Zur Entstehungsgeschichte und Gestaltung der Schulhandlung: René Maikowski

Brief an Helmut von Kügelgen vom 30. 5. 1970 (Auszug)

... Als ich seinerzeit die Leitung des Hochschulbundes hatte und auch über Fragen des Jugendkreises und unserer damaligen Stuttgarter Arbeit mit Dr. Steiner häufiger sprach, stellte ich ihm eine Frage, die manche von uns damals bewegte, aber sehr verschieden angesehen wurde. Es empfanden manche von uns, wie die Christengemeinschaft durch ihren Kultus, unabhängig von Vorträgen oder anderem persönlichen Einsatz, eine tragende spirituelle Substanz hat, und es war die Frage, ob in einer unseren Aufgaben entsprechenden Form auch bei uns — wir hatten ja damals die «Freie Gesellschaft» begründet - eine entsprechende kultische Feier möglich sei (es war das noch vor der Weihnachtstagung und Einrichtung der Hochschule).

Zu meiner Überraschung ging R. Steiner durchaus positiv auf diesen Gedanken ein und charakterisierte, daß dies in gewisser Weise eine Fortführung dessen sein würde, was in der Opferfeier der Schule gegeben sei ... Er stellte die Möglichkeit einer esoterischen Arbeit dieser Art für die Gesellschaft als durchaus möglich hin und deutete an, daß er darauf zurückkommen werde, nachdem er danach gefragt worden war. Als dann mit der Weihnachtstagung und Einrichtung der Hochschule und 1. Klasse diesen Wünschen entsprochen worden war, sah ich darin die Bestätitigung des damals von ihm Gesagten. - Wesentlich war mir besonders bei diesem Gespräch diese Charakterisierung des Wesens der Opferfeier und Schulhandlungen ... und die Betonung des klaren und bewußten Erkenntnisweges, zu dem durch sie geführt wird ...

Brief an Gotthard Starke vom 29. 8. 1983 (Auszug)

... Als wir nach der Delegiertentagung (1923) die Arbeitsgruppen der Freien Gesellschaft aufbauten und gleichzeitig die Christengemeinschaft ihre Arbeit begann, kam es in unserem Mitarbeiterkreis zu einem Gespräch über unsere Aufgaben und unsere Arbeitsweise. Von einigen wurde festgestellt, daß die Christengemeinschaft es mit ihrer Arbeit leichter habe, da sie einen Kultus besitze, wir dagegen nur die Möglichkeit hätten, durch das Wort zu wirken. Man fragte sich, ob es wohl denkbar sei, daß für die Gesellschaft auch einmal ein Kultisches gegeben werden könnte. Die Meinungen waren geteilt. Ich wandte mich darauf mit dieser Frage an Dr. Steiner selbst. Er erklärte, daß dies wohl denkbar sei. So habe es vor dem Kriege ja auch die Esoterische Schule gegeben. In der Zukunft werde das (was damals noch in Anlehnung an die Theosophische Gesellschaft entstanden war) in anderer Gestalt gegeben werden. Es käme auch nicht die Form der Christengemeinschaft in Frage. Er charakterisierte darauf, wie auch später in Dornach (30. 12. 1922), die andersartigen Grundlagen von Anthroposophie und Christengemeinschaft. Eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung muß aus dem selben geistigen Strom hervorgehen wie die Schulhandlungen, gewissermaßen eine Fortsetzung dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war ...

German original of On the History and Development of the School Ritual: René Maikowski · ← Previous · Next →