Esoteric Lessons for the First Class II
GA 270 — 11 May 1924, Dornach
Zwölfte Stunde
Meine lieben Freunde! Wir sprechen zuerst den Spruch, der uns gemahnt an dasjenige, was aus dem Weltenall selber herauskommt wie eine Aufforderung zur Selbsterkenntnis:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Selbsterkenntnis, meine lieben Schwestern und Brüder, ist es ja, was im geistigen Sinne zur Welterkenntnis führen kann. Und oftmals ist es gesagt worden, wie Verständnis da sein muss für das Herausströmen einer wahren geistigen Welterkenntnis aus der geistigen Welt selber; wie der Mensch Verständnis haben muss dafür, dass von denjenigen, die solche Erkenntnis der geistigen Welt vermitteln können, herangetreten werden muss an die Schwelle; dass an der Schwelle der Hüter der Schwelle steht, jener Hüter, der da den Menschen im gewöhnlichen Bewusstsein bewahrt davor, unvorbereitet in die geistige Welt hineinzutreten.
Aber gerade wenn man diesen Hüter kennenlernt, zunächst durch das Verständnis des gesunden Menschenverstandes, dann kennenlernt später - gerade nachdem man das Verständnis durch den gesunden Menschenverstand hat vorangehen lassen - in seiner wahren Gestalt, in seiner wirklichen Wesenheit, dann stellt dieser Hüter dar dasjenige, was als Ermahnungen an uns herantritt, wenn wir im rechten Sinne erstens in die geistige Welt eintreten wollen und dann im rechten Sinne in den Erlebnissen der geistigen Welt drinnenstehen wollen.
Nun ist ja auch oftmals gesagt worden: Dieses Drinnenstehen in der geistigen Welt wird zumeist unrichtig vorgestellt, weil man etwas anderes haben will als dieses wirkliche Drinnenstehen in der geistigen Welt. Man will etwas haben, was ähnlich ist der Sinneswelt. Aber so ist nicht das Drinnenstehen in der geistigen Welt. Es ist einmal übersinnlich, und es kann nicht zu einem Anschauen bloß führen, das ähnlich ist dem sinnlichen Anschauen. Dieses imaginativübersinnliche Anschauen ist eben nur Bild. Es muss zu einem wirklichen Erleben der geistigen Welt führen. Und von diesem Erleben der geistigen Welt haben eben viele von Euch, meine lieben Schwestern und Brüder, viel mehr, als sie denken. Sie sind nur nicht aufmerksam darauf; sie geben nicht acht, wie im Innern des seelischen Erlebens das Geistige waltet und webt. Es waltet und webt; und es handelt sich darum, dass man die intime Aufmerksamkeit aufbringt, dieses Walten und Weben wahrzunehmen.
Daher sollen immer wieder und wieder - weil aus der geistigen Welt unmittelbar heraus in diesen Klassenstunden die Erkenntnisse zu Euch fließen sollen, meine Schwestern und Brüder - es sollen immer wieder und wieder reale Anhaltspunkte gegeben werden, um Euch fühlbar zu machen dieses Drinnenstehen der Seele des Menschen in der geistigen Welt. Und eine solche Anweisung kann die folgende sein. Nehmet irgendeines der Mantren - oder irgendeine andere spruchartige Sache - und sprechet dasjenige, was in einem solchen Mantram liegt. Es kommt gar nicht darauf an, welches es ist, sondern irgendein Mantram, irgendein Mantram, das Ihr sonst auch gut kennt. Für Eure Meditation nehmt irgendein Mantram und sprecht es Euch einmal in der schönsten Art, in der Ihr sprechen könnt, für Euch vor. Macht Ihr es also, so sprecht Ihr Euch, nicht gerade in lautem Ton, sondern in einem sanften, stillen Tone, irgendein Mantram vor:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Und nun, wenn Ihr Euch solch ein Mantram vorgesprochen habt, so versucht Ihr zu spüren, wie das in Euch kraftet, wie das Sprechen ist. Versucht darauf zu kommen, dass Ihr das Sprechen spürt, dass Ihr spürt, was für ein Unterschied in Eurem Leibe ist zwischen dem Zustand, wo Ihr schweigt, und dem Zustande, wo Ihr sprecht. Also versuchet, das Sprechen zu spüren in Euren Organen, so wie es verläuft. Ihr werdet es spüren als allerlei Druck und Wellenzug eben in den Sprachorganen.
Und wenn Ihr das gespürt habt, dann frägt Ihr Euch: Wenn ich etwas denke, wozu ich in der Gegenwart veranlasst bin durch das, was mir ein Mensch sagt, oder was ich dadurch denke, dass irgendein äußeres Ereignis auf mich einen Eindruck macht, ich mache mir klar — wenn ich so etwas denke, wozu ich in der Gegenwart veranlasst werde -: Wie ist das, kann ich das auch spüren?
Nun, wenn Ihr gelernt habt, das Sprechen zu spüren, dann werdet Ihr leicht auch spüren können das Denken, das unmittelbar durch eine solche Gegenwart veranlasst ist. Ihr könnt das Denken dann auch spüren. Es ist leichter und leiser zu spüren als das Sprechen, aber es ist zu spüren. Und Ihr könnt lernen an dem Sprechenspüren das Denkenspüren, das Denkenempfinden.
Dann werdet Ihr, so wie Ihr das Sprechen spürt, auch das Denken spüren können, tasten können, innerlich tasten können, innerlich wahrnehmen können, und zwar so [Seite 775; es wird gezeichnet: Kopfumriss weiß]: Wenn das Sprechen so zu spüren ist, dass es etwa an diese Stelle hierher verlegt werden muss [rot], so werdet Ihr das Denken spüren über dieser Stelle, also hier oben das Denken spüren [grün]; etwas gegen das Hinterhaupt zu gelegen werdet Ihr das Denken spüren.
Es ist gut, solch eine Übung zu machen, denn es leitet eine solche Übung überhaupt dazu an, intime Selbstbeobachtung zu machen.
Und dann geht Ihr so vor, meine lieben Schwestern und Brüder, dass Ihr jetzt einen Gedanken in Euch regsam macht, der ein Erinnerungsgedanke ist, etwas, was Ihr gedacht habt vor Tagen, Wochen, Monaten, was Ihr aber genau regsam in Euch machen könnt, und versucht dann, einen solchen Erinnerungsgedanken zu verspüren, zu empfinden; und Ihr werdet das Gefühl haben: Den empfindet Ihr unter der Sprachlokalität, den empfindet Ihr also hier unten, unter der Sprachlokalität [gelb]. Und Ihr werdet etwa Euch sagen: Wenn ich spreche, so erlebe ich das in der Gegend meiner Sprachorgane; wenn ich denke, erlebe ich das im Haupte darüber; wenn ich erinnere, erlebe ich das unter dem Sprechen.
Wird das für Euch eine intime Erfahrung, fühlt Ihr wirklich so, dann habt Ihr etwas geistig erfasst, was überhaupt der Anfang eines weitergehenden geistigen Erfassens schon sein kann. Nur ist große Abgeschlossenheit von den anderen Erlebnissen des Tages notwendig, um so etwas zu verspüren. Es ist nicht gut, sich zu sagen: Nun ja, damit ich eine solche Abgeschlossenheit erringen kann, muss ich mich einmal auf ein paar Wochen zurückziehen, wo gar keine Menschen sind, wo mich nichts stört, wo ich absolute Ruhe habe, meinetwillen nach einer Hütte am Montblanc mich zurückziehen, um dieses zu vollbringen. - Es ist nicht gut, dieses so zu denken, denn da kommt man ewig nicht weiter, wenn man so denkt; sondern das Beste ist: mitten drinnenstehen in dem Trubel des Lebens, allem ausgesetzt sein, was das Leben vom Morgen bis zum Abend bringt, und dennoch durch die eigene Gewalt der Seele aussondern können eine Zeit, die noch so kurz sein mag, wo man ganz außerhalb des Trubels der Welt, aber mitten drinnensteht und doch ganz außerhalb, rein durch die Gewalt seines Inneren ganz außerhalb. Das ist das Beste. In die Einsamkeit sich zurückziehen, um Ruhe zu haben, das ist nicht dasjenige, was eigentlich so wirksam ist, sondern durch seine eigene Gewalt die Einsamkeit zu erzeugen: Das ist dasjenige, was unbedingt und sicher zum Ziele führen kann. Und dann wird so etwas eine gute Grundlage sein, um in derjenigen Art meditieren zu können, die ja notwendig ist.
Ihr habt Mantren kennengelernt, meine lieben Schwestern und Brüder, die gewissermaßen still aus der Seele heraus gesprochen werden. So sind ja die ersten Mantren gewesen während dieser Klassenstunden. Wir sind aber vorgeschritten zu solchen Mantren, welche zum Teil aus der Seele heraus klingen, zum Teil auch vorgestellt werden mussten als ein Tönen, das aus den Weltenweiten zu uns herankommt; wo wir also nicht innerlich meditierend sprechen, sondern wo wir innerlich meditierend hören; wo wir uns in die Lage versetzt denken, dass wir hören dasjenige, was zu uns, sei es aus den Weiten, sei es auch von Geistwesen, gesprochen wird. Und gerade auf dieses Sichhineinversetzen in eine Lage, wo andere Wesenheiten zu uns sprechen, gerade auf dieses Sichhineinversetzen in eine solche Lage kommt es auch an, um wirklich innerlich zu erzeugen die Seelenverfassung, die sich darinnenfühlt in der geistigen Welt.
Sehen Sie, zu diesem Ziele soll das heutige Mantram gegeben werden. Da soll die Seele sich vorstellen, dass sie ganz schweige, dass sie absolut schweige. Aber es soll die Seele sich vorstellen, dass sie schon jenseits der Schwelle, schon in der geistigen Welt drinnen vor dem Hüter steht, und die Seele dreierlei Töne vernimmt, indem sie selber ganz schweigt, dreierlei Töne vernimmt. Der erste Ton klingt aus dem weiten Weltenall. Der zweite kommt von dem Hüter. Und der dritte kommt von denjenigen Wesen, die dann nachher während des Mantrams bezeichnet werden. So soll gedacht werden dasjenige, was als Mantram heute vor Eure Seele tritt.
So, aus den Weiten der Welt, tönt von allen Seiten herankommend:
Vernimm des Denkens Feld.
Es handelt sich also darum, über die wahre Wesenheit des Denkens aufgeklärt zu werden durch ein geistiges, seelisches Welterlebnis.
Dann spricht der Hüter. Also nachdem verklungen ist dasjenige, was aus den Weiten der Welt an uns herantönt - wir müssen in dieser Situation geistig drinnen leben -, dann spricht der Hüter. Die nächsten drei Zeilen sagt der Hüter:
Es spricht, der dir die Wege
Von Erdensein zu Erdensein
Im Geisteslichte weisen will.
Das ist des Hüters Sprache.
Dann spricht das Engelwesen, das uns den Weg geleitet von Erdensein zu Erdensein:
Blick’ auf deiner Sinne Leuchtewesen.
Das ist also das Wesen, das als Engelwesen, als Angelos, uns von Inkarnation zu Inkarnation leitet. Das spricht diese Zeile. Wir hören sie in innerem, sinnendem Leben.
Wiederum spricht der Hüter:
Es spricht, der dich zu Seelen
Im stoffbefreiten Seinsgebiete
Auf Seelenschwingen tragen will.
Und es spricht das über uns sorgende Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi die nächste Zeile:
Blick’ auf deines Denkens Kräftewirken.
Das geht hinauf, wo die Archangeloi sind.
Erst war es: «Blick’ auf das Leuchten der Sinne.» In Wirklichkeit ist ja die Sache so, dass man meint im sinnlichen Leben, dass die Sonne leuchtet und die Sinne nicht leuchten; in Wirklichkeit ist es aber so, dass auch unsere Sinne leuchten, dass aber nur, während unsere Sinne leuchtend wahrnehmen, dieses Leuchten von uns nicht bemerkt wird. Da ermahnt dann das Wesen, das zu uns gehört aus dem Reiche der Angeloi: «Blick’ auf deiner Sinne Leuchtewesen.»
Im Allgemeinen denken wir im gewöhnlichen Bewusstsein; aber wir erfassen das Denken nicht, wir spüren es nicht, wir empfinden es nicht. Das Wesen, das zu uns gehört aus dem Reiche der Archangeloi, mahnt: «Blick’ auf deines Denkens Kräftewirken.»
Nun geht es hinauf zu dem Reich, wo die Archai sind. Der Hüter mahnt in drei Zeilen, wir sollen das Wesen aus der Reihe der Archai hören mit seiner Mahnung. Die nächsten drei Zeilen sind die Zeilen des Hüters:
Es spricht, der unter Geistern
Im erdenfernen Schöpferfelde
Den Daseinsgrund dir geben will.
Ich könnte auch sagen, den «Daseinsthron», aber besser ist es zu sagen, den «Daseinsgrund» dir geben will, der dich also auf einen Geistesboden stellen will im geistigen Felde, geradeso wie du hier im sinnlichen Felde auf dem physischen Boden stehst.
Nachdem der Hüter der Schwelle so gesprochen hat, spricht das Wesen aus der Reihe der Archai:
Blick’ auf der Erinnerung Bildgestalten.
Es ist das Dritte. Erstens auf das Leuchten der Sinne sollen wir sehen, dann auf des Denkens Kräftewirken in uns, dann auf dasjenige, was tief unten liegt, unter der Sprache liegt, was in den Erinnerungsbildern liegt: «Blick’ auf der Erinnerung Bildgestalten.»
Da haben wir selber mit schweigender Seele angehört das dreifache Sprechen zu uns: Das Sprechen aus dem Kosmos in der allerersten Zeile: «Vernimm des Denkens Feld»; haben in den jeweiligen drei Zeilen, die zwischen den eigentlichen Hierarchie-Ermahnungen liegen, den Hüter sprechen gehört und dann die Wesen, die zu uns gehören aus den Reichen der Hierarchien selber, immer die eine paradigmatische Zeile, die eigentlich im Tiefsten zu unserem Wesen sprechen soll. Sodass der ganze Zusammenhang- ich werde ihn dann aufschreiben - dieser ist:
Vernimm des Denkens Feld: Es spricht, der dir die Wege
Von Erdensein zu Erdensein
Im Geisteslichte weisen will:
Blick’ auf deiner Sinne Leuchtewesen. Es spricht, der dich zu Seelen
Im stoffbefreiten Seinsgebiete
Auf Seelenschwingen tragen will:
Blick’ auf deines Denkens Kräftewirken. Es spricht, der unter Geistern
Im erdenfernen Schöpferfelde
Den Daseinsgrund dir geben will:
Blick’ auf der Erinnerung Bildgestalten.
[Das Mantram I wird nun an die Tafel geschrieben und gleichzeitig in der ersten Zeile «Denkens» und jeweils die letzte Zeile von Teil 1, 2, 3 unterstrichen; siehe Seite 774]
Damit haben wir dasjenige, was als Mahnung für unsere Selbsterkenntnis heraustönt aus den drei niederen Hierarchien, innerlich seelisch erlebt:
das erste aus der Hierarchie der Angeloi
das zweite aus der Hierarchie der Archangeloi
das dritte aus der Hierarchie der Archai.
[«Angeloi» wird neben Teil 1, «Archangeloi» neben Teil 2, «Archai» neben Teil 3 geschrieben.]
Bevor die Übung angestellt wird, kann die Konzentration in der Seele dadurch bewirkt werden, dass man sich ein ganz bestimmtes Bild vor die Seele rückt, dieses Bild [es wird auf die linke Tafel gezeichnet]: Ein Auge, das nach oben blickt [Auge]; das den Kreis der höheren Hierarchien vernimmt [Kreisbogen], welche die Kräfte der Welt auf das Auge einströmen lassen [obere Strahlen], und das dann vernimmt den Kreis der unteren Hierarchien [Wellenlinie], die sich hinaufranken zu den höheren Hierarchien und die Strahlen weiter zum Menschen schicken [untere Strahlen].
Dieses Bild, man ruft es sich vor die Seele, dass es dastehe: Das hinaufblickende Auge, die beiden Linien - die runde, die Wellenlinie -, die Strahlen, die heruntergehen. Und man stellt sich vor, während man die Übung macht, ohne dass man weiter an dieses Bild denkt - während man die Übung macht, wird das Bild vor der Seele stehen bleiben -: das Bild dieses hinaufblickenden Auges. Dann vernimmt man wiederum das Tönen von allen Seiten des Kosmos:
Vernimm des Fühlens Feld.
Es spricht dann der Hüter die nächsten drei Zeilen:
Es spricht, der als Gedanke Aus Geistes-Sonnenstrahlen Dich zum Weltendasein ruft.
Es ist schon eine höhere Sprache, die Sprache, die herausklingt aus höherer Hierarchie. Während wir hier [beim ersten Mantram] immer nur aufmerksam gemacht werden auf das, was schon in uns ist, werden wir hier angesprochen vom Hüter in diesem Mantram so, dass wir nicht nur zum Schauen unserer Sinne, unseres Denkens, unserer Erinnerungen gerufen werden, sondern gerufen werden zu vernehmen, wie wir in die Welt, in das Weltendasein selbst hineingerufen werden. Das tönt heraus aus der Hierarchie der Exusiai.
Dann spricht es heraus von dem Wesen, das zu uns gehört aus der Hierarchie der Exusiai:
Fühl’ in deines Atems Lebensregung.
Es spricht wieder der Hüter die nächsten drei Zeilen:
Es spricht, der Weltendasein
Aus Sternen-Lebenskräften
Dir in Geistesreichen schenket.
Dann spricht das Wesen aus der Hierarchie der Dynamis heraus:
Fühl’ in deines Blutes Wellenweben.
Da müssen wir das Weben der Welt fortgesetzt denken - fühlen eigentlich - in dem Wellenweben unseres Blutes.
Und wiederum spricht der Hüter, jetzt uns mahnend, dass wir hören sollen das, was ein Wesen aus der Reihe der Kyriotetes spricht:
Es spricht, der dir den Geistes-Sinn
In lichten Götter-Höhenreichen
Aus Erdenwollen schaffen will.
Dann spricht dieses Wesen aus der Reihe der Kyriotetes:
Fühl’ der Erde mächtig Widerstreben.
Nur wenn man dieses mächtige Widerstreben der Erdenkräfte fühlt, kann man richtig in die reine geistige Welt hineindringen.
Sodass also das Erleben dieses Mantrams also klingen muss:
Vernimm des Fühlens Feld: Es spricht, der als Gedanke
Aus Geistes-Sonnenstrahlen
Dich zum Weltendasein ruft:
Fühl’ in deines Atems Lebensregung. Es spricht, der Weltendasein
Aus Sternen-Lebenskräften
Dir in Geistesreichen schenket:
Fühl’ in deines Blutes Wellenweben. Es spricht, der dir den Geistes-Sinn
In lichten Götter-Höhenreichen
Aus Erdenwollen schaffen will:
Fühl’ der Erde mächtig Widerstreben.
Es ist das Hinaufsteigen in die Reihe der zweiten Hierarchie, wo Selbsterkenntnis dadurch in uns angeregt wird, dass wir von einem Wesen, das zu uns gehört aus der Reihe der Exusiai, ermahnt werden; dass wir zuerst ermahnt werden von dem Hüter, dass ein solches Wesen zu uns sprechen wird.
Nun, meine lieben Schwestern und Brüder, wir denken im Erdenleben; unsere Gedanken sind fast Nichtigkeiten. Wenn aber ein Wesen aus der Reihe der Exusiai denkt, so denkt es uns. Unser Ich ist gedacht. Und es ist seiend als Gedanke eines Wesens aus der Reihe der Exusiai. Sprechen wir auf der Erde «Ich» zu uns, worauf schauen wir dann? Ja, dieses Ich: Wenn wir sprechen «Ich» [es wird gezeichnet: Kreis mit dem Wort «Ich», gelb], wir schauen zurück auf dieses Ich [rote Pfeile], sprechen das Wort Ich aus. Aber ein Wesen aus der Reihe der Exusiai [grüne Linie], bei dem ist dieses Ich Gedanke, aber realer, wirklicher Gedanke. Wir sind dadurch, dass wir gedacht werden von Wesen aus der Reihe der Exusiai. Und wenn wir selber zu uns «Ich» sprechen, so konstatieren wir eigentlich, dass wir von Götterwesen gedacht werden. Und in diesem Gedachtwerden von Götterwesen besteht unser höheres Sein.
Dann: Ein Wesen aus der Reihe der Dynamis ermahnt uns, wie wir das Geistesdasein geschenkt erhalten von ihm aus den Lebenskräften, die es den Sternen entnimmt.
Und ein Wesen aus der Reihe der Kyriotetes ermahnt uns, dass dasjenige, was in uns als Wollen auf der Erde lebt, hinaufgezogen wird in die Himmelshöhen und in der Umwandlung, die es da erfährt, unser Erdenwollen uns wiedergegeben wird, sodass wir es dann auch im Geisteswollen brauchen können. Erdenwollen ist nur eine Umwandlung des Geisteswollens. Das Erdenwollen wird stetig hinunter- und hinaufgetragen. Oben ist es Himmelswollen; unten ist es Erdenwollen. Daran ermahnt uns zum Schluss der Hüter, denn das Wesen aus der Reihe der Kyriotetes sagt: «Fühl’ der Erde mächtig Widerstreben.» Wenn man den Widerstand der Erde empfindet, empfindet man die Wohltat, die gnadevolle Erteilung von Kräften aus Himmelshöhen.
[Das Mantram II wird nun an die Tafel geschrieben und gleichzeitig in der ersten Zeile «Fühlens» und jeweils die letzte Zeile von Teil 1, 2, 3 unterstrichen; siehe Seite 775:]
So ist also der Verlauf dieses zweiten Mantrams:
Vernimm des Fühlens Feld: Es spricht, der als Gedanke
Aus Geistes-Sonnenstrahlen
Dich zum Weltendasein ruft:
Fühl’ in deines Atems Lebensregung. Es spricht, der Weltendasein
Aus Sternen-Lebenskräften
Dir in Geistesreichen schenket:
Fühl’ in deines Blutes Wellenweben. Es spricht, der dir den Geistes-Sinn
In lichten Götter-Höhenreichen
Aus Erdenwollen schaffen will:
Fühl’ der Erde mächtig Widerstreben. Das erste tönt aus der Reihe der Exusiai
das zweite aus der Reihe der Dynamis
das dritte aus der Reihe der Kyriotetes. [«Exusiai» wird neben Teil 1, «Dynamis» neben Teil 2, «Kyriotetes» neben Teil 3 geschrieben] Und wiederum zum Schluss, damit wir uns erinnern, was wir für ein Bild vor uns hingestellt haben, nachdem das alles in uns abgelaufen ist, damit wir ein deutliches Erleben davon haben, stellen wir wiederum uns das Bild - von dem wir uns aber vorstellen, dass es immer vor unserer Seele gestanden hat während der ganzen Übung -, das stellen wir wiederum vor unsere Seele hin. [Dieses nach dem Anschreiben des Mantrams «Vernimm des Denkens Feld» bereits an der linken Tafel entwickelte Bild wird nun noch einmal auf die rechte Tafel gezeichnet: Auge, Kreisbogen, obere Strahlen, Wellenlinie, untere Strahlen.] Das Hinaufsteigen in die Reihe der Seraphine, Cherubine und Throne soll ja dann hinzugefügt werden zu diesem in der nächsten Klassenstunde. Jetzt aber ist begreiflich zu machen, noch deutlicher, was das Ganze für einen Sinn hat. Meine lieben Schwestern und Brüder, an uns trat heran im Beginne der heutigen Klassenstunde die Formel, die aus dem Weltendasein, aus dem Weltenwesen heraus uns mahnt an Selbsterkenntnis. Selbsterkenntnis, wurde gesagt, führt zur Welterkenntnis; aber nur, wenn wir das Selbst in Verbindung setzen können mit der Welt. Aber das Selbst steht nicht zu einem äußeren Naturwesen oder Naturvorgang in einer ihm eigentümlichen Beziehung, sondern allein zu dem, was in der geistigen Welt ist. Da sind die Wesen der Hierarchien. Wollen wir also wirklich eindringen in unser Selbst, in unser Ich, dann müssen wir erleben nicht mit der äußeren Natur zusammen, sondern dann müssen wir erleben mit den Wesenheiten aus den Hierarchien zusammen. Denn dasjenige, was von der äußeren Natur aus wir als unser Ich ansprechen können, das ist ja nur der äußere nichtige Abglanz des Ich. Das wahre Ich steht in demselben Reiche, in dem da stehen diese Wesenheiten der höheren Hierarchien. Sobald man also in die wahre Selbsterkenntnis eintritt, muss man eintreten in die Reihen der höheren Hierarchien. Dann muss man die Sprache der höheren Hierarchien vernehmen. Dass man das mit aller Kraft tue, dass man das nicht zu einer bloßen blutleeren Theorie macht, sondern dass man es mit aller Kraft tue, dazu sind die Ermahnungen des Hüters der Schwelle, die immer dazwischenstehen, da. Dass das Ganze in der Meditation mit der nötigen Majestät an uns herantritt, dazu sind die zwei - und wie wir demnächst hören werden, drei - gewaltigen Ermahnungen aus dem Kosmos: «Vernimm des Denkens Feld», «Vernimm des Fühlens Feld» da. Nur wenn wir in diesem Sinne uns lebendig drinnen fühlen in dieser dreifachen Art der Sprache, wenn wir uns in der geistigen Welt auf diese Art mantrisch erleben, dann können uns die Dinge wirklich vorwärtsbringen. Denn nur dann haben wir den Dingen gegenüber die richtige Stimmung. Diese Stimmung müssen wir vor allen Dingen suchen. Denn die eigentliche innere Weihe, die da sein muss, wenn die Meditation zur Einweihung beitragen soll, diese eigentliche innere Weihe, die kommt ja nur durch die Stimmung, durch jene Stimmung, durch die wir eine Weile gegenüber der äußeren Welt wie entrückt sind, einzig und allein nur in dem leben, was Inhalt und Gegenstand der Meditation ist. Wenn wir uns so ganz lebendig hineinversetzen, die Selbsterkenntnis nicht nur ein Hineinbrüten in unser Inneres ist, sondern ein ausführliches Gespräch ist mit Welt, Hüter und Hierarchien, dann finden wir uns in wahre Selbsterkenntnis hinein. Es sollte im Grunde genommen sogar von uns vermieden werden, an eine solche Sache dann zu denken, wenn wir nicht zugleich die Stimmung dafür aufbringen können. Wir sollten gerade eine solche Sache, wie die heute vorgebrachte, nur dann denken, wenn wir wirklich im Innern der Seele diese Stimmung aufbringen können, die einfach darinnen liegt, dass empfunden wird, wie das Majestätische aus Weltenweiten, kosmischen Fernen, wie mit einem Weltendonner zu uns dringt; dass in sanfter, mahnender Stimme dazwischen tönt, was vom Hüter der Schwelle kommt; und dass dann in eindringlicher Weise zu unserer Seele spricht der eine der Hierarchen selber. Wir sollten nur dann, wenn wir uns immer auch an dieses erinnern, und wenn wir aufbringen die Gefühle, die mit dieser Erinnerung an dieses zusammenhängen, wir sollten eigentlich auch nur an diese Mantren denken, uns innerlich mit diesen Mantren in Verbindung setzen, damit wir sie auch innerlich nicht entweihen, dadurch in ihrer Kraft entweihen, dass wir sie mit dem gewöhnlichen, trockenen, philistrrösen Denken denken, mit dem wir sie ja denken, wenn wir uns nicht erst in die entsprechende Seelenstimmung versetzen. Und wir sollten daraus, dass das so ist, auch die innere Seelenstimmung bekommen, um zu fühlen, dass Selbsterkenntnis des Menschen etwas Feierliches, Ernstes, Heiliges ist und dass eigentlich diese Dinge nur so von der Seele innerlich auch gesprochen werden sollten - geschweige denn äußerlich -, dass sie empfunden werden als Ernstes, Feierliches, Weihevolles. Ein großes Hindernis, weiterzukommen auf einem esoterischen Wege, ist eben dieses, dass so vielfach im Cliquenwesen von diesen Dingen gesprochen wird, wenn nicht diese ernste, feierliche, weihevolle Stimmung zugleich entwickelt wird, sondern sogar vielleicht mit einem Anflug von Eitelkeit diese Dinge beschwätzt werden. Man denkt dabei nicht, wie im esoterischen Leben alles darauf beruht, dass Wahrheit, richtige volle Wahrheit herrscht. Der kann überhaupt im esoterischen Leben nichts machen, der nicht diese Erkenntnis hat, dass im esoterischen Leben Wahrheit, volle Wahrheit herrschen muss, dass man also nicht kann von der Wahrheit bloß sprechen und dann dennoch die Dinge nur so auffassen, wie man sie im äußerlichen Profanleben auffasst. Das tut man, wenn man die Sache zum Gegenstande des gewöhnlichen Geschwätzes macht. Und dieses, was so vielfach getrieben wird, dieses gewöhnliche Beschwätzen, das ist es, was so vielfach Hindernisse und Hemmnisse auf den esoterischen Weg wirft. Und wir müssen unbedingt alles dasjenige, was mit Selbsterkenntnis zusammenhängt, auch zusammenbringen mit dieser ernsten, feierlichen, weihevollen Stimmung in unserer Seele. Dann werden wir auch im rechten Sinne das Wort auf unsere Seele wirken lassen, das nun auch am Ende wiederum gesprochen werden soll, wie es im Anfange der heutigen Klassenstunde gesprochen worden ist: Ja, das ist eine Anleitung zur Selbsterkenntnis: Es ist im Grunde eine Frage. Die Antwort ist in solchem [in den Mantramtexten an den Tafeln] gegeben. .original