Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 16 November 1923, The Hague

Letter to Edith Maryon

Rudolf Steiner an Edith Maryon

Hôtel «Vieux Doelen»
La Haye, 16. November 1923

Meine liebe Edith Maryon!

Herzlichen Dank für die lieben Briefe. Daß Opposition bemerkbar ist, die von Mrs. Mackenzie als unangenehm empfunden wird, ist bedrückend im Zusammenhang mit der folgenden Tatsache. Gleich bei meiner Ankunft war Mr. Kaufmann da. Er brachte einen Brief von Collison über die von Mrs. Blake besorgte Übersetzung des Boldt’schen Buches «Von Luther zu Steiner». Dies Buch wird nun als «anti-British» beurteilt, weil darinnen vieles steht vom westlichen englischen Materialismus und auch von östl. Mystik und von deutschem Christentum. Ich habe bisher das Buch weder im Deutschen noch im Englischen gekannt, fühle mich auch nicht berufen, darüber ein Urteil abzugeben, denn es ist doch tragisch, daß jetzt vom britischchauvinistischen Standpunkt ein Buch über mich als deutsch-chauvinistisch aufgefaßt wird, während die deutschen Chauvinisten am stärksten demonstrativ gegen mich wüten. Es scheint eben doch alles auch in der anthrop.Ges. in das Chaos einzumünden.

Hier war auch schon ein Ärzte-Vortrag, heute wird der zweite sein. Gestern war auch ein öff.Vortrag. Auch da wird heute der zweite sein. Es geht alles sonst gut; nur die Ges. ist auch hier in einer greulichen Verfassung, Uneinigkeit, Ungenügendheit u.s.w.

Ich denke viel an dort, kann aber heute nur noch senden die

allerherzlichsten Grüße und Wünsche für Gesundung

Rudolf Steiner

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