Übungen mit dem Meditationsspruch «Licht erstrahlende Gebilde ...» und dessen Umkehrung zu «Es tritt bewußt mein Ich ...»
entstanden vermutlich 1907
Haupt-Übungen für Morgens und Abends.—
Morgens, möglichst bald nach dem Erwachen: Abziehen der Aufmerksamkeit von allen äußeren Sinneseindrücken, auch von allen Erinnerungen an das alltägliche Leben. In dieser leergemachten Seele erfüllt man sich zunächst mit der Vorstellung «Ruhe». Es soll sein, wie wenn man diese Empfindung der «Ruhe» sich durch den ganzen Körper gieße. Doch kann dies ganz kurz geschehen. (2 bis 5 Sekunden.) Dann erfüllt man durch etwa 5 Minuten die Seele mit den folgenden sieben Zeilen:
Licht erstrahlende Gebilde
Glänzendes Wogenmeer des Geistes
Euch verließ die Seele
In dem Göttlichen weilte sie
In ihm ruhte ihr Wesen
In das Reich der Daseinshüllen
Tritt bewußt mein «Ich».
Man versucht diese Zeilen so bildhaft wie möglich vorzustellen. So denke man bei den beiden ersten Zeilen ein Lichtmeer, in dem sich Gestalten formen; man denke bei der dritten, vierten und fünften Zeile, wie die Seele beim Aufwachen hervortaucht aus diesem Lichtmeer. Bei der sechsten und siebenten Zeile denke man, wie man durch das Aufwachen in die Hüllen des Körpers hineingeht. Es soll sowohl der geistige Inhalt der sieben Zeilen gefühlt, wie auch die Bilder des ganzen möglichst lebendig vorgestellt werden.
Dann folgt ein Atmungsprozess, und zwar viermaliges Einatmen, Halten des Atems im Innern, Ausatmen, so daß sich verhalten die Zeiten von Einatmen, Atemanhalten, Ausatmen wie 1:3:2 (nicht nach der Uhr, sondern nach dem Gefühle). Also wenn man zum Einatmen 3 Sekunden braucht, so 9 Sekunden zum Atemanhalten, 6 Sekunden zum Ausatmen. (Oder 2:6:4 oder 4: 12:8 usw.) Beim Einatmen und Ausatmen denke man nichts, sondern gebe sich ganz hin der Beobachtung des Atmungsprozesses. Dagegen konzentriere man sich beim:
- Atemanhalten auf Augenbrauenmitte mit: Ich bin
- Atemanhalten auf Kehlkopf mit: Es denkt
- Atemanhalten auf Herz, Arme, Hände mit: Sie fühlt
- Atemanhalten auf Körperoberfläche mit: Er will
Nach diesem konzentriere man sich durch 2-3 Minuten auf die Vorstellung einer
«werdenden und vergehenden Pflanze».
Zum Schlusse der Morgenmeditation:
sich hingeben an ein göttliches Ideal.
Im Laufe des Tages sind die beifolgenden «Nebenübungen» zu machen. Bei diesen kommt es weniger darauf an, daß man sich an eine bestimmte Stunde bindet.
Abends: Meditation der folgenden 7 Zeilen, die so zu behandeln sind wie die 7 Zeilen am Morgen, nur entsprechend mit entgegengesetztem Vorstellungsverlauf:
Es tritt bewußt mein Ich
Aus dem Reich der Daseinshüllen
Zu ruhen in der Welten Wesen —
Ins Göttliche strebet es
Gewinne Seele dies Reich
Des Geistes glänzend Wogenmeer
Des Lichts erstrahlende Gebilde.
Dann Rückschau auf das Tagesleben. Bildsam und rückläufig.
Abends:
Man versucht in einem Zeitpunkte, der nicht zu weit vor dem Schlafengehen liegt, sich zuerst folgendem Gedankengange hinzugeben: ich habe den ganzen Tag hindurch Eindrücke empfangen der physischen Welt und mir Gedanken über diese Eindrücke gebildet. Ich werde in der Nacht keine solchen Eindrücke haben, ich werde in einer geistigen Welt sein. Ich werde mir nun Bilder vor die Seele malen, welche geeignet sind bei beständiger energischer Gesinnung meinen Sinn für die geistige Welt zu öffnen. Ich werde mir vorstellen, daß ich umgeben und durchdrungen bin von einem in allen möglichen Farbennuancen spielenden Lichtmeer; innerhalb desselben strömen einzelne Wärmeströmungen; eine Wärmeströmung geht in mein Herz
Licht - Symbolum für Weisheit
Wärme - Symbolum für Liebe
Während ich in diesen Vorstellungen lebe, versenke ich mich in folgende 7 Zeilen, wie wenn ich dieselben wirklich geistig hören würde:
Aus dem Reich der Daseinshüllen
Tritt bewußt mein Ich
Zu dringen in der Welten Wesen
Zu weilen in dem Göttlichen
Gewinne, Seele, dieses Reich,
Des Geistes glänzend Wogenmeer
Des Lichts erstrahlende Gebilde.
Ungefähr 8-10 Minuten nach dem Gefühl sich diesen Vorstellungen und innerlichem Hören hingeben. Dann weitere 5 Minuten etwa bei vollständiger Ruhe der Seele, als ob man nichts hören und sehen würde, in sich verklingen lassen die Nachwirkung der Meditation. Dann wird irgendein bestimmtes Ereignis des Tageslebens vom Abend bildlich vor die Seele gerückt und rückwärts vorgestellt, wobei man sich selbst wie außerhalb stehend fühlt. Dann wird ein solches Ereignis genommen von einer frühern Tageszeit, ein drittes von einer noch früheren, bis zum Morgen. Es schließen sich dann die Ereignisse von selbst zusammen, so daß man ein Tableau des Tages in verhältnismäßig kurzer Zeit erwirbt. Man soll den Gedanken von Reue ausschalten, dagegen immer sich eine Vorstellung machen davon, wie man bei einem ähnlichen Falle in Zukunft sich besser verhalten kann. Unmittelbar vor dem Einschlafen versuche man sich zu durchdringen mit dem Gedanken: In mich aus dem Geiste was ich am meisten brauche.
Morgens:
Am Morgen versuche man bevor ein anderer Gedanke oder Eindruck durch die Seele gezogen ist, die Bilder von Licht und Wärme vom vorhergehenden Abend sich wieder vor die Seele zu rufen, jetzt mit den folgenden 7 Zeilen:
Licht erstrahlende Gebilde
Glänzendes Wogenmeer des Geistes
Euch verließ die Seele
In dem Göttlichen weilte sie
In ihm ruhte ihr Wesen
In das Reich der Daseinshüllen
Tritt bewußt mein «Ich».
Wieder nachdem man 8-10 Minuten das meditiert hat, sich mit ruhiger Seele dem Nachklange durch etwa 5 Minuten hingeben.
Dann versuche man sich präliminarisch vorzustellen, wie etwa der Tag verlaufen könnte. - Im Laufe des Tages wäre eine kurze Zeit darauf zu verwenden, nach persönlichem Bedürfnis eine der in «Initiation»!)1 beschriebenen Übungen zu machen, insbesondere aus dem Gebiete der «6 Übungen»:
Konzentration der Gedanken
Initiative des Handelns
Gleichmaß in Lust und Leid
Positivität
Unbefangenheit
Harmonisierung dieser 5 Eigenschaften.
(Nicht zu viel an einem Tage.) Die Lektüre ist dem freien Ermessen anheimgestellt: ein gewisses Maß theosophischer Lektüre ist unerläßlich für den Meditanten. —
Morgens:
Licht erstrahlende Gebilde
Glänzendes Wogenmeer des Geistes
Euch verließ die Seele
In dem Göttlichen weilte sie
In das Reich der Daseinshüllen Tritt bewußt mein Ich. Ich bin.

Am Tage: Nebenübungen.
Am Abend:
Rückschau auf das Tagesleben.

Ich bin. Es tritt bewußt mein Ich
Aus dem Reich der Daseinshüllen
Zu weilen in dem Göttlichen
Gewinne Seele dieses Reich
Des Geistes glänzend Wogenmeer
Des Lichts erstrahlende Gebilde.
Morgens:
Ruhe 2-3 Sekunden
10 Min: In Bildern
Licht erstrahlende Gebilde
Glänzendes Wogenmeer des Geistes
Euch verließ die Seele
In dem Göttlichen weilte sie
In ihm ruhte ihr Wesen
In das Reich der Daseinshüllen
Tritt bewußt mein Ich
Im Laufe des Tages: Nebenübungen
Abends:
10 Min.: in Bildern
Es tritt bewußt mein
Ich Aus dem Reich der Daseinshüllen
Zu ruhen in der Welten Wesen
Ins Göttliche strebet es
Gewinne Seele dieses Reich
Des Geistes glänzend Wogenmeer
Des Lichts erstrahlend Gebilde
Rückschau auf die Tageserlebnisse. Rückläufig. 8-10 Min. Bildsam.
Morgens:
Ruhe 2-3 Sekunden
5 Min.
Licht erstrahlende Gebilde Glänzendes Wogenmeer des Geistes Euch verließ die Seele In dem Göittlichen weilte sie In ihm ruhte ihr Wesen In das Reich der Daseinshüllen Tritt bewußt mein Ich.
5 Min.
Vorstellung einer werdenden Pflanze
Vorstellung einer absterbenden Pflanze
5 Min.
Im Laufe des Tages: Gedankenkonzentration
Abends:
Es tritt bewußt mein Ich
Aus dem Reich der Daseinshüllen
Zu ruhen in der Welten Wesen
Ins Göttliche strebet es
Gewinne Seele dieses Reich
Des Geistes glänzend Wogenmeer
Des Lichts erstrahlende Gebilde
Rückschau auf das Tagesleben. Bildhaft. Rückläufig.
Abends:
10 Minuten:
Es tritt bewußt mein Ich
Aus dem Reich der Daseinshüllen
Zu ruhen in der Welten Wesen
Ins Göttliche strebet es
Gewinne Seele dieses Reich
Des Geistes glänzend Wogenmeer
Des Lichts erstrahlende Gebilde.
Rückschau auf das Tagesleben. Rückwärts.
[Morgens:] 10 Minuten:
Des Lichts erstrahlende Gebilde
Erglänzendes Wogenmeer des Geistes
Euch verließ die Seele
In dem Göttlichen weilte sie
In IHM ruhte ihr Wesen
In das Reich der Daseinshüllen
Tritt bewußt mein Ich.
5-10 Min.
Im Laufe des Tages: Kraft in mir
Liebe heg ich im Wesenskern
Vertrauen leg ich in all mein Tun
Hauptübung
[Am Abend:]
Ich habe den ganzen Tag hindurch Eindrücke der physisch-sinnlichen Außenwelt empfangen und mir darüber Vorstellungen gemacht. Ich werde in der Nacht solche Eindrücke nicht haben. Ich werde in der geistigen Welt sein. Ich werde mir nun durch Sinnbilder die übersinnliche Welt vorstellen, damit diese Sinnbilder nach und nach mich in diese übersinnliche Welt hineinführen. Ich werde mir vorstellen, daß der Raum um mich und in mir von übersinnlichem Lichte erfüllt ist, wie wenn ein Lichtmeer in verschiedenen Farben erglänzte und dieses Lichtmeer durchflossen wäre von Wärmeströmungen; eine der Wärmeströmungen gehe in mein Herz hinein. (Licht = Symbol göttlicher Weisheit; Wärme = Symbol göttlicher Liebe). Diese Vorstellung soll 5 Minuten meditativ anhalten und begleitet sein von den folgenden 7 Zeilen:
Es tritt bewußt mein Ich
Aus dem Reich der Daseinshüllen
Zu ruhen in der Welten Wesen.
Ins Göttliche strebet es.
Gewinne Seele dieses Reich;
Des Geistes glänzend Wogenmeer
Des Lichtes erstrahlende Gebilde.
(Durch 3-4 Minuten in aller Seelenruhe den Eindruck festhalten.)
Nach diesem Rückblick.
Am Morgen: Ich erwecke wieder die Vorstellungen des letzten Abends. Und begleite sie wieder durch 5 Minuten mit den 7 Zeilen, doch jetzt in folgender Reihe:
Des Lichts erstrahlende
Gebilde Des Geistes glänzend Wogenmeer
Euch verließ die Seele
In dem Göttlichen weilte sie
In Ihm ruhte ihr Wesen.
In das Reich der Daseinshüllen
Tritt bewußt mein Ich.
Wieder 3-4 Minuten in ruhiger Seele dem Eindrucke hingegeben. Nach diesem:
Konzentrieren Augenbrauenmitte: Ich bin (2-5 Min.) Konzentrieren Kehlkopf: Es denkt Konzentrieren Arme, Hände: Sie fühlt Konzentrieren Körperoberfläche: Er will.
Nach diesem: Devotionelle Hingabe an das eigene göttliche Ideal (5 Minuten).
Im Laufe des Tages: Nebenübungen.
Abends: Rückblick
10 Min.:
♄ Freitag:
Wille spendende Gebilde Kraftvolles
Wogenmeer des Geistes ○ Sonnabend:
Lichterstrahlende Gebilde
Erglänzendes Wogenmeer des Geistes ☾ Sonntag:
Seele schenkende Gebilde
Erwärmendes Wogenmeer des Geistes ♂ Montag:
Seele opfernde Gebilde
Kraftvolles Wogenmeer des Geistes ☿ Dienstag:
Licht hinstrahlende Gebilde
Erleuchtendes Wogenmeer des Geistes ♃ Mittwoch:
Wille lebende Gebilde Lebenopferndes
Wogenmeer des Geistes ♀ Donnerstag:
Gottselige Gebilde Friedvolles
Wogenmeer des Geistes [und jeweils:]
Euch sucht die Seele
In das Göttliche strebet sie
Mit Ihm vereint sie ihr Wesen
Aus dem Reich der Daseinshüllen
Trete bewußt mein Ich.
Morgens:
10 Min.
- Es tritt bewußt mein Ich
- In das Reich der Daseinshüllen
- Aus dem Göttlichen kommet es
- In das Irdische wandelt sie
- Euch verlässt die Seele
- dem vorhergehenden entnommen.
5 Min.
Ich bin ABM [Augenbrauenmitte]
eine kurze Weile in ruhiger innerer Versenkung
verbleibend.
[Zur obigen Anordnung der Planetenzeichen: Im okkulten Sinne beginnt ein Tag um sechs Uhr abends, d. h. der Sonnabend beginnt Freitag abends sechs Uhr, weshalb das Zeichen für Sonnabend (Saturn) bei der Meditation für Freitag steht, usw.
Zu 6 und 7 für die Morgenmeditation: Hier dürften die Zeilen für die Wochentage ebenfalls rückläufig gemeint sein, z. B. für Samstag morgen: 6. Kraftvolles Wogenmeer des Geistes; 7. Wille spendende Gebilde]
Abends:
Rückblick
Licht Sinnbild von Weisheit
Wärme Sinnbild von Liebe
- Wille spendende Kraftvolles
- 10 Min.
Licht erstrahlende Gebilde Erglänzendes Wogenmeer des Geistes Euch sucht meine Seele In das Göttliche strebet sie Mit ihm vereint sie ihr Wesen Aus dem Reich der Daseinshüllen Tritt bewußt mein Ich.
- Seele schenkende Erwärmendes
- Selbst erwirkende Kräftvolles
- Seele opfernde Kraftstrahlendes
- Licht hinstrahlende Erleuchtendes
- Wille lebende Lebenopferndes
Morgens:
10 Min.
Es tritt bewußt mein Ich
In das Reich der Daseinshüllen
Mit dem Göttlichen einte die Seele sich
In ES weilte sie
In IHM ruhte ihr Wesen
In dem glänzenden Wogenmeer des Geistes
In Licht-erstrahlenden Gebilden. ad:
-
Bezieht sich auf das Kapitel «Von der Einweihung oder Initiation» in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13. ↩