Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914

GA 264 — Hildesheim

Allgemeine Regeln der Schule

Die Regeln der Esoteric School of Theosophy der T.S. zur Zeit von Rudolf Steiners Anschluß1

Ins Deutsche übersetzt von Mathilde Scholl

Während die «drei Ziele» der Theosophischen Gesellschaft allgemein bekannt sind, hat sie noch ein weiteres Ziel, über das öffentlich nicht gesprochen wird, nämlich eine Hilfe zu sein bei der Entwicklung des inneren Lebens der ernsteren und hingebenderen ihrer Mitglieder, ihnen den Weg zu weisen zu dem «engen, alten Pfad» und zwar entsprechend ihren verschiedenen Temperamenten, wenn sie sich entschließen, ein Leben anzufangen, das höheren Zwecken gewidmet ist. In dem langen Leben jedes Individuums gibt es einen Wendepunkt, in welchem man sich abwendet von den gewöhnlichen Zielen des irdischen Lebens: Wohlstand, Ruhm, Macht, und man sich selber zu finden sucht. Die genannten Ziele mögen den Menschen weiterhin interessieren, ja sogar Anziehungskraft auf ihn ausüben, aber sie stehen nicht mehr an erster Stelle und im Falle eines Konfliktes würden sie den höheren Zwecken geopfert. Zu wissen, zu lieben oder zu dienen, also einen der drei Pfade des Wissens, der Hingabe, des Dienstes zu betreten, ist zur gebietenden Notwendigkeit des Lebens geworden, dem alles andere untergeordnet wird. Der Mensch ist entschlossen, vor allem anderen «das Reich Gottes und der Gerechtigkeit» zu suchen.

Solchen ernsten und aufrichtigen Suchern öffnet die esoterische Schule der Theosophie ihre Pforten, und ist bemüht, ihre Methoden den Bedürfnissen dieser Menschen anzupassen. Zu diesem Zwecke bietet sie gegenwärtig drei besondere Methoden an, entsprechend drei grundsätzlich verschiedenen Temperamenten, zu welchen weiteres hinzugefügt werden kann, sofern nötig, sowie eine allgemeine Methode, die von jedem befolgt werden kann, der sich nicht von Anfang spezialisieren will und die als Grundlage dient, auf welcher eine spezielle Disziplin später aufgebaut werden kann. Es gibt also vier Wege: die allgemeine Disziplin; die christlich-gnostische oder Disziplin der Hingabe; die pythagoräische oder intellektuelle und künstlerische Disziplin; die karmische oder Tathandlungs-Disziplin. Die Methoden sind verschieden, aber das Ziel ist stets dasselbe — die Verwirklichung des Gottes im Innern. Dies ist die wahre Weisheit, die wahre Gnosis; es ist direkte Erkenntnis des Ewigen durch die Enthüllung unseres eigenen ewigen Wesens, und daß der Mensch hierzu im Stande ist, ist das eigentliche Wesen der Theosophie. Durch die Einheit der Ziele gehören alle einer esoterischen Schule an, und die Verschiedenheit der Methoden dient dem gleichen Ziel. Es ist notwendig, daß diese Einheit gewahrt bleibe, wenn die Schule ihren Zweck erfüllen soll, die das Herz der Theosophischen Gesellschaft bildet. Daher wird von jedem Mitglied erwartet, daß es, obwohl es seine eigene Methode als die seinem Temperament angemessene bevorzugt, Achtung und ein brüderliches Gefühl seinen Mitstreitern entgegenbringt, in welchen der innere Gott gleichfalls sich zu offenbaren sucht. Nur durch eine solche weitherzige Toleranz kann die Einheit der Schule aufrechterhalten werden, während sie sich durch das umfassende ihres Charakters der immer größer werdenden Ausdehnung der Theosophischen Gesellschaft anpaßt.

Die esoterische Schule hat zwei Abteilungen. Die erste besteht in dem Orden der Prüfung, der Hörer. Die zweite besteht aus den Mitgliedern, die ein Gelöbnis abgelegt haben; sie ist in Grade eingeteilt. Der Übertritt von dem einen Grad zum anderen hängt von dem gemachten Fortschritt ab und wird beschlossen von dem korrespondierenden Sekretär der Abteilung, der einen Bericht von dem Sub-Warden (Gruppenleiter) des Kandidaten beizieht.

Vom Neuling wird kein Gelöbnis gefordert außer dem Versprechen, die Papiere auf Verlangen zurückzugeben und sie als privat anvertraut zu betrachten, solange sie in seinem Besitz sind und auch danach. Nichteinhalten dieses Versprechens, wenn es auf dem physischen Plan bekannt wird, hat Ausschluß zur Folge und wenn es nicht ruchbar wird, macht es jeden inneren Fortschritt zunichte.

Nach zwei Jahren im Prüfungsorden und nachdem der Prüfling bewiesen hat, daß er mit der theosophischen Lehre genügend vertraut ist, kann er die Erlaubnis erhalten, ein Gelöbnis abzulegen. Um dieses Privilegs teilhaftig zu werden, muß er ernsthaftes Streben und Hingabe im Studium und im praktischen Leben bewiesen haben, wodurch er sich würdig macht, ein angelobtes Mitglied zu werden; und er muß eine Empfehlung seines Gruppenleiters an den korrespondierenden Sekretär haben.

Das Gelöbnis darf nicht abgelegt werden, bevor der Prüfling nicht mindestens zwei Jahre im Prüfungsorden verbracht hat, er kann aber auch in diesem Orden verbleiben, nachdem er es abgelegt hat, und er muß darin verbleiben, bis er vorbereitet ist für die Studien des nächsten Grades. Die Erlaubnis, ein Gelöbnis abzulegen, setzt Charakterfestigkeit voraus, sowie eine gewisse Stufe im Wissen und in der Meditation, und angelobte Mitglieder dürfen gewisse Versammlungen der Schule besuchen, von welchen die nichtangelobten ausgeschlossen sind.

Der Eintritt in eine Disziplin erfolgt auf dem Wege der Prüfung, um dem Kandidaten ein Urteil zu ermöglichen darüber, ob die angewandte Methode seinem Temperament entspricht. Die Einzelheiten der Methoden finden sich auf den folgenden Seiten, wo Anweisungen für jede einzelne von ihnen gegeben werden. Diese Blätter werden den Kandidaten für sechs Monate übergeben, während welchen sie die allgemeine und die speziellen Methoden, die Lektüren und Meditationen studieren und sich entschließen können, welchem Pfad sie folgen wollen. Der Kandidat sollte jeder Disziplin einen Monat täglicher Praxis widmen, und die Wirkung, die sie auf ihn ausübt, geistig, gefühlsmäßig und physisch sorgfältig notieren. Dies wird vier Monate seiner Kandidatur ausfüllen. Der fünfte und sechste Monat sollten dazu dienen, die Arbeit der vorangegangenen Monate aufzufrischen, bis zum sorgfältig gefaßten Entschluß, welcher Weg zu wählen sei.

Während dieser Zeit wird der Schüler als zugehörig zur Klasse der Kandidaten des Prüfungsordens betrachtet. Er kann Zusammenkünften von jeder Gruppe beiwohnen, zu welchen der betreffende Gruppenleiter ihn zuläßt. Informationen über Gruppenzusammenkünfte erteilt der korrespondierende Sekretär.

Am Ende der sechs Monate kann der Kandidat seine Disziplin bestimmen, und sich an den korrespondierenden Sekretär für die Aufnahme melden. Er wird dann aufgefordert, das folgende Versprechen mit der Hand zu schreiben und zu unterzeichnen:

Ich verspreche, niemandem außerhalb der E.S. irgendwelche Unterlagen des Prüfungsordens der E.S. zu zeigen, sowie die Regeln der ..... Disziplin, in welche ich nun eintrete, zu befolgen. Ich verspreche ferner, dem äußeren Haupt der Schule oder ihrem Vertreter auf Verlangen erhaltene Unterlagen zurückzugeben.

Name .....
Adresse....
Datum....
Alter....
Religion.....
Kaste, Kirche oder Sekte....
verheiratet oder ledig....

Die Ordensregeln bilden ein Ganzes, aber der Lernende muß in seiner Meditation diejenigen befolgen, die seiner Disziplin entsprechen. Er kann von sich aus Regeln hinzufügen, die ihm gemäß sind, aber er darf keine weglassen.

Am Ende seiner zweijährigen Probezeit darf er eine andere Disziplin wählen, muß aber in diesem Falle von neuem anfangen und wieder zwölf Monate in der neugewählten Disziplin arbeiten, bis er in den ersten Grad eintreten oder das Gelöbnis der Schule ablegen kann. Er braucht auch eine Empfehlung von dem Sekretär der Disziplin, welche er aufgibt.

Die allgemeinen Richtlinien finden sich in den Regeln der einzelnen Prüfungsdisziplinen, mit zusätzlichen Einzelheiten und Erweiterungen, je nach den erzielten Fortschritten. Ganz allgemein folgt die allgemeine Disziplin der alten hinduistischen und buddhistischen Methode der Beherrschung des Körpers durch Diätvorschriften, der Gemütsbewegungen durch eine freiwillige Regelung derselben, des Denkvermögens durch vorgeschriebene Meditationen, die zu der Praxis des Yoga hinleitet; die christlich-gnostische oder Disziplin der Hingabe führt ihre Jünger zur Erleuchtung durch Gebete, durch hingebende Meditation, Selbstprüfung, Studium und gelegentliches Fasten; die pythagoräische Disziplin erzieht durch Schweigen, Sich-versenken in der Meditation, Kontemplation des Guten und Schönen, Studium der Ideen und der wahren «Mathematik und Musik»; die karmische oder Tathandlungs-Disziplin verlangt geregelte Opferhandlungen und strenge selbstlose Arbeit, Trainierung des Willens zur Unterordnung und zur Zusammenarbeit und des Körpers zu stetiger wacher Dienstbereitschaft. Sie alle bilden einen einzigen Pfad im Hauptsächlichen mit Unterschieden im einzelnen. Es bräuchte eigentlich nicht erwähnt zu werden, daß die tieferen Lehren nur vom individuellen Lehrer dem individuellen Schüler gegeben werden und daß die Hilfe, welche die Schule gewährt, Vorbereitung ist für den Prüfungspfad.

Regeln der allgemeinen resp. raja-yoga Disziplin

  1. Der Angehörige der Schule soll zu einer bestimmten Zeit aufstehen (entsprechend seiner Gesundheit und seinen Familienverhältnissen) und soll, nachdem er gebadet hat, sich der Meditation zuwenden, bevor er Nahrung zu sich genommen hat.
  1. Jeder Angehörige der Schule soll wenigstens eine viertel Stunde an die ihm gegebene Meditation wenden; mittags muß er den Satz sagen, der ihm gelehrt wird; bevor er zu Bett geht, muß er eine Rückschau auf den Tag halten und sein eigenes Verhalten einem Urteil unterwerfen.
  1. Jeder Angehörige der Schule muß wenigstens eine halbe Stunde täglich ein Buch aus der beigefügten Liste studieren.
  1. Jeder Angehörige der Schule muß einer lokalen Gruppierung angehören oder durch Korrespondenz an sie angeschlossen sein, und muß die Arbeiten mitmachen, welche von der Gruppe beschlossen werden. Die Gruppe wird von einem Sub-Warden (Gruppenleiter) betreut.
  1. Die Gruppe soll zu bestimmten Zeiten zusammenkommen, die vom Sub-Warden bestimmt werden, und Mitglieder am Ort müssen regelmäßig teilnehmen bzw. im Falle von unvermeidlicher Abwesenheit sich schriftlich entschuldigen. Der Sub-Warden führt eine Anwesenheitsliste. Korrespondenz-Mitglieder müssen in Verbindung stehen mit einem Gruppenteilnehmer, der sie auf dem Laufenden hält über Angelegenheiten von Interesse sowie von Beschlüssen, die gefaßt werden.
  1. Jeder Angehörige der Schule muß ein Tagebuch führen über seine Beobachtung der Regeln 2 und 3, und muß dem Sub-Warden an der ersten Zusammenkunft des Monats eine schriftliche Bescheinigung geben, daß er die Regeln befolgt hat, oder, wenn dies nicht der Fall war, welche Unterlassungen er begangen hat, und aus welchem Grunde. Nachlässige Schüler werden nach drei Verwarnungen aufgefordert, ihre Papiere zurückzugeben und gelten nicht mehr als Mitglieder der Schule.
  1. Die Diät betreffend: Wein, überhaupt alle alkoholischen Getränke sowie jede narkotische oder giftige Droge sind strengstens verboten. Wenn dies nicht beachtet wird, gibt es keinen Fortschritt und die Bemühungen des Lehrers sowohl wie des Schülers sind nutzlos. Alle solche Substanzen haben eine geradezu vernichtende Wirkung auf den Verstand, und besonders auf die Zirbeldrüse.
  1. Fleisch ist nicht verboten, aber wenn der Schüler ohne es auskommen kann, wird empfohlen, darauf zu verzichten. Enthaltsamkeit von Fleisch und Fisch ist obligatorisch vom ersten Grad an. Fleischessen stärkt die Leidenschaftsnatur und das Bedürfnis, Besitzungen anzuhäufen und macht den Kampf mit der niederen Natur des Menschen zu einem schwereren.
  1. Der Hörer, in dieser Disziplin Shrâvaka genannt, muß seinem Sub-Warden eine hinreichende Kenntnis von zweien der für das Studium vorgeschriebenen Bücher nachweisen, bevor er in den ersten Grad aufsteigen kann.

Geschäftliche Regeln

  1. Für alle Schriften muß der Empfang unverzüglich bestätigt werden. Das Wort «erhalten» auf einer Postkarte mit den Initialen des Schülers genügt.
  1. Schüler sollten alle Papiere in einer verschlossenen Schachtel, die nur diesem Zwecke dient, aufbewahren, und dafür sorgen, daß diese Schachtel im Todesfalle an den Sekretär ihrer Disziplin gesandt wird; dem Sub-Warden ihrer Gruppe müssen sie von ihren diesbezüglichen Dispositionen Mitteilung machen.
  1. Wer sich aus einer Disziplin zurückziehen will, kann seinen Namen aus der Mitgliederliste streichen lassen durch einen schriftlichen Antrag bei dem Sekretär der Disziplin, und der Angabe derjenigen Disziplin, in welche er übertreten will.
  1. Wer aus dem Orden austreten will, muß dies dem Sekretär der Disziplin mitteilen und alle Papiere zurückgeben.
  1. Jede Adreßänderung muß dem Sekretariat der Disziplin sofort mitgeteilt werden, auch ist der Sub-Warden der lokalen Gruppe zu benachrichtigen.

Die tägliche Praxis des Shrâvaka

Der Shrâvaka sollte sich täglich vor Augen halten, daß das unmittelbarste Ziel seines Lebens der Eintritt in den Schulungsweg ist. Zu diesem Zweck sucht er die Kontrolle über seine Gedanken zu erwerben und ein reines Leben zu führen.

Wenigstens dreimal am Tage sollte er den schweifenden Geist zur Ordnung rufen und ihm sein Ideal vorhalten; diese drei Fixpunkte sollten sein: die Morgenmeditation, Mittag, abends vor dem Schlafengehen.

Meditation: Setze dich mit gekreuzten Beinen auf den Boden oder auf einen niedrigen Stuhl mit den zwei Handflächen nach unten auf den Knien. Rücken gerade, nicht krumm, Augen geschlossen. Sage langsam den Vers, welcher am vorangehenden Abend dem Gedächtnis eingeprägt wurde; denke darüber nach, versuche seinen Sinn zu ergründen und lasse den Geist nicht auf etwas anderes abschweifen; wenn er es doch tut, hole ihn zurück und fixiere ihn auf den Vers. Tue das während fünf Minuten. Wende dann deine Gedanken auf das höchste Selbst als den Gott außer dir und in dir, und präge dir ein, daß du eins mit ihm bist; sage dazu: «Strahlender als die Sonne, reiner als der Schnee, feiner als der Äther ist das Selbst, der Geist in meinem Herzen. Dies Selbst bin ich. Ich bin dies Selbst.» Auch dies während fünf Minuten. Richte deine Gedanken sodann auf den vollkommenen Menschen, den Meister, strahlend von Liebe und göttlicher Schönheit; denke ihn dir als die Verkörperung der Monatstugend. Angenommen, diese Tugend sei «Mitgefühl», so stelle dir vor, wie sich das in deinem Verhalten ausdrücken würde, und schließe ab mit dem ernsten Wunsch: «Möge ich, durch Mitgefühl mit allen Wesen, mich bereiten, um Schüler zu werden von IHM, der selber Mitgefühl ist.» Auch hierfür fünf Minuten. Wenn die Möglichkeit besteht, eine halbe Stunde zu meditieren, können die Zeiten auch verdoppelt werden.

Mittags: Um die Mittagszeit nimm deine Gedanken zusammen und fixiere sie auf die Vorstellung, daß du weder dein Körper noch dein Geist bist, sondern der geistige Mensch. Wiederhole: «Strahlender als die Sonne etc.

Vor dem Schlafengehen: Laß die Ereignisse des Tages an dir vorüberziehen, mit besonderer Hinsicht auf deine Gedanken, deine Wünsche, und die Wirkung deines Verhaltens auf das Wohlbefinden deiner Umgebung. Präge dir den Vers für die Morgenmeditation des folgenden Tages ein. Das Gelöbnis der Esoteric School of Theosophy

Pledge of the School

I pledge myself to endeavour to make Theosophy a living power in my life, and to support the Theosophical movement before the world.

I pledge myself to maintain a constant struggle against my lower nature, to abstain from untruthful und injurious speech, and to be charitable to the weaknesses of others.

I pledge myself to do all in my power, by study and otherwise, to fit myself to help and teach others.

To all this I pledge my word of honour, invoking my Higher Self.

Name............................................................

Deutsche Wiedergabe nach einer handschriftlichen Vorlage Rudolf Steiners Archivnummer 3211

Ich verbürge mich, bestrebt zu sein, die Theosophie zu einer lebendigen Macht in meinem Leben zu machen und die theosophische Bewegung in der Welt zu kräftigen.

Ich verbürge mich, eine beständige Strenge zu bewahren gegen meine niedrige Natur, mich von unwahrhaftigem und unrechtem Sprechen fernzuhalten und liebreich mit den Schwächen Anderer zu verfahren.

Ich verbürge mich, alles, was in meiner Gewalt ist, zu tun, durch Studium und auf andere Weise mich selbst vorwärts zu bringen und andere zu lehren.

Darauf gebe ich mein Ehrenwort, unter Anrufung meines höheren Selbstes.

Erste von Rudolf Steiner gegebene Regeln aus dem Jahre 1904

Beilage zum Brief an Amalie Wagner vom 2. August 1904 Originalhandschrift liegt nicht vor.

Vertraulich E.S.T.

Orden der Shrâvakas

Meditation im Auftrag des Hauptes der Schule

I. Regeln

  1. Jeden Morgen, möglichst vor Einnahme einer Mahlzeit, soll eine Meditation vorgenommen werden.

Die Art der Meditation wird durch den Arch-Warden bestimmt.

  1. Abends, bevor man sich zur Ruhe begibt, soll eine Sentenz, die durch den Arch-Warden angegeben wird, in Gedanken wiederholt und dann eine kurze Rückschau auf die Erlebnisse des "Tages geworfen werden.
  1. Es soll täglich eine Viertelstunde zum Studium eines Buches verwendet werden, das von der Leitung der Schule bestimmt wird.
  1. Alle 14 Tage soll mit kurzen Worten dem Arch-Warden angezeigt werden, ob die täglichen Übungen ausgeführt worden sind, oder falls das nicht der Fall sein sollte, aus welchem Grunde sie unterlassen worden sind.
  1. Der Shrâvaka soll sich ein Notizbuch anlegen, und in dieses jeden Tag eintragen, ob er die Übungen gemacht hat.
  1. Der Genuß aller Arten von alkoholartigen Getränken ist den Shrâvakas verboten, da solche auf das Gehirn und besonders auf dasjenige Organ schädlich einwirken, das zu spiritueller Erkenntnis führt. Ohne die Beobachtungen dieser Regel sind alle Anstrengungen sowohl des Lehrers wie auch des Shrävakas vergeblich. Nur wenn der Arzt alkoholische Getränke verordnet, kann eine Ausnahme gemacht werden.
  1. Die Enthaltung von Fleischgenuß wird nicht verlangt, doch wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Enthaltung den Kampf gegen die niedere Menschennatur erleichtert. Diätänderungen aller Art müssen mit größter Vorsicht vorgenommen werden.

II. Geschäftliche Regeln

  1. Empfang der erhaltenen Papiere etc. anzeigen
  1. in verschlossenem Kasten aufbewahren etc.
  1. beim Austritt zurückgeben
  1. Wohnungsveränderung anzeigen.

III. Versprechen

(Ist abzuschreiben und mit vollem Namen und Adresse an den Arch-Warden zu senden)

Ich gebe mein Ehrenwort, daß ich die Regeln des Ordens sorgfältig gelesen habe und daß ich mich bemühen werde, sie genau innezuhalten. Auch verspreche ich, daß ich niemandem, der nicht zur Schule gehört, irgendeines der Papiere oder Bücher zeigen werde, die mir gegeben werden mit der Bezeichnung: «Vertraulich, ausgegeben durch das Haupt der E.S.T.»

Ferner verspreche ich, daß ich über Aufforderung alle Papiere an die Leitung der Schule zurückgeben werde.

Alter: Name:
Religion: Adresse:

Handschriftliche Beilage zum Brief an Michael Bauer vom 14. August 1904. Das Deckblatt trägt die Aufschrift:

Vertraulich. Im Auftrage des Hauptes der Schule E.S.T. (Esoterische Theosophische Schule).

Regeln des Shrâvaka-Ordens

  1. Jedes Mitglied soll zu einer bestimmten Stunde des Morgens (so wie es mit seiner Gesundheit und seinen Pflichten verträglich ist) eine Meditation pflegen, und zwar, bevor es irgendeine Nahrung zu sich nimmt.
  1. Jedes Mitglied soll vor dem Schlafengehen eine Viertelstunde der Meditation in folgender Art pflegen: a) es soll den Gedanken zum höheren Selbst erheben, indem es still, in der Vorstellung, einen ganz bestimmten Satz sich vergegenwärtigt. b) auf die Erlebnisse und Handlungen des Tages eine Rückschau hält.
  1. Jedes Mitglied soll eine halbe Stunde des Tages auf das Studium eines ernsten Buches verwenden, das ihm von der Schule ausgewählt wird.
  1. Jedes Mitglied soll sich ein Notizbuch anlegen, in welches es Tag für Tag - ganz kurz - [einträgt], ob es meditiert hat, und wenn es die Meditation unterlassen hat, aus welchen Gründen. Über den Erfolg der Meditation ist dem Leiter der betreffenden Abteilung alle 14 Tage Mitteilung zu machen. Nachlässige Mitglieder werden nach dreimaliger Verwarnung aufgefordert, den Orden zu verlassen, und haben ihre Papiere zurückzugeben.
  1. Die Mitglieder sollen den Genuß aller alkoholhaltigen Getränke unterlassen, ausgenommen, wenn ihnen solche durch einen Arzt verordnet sind. Solche Getränke wirken nachteilig auf das Gehirn und insbesondere auf diejenigen Organe, die der Ausbildung des spirituellen Lebens dienen.

Der Genuß von Fleisch ist nicht untersagt, aber es wird darauf aufmerksam gemacht, daß es besser ist, kein Fleisch zu essen, weil dadurch der Kampf gegen die niedere Natur leichter wird.

Vorlage für die vermutlich ersten hektographiert ausgegebenen Regeln. 1904. Nach zwei handschriftlichen Blättern mit einem Deckblatt, Archivnummer 3023-25. Das Deckblatt trägt die Aufschrift:

Vertraulich. Im Namen des Hauptes der Schule. Shrävaka-Orden der E.S.T. Regeln. Übergeben durch Dr. Rudolf Steiner, Arch-Warden E.S.T. für Deutschland, Österreich und die deutsche Schweiz.

  1. Jeder Zögling soll zu einer (von ihm selbst) festgesetzten, mit seiner Gesundheit und seinen Familienverpflichtungen zu vereinbarenden Stunde aufstehen und nach dem Waschen, bevor er irgendeine Nahrung zu sich genommen hat, eine Meditation vollziehen.
  1. Der Zögling soll zu dieser Meditation so viel Zeit verwenden als er vermag, um sie intensiv und ungestört zu verrichten. (Durchschnittszeit ungefähr 15 Minuten).
  1. Der Zögling soll einige Minuten vor dem Einschlafen zu einer Tagesrückschau verwenden.
  1. Der Zögling soll sich einer Lektüre widmen, wenn ihm eine solche von der Schule vorgezeichnet wird.
  1. Der Zögling soll ein Notizbuch führen, in dem er täglich einzeichnet, wie er sich selbst befriedigt fühlt von der Einhaltung der Regeln 1. 2. 3.
  1. Der Zögling soll sich mit andern Mitgliedern der Schule zu einer Gruppe zusammenschließen, wenn der Leiter der Schule solches vorzeichnet.2
  1. Der Genuß von alkoholischen Getränken ist streng ausgeschlossen, weil nach okkulten Erfahrungen solcher Genuß die spirituellen Organe zerstört und alle Anstrengungen der Zöglinge und Leiter unmöglich macht. Eine Ausnahme könnte nur auf ärztliche Verordnung gemacht werden.
  1. Fleischgenuß ist nicht ausgeschlossen, doch wird der Zögling bei Enthaltung von demselben erfahren, daß ihm der Kampf gegen seine niederen Prinzipien erleichtert wird.

Erster Rundbrief, hektographiert verschickt am 5. Juni 19053

Auf sieben undatierten handgeschriebenen Blättern (Archivnr. 4407-13). Das Deckblatt lautet:

Vertraulich. Erste Regeln der Esoterischen Schule der T.S. Im Auftrage des Hauptes der Schule.

Die esoterische Schule der Theosophie

Während die «drei Ziele» der Theosophischen Gesellschaft allgemein bekannt sind, hat sie noch ein weiteres Ziel, über das öffentlich nicht gesprochen wird, nämlich eine Hilfe zu sein bei der Entwickelung des inneren Lebens der ernsteren und hingebenderen ihrer Mitglieder, ihnen den Weg zu weisen zu dem «engen, alten Pfad», der sie zu den höheren Gebieten des Daseins führt.

Durch dieses Ziel ist die esoterische Schule das Herz der Theosophischen Gesellschaft.

Die Schule ist in Grade eingeteilt. Der erste Grad besteht in dem Orden der Prüfung; der nächste ist der erste Grad, der nächste der zweite und so weiter.

Der neu Eintretende kommt in den Orden der Prüfung. Er hat noch kein Gelübde abzulegen, sondern nur das Versprechen zu geben, seine Papiere zurückzuerstatten, wenn er dazu aufgefordert wird und sie als eine Sache anzusehen, von der man nur Mitgliedern der Schule gegenüber spricht.

Für diejenigen, welche in die Schule eintreten, wird im Laufe der nächsten drei Wochen eine Beschreibung der weiteren Einrichtung der Schule ausgegeben werden.

Hier aber wird zunächst von den allernächsten Aufgaben gesprochen werden, durch welche der auf dem Prüfungspfad Befindliche zu seinen Zielen gelangt. Diese Anweisungen gelten zunächst für die ersten beiden Monate. Nach Ablauf derselben erfolgt weitere Anweisung. Man hat mindestens zwölf Monate auf dem Prüfungspfade zu verbleiben. Dann kann Erhebung in den ersten Grad erfolgen.

Man erreicht die Ziele des Prüfungspfades zunächst durch Beobachtung einer «täglichen Regel». Sie besteht in folgendem:

Der Angehörige der Schule soll zu einer bestimmten Stunde aufstehen, und bevor er eine Mahlzeit zu sich genommen hat, eine Meditation pflegen. Die Stunde dazu wird nicht von der Schule bestimmt. Es soll sie jeder sich selbst festsetzen, dann aber streng einhalten. Nur durch die regelmäßige (rhytmische) Gestaltung des Lebens kann der Mensch sich dem rhythmischen Universum eingliedern und auf diese Art die göttlichen Gesetze dieses Universums selbst nachbilden. In dieser Nachbildung der großen Weltgesetze liegt aber die Möglichkeit, zum höheren Dasein zu kommen.

  1. Die Morgenmeditation hat damit zu beginnen, daß der auf dem Prüfungspfad Befindliche vollkommene Sammlung in sich selbst sucht, so daß er während der für diese Sammlung bestimmten Zeit nichts Äußeres hört, sieht und so weiter, sich auch an nichts dem gewöhnlichen Leben Angehöriges erinnert. Zunächst soll er bei solch innerer Stille die Gedanken nach dem Göttlichen im Weltall lenken. Und dann soll er sich klarmachen, daß das eigene Selbst Eins ist mit diesem Weltall. Zu diesem Zwecke soll er in vollkommener Konzentration sich in seiner Seele die [folgenden] Worte sagen. Diese Worte sollen nicht bloß zum Verstand sprechen, sondern zum ganzen Menschen; sie sollen ein vollkommenes innerliches Erleben sein:

Strahlender als die Sonne
Reiner als der Schnee,
Feiner als der Äther
Ist das Selbst
Der Geist in meinem Herzen
Dies Selbst bin Ich
Ich bin dies Selbst.4

  1. Nachdem man damit fertig ist, konzentriere man sich auf einen der Sätze aus «Licht auf dem Weg» und zwar die ersten 14 Tage auf

«Bevor das Auge sehen kann, muß es der Tränen sich : entwöhnen»,

die folgenden 14 Tage auf:

«Bevor das Ohr vermag zu hören, muß die Empfindlichkeit ihm schwinden»,

weitere 14 Tage auf:

«Eh' vor den Meistern kann die Stimme sprechen, muß das Verwunden sie verlernen»,

weitere 14 Tage auf:

«Eh' vor ihnen stehen kann die Seele, muß ihres Herzens Blut die Füße netzen».

Es handelt sich nicht darum, daß man über diese Sätze spekuliert, sondern daß man ein paar Minuten innerlich mit ihnen lebt, sich liebevoll in sie versenkt.

  1. Nachdem auch dies vollendet ist, soll jeder die Gedanken zu dem lenken, was ihm das Göttliche ist. Er soll sich in voller Devotion diesem Göttlichen hingeben. Dieser dritte Teil soll eine Art Gefüblshingabe an das sein, was man als seinen Gott anerkennt.

Die ganze Meditation sollte etwa 15 Minuten dauern. Es ist streng darauf zu sehen, daß man während der Meditation vollkommen wach sei, nicht in einen Dämmerzustand des Bewußtseins verfalle.

  1. Des Abends vor dem Einschlafen werfe man durch 3 - 4 Minuten einen Rückblick auf die Erlebnisse des Tages. Man frage sich dem gegenüber, was man erlebt hat, ob man genügend Nutzen daraus gezogen habe; und dem gegenüber, was man getan hat, frage man sich, ob man es nicht hätte besser machen können. So werde man sich selbst zum objektiven Richter. Nicht Reue soll man entwickeln. Diese ist für die eigene Persönlichkeit und für die Welt wertlos. Aber lernen sollen wir jeden Tag aus unserer Vergangenheit für unsere Zukunft, und so das Leben zu einer Lektion machen. Darin besteht alle Evolution. Der Rückblick ist so zu halten, daß man mit den letzten Erlebnissen am Abend beginnt und gegen den Morgen (rückläufig) vorschreitet.
  1. Man soll ein Notizbuch führen, in das man täglich mit ein paar Worten einträgt, wie die Morgen- und Abend-Meditation gelungen ist und aus dem man über Aufforderung den Leiter der Schule von seinen Fortschritten verständigt.
  1. Der Genuß von alkoholischen Getränken ist unvereinbar mit den Aufgaben der Meditation.
  1. Die Enthaltung von Fleischspeisen ist nicht geboten, wird aber angeraten, weil sie die Erreichung der Ziele der esoterischen Schule fördert.

Weiteres in den nächsten drei Wochen.5

Zweiter Regel-Rundbrief an alle esoterischen Schüler Nach einer handschriftlichen Vorlage

Berlin, den 17. Oktober 1906

Vertraulich!

Allen denen, welche an mich herangetreten sind, um ihre esoterische Schulung zu suchen, sei mit den besten Grüßen «im Geiste und in der Wahrheit» das Beifolgende mitgeteilt.6

Diese Mitteilung enthält Dinge, deren Beobachtung sich jeder zur Pflicht machen soll, der eine esoterische Entwickelung anstrebt. Sie gehören nicht zu der eigentlichen Meditation, sondern sollen außer dieser gepflegt werden. Die Sache ist so aufzufassen, daß die esoterische Schulung nur dann berechtigt ist, wenn gleichzeitig diese Forderungen von dem Schüler an sich gestellt werden. Ein guter Erfolg kann nur in diesem Falle erzielt werden.

Gleichzeitig soll hier darauf aufmerksam gemacht werden, daß zur esoterischen Schulung Geduld notwendig ist. Es möge doch niemand glauben, daß sein Erfolg größer werde, wenn er nach neuen Anweisungen sich sehnt oder solche verlangt. Jeder möge energisch bei den ihm einmal gegebenen Anweisungen bleiben; solche immer wieder und wieder wiederholen, bis er neue erhält. Niemand, der wirklich etwas braucht, wird zur rechten Zeit unberücksichtigt bleiben. Ob in dieser Geduld geübt wird, davon hängt viel ab.

Von allem, was der Schüler an Unregelmäßigkeiten infolge der Übungen an seinem seelischen und leiblichen Befinden bemerkt oder zu bemerken glaubt, möge er mir sogleich berichten. Ebenso von allem, worüber er sonst Rat oder seelischen Beistand braucht.

Weitere notwendige Sendungen werden zur rechten Zeit folgen. Wenn alles richtig beobachtet wird, werden die Meister der Wahr heit den Weg des Schülers leiten.

In solchem Sinne

Dr. Rudolf Steiner

Berlin, Motzstrasse 17

Anhang

Bei den folgenden Niederschriften handelt es sich offenbar um Entwürfe zu einer Schrift über die Esoterische Schule, die jedoch nicht realisiert wurde.

Undatierte Handschrift, Archivnummer 3220

  1. Die Schule spricht: Hinweisend darauf, daß der Mensch sich nicht im Sinnensein findet.
  2. Die Schule spricht von der Erkenntniswelt als einer solchen, die ein Geistesbote vermittelt.
  3. Die Schule spricht vom geisterschaffenen Worte.
  1. Die Schule zeigt, wie der Mensch in sich die Erkenntnisfeinde überwinden muß.

Undatierte Handschrift, Archivnummer 3196/97

Vor dem Tore der Schule Lehrer: Was willst du von mir? Schüler: Ich will alles prüfen und das Beste behalten.

Lehrer: Dann hast du in dieser Schule nichts zu suchen, denn dann weißt du ja schon, welches die Norm ist für das Beste.

In der Vorschule

I

Lehrer: Was willst du von mir? Schüler: Ich strebe nach der Wahrheit.

Lehrer: Dann lasse dich von der Wahrheit prüfen; sie wird das Beste von dir behalten.

II

Lehrer: Was hast du gelernt?

Schüler: Ich habe gelernt, die Wahrheit über mich urteilen zu lassen.

Lehrer: Dann weißt du, was Demut ist: übe sie, bis sie ganz dein eigen ist.

Frage

Du strebst nach Selbsterkenntnis? Wird dein sogenanntes Selbst für die Welt morgen mehr bedeuten als heute, wenn du es erkannt hast?

  1. Antwort

Nein: wenn du morgen nichts anderes bist als heute und dein Erkennen von morgen nur dein Sein von heute wiederholt.

  1. Antwort

Ja: wenn du morgen ein anderer bis als heute und dein neues Sein von morgen die Wirkung deines Erkennens von heute ist.

Theosophie ist die Erkenntnis des göttlichen Selbst im Menschen; aber viele glauben Theosophen zu sein, wenn sie ihr eigenes kleines Selbst als göttliches ansehen. Selbsterkenntnis ist in vielen Fällen nichts als egoistische Selbstbespiegelung.

Manche Theosophen glauben in sich das göttliche Selbst zu erkennen; sie verwechseln aber bloß ihr kleines menschliches Selbst mit dem göttlichen.

Du willst den Meister nur in dir, nicht im andern finden; wie tief bist du doch ins Sonderdasein verstrickt! Weißt du denn nicht, daß des Führers Selbst dein Selbst ist!?

Man sagt: die Meister seien überall zu finden; das ist gewiß richtig wenn du aber nirgends bist, so kannst du sie im «Überall» nicht finden.

Über die Hierarchie der Adepten

Undatierte Handschrift, Archivnummer 3207/08

Seit die Wurzelrasse der Hierarchie der Adepten zur Erde niedergestiegen ist und die Söhne des Feuernebels als Lehrer der Menschheit herniederkamen, ist die Welt niemals ohne Lehrer gewesen, und es hat niemals ein Glied gefehlt in der heiligen Kette, die beginnt bei dem namenlosen Einen, der der große Initiator ist, und die endet bei den niedersten Zöglingen, die sich zum Dienste der großen Loge verpflichten auf einem der vorgeschriebenen Wege. Die Schlußabteilung der Hierarchie, die ihren Anfang bei den ersten, den großen Initiierten nimmt, wird aus den Reihen der Schüler der heiligen Wissenschaft gebildet. Und als Zöglinge sind diese anerkannt, wenn sie in die Schule eintreten und zum Prüfungspfade zugelassen werden. Dann werden ihnen die ersten Instruktionen gegeben, die ihnen helfen, die ersten Schritte zu tun.

In solch eine Schule trittst Du heute als verpflichtetes Glied ein, das Tor des Prüfungspfades schwebt über Dir und schließt sich; wir begrüßen Dich darinnen im Namen der Meister, die gewährt haben die Mittel zum Eintreten in den Tempel, in dem die wahre Initiation gegeben wird, und zu denen Du richten sollst Herz und Gedanke jeden Tag. Denn unnütz wäre Dein Eintritt, wenn er nicht selbst schon der erste Schritt auf dem Prüfungspfade ist. Und was nützt es einen Pfad zu betreten, den man nicht bis zum Ende geht. Es gibt dabei keine Schwierigkeit, die Du Dir nicht selbst bereitest; es gibt kein Hindernis, das der Gott in Dir nicht überwinden könnte.

Höre, was unser Meister sagt:

«Ein klares Leben, einen offenen Geist, ein reines Herz, einen ernsten Verstand, eine sich erschließende spirituelle Auffassung, brüderliche Zuneigung zu jedem Mitschüler, Bereitwilligkeit, zu geben und zu empfangen Rat und Unterweisung, einen loyalen Sinn für die Pflicht gegenüber dem Lehrer, willige Unterwerfung unter die Anforderungen der Wahrheit, Vertrauen zum Lehrer und den Glauben, daß er im Besitze der Wahrheit ist; mutiges Ertragen von persönlicher Unbill, tapfere Erklärung der Prinzipien, eine rückhaltlose Verteidigung derjenigen, die ungerecht angegriffen werden, und ein beständiges Auge für die Ideale des menschlichen Fortschrittes und der Vervollkommnung, welche von der heiligen Wissenschaft beschrieben wird: dies sind die goldenen Sterne auf dem Wege, den der Lernende gehen muß zum Tempel der Weisheit.»7

Gespräch zwischen Meister und Schüler

Aufzeichnung aus einem Notizbuch aus dem Jahre 1906, Archivnummer 4888

Es sprach zum Meister der Schüler:
Welches ist der Weg zum Leben in den Reichen
des Übersinnlichen, in denen die Geister schaffen
und die Seelen erkennen? Es sprach der Meister:
Wenn du vermagst eine Weile da zu sein, wo
keines der abhängigen Wesen dich berührt, so
stehst du in der Geister Schaffen, wenn du
vermagst eine Weile da zu sein, wo keiner der
wahrnehmenden Sinne dir spricht, so erkennst
du durch der Seele Kraft. Es sprach zum Meister der Schüler:
Wo ist der Ort, zu dem ich also gewiesen? Es sprach der Meister:
Der Ort ist im Ich; doch findest du ihn
nur, wenn dein Ich du verläßt, wenn
schweigsam dein Wollen und ausgelöscht
dein Sinnen; und sprechen das «Ich will»
und lebendig das «Ich denke». Es sprach zum Meister der Schüler:
Wie vermag ich zu sprechen: «Ich will», wenn
schweigsam mein Wollen; wie vermag ich
zu beleben das «Ich denke», wenn ausgelöscht
mein Sinnen? Es sprach der Meister:
Nur das Wollen, das du nicht willst, offenbart
«Ich»; nur der Gedanke, den du nicht denkst,
kündet den «Geist».



  1. Zu diesen Regeln siehe auch die «Allgemeinen Anforderungen (Nebenübungen)» in GA 267 (in Vorbereitung); oder in der Sonderausgabe «Anweisungen für eine esoterische Schulung». ↩

  2. Regionale Gruppen, die von einem sogenannten «Sub-Warden» geleitet wurden, gab es unter Rudolf Steiner ebenfalls. Zum Beispiel in Nürnberg unter Michael Bauer (siehe Rudolf Steiners Brief an ihn vom 4. August 1907), ferner in Stuttgart unter Adolf Arenson, der nach dessen Zeugnis von Rudolf Steiner 1906 dazu bestellt wurde und auch Versammlungen abhielt. ↩

  3. Eintragung in Notizbuch (Archivnummer 124): «5.VI. 05 Esot. Mitt. I gesandt an 8 Mitgl.» ↩

  4. Siehe hierzu auf Seite 447. ↩

  5. Ist nicht bekannt. ↩

  6. Die sogenannten «Nebenübungen», siehe «Anweisungen für eine esoterische Schulung». ↩

  7. Zitat aus H.P. Blavatsky, E.S. Instruction No. III, siehe Seite 467. ↩

  8. In überlieferten Teilnehmer-Notizen von der E.S.-Stunde in Berlin, am 5. Juni 1908 findet sich dieses Gespräch als «aus dem Urbuch der Rosenkreuzerschule» stammend, angeführt. Siehe «Aus den Inhalten der Esoterischen Stunden», GA 266/1. ↩

German original of General Rules of Esoteric the School · ← Previous · Next →