Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914

GA 265

Der Hammer (TAO)

Aus Instruktionsstunde München, 12. Dezember 1906

Der Hammer repräsentiert den Urlaut der Natur: Tao.

Aus Instruktionsstunde Basel, September 1912

T ist nicht der Name Gottes, sondern es bedeutet die Gegenwart Gottes.

Aus Vortrag Berlin, 16. November 1905

(...) Wenn wir nach Asien hinüberblicken, finden wir zunächst noch die vorhandenen Reste einer uralten Religion, wie sie eigentlich in unserem heutigen Sinne gar nicht mehr als Religion aufgefaßt werden kann. Wir finden diese Religion in der merkwürdigen Kultur des Chinesentums. Ich spreche nicht von der Religion des Konfuzius, nicht von derjenigen, welche als Buddhismus in Indien und China Verbreitung gefunden hat, sondern ich möchte sprechen von den Überresten der uralten chinesischen Religion, der Tao-Religion. Das ist die Religion, welche den Menschen auf Tao verweist. Tao wird übersetzt als das Ziel oder der Weg. Aber man bekommt keine klare Vorstellung von dem Wesen dieser Religion, wenn man sich einfach an diese Übersetzung hält. Das Tao drückt aus und drückte schon vor Jahrtausenden für einen großen Teil der Menschheit das Höchste aus, zu dem die Menschen aufsehen konnten, von dem sie sich dachten, daß die Welt, die ganze Menschheit einmal hinkommen werde, das Höchste, was der Mensch keimhaft in sich trägt und was einst als reife Blume aus der innersten menschlichen Natur sich entwickeln wird. Ein tiefer, verborgener Seelengrund und eine erhabene Zukunft zugleich bedeutet Tao. Mit scheuer Ehrfurcht wird nicht nur Tao ausgesprochen, sondern wird auch an Tao gedacht von dem, der weiß, um was es sich dabei handelt. Die Tao-Religion beruht auf dem Prinzip der Entwickelung, und sie sagt: Was heute um mich ist, ist ein Stadium, das überwunden werden wird. Ich muß mir klar darüber sein, daß diese Entwickelung, in der ich mich befinde, ein Ziel hat, daß ich mich hinentwickeln werde zu einem erhabenen Ziel und daß in mir eine Kraft lebt, die mich anspornt, zu dem großen Ziele Tao zu kommen. Fühle ich diese große Kraft in mir und fühle ich, daß mit mir alle Wesen zu diesem Ziele hinsteuern, dann ist mir diese Kraft die Steuerkraft, die mir aus dem Winde entgegenbläst, aus dem Stein entgegentönt, aus dem Blitz entgegenleuchtet, aus dem Donner entgegentönt, die mir ihr Licht von der Sonne zusendet. In der Pflanze erscheint sie als Wachstumskraft, im Tier als Empfindung und Wahrnehmung. Sie ist die Kraft, die Form nach Form bis zu jenem erhabenen Ziele immer und immer hervorbringen wird, durch die ich mich eins weiß mit der ganzen Natur, die aus mir mit jedem Atemzuge aus- und einströmt, die das Symbol des höchsten sich entwickelnden Geistes ist, die ich als Leben empfinde. Diese Kraft empfinde ich als Tao. - Es wurde in dieser Religion zunächst von einem jenseitigen Gotte gar nicht gesprochen, es wurde nicht von etwas gesprochen, was außerhalb der Welt ist, sondern von etwas, wodurch man Kraft finden kann zum Fortschritte der Menschheit.

Tao hat man zu jener Zeit so recht empfunden, als der Mensch noch verbunden war mit dem göttlichen Urquell, besonders bei der Bevölkerung der Atlantis. Diese unsere Vorfahren hatten noch keinen so hochentwickelten Verstand, keine solche Intelligenz wie die heutige Menschheit. Dafür aber hatten sie ein mehr traumhaftes Bewußtsein, ein mehr instinktiv aufsteigendes Vorstellungsleben und ein wenig rechnerisches Gedankenleben. Stellen Sie sich das Traumleben vor, aber gesteigert, so daß es sinnvoll und nicht chaotisch ist, und denken Sie sich eine Menschheit, aus deren Seele solche Bilder aufsteigen, welche die Empfindungen ankündigen, die in der eigenen Seele sind, die wiedergeben alles, was äußerlich um uns herum ist. Man muß sich die Seelenwelt dieser Urmenschen ganz anders vorstellen als unsere heutige. Heute strebt der Mensch danach, möglichst genau Gedanken und Vorstellungen von der Umwelt zu bilden. Der Urmensch dagegen bildete sich symbolische, sinnbildliche Vorstellungen, welche in ihm selbst voller Leben erschienen. Wenn Sie heute einem Menschen gegenübertreten, dann versuchen Sie, sich vor allen Dingen einen Begriff davon zu machen, ob es ein guter oder böser, ein gescheiter oder ein dummer Mensch ist, und Sie versuchen einen Begriff zu bekommen, der in möglichst trockener Art dem äußeren Menschen entspricht. Das war nie der Fall bei dem Urmenschen der Atlantis. Ihm stieg ein Bild auf, nicht ein Verstandesbegriff. Trat er einem bösen Menschen gegenüber, so stieg ihm ein Bild auf, das dumpf und finster war. Die Wahrnehmung wurde aber nicht zu einem Begriff. Gleichwohl richtete er sich, benahm er sich nach diesem Bilde. Wenn er ein helles, schönes Bild vor sich hatte, das ihm traumhaft vor seiner Seele stand, dann wußte er, daß er Vertrauen schöpfen konnte zu einem solchen Wesen. Und er bekam Furcht vor einem Bilde, wenn es in schwarzen, roten oder braunen Farben in ihm aufstieg. Es erschienen die Wahrheiten noch nicht verstandesmäßig und intellektuell, sondern als Eingebung. Er fühlte so, als ob die in diesen Bildern wirkende Gottheit in ihm selber wäre. Er sprach von der Gottheit, die sich im Windeswehen ankündigte, im Waldesrauschen und auch in den Bildern des inneren Seelenlebens, wenn es ihn drängte, zu einer erhabenen Menschheitszukunft hinaufzuschauen. Und das nannte er Tao.

Der gegenwärtige Mensch, der diese Urmenschheit abgelöst hat, steht in einer andern Weise zu den geistigen Mächten. Er hat die Kraft des unmittelbaren Schauens, die in gewisser Beziehung dumpfer und dämmeriger ist als die unsrige, verloren und hat dafür die Entwickelungsstufe des intellektuellen und verstandesmäßigen Vorstellens errungen, die in gewisser Beziehung höher ist, in gewisser Beziehung aber auch tiefer steht. Dadurch steht der heutige Mensch höher als der Urmensch, weil er einen scharfen, durchdringenden Verstand besitzt; aber er empfindet nicht mehr den lebendigen Zusammenhang mit den göttlich wirkenden Tao-Kräften der Welt. Dadurch hat er die Welt, wie sie sich in seiner Seele offenbart, und auf der andern Seite die Verstandeskräfte. Der Atlantier hat die Bilder gefühlt, die in ihm lebten. Der heutige Mensch hört und sieht die äußere Welt. Diese zwei Dinge, Äußeres und Inneres, stehen einander gegenüber, und er fühlt nicht mehr, wie ein Band von dem einen zu dem andern hinübergeht. Das ist der große Sinn der Entwickelung der Menschheit. Seitdem die Ländermassen wieder aufgestiegen sind, nachdem die Fluten der Ozeane die Kontinente überschwemmt hatten, seit jener Zeit sehnt sich die Menschheit, das Band wieder zu finden zwischen dem, was sie im Inneren empfindet und wahrnimmt, und dem, was sich ihr draußen in der Sinneswelt darbietet. Daher hat das Wort religare = Religion seine Berechtigung. Es heißt nichts anderes, als das, was einst verbunden war und jetzt getrennt ist, wieder zu verbinden, Welt und Ich wieder zu verbinden. Die verschiedenen Formen der Religionsbekenntnisse sind nichts anderes als die Mittel, als die von den großen Weisen gelehrten Wege, diese Verbindung wiederzufinden. Sie sind deshalb so verschiedenartig gestaltet, um in dieser oder jener Form den Menschen jeder Kulturstufe verständlich zu werden. ...

German original of The Hammer (TAO) · ← Previous · Next →