Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914

GA 265

Rudolf Steiner zum Unterschied von Erkenntniskult und Freimaurerei

Aus Teilnehmer-Gedächtnisnotizen von der Instruktionsstunde Berlin, 16. Dezember 1911

Man möge [könnte] meinen, daß man es hier zu tun habe mit einer Einrichtung desjenigen, was man im allgemeinen «Freimaurerei» nennt, aber es ist nicht so. Wie geheim auch die Freimaurerei in früheren Zeiten betrieben worden sein mag, sie ist dennoch zu allen Zeiten etwas Äußerliches gewesen. Denn tatsächlich ist die Freimaurerei ursprünglich in die Welt getreten durch einen Verrat aus den Mysterienschulen und daher kommt es, daß man viele Symbole, die man in der Freimaurerei findet, auch hier antrifft. Aus den Mysterienschulen sind diese Symbole durch Schüler, die nicht genügend von deren Wert und Bedeutung durchdrungen waren, in für die Außenwelt zwar geheime Gesellschaften geraten, aber niemals haben jene Geheimgesellschaften, die man kennt unter dem allgemeinen Namen der Freimaurerei, die wahre Tiefe der Symbole begreifen und erklären können, weil die Heiligkeit der Symbole an sich es mit sich bringt, daß sie außerhalb des okkulten Tempels nicht richtig verstanden werden können.1

Bis jetzt hat unsere okkulte Strömung für die Welt noch den Namen der Freimaurerei getragen, weil man aus okkultem Standpunkte immer an das Bestehende möglichst anknüpfen soll, aber von jetzt ab soll dieser Name für unseren Tempel in Wegfall kommen und sollen unsere Verrichtungen «Misraim-Dienst» genannt werden. Man möge dies, wenn man unseren okkulten Dienst andeuten will, mit den Buchstaben «M.D.» abkürzen. Die Bezeichnung «F.M.» [Freimaurerei] soll jetzt endgültig verschwinden, und damit ist für die Außenwelt und für alle Einrichtungen auf freimaurerischer Grundlage eine Freimaurerei in unserer Bewegung nicht vorhanden. Wenn bei uns angefragt werden sollte, ob zu unserer Bewegung auch eine Freimaurerei gehört, kann man, ohne eine Unwahrheit auszusprechen, dies verneinen. Was hier verrichtet wird, ist ein okkulter Dienst, genannt Misraim-Dienst, was so viel sagen will wie: das Bewirken der Vereinigung des Irdischen mit dem Himmlischen, des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren.

Misraim-Dienst war schon bekannt im alten Ägypten und gehörte zu dem am meisten [geübten] okkulten Dienst in den Mysterienschulen. Dieser selbe Dienst wird auch jetzt in unserem Tempel verrichtet, unter Hinzufügung der Ergänzungen und Reformen, die Markus bewirkt hat. Der Markus, der hier gemeint wird, ist jener Schüler des Petrus, einer der zwölf Apostel, der das Markus-Evangelium geschrieben hat, als er als Bischof von Alexandrien in Ägypten weilte. Zusammen mit einem ägyptischen Eingeweihten hat er den okkulten Dienst (Kultus) neu geregelt, den wir jetzt kennen als Misraim-Dienst.

Aus Teilnehmer-Gedächtnisnotizen von der Instruktionsstunde München, 30. August 1911

Durch Markus und Ormus, beide Schüler (Jünger) des Christus nach seiner Auferstehung, wurden die Mysterien und Rituale umgestaltet.

Aus Teilnehmer-Gedächtnisnotizen von der Instruktionsstunde

Basel, 25. September 1912

Was hier verstanden werden soll, das ist, daß diese okkulte Bewegung mit keiner anderen in der Welt verglichen werden kann. Unsere Gegenwart bringt es mit sich, daß es zahlreiche okkulte oder halbokkulte Strömungen gibt, aber man soll doch einsehen, daß diese unsere Bewegung nicht auf eine Linie gestellt werden darf mit anderen Bewegungen und daß diejenigen, die sich in dieselbe aufnehmen lassen, die Verantwortung fühlen müssen für die Aufgabe, die ihnen damit auferlegt ist.2



  1. Ergänzend hierzu die folgende Aussage aus dem Vortrag Köln, 27. Dezember 1907: «Sie würden ganz fehlgehen, wenn Sie die Vorzeit mit ihrer tiefen Weisheit in den okkulten Schulen verkennen würden, oder sie in irgendeiner Weise durch unsere moderne Weisheit für überwunden halten würden. Wo Ihnen die okkulte Weisheit entgegentritt in Zeichen und Symbolen, da zeigt sie sich immer so, daß sie zu bestätigen ist durch unmittelbare okkulte Anschauung der Hellscher.» ↩

  2. Die hier noch folgenden Notizen von Ausführungen im Zusammenhang mit den damaligen Schwierigkeiten mit der Theosophical Society sind abgedruckt in dem Band «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264. ↩

German original of The Difference Between the Cultic Knowledge and Freemasonry · ← Previous · Next →