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Esoteric Lessons for the First Class II

GA 270 — 17 May 1924, Dornach

Dreizehnte Stunde

Meine lieben Freunde! Zuerst wird wiederum das aus dem Geistigen des Weltenalls an unsere Seele herandringende Wort gesprochen, das uns mahnt zur selbstbeobachtenden Erkenntnis unseres Wesens:

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.

Nun, meine lieben Schwestern und Brüder, wir haben das letzte Mal in dieser Stunde versucht, diejenigen inneren Seelenworte zu finden, welche den Menschen in Verbindung bringen können mit demjenigen, was sich aus den Hierarchien heraus — mit denen ja des Menschen geist-seelisches Wesen in Verbindung steht - offenbart. Wir haben dabei vor unsere Seele hingestellt, wie wir durch eine besondere Vertiefung in dasjenige, was dann werden kann des Denkens Feld, wie wir durch eine besondere Vertiefung in dieses Feld des Denkens hinaufgelangen können in dasjenige Gebiet, das gewissermaßen bewohnen die Wesen der dritten Hierarchie: Angeloi, Archangeloi, Archai.

Dabei war ja nicht gemeint dasjenige Denken, das wir im Alltag gebrauchen, sondern dasjenige Denken, das hinter diesem Denken des Alltags verläuft, jenes Denken, das wir eigentlich nur heraufschaffen können aus unserer Gesamtorganisation, wenn wir uns meditierend in solche Worte vertiefen, wie sie da vorgebracht worden sind als die Worte, die da beginnen: «Vernimm des Denkens Feld».

Und ich habe ja auch angedeutet das letzte Mal, wie dieses Denken auch empfunden werden kann im menschlichen Organismus selber über dem Sprachgebiete, während das Feld der Erinnerungsgedanken unter dem Sprachgebiete gefühlt werden kann; das Sprachgebiet selber: wenn wir so recht innerlich lebensvoll irgendetwas halblaut oder auch laut vor uns hinsagen. Wir fühlen das Sprechen in uns, und wir können den Ort bezeichnen, an dem wir das Sprechen in uns fühlen. Dann haben wir einen Ausgangspunkt. Denn es ist gewissermaßen am leichtesten zu erleben dieses Sprechen.

Und über dem Sprechen, mehr gegen den Hinterkopf zu, können wir das innerliche Denken, durch das wir die Angeloi entdecken können, finden; im Sprechen selber Archangeloi; und in den Erinnerungen, unter dem Sprechen, können gefühlt werden die Archai.

Und der mantrische Spruch, der uns zu so etwas führt, er verläuft ja in der Gestalt, die das vorige Mal in der Klassenstunde geschildert worden ist.

Wir stellen uns vor durch diesen Spruch, wie zuerst zu uns sprechen die kosmischen Weiten, gewissermaßen was das Weltenall selber zu uns tönt, wie dann hineintönt in dieses Weltenall dasjenige, was der Hüter der Schwelle uns sagt, der uns aufmerksam macht, wir sollen hinhorchen auf dasjenige, was das zu uns gehörige Wesen aus der Reihe der dritten Hierarchie, der Angeloi, zu uns zu sprechen hat.

Und ein Zweites ist dann, wie uns der Hüter der Schwelle wiederum ermahnt, hinzuhören auf das zu uns gehörige oder die zu uns gehörigen Wesen aus der Reihe der Archangeloi.

Und wiederum ermahnt uns an dritter Stelle der Hüter, hinzuhören auf die zu uns gehörigen Wesen aus der Reihe der Archai. Wir sollen uns also diese mantrischen Sprüche so vorstellen, dass wir hören gewissermaßen das Weltenall aus den Weiten zu uns tönen, den Hüter sprechen, die Hierarchien sprechen hören:

Vernimm des Denkens Feld: Es spricht, der dir die Wege
Von Erdensein zu Erdensein
Im Geisteslichte weisen will:
Blick’ auf deiner Sinne Leuchtewesen. Es spricht, der dich zu Seelen
Im stoffbefreiten Seinsgebiete
Auf Seelenschwingen tragen will:
Blick’ auf deines Denkens Kräftewirken. Es spricht, der unter Geistern
Im erdenfernen Schöpferfelde
Den Daseinsgrund dir geben will:
Blick’ auf der Erinnerung Bildgestalten.

Wenn wir so immer wieder und wiederum in dieser Situation uns fühlen, sprechend zu uns die Weltenweiten, sprechend zu uns der Hüter der Schwelle, sprechend zu uns die Reiche der Hierarchien, wenn wir uns das ganz lebhaft vorstellen, als wenn es eben um uns wäre, dann in Verbindung mit dem schematischen Bilde, das ich das letzte Mal an die Tafel gezeichnet habe, kommen wir dazu, allmählich zu erfühlen jenes Denken oberhalb der Sprache im Hinterkopf, durch das wir uns nähern dem Weben und Leben der dritten Hierarchie.

Also man kann sagen, meine lieben Schwestern und Brüder, wir setzen uns in Verbindung mit den Wesen der dritten Hierarchie durch diesen mantrischen Spruch.

Ebenso setzen wir uns in Verbindung mit den Wesen der zweiten Hierarchie durch den zweiten mantrischen Spruch, der neulich angeführt worden ist und der wiederum in einer solchen Weise gefühlt, gewissermaßen geistig wahrgenommen werden soll. Wir sollen ganz absehen davon, dass wir selber das sagen; wir sollen uns ganz in die Situation versetzen, die ich geschildert habe:

Vernimm des Fühlens Feld: Es spricht, der als Gedanke
Aus Geistes-Sonnenstrahlen
Dich zum Weltendasein ruft:
Fühl’ in deines Atems Lebensregung. Es spricht, der Weltendasein
Aus Sternen-Lebenskräften
Dir in Geistesreichen schenket:
Fühl’ in deines Blutes Wellenweben. Es spricht, der dir den Geistes-Sinn
In lichten Götter-Höhenreichen
Aus Erdenwollen schaffen will:
Fühl’ der Erde mächtig Widerstreben.

Da kommen wir dann dazu, unsere Verbindung herzustellen mit den Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Es wird eine innerliche Verbindung zwischen der Gefühlssphäre-dem Atmen, der Blutzirkulation - und da, wo der Wille entspringt, aber nur gefühlt wird als Wille, zwischen alledem in unserem Menschenwesen und den Wesen der zweiten Hierarchie wird die Verbindung dadurch hergestellt.

Es bleibt uns für heute zu betrachten, meine lieben Schwestern und Brüder, das Feld des Wollens. Dieses Feld des Wollens, es ist ja dasjenige, das den Menschen am kräftigsten beherrscht, das im Menschen am kräftigsten wirkt, das aber zu gleicher Zeit von dem Menschen am wenigsten mit wirklicher Aufmerksamkeit durchlebt wird. Denn der Mensch weiß eigentlich gewöhnlich wenig, wie sein Wollen verläuft.

Nehmen wir zunächst dasjenige am menschlichen Organismus, wo das Wollen zum Ausdrucke kommt dadurch, dass der menschliche Organismus in Bewegung gerät, sich in Bewegung versetzt.

Ihr müsst schon, meine lieben Schwestern und Brüder, diese intimen Vorstellungen Euch aneignen, wenn Ihr zu demjenigen vordringen wollt, zu dem Euch die Wege weisen will der Geist, der durch diese esoterische Schule spricht.

Man stelle sich vor gehend und vielleicht die Arme bewegend. Da denkt der Mensch gewöhnlich, dass er seine Beine bewegt und die Beine ihn weitertragen. Das ist ja auch die bequemste Vorstellung, die man haben kann. Man denkt, irgendeine unbekannte Kraft - es ist natürlich eine unbekannte Kraft, denn kein Mensch kann aus dem gewöhnlichen Bewusstsein von dieser Kraft etwas wissen -, die wird hineinströmen gelassen in die Beine. Ein Bein wird vor das andere gesetzt. So tragen wir uns selber durch die Welt.

So ist es nicht. Ganz und gar haben die Beine nicht die Aufgabe, uns durch die Welt zu tragen zunächst. Es ist einfach nicht wahr. Und wir geraten hier an einen Punkt, wo das gewöhnliche Bewusstsein sofort seine Maja zeigt; denn es ist Maja, wenn wir in dem Glauben leben, dass wir mit den Beinen, mit den physischen Beinen gehen, dass die physischen Beine dazu da seien, um zu gehen.

Natürlich handelt es sich nicht darum, meine lieben Schwestern und Brüder, dass Ihr jetzt hingeht und in die Welt des Philisteriums hinausschreit: Es ist nicht wahr, dass der Mensch seine Beine hat zum Gehen. - Denn man wird davon natürlich zunächst nichts verstehen. Denn man weiß nicht, in welchem tiefen Sinne es wahr ist, dass eigentlich alles dasjenige, was sich zunächst dem gewöhnlichen Bewusstsein darbietet, Maja, die große Illusion ist. Die große Illusion erstreckt sich eben nicht nur auf das, was der Mensch im Umkreise erschaut, sondern die große Illusion erstreckt sich auch auf das, was der Mensch an sich selbst mit der Welt erlebt.

Es handelt sich um Folgendes. Man stelle sich nur einmal ganz schematisch vor [es wird gezeichnet; siehe Seite 782]: Das seien die menschlichen Beine, wo eins vor das andere schreitet [weiß]. Aber innerhalb dieser menschlichen physischen Beine ist ja der menschliche Ätherleib enthalten [rot]; der Teil des menschlichen Ätherleibes, der den Beinen entspricht. Da ist der Astralleib enthalten [gelb], der den Beinen entspricht, und dann noch die Ich-Organisation [violett]. Wir gehen nun nicht mit den physischen Beinen, wir gehen nicht mit den Ätherbeinen, wir gehen nicht einmal mit den astralischen Beinen, sondern wir gehen mit denjenigen Kräften, die der Ich-Organisation entsprechen. Wir leben mit diesen Kräften, die der Ich-Organisation entsprechen, in den Schwerkräften der Erde, die unsichtbar sind [neue Zeichnung: Halbkreis mit Pfeilen]. Diese Schwerkräfte der Erde erleben wir mit den Kräften unserer Ich-Organisation [kurze Striche an den Pfeilen]. Und dasjenige, was zunächst dem Willen der Bewegung entspricht, vollzieht sich zwischen der unsichtbaren Ich-Organisation und den unsichtbaren Schwerkräften der Erde.

Nur ist die Ich-Organisation darauf angewiesen, dass sie etwas fühlt als Widerstand, wenn sie mit den Schwerkräften der Erde in Verbindung tritt. Dazu ist der Astralleib da der Beine, der Ätherleib und namentlich der physische Leib, bloß dass die Ich-Organisation sich selber fühlen kann, wahrnehmen kann. Und ohne die Wahrnehmung kann sie nicht mit der Erdenorganisation in Verbindung treten; denn sie muss bewusst mit der Erdenorganisation in Verbindung treten. Damit die Ich-Organisation im Schreiten ihrer selbst bewusst wird und mit den Erdenkräften in Verbindung treten kann, sind die physische Organisation und die anderen Organisationen da.

Das Gehen ist also ein ganz übersinnlicher Vorgang. Die sinnliche Organisation ist nur dazu zum Gehen da, dass das Gehen vom Menschen wahrgenommen werden kann, weil er so etwas nur ausführen kann, wenn er es wahrnimmt. Sie gehen ebenso wenig, meine lieben Schwestern und Brüder, mit den physischen Beinen, wie Sie mit den Strümpfen gehen. Sie gehen mit dem, was in den Beinen Ihrer Ich-Organisation entspricht. Und wie Sie die Strümpfe haben, dass sie Ihnen warm geben, so haben Sie die physischen Beine, dass sie Ihnen Bewusstsein geben für das Gehen.

Das, was ich jetzt gesagt habe, das muss man fühlen. Man muss lernen fühlen im Gehen, dass das Gehen ein übersinnlicher Vorgang ist, und dass alles Sinnliche nur dazu da ist, um Bewusstsein davon zu vermitteln. Dieses Bewusstsein wird sogar während des wachenden Erdenlebens in einer nicht ganz vollkommenen Weise erzeugt, weil unsere physischen Beine auch schwer sind und wir dadurch nicht nur mit den Schwerkräften der Erde, sondern auch mit den Schwerkräften, die in unseren physischen Beinen wirken, in Zusammenhang kommen. Daher, wenn wir die physischen Beine nicht haben, wie im Schlaf, dann durcheilen wir das Weltenall im Ich und im astralischen Leibe in einer viel regsameren Weise, als wenn wir im physischen Leben herumgehen. Wir bewegen uns während des Schlafes durchaus, nur, wir haben kein Bewusstsein davon im gewöhnlichen Bewusstsein, weil die physischen Beine das Bewusstsein davon vermitteln.

Wer ist es denn nun, der uns in die Möglichkeit versetzt, während des Schlafes - und dann auch während der Hellsichtigkeit - uns zu bewegen? Wir können uns bewegen, sagte ich, im physischen Dasein dadurch, dass uns die Bewegung bewusst wird durch die physischen Beine. Wer ist es, meine lieben Freunde, der uns das ersetzt während des Schlafes? Das sind diejenigen Wesenheiten, welche mit uns während des Schlafes für die Bewegung in Verbindung treten. Das sind die Throne, Wesenheiten der ersten Hierarchie. Nur kann der Mensch in dem gewöhnlichen Bewusstsein, in seinem gewöhnlichen Schlafbewusstsein eben die Throne nicht wahrnehmen; daher hilft es ihm nichts. Obwohl dann, wenn der Mensch durch Intuition fähig wird, wahrzunehmen, was eigentlich da geschieht im Schlafe, dann wird er gewahr: Er steht während des Schlafes durch die Throne ebenso in Verbindung mit einer höher bewussten Welt, wie er im physischen Leben durch seine physischen Beine in Verbindung steht mit dem gewöhnlichen Erdenleben.

Das alles muss ins Gefühl übergehen. Das alles muss man innerlich spüren lernen. Dann verspürt man aber auch die webende und wellende Geisteswelt, in der man eigentlich fortwährend drinnen ist.

Und wiederum können wir uns hinaufranken zu einem solchen innerlichen Erfühlen und Erleben, wenn wir wirken lassen auf uns so in der Situation drinnen, wie das bei den anderen Mantren der Fall war, die ich angeführt habe für das Feld des Denkens und das Feld des Fühlens, wenn wir uns so drinnen fühlen in der Situation: aus den Weltenweiten zu uns dringend etwas wie mit donnerähnlicher Stimme; dann der Hüter der Schwelle, uns aufmerksam machend, wir sollen die Throne hören, was sie zu uns sprechen. Die Throne sprechen uns von dem, was aus den Trieben heraus, wie wir es nennen, aus den Seelentrieben in unser Wollen übergeht, wenn wir in der Welt irgendetwas als Wollen ausführen.

Daher werden wir den dritten Teil dieser Mantren also auf uns wirken lassen, wie aus den Weltenweiten wiederum ertönend:

Vernimm des Willens Feld.

Dann der Hüter der Schwelle:

Es spricht, der die Weltenkräfte, die dumpfen Aus den Erden-Untergründen, den finstren In deiner Glieder Regsamkeiten lenket: Blick’ auf deiner Triebe Feuer-Wesen.

Das ist das Erste. Das Zweite führt uns schon mehr ins Seelische hinein. Wenn wir weitergehen im Verfolgen der Willensregsamkeit des Menschen, dann, dann machen wir in dieser innerlich meditativen Verrichtung der Seele eine große Entdeckung. Und diese große Entdeckung, die muss eigentlich einmal über den Menschen kommen, wenn er auf dem Felde seiner Entwickelung vorwärtsschreiten will.

Da muss ich Euch, meine lieben Schwestern und Brüder, auf etwas hinweisen, von dem Ihr alle wisst, denn das gewöhnliche Bewusstsein weiß schon davon; das ist dasjenige, was wir in uns nennen die Stimme des Gewissens. Die Stimme des Gewissens! Aber diese Stimme des Gewissens, sie tönt in einer unbestimmten Weise aus dem menschlichen Wesen in das Bewusstsein herein. Der Mensch kennt gewöhnlich nicht recht dasjenige, was da in Bezug auf sein moralisch-seelisches Verhalten aus geheimnisvollen Untergründen der Seele herauftönt und was er die Stimme seines Gewissens nennt. Man kommt eben nicht so tief in das eigene Wesen mit dem gewöhnlichen Bewusstsein hinunter, dass man die Stimme des Gewissens erreicht. Sie kommt herauf, aber der Mensch erreicht sie nicht. Und so schaut er sie nicht von Seelenangesicht zu Seelenangesicht.

Und wenn der Mensch dann meditierend vordringt bis zu der weiteren Welt der Cherubine, der weisheitsvollen Wesen, die die Welt durchweben und durchleben, dann macht er die große Entdeckung, wie aus der Welt der Cherubine in ihn hereindringt ein Weltenwirken, innerhalb dessen die Stimme des Gewissens lebt.

O, die Stimme des Gewissens ist von hohem Ursprung, hoher Wesenheit. Sie lebt eigentlich in der Welt der Cherubine. Aus dieser Welt der Cherubine webt sie sich hinein in das Menschenwesen und tönt aus den Tiefen dieses Menschenwesens unbestimmt zunächst herauf. Aber es ist eine große, gewaltige Begegnung, wenn der Mensch im Intuitionsleben, da, wo er sich in Verbindung setzen kann mit dem Feld der Cherubine, der Welt begegnet, in der sein Gewissen west und webt. Es ist die größte persönliche Entdeckung, die der Mensch machen kann.

Dazu ermahnt uns der Hüter der Schwelle mit den Worten:

Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen Aus Gottes-Wirkensfeldern, gnadevoll In deinem Blute kreisen lässt: Blick’ auf des Gewissens Seelen-Führung.

In Wahrheit ist es der Geist, der im Blute kreist aus dem Felde der Cherubine heraus, der die Stimme des Gewissens darstellt. Das Blut ist in allen Teilen unseres Menschenwesens physisch; aber es trägt, indem es in allen Teilen unseres Menschenwesens physisch ist, diese Stimme des Gewissens zugleich mit anderem. Und es weben die Wellen des cherubinischen Lebens in dem seelischen Dasein unseres Blutes.

Wir gewinnen für diese Meditation einen größeren Halt, wenn wir uns die Situation so vorstellen: Erst spricht dasjenige, was aus den Weltenweiten kommt:

Vernimm des Willens Feld.

Der Hüter der Schwelle ermahnt uns:

Es spricht, der die Weltenkräfte, die dumpfen Aus den Erden-Untergründen, den finstren In deiner Glieder Regsamkeiten lenket.

Dann stellen wir uns vor [es wird gezeichnet]: Webende Wolken [blau], webende Wolken als Symbolisierung der Throne. Und indem wir diese webenden Wolken vorstellen, hören wir die Throne, die Stimmen aus der ersten Hierarchie:

Blick’ auf deiner Triebe Feuer-Wesen.

Dann spricht der Hüter der Schwelle weiter:

Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen
Aus Gottes-Wirkensfeldern, gnadevoll
In deinem Blute kreisen lässt.

Jetzt stellen wir uns vor, durchzuckend diese Wolken: Blitze [rot], denn Blitze sind die Werkzeuge der Cherubine, die feurigen Schwerter der Cherubine. Indem diese Blitze zucken durch die Wolken, fühlen wir dieses Zucken in den Worten:

Blick’ auf des Gewissens Seelen-Führung.

Dann spricht der Hüter der Schwelle:

Es spricht, der das Menschensein, das vollbrachte

  • das sind die früheren Erdenleben

Durch Tode und Geburten, sinngerecht Zum Atmen bringt in gegenwärt’ger Zeit.

Dabei stellen wir uns vor, wie der ganze Himmel über den Blitzen mit webender Wärme [es wird weitergezeichnet, gelb], mit webender Hitze die Blitze heruntersendet. Und in dieser webenden Hitze aus Weltenweiten empfinden wir die Sprache der Seraphine:

Blick’ auf deines Schicksales Geistes-Prüfung

wie sich das Schicksal von Erdenleben zu Erdenleben in dieses gegenwärtige Erdenleben herein erstreckt.

Das Mantram ist besonders wirksam, wenn es in dieser Weise zugleich mit dem Bilde empfunden wird. Und man kann sich gerade für dieses Mantram - weil ja der Wille das Geheimnisvollste ist - vorbereiten, vorbereiten dadurch, dass man, abstreifend alle Trivialität von den Worten, das Hinweisende, Hinlenkende, Weltenrichtung-Gebende empfindet an diesem Bilde, indem man mit einem guten deutschen Worte — das nur leicht trivial aufgefasst werden könnte, aber es muss, wenn man es nun hier braucht, alle Trivialität davon abgestreift werden - statt Throne «Sitze» sagt.

Also stellt Euch vor, meine lieben Schwestern und Brüder: Ihr fühlt das Wort «Sitze»: [Es wird an die Tafel geschrieben:]

Sitze

Wolkensitze; bildet Euch die Wolkenvorstellung, dass sie vor Euch steht, Ihr bildet das Wort «Blitze». [Über «Sitze» wird geschrieben:]

Blitze

wiederum mit der Vorstellung «Hineinblitzen»: die zuckenden Blitze in die Wolken hinein. Ihr bildet das Wort «Hitze», [über «Blitze» wird geschrieben:]

Hitze

Weltenhitze; und fühlt in diesem dreifachen «i» das Aufsteigen von den Wolkensitzen zu den Blitzen und zu der Weltenhitze, aus der die Blitze kommen. Ihr fühlt vorbereitend zum Mantram:

Sitze, Blitze, Hitze.

Und dann, nachdem dies vor Euch steht, fühlt Ihr mit dem Bilde die Kraft des Mantrams:

[Das Mantram III wird nun an die Tafel geschrieben und gleichzeitig in der ersten Zeile «Willens» und jeweils die letzte Zeile von Teil 1,2, 3 unterstrichen; siehe Seite 783:]

III. Vernimm des Willens Feld: 1.) Es spricht, der die Weltenkräfte, die dumpfen
Aus den Erden-Untergründen, den finstren
In deiner Glieder Regsamkeiten lenket:
Blick’ auf deiner Triebe Feuer-Wesen. 2.) Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen
Aus Gottes-Wirkensfeldern, gnadevoll
In deinem Blute kreisen lässt:
Blick’ auf des Gewissens Seelen-Führung. 3.) Es spricht, der das Menschensein, das vollbrachte
Durch Tode und Geburten, sinngerecht
Zum Atmen bringt in gegenwärt’ger Zeit:
Blick’ auf deines Schicksales Geistes-Prüfung.

In solchen Sprüchen ist nichts bloße Phrase, sondern hier handelt es sich um der «Glieder Regsamkeiten» - ich habe es geschildert als ein Zusammenarbeiten der Ich-Organisation mit den Kräften der Erde -: ganz übersinnlicher Vorgang. Dessen müssen wir uns bewusst sein im ersten Teil des Mantrams.

Im zweiten Teil des Mantrams: Wir müssen uns bewusst sein der durch den ganzen Organismus gehenden Blutzirkulation, die in ihrem Wellenkreisen dasjenige enthält, was das Gewissen hat. Das Schicksal aber, das lebt im Grunde genommen in unserem Atem, insofern der - der oberste Teil des rhythmischen Systems - durchströmt wird nicht nur von dem, was heute uns im Atmen belebt, sondern indem der Atem geformt wird aus früheren Erdendaseinsstufen.

Hier [im Teil 1] werden wir von dem Hüter der Schwelle verwiesen auf die

...............Throne
hier [im Teil 2] auf die Cherubine
hier [im Teil 3] auf die Seraphine

[«Throne» wird neben Teil 1, «Cherubine» neben Teil 2, «Seraphine» neben Teil 3 geschrieben]

Das Symbolum, das wir wählen, um dem Mantram die nötige innere Stärke und Geisteskondensation zu geben, das drückt uns die Offenbarung der ersten Hierarchie in einer sehr schönen Weise aus: Wolken, Throne, aber zu gleicher Zeit dasjenige, aus dem die Throne, wenn wir auf das Geistige in den Wolken hinschauen, aus dem die Throne ihre Substanz nehmen, ihr eigenes Wesen; Wesen nehmen sie daraus. [Es wird an die Tafel geschrieben und dabei «Wesen» unterstrichen]

Wolken — Throne - Wesen

Wir blicken auf zu den Blitzen. O, die Cherubine sind schon verhüllter. Bei den Thronen kann man spüren, wie sie in den Wolken selber weben. Die auftürmenden Wolken geben die Substanz der Throne her. So leicht in ihrem Anblick machen es uns die Cherubine nicht. Sie verbergen sich mehr als die Throne. Sie zeigen uns nicht sich selbst in den Formungen. Sie zeigen uns in den Blitzen ihre Werkzeuge. Sie sind hinter ihren Werkzeugen. Sie zeigen uns in den Blitzen nicht ihr Wesen, nur ihre Werkzeuge: [Es wird an die Tafel geschrieben und dabei «Werkzeuge» unterstrichen]

Blitze - Cherubine - Werkzeuge

Und steigen wir gar auf zu der Weltenhitze, da verbergen sich tief darinnen die Seraphine; viel tiefer als die Cherubine hinter den Werkzeugen, den Blitzen. Das ist nur der Schein, diese Weltenhitze, nur der Schein der Seraphine. Die Throne offenbaren sich durch ihr Wesen; die Cherubine offenbaren sich durch ihre Werkzeuge; die Seraphine offenbaren sich durch den Schein, der aus ihnen ausstrahlt: [Es wird an die Tafel geschrieben und dabei «Schein» unterstrichen]

Weltenhitze - Seraphine - Schein

Und so stellen wir die Verbindung her zwischen dem Menschen und der ersten Hierarchie im Felde des Wollens:

Vernimm des Willens Feld: Es spricht, der die Weltenkräfte, die dumpfen
Aus den Erden-Untergründen, den finstren
In deiner Glieder Regsamkeiten lenket:
Blick’ auf deiner Triebe Feuer-Wesen. Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen
Aus Gottes-Wirkensfeldern, gnadevoll
In deinem Blute kreisen lässt:
Blick’ auf des Gewissens Seelen-Führung. Es spricht, der das Menschensein, das vollbrachte
Durch Tode und Geburten, sinngerecht
Zum Atmen bringt in gegenwärt’ger Zeit:
Blick’ auf deines Schicksales Geistes-Prüfung.

Es kommt aber alles darauf an, dass wir in der Situation uns darinnen empfinden so, als ob wir gar nicht selber sprechen, denken, fühlen und wollen würden; sondern es kommt darauf an, dass wir uns selber ganz vergessen und in dieser Situation in dreifacher Weise uns angetönt erfühlen und empfinden.

Ja, meine lieben Schwestern und Brüder, es ist schon notwendig, dass man solche mantrischen inneren Verrichtungen in vollem Ernste nimmt. Dann bewirken sie, was sie bewirken sollen. Dann bringen sie uns vorwärts auf dem Felde, auf dem dreifachen Felde der geistigen Welten, auf dem Felde des Denkens, Fühlens, Wollens. Und überall handelt es sich darum, dass wir in vollem Ernste in diesen Dingen drinnenstehen können.

Dazu ist eigentlich noch etwas notwendig, was berücksichtigt werden muss. Der Meditierende wird ja oft wiederum in den Schlendrian des gewöhnlichen Lebens zurückfallen; er muss das ja auch, da er zwischen Geburt und Tod ein Erdenmensch ist. Das gewöhnliche Bewusstsein muss sich immer wieder finden. Aber wir können ja so sein im Leben, so zum Beispiel: Wenn wir - ich meine jetzt, im negativen Sinne können wir es —, wenn wir irgendeinen Schmerz, der habituell bleibt, der chronisch wird, wenn wir den haben, wir empfinden ihn immer; wir können manchmal ihn übersehen, aber wir empfinden ihn. So sollten wir auch erleben, wenn wir einmal erfasst worden sind von der Kraft der Meditation. Wir sollten uns eigentlich immer so fühlen, dass wir uns sagen: Dieses gewöhnliche Bewusstsein hat ja einmal meditiert, es ist ja einmal erfasst worden von der es durchsetzenden Kraft der Meditation. Wir sollen fühlen, dass die Meditation da war, dass wir einmal in ihr waren. Wir sollen ein anderer Mensch geworden sein dadurch, dass wir fühlen, die Meditation macht uns zu etwas anderem. Dadurch, dass wir einmal mit ihr begonnen haben, können wir gar nicht mehr im Leben vergessen — auch nicht für Augenblicke vergessen, meine lieben Schwestern und Brüder -, dass wir Meditierende sind. Dann ist dies die rechte Stimmung des Meditierenden.

Wir sollen so uns hineinleben in das Meditieren - wenn wir natürlich auch selbstverständlich das Meditieren nur kurz treiben, ohne dass es uns das übrige Leben stört -, dass wir eigentlich immer uns fühlen als Meditierende und dass wir, wenn wir einmal vergessen, dass wir Meditanden sind, und nachher darauf kommen, wir haben das vergessen, es hat Momente im Leben gegeben, wo wir das vergessen haben: Da sollten wir uns das Gefühl aneignen, uns so zu schämen, wie wir uns schämen würden, wenn es uns passierte, dass wir ohne Kleider nackt durch eine ganz mit Menschen besetzte Straße liefen. Das sollten wir uns aneignen. So sollten wir den Übergang vom Nichtmeditieren zum Meditieren auffassen, dass es keinen Moment gibt, der so ist, dass, wenn wir ihn ohne das Bewusstsein, dass wir Meditanden sind, hinterher entdecken, wir uns seiner nicht schämen würden. Das ist dasjenige, worauf viel ankommt. Und dann werden wir wirklich fortschreiten in dem, was uns durch das Weltenwort, mit dem wir begonnen haben, gesagt wird:

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.

Aber wir müssen auch uns immer wieder vor die Seele führen, dass Erkennen eine ernste Sache ist, dass die Welt der großen Illusion, die Welt der Maja, uns das Erkennen nicht liefert, dass wir erst an die Schwelle kommen müssen, wo der Hüter steht, und dass an der Schwelle erst alle die Truggestalten verschwinden, mit denen die gewöhnliche Sinneswirklichkeit und das gewöhnliche Denken erfüllt sind.

Das können wir empfinden, wenn aus denselben Weltentiefen, aus denen wir heraus wahrgenommen haben das Weltenwort, das eben gesprochen worden ist, es ferner zu uns klingt:

Erkenne erst den ernsten Hüter,
Der vor des Geisterlandes Pforten steht,
Den Einlass deiner Sinnenkraft
Und deines Verstandes Macht verwehrend,
Weil du im Sinnesweben
Und im Gedankenbilden
Aus Raumeswesenlosigkeit,
Aus Zeiten Truggewalten
Des eignen Wesens Wahrheit
Dir kraftvoll erst erobern musst.

Wenn wir solches gehört haben, kann in uns andächtig das Gegenwort aus den Tiefen unserer Seele heraus sprechen:

Ich trat in diese Sinnes-Welt,
Des Denkens Erbe mit mir führend,
Eines Gottes Kraft hat mich hereingeführt.
Der Tod, er steht an des Weges Ende.
Ich will des Christus Wesen fühlen.
Es weckt in Stoffes-Sterben Geist-Geburt.
Im Geiste find’ ich so die Welt
Und erkenne mich im Weltenwerden.

Es wird also jetzt immer diese Stunde am Sonnabend um dieselbe Zeit sein.

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