Chronik zur Entstehungsgeschichte der Schulhandlungen

1919

  1. November — Elternabend in der Waldorfschule: Es wird, auf Anregung aus der Elternschaft und unterstützt von Emil Molt, über die Frage nach der Einrichtung einer Sonntagsfeier für die Kinder, die am freien Religionsunterricht teilnehmen, gesprochen.

Weihnachtszeit — Gespräch in Stuttgart: Friedrich Oehlschlegel und Herbert Hahn orientieren Rudolf Steiner über den Elternabend vom 3. November. Erstmals spricht Rudolf Steiner von einem Kultus für die Sonntagsfeier: «Das muß dann schon ein Kultus sein.»

Rudolf Steiner übergibt den Text der Sonntagshandlung und des vom Handlung Haltenden in Gedanken zu Beginn der Handlung zu sprechenden Spruches an Oehlschlegel und Hahn, die eine Abschrift anfertigen.

1920

  1. Februar — Erste Sonntagshandlung in der Waldorfschule in Stuttgart, gehalten von Herbert Hahn.
  1. Februar — Rudolf Steiner wohnt zum ersten Mal einer Sonntagshandlung bei.
  1. März — Konferenz mit Rudolf Steiner: «... Die Sonntagshandlungen sind nur für diejenigen Kinder, die am freien Religionsuntericht teilnehmen. Sie bieten einen Ersatz für die, welche keinen Ritus haben, für die Kinder und die Eltern. Die Sonntagshandlung ist mit Musikalischem abzuschließen, mit etwas besonderem Instrumentalen. Ein Hospitieren dabei für eingeladene Gäste soll nur stattfinden, wenn ich hier bin ...»
  1. März — Konferenz mit Rudolf Steiner: «Man kann die vier oberen Klassen vom freien Religionsunterricht zu der Feier vereinigen ...»
  1. Juni — Konferenz mit Rudolf Steiner. Es wird über den Vorbereitungsunterricht zur Jugendfeier und die Teilnahme von Eltern u.a. an der Sonntagshandlung sowie das Verhältnis Schule und Sonntagshandlung gesprochen: «Die Sonntagshandlung ist etwas im Rahmen der Schule Liegendes ...»
  1. November — Konferenz mit Rudolf Steiner, in der er u.a. auf eine Frage von Herbert Hahn erwidert: «Dann habe ich daran zu denken, Sie möchten eine Art Ritual für die Weihnachtshandlung haben.»

Weihnachtszeit — Herbert Hahn erhält von Rudolf Steiner den Wortlaut für die Weihnachtshandlung.

  1. Dezember — Erste Weihnachtshandlung, gehalten von Herbert Hahn.

1921

  1. März — Erste Jugendfeier

12.-16.Juni — 1. Theologenkurs in Stuttgart. Auf Wunsch Rudolf Steiners nahmen auch die Religionslehrer der Waldorfschule teil: Leonie Mirbach, Herbert Hahn, Ernst Uehli und Wilhelm Ruhtenberg. Als Verantwortlicher für die musikalische Gestaltung der Handlungen nahm auch der Musiklehrer Paul Baumann - in späteren Jahren ebenfalls Religionslehrer - teil. Veröffentlicht als Bd. I der «Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken», GA 342.

  1. Juni — Am Vormittag spricht Rudolf Steiner ausführlich über die Handlungen: «Und so sollte es auch schon sein, daß wir begleiten mit solchen ritualhaften Handlungen wichtige Lebenspunkte ...» - Am Nachmittag gibt Rudolf Steiner im Anschluß an die Frage von Paul Baumann betreffend das Musikalische im Kultus eine ausführliche Darstellung über den menschlichen Organismus, die Musik und den Kultus: «Und während zum Beispiel das Nichtmusikalische, das Lichthafte im Kultus dazu angetan ist, uns ein Weltgefühl beizubringen, ist das Musikalische dazu angetan, uns das Ichgefühl bis zum Göttlichen zu vertiefen ...»
  1. September — Konferenz mit Rudolf Steiner: «Vom 26. September bis 10. Oktober soll in Domnach der (2.) Theologenkurs stattfinden. Hahn, Uehli, Ruhtenberg, Mirbach werden hinfahren ...»
  1. Sept. bis 10. Oktober — 2. Theologenkurs. An ihm nahmen die in der Konferenz am 11. September (s.0.) genannten Lehrer teil. Leonie Mirbach ist zwar auf der Anmeldeliste notiert, jedoch fehlt ihr Name auf der Teilnehmerliste. Veröffentlicht als Bd. II der «Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken», GA 343.
  1. Oktober — Am Vormittag: Vortrag über den Religionsunterricht an der Waldorfschule und die Schulhandlungen im Rahmen des 2. Theologenkurses.
  1. November — Konferenz mit Rudolf Steiner: Es wird über die Frage nach einer besonderen Sonntagshandlung nur für die Lehrer gesprochen: «Natürlich, es kann etwas sehr Schönes herauskommen. Ich kann mir gut vorstellen, daß ein einheitliches Ringen möglich ist. Der Modus würde nicht so leicht zu finden sein. Wer soll das machen?» - Weitere behandelte Themen: Kultus und Meßopferartiges sowie die Esoterik in der anthroposophischen Bewegung. - Über die Sonntagshandlung: «Die Sonntagshandlung für die Kinder, ist die nicht an sich eine esoterische Angelegenheit für den einzelnen Menschen, der dabei ist, ganz gleich, ob er ein Kind ist oder nicht? ...»
  1. Dezember — Vortrag in Dornach im Rahmen eines öffentlichen «Weihnachtskurses für Lehrers:» Das Kultmäßige, das im Bilde an den Menschen herantritt, ist ja wirklich etwas, was von der Seite der Anschauung her in das Gemüt, in die religiöse Empfindung sich hineinzicht.» in: Die gesunde Entwickelung des Menschenwesens, GA 303, S. 154

1922

  1. Juni — Konferenz mit Rudolf Steiner: Über das Gebet und die Anknüpfung an die Stimmung der Sonntagshandlung im Religionsunterricht. Über die Anzahl der Handlungen, die Ausstattung des Raumes (lange Vorhänge) und die Evangelien-Texte. - Über die Messe in der Katholischen Kirche: «Die Messe wirkt doch grandios ...».
  1. September — Im Rahmen der Vorträge bei der Begründung der Christengemeinschaft spricht. hier Rudolf Steiner u.a., über das Verhältnis der Gemeinden der Christengemeinschaft zu den Waldorfschullehrern. Veröffentlicht in Bd. III der «Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken», GA 344.
  1. Oktober — Maria Röschl erhält für die Jugendfeier von Rudolf Steiner eine Übersetzung aus Joh.-Ev., Kap. 17, 1-8, 24, 26 (das sog. Hohepriesterliche Gebet) und fertigt eine Abschrift an.
  1. Oktober — Konferenz mit Rudolf Steiner: Es wird die Frage nach den inneren und äußeren Voraussetzungen für die Tätigkeit des Religionslehrers und Handlung-Haltenden erörtert.
  1. Dezember — Konferenz mit Rudolf Steiner; Über die Eignung der Lehrer, einen Kultus zu halten; über die Jugendfeier: keinen gesonderten Konfirmandenunterricht. — Die Ausgestaltung des Handlungsraumes und das Musikalische. - Innigkeit und Schlichtheit als Grundstimmung für den Kultus.
  1. Dezember — Besprechung Rudolf Steiners mit den Lehrern des Freien Religionsunterrichtes: Über die Verteilung der Handlungen auf die einzelnen Religionslehrer. - Auf die Frage «ob nach der Jugendfeier nicht etwas kommen könnte?» - sie war von der Schülerin Johanna Wohlrab an die Religionslehrer gerichtet worden -, antwortete Rudolf Steiner: «Das wollen wir weiter erwägen. Es ist nicht die Messe, die wir machen können. Ich möchte doch nicht die Messe hineinverpflanzen. Etwas Messe-Ähnliches können wir machen ...»

1923

  1. Januar — Konferenz mit Rudolf Steiner: «Es wird eine Opferfeier sein für den Sonntag, die wir demnächst einrichten werden ...»
  1. Januar — Konferenz mit Rudolf Steiner: Es wurde gefragt nach dem Raum für die Sonntagshandlung. «Es handelt sich darum, daß ich eine weitere Handlung geben werde, und danach wird auch das Bild sich richten ...»
  1. März — Konferenz mit Rudolf Steiner: Über die Teilnahme an den Handlungen: «Wir können es den Kindern doch nur freistellen, ob sie kommen wollen oder nicht ...» — Über das Verhältnis zur Christengemeinschaft. - Auf die Frage, ob neben der 10. und 11. auch die 9. Klasse an der Opferfeier teilnehmen sollte, antwortete Rudolf Steiner: «Die können auch teilnehmen.»
  1. März — Rudolf Steiner übergibt den Text der Opferfeier an Maria Röschl, Herbert Hahn und Karl Schubert. Auf dem Umschlag hatte Rudolf Steiner notiert: «Opferhandlung. Bei meiner nächsten Anwesenheit in Stuttgart bitte um Rückgabe des Manuskriptes.»
  1. März — Erste Opferfeier, gehalten von Maria Röschl, Herbert Hahn und Karl Schubert.
  1. März — Erste Opferfeier, gehalten nur für Lehrer.
  1. August — Vortrag in Ilkley, England, im Rahmen einer «Holiday Conference», veranstaltet von der «Educational Union for the Realisation of Spiritual Values»: «Auch eine Kultushandlung, die sogar dem Meßopfer sehr ähnlich ist, aber durchaus dem entsprechenden Lebensalter angemessen ist, ist verbunden mit diesem auf den freien Religionsunterricht gestützten religiösen Leben in der Waldorfschule.» Veröffentlicht in: Gegenwärtiges Geistesleben und Erziehung, GA 307, S. 208.

1924

  1. Februar — Konferenz mit Rudolf Steiner: Es wird darüber gesprochen, ob man die Handlungen im Hinblick auf den Jahreslauf ergänzen soll.
  1. Juni — Konferenz mit Rudolf Steiner: Es wurden die Fragen nach der Vereinbarkeit von freiem christlichen Religionsunterricht mit dem Religionsunterricht der Christengemeinschaft sowie der Sonntagshandlung in der Schule und in der Christengemeinschaft erörtert: «Eine Diskrepanz zwischen beiden in inhaltlicher Beziehung kann es eigentlich nicht geben ...» - Über die Jugendfeier, die Sonntagshandlung und die Konfirmation in der Christengemeinschaft.
  1. August — Fragenbeantwortung im Rahmen eines in Torquay, England, gehaltenen ‘«Bädagogischen Kurses für die Lehrer der in London neu zu begründenden Schule mit Waldorf-Pädagogik»: Zum Lehrplan des Religionsunterrichtes, die Schulhandlungen und den Kultus: «Er dient außerordentlich gut zur Vertiefung des religiösen Gefühls, wird von den Kindern außerordentlich weihevoll empfunden.» — Veröffentlicht in: Die Kunst des Erziehens aus dem Erfassen der Menschenwesenheit, GA 311, S. 142.»

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