Esoteric Lessons for the First Class II
GA 270 — 25 April 1924, Dornach
Zehnte Stunde
Meine lieben Freunde! Es kommt in der esoterischen Entwickelung - und das ist in der wirklichen Erkenntnis - alles darauf an, dass der Mensch den Weg finde, ein Verständnis dafür zu gewinnen, was es heißt, in einem Weltensein zu leben, zu dem die Sinne, die ganze körperliche Organisation keine Vermittler sind, zu leben also mit dem Geistig-Seelischen, das des Menschen wahre Wesenheit ist, in einer geistig-seelischen Welt.
Nun gibt es ja, um allmählich dahin zu kommen, so in der Welt mit seinem Geistig-Seelischen zu leben, nun gibt es ja dazu eben die verschiedensten mehr oder weniger auf das Meditative hinauslaufenden Übungen unserer Seele, Anstrengungen unserer Seele. Und ein Bild dessen, was eine Menschenseele durchmachen kann auf dem Wege vom Erleben der sinnlich-wirklichen Welt, der sinnenfälligen Welt, zum Erleben der geistigen Welt, das soll zunächst in diesen Klassenstunden durch die verschiedenen Betrachtungen und die Zusammenfassung dieser Betrachtungen in einzelnen Sprüchen, die dann je nach Möglichkeit und Bedarf von dem einen und dem anderen meditiert werden können, gegeben werden.
Wenn eine Zeit verflossen sein wird, so werden sich die Mitteilungen dieser Klassenstunden, die wirkliche Mitteilungen aus der geistigen Welt sind, wie ich öfter schon betont habe, sie werden sich so zusammenfügen, dass diejenigen, welche mitgemacht haben diese Betrachtungen - es ist das eben auch ein Karma für diejenigen, die da sein können -, dass diejenigen, die mitgemacht haben diese Betrachtungen, in ihnen ein abgeschlossenes Bild der ersten Stufe esoterischer Entwickelung haben.
Nun geht ja aus den verschiedensten Betrachtungen, die hier gepflogen worden sind, schon hervor, wie der Mensch allmählich, dadurch dass er sich erhebt über sein Erdendasein zu einem Miterleben des Kosmos, die Gefühle, die Empfindungen entwickeln kann, die ihn hinaustragen in jene Weiten der Welt, aus denen ihm dann entgegenkommt das Geistige. Solange der Mensch sich darauf beschränken will, nur in Verbindung zu treten durch seine Sinne und durch seinen Verstand mit demjenigen, was ihn sinnenfällig umgibt, solange ist es unmöglich, dass er irgendwie sich so leicht mache in seinem Seelisch-Geistigen, dass dieses Geistig-Seelische für sich auffassen könne, was eigentlich der Inhalt der dem Menschen zugänglichen Wahrheit ist.
Sehen Sie, meine lieben Freunde, ich habe des Öfteren betont: Der gesunde Menschenverstand kann alles dasjenige begreifen - wenn er sich nur genügend anstrengt und sich säubert von Vorurteilen -, was in der Anthroposophie dargeboten wird. Aber es ist geradezu mit Bezug auf dieses Begreifen des gesunden Menschenverstandes schon ein Prüfstein vorhanden dafür, ob jemand durch sein Karma heute wirklich berufen ist, an Anthroposophie teilzunehmen, oder ob er es nicht ist.
Sehen Sie, zwei Fälle sind möglich. Der eine Fall ist der, dass der Mensch hört von dem Inhalte anthroposophischer Wahrheit, dass der Mensch diesen Inhalt anthroposophischer Wahrheit auf sich wirken lässt und ihn einleuchtend findet. Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass alle diejenigen Freunde, die hier sitzen, zu dieser Gruppe von Menschen gehören. Denn derjenige, der nicht zu dieser Gruppe von Menschen gehörte und dennoch teilnehmen wollte an einer Klasse als Mitglied, der würde eigentlich in dieser Teilnahme nicht ehrlich sein. Und um die Ehrlichkeit handelt es sich zunächst in allem esoterischen Leben, um die restlose, das ganze seelisch-geistige Wesen des Menschen durchdringende Ehrlichkeit.
Nun gibt es eine andere Gruppe von Menschen, die findet heute dasjenige, was von Anthroposophie dargeboten wird, phantastisch, irgendwie nur dem Visionären angehörig. Diese Gruppe von Menschen, die zeigt durch dieses ihr Verhalten, dass sie karmagemäß nicht in der Lage ist, den gesunden Menschenverstand so weit abzulösen von der Körperlichkeit und von den Sinnen, um eben eine sinnenfreie Wahrheit, eine sinnenfreie Erkenntnis zu begreifen.
Es ist also das Gebundensein des gesunden Menschenverstandes an die Körperlichkeit oder das Nichtgebundensein, was eigentlich heute eine große Scheidung zwischen den Menschen hervorbringt. Denn wenn Sie in ehrlicher Weise Ihr Eigen nennen einen solchen gesunden Menschenverstand, der die Anthroposophie begreift, dann ist dieser gesunde Menschenverstand in dem Momente, wo er die Anthroposophie ehrlich begreift, unabhängig von der Leiblichkeit. Und dieser gesunde Menschenverstand, der die Anthroposophie ehrlich begreift, der ist überhaupt der Anfang des esoterischen Strebens. Und man sollte das schätzen, dass der begreifende gesunde Menschenverstand der Anfang des esoterischen Strebens ist. Man sollte das nicht übersehen. Dann wird man, wenn man von diesem Begreifen des gesunden Menschenverstandes ausgeht und sich nach den Anleitungen richtet, die eben in den dazu berufenen Schulen gegeben werden, dann wird man auch in den esoterischen Weg immer mehr und mehr hineinkommen. Man kann, je nachdem man das für sich geeignet findet, den einen oder den anderen der Sprüche, die hier gegeben werden, auf sich anwenden. Man muss nur damit zusammenhalten auch die Betrachtungen, welche die ganze Stellung eines solchen Spruches zum inneren menschlichen Leben charakterisieren.
Nun möchte ich heute wiederum eine der Hilfen geben, die den Menschen - sei es selbst nur zu einem solchen Ruck, den er selber noch gar nicht bemerkt und schätzt - aus dem Leibe herausbringen können.
Da handelt es sich darum, dass wir mit wirklich tieferem Empfinden in unserem Gemüte uns gewissermaßen hinstellen einmal - es kann auch in bloßen Gedanken geschehen - und betrachten um uns herum die mineralische Umgebung, betrachten die pflanzliche Umgebung, was sonst in unserer nächsten irdischen Umgebung ist, und machen uns so recht bewusst, wie eigentlich diese irdische Umgebung mit uns zusammenhängt, wie wir als Erdenmensch dadurch, dass wir eine physische Leiblichkeit an uns tragen, mit alledem zusammenhängen, was so an Mineralischem, Pflanzlichem, Tierischem und so weiter um uns herum ist. Und dann sagen wir uns in aller inneren Ehrlichkeit, wenn wir uns die Frage aufwerfen: Wozu das alles? Warum nehme ich die physischen Substanzen der Erde auf, nachdem ich geboren worden bin? Warum schleppe ich mich durch das Erdenleben von der Geburt bis zum Tode, um, wenn mein Organismus nicht mehr fähig ist, die irdischen Stoffe in sich zu verarbeiten, mit dem Tode das physische Erdenleben zu beendigen? - Wir müssen unseren Zusammenhang mit unserer physischen Umgebung, ausgehend von einem solchen persönlichen Menschenrätsel, recht tief empfinden. Dann empfinden wir aber auch immer mehr und mehr dasjenige, was Ausgangspunkt eines esoterischen Lebens sein kann. Dann fühlen wir uns wirklich innerhalb dessen, was wir im physischen Erdenleben tun, wie blind, wie im Finstern tappend.
Und betrachten Sie schließlich, meine lieben Schwestern und Brüder, betrachten Sie schließlich die Menschen, die mit der heute landläufigen Erziehung, nachdem sie geboren worden sind, in das irdische Leben hineingestellt werden, berufen werden durch die rein äußeren Verhältnisse zu dieser oder jener Arbeit im irdischen Leben: Den Zusammenhang dieser Arbeit mit dem Ganzen des menschlichen Seins begreifen sie nicht. Sie wissen vielleicht nicht einmal viel mehr, als dass sie arbeiten, um zu essen. Sie wissen ja nicht, dass schließlich in der Pflanze, die sie genießen, kosmische Kräfte aus den Weltenweiten enthalten sind, die den Weg durch den menschlichen Organismus nehmen und dadurch auch in gewissem Sinne eine kosmische Entwickelung durchmachen. Nicht einmal diesen ersten Blick können sich viele Menschen heute wegen des Materialismus der Zeit aneignen. Aber sich zunächst gestehen, dass man durch die bloße Betrachtung desjenigen, was Erdenverhältnisse sind, geistig blind im Leben dasteht, in Finsternis lebt, das ist der Ausgangspunkt einer wirklichen esoterischen Entwickelung.
Und dann wende man den Blick ab von demjenigen, was einen im irdischen Leben umgibt, und wende - entweder in Gedanken oder wenn man davon unterstützt sein will, kann man es ja auch in der Wirklichkeit tun -, man wende den Blick hinauf zu dem sternenbesäten Himmel. Man schaue die Wandelsterne, man schaue die Fixsterne, man durchdringe sich mit der unendlichen Erhabenheit desjenigen, was einem da aus dem Weltenall entgegenglänzt, und man sage sich: Als Mensch hängt man ebenso zusammen mit dem, was da aus den Weltenweiten herunterglänzt, wie man zusammenhängt als Mensch mit dem, was einen in der physischen Umgebung umgibt.
Da haben wir wirklich zunächst bei diesem Aufblicken nach dem sternenbesäten Himmel ein Gefühl, dass wir nun nicht im Finstern leben, sondern dass wir frei werden von dem Leben in der Finsternis, indem wir mit unserm geistig-seelischen Dasein uns aufschwingen zu den Sternen, uns aufschwingen zu dem, was die Sterne in ihren Gruppen als Bilder darstellen. Und, sehen Sie, wenn der Mensch wirklich sich versenken kann in diesen Anblick des Sternenhimmels, dann wird der Sternenhimmel eine ganze Fülle von Imaginationen. Sie kennen alte Bilder, in denen man nicht bloß Sterngruppen gemalt hat, sondern in denen man die Sterngruppen zusammengefasst hat symbolisch-wirklich in Tiere. Man hat nicht bloß die Gruppe der Sterne, die im Widder sind, die Gruppe der Sterne, die im Stier sind, als Gruppen aufgezeichnet, sondern man hat symbolisch das Widderbild, das Stierbild und so weiter hingestellt.
Heute denken sich die Menschen: Nun ja, das ist eine Willkür gewesen bei älteren Erdenbewohnern, weil die Sternbilder so benannt worden sind, dann das Bild hinzumalen. Aber so war es ja nicht, sondern tatsächlich: In Urzeiten, die Hirten auf dem Felde, die nicht bloß mit dem physischen Auge hinausgeschaut haben in den sternenbesäten Himmel, sondern die auch in Traumesbewusstsein oder in Schlafesbewusstsein versunken sind draußen bei ihren Herden, die wendeten mit geschlossenen Augen die Seele gegen den Weltenraum. Und dann sahen sie nicht dasjenige, was das äußere Auge als Sterngruppen sieht, sondern dann nahmen sie in der Tat, wenn auch etwas anders, als man es später gemalt hat, jene Bilder, jene Imaginationen, die den Weltenraum erfüllen, wahr.
Und wir können nicht mehr zurückkehren zu demjenigen, was in instinktivem Hellsehen in der eben beschriebenen Art die einfachen Hirten einmal erlebt haben. Aber wir können etwas anderes. Wir können mit einer viel größeren Besonnenheit uns hineinversetzen - entweder in Gedanken oder in Wirklichkeit - in den Sternenhimmel. Wir können empfinden die Tiefe und zu gleicher Zeit das ungeheuer Majestätische, das uns da entgegenglänzt und entgegenleuchtet. Und wir kommen allmählich in eine innere Verehrung hinein desjenigen, was da in den Weltenweiten sich ausdehnt. Und die Verehrung selber, das Inbrünstige der Verehrung, das ist es, was hervorrufen kann aus unserer Seele das Erlebnis, dass die äußeren Sinnesbilder der Sterne verschwinden und der Sternenhimmel für uns eine Imagination wird. Dann aber, wenn der Sternenhimmel für uns eine Imagination wird, dann fühlen wir uns mitgenommen von unserem Seelenblicke.
Sehen Sie, noch zu Platos Zeiten fühlte man auch für das physische Auge etwas ganz Besonderes, wenn es schaute. Plato beschreibt selber das Sehen noch so, dass, wenn ich also hinschaue auf einen Menschen - es ist in Platos Sinn das Sehen beschrieben -, so geht etwas vom Auge hin, das spürte man in alten Zeiten, strömt etwas vom Auge aus und umgreift den Menschen. Das Ätherische strömt aus. So, wie - wenn ich die physische Hand ausstrecke und etwas ergreife - ich weiß, dass ich mit meiner physischen Hand bis zu dem Ergriffenen verbunden bin, so wusste man in den Zeiten jenes alten instinktiven Hellsehens, dass etwas Ätherisches vom Auge ausgeht und umfasst dasjenige, was angeschaut wird. Heute glaubt man eben nur, das Auge ist hier, das Gesehene ist dort. Da sendet das Gesehene Ätherbewegungen aus, die trommeln auf das Auge, und das Getrommel, das wird dann von irgendeiner Seele - von der ja auch der Materialist spricht, aber er stellt sich darunter nichts vor -, das wird dann von irgendeiner Seele wahrgenommen. Aber so ist es nicht. Es ist nicht bloß eine Einwirkung von dem Gegenstande auf den Menschen, es ist tatsächlich auch ein Ausströmen des innerlich Ätherischen vom Menschen.
Und wir nehmen unseren Ätherleib in seiner Weltzugehörigkeit wahr, wenn für uns der sternenbesäte Himmel das große Blatt der Welt wird, auf dem die imaginativen Geheimnisse des Weltendaseins eingeschrieben sind, wenn wir sie zu schauen vermögen.
Und dann kommt uns die Empfindung: Wenn du auf der Erde hier bist, bist du in der robusten sinnlichen Wirklichkeit. Aber du bist blind, du lebst im Finstern. Wenn du dich mit deinem Gemüte aufschwingst, so lebst du in dem, was dir sonst nur aus den Weiten des Weltenalls hereinscheint. Im Scheine des weiten Weltenalls lebst du. Aber du nimmst zu gleicher Zeit dein eigenes ätherisches Dasein hinaus in die weiten flutenden Ströme dieses Scheins der Welt. Du gehst mit mit deinem ätherischen Dasein.
Und der Schein hört auf, ein Schein zu sein. Er kann ja nicht ein Nichts sein, wenn wir uns in ihn hineinversenken. Wir dehnen unsere innerlich erlebte Wirklichkeit in diesen Schein aus. Und das Erleben dessen, was ich eben beschrieben habe, wird zu einem Weben im Schein des Kosmos. Vorher lebten wir blind in der Finsternis des Erdendaseins. Nun leben wir uns hinaus, indem wir webend werden mit unserem ätherischen Dasein in dem Scheine des Kosmos.
Aber wenn wir diese Empfindung haben, dass wir weben in dem Scheine des Kosmos - ich werde also zuerst bildhaft aufzeichnen: [es wird gezeichnet; siehe Seite 762:] das Leben blind in der Finsternis des Erdendaseins [weißer Kreisbogen], das Hinausleben in die Weiten der Welt [gelbe Strahlen], an deren Ende die Weltenimaginationen von uns durch Ehrfurcht vor dem Sternenscheine empfunden werden können [rote Wellen].
Aber nun haben wir uns hinausgewoben, nun sind wir mit unserem ätherischen Sein ja in diesem imaginativen Weltengewebe darinnen. Wenn wir es dahin bringen, in diesem imaginativen Weltengewebe darinnen zu sein, sind wir ja nicht mehr im physischen Leibe. Wir haben uns durch den leeren Äther hindurchgerungen bis zum Erleben der Weltenimaginationen.
Sehen Sie, das ist nun gerade so, als wenn in der physischen Welt hier jemand etwas hinschreibt, und wir haben lesen gelernt, wir lesen es. Durch unser Hinausweben in den Kosmos - die Götter haben in den Kosmos hineingeschrieben für uns die Weltenimaginationen kommen wir da draußen an, schen wir diese Weltenimaginationen von der anderen Seite. [Pfeile in der ersten Zeichnung.] Wir leben erst hier auf der Erde [zweite Zeichnung: innerer Kreis]; wir schwingen uns auf bis zu den Weltenimaginationen [zweite Zeichnung: äußerer Wellenkreis]; da aber lesen wir von außen [zweite Zeichnung: Pfeile].
Ja, meine lieben Freunde, meine Schwestern und Brüder, der Tierkreis spricht eine bedeutungsvolle Sprache, wenn man ihn nicht von der Erde aus ansieht - Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe -, sondern wenn man ihn von außen umkreist. Und es ist eine Tat unseres Bewusstseins, ihn von außen zu umkreisen. Da fangen wir an, die Weltengeheimnisse zu lesen. Und was wir lesen, das sind die Taten der geistigen Wesenheiten. In einem Romane lesen wir von Menschentaten. Wenn wir von der anderen Seite aus den Tierkreis ansehen und lesen dasjenige, was wir von der Erde aus gewissermaßen von hinten ansehen, wie es Moses bedeutet wird, dass er Gott nur immer von hinten anzusehen hat von der Erde aus - die Initiation besteht eben darinnen, dass von der anderen Seite angesehen wird —, da wird es nicht bloß ein Anstarren, da wird es ein Lesen. Und dasjenige, was man liest, sind die geistigen Taten der geistigen Wesenheiten, die das alles zustande gebracht haben.
Und wenn wir genügend lange in dieser Stummheit lesen, wenn wir unser inneres Seelisches vertiefen in dieses Lesen, dann beginnen wir zu hören auf geistige Art. Dann sprechen die Götter mit uns. Dann sind wir in der geistigen Welt drinnen, wenn die Götter mit uns sprechen.
Nun, sehen Sie, meine lieben Schwestern und Brüder, es ist so, dass der Eingeweihte Ihnen erzählen kann: Die Seele kann sich hinausweiten, webt in den Weiten des Kosmos, bekommt die Weltenimaginationen, schaut, von der anderen Seite lesend, die Geistestaten an, wird fähig, zu hören auf geistige Art die Sprache der Götter. — ‚Aber wenn man sich in das, was da der Eingeweihte erzählt, wirklich vertieft, sinnig vertieft, gemütvoll vertieft, herzlich vertieft, wenn man das nicht bloß aufnimmt mit Gier und sagt: Nun, wenn ich’s auch könnte, würde es mir gefallen; da würde es mich interessieren, aber so kümmere ich mich nicht darum; sondern wenn man es aufnimmt als etwas, was einem gesagt wird, dass es möglich ist, wenn man anfängt, solch eine Sache als etwas zu betrachten, das man verehren kann, das man lieben kann, das man immer wieder und wieder durchmeditiert, dann ist das der Weg, selber erst hineinzukommen in das esoterische Leben.
Und so finden Sie diesen Weg, wenn Sie sich meditierend vertiefen in die Worte:
[Der erste Teil des Spruches wird an die Tafel geschrieben; siehe Seite 763:]
1 Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
2 Ich webe in dem Schein der Sterne,
3 Ich lese in der Geister Taten,
4 Ich höre in der Götter Sprache.
Mit der nötigen Empfindung das innerlich meditativ erlebt, wirkt Wunder in der menschlichen Seele, verwandelt die menschliche Seele. Das muss im Rhythmus immer wieder und wieder durch die Seele fließen, denn es führt den Menschen eigentlich durch sein eigenes, in ihm enthaltenes Weltwesen.
Aber es ist notwendig, dass eine solche Sache sich recht verinnerlicht und dass man, nachdem dies doch mehr zu dem Kopfe spricht, auch noch mit dem Herzen sich beteiligt an dem ganzen Gang, den man da macht hinaus in das ätherische Weltenall, dann in das geistige Weltenall, das heißt auf die andere Seite des Weltenalls. Es ist notwendig, dass man zu einem solchen Gang das Herz in seinem Erleben mitnimmt und rege macht in sich die Empfindungen, die durchaus naturgemäß sich angliedern können an ein solches Sichhinausversetzen. Aber man muss diese Empfindungen richtig rege machen. Und deshalb ist es gut, wenn man diesen ganzen meditativen Weg so macht; man gehe zunächst auf in einem vollständigen innerlichen Schauen dessen, was da liegt in den Worten:
Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
Ich webe in dem Schein der Sterne,
Ich lese in der Geister Taten,
Ich höre in der Götter Sprache.
Dann versuche man, dies so sich vorzustellen, als ob es jemand zu einem spräche wie aus einer Geistestiefe heraus, als ob man’s nicht dächte, sondern als ob man’s hörte, als ob es ein anderes Wesen zu einem spräche. Man stelle sich wirklich vor, dass ein anderes Wesen es zu einem spricht aus unbekannten Tiefen her. Dann versuche man, die richtigen Gefühle für dasjenige, was man da hört, zu entwickeln. Diese richtigen Gefühle leben in dem zweiten Teil des Spruches:
[Der zweite Teil des Spruches wird an die Tafel geschrieben]
5 Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis,
6 Tröstend ist mir der Sterne Schein.
Indem ich mir bewusst bin, dass ich eigentlich in der Erde Finsternis wie blind lebe, sehne ich mich hinaus. Da wird mir zum Tröster der Sterne Schein, der mein Wesen weitet:
Tröstend ist mir der Sterne Schein.
Nun von der anderen Seite:
7 Lehrend sind mir der Geister Taten,
— wenn ich sie lese —
8 Schaffend ist mir der Götter Sprache.
Nun gebrauchen Sie das recht. Stellen Sie sich lebhaft vor dieses innere Meditative, das Sie da durchmachen. Wie aus Geistestiefen, wie wenn es Ihnen jemand zuspräche, so hören Sie die Zeilen des oberen Spruches, bringen jeder Zeile das entsprechende Gefühl entgegen, sodass Sie in der Meditation erleben: zuerst anhören, dann Empfindung entgegenbringen; anhören, Empfindung entgegenbringen und so weiter.
[Während des Sprechens der folgenden Zeilen werden an der Tafel die Zeilen 1 und 5, 2 und 6, 3 und 7, 4 und 8 durch Bögen miteinander verbunden:]
Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis. Ich webe in dem Schein der Sterne,
Tröstend ist mir der Sterne Schein. Ich lese in der Geister Taten,
Lehrend sind mir der Geister Taten. Ich höre in der Götter Sprache,
Schaffend ist mir der Götter Sprache.
Eine Meditation zunächst im Zwiegespräch, eine Meditation, bei der Sie das erste immer verobjektivieren, das zweite aber wie ausströmend von Ihrem Herzen empfinden.
Dann aber versuchen Sie noch einmal, sich zu vergegenwärtigen, wie das eine in dem andern wirkt und webt, und versuchen Sie dann, willensgemäß in sich zu erleben, was Sie durch das Zwiegespräch erleben können.
[Der dritte Teil des Spruches wird in Verbindung mit dem ersten und zweiten Teil entwickelt und dabei als Zeile 9, 10, 11, 12 an die Tafel geschrieben;]
Aus Geistestiefen tönt es:
Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
das Herz antwortet:
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis.
Der Wille empfindet den Impuls im Zwiegespräch von Zeile 1 und 5:
9 Der Erde Finsternis verlöschet mich.
Man erinnert sich hinterher, nachdem man das Zwiegespräch geführt hat, an den Wechsel der Zeilen 2 und 6, das da war:
Ich webe in dem Schein der Sterne,
Tröstend ist mir der Sterne Schein. 10 Der Sterne Schein erwecket mich.
Man erinnert sich nachträglich an dasjenige, was aus Geistestiefen heraus tönt, und die Antwort des Gemüts:
Ich lese in der Geister Taten,
Lehrend sind mir der Geister Taten.
Das Wollen empfindet dabei:
11 Der Geister Taten rufen mich
hin in die geistige Welt.
Und nun das Erhabenste, wo man sich fühlt wie im Zwiegespräch mit den Göttern selber, wo die Götter nicht nur lesen lassen, sondern sprechen:
Ich höre in der Götter Sprache,
Schaffend ist mir der Götter Sprache. 12 Der Götter Sprache zeuget mich
bringt mich hervor, zeuget mich.
Nun stellen Sie sich diese ganze Meditation vor. Die ganze Meditation verläuft so: Zwiegespräch - Zeile für Zeile - mit einem in dunklen Geistestiefen anwesenden geistigen Wesen, das immer die Zeile, die oben im Spruch steht, zu uns spricht. Das Herz gibt immer Antwort:
Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis. Ich webe in dem Schein der Sterne,
Tröstend ist mir der Sterne Schein. Ich lese in der Geister Taten,
Lehrend sind mir der Geister Taten. Ich höre in der Götter Sprache,
Schaffend ist mir der Götter Sprache.
Nun erinnere ich mich an jedes einzelne und füge den Ausfluss des Willens hinzu wie eine Erinnerung an das eben Abgelaufene:
Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis,
Der Erde Finsternis verlöschet mich. Ich webe in dem Schein der Sterne,
Tröstend ist mir der Sterne Schein,
Der Sterne Schein erwecket mich. Ich lese in der Geister Taten,
Lehrend sind mir der Geister Taten,
Der Geister Taten rufen mich. Ich höre in der Götter Sprache,
Schaffend ist mir der Götter Sprache,
Der Götter Sprache zeuget mich.
Das ist die rechte Überzeugung, zu der wir kommen im Zwiegespräch des Meditierens, im Erinnern des Zwiegespräches und im Bekräftigen des Erinnerten aus dem Willen heraus.
Wenn wirklich erstens mit innerer andächtiger Stimmung, zweitens so, dass wir mit voller Seele, mit innigem Anteil dabei sind, dasjenige gemacht wird, was ich eben beschrieben habe, innerlich erlebt vorgestellt wird, wenn man es nicht nimmt wie ein mechanisches Meditieren, sondern wie ein rechtes Erleben der Seele, dann wirkt diese Herstellung der Beziehung zur geistigen Welt tatsächlich weckend auf die Seele.
Man muss nur wirklich auch beim letzten Spruch, der ja in der Art, wie ich es angedeutet habe, erlebt werden soll im Erinnern an Rede und Gegenrede - Rede des Geistes, Gegenrede des Herzens -, man muss nur richtig empfinden, wie man erst das Bewusstsein, das man ja erringen will, wie ausgelöscht findet durch die Finsternis der Erde. Man muss sich fühlen, wie wenn ein Moment des auslöschenden Schlafes über das Bewusstsein käme und wie wenn Erwachen da wäre bei der zweiten Zeile, wie wenn nach dem Erwachen der Ruf der Geister zu sich hin von uns gehört würde, wie wenn man nachher fühlte: Die Geister haben uns gerufen, damit sie aus ihres eigenen Wesens Wort, aus dem Weltenworte heraus, uns als geistig-seelisches Wesen hineinstellen in die geistige Welt, in ihr uns hervorbringen, in ihr uns zeugen.
Wenn diese Nuancen des inneren Erlebens ablaufen in der Seele - dazu die Vorstellungen da sind des geistigen Wesens, das zu uns spricht -, in der Lebendigkeit unseres Herzens, welche dem geistigen Wesen ihre Hingabe entgegenbringt, ja dann, dann sind das Regungen in unserer Seele, die diese Seele allmählich wirklich auf den esoterischen Weg bringen. Und wir müssen uns ja nur klar darüber sein, dass, während wir, so gut wir es eben können, solche drei Sprüche in der Art, wie ich es eben beschrieben habe, in unserer Seele erleben, im Unterbewussten unsere Seele da etwas Mächtiges durchmacht. Wenn wir nur ehrlich in diesen drei Sprüchen, so wie ich es beschrieben habe, leben, so macht unsere Seele das durch, unbewusst, dass sie immer, wenn die erste Zeile ertönt, eigentlich am Ausgangspunkt des Erdenlebens ist, da, wo der Ätherleib erst gebildet worden ist.
Können wir recht lebhaft uns vorstellen, dass aus dem Geiste heraustönt:
Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
dann nähern wir uns - im Unbewussten - mit diesem Anhören im Geiste dem Momente, wo unser Ätherleib gebildet worden ist; und aus dem vorirdischen Dasein, aus dem Dasein zwischen Tod und neuer Geburt heraus wirkt die Kraft, mit der wir ehrlich in unserem Herzen dem entgegenbringen:
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis;
denn das Sehnen nach dem Geistigen haben wir ja als Erbschaft aus dem vorirdischen Dasein.
Und wiederum ist es so, dass wir an den Anfang des Erdendaseins versetzt werden. Und dasjenige, was dann herzlich aus uns heraus wirkt, das ist es, wozu wir befeuert werden aus dem vorirdischen Dasein.
Ich webe in dem Schein der Sterne:
Versetzen an den Anfang unseres Erdendaseins.
Den richtigen Trost, den uns der Sterne Schein geben kann, empfinden wir, dadurch dass wir zurückversetzt werden, in der Antwort unseres Herzens:
Tröstend ist mir der Sterne Schein.
Ich lese in der Geister Taten:
Zurückversetzen an den Erdenanfang.
Erinnern, wie man belehrt worden ist von geistigen Wesenheiten im vorirdischen Dasein:
Lehrend sind mir der Geister Taten,
unter denen ich selber gelebt und gewoben habe, bevor ich heruntergestiegen bin auf die Erde.
Ich höre in der Götter Sprache:
Die haben wir gehört zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wir empfinden, dass das, was die Götter sprechen, nicht bloß mitteilend ist wie das, was die Menschen sprechen; wir vernehmen, dass der Götter Sprache schaffend ist:
Schaffend ist mir der Götter Sprache.
Dann aber, wenn wir das so wahrnehmen können, dann bekommt auch Zeile 9, 10, 11, 12 den rechten Sinn:
Ich lebe in dem finstren Erdbereich,
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis,
[Zeile 9 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 1 und 5 miteinander verbindet:]
Der Erde Finsternis verlöschet mich,
tilgt aus mein gegenwärtiges Erdenleben, weil ich zurückgeführt werde, hindurch durch den Bereich zwischen Tod und neuer Geburt, in meine frühere Inkarnation. Die erahne ich; deshalb verlöscht mein Bewusstsein, denn mein Bewusstsein war bisher das der gegenwärtigen Inkarnation. In diesem Momente des Schlafes werde ich zurückversetzt, sodass ich erahnen kann: Meine frühere Erdeninkarnation webe ich.
Ich webe in dem Schein der Sterne,
Tröstend ist mir der Sterne Schein,
[Zeile 10 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 2 und 6 miteinander verbindet:]
Der Sterne Schein erwecket mich.
Ich werde zurückversetzt, wie ich in dem, was ich in der vorigen Inkarnation war, wie erweckt werde. Es geht mir auf das Karma, es geht mir auf der Schicksalszusammenhang, es geht mir auf von der anderen Seite:
Ich lese in der Geister Taten,
Lehrend sind mir der Geister Taten,
[Zeile 11 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 3 und 7 miteinander verbindet:]
Der Geister Taten rufen mich
zur Erfüllung meines Karmas mit den Kräften, die aus meinem vorigen Erdenleben stammen.
Ich höre in der Götter Sprache,
Schaffend ist mir der Götter Sprache,
[Zeile 12 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 4 und 8 miteinander verbindet:]
Der Götter Sprache zeuget mich.
Alles, was ich bin, wird mir klar, wenn mein früheres Erdendasein das gegenwärtige durchdringt und durchglänzt und durchwebt und durchbebt. Denn da bin ich. Erst mein jetziges Ich ist ein Werdendes, ist ein Keim, der erst seinen Sinn bekommen wird, wenn ich durch die Pforte des Todes durchgegangen sein werde. Das, was mir aus dem vorigen Erdendasein in das gegenwärtige hereinglänzt, hereinwebt, hereinwirkt, das macht mich zum seienden Menschenwesen, das zeugt mich als seiendes Menschenwesen.
Durchdringen wir uns damit, dass das so ist, dass wirklich - während wir glauben, nur in der gewöhnlichen Welt des physischen Erdendaseins zu sein - unsere Seele diesen Gang zurück bis ins vorige Erdenleben durchmacht, dann werden wir uns von der Gewichtigkeit desjenigen, was wir mit einer solchen Sache erleben, bewusst. Und im Bewusstsein dieser Gewichtigkeit, die wie ein warmer, leuchtender Strom durch unser ganzes Denken und Wollen und Fühlen strömt, da werden wir dann mit jenem innerlichen Zaubergefühle unsere Meditation durchsetzen, welches notwendig ist, damit die Meditation in der richtigen Weise wirkt. Man darf es ein innerliches Zaubergefühl, ein magisches Gefühl nennen aus dem Grunde, weil es sich mit keinem Gefühl, das wir sonst auf der Erde haben, vergleichen lässt, weil es gefühlt ist ganz unabhängig von aller Körperlichkeit. Wenn wir auch noch nicht mit unserem Denken, mit unserem Vorstellen hinauskommen können aus dem physischen Leibe, dieses Zaubergefühl, dieses magische Gefühl, das wir aus der Gewichtigkeit dessen heraus, was wir seelisch tun, erleben, das steht in der reinen geistigen Welt da. In diesem Zaubergefühl, in diesem magischen Gefühl erleben wir rein geistig-seelisch; wir stehen in der geistig-seelischen Welt drinnen.
In der Art, wie wir erleben, erfüllt sich uns das esoterische Streben. Und das ist es zunächst, was ich heute verpflichtet war, auf Ihre Seele zu legen, meine lieben Schwestern und Brüder.
Ich möchte nur noch am Schlusse eine Mitteilung machen. Es sollte nicht sein, dass, ohne dass jemand anfrägt, ob er das tun dürfe, dasjenige, was hier als Sprüche gegeben wird und auch als Mitteilungen, dass er das irgendwie weiter mitteilt. Es muss ein realer Zusammenhang sein. Sodass tatsächlich eben nur nach Anfrage von dem einen zu dem andern mitgeteilt werden kann oder Gruppen mitgeteilt werden kann. Insbesondere aber soll es streng verpönt sein, meine lieben Freunde, dass irgendetwas von diesen Sprüchen oder auch von ihrer Interpretation per Post versendet werde. Per Post dürfen die Dinge nicht versendet werden, und ich bitte, das recht ernst und streng einzuhalten.