Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914
GA 264 — Berlin
An Den Präsidenten-Gründer Der Theosophischen Gesellschaft H.S.Olcott In Adyar
Briefe im Zusammenhang mit der Wahl von Annie Besant,Leiterin der Esoterischen Schule, zur Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft, was zur Trennung von der Esoteric School führte.
jhjhjhjhj1
Mit dem Ausdruck vollster Hochachtung gestattet sich der Unterzeichnete in seiner Eigenschaft als Generalsekretär der deutschen Sektion und als Mitglied des General-Councils der Theosophischen Gesellschaft über die Mitteilungen des Präsident-Gründer vom Januar 1907 und über die Beschlüsse eines Teiles des General-Councils, ebenso wie über die Briefe von Mrs. Besant folgende Vorstellungen zu machen.
- Es erscheint vollkommen unmöglich, ein Mitglied als nicht für die Gesellschaft geeignet zu bezeichnen, weil es diese oder jene Meinung vertritt und in den Lehrmethoden die Konsequenzen seiner Meinung zieht. Die Gesellschaft kann nur - im Sinne ihrer gegenwärtigen Konstitution — ein Administrativkörper sein; und es kann sich aus ihr kein Richter-Kollegium darüber bilden, ob irgendeine Meinung richtig oder unrichtig sei. Von diesem Grundsatz könnte nur dann abgegangen werden, wenn man die Mitglieder bei der Aufnahme verpflichtete, diese oder jene Meinung zu haben. Das aber wäre nicht im Geiste der Gesellschaft.
- Im Falle von Mr. Jinarajadasa kann, wenn man von Mißverständnissen absieht, nichts gefunden werden, was seine AusschlieBung rechtfertigt. Seine Ausschließung wäre nur dann legal, wenn man zugäbe, daß ein Mitglied ausgeschlossen werden könne, weil es die Meinung nicht hat, die ein anderer Teil der Gesellschaft hat. Somit sollte die Ausschließung des Mr. Jinarajadasa unbedingt arnulliert werden. Wird sie es nicht, so wäre dies eine Nichtbeachtung des in obigem Punkt 1) Gesagten. Der Unterzeichnete stimmt daher voll. kommen dafür, daß Mr. Jinarajadasa weiter als Mitglied der Gesellschaft betrachtet werde.
- Mit vollkommener Befriedigung begrüßt der Unterzeichnete die Nominierung von Mrs. Besant als Nachfolger des allverehrten Präsidenten-Gründers. Er fügt dem nur bei, daß es der Individualität des verehrten Präsidenten noch recht lange beschieden sein möge, im physischen Leibe zu verweilen. Er sendet also die besten Wünsche und Gedanken für des Präsidenten Genesung.
- Von der Mitteilung, daß die Nomination von Mrs. Besant im Auftrage der hohen Meister geschehen sei, kann der Unterzeichnete in seiner Eigenschaft als Generalsekretär der deutschen Sektion keine Notiz nehmen. So wichtig die Manifestation der hohen Meister auch für den Esoteriker sein mag: die Administration der Theosophischen Gesellschaft geht sie gar nichts an. Und diese hat die Nomination von Mrs. Besant lediglich als Ausfluß der Willensmeinung des Präsidenten-Gründers zu betrachten. Ob dieser dabei von den hohen Meistern oder von jemand andern beraten ist: dies ist für die exoterische Gesellschaft lediglich die private Angelegenheit des Präsidenten-Gründers selbst. Der Unterzeichnete ist deshalb gar nicht in der Lage, diese Begründung der Nomination von Mrs. Besant seiner Sektion offiziell mitzuteilen. Er kann dieses nur als eine esoterische Sache behandeln. Dagegen wird er die Nomination von Mrs. Besant zum Präsidenten als Willensmeinung des Präsidenten in der deutschen Sektion nachdrücklich vertreten, und er zweifelt nicht einen Augenblick daran, daß die große allseitige Verehrung von Mrs. Besant die fast einstimmige Wahl der deutschen Sektion bewirken werde. Die Wünsche und Gedanken des Unterzeichneten werden Mrs. Besant als Präsident ebenso auf allen Schritten begleiten, wie es ihrem bisherigen Wirken gegenüber der Fall war.
Mit den hochachtungsvollsten Grüßen und theosophischen Grüßen
Dr. Rudolf Steiner
Generalsekretär der deutschen Sektion
-
Nach einer undatierten Handschrift. Das Schreiben wurde mit Darum vom 1.3.1907, nachdem Tode Olcotts (17. 2. 1907) an den Generalrat und die Generalsekretäre verschickt, s. S. 289. ↩