Übungen mit Meditationsangaben zum Johannes-Evangelium zwischen ca. 1906 und 1923

Anhang: Zwei Übungen für den christlich-gnostischen Weg

Abends:

1.) Rückschau

2.) Johannes-Evangelium in Bilder verwandeln

3.) Meditation:

Im Urbeginn war das Wort
Und das Wort war bei Gott
Und ein Gott war das Wort

Morgens:

1.) Wiederholung des Bildes vom Abend

2.) Meditation:

Und das Wort sei in mir
Und in meiner Seele sei das Wort
Und mein Wille sei aus dem Worte.

Morgens:

7 ersten Sätze Johannes Evangelium

Im Urbeginne war das Wort
Und das Wort war bei Gott
Und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Dort war es, wo alles entstanden ist,
Und nichts ist entstanden
Außer durch das Wort. In Lichtes reinen Strahlen
Suche wartende Seele
Gottinnigkeit.

Abends: Rückschau.

Gottinnigkeit
Suche wartende Seele
In Lichtes reinen Strahlen.

(Seelenruhe). —

Abends:

Im Urbeginn war das Wort
Und das Wort war bei Gott
Und ein Gott war das Wort
Und das Wort,
Es lebe im Herzen,
Im Herzen deines Wesens,
In deinem Ich.

Morgens:

In deinem Ich,
Im Herzen deines Wesens
Da lebe das Wort,
Das Geisteswort.
Und das Wort war bei Gott
Und ein Gott war das Wort.
Im Urbeginne war das Wort.

Abends:

Im Urbeginn war das Wort der Zeit
Und das Wort der Zeit war bei Gott
Und ein Gott war das Wort der Zeit
Und das Wort der Zeit
Es lebet in dir.

Morgens:

Und das Wort der Zeit
Es lebet in mir.
Und ein Gott war das Wort der Zeit
Und das Wort der Zeit war bei Gott Im Urbeginn war das Wort der Zeit.

Abends:

1.) Rückschau 5-6 Minuten

2.)

Im Urbeginne war das Wort
Und sei das Wort in mir Und wirke das Wort in mir Und trage das Wort mich
In Geisteswelten
In Seelentiefen.

Morgens: 🕈

Sei mir Bild
Meiner Selbst.
In meinen Seelentiefen
Starke Geisteskräfte
Wie helle Rosensterne
Auf schwarzem Kreuzesholz.

Abends:

Rückschau.

Meine Seele erhebe
Zu Weltenweiten sich
Meine Seele vertiefe
In Herzensgründe sich
Und suche, zu erleben
Weltenweiten
In Herzensgründen

🕈

(Seelenruhe)

Morgens:

Im Urbeginn war das Wort
Und das Wort war bei Gott
So sei das Wort in mir
Und meine Seele bei dem Worte

🕈

(Seelenruhe)

Abends:

1.) Rückschau

2.) Sich versetzen in den monddurchhellten Nachtraum; darin empfinden:

Im Urbeginn war das Wort
Und das Wort wird Weisheit
Und wohnet in meinem Haupt
Und das Wort ist Christus
Und wohnet in meinem Herzen.

Morgens:

Sich versetzen in den sonnendurchleuchteten Tagraum; darin empfinden:

Es wohnet in meiner Seele
Das Wort, das ist der Christus;
Es wohnet in meinem Geist
Das Wort, das wird die Weisheit;
Der Dinge Anfang und Ende:
Das ist die weisheitvolle Christusliebe.

Dazu: die 6 Übungen.

Im Urbeginne war das Wort ...

Morgens: Untergehende Sonne

267-22
267-22

Kreuz mit Sternen emporsteigend

Christus spricht: Mein Wort wohne in deinem Herzen

Abends:

267-23
267-23

Aufgehende Sonne

Ich zu Christus sprechend: Dein Wort wohne in meinem Herzen.

Im Urbeginne war das Wort ...

Abends: Rückschau auf das Tagesleben.

Vorstellung der aufgehenden Sonne; fühlen, als ob aus ihr Chr. spräche:

Im Urbeginn war das Wort
Und das Wort war bei Gott
Und Ein Gott war das Wort
Höre das Wort
So hörest du
Des eigenen Innern
Tiefste Wesenheit

Nach diesem: Mit leerem aber wachem Bewußtsein warten.

Morgens:

Vorstellung der untergehenden Sonne. Läßt zurück das Rosenkreuz.

Die 7 Rosen tönen:

Deine tiefste Wesenheit 7
Im eignen Innern 6
Du hörest sie 5
Dir tönen im Wort 4
Und Ein Gott war das Wort 3
Und das Wort war bei Gott 2
Im Urbeginn war das Wort 1

Nach diesem: Mit leerem aber wachem Bewußtsein warten.

Als Nebenübungen:

Gedankenkonzentration
Initiative des Handelns
Gleichmaß von Lust und Leid
Positivität
Unbefangenheit
Harmonisierung dieser 5 Eigenschaften.

Abends: Rückschau auf das Tagesleben. 3-4 Minuten

Stehen auf einem Hügel. Sonne im Zenit. Gefühl, daß die Sonne tönt. Das weitere Gefühl, daß aus der Sonne der Chr. spricht, so daß es Sie durchtönt:

Im Urbeginn war das Wort
Und das Wort war bei Gott
Und ein Gott war das Wort
Und das Wort sei
Deines eignen Wesens Kern
Sprichst du Ich
So spricht in Dir das Wort.

Nach diesem: Mit leerem aber wachenden Bewußtsein warten.

Morgens: Stehen auf einem Hügel. Sonne im Nadir. Sie haben das Gefühl, daß sie unter der Erde tönt:

Spricht in Dir das Wort
So ist es Ich
Deines eignen Wesens Kern
Das sei das Wort
Und Ein Gott war das Wort
Und das Wort war bei Gott
Im Urbeginn war das Wort.

Nach diesem: Mit leerem aber wachem Bewußtsein warten. —

Hilfsübungen:

6 Übungen
Gedankenkonzentration
Initiative des Handelns
Gleichmaß von Lust und Leid
Positivität
Unbefangenheit
Harmonisierung dieser 5 Eigenschaften.

Am Morgen:

  1. Kapitel Johannes Evangelium) 12. - 59. Vers1

Am Abend:

Fromm, ehrfürchtig will ich sein
Vor den Geisteswesen
Die im Nachtesdunkel
Bergen meine Seele. 1. Tag öfters: Friede geleite mich
2. Tag öfters: Mit Liebe will ich tun, was ich soll
3. Tag öfters: Gott mit meinem Leben

Anhang

Zwei Übungen für den christlich-gnostischen Schulungsweg

An Übungen dieses Schulungsweges liegen nur die beiden folgenden vor. Ob darüber hinaus noch weitere gegeben wurden, ist nicht bekannt, aber auch nicht sehr wahrscheinlich, da dieser Weg unter den heutigen Kulturbedingungen kaum mehr durchführbar ist, weil er ein nahezu völliges Sichzurückziehen aus dem Leben fordert. (Vgl. hierzu z. B. GA 95 und 99).

Christlich gnostische Meditation.

I. Morgens früh, gleich nach dem Erwachen, wenn noch keine anderen Eindrücke durch die Seele gezogen sind, sucht man das Bewußtsein ganz frei zu machen von allen Erinnerungen an das alltägliche Leben, man sucht die Aufmerksamkeit abzulenken von allen äußeren Wahrnehmungen. Dann, wenn man diese innere Stille errungen hat, läßt man allein in der Seele leben:

Die fünf ersten Verse des Johannesevangeliums. —

II. Dann folgt in den ersten vierzehn Tagen jeden Tag der Versuch, sich sein eigenes ganzes vergangenes Leben vor die Seele zu führen, um sich auf diese Weise ganz selbst kennen zu lernen.

Nach diesen vierzehn Tagen macht man das ganze Johannesevangelium durch, so daß man 7 Tage lang ganz jeden Tag in einem Kapitel lebt.

Also in den ersten 7 Tagen: 1. Kap. von Satz 6 bis zu Ende, in den zweiten 7 Tagen: 2. Kap., u.s.w.

Ist man am 13. Kapitel angekommen, dann versucht man bei der

Fußwaschung: das Gefühl zu durchleben, wie ein jedes höhere Wesen sein Dasein den niederen verdankt, zu ihnen sich in Demut also neigen muß.

Geißelung: das Gefühl, daß man aufrecht stehen könne den Geißelungen des Lebens gegenüber, d. h. allen Leiden und Schmerzen gegenüber.

Dornenkrönung: das Gefühl, daß man aufrecht stehen muß, selbst allem Hohn und Spott gegenüber.

Kreuzigung: das Gefühl, daß einem der eigene Leib etwas fremdes ist, das man trägt und an das man von außen gebunden ist.

Mystischer Tod: Man erlebt den Vorhang, der noch die geistige Welt verdeckt, aber dann auch wie er zerreißt und man in die geistige Welt hineinblickt. Dabei lernt man die Gründe des Bösen schauen und der Übel: Hinabsteigen in die Hölle.

Grablegung: Man fühlt sich Eins mit allen Wesen der Erde, mit der Erde selbst. Man ist in diese versenkt.

Auferstehung: Kann nur erlebt werden, weil die Worte der gewöhnlichen Sprache nicht ausreichen, dies zu schildern.

III. Dann ruft man sich die Gestalt des Christus Jesus vor die Seele und geht über zu der Vorstellung, in die man sich lange versenkt:

Ich, in Deinem Geiste.

Abends:

Rückblick auf das ganze Tagesleben.

I und III sind an allen Tagen gleich; nur II wechselt nach je 7 Tagen, wie beschrieben ist.

Nach Vollendung des Turnus II beginnt man wieder von vorne und so immer fort.

Nach längerer Zeit kann man die bei Beschreibung der christlichen Entwickelung angegebenen inneren und äußeren Symptome erleben:

Es ist notwendig, jeden Morgen zu meditieren und zwar durch ein Jahr hindurch in folgender Art:

I. Monat: vollkommene halbstündige Versenkung in die Worte Joh. Ev. 1,1-2
II. ebenso 1,3
III. ebenso 1,4
IV. ebenso 1,5
V. ebenso 1,6
VI. ebenso 1,7-8
VII. ebenso 1,9
VIII. ebenso 1,10
IX. ebenso 1,11
X. ebenso 1,12
XI. ebenso 1,13
XII. ebenso 1,14

Daran ist zu schließen eine weitere Meditation und zwar durch alle Jahreswochen hindurch:

I. Tag (Sonntag): vollkommene einviertelstündige Versenkung in: 1. Buch Mose 1,1-5
II. Montag: 1. Buch Mose 1,6-8
III. Dienstag: Buch Mose 1,9-13
IV. Mittwoch: Buch Mose 1,14-19
V. Donnerstag: Buch Mose 1,20-23
VI. Freitag: Buch Mose 1,24-31
VII. Sonnabend: Buch Mose 2,1-3

Die Zeitangaben in diesen und allen Übungen sind so zu verstehen, daß sie nicht nach der Uhr geregelt werden, sondern nach dem Gefühl, das man sich von der Zeit aneignet. Der Inhalt sämtlicher Bibelworte, welche zu der obigen Meditation gehören, ist so viel als möglich in ein Bild zu verwandeln und bildlich vorzustellen. Also z. B. Ev. Joh. 1,1-2 so: Das Bild einer gewaltig großen Kugel; innerhalb dieser Kugel alle Substanz in solcher Bewegung, daß sie sich formt nach der sinnvollen Bedeutung des sie durchklingenden «göttlichen Wortes». In meinen Vorträgen werden die Bausteine im Sinne esoterischer christlicher Tradition gegeben, welche die Seele dazu führen können, in die richtigen authentischen Bilder die Bibelworte zu verwandeln. So viel als möglich ist an diese Bausteine sich zu halten.

Nach der obigen Morgenmeditation ist dann jeden Tag durch wenigstens eine Viertelstunde das folgende in tiefer Meditation anzuschließen:

«Ich versuche zu verstehen: daß Christus war im ersten Drittel der kosmischen Evolution der Führer einer Geisterschar, in deren Schoß ich unbewußt war; daß ich zur Erlangung des Bewußtseins mich heraussondern mußte aus dieser Geisterschar, bis durch Jahve’s Vorbereitung meine Seele so weit war, bewußt die Christus-Kräfte zu empfangen; jetzt kann ich diese empfangen, wenn ich den geistigen Blick richte auf den fleischgewordenen Christus und sein Wesen aufnehme in mein Wesen.»

Dabei ist zu denken, daß das Wesen des Christus im Joh. Ev. dargestellt ist.

Im Laufe des Tages ist die Seele zu versenken in die vier Teile der Messe:


I. Evangelium, wobei man sich darunter vorzustellen hat, daß durch dasselbe für den Intellekt «Gottes Wort» zu den Menschen kommt.

II. Offertorium, wobei man sich vorzustellen hat, daß man dasjenige, was man von Gottes Wesen schon in sich hat freiwillig Gott zum Opfer bringt. III. Transsubstantiation, wobei man sich vorzustellen hat, daß sich das geopferte Menschliche in wahrhaft Göttliches umwandelt.

IV. Kommunion, wobei man sich vereinigt denkt mit Gott.

Wenn in wirklicher Priesterschaft der Messe mit diesen Gedanken beigewohnt wird, so vollzieht sich das hier angedeutete magisch.


Am Abend hat man sich in folgender Art die 7 Eigenschaften des christlichen Mystikers anzueignen:

  1. Gefühl echter Demut: alles Höhere verdankt sein Dasein dem niedrigen: Pflanze dem Stein, Tier der Pflanze, der höhere Mensch dem niedrigen. Bild: Fußwaschung: Neigung Christi hinunter zu den Aposteln.
  1. Gefühl der Duldsamkeit: Ich will in Geduld ertragen alle Schmerzen und Leiden des Lebens. Bild: Geißelung.
  1. Gefühl der Starkmut: Ich will stehen aufrecht, auch wenn das Heiligste von mir verunglimpft wird. Bild: Dornenkrönung.
  1. Gefühl der Unabhängigkeit vom Leibe. Bild: Kreuztragung: (Ich will meinen Leib als Fremdes tragen wie das Holz des Kreuzes).
  1. Gefühl des mystischen Todes: (Ich will lernen zu leben in dem an mir, was nicht Leib ist, worüber der Tod keine Gewalt hat). Bild: Am Kreuze hängen.
  1. Gefühl des Begrabenseins und der Auferstehung. (Ich betrachte die ganze Erde als meinen Leib).
  1. Dieses Gefühl der Himmelfahrt folgt von selbst aus den vorigen; es gibt nicht menschliche Worte, es auszusprechen.

Nach diesem am Abend: Rückblick auf die Erlebnisse des Tages. So, daß man in umgekehrter Folge vorstellt; bei dem letzten Erlebnis des Abends beginnt, beim ersten morgens schließt.


Äußere Regeln: So viel als möglich Enthaltungen üben: jede Enthaltung von einer Begierde, die dazu führt, daß man einen vorher begehrten Gegenstand nicht mehr begehrt, führt einen Schritt zur Erkenntnis weiter.

Die Übungen werden fortgesetzt so lange, bis neue gegeben werden; doch soll nach einiger Zeit mir berichtet werden, wozu der Übende sich gedrängt fühlt.

Studium ist notwendig: alles was zur Vertiefung in die kosmische Evolution und in das Wesen des Menschen führen kann



  1. Eine andere Übung, Archiv-Nr. 6804, lautet: «Jeden Abend: Einen Satz meditieren aus Joh. Ev. Kap. 8 Vers 12-59.» ↩

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