Esoteric Lessons for the First Class II
GA 270 — 21 June 1924, Dornach
Fünfzehnte Stunde
Meine lieben Freunde! Wir werden auch heute beginnen mit demjenigen mantrischen Spruch, der dem Menschen entgegentönt von allen Seiten der Weltvorgänge und der Weltwesen, wenn er mit wirklichem innerem Herzens- und Seelenverständnisse dasjenige aufzufassen vermag, was ihm die einzelnen Wesenheiten der Welt, die einzelnen Vorgänge der Welt zu sagen vermögen:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Meine lieben Schwestern und Brüder, meine lieben Freunde, es wird notwendig sein, da zu dieser Stunde verschiedene Klassenmitglieder erschienen sind, die vorher nicht die Klasse mitgemacht haben, einiges nur um des Zusammenhanges willen zu sagen, was eben nötig ist zu wissen, wenn man dasjenige verständnisvoll wird aufnehmen wollen, was gerade heute der Inhalt dieser Klassenstunde sein soll.
Wir haben ja, meine lieben Schwestern und Brüder, es durchgemacht, wie sich die Bilder des Lebens hinstellen vor die Seele, wenn der Mensch zur wahren, wirklichen Erkenntnis sich nähert jenem Abgrunde, der sich auftut zwischen der Welt, in der wir hier leben, die uns umgibt, und derjenigen Welt, die wir als diejenige erkennen wollen, in der wir unser wahres Wesen, unser eigentliches menschliches Sein haben.
Wir werden ja gewahr, wenn wir die Welt um uns herum in rechter Weise wahrnehmen, wie diese Welt unsere intensivste Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen muss. Wir richten den Blick vom niedersten Gewürme bis hinauf zu den glänzenden, funkelnden Sternen des Himmels. Wir schauen überall herum durch die Reiche der Natur, aus denen vieles von dem entnommen ist, was wir selber in uns tragen. Und wir haben allen Grund, dasjenige, was da um uns herum ist im strahlenden, hellen Sonnenlichte, so zu sehen, dass wir dessen Größe, dessen Weltbedeutung, dessen Majestät und Erhabenheit gründlich im Herzen und in der Seele fühlen. Und wir sollen durch die Teilnahme an irgendeiner Esoterik, durch die Teilnahme an irgendeiner Geisteswissenschaft durchaus nicht dazu verführt werden, irgendwie asketisch uns abzuwenden - denn das könnte nur eine falsche Askese sein -, uns abzuwenden weder von dem niederen Gewürm noch von dem erhabenen Sternenhimmel, weil diese der Welt der Sichtbarkeit angehören, uns irgendwie abzuwenden und nicht zu empfinden ihre Größe, Majestät und Erhabenheit, nicht zu empfinden die Bedeutung, die sie für uns selber haben.
Wir sollen das empfinden. Wir sollen uns gerade als richtige Bekenner zur Geisteswissenschaft ganz drinnen fühlen in dem, was uns als die Welt um uns herum erscheint. Aber wir sollen auch gewahr werden und wir können es gewahr werden - wenn wir in rechter Weise unser eigenes Herz, unsere eigene Seele zu den Dingen und Wesenheiten und Vorgängen der Welt stellen -, wir können es gewahr werden und sollen es gewahr werden, dass unser wahres, echtes, höchstes menschliches Sein in allen diesen Reichen der Natur nicht zu finden ist; dass es nicht zu finden ist - trotzdem diese Welt groß und erhaben ist - in der sonnenbeglänzten und sonnenerhellten Welt; dass wir es suchen müssen in einer Welt, von der uns ein Abgrund in Bezug auf Wahrnehmung trennt; und dass dasjenige, was jenseits des Abgrundes ist in derjenigen Welt, aus der wir wirklich stammen, sich uns zunächst darstellt als schwärzeste Finsternis. Wie eine Wand, wie eine schwarze Wand steht es vor uns, der Abgrund davor.
Aber das erste Wesen, dem wir begegnen, das steht an diesem Abgrunde. Wir würden ja, das müssen wir immer wieder betonen, jede Nacht, wenn wir schlafen, in demjenigen Reiche uns finden - denn wir sind wirklich darinnen -, dem wir angehören mit dem innersten, wahrsten Wesen unserer Menschlichkeit. Aber wir dürfen in dieses Reich nur in voller Reife eintreten. Dass wir nicht in Unreife eintreten, davor hat uns zu bewahren dieser Hüter der Schwelle, der uns als das erste Geistwesen dann begegnet, wenn wir den ernsten, wahren Willen haben, in die Welt unseres Ursprunges, unseres Urstandes hineinzuschauen und hineinzukommen.
Dann ist es der Hüter der Schwelle selber, der uns die ersten Worte spricht, wenn wir den Weg betreten wollen über den Abgrund hin in das Reich der Geistigkeit, aus dem wir stammen. Dann ist es der Hüter der Schwelle selbst, der uns zunächst mahnt, den Blick zurückzuwenden zu unserem eigenen Selbst, um in der Selbsterkenntnis die Grundlage für die Welterkenntnis zu suchen.
Dann aber auch ist es der Hüter der Schwelle selbst, der uns zeigt, wie dasjenige, was zunächst als unser scelisches Wesen in uns ist, unser Wollen, Fühlen und Denken, gegenüber der göttlich-geistigen Welt eine Gestalt hat, die in imaginativer Erkenntnis vor uns hingestellt werden kann. Da zeigt er uns diese Gestalt, die zunächst in unserer Gegenwart, in unserem Zeitalter, unser Fühlen, Denken und Wollen hat, in Gestalt von drei Tieren, die heraufsteigen aus dem Abgrund. Und alles Folgende ist dann Ermahnung vonseiten des Hüters der Schwelle, dass wir sollen uns in einer bestimmten Weise verhalten zu diesen drei Tieren, das heißt zu uns selbst, um den Weg nun wirklich zu finden zum Verständnis der Welt, aus der wir urständen.
Das alles ist in mantrischen Sprüchen vor die Seelen derer getreten, die teilgenommen haben an diesen Stunden, und das alles führte dann hinüber zu dem, was in der letzten Stunde hier vorgebracht worden ist.
Da standen wir ja schon vor der Situationsmeditation. Da wurden wir angewiesen, uns zu schauen, wie wir da stehen bereits jenseits des Abgrundes, aber noch unter den Ermahnungen des Hüters der Schwelle, der an uns richtet die Worte, die uns zum Verständnisse unserer Lage führen sollen, wenn wir den Abgrund überflogen haben und in das Reich, das für uns zunächst finster ist, eingetreten sind.
Hier, solange wir stehen in dem Reiche, aus dem wir nicht urständen, nicht stammen, haben wir unter uns die Festigkeit der Erde - die uns trägt, auf die wir gestützt sind, die wir, wie wir gesehen haben, mit unserem ganzen Körper tasten, wenn wir darauf stehen -, das erste, das Erden-Element.
Wir tragen in uns, indem wir fühlen dasjenige, was man in der Geisteswissenschaft «Wasser» nennt, was aber alle Flüssigkeit bedeutet - indem wir fühlen das Flüssigkeitselement in uns, das uns eigentlich erbildet, das uns wachsen macht, das alle Organe aus sich heraus fest werden lässt -, das zweite, das Wasser-Element. Auch in Bezug auf dieses Wasser-Element, das ja auch das Blut-Element ist, bekommen wir die Ermahnung des Hüters der Schwelle.
In Bezug auf dasjenige, was wir durch unseren Atem aufnehmen, das Luft-Element, in Bezug auf dasjenige, was wir durch die Wärme, durch das in uns wirkende Feuer aufnehmen, auch da richtet bedeutungsvolle Worte der Hüter der Schwelle an uns.
Und in uns wirken die Weltenmächte, damit eine Antwort sich formt in unserer Seele auf dasjenige, was der Hüter der Schwelle mahnend uns frägt. Diese Antwort, die die Weltenmächte in uns selber regsam machen, diese Antwort kann kommen von Christus: Dann wird sie die rechte Antwort sein; sie kann kommen von Luzifer: Dann wird sie die unrechte Antwort sein; sie kann kommen von Ahriman: Dann wird sie wieder die unrechte Antwort sein.
Die Ermahnung von Christus, sie wird immer so gestaltet sein gegenüber jedem einzelnen Elemente, dass der Christus in uns spricht, dass wir uns drüben in der geistigen Welt fühlen recht geistig, ganz geistig, völlig im Einklang mit dem Geist-Elemente, dass wir aber wissen, dass wir, solange wir Erdenmenschen sind, immer wiederum über den Abgrund zurückkehren müssen ins irdische Wesen und dass wir nicht wollen länger, als wir drüben sind in der geistigen Welt, die Eigenheiten der geistigen Welt an uns reißen.
Christus wird immer so zu uns sprechen, dass er uns ermahnt: Solange wir in der geistigen Welt sind, sollen wir eins sein mit dieser geistigen Welt; wenn wir wieder zurückkommen, sollen wir auf der Erde als rechte Erdenmenschen leben; denn nur mit dem Geiste sollen wir in der Geistwelt sein wollen.
Luzifer wird uns immer aufstacheln und versuchen, dass wir wollen drinnenbleiben in der geistigen Welt, aufgehen wollen in der Lust der geistigen Welt, aufgehen in dem Wohlgefallen der geistigen Welt.
Ahriman wird uns immer ermahnen, dass wir sollen seine Dienste annehmen, dass wir sollen die geistige Welt herüberreißen in die physische.
Solches muss man auf seine Seele wirken lassen, damit man sich richtig drinnenfühlt in der ganzen Situation des Menschen gegenüber der geistigen Welt.
So also fühlen wir uns jenseits des Abgrundes schon in der geistigen Welt drinnenstehend, noch wie in äußerster Finsternis stehend; der Hüter der Schwelle am Abgrund, mahnend seine Rechte gegen uns wendend, Fragen an uns richtend, die uns tief einschneiden in die Seele. Spüren wir, wie dann aus uns auf jede einzelne Frage eine dreifache Antwort kommt: die Antwort des Christus, die Antwort des Luzifer, die Antwort des Ahriman.
Der Hüter spricht: Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stützte?
— Drüben ist kein Boden. Wir sind in der geistigen Welt.
Der Hüter frägt: Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stützte? Christus in uns antwortet: Ich verlasse ihren Grund, so lang der Geist mich trägt. Luzifer in uns antwortet: Ich fühle wonnig, dass ich fortan der Stütze nicht bedarf. Ahriman antwortet: Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie hämmern. Der Hüter spricht: Wo ist des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? Christus in uns spricht: Mein Leben verlöscht sie, so lang der Geist mich formt. Luzifer in uns: Mein Leben zerschmilzt sie, dass ich erlöst von ihr werde. Ahriman in uns spricht: Mein Leben befestigt sie, das ich sie ins Geistgebiet versetze. Der Hüter spricht: Wo ist der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte? Christus in uns: Meine Seele atmet Himmelsluft, so lang der Geist um mich besteht. Luzifer in uns: Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit. Ahriman in uns: Meine Seele saugt sie auf, dass ich göttlich schaffen lerne. Der Hüter spricht: Wo ist des Feuers Reinigung, die dir das Ich erflammte? Christus in uns: Mein Ich lodert im Gottesfeuer, so lang der Geist mich zündet. Luzifer in uns: Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft. Ahriman in uns: Mein Ich hat Eigenfeuer, das rein durch Selbstentfaltung flammt.
Wir werden geprüft durch die Mahnfragen des Hüters, wie wir uns zu der festen Stütze der Erde verhalten werden, zu der bildenden Kraft der Flüssigkeit in uns, zu der Astrales erzeugenden Kraft der Lüfte in uns und zu der Ich-tragenden Kraft des Feuers in uns. Und in uns antwortet Christus, in uns die rechte Menschheit erregend. In uns antwortet versucherisch Luzifer, als ob wir an uns reißen wollten alle Wonnen für immer, die wir nur für die Augenblicke, in denen wir uns dem Geist mit Recht übergeben, in uns rege machen sollten. Und in uns antwortet Ahriman, als ob wir herübertragen wollten in die Gefilde der Erde dasjenige, dessen wir teilhaftig werden im Geisterland.
Wir müssen in unserer Seele wirken lassen dasjenige, was in der Seele möglich ist. Wir müssen uns aussetzen sowohl der Stimme des Christus, wie der Stimme des Luzifer, wie der Stimme des Ahriman. Meditierend müssen wir uns in diese Situation versetzen. Dann werden wir im Innern der Scele, gerade dadurch, dass wir aufgerufen werden in unserem tiefsten Innern, meine lieben Schwestern und Brüder, dadurch werden wir gerade so weit befreit, dass wir im befreienden Geist-Erleben das geistige Element auch wirklich als das unsrige haben können.
Wir müssen heute wieder anknüpfen an diese Situation, müssen uns deutlich stehend fühlen jenseits dieser Schwelle des Abgrundes, den mahnenden Hüter der Schwelle uns zur Seite; in uns die Stimmen, die den Menschen zerren nach den verschiedensten Seiten hin: Luzifer und Ahriman; in uns die Stimme des Christus, der uns den rechten Weg zeigt, indem Luzifer von der einen, Ahriman von der anderen Seite uns beirren wollen. Dann werden wir die Stimmung erhalten, die es möglich macht, dass wir mit dem Fühlen, mit dem Erfühlen in der geistigen Welt beginnen.
Das, meine lieben Schwestern und Brüder, können wir nur, wenn wir allmählich uns aneignen die Fähigkeit, gegenüber den höheren geistigen Wesenheiten so zu fühlen wie gegenüber den Wesenheiten der drei Reiche der Natur hier in der Sinneswelt.
Stehen wir hier in der Sinneswelt, dann fühlen wir draußen das Wesen des Steines, das Wesen des Mineralischen, und wir sagen uns: Dieses Wesen des Mineralischen lebt auch in uns. Wir haben den Salzgehalt in uns. In dem Salzgehalt lebt das Mineralische in uns, das uns eigentlich erst möglich macht, innerhalb des Irdischen ein Mensch zu sein.
Wir schauen hinaus in die Pflanzenwelt. Wir wissen: Das Pflanzenwesen nehmen wir in uns auf, haben es in unserem irdischen Wesen innerhalb der Grenzen unserer Haut, tragen es in uns in unserem Wachstumsentfalten, tragen es in uns in all dem, was uns unsere Organe formt, tragen es in uns in all dem, was wir entwickeln auch im Schlafe. Wir fühlen das Pflanzenwesen in uns tragend, indem wir anschauen das Pflanzenwesen um uns herum.
Wir schauen hin auf die Tiere, wissen, dass wir in unserem Astralischen, in unserem Atmungsprozesse das Wesen der Tierheit selber in uns tragen. Wir schauen auf die mannigfaltigen Tiere und sagen: Wir fühlen uns mit dieser Tierheit, weil wir diese Tierheit selber in uns tragen. Wir organisieren sie nur herauf ins Menschliche.
Und so fühlen wir uns als Mensch hier in der Sinneswelt stehend unter den Wesen der drei Reiche der Natur. So müssen wir uns fühlen lernen, wenn wir in der Geistwelt drinnenstehen, unter denjenigen Wesenheiten, unter denen wir dann gerade so sind mit unserer geist-seelischen Menschlichkeit, wie wir hier sind mit unserer ätherisch-physischen Menschlichkeit unter den Wesen der drei Reiche der Natur. Wie wir uns als physischer Mensch unter physischen Menschen wissen lernen, so müssen wir uns wissen lernen als geistseelischer Mensch unter geist-seelischen Wesenheiten.
Kennengelernt haben wir dasjenige, was die uns Menschen berührende geist-seelische Welt ist, in der Form von drei Hierarchien, wie wir kennengelernt haben durch das, was wir von außen wissen, die Wesenheiten innerhalb der Sinneswelt in den drei Reichen der Natur. Mit unserem ätherisch-physischen Wesen gehören wir den drei Reichen der Natur an; mit unserem geist-seelischen Wesen gehören wir den drei Reichen der Hierarchien an. Stehen wir hier in der Sinneswelt, so muss es uns natürlich sein, den drei Reichen der Natur anzugehören, sie durch uns durchfließen zu lassen, in ihnen drinnenzustehen; stehen wir in der geist-seelischen Welt drinnen, so muss es uns geist-seclisch sein, den Wesenheiten der höheren Hierarchien anzugehören für die Zeit, in der wir in der geistigen Welt uns erfühlen, uns unter diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien so drinnenstehend zu erkennen, wie wir das sonst den Wesen der Reiche der Natur gegenüber tun.
Darauf weist uns wiederum der Hüter hin. Und es werden die mantrischen Worte, die nun herausgeholt werden aus der geistigen Welt durch die Zauberkraft der Stimme des Hüters, diese mantrischen Worte werden wiederum, immer und immer wiederum meditierend in unserer Seele erklingen müssen. Dann werden sie die Kraft haben, gerade durch die einfache Art, wie sie gestaltet sind, durch die Wiederholungen, die in ihnen sind, durch die eigentümliche Form, die sie haben eben, werden diese mantrischen Worte geeignet sein, in unserer Seele wachzurufen das Gefühl des Drinnenstehens in der geistigen Welt unter den Hierarchien.
Daher haben wir uns das nächste in den Mantren so vorzustellen, dass der Hüter spricht. Wir stehen noch immer jenseits der Schwelle der geistigen Welt im Finstern, lernen zuerst fühlen in der geistigen Welt, bevor wir schauen lernen. Der Hüter spricht wiederum mit Bezug auf die Elemente - Erde, Wasser, Luft zunächst; Feuer soll den Gegenstand der nächsten Klassenstunde bilden -, zunächst spricht der Hüter mit Bezug auf die Elemente Erde, Wasser, Luft: also alles dasjenige, was in uns Festes ist; alles dasjenige, was in uns Flüssiges ist, vor allen Dingen unser Blut und alle unsere Gewebesäfte; in Bezug auf alles dasjenige, was in uns luftartig ist, die aufgenommene Luft von außen, was in uns atmungsartig ist. In Bezug auf alles das spricht der Hüter. Und er ruft hervor dasjenige, was erklingt aus der Welt der Hierarchien.
Nachdem der Hüter sein Wort an uns gerichtet hat, spricht eine Hierarchie nach der anderen. Beim ersten Mantram die dritte Hierarchie: zuerst die Angeloi, die Archangeloi dann, zum dritten die Archai. In dieser Situation fühlen wir uns.
Der Hüter der Schwelle spricht zu uns. Es ertönt aus dem Finstern heraus, wie wenn es aus den Untergründen käme und zu gleicher Zeit ernst zu unserer Seele sprechend an uns heranklänge:
Der Hüter spricht: Was wird aus der Erde Festigkeit, die dich stützte? Aus der dritten Hierarchie die Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden. Aus der dritten Hierarchie die Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben. Aus der dritten Hierarchie die Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen.
Wir bekommen aus dem Kosmos heraus eine bedeutsame dreifache Lehre auf die Frage des Hüters der Schwelle hin. Seine Worte rufen mit Zaubergewalt die Antwort der Angeloi, Archangeloi, Archai hervor.
Was lehren uns die Angeloi? Wir Menschen denken. Wir glauben zunächst, nur unsere Gedanken zu erleben. Aber indem unsere Gedanken durch unsere Seele ziehen, leben in unseren Gedanken die Angeloi in Wirklichkeit darinnen. Und wie wir mit unseren Sinnen empfinden, wie wir irgendetwas angreifen, erfassen, so leben in unserem Denken - das ist ihr Empfinden - die Angeloi drinnen. Sie bringen uns das zum Bewusstsein. Und ebenso wie empfinden in unserem Denken die Angeloi, so erleben in unserem Fühlen die Archangeloi und so schauen in unserem Wollen die Archai.
Wenn irgendein Gedanke, meine lieben Schwestern und Brüder, durch Eure Seele zieht, dann fühlet, dass in diesem Gedanken ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi etwas empfindet. Da tastet, indem Ihr denkt, ein Angelos irgendetwas. Indem Ihr fühlt, erlebt ein Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi etwas. Indem Ihr wollt, indem Ihr Willen entfaltet, schaut ein Wesen aus der Hierarchie der Archai irgendetwas. Menschendenken, Menschenfühlen, Menschenwollen ist nicht bloß ein Vorgang im Menschen. Während wir denken, empfinden die Angeloi; während wir fühlen, erleben die Archangeloi; während wir wollen, schauen die Archai.
[Der erste Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 794:]
Der Hüter - spricht -: Was wird aus der Erde Festigkeit, die dich stützte?
Aus der Hierarchie der Angeloi antwortet es aus der dritten Hierarchie: [«3. Hierarchie» wird quer an die Tafel geschrieben und unterstrichen:]
Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden.
Aus der Hierarchie der Archangeloi ertönt es:
Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben.
Aus der Hierarchie der Archai ertönt es:
Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen.
Das ist dasjenige, was ersetzt in der geistigen Welt das Element der Erde. Denn die Stützekraft der Erde ist nicht da. Der Boden der Erde ist fort. Alles Feste ist fort. Nicht so, wie die Mineralien das Feste bilden, bildet die dritte Hierarchie der Angeloi, Archangeloi, Archai ein Festes. Aber wir würden nicht nur nach unten, sondern nach allen Seiten versinken in unserem Denken, wenn nicht die Angeloi in ihm wirkten, wenn die nicht ihre Empfindung drinnen hätten. Wir würden nach allen Seiten zerstieben in Formlosigkeit, wenn nicht die Archangeloi lebten in unserem Fühlen. Wir würden überall ins Nichts verschwinden in unserem Wollen, wenn wir nicht in diesem Wollen die Kraft des Schauens der Archai hätten.
Das Zweite ist das Wasser, das uns die Bildekraft gibt: das flüssige Element in uns. Wir stellen uns wieder vor: Wir stehen jenseits des Abgrundes im Finstern noch der geistigen Welt. Wir lernen erst in ihr fühlen. Der Hüter spricht mahnend, fragend. Jetzt aber antworten in Bezug auf die Kraft der Flüssigkeit, auf das Element der Flüssigkeit die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes.
Der Hüter spricht: Was wird aus des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? Aus der zweiten Hierarchie die Exusiai antworten: Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen. Die Dynamis in der zweiten Hierarchie: Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben. Die Kyriotetes der zweiten Hierarchie: Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Körper-Sein.
Wir werden dadurch zum Bewusstsein gebracht, dass wir gegenüber allem, in dem wir stehen, nicht als Einzelheit dastehen. Wir sollen fühlen lernen: In unserem körperlichen Dasein, das wir innerhalb der Grenze unserer Haut in uns tragen, lebt ein Teil des Welten-Seins. Die zweite Hierarchie ist in uns, wirkt in uns und wirkt in uns so, als ob wir kosmische Wesen wären, Wesen, die als Glieder dem Kosmos angehören.
Das soll so recht in unser Bewusstsein übergehen durch diese mantrischen Sprüche: dass wir im Weltgeschehen drinnenstehen, und dass alles, von der geringsten Vibration unseres Zellenorgans bis herauf zu der gewaltigen, erhabenen Wellenbewegung unseres Blutes, zum Rhythmus unseres Atmungssystemes, zu jenem Rhythmus, der Tag und Nacht abwechseln lässt, dass das alles nicht nur ein Geschehen in uns ist, dass das alles ein Glied des Weltengeschehens ist.
[Der zweite Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben:]
Der Hüter - spricht -: Was wird aus des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang?
Die Exusiai aus der zweiten Hierarchie [«2. Hierarchie» wird quer an die Tafel geschrieben und unterstrichen] antworten:
Exusiai: Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen.
Die Dynamis aus der zweiten Hierarchie antworten:
Dynamis: Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.
Die Kyriotetes aus der zweiten Hierarchie antworten:
Kyriotetes: Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Körper-Sein.
In diesen mantrischen Sprüchen, wie ich oft schon gesagt habe, ist alles genau zu nehmen. Daher darf auch die Frage empfunden werden: Warum steht hier gegenüber dem «Welt-Geschehen» «Körper-Sein»? Man muss jedes Wort exakt empfinden, wenn ein mantrischer Spruch richtig in unserer Seele wirken soll. Draußen das Welt-Geschehen wallt ab, indem wir es als Geschehen empfinden. Überall weit sich ausbreitend, die Welt erfüllend ist dieses Welt-Geschehen. Indem es in uns sich fortsetzt, in uns ist, fühlen wir es als abgeschlossenes Sein, weil wir von unserer Haut begrenzt sind und uns als ein Ganzes, Abgeschlossenes fühlen. Wir fühlen nicht drinnen alles webend und wogend und wallend, wie wir es außen fühlen. Daher muss hier dem «Geschehen» «Sein» gegenüberstehen, während sonst ganz richtig die Wiederholungen: «Schaffen» «Schaffen» und «Leben» «Leben» stehen.
Und gegenüber dem Elemente der Luft erhebt seine mahnende Frage der Hüter der Schwelle. Es antworten die Wesen der ersten Hierarchie: Throne, Cherubine, Seraphine. Die ermahnen uns, dass wir uns bewusst werden sollen, wie der Kosmos in uns wirkt. Vom bloßen Bewusstwerden zum Selbstbewusstwerden führen die Wesen der ersten Hierarchie hinüber.
Der Hüter spricht: Was wird aus der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte? Aus der ersten Hierarchie antworten die Throne: Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein. Die Cherubine aus der ersten Hierarchie: Erwarme am Innen-Leben in deinem Gottes-Welten-Leben. Die Seraphine aus der ersten Hierarchie: Erweck’ in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht.
Jetzt werden wir ermahnt, dass wir auf höherer Stufe das Selbstbewusstsein wiedererwecken, indem wir unser Aufgehen in den Kosmos, unser Hingegebensein an den Kosmos durch die Zauberworte der zweiten Hierarchie gefühlt haben. [Der dritte Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben]
Der Hüter - spricht -: Was wird aus der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte?
Aus der ersten Hierarchie [«1. Hierarchie» wird quer an die Tafel geschrieben und unterstrichen] ertönt die kosmische Antwort:
Throne: Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein. Cherubine: Erwarme am Innen-Leben in deinem Gottes-Welten-Leben. Seraphine: Erweck’ in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht.
Ja, meine lieben Schwestern und Brüder, ohne dass wir die Wirkung dieses letzten Mantrams fühlen, wie es von den feurigen, blitzgewaltigen Seraphinen her tönt: «Erweck’ in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht», ehe dieses Flammenwort aus flammenden, seraphischen Blitzen ertönt, ehedem verspüren wir nicht, wie aus unserer eigenen Seele erweckt werden muss eine Kraft, damit wir, wo wir jetzt stehen drüben im Finstern, jenseits des Abgrundes, noch erst tastend um uns, die Welt allmählich an uns herankommen fühlen; damit wir nach und nach von uns ausgehend erst ein Glimmern haben, dann ein Hellerwerden, ein Fortschreiten des Glimmerns immer weiter im Raum, und weiter und weiter; bis das Glimmern immer leuchtender und leuchtender, scheinender und scheinender, glänzender und glänzender wird und durch unsere eigene Kraft die nachtbedeckte Finsternis drüben in der geistigen Welt allmählich sich hellet. So muss es werden. So müssen wir versuchen, zu gewinnen die Zündekraft des eigenen Selbstes, die im Feuer sich zündende Kraft der eigenen Menschenwesenheit; denn die ist Licht in zunächst nachtbedecktem geistigem Lande.
So fühlen wir uns hinein in jene dreifache Geisterwelt der Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter, wie wir uns hier in der Sinneswelt hineinfühlen in die Sinneswesen der drei Reiche der Natur. Und wir lernen uns als Mensch in unserer wahren menschlichen Wesenheit erfühlen in Geistumgebung, wie wir uns als Sinnesmensch erfühlen in Sinnesumgebung. Wir lernen es, indem wir aufsteigen von der dritten Hierarchie, die in uns den Geist entfaltet, den eigenen Geist, in dem sie lebt; indem wir aufsteigen von ihr zur zweiten Hierarchie, die in uns den Geist entwickelt, schaffend, lebend, gestaltend; und endlich hinkommen zur ersten Hierarchie, wo wir eine Stütze wieder haben, aber eine Stütze des Geistes, die eigentlich oben und nicht unten ist, wo wir waltende Weisheit in den Cherubinen haben, die uns zum Selbstbewusstsein bringt dasjenige, was unser Inneres wiederum erwarmen kann in Selbsterkenntnis, im Selbsterfühlen, im Selbsterwarmen, und bis wir dazu kommen, dass dieses erwarmte Selbst das Leuchte-Element wird, damit hell werde, was vorher für uns noch finster war.
So stehen wir, solches fühlend, an der Seite des Hüters der Schwelle und fühlen vertieft jene Mahnung, die uns aus allen Wesen der Welt, aus allen Vorgängen der Welt entgegentönt, damit wir aus Selbsterkenntnis Welterkenntnis, aus Welterkenntnis Menschenerkenntnis gewinnen und so drinnenstehen in der Naturwesenheit, aber auch in der Geistwesenheit, unser Selbst ergreifend auf beiden Seiten der Wirklichkeit: auf der Seite der Natur und auf der Seite des Geistes. Dann aber ertönt in einer neuen Gestalt — nicht anders in den Worten, aber so, dass wir es anders fühlen, gestärkt durch die Ermahnungen aller Hierarchien der geistigen Welt, in der wir als Mensch urständen -, dann ertönt wiederum das Weltenwort:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Die nächste Klassenstunde wird von heute über acht Tagen nächsten Sonnabend, wiederum um achteinhalb sein. Morgen Kindermalerei im Baubüro.