Esoteric Lessons for the First Class II

GA 270 — 2 May 1924, Dornach

Elfte Stunde

Meine lieben Freunde! Sie sind ja wohl alle heute morgen erschüttert worden durch die Nachricht von dem Hinweggehen Miss Maryons von dem physischen Plane - allerdings ein Ereignis, das lange voraus gewusst werden konnte und das ja erfolgte nach einem Leiden, das wirklich ein sehr schweres war und mehr als ein Jahr gedauert hat.

Ich werde morgen, wenn die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft sämtlich anwesend sind, dasjenige hier sagen, was ich über diesen Hinweggang Miss Maryons von dem physischen Plan zu sagen habe. Für heute sei nur das gesagt, dass auch die erste Klasse eine wirklich ihr treu ergebene Schülerin verloren hat; denn unter denjenigen, die mit innigem Fleiß und mit wahrer Innigkeit gehangen haben an dem, was diese erste Klasse gegeben hat, war eben Miss Maryon obenan. Sie hat trotz ihrer schweren Krankheit nicht nur Anteil genommen an demjenigen, was hier esoterisch entwickelt worden ist, sondern auch die Übungen, die hier gegeben worden sind, auf sich wirken lassen und mit ihnen in einer außerordentlich innigen Weise gelebt.

Das alles beruhte bei ihr darauf, dass sie ja eigentlich schon als Esoterikerin zu uns gekommen ist. Sie gehörte ja einer esoterischen Schule ganz anderer Richtung an, bevor sie den Übergang zur Anthroposophischen Gesellschaft gefunden hat, und hat aus dieser esoterischen Schule heraus in einer raschen Weise vollzogen die vollständige Umwandlung in das Anthroposophische hinein. Sodass gerade ihr das Esoterische das eigentlich Wesentliche war und sie in diesem ganz besonders intensiv gelebt hat die Jahre, in denen sie bei uns auf dem physischen Plan war, leben wird nunmehr, nachdem sie von dem physischen Plan, aber nicht, ganz gewiss nicht von der AnthroposoPhie weggegangen ist.

Nur das sei heute gesagt, mehr geziemt sich ja wohl nicht, da sozusagen die Hingegangene eben erst den physischen Plan verlassen hat. Und ich werde dann die Aufgabe haben, morgen, wenn die Mitglieder, die Freunde sämtlich versammelt sind, dasjenige hier zu sagen, was zu sagen ist.

Meine lieben Freunde, es handelt sich darum, dass innerhalb des esoterischen Strebens der Mensch anschauen wenigstens muss dasjenige, was, indem es auf ihn wirkt, ihn die Wege geleitet, auf denen die wirkliche Erkenntnis in geistigen Dingen zustande kommt. Gewiss, wie weit der eine oder der andere kommt in der Verfolgung dieses Weges, das hängt ja von seinem Karma ab, das hängt davon ab, welche Bedingungen er aus früheren Erdenleben mitbringt.

Aber nicht allein davon, sondern — wie ja auch aus exoterischen Vorträgen, die hier gehalten worden sind, hervorgeht - es hängt auch davon ab, welche Leiblichkeit und welche Weltensituation der Mensch in diesem Erdenleben schicksalsgemäß vorfindet. Da sind mancherlei alte karmische Reste abzutragen, die da hindern, alles dasjenige zu verfolgen und zu erreichen, was durchaus in der Anlage aber vorhanden sein kann. Und so kann manches, was vielleicht ohne diese karmischen Reste in kurzer Zeit erreicht werden könnte, nur in einer langen Zeit erreicht werden.

Niemals sollen wir, meine lieben Schwestern und Brüder, irgendwie verzagen, irgendwie die Geduld oder Energie verlieren, sondern unseren Weg gehen. Wenn die rechte Zeit herangekommen ist, werden wir finden, ja wir werden finden dasjenige, was uns vorgezeichnet ist. Denn jedem Menschen ist einmal sein Lebensweg - trotz aller, ja vielleicht sogar wegen aller Freiheit - für gewisse Linien des Lebens durchaus vorgezeichnet. Jeder Mensch ist zu seiner Weltenaufgabe aufgerufen und wird sie dann vollenden, wenn er den guten Willen dazu hat.

Hier in dieser Hochschule für Geisteswissenschaft soll wirklich alles dasjenige wieder aufleben, aufleben in der rechten Form unserer Zeit und der künftigen Zeit, was in den Mysterien gelebt hat, damals, als diese Mysterien in ihrer besonderen Blüte waren. Auf die Blütezeit der Mysterien — die eigentlich schon vergangen war, als sich das größte Mysterium, aber ich möchte sagen, auch am meisten verhüllt vor die Weltgeschichte hinstellte: das Mysterium von Golgatha -, auf die Blütezeit der Mysterien, die da schon vorüber war, folgte dann die Zeit, in der die Mysterien in der geistigen Entwickelungsgeschichte der Menschheit zurückgegangen waren, in der die Menschen, gerade weil die Mysterien zurückgegangen waren, immer mehr und mehr aufgenommen werden konnten in diejenige Strömung des Weltenganges, der ihnen die Freiheit gibt. Aber nunmehr ist eben doch die Zeit gekommen, innerhalb welcher die Mysterien in der Form, in der sie nunmehr sein müssen, wiederum im vollsten Sinne des Wortes aufzuleben haben. Und man wird einmal, wenn über diese Dinge in der Welt in der richtigen Weise wird gedacht werden, die Aufgabe des Goetheanums würdigen, indem man erkennen wird, dass es diesem Goetheanum oblag, die Mysterien zu erneuern. Und nur, meine lieben Schwestern und Brüder, wenn wir uns durchdringen mit dem Willen, diese Schule so aufzufassen, dass sie durch uns eine Erneuerung der Mysterien darstellen soll, stehen wir in der richtigen Weise in diesen Mysterien drinnen und auch in der Schule drinnen.

Gerade wenn Ihr Euch erinnert an dasjenige, was in der letzten Klassenstunde hier vorgebracht worden ist, so kann das eben Gesagte recht lebendig in Eurem Gemüte werden. Denn da ist bereits der Übergang gemacht worden dazu, die Meditation wirklich unmittelbar in das Erleben des Menschen so hineinzustellen, dass der Mensch sich in der Meditation loslöst von den engen Grenzen seiner Persönlichkeit.

Wir haben ja in dem dreistrophigen Aufbau der letzten Meditation gesehen, wie der Mensch sich hineinstellt in den Weltengang so, dass er innerhalb der Meditation sich gegenüberstellt demjenigen nicht nur, was aus seiner Seele tönt, sondern dem, was zu dieser Seele tönt, was in einer gewissen Weise sich eingliedert in eine allgemeine Weltensprache, in ein allgemeines Weltenwort. Nur so, wenn allmählich eine Loslösung des Menschen von seiner Persönlichkeit zustande kommt, wenn der Mensch sich hineinfindet, zu meditieren in einer immer objektiveren und objektiveren Weise, dann wird er auch jenen intimen, subtilen Gang gehen können, der der wahre Gang der menschlichen Erkenntnis ist. Aber dazu müssen in der verschiedensten Art die gerade auf den Menschen anwendbaren Wahrheiten im Menschen auch gegenständlich werden.

Ihr kennt ja alle, meine lieben Schwestern und Brüder, dasjenige, was dargestellt worden ist öfter als die dreigliedrige Menschennatur: Nerven-Sinnes-Mensch, hauptsächlich repräsentiert durch das menschliche Haupt; rhythmischer Mensch, hauptsächlich repräsentiert durch die Brust, in der die Atmungs- und Zirkulationsorgane konzentriert sind. Alle diese Organe sind überall im Organismus, aber sie sind eben an einzelnen Stellen stärker vorhanden als an anderen. Und dann haben wir die Gliedmaßen-Stoffwechsel-Organisation, nach unten und nach außen hin zentralisiert, lokalisiert.

Dasjenige, was so erkannt werden kann, sodass das Erkennen bis zu einem gewissen Grade theoretisch bleibt, das kann aber durchaus meditativ gegenständlich werden. Und wenn es meditativ gegenständlich wird, dann geht es in das Esoterische hinein. Deshalb müssen wir schon recht intensiv und recht intim meditativ uns diesen dreigliedrigen Menschen vor Augen stellen.

Da haben wir die Kopfes-Organisation, eine wirkliche Nachbildung des ganzen Kosmos. Da haben wir die Brust-Organisation, die rhythmische Organisation, die nicht so unmittelbar zeigt in ihrer Form das Bild des Kosmos. Und am wenigsten zeigt das Bild des Kosmos die Gliedmaßen-Stoffwechsel-Organisation. Aber wie der Mensch in jeder dieser Organisationen sich in den Kosmos hineinstellt, dessen muss er sich intim bewusst werden. Er muss sich klar werden darüber, was eigentlich in seinem Kopfe, in seinem Haupte wirkt und west. Wir spüren es ja unmittelbar: Wenn wir denken, ist unser Haupt in Tätigkeit. Wir spüren es, dann wenn das Haupt leidend ist, wie die Denktätigkeit ausgeschaltet wird. Wir spüren in normalen und in unnormalen Verhältnissen die Zusammengehörigkeit des Hauptes mit der klarsten, mit der hellsten menschlichen Erdentätigkeit. Es ist damit nicht gesagt, dass das Haupt auch der Träger der hellsten menschlichen Erdentätigkeit wirklich ist, aber was wir spüren, nimmt sich so aus.

Was aber liegt denn da eigentlich vor? Wann nur betrachten wir uns selbst in unserem Haupte in der rechten Art? Nur dann, meine lieben Schwestern und Brüder, wenn wir uns bewusst werden: Dieses menschliche Haupt wäre nicht da, wenn nicht über uns sich wölbte der Sternenhimmel - was dazu die Astronomie sagt, das wollen wir uns augenblicklich nicht anfechten lassen; wir wollen dasjenige, was sich zunächst dem Augenscheine nach darbietet, nehmen -, der Sternenhimmel, der erhabene Sternenhimmel.

In den letzten Stunden ist schon viel davon gesprochen worden. Die Sterne stehen oben; ihre Glanzesstrahlen kommen uns entgegen, wenn wir zu ihnen aufschauen. Aber sie kommen uns nicht nur entgegen, wir nehmen sie auf. Und dasjenige, was wir von den Glanzesstrahlen der Sterne in unserem Haupte aufnehmen, das verschließen wir in diesem Haupte. Und aus dem sprießt und sprosst dasjenige, was unsere menschlichste Tätigkeit auf Erden ist: unser Denken. Und so müssen wir uns vorstellen: Da draußen sind die Sterne; unser Haupt nimmt auf die Wirkung des Strahlenglanzes der Sterne. Das schaut da draußen so aus, als ob die Sterne ihre Strahlen heruntersendeten. Das Haupt nimmt auf diese Strahlen; dann ist dasjenige, was aufgenommen ist, drinnen in unserem Haupte. Da nimmt es sich ganz anders aus als da draußen, aber es ist dasselbe, sozusagen im zusammengerollten Zustande: der ganze Sternenhimmel in unserem Haupte.

Aber nur der Sternenhimmel? Nein, nicht nur der Sternenhimmel. Denn, was sind die Sterne? Was ist alles dasjenige, was uns in einzelnen ruhenden Sternen im Weltenraume entgegenstrahlt? Das ist die Wohnung der Götter. Das sind die Stätten, wo die Götter wohnen. Da wurden die Götter gesucht in all den Zeiten, in denen ein instinktives Hellsehen wusste, wo die Götter wohnen, welche Wohnstätten der Götter würdig seien.

In den Zeiten, in denen es ein solches Hellsehen gab, schaute man nicht hinauf etwa zu brennenden Punkten im Kosmos, sondern man schaute hinauf zu den Götterwohnungen. Und man hatte damit eine wahrere Vorstellung von dem, was im weiten Weltenraume ist, als heute, wo man mit Astronomie hinaufschaut und die Lichtpunkte ihrem Orte nach und ihrer Winkelstellung nach zueinander berechnet.

Aber indem der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, spricht er, wirkt er dasjenige, was ihn zusammenfasst, sein Ich, durch alle drei Glieder seines Wesens: durch das Nerven-Sinnes-System, durch das Haupt; durch das rhythmische System, durch die Brust; durch das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System. Nur wird das zusammengefasst dadurch, dass der physische Leib eine Einheit ist. Aber der Mensch sendet eigentlich sein Ich immer in die drei einzelnen Glieder, und wir werden heute unterscheiden lernen, wie er dieses Ich in die einzelnen Glieder sendet.

Der Mensch spricht das Ich durch seine Gedanken zunächst in seinen Kopf hinein aus dem Innersten seines Wesens. Wahrhaftig, es ist SO [es wird gezeichnet; siehe Seite 770]: Dasjenige, was sich draußen als Glanzelement der Sterne entfaltet [blauer Bogen, gelbe Sterne], es wirkt im Menschenhaupte [gelber Bogen und Strahlen von den Sternen]; es ist da auch drinnen [rote Punkte]. Der Mensch spricht aus dem Zentrum seines Wesens sein Ich in diesen zusammengerollten Weltenraum, der das Innere seines Hauptes ist, hinein [Pfeil mit dem Wort «Ich», gelb]. Und er soll sich bewusst werden: Wenn er sein Ich in dasjenige seines Menschenwesens hineinspricht, das ein Abbild ist der Götterwohnungen, dann wirken in ihm die Götter, die die Götterwohnungen bewohnen, selber. Dann meditieren wir richtig, wenn wir uns bewusst werden: Wenn wir «Ich» durch die Kraft unseres Hauptes sagen, sprechen in uns die Götter des Weltenraumes und der Weltenzeit.

Und das ist keine Lehre, die uns auf Erden gegeben wird; das ist eine Lehre, meine lieben Schwestern und Brüder, die uns gegeben wird von den Wesenheiten der höheren Hierarchien selber, von den Wesenheiten zunächst, die mit uns Erdenmenschen sind: von den Wesenheiten Angeloi, im Hintergrunde die dirigierenden Archangeloi. Dieses Glied der Menschennatur, das da in solcher Beziehung ist zu den Wohnstätten der Götter, die in den strahlenden Sternen sind, das da aus den Götterwesen selber heraus spricht, dieses Ich, es soll sich über seine Wesenheit belehren lassen von den Wesenheiten, die wir als Angeloi immer in unserer Hierarchienbezeichnung angesprochen haben.

Da vollenden wir eine Meditation in der richtigen Weise, wenn wir sie so vollenden: Wir schauen hinauf, lassen uns beeindrucken von dem Glanz der Sterne, haben in unserem Sinne, als ob der Weltenraum selber uns entgegentönte Worte. Und diese Worte sollen sein:

Welten-Sternen-Stätten,
Götter-Heimat-Orte!

Das tönt es im Umkreise. So stellen wir uns vor, wir hören aus den Weltenweiten:

Welten-Sternen-Stätten,
Götter-Heimat-Orte!

Für uns wird das zum Echo in uns: Wir behandeln es so wie einen Ausruf, aber einen Ausruf, der in uns erregt wird, weil alle Himmel in diesen Worten ertönen. So meditieren wir. Und dann werden wir uns bewusst dessen, was wir selber aus dem Intimsten unserer Seele dazu zu sagen haben, wo wir aus der Seele still heraus antworten auf den Welten-Posaunenklang:

Spricht in Haupteshöhe
Menschen-Geistes-Strahlung
Das «Ich bin»:

Das sagen wir. Nun antwortet der Engel, der zu uns gehört, in unserer meditativen Vorstellung, dann, wenn das Ich so spricht, wenn das Ich spricht «Ich bin»:

So lebet Ihr

  • die Götter —

im Erdenleibe
Als Menschen-Wesenheit.

Das ist der Sinn dieser Meditation. Wir hören cs wie einen die Welt umspannenden Posaunenklang von allen Seiten hereintönen:

Welten-Sternen-Stätten,
Götter-Heimat-Orte!

Wir antworten still betend intim aus uns:

Spricht in Haupteshöhe
Menschen-Geistes-Strahlung
Das «Ich bin»:

Der Engel antwortet, hinaufschauend zu dem Ausgange des Posaunenklanges:

So lebet Ihr im Erdenleibe
Als Menschen-Wesenheit.

Und wir nehmen diese letzten zwei Zeilen, die der Engel spricht, in unserer meditativen Vorstellung als Belehrung auf.

[Nun wird diese erste Strophe an die Tafel geschrieben; siehe Seite 771:]

Welten-Sternen-Stätten,
Götter-Heimat-Orte!
Spricht in Haupteshöhe
Menschen-Geistes-Strahlung

— die zusammengerollte Sternenstrahlung, die Menschenstrahlung —

Das «Ich bin»:

Der geistige Lehrer Angelos:

So lebet Ihr

  • die Welten-Sternen-Stätten, die Götter-Heimat-Orte! —

im Erdenleibe
Als Menschen-Wesenheit.

Das ist das erste Zwiegespräch mit dem Kosmos und mit der dritten Hierarchie. So aufgefasst ist es eine ungeheuer tief in menschlichen Geist, menschliche Seele, Menschenleib eingreifende Meditation.

Und wir gehen weiter, zu der rhythmischen Organisation des Menschen. Wir denken an Lunge und Herz, an dieses wunderbare Pulsieren, an diesen Rhythmus des Atmens, der durch seine eigene Wesenheit verrät, wie er ein Ausdruck ist der tiefsten Weltgesetzmäßigkeit, spüren in uns die Bewegung. Versenken wir uns meditativ in unser Haupt: Wir verspüren die Ruhe. Versenken wir uns meditativ in unsere Brust: Wir verspüren die Bewegung. Und diese Bewegung, sie ist ein Abbild von dem Gang der Wandelsterne, von der Bewegung der Wandelsterne, von der Bewegung von Mond, Sonne, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn. Aber ein Repräsentant dieser Bewegung ist die Sonne. Sie steht uns ja auch am nächsten. Sie wandelt einmal jeden Tag um unsere Erde herum, scheinbar. Sie kann als Repräsentant dastehen. Aber geradeso wie wir die Welten-SternenStätten, die Götter-Heimat-Orte in uns tragen, in uns zusammenrollen, so die Bewegungen des ganzen Planetensystems - repräsentiert durch die Sonne - in unserer Atmung, in unserer Blutzirkulation, in alledem, was in unserem Organismus Bewegung ist.

Daher müssen wir uns vorstellen, dass so, wie erst die Herrlichkeit der Götter-Wohnstätten uns verkündet worden ist im Posaunenklang von allen Seiten der Welt, dass nun uns durchzieht, durch unseren Körper wie melodisches Erklingen zieht dasjenige, was uns die Bewegungen der Wandelsterne, repräsentiert durch die Sonne, zu sagen haben:

Welten-Sonnen-Kreise,
Geister-Wirkens-Wege!

Das ist das Zweite: still im Verhältnis zu dem lauten Posaunenklang der Weltumgebung.

Welten-Sternen-Stätten,
Götter-Heimat-Orte!

So tönt es majestätisch von allen Seiten. Das müssen wir meditieren. Aber wie beglückend unser Inneres durchziehend tönt es, nachfolgend dem Gang der Sonne und dem Gang der anderen Wandelsterne, in unserer Atmung, in unserer Blutzirkulation:

Welten-Sonnen-Kreise,
Geister-Wirkens-Wege!

Jetzt wieder sagen wir uns intim, wenn wir als Veranlassung nehmen, was da melodisch aus dem Sternenkreisen in unseren eigenen Leib hineintönt, jetzt sagen wir intim aus uns heraus:

Tönt in Herzensmitte
Menschen-Seelen-Weben
Das «Ich lebe»:

Nun antwortet der Angelos, indem er zu den in den Wandelsternenwegen wandelnden Göttern spricht:

So schreitet Ihr im Erdenwandel Als Menschen-Schöpferkraft.

Wie die Menschen-Wesenheit selber auf der Erde lebt dadurch, dass dasjenige in sie einstrahlt, was aus den Götterwohnungen kommt, so lebt die Menschen-Schöpferkraft im Wandel des Menschen auf der Erde dadurch, dass die Wirkensströmung der Götter in den Bewegungen der Wandelsterne lebt, aber aufgenommen wird von dem ganzen rhythmischen System des Menschen. Und so haben wir wiederum den dreigliedrigen Spruch: objektives Raunen durch unseren Leib im Sinne des Wandels der Wandelsterne; unsere eigene intime innere Aussage; die Antwort des Angelos:

Welten-Sonnen-Kreise,
Geister-Wirkens-Wege!
Tönt in Herzensmitte
Menschen-Seelen-Weben
Das «Ich lebe»:
So schreitet Ihr im Erdenwandel
Als Menschen-Schöpferkraft.

[Nun wird diese zweite Strophe an die Tafel geschrieben]

Welten-Sonnen-Kreise,
Geister-Wirkens-Wege!
Tönt in Herzensmitte

  • oben «spricht», hier «tönt»; oben «Haupteshöhe», hier «Herzensmitte» — [«spricht», «tönt», «-höhe», «-mitte» werden unterstrichen]

Menschen-Seelen-Weben
Das «Ich lebe»:

-oben «Ich bin»; hier «Ich lebe» - [«bin» und «lebe» werden unterstrichen]

So schreitet Ihr im Erdenwandel
Als Menschen-Schöpferkraft.

Dreiteilig muss jeder dieser Sprüche empfunden werden. Beteiligt müssen wir denken am Zustandekommen des Spruches: das objektive Erklingen; unsere eigene intime Aussage wie das Echo in uns; die Sprache des Angelos. Dann wirkt es recht in uns.

Dann aber, wenn wir gehen zum dritten Gliede des Menschen, zu demjenigen, was in Armen und Beinen lebt und sich nach innen im Stoffwechsel fortsetzt, dann hören wir nicht die Weltenweiten im Posaunenklange, dann hören wir nicht das Melos der Wandelsterne, dann hören wir das dumpfe Rollen des Weltengrundes selber. Und das dumpfe Rollen des Weltengrundes selber, das ist es, was in demjenigen lebt, was uns zum eigentlichen Erdenmenschen macht. Unbeteiligt an unserem Geistesmenschen sind die Gliedmaßen. Sie sind ganz nach den Erdenkräften gestaltet, die Arme und Hände nur mitgestaltet nach den Luftkräften, aber alles nach den Erdenkräften gestaltet, gestaltet nach den Kräften, die aus dem Weltengrunde von unten herauf den Menschen durchströmen. Dessen müssen wir uns bewusst werden. So, wie wir in der ersten Strophe hören majestätisch erklingen aus dem Weltenumfange die Sprache des Kosmos selber, wie wir die Sprache des Umkreises vernehmen in der zweiten Strophe, so vernehmen wir die grollende, raunende Sprache des Weltengrundes aus den Erdentiefen in der dritten Strophe:

Welten-Grundes-Mächte,
Schöpfer-Liebes-Glänzen!

Es ist ein Glänzen nicht von Licht, es ist ein Glänzen von Liebe. Denn in denjenigen Orten, wo dasjenige, was sonst im Umfange ist, sich im Mittelpunkte sammelt, liegen auch die Ursprünge der Liebesmächte. Dadurch können wir nicht im Echo antworten «spricht» und nicht «tönt», da müssen wir antworten mit der Tat, mit dem, was aus dem Willen fließt. Da müssen wir nicht «sprechen», nicht «tönen», da müssen wir «schaffen». Deshalb antworten wir aus unserem Inneren, Wille in unsere Worte gießend:

Schafft in Leibesgliedern
Menschen-Wirkens-Strömung
Das «Ich wills:

Nun antwortet der Engel, indem er seine Augen hinuntersenkt zu dem, was heraufgrollt aus dem Weltengrunde - «grollen» nicht im antipathischen Sinne gemeint, sondern nur in der Dumpfheit des Tönens - es antwortet dann den Mächten, die in Weltengrundestiefen waltend tönen:

So strebet Ihr im Erdenwerke
Als Menschen-Sinnes-Taten.

Wieder der Spruch dreigliedrig:

Welten-Grundes-Mächte,
Schöpfer-Liebes-Glänzen!
Schafft in Leibesgliedern
Menschen-Wirkens-Strömung
Das «Ich will»:
So strebet Ihr im Erdenwerke
Als Menschen-Sinnes-Taten.

[Nun wird diese dritte Strophe an die Tafel geschrieben]

Welten-Grundes-Mächte,
Schöpfer-Liebes-Glänzen!
Schafft

  • «Spricht», «Tönt», «Schafft» - [«Schafft» wird unterstrichen]

in Leibesgliedern

  • «Höhe», «Mitte», «Glieder», dasjenige, was aus der Mitte nach auswärts strebt - [«-gliedern» wird unterstrichen]

Menschen-Wirkens-Strömung
Das «Ich will»:

  • «Ich bin», «lebe», «will» — [«will» wird unterstrichen]

So strebet Ihr im Erdenwerke

  • «Erdenleibe», «Erdenwandel», «Erdenwerke» - [diese drei Worte werden unterstrichen]

Als Menschen-Sinnes- Taten.

— «Wesenheit», «Schöpferkraft», «Sinnes-Taten», das heißt: sinnlich zu sehende Taten - [die drei Worte «Wesenheit», «Schöpferkraft», «Sinnes-Taten» werden unterstrichen].

Das wahre Meditieren, das wahre Üben der Seele, das liegt nicht im theoretischen, intellektuellen Inhalte eines Meditationsspruches, es liegt in dem mantrischen Charakter. Der mantrische Charakter wird dadurch gegeben, dass der Sinn sich auflöst in Situation und Geschehen, dass der Mensch sich loslöst von dem theoretischen, von dem intellektuellen Inhalt, herausgeht aus sich, dass er nicht bloß irgendetwas in seinen Gedanken hat, sondern die Vorstellung hat: dass der Himmel, dass der Umkreis, dass die Erdentiefen tönen; dass er auf dieses Tönen antwortet aus seinem eigenen intimen Inneren; dass der Engel lehrend interpretiert.

Sich richtig hineinversetzen in ein solches ideelles Geschehen, die Meditation zu etwas machen, was man nicht bloß denkt, fühlt oder will, sondern was einen umwebt und umschwebt und umschwirrt und umströmt und umstrahlt und was aus dem Umschwirren und Umschweben und Umströmen und Umstrahlen wiederum zurücktritt in das Leben des Herzens und im Herzen strömend, webend, strebend, strahlend vibriert, sodass wir uns fühlen hineinverwoben in das Weben und Leben der Welt, dass unser Meditieren ist etwas, was für unsere Empfindung nicht bloß in uns lebt, sondern was lebt in uns und in der Welt, auslöscht die Welt, auslöscht uns, eins macht im Auslöschen uns und die Welt, dass wir ebenso gut sagen können: «Es spricht die Welt», wie wir sagen: «Wir sprechen in uns». Das erweitert allmählich den Charakter des Meditierens.

Das Meditieren so geübt, gibt allmählich dem Menschen die Möglichkeit - mit der im Innern erlebten Auflösung desjenigen, als das ihm sein gewöhnliches Selbst immer erscheint -, Geist zu werden für seine eigene Auffassung.

Damit aber, dass wir eintreten in solche Erkenntniswege, dass wir ehrlich uns nähern solchen Erkenntniswegen, dass wir wissen lernen: Wir sind im Meditieren nicht allein in der Welt, sondern wir sind im Zwiegespräch mit der geistigen Welt, dadurch nähern wir uns immer mehr und mehr dem, was eine Erneuerung

des Mysterienwesens ist. Denn gewiss, äußere Tempel standen da, standen da vielleicht gerade an denjenigen Lokalitäten der Erde, von denen man heute sagt, dass sie in den unzivilisiertesten Gegenden sind. Äußere Tempel standen da, und die früheren Menschen brauchten äußere Tempel. Aber diese äußeren Tempel waren ja nicht die einzigen, sie waren ja nicht die wichtigsten; denn die wichtigsten, die wesentlichsten Tempel haben nicht Ort, haben nicht Zeit. Aber man kommt doch nur mit Überwindung von sechzig Meilen zu ihnen. Man kommt zu ihnen, wenn man in der Weise seine Seele übt, wie es hier und wie es zu allen Zeiten in den Mysterien angedeutet worden ist.

Darum werden wir uns klar darüber, meine lieben Schwestern und Brüder: Leben wir so in einer solchen mantrischen Formel, dann ist es so:

Hier stehe ich - sagt jeder mit Recht von sich -, um mich die alltägliche, gewöhnliche Welt. Philiströse Wände, philiströse Stühle sind um mich herum, oder auch ein naturhafter Wald, sichtbare Bäume oder Häuser. Das ist um mich; das ist zunächst da. Ich bin mir dessen voll bewusst: Das ist meine Umgebung; das ist da, das sehe ich, das greife ich. Die Meditation geht aber in meiner Seele auf, während ich so in der äußerlichen trockenen Sinneswelt bin. Die Meditation geht in mir auf:

Welten-Sternen-Stätten,
Götter-Heimat-Orte!
Spricht in Haupteshöhe
Menschen-Geistes-Strahlung
Das «Ich bin»:
So lebet Ihr im Erdenleibe
Als Menschen-Wesenheit.

Was spüre ich weben? Was spür’ ich über mir sich wölben? Es ist etwas; es ist nichts. Wände spür’ ich, ich sehe sie nicht. Die Meditation geht weiter:

Welten-Sonnen-Kreise,
Geister-Wirkens-Wege!
Tönt in Herzensmitte
Menschen-Seelen-Weben
Das «Ich lebe»:
So schreitet Ihr im Erdenwandel
Als Menschen-Schöpferkraft.

Was ich gespürt habe, das Weben - Tempelgewölbe, das sich oben wölbt, Tempeldach, um mich Tempelwände -, es beginnt sichtbar zu werden für den Seelensinn, schwebt und macht, dass unsichtbar wird die gewöhnliche Welt, die Welt der sichtbaren Bäume, der Wolken, alles desjenigen, was sichtbar ist. Ein neues Sichtbares steht da. Der Tempel, den ich erst nur gespürt habe, er wird bei der zweiten Strophe wirklich.

Und ich höre das Raunen und Rauschen und Grollen von unten:

Welten-Grundes-Mächte,
Schöpfer-Liebes-Glänzen!
Schafft in Leibesgliedern
Menschen-Wirkens-Strömung
Das «Ich will:
So strebet Ihr im Erdenwerke
Als Menschen-Sinnes-Taten.

Der Tempel hat sich vollendet. Er hat seinen Boden gewonnen. Und in ihm sind da diejenigen, mit denen wir als geistige Wesen in Verbindung treten wollen. Der Tempel ist da. Er ist sichtbar für den Seelensinn. Er ist gefunden.

Unsere Meditation verläuft nicht so, dass wir eine Vision haben. Sie führt uns in die geistige Welt hinein; die geistige Welt ersteht. Ich schildere, meine lieben Schwestern und Brüder, wie die Meditation verlaufen kann: Webendes Tempelgewölbe spüren nach der ersten Strophe; mit dem Seelensinn schauen den Tempel um uns. Der Tempel ist fertig, und die Wesen, mit denen wir als Menschen-Lehrer, als Götter-Lehrer in Verbindung treten sollen, sind da. Wir sind im Tempel drinnen, bewirkt durch erste, zweite, dritte Strophe einer wirklichen mantrischen Meditation. Es ist der Weg zum Tempel. Es ist ein wirklicher Geistesweg.

Dann, wenn wir uns dessen bewusst werden, dass wir den Tempel finden, dann verstehen wir recht, wie gemeint ist, was Inhalt dieser esoterischen Schule sein soll.

Aus Gründen, die darinnen liegen, dass vielen derjenigen Freunde, die gerade gern teilnehmen an diesen esoterischen Hochschulstunden, dies auf die Dauer nicht möglich sein würde am Freitag, sollen verlegt werden die Freitagstunden auf Sonntagvormittag von elf bis zwölf Uhr. Das nächste Mal werde ich diese Stunde also schon halten am Sonntagvormittag von elf bis zwölf Uhr, nicht diesen Sonntag, sondern Sonntag in acht Tagen. Es ist aus dem Grunde, weil dann die Freunde aus der Nähe, die beschäftigt sind, am Sonnabendabend ‚oder -nachmittag - wo die meisten schon kommen können — kommen können und dann diese Stunden auf die Dauer mitmachen können. Es war vielen ein großes Opfer, an Freitagen da sein zu können. Auf die Dauer können wir es nicht machen, und so sollen diese Stunden auf Sonntag von elf bis zwölf Uhr verlegt werden.

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