Hoffentlich geht es Ihnen gut? Haben Sie sehr viel zu tun? Bitte, mir zu sagen, wie es geht.
Heute habe ich einen sonderbaren Traum gehabt, ich habe ihn aufgeschrieben, und werde es Ihnen zeigen, wenn Sie wiederkommen.
Mit allerbesten Gedanken und Wünschen
Edith Maryon
Ist der «Schnee» endlich angekommen?