Esoteric Lessons 1913–1923
GA 266III
2. Notizen von Ausführungen Rudolf Steiners bei zwei Zusammenkünften mit allen Teilnehmern des pädagogischen Jugendkurses
Nach einer im Archiv vorliegenden Photokopie. Das der Kopie zugrunde liegende, mit Schreibmaschine geschriebene Original trägt den Stempel «Anthroposophische Vereeniging, Archief» und rechts oben den Namenszug von Daniel van Bemmelen, wohl als Eigentümer, nicht als Autor. Kleine Korrekturen im Text sind wahrscheinlich auch von der Hand van Bemmelens.
Wahrscheinlich handelt es sich um eine redigierte Abschrift von Notizen, die sich einzelne Teilnehmer während oder gleich nach den Besprechungen gemacht haben. Diese Texte müssen Ernst Lehrs und Wilhelm Rath bei der Abfassung ihrer Berichte vorgelegen haben; sie sind fast wörtlich übernommen worden. Die angefügten Seitenzahlen geben an, wo sich die einzelnen Stellen in diesen Berichten wiederfinden. Beim Abschreiben entstandene Sinnlosigkeiten sind nach Lehrs korrigiert und auch mit eckigen Klammer gekennzeichnet.
Besprechung vom 6.10.22
Pädagogischer Kurs 2.-15. Okt. 22
Dr. Steiner: «Ich möchte nun doch vorausschicken, daß ich gern von den verschiedensten Seiten hören möchte, wie Sie sich vorstellen, daß Ihre Gemeinschaft, die da werden soll, zusammengehalten werden soll, wie sie arbeiten soll und was der Zusammenhalt für sie eigentlich bedeuten soll. Mißverstehen Sie mich nicht. Natürlich wird zuletzt aus dem, was hier beabsichtigt ist, nur dasjenige herauskommen können, was in der Sache begründet ist, Aber es wird sich darum handeln, daß zuerst wirklich von den verschiedensten Seiten gesagt wird, was man sich vorstellt, das da herauskommen soll, damit wir sehen, inwieweit wirklich, nicht bloß vermeintlich, ein freies, ein ganz freies persönliches Wollen vorliegt. Sie können natürlich auf die verschiedenste Weise mitarbeiten im Sinne der Ziele, die jetzt während unserer gemeinsamen Campagne hier besprochen werden. Aber Sie haben außerdem noch speziellere Ziele, oder, ich will sagen, Sie haben vor, auf eine speziellere Weise diese Ziele zu erreichen, und da müßte ich unbedingt von den verschiedensten Seiten hören, was eigentlich gewünscht wird, bevor es möglich ist, diese Sache in einen objektiven Rahmen zu fassen. Was Sie als Vorstellungen haben über das, was Sie wollen, ist es nicht. Man kann in eine solche Sache nur als ganz freier Mensch eintreten und deshalb möchte ich Sie bitten, diese Stunde zu benutzen, sich frank und frei auszusprechen, unbeirrt um alles andere; zu gleicher Zeit aber auch alles berücksichtigen, was für Sie zu einem freien Entscheid in Betracht kommt. Das andere werde ich sagen, wenn von den verschiedensten Seiten her die Aussprache erfolgt ist.» [Lehrs S. 16).
Dr. Steiner: «Es wäre gut, wenn Sie in Ihre Reden einfließen ließen etwas von der positiven Aufgabe, die Sie sich setzen wollen. Es fließt in die Jugendbewegung etwas ein von einer gewissen Unbestimmtheit. Es ist das Eigentümliche, daß die meisten, die von Jugendbewegung sprechen, nicht bestimmt sprechen, sondern aus einem gewissen Gefühle heraus. Aber auch aus dem Gefühle heraus kann man gewisse Dinge bezeichnen, und es wäre in diesem Augenblicke gut, wenn solche konkreten, positiven Empfindungen zum Ausdruck kommen würden. Sie haben die zwei Bewegungen [Zionismus und Wandervogel], die Sie durchgegangen sind, gut charakterisiert. In der [zionistischen] Jugendbewegung ist ja eine gewisse Art von Sehnsucht nach einer Regeneration des Judentums. Aber es würde, damit wir nicht auch mit dieser Gemeinschaft [hier] in Unbestimmtes, sondern in Bestimmtes hineinkommen, gut sein, wenn Sie auch wirklich versuchen würden, etwas zu umschreiben dasjenige, was Sie sich vorstellen. Also zum Beispiel, wenn Sie eingehen würden auf die Frage, was Sie in der Jugendbewegung eigentlich ursprünglich gesucht haben. Nicht als ob ich mich informieren wollte, sondern, daß Sie sich selber sagen müssen: ich habe dieses oder jenes gesucht durch die Jugendbewegung. Solche Dinge wachsen aus Unbestimmtem heraus, aber man kann versuchen, einiges zu charakterisieren von dem, was man angestrebt hat.» [Lehrs S. 19].
Frl. Spira: [ohne Text]
Dr. Steiner: «Sehen Sie, sagt uns nicht dasjenige doch etwas, was seiner Natur nach im Grunde genommen nur ein Übergang sein kann. Denn, nicht wahr, vermeiden kann man es nicht, älter zu werden. Nun frägt es sich, ob man stehenbleiben darf dabei - es soll als Frage gestellt sein -, eine in der Zeit abgeschlossene Sache anzustreben, während wir doch selber, einfach durch den natürlichen Gang der Dinge, in der Zeit weitergehen. Wenn Sie diese Charakteristik nehmen, die Sie eben gegeben haben, so ist sie in der Zeit abgeschlossen. Der Einwand ist nicht ganz gültig, daß es die nächste Generation leichter haben wird. Sie wird zum Teil es leichter haben, wenn diejenigen, die älter werden, dann auf ihre [eigene Jugend zurückschauen und sich zu ihren Kindern] nicht mehr so verhalten werden, wie sich die früheren Alten verhalten haben. Aber Sie dürfen doch nicht vergessen: Den Enthusiasmus, die große Begeisterung, die Sie gehabt haben, verdanken Sie der Opposition, und diese saß als Feuer in Ihnen. Dieses Feuer wird die nachfolgende Generation nicht haben können, gerade dann nicht haben können, wenn Sie es ihr leichter machen, so daß für die nächsten Jahre neue Schwierigkeiten auftreten müssen, die [aufgewogen werden müssen durch etwas, was Sie sich noch aus den Kräften der Opposition haben holen können]. [Lehrs S. 20].
Das Leben aber geht weiter und schafft neue Bedingungen und wer beobachten kann im Leben, der muß dennoch sagen: es ist ganz gut, daß sich einmal eine Generation, die vom Anfange dieses Jahrhunderts, etwas erkämpft hat. Ich kann Ihnen aber auch ganz ehrlich sagen, was sie sich erkämpft hat. Das hat den richtigen Charakter durch einen inneren Grund gehabt. Es ist so, daß mit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Inneren der menschlichen Seelenentwicklung neue Bedingungen aufgetaucht sind. Die Kinder, die 1897/98/99 geboren wurden, sind unter kosmisch anderen Bedingungen geboren. Daher ist diese Oppositionsstimmung erst gekommen. Den Gegensatz zwischen jüngerer und älterer Generation hat es immer gegeben, aber nicht diese besonderen Oppositionsgeister. Das führte dazu, gerade große Schwierigkeiten zu sehen in der nächsten Zeit und bei der nächsten Generation. Die nächste Generation steht vor der großen Gefahr, trotz allem haltlos zu werden, keinen Kern zu bekommen. Und da möchte ich gern wissen, ob Sie sich Gedanken machen darüber, wie die nächste Generation einen Kern bekommt. Sie hatten noch einen Kern, denn ohne ihn hätten Sie nie zur Oppositionsstimmung kommen können. Die nächste Generation wird von Nietzsche nichts mehr wissen, auch von Spitteler1 nicht. Und wenn Sie zurückdenken, wie Sie bei der Jugendbewegung waren und etwas gefunden haben in der Mystik des Baal Schem,2 so werden Sie sich doch sagen müssen: Eine nächste Generation wird nicht so begeistert sein können, wie Sie waren. So daß diese Schwierigkeit jetzt da steht: Was für ein Bild können wir uns machen für die nächste Generation? [Lehrs S. 20].
Wir müssen doch für den Fortgang der Menschheit arbeiten, und deshalb möchte ich, daß Sie etwas von Positivem sagen. Das aber hängt nicht davon ab, daß man umfassende Worte macht und umfassende Ideale bildet, sondern das hängt oftmals von Kleinigkeiten ab, die aber Großigkeiten sind. Unter den vielen Kritiken, die gegen die Waldorfschule abgegeben wurden, ist eine solche, die sich darüber wundert, daß bei uns die Kinder mit neun Jahren noch nicht lesen und schreiben können. Es ist nichts einzuwenden dagegen. Sie können ... » [Lehrs S. 20].
[wenigstens eine Seite fehlt hier]
[Bei der Überschrift für die zweite Zusammenkunft ist ein Fehler unter laufen, den wahrscheinlich van Bemmelen von Hand korrigierte:]
8.X.22 [8. Oktober 1922]
«Eine Anzahl von Persönlichkeiten weiß mit aller Energie, was sie wollen. Ein anderer Teil weiß das noch nicht. Ein Kreis soll formiert werden. Der Umfang des Kreises ist aber noch nicht bestimmt. Die einzelnen Persönlichkeiten, die etwas energisch wollen in einem gewissen Sinne — das lag in der Auseinanderserzung des Herrn Rath —, wollen einen Kreis bilden, der eine geistig-wesenhafte Substanz in sich birgt, der sich zum Träger eines Geistig-Wesenhaften macht. Das gibt dem Kreis einen esoterischen Charakter, obwohl ich Sie bitten möchte, diese Dinge nicht gar zu sehr zu mißbrauchen - als Wort. Unter einem esoterischen Kreis stellen sich heute die Leute allerlei Dinge vor. Ich meine nicht Sie, aber andere. Es handelt sich um das, was man will. Auf die Namengebung kommt nicht sehr viel an. Wenn ich selber auf das Esoterische etwas eingehen will oder soll, so muß ich sagen, daß es sich darum handelt [, das Esoterische ernst zu nehmen]. Denn wenn das Esoterische ernst genommen wird, ist es ein Handeln nach konkreten Impulsen aus der geistigen Welt heraus. Dem kann man nur zustreben. Dazu ist die Anthroposophie ein Weg. Eine solche Gemeinschaft zu bilden, wäre dann der Entschluß, diesen Weg zu betreten. Das würde zu verschiedenen Maßnahmen führen, die geeignet sind, zu diesem Ziele hinzuführen. Wenn Sie von geistigem Inhalt sprechen, müssen Sie sich klar sein, daß es sich da um Lebendiges handelt. Das Geistige muß ein Lebendiges sein, und der Kreis kann auch nichts Totes sein. Er muß etwas Lebendiges sein, das heißt mit anderen Worten: ein Kraftkreis. Der hat dann die Eigenschaft eines Lebendigen. Man kann alles dasjenige voraussetzen, was von den verschiedenen Persönlichkeiten und mir selber schon gesagt worden ist. Aber man muß sich auch klar sein, daß aus dem gemeinsamen Leib gemeinsame Schmerzen, gemeinsame Schicksalszusammenhänge herauskommen. Allerlei von dem kommt heraus, was in einem gewissen Sinne die Analogie von einem Organismus hat, wo, wenn die Finger leiden, auch das Gehirn etwas davon verspürt. Das setzt voraus, daß man es nicht so macht, wie es bei anderen Gesellschaften gemacht zu werden pflegt, daß man sagt: § 1, § 2 etc. des Programms - und dann sind die verschiedenen unter dem Programm vereinigt. Die Menschen müssen sich als Menschen nehmen, nicht als Glieder einer Programmgemeinschaft, als Mensch, als Mitmensch mit allen Unvollkommenheiten und deshalb ist es eine ganz grundlegende Aufgabe für Sie, den Kreis zu formieren, d. h. sich darüber klar zu sein, wie Sie dazu kommen, daß Sie die Menschen, die sich unter dem Gesichtspunkte vereinen, den Herr Rath, Herr Lehrs und Herr Maikowski ausgeführt haben, zusammenfinden. Dieser Kreis kann dann seinen Weg auch esoterisch gehen. Das wird sich finden, wenn der Kreis gebildet ist. Man muß erst den Kreis haben, um sagen zu können, ob er einen esoterischen Weg gehen kann. Den haben Sie noch nicht. Er präsentiert sich aber wohl noch. Deshalb meine ich, es gibt Persönlichkeiten, die energisch wissen, was sie wollen, die aber noch nicht alle dies zum Ausdrucke gebracht haben. Diese Klarheit müßten Sie schaffen, bevor Sie zu Ende sind mit diesen Vorarbeiten. Sie müssen darauf hinarbeiten, vielleicht kommt man am allerersten zu solchen Dingen, wenn man an den Ausgangspunkt anknüpft.» [Lehrs S. 16f].
[In dem Bericht von Wilhelm Rath heißt es auf S. 31: ... und Dr. Steiner wendete sich dann an mich mit der Aufforderung, ich solle doch, um eine noch bessere Klarheit zu schaffen, an den Ausgangspunkt anknüpfen. Diese Worte wurden damals aufgeschrieben:]
«Es ist vielleicht ganz leicht, an einen Ausgangspunkt anzuknüpfen, den Sie berührt haben. Sie wiesen hin auf das Bekanntwerden des Bundes für freies Geistesleben3 und haben gesagt, so kann dasjenige, wovon Sie wünschen, daß es geschehen soll, nicht geschehen. Es ist ganz sicher wahr, daß der Bund für freies Geistesleben auch aus der Voraussetzung heraus gegründet worden ist, etwas Ähnliches zu verwirklichen [wie Sie es wünschen], wenn auch in anderer Weise. Und nun, ohne daß ich irgend etwas urteile über den Bund für freies Geistesleben, würde es vielleicht schon gerade auf dem Wege des inneren [Klarheit-]Schaffens etwas bedeuten, wenn Sie zum Beispiel das weiter ausführen würden. Es wäre interessant zu hören, was Sie gleich zurückgestoßen hat. Dann würde man sehen, was sich als Wollen herauskristallisierte. Es würde ganz gewiß etwas sein, was für alle interessant und anregend sein würde. An der Art [Ihrer Darstellung] würde man vielleicht sehr viel erkennen können. Sie brauchen nicht zu denken, daß Sie den Bund für freies Geistesleben zu schonen brauchen, weil ich da bin.» [Rath, S. 31].
[Danach heißt es in dem Bericht weiter: «Ich schilderte nun, wie uns jungen Leuten damals in Berlin der Stil dieses Aufrufs befremdet habe. Wir fanden ihn «reklamehaft». So könne doch Anthroposophie nicht in der Welt verbreitet werden. Wir vermißten eine geistige Substanz. Ein wahrhaft freies Geistesleben müsse doch im Geiste selbst gegründet sein und ein «Bund», der es der Welt verkünden wolle, müsse selbst in brüderlicher Gesinnung zusammenstehen, und nicht nur durch ein organisatorisches, sondern ein geistiges Band verbunden sein. Dies habe in uns nun den Gedanken eines lebendigen geistverbundenen Bundes geweckt, wie wir ihn vorbildlich in den Schriften des Gottesfreundes vom Oberland dargestellt fanden, nur daß ein solcher Bund heute den Forderungen der Gegenwart entsprechend gestaltet sein müsse. Dieser geistige Hintergrund aber sei nicht in klarer Weise aus dem Aufruf zu erkennen gewesen. Darauf führte nun Dr. Steiner das Folgende aus»»]
«Das ist eben dasjenige, was von allem Anfange an festgelegt werden muß: eine gewisse Klarheit über die Sache. Vielleicht darf ich dieses eine herausheben, was Sie sagten, etwas, was Sie über die Verbreitung sagten. Dem lag etwas ganz anderes zu Grunde, als es den Eindruck auf Sie gemacht hat. Was da zugrunde lag, ist das Folgende. Nehmen wir die Tatsachen ganz objektiv. Nehmen Sie meine «Geheimwissenschaft im Umriß», ein Buch, das nicht gerade eine Unterhaltungslektüre ist. Das Buch ist in einer so kurzen Zeit an so viele Seelen herangekommen, daß man sich eines Tages hätte sagen müssen, es gibt heute ungeheuer viele Menschen, die den Inhalt dieses Buches kennen. Das Buch hatte dazumal die 12. Auflage erlebt, also 12000 Exemplare.4 Das bedeutet vier- bis fünfmal soviel mehr Leser, an die es herangekommen ist. Nach den Erfahrungen, die man machen kann, sind es aber wahrscheinlich viel mehr. Da müßte man sich sagen: Es ist die Zahl der Menschen eine sehr große, die eine Sehnsucht haben nach dem, was sie da erfahren können durch die Anthroposophie. Weite Seelenkreise verlangen also nach dem, so daß das passive Sich-Sehnen nach Anthroposophie einem die Pflicht auferlegt, etwas zu tun, damit Anthroposophie etwas sein kann, was auf der Erde wirksam ist. Und das aktive Eintreten für die Anthroposophie ist ein solches, das noch nie, auch wiederum noch nie für eine Sache, nach der sich so viele Leute sehnen, so gering war als bei der Anthroposophie. Wenn Sie sehen auf irgendwelche in der Menschheit auftretende Impulse, so werden Sie in der Regel finden, das sind kleine Kreise, die die Sache haben und die eine Sehnsucht haben, sie zu verbreiten, die also von sich aus die Sache an die Menschen heranbringen wollen. Bei der Anthroposophie ist das so, daß sie tatsächlich in vielen Seelen darinnen sitzt, die aber eigentlich erst dann das haben könnten, was sie selber enthält, wenn es auch aktive Beteiliger, d.h. arbeitende Menschen in genügender Zahl gäbe, die entsprechen würden dieser menschlichen Sehnsucht. Das würde schon begründen, daß man sagt, es muß eigentlich so etwas da sein, wie es dazumal angestrebt worden ist mit dem Bunde für freies Geistesleben, daß Aktivität zwischen das Passive kommt. Das werden Sie nicht mehr so reklamehaft finden. Aber Sie werden auch sehen, wie ungeheuer schwierig es ist, sich klar auszusprechen. Das, was sie gesagt haben, hat einfach durch die Art des Aussprechens die Gestalt bekommen, die Sie charakterisiert haben. Dasjenige, was der Anthroposophie so große Hemmnisse geschaffen hat, besteht darin, daß die Klarheit in ihrer Vertretung, ganz gleich, ob es intim vertreten ist oder mehr nach außen hin, in hohem Grade gemangelt hat. Ein klares Auftreten ist erforderlich. Von vornherein müßten Sie eine solche Klarheit also schaffen. Sie verstehen, was ich meine. Nur bin ich noch nicht in der Lage zu sagen, was notwendig wäre.» [Rath, S. 31f].
«Sie sollen nicht den Glauben haben, daß ich das tadeln will, was Sie vom Bund für freies Geistesleben gesagt haben. Ich wollte nämlich nur sagen, auf welche Weise das zustande kam. Dadurch, daß diese Klarheit nicht da war bei dem Aufrufe des Bundes für freies Geistesleben. Ein gutes Wollen lag schon zugrunde. Vielleicht hätten Sie hinzufügen können, daß, wie der Erfolg es eben zeigt, es nicht richtig gemacht war. Der Aufruf hat keine Wirkung gehabt.» [Rath, S. 33].
«Das eine möchte ich zu bedenken geben, ob Sie eine Anzahl von Persönlichkeiten, die von dieser Tagung in Stuttgart [pädagogischer Jugendkurs] mancherlei erwartet haben und die vielleicht heute noch der Meinung sind, daß das, was sie erwartet haben, realisiert werden sollte, dadurch, daß Sie gewissermaßen über ihre Intentionen einfach zur Tagesordnung übergehen und sie morgen draußen lassen, Sie sich vielleicht dadurch zunächst den Vorwurf zuziehen: Ja, man hat uns bestellt, man hat uns eingeladen, und nun läßt man uns stehen; man beschäftigt sich nicht weiter mit uns, weil wir das, was gewollt wurde, auf eine andere Art wollen. Es ist ganz sicher: Es wird sich ein Kreis herausbilden aus denjenigen, die heute hier sind, die so arbeiten, wie sie sich das vorgesetzt haben.»
-
Carl Spitteler, 1845-1924, Schweizer Dichter, Nobelpreisträger 1919. ↩
-
Siehe Seite 431. ↩
-
Rath bemerkt hierzu in seinem Bericht: «Ich hatte bei meiner ersten Darstellung der Idee des Kreises davon gesprochen, daß die Beschäftigung mit dem «Aufruf dieses Bundes uns in Berlin den ersten Anstoß gegeben habe.» Dieser Aufruf ist hier auf S. 411 abgedruckt. ↩
-
Die damals vorliegende Ausgabe war 1920 mit der Bezeichnung 7.-15. Auflage erschienen. ↩