Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924

GA 265a — 12 May 1913, Cologne

Die Zwölf Sinne

Aufzeichnungen aus dem Nachlass von Elisabeth Vreede Erster Grad

Wir leben in einem Übergangszeitalter, in dem größere Wandlungen stattfinden werden als in anderen Übergangszeiten. Dinge sind geschehen in der übersinnlichen Welt, von denen die übersinnlichen Wesenheiten erwarten, dass wenigstens einige Menschen auf Erden sie begreifen und in diesem Sinne weiterwirken werden.

Der Mensch hat nicht fünf, sondern zwölf Sinne. Zu den fünf gewöhnlich aufgezählten Sinnen kommen noch sieben dazu, die sich nicht nach außen öffnen, sondern innerlich gelegen sind; das sind:

  1. der Sprachsinn, wodurch wir das gesprochene Wort begreifen;
  2. der Gedankensinn, wodurch wir Begriffe, Gedanken mit dem Gehörten verbinden können;
  3. der Ichsinn, wodurch wir wissen, dass andere Menschen auch mit einem Ich begabt sind. - Unser Ich erleben wir nur innerlich, nicht mit Hilfe jenes Sinnesorganes. Diese Sinne sind in den weichen Teilen des Gehirns gelegen;
  4. ein Gleichgewichtssinn, durch den wir uns bewusst aufrecht stellen können - im Gegensatz zu mechanischen Gegenständen;
  5. ein Beweglichkeitssinn, wodurch wir unsere Bewegungen empfinden, wie das Gehen und so weiter;
  6. der Lebenssinn, durch den wir uns wohl oder unwohl, frisch oder bedrückt fühlen;
  7. der eigentliche Tastsinn, das heißt das Unterscheiden von hart und weich und so weiter. Das ist kein äußeres Sinnesorgan, denn man findet nur den Widerstand, den man überwinden muss bei der Berührung mit dem Gegenstand. Das, was gewöhnlich Tastsinn genannt wird, umfasst zugleich den Wärmesinn, der einer der äuReren Sinne ist. Dieser hat sein Organ in der Haut; der Härtesinn aber hat nur ein inneres Organ, kein äußeres wie die Haut.

Von den zwölf Sinnen sind daher nur fünf nach außen gewendet; das sind Gehör, Gesicht, Geruch, Geschmack und der Wärmesinn. Die zwölf Sinne stehen in Zusammenhang mit den zwölf Zeichen des Tierkreises. So wie die Sonne etwas ganz anderes ist - okkult betrachtet -, wenn sie in einem andern Sternbild steht, so ist der Mensch ganz anders, je nachdem er mit dem einen oder andern Sinnesorgan verbunden ist. Wenn er sieht, ist er auch ganz Farbe; wenn er hört, ist er ganz Ton und so weiter. Aber so, wie schließlich auch die Sonne doch etwas anderes ist als die Tierkreiszeichen, so ist auch der Mensch innerlich etwas anderes als seine Sinne.

Die Einteilung der Sinne in sieben und fünf ist wie die Einteilung des Sternenhimmels, wenn die Sonne im Widder aufgeht und sieben Sternbilder über dem Horizont sind und fünf verborgen unter dem Horizont. Und so wie von diesen sieben zwei an den Grenzpunkten stehen, halb auf und halb unter dem Horizont, nämlich Widder und Waage, so gibt es unter den sieben inneren Sinnen auch deren zwei, die auf der Grenze des Inneren und Äußeren stehen, nämlich Gleichgewichtssinn und Ichsinn, die unser Inneres doch schon in Beziehung bringen zu etwas anderem, das außer uns ist.

Dass es fünf Sinne sind, die nach außen geöffnet sind, rührt von Luzifer her, von dem luziferischen Einfluss. Ursprünglich waren alle Sinne innere Sinne. Deshalb wird auch in der Bibel gesagt: «Eure Augen» - Ohren und so weiter - «werden geöffnet werden.» Die Augen waren ursprünglich nur dazu bestimmt, dasjenige, was geistig wahrgenommen wurde, in Bildern zu spiegeln, die man innerlich geschaut hätte. So auch die Ohren, sie waren dazu bestimmt, nur innerlich in Töne zu verwandeln, was man als geistigen Ton vernommen hätte.

So wollten die Elohim die menschlichen Sinne machen; und dasjenige, was wir jetzt noch haben als Lichterzeugung im Auge selbst - zum Beispiel durch einen Druck auf das Auge oder auch durch Einbildung -, das sind die letzten Reste dessen, was die Elohim aus dem Auge haben machen wollen. Als aber Luzifer die menschlichen Augen öffnete, hätte der Mensch trotzdem nichts schen können, wenn nicht Ahriman die äußere Welt so umgewandelt hätte, dass die Menschen Physisches wahrnehmen konnten. In das Licht webte er die Finsternis, sodass die Farben entstanden, die jetzt der Mensch einzig und allein wahrnehmen kann, denn das Licht selber sieht der Mensch nicht. Den Ton verlegte er - Ahriman - in die Luft, sodass man nur durch die Schwingungen in der Luft einen schwachen Nachklang hört des wirklichen Tones.

Nun sind zwar Luzifer und Ahriman mächtige Geister, aber sie haben jetzt unter sich Scharen von weniger mächtigen Wesen bis zu den kleinsten Elementarwesen, die in einem Sandkörnchen wirken. Unter diesen sind auch die Scharen des Mammon, gegen die seit Äonen Michael gekämpft hat. Die mammonitischen Geister arbeiten dahin, alles Wissen nur durch die Sinne zu erlangen und mit dem an das Gehirn gebundenen Verstand zu registrieren. Seit dem fünfzehnten, sechzehnten Jahrhundert wirken sie in der modernen Naturwissenschaft, und dass solche Geister wie Huxley, Darwin, Haeckel Materialisten sind, das kommt daher, weil sie vor ihrer letzten Geburt durch eine Sphäre gegangen sind, in der die noch unbesiegten Mammonscharen ihren Einfluss ausübten. Seitdem letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts sind sie aber von Michael besiegt, der da wirkt als ein Abgesandter des Christus. Er hat sie aus dem Himmel gestoßen und auf die Erde geworfen.

Das ist es, was in der übersinnlichen Welt geschehen ist und von dem die übersinnlichen Wesen erwarten, dass der Mensch ihre Arbeit fortsetzen werde. Denn diese mammonitischen Geister sind jetzt auf der Erde, und sie kämpfen nun dafür, die Herrschaft auf Erden zu erlangen, nachdem sie im Himmel besiegt worden sind. Wenn ein Mensch wie Maack schreibt über Xenologie (die Lehre des Fremden) oder Allonomie (die Lehre des Andern) und zu gleicher Zeit sagt, dass dieses «Fremde» oder «Andere» nicht zu erkennen sei - wenn er vorschlägt, eine transzendentale Mechanik aufzubauen (was gleichkommt zu sagen, dass man in Köln mit einem Löffel essen will, was in Paris auf einem Teller liegt) -, dann ist das nichts anderes als eine Wirkung dieser Scharen des Mammon. - Von der Xenologie bis zum Türkenkrieg geht eine gerade Linie.

Deshalb werden wir aufgerufen, das Werk Michaels fortzusetzen und nicht diesen Geistern die Herrschaft auf Erden zu lassen.

Wer das Gesagte auf sich wirken lässt, bei dem können kleine Flammen der Erkenntnis allmählich aufgehen. Nicht mehr haben wir das Recht, zu erwarten, dass eine große geistige Ausgießung kommen wird nach derjenigen des Pfingstfestes, aber wir dürfen uns in voller Demut betrachten als kleine Flammen, in denen das Licht sich spiegelt. Wenn von einem gewissen Adyar-Geschehen gesagt worden ist, dass es nur zu vergleichen wäre mit der Pfingst-AusgieRung, so scheint uns das Gotteslästerung. Aber hoffen dürfen wir, dass dasjenige, was einmal als Heiliger Geist herabgestiegen ist, in uns auferwecken wird das kleine Flämmchen, das in uns gelegt worden ist, und uns die Erkenntnis bringen wird des Wahren.

German original of The Twelve Senses · ← Previous · Next →