Esoteric Lessons for the First Class II
GA 270 — 28 June 1924, Dornach
Sechzehnte Stunde
Meine lieben Freunde! Wir beginnen wiederum damit, dass wir das Wort an uns erklingen lassen werden, das bei richtigem Verständnisse der Welt jeder Menschenseele aus allem, was da ist in den Nähen und in den Weiten des Kosmos, erklingen kann. Ehe aber dieses Wort zu unseren Seelen sprechen soll, muss ich, da heute wiederum eine größere Anzahl von neu in die esoterische Schule hier aufgenommenen Mitgliedern hier ist, wenigstens mit ein paar Worten noch einmal andeuten, was der Sinn dieser Schule ist.
Es handelt sich durchaus darum - ich werde es heute ganz kurz andeuten -, dass diese Schule angesehen werden muss als eine solche, welche ihre Mitteilungen an die menschlichen Seelen aus der geistigen Welt herunter vermittelt; sodass dasjenige, was hier in der Schule lebt, was hier in der Schule herangebracht wird an Menschenseelen, anzusehen ist als Mitteilung aus der geistigen Welt selbst. Sie werden daraus erkennen, dass die Zugehörigkeit zur Schule im höchsten Grade als etwas Ernstes angesehen werden muss.
Solcher Ernst, wie er durch diese Schule durchgehen muss, er ist ja erst möglich geworden durch die ganze Konstitution, welche die Anthroposophische Gesellschaft seit der Weihnachtstagung erhalten hat. Seit dieser Weihnachtstagung ist ja die Anthroposophische Gesellschaft als solche eine durchaus öffentliche Angelegenheit, aber zugleich eine öffentliche Institution, durch die als solche ein esoterischer Zug geht, jener esoterische Zug, dem ja die Herzen heute wirklich mehr entgegenkommen, als sie dem mehr exoterischen Zug vorher entgegengekommen sind.
Aber zugleich wird ja von den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft nicht eigentlich etwas anderes verlangt, als dass sie sich fühlen als Zuhörer der anthroposophischen Weisheit. Und im Übrigen wird nur dasjenige verlangt, was von jedem sozusagen anständigen Menschen im Leben verlangt werden kann.
Die Zugehörigkeit zur Schule aber bedingt umso mehr, dass das Mitglied der Schule anerkennt die Bedingungen, die ernsten Bedingungen dieser Schule. Und die Grundbedingung ist eben diese, dass jeder, der der Schule zugehören will, in seinem Leben darstellen sich soll so, dass er nach allen Seiten hin in jeder Einzelheit ein Repräsentant der anthroposophischen Sache vor der Welt ist.
Repräsentant sein der anthroposophischen Sache vor der Welt macht natürlich auch notwendig, dass man mit Bezug auf alles dasjenige, was man selber in irgendeinem Zusammenhange - wenn das auch ein entfernterer Zusammenhang ist - in der anthroposophischen Sache tut oder tun will, dass man für alles dergleichen sucht den Zusammenhang mit der Leitung der Schule, das heißt mit dem esoterischen Vorstand am Goetheanum. Es handelt sich also durchaus darum, dass durch die Schule ein realer Zug hineinkommen soll in die anthroposophische Bewegung, die heute durch die Anthroposophische Gesellschaft repräsentiert wird.
Daher ist es schon notwendig, dass die Zugehörigkeit zur Schule eben so aufgefasst wird, dass der der Schule Angehörige Anthroposophie in seinen ganzen Menschen, in sein ganzes Wesen aufnimmt, aber sich auch fühlt als ein Glied desjenigen, was hier vom Goetheanum als eine reale Strömung ausgehen will. Dass solche Forderungen gestellt werden, kann ja nicht, meine lieben Freunde, als eine Beeinträchtigung der menschlichen Freiheit angesehen werden; denn die Zugehörigkeit zu der Schule beruht auf Gegenseitigkeit. Die Leitung der Schule muss Freiheit darinnen haben, demjenigen das zu geben, was sie zu geben hat, dem sie es zu geben für richtig hält. Und da man nicht Mitglied der Schule zu sein braucht, sondern, es durchaus im freien Willen stehen muss, Mitglied der Schule zu werden, so muss schon auch die Leitung der Schule ihre Bedingungen stellen können, ohne dass irgendjemand davon sprechen könnte, dass dadurch sein freier Wille irgendwie beeinträchtigt werde. Es ist ein freies Abkommen zwischen der Leitung der Schule und demjenigen, der Mitglied sein will.
Damit aber auf der andern Seite der Ernst der Schule wirklich auch ernst aufgefasst wird, kann es gar nicht anders sein, als dass immerhin die Leitung der Schule es als ihr Recht in Anspruch nimmt, die Mitgliedschaft wieder aufzuheben, wenn sie das für notwendig halten muss durch irgendwelche Geschehnisse. Und, meine lieben Freunde, dass die Leitung der Schule das streng nimmt, das bezeugt die Tatsache, dass nun seit dem verhältnismäßig kurzen Bestand der Schule sechzehn Mitglieder der Schule aus derselben ausgeschlossen werden mussten für Zeit, für kürzere oder längere Zeit. Und ich betone noch einmal: Diese Maßregel wird müssen - weil wir ja immer tiefer und tiefer in das Esoterische hineinkommen -, diese Maßregel wird müssen unbedingt in der Zukunft streng eingehalten werden, ganz gleichgültig gegenüber dem Persönlichen desjenigen, den sie trifft.
Und jetzt seien die Worte gesprochen, die immer am Anfange dieser unserer esoterischen Auseinandersetzungen gesprochen werden, mahnend an diejenige Mahnung, die aus allen Vorgängen und aus allen Dingen der Welt und Wesenheiten der Welt an den Menschen erklingt, der das Herz hat, sie zu verstehen; jene Mahnung zur Selbsterkenntnis, die die wahre Grundlage der Welterkenntnis ist:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Meine lieben Freunde, wir sind vorgedrungen in demjenigen, was uns aus der geistigen Welt zukommen soll als mantrische Sprüche, bis zu jenen mantrischen Sprüchen, die wir in der esoterischen Situation drinnen fühlen. Diese esoterische Situation besteht ja darinnen, dass wir uns im Meditieren vorstellen, wie zunächst diejenige Wesenheit zu uns spricht, die da steht am Abgrunde des Seins.
Stellen wir uns also noch einmal vor, denn wir können das nicht oft genug vor unsere Seele rufen: Der Mensch sieht um sich herum alles das, was zunächst im irdischen Dasein in den Reichen der Natur um ihn herum ist: Er sieht hinauf zu den erhabenen Sternen; er sieht die ziehenden Wolken; er sieht alles dasjenige, was um ihn herum ist in Wind und Welle, in Blitz und Donner; er sieht alles von dem niedrigsten Gewürm bis hinauf zu den erhabensten Offenbarungen in der funkelnden Sternenwelt. Nur eine falsche Askese, die nicht in einer wahren Esoterik gesucht werden darf, könnte irgendwie diese zu den Sinnen sprechende Welt verachten. Der Mensch, der ein rechter Mensch sein will, er kann nicht anders als zu empfinden in intimster Weise alles sinnlich und verstandesmäßig Wirkliche vom niedersten Gewürm bis zu den majestätischen, göttlich-gewaltigen, funkelnden Sternen.
Allein, es kommt dann der Augenblick, der den Menschen in tief innerster Seele ergreifen kann, der Augenblick, in dem er sich sagen muss: Groß und gewaltig und schön und herrlich und majestätisch ist alles dasjenige, was du um dich herum siehst. Du sollst es nicht verachten. Du sollst es anerkennen. Du sollst Schritt für Schritt vorwärtsdringen in der Welt, um immer mehr und mehr von demjenigen sehen zu können, was deine Augen schauen, was an deine Ohren klingt, was die übrigen Sinne wahrnehmen können, was du mit dei nem Verstande ergreifen kannst. Aber, indem du so herumschaust in den Raumesweiten, herumschaust in dem Wellenweben der Zeit, wirst du trotz alles Gewaltigen, Schönen und Erhabenen in deiner Umgebung in diesem Gebiete nicht dasjenige wahrnehmen, was das innerste Wesen deines Seins selber ist. Und du wirst dir sagen müssen: Der innerste Quell deines Seins ist woanders zu suchen. - Da wird uns die Macht eines solchen Gedankens ergreifen können.
Dasjenige, was nun weiter folgt für die Seele, es ist nur au zudrücken in imaginativen Vorstellungen. Diese imaginativen Vorstellungen, sie führen uns zunächst wie auf ein weites Feld, in dem ausgebreitet ist alles Irdische, Sinnesmäßige. Wir finden es sonnenbeglänzt, wir finden es leuchtend hell; aber wir schauen ringsherum und finden nirgends unser eigenes Wesen. Da blicken wir vor uns hin. Und begrenzt ist dieses sonnenbeglänzte Feld, in dem alles Schöne und Große und Erhabene für die Sinne ist, in dem wir nicht selber sind, aber es ist begrenzt durch eine finstere, nachtbedeckte Wand. Tief in die Finsternis ahnen wir hinein. Wir ahnen in die Finsternis hinein, dass dort vielleicht die Helligkeit ist, dass dort unser wahres Wesen urständet; aber wir können nicht hineinschauen.
Und indem wir den Weg bis dahin verfolgen, tut sich vor uns auf der Abgrund des Seins, der da ist die Schwelle zur geistigen Welt. Wir müssen diesen Abgrund erst übersetzen. Da steht der Hüter, der uns ermahnt, dass wir reif sein müssen, um den Abgrund zu übersetzen. Denn mit demjenigen, was unsere Gewohnheiten, unsere Denk-, Gefühls- und Willensgewohnheiten in der physischsinnlichen Welt sind, kommen wir nicht hinüber über diesen Abgrund des Seins in die wahre geistige Welt, in der unser wirkliches Wesen urständet.
Es ist die erste Geistgestalt, an die wir herantreten, der Hüter der Schwelle. Wir sind jede Nacht, in der wir schlafen, drinnen in dieser geistigen Welt. Sie ist aber als Finsternis um unser Ich und unseren astralischen Leib, weil wir nur reif eintreten können in diese geistige Welt. Der Hüter der Schwelle bewahrt uns davor, unreif einzutreten. Jetzt aber, wo wir vor ihn hintreten, sendet er uns seine großen Ermahnungen. Und diese Ermahnungen sind uns entgegengetreten in den mantrischen Sprüchen, die bisher den Inhalt dieser esoterischen Stunden gebildet haben.
Diejenigen, die diese mantrischen Sprüche noch nicht haben, werden sie ja bekommen können von Mitgliedern der Schule. Jedoch muss dabei die Gepflogenheit eingehalten werden, dass nicht derjenige, der die Sprüche empfängt, sondern derjenige, der sie gibt, anfrägt darum, ob er sie geben kann.
Diese Sprüche, sie haben uns nicht nur gezeigt, wie wir unser Herz erhalten sollen, wenn wir hinüberkommen wollen über den Abgrund des Seins, sie haben uns auch schon gezeigt, wie wir selber in unserer Seelenverfassung uns finden, wenn wir den Abgrund überflogen haben und allmählich verspüren zunächst - nicht schon schauen, sondern verspüren -, wie die Finsternis, die uns zuerst nachtbedeckt entgegengestarrt hat, allmählich hell wird. Zuerst fühlt man, dass sie hell wird, und man fühlt, dass die Elemente - das Irdische, das Wässrige, das Luftige, das Feurige - anders werden da drüben, dass wir in einer anderen Welt leben. Und die Welt, in der wir unser eigenes Sein und damit die wahre Gestalt der Elemente erkennen wollen, sie ist eine andere Welt.
Das letzte Mal trat diejenige Meditation vor unsere Seele, nach der wir uns vorzustellen haben, wie der Hüter steht am Abgrunde des Seins, wir schon drüben sind jenseits dieses Abgrundes, erst fühlen - noch nicht schauen -, wie die Finsternis sich lichtet. Da spricht der Hüter zu uns - nachdem er ja schon vorher uns klargemacht hat wie wir uns zu den vier Elementen verhalten sollen -, es spricht der Hüter zu uns, wie sich nun diese Elemente für uns verändern. Er stellt Fragen an uns.
Wer antwortet? Es antworten auf diese Fragen die Hierarchien selber. Von der einen Seite her die dritte Hierarchie - Angeloi, Archangeloi, Archai -, von der anderen Seite die zweite Hierarchie, von einer dritten Seite her die erste Hierarchie.
Die dritte Hierarchie - Angeloi, Archangeloi, Archai - antwortet, wenn uns der Hüter der Schwelle frägt, was aus der Erde Festigkeit wird. Die zweite Hierarchie - Exusiai, Dynamis, Kyriotetes - antwortet, wenn uns der Hüter der Schwelle frägt, was aus des Wassers Bildungskraft wird, die in uns wirkt und die uns eigentlich unsere innere Gestaltung gibt. Und die erste Hierarchie - Throne, Cherubine, Seraphine - antwortet, wenn uns der Hüter frägt, was aus unseres Atems, aus der Lüfte Reizgewalt wird, die uns eigentlich erweckt aus dem dumpfen Pflanzendasein in empfindend-fühlendes Dasein.
Und solche mantrischen Sprüche haben ja so an unsere Seele, an unser Herz zu dringen, dass wir uns drinnen fühlen in der ganzen Situation: Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns; die Hierarchien antworten.
Der Hüter: Was wird aus der Erde Festigkeit, die dich stützte? Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden. Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben. Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen. Der Hüter: Was wird aus des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? Exusiai: Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im MenschenKörper-Schaffen. Dynamis: Erfühle Geistes-Welten-Leben im MenschenKörper-Leben. Kyriotetes: Wolle Geistes-Welt-Geschehen im MenschenKörper-Sein. Der Hüter: Was wird aus der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte? Throne: Ergreife wissend Innen-Sein in deinem GottesWelten-Sein. Cherubine: Erwarme am Innen-Leben in deinem GottesWelten-Leben. Seraphine: Erweck’ in dir Innen-Licht in deinem GottesWelten-Licht.
Das, meine lieben Schwestern und Brüder, sind die aus der Gemeinschaft des Hüters der Schwelle mit den Hierarchien hervorgehenden Mahnworte, die unsere Seele allmählich weiter und immer weiterbringen, wenn wir sie in der richtigen Weise immer wieder und wieder erleben.
Wir machen in der Art, wie es für den heutigen Menschen und für den Menschen der Zukunft sein muss, dasjenige durch, was in den alten heiligen Mysterien bezeichnet worden ist damit, dass der Schüler sagte: Er würde geführt in die Wesenheit der Elemente Erde, Wasser, Luft.
Aber die Wärme, die auch ein Element ist, sie durchdringt alles: Im erdigen Elemente, das als Festes uns Menschen stützt, im erdigen Elemente ist die Wärme; im wässrigen Elemente, das als Menschen uns bildet, das unsere Organe in Konturen gestaltet, sie ins Werden und Weben und Wachsen bringt, in diesem wässrigen Elemente lebt auch das Wärmeelement; und in dem luftigen Elemente, durch das einstmals die Jahve-Geister eingehaucht haben dem Menschen sein seelisches Wesen, durch das heute noch der Mensch sein seelisches Wesen aus dem dumpfen pflanzlichen Dasein heraus erweckt, lebt die Wärme. Die Wärme lebt allüberall. Wir müssen sie kennenlernen als das allwaltende Element; wir müssen in sie untertauchen als in das allwaltende Element. Wir fühlen uns ihr ja auch nahe.
Fern fühlen wir uns - wenn wir auch die Stütze der Erde empfinden - dem festen Erdenelemente. Fern fühlen wir uns noch dem Wasserelemente. Das Luftelement drängt schon zu einem intimeren Zusammensein mit uns. Wenn das Luftelement nicht ganz regelmäßig uns ausfüllt- wenn wir zu viel des Atems in uns haben oder wenn wir zu wenig des Atems in uns haben -, zeigt sich in unserem Innenleben an, wie das Luftelement mit uns verbunden ist. Zuviel des Atems in uns erweckt in der Seele Angst und Ängstlichkeit. Zuwenig des Atems in uns erweckt in der Seele Ohnmacht. Mit dem Luftelemente wird schon unsere Seele ergriffen.
Mit dem Wärmeelemente fühlen wir uns ganz intim vereint. Was in uns warm oder kalt ist, sind wir selber. Wir müssen, um zu leben, eine bestimmte Wärme in uns herstellen. Dem Wärmeelement stehen wir intim nahe. Wollen wir uns ihm nähern, dann kann nicht bloß eine Hierarchie sprechen, dann müssen zusammenklingen die Mahnworte der verschiedenen Hierarchien.
Daher richtet der Hüter der Schwelle auch Mahnworte an uns, Mahnfrage an uns, bezüglich des Wärmeelementes. Aber die Antwort, die aus dem Weltenall, aus dem Kosmos tönt, ist jetzt anders. Der Hüter der Schwelle stellt seine Frage:
Was wird aus des Feuers Reinigung, die dir das Ich entflammte?
Wir kennen schon die Frage; es ist nun die Frage unseres Hineinführens in das Element der Wärme oder des Feuers.
Aber dann antwortet nicht eine Hierarchie oder eine Wesensordnung aus einer Hierarchie, sondern es antworten im Chore die Angeloi, die Exusiai, die Throne; als Zweite auf die Frage des Hüters antworten Archangeloi, Dynamis, Cherubine; als Dritte antworten Archai, Kyriotetes, Seraphine. Sodass die drei Antworten erklingen aus dem chormäßigen Zusammensprechen der drei Hierarchien wegen des Allgemeinen des Wärmeelementes.
Wir haben uns also vorzustellen, dass, indem wir so aufsteigen zu der Mahnfrage des Hüters der Schwelle über das Wärmeelement, dass in diesem Augenblicke die Antworten, die aus unserem Ich heraus klingen, aber angeregt werden durch die Hierarchien, diese Mahnantworten erklingen, so, dass von allen Seiten her zuerst sprechen Angeloi, Exusiai, Throne; als Zweite sprechen Archangeloi, Dynamis, Cherubine; als Dritte sprechen Archai, Kyriotetes, Seraphine. Immer sprechen alle drei Hierarchien: eine Wesensordnung aus den drei Hierarchien spricht immer. So tritt kosmisch an uns heran dasjenige, was mit dieser Frage verbunden ist.
Der Hüter spricht: Was wird aus des Feuers Reinigung, die dir das Ich entflammte? Angeloi, Exusiai, Throne: Erwecke dir in Weltenätherweiten die Lebensflammenschrift.
Es ermahnen uns alle drei Hierarchien, daran zu denken, wie alles dasjenige, was während des Erdenlebens an uns herantritt, eingetragen ist in dem Weltenäther und wir es eingetragen erblicken in dem Weltenäther, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind. Da stehen in Geisteswelten - nachdem wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, zurückblickend auf unser irdisches Leben, aber auch hinblickend auf die ätherischen Weltenweiten -, da ist eingeschrieben dasjenige, was wir an Gedanken, Gefühlen und Taten vollbracht haben während des Erdenlebens: Es ist eine, deine Lebensflammenschrift.
Archangeloi, Dynamis, Cherubine, sie antworten in uns:
Erschaffe dir in Zeitenwellenkreisen die Seelensühnekräfte.
Wir werden ermahnt an das zweite Stadium, das wir durchmachen, nachdem wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, wo wir rückwärts erleben, wo wir alles dasjenige im Spiegelbilde durchmachen - das heißt in seiner gerechten Sühne -, was wir hier im Leben vollbracht haben. Haben wir uns gegen irgendeinen Menschen in dieser oder jener Weise benommen, wir erleben dann in einem Rückwärtsgehen im Zeitenstrome dasjenige, was der andere durch uns erlebt hat. So wie ich es ausgedrückt habe, so ermahnen uns Archangeloi, Dynamis, Cherubine an dasjenige, was dieses zweite Stadium ist, das wir durchmachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
An dasjenige aber, was dann im dritten Stadium unser Karma ausarbeitet, an dasjenige, was geschieht, indem wir zusammenarbeiten als Seelen mit anderen Menschenseelen und mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien, daran mahnen uns Archai - Urkräfte -, Kyriotetes und Seraphine:
Erbitte dir in ew’gen Wesentaten die Geisterlösermächte.
Wir müssen uns so drinnen fühlen in dieser Situation: den sprechenden Hüter der Schwelle, seine ernste Gebärde nach uns hinbreitend, uns mahnend. Und aus den Weltenweiten, zu uns herübertönend, unser Herz ergreifend dasjenige, was uns mit den Rätseln des Lebens verbindet. [Der vierte Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 804]
Der Hüter spricht: Was wird aus des Feuers Reinigung, die dir das Ich entflammte? Angeloi, Exusiai, Throne: Erwecke dir in Weltenätherweiten die Lebensflammenschrift. Archangeloi, Dynamis, Cherubine: Erschaffe dir in Zeitenwellenkreisen die Seelensühnekräfte. Archai, Kyriotetes, Seraphine: Erbitte dir in ew’gen Wesentaten die Geisterlösermächte.
Dasjenige, was vorher vor uns stand wie eine schwarze, nachtbedeckte Finsternis, es ist noch nicht für das Seelenauge von Licht durchhellt. Aber wir haben das Gefühl, weil wir ja drinnenstehen in dieser schwarzen, nachtbedeckten Finsternis, dass überall, wo wir hinfühlen, wir glimmendes Licht zunächst fühlen. Und wir befinden uns in der Lage, uns selber drinnen zu wissen in diesem glimmenden Lichte, das wir nur fühlen. Wir fühlen uns hin zu dem Hüter der Schwelle. Gesehen haben wir ihn ja eigentlich nur, solange wir drüben waren im Sinnesfelde. Denn wir traten zunächst ein in die Finsternis und hörten sein mahnendes, fragendes Wort.
Dieses mahnende, fragende Wort hat uns aber dahin geführt, dass wir jetzt fühlen etwas wie webendes, wirkendes Licht, mildes, webendes, wirkendes Licht. Hilfesuchend im webenden, wirkenden Licht wenden wir uns an den Hüter der Schwelle. Und es ist ein eigentümliches Erleben: Hell noch nicht, aber die Helligkeit fühlen lassend; in dieser gefühlten Helligkeit der Hüter der Schwelle, sich offenbarend, wie wenn er jetzt intimer würde mit uns, wie wenn er jetzt mehr sich neigen würde zu uns, wie wenn wir ihm auch jetzt nähertreten würden.
Und was er nunmehr spricht, es wirkt so, wie im Leben etwas wirkt, das ein Mensch einem vertraulich leise ins Ohr sagt. Und es setzt sich fort dasjenige, was zuerst als mahnendes, ernstes Wort deutlich erklungen hat vom Hüter der Schwelle her; was posaunenartig, mächtig, majestätisch von allen Seiten aus dem Kosmos an unser Herz herangetreten ist, das setzt sich fort in einem intimen Gespräche im webend-wirkenden Lichte mit dem Hüter der Schwelle; denn jetzt ist es, als ob er nicht mehr spräche zu uns, als ob er zu uns raunte:
Hat verstanden dein Geist?
Und unser Inneres wird warm ob dieser vertraulichen Sprache des Hüters der Schwelle, wenn er sagt: «Hat verstanden dein Geist?» Unser Inneres wird warm. Es erlebt sich in der Wärme. Und es fühlt sich gedrungen, dieses Innere, zu antworten. Andächtig antwortet es - so haben wir es meditativ in der Vorstellung -, andächtig antwortet es, still, bescheiden:
Der Weltengeist in mir
Er hielt den Atem an
Und seine Gegenwart
Mög? erleuchten mein Ich.
Nicht antwortet stolz und hoffärtig unser Ich auf die Frage «Hat verstanden dein Geist?»: «Ich habe verstanden», sondern das Ich fühlt: Göttliches Sein durchströmt das innerste Wesen des Menschen, göttlicher Atem im Menschen ist es, der still anhält und vorbereitet zum Verstehen. [Die erste Strophe des neuen Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siche Seite 805:]
Der Hüter: Hat verstanden dein Geist? Ich:
Der Weltengeist in mir
Er hielt den Atem an
Und seine Gegenwart
Mög? erleuchten mein Ich. Und als Zweites frägt der Hüter vertraulich: Hat begriffen deine Seele? Das Ich antwortet:
Die Weltenseelen in mir
Sie lebten im Sternenrat
Und ihre Harmonien
Mögen klingend schaffen mein Ich.
Es ist wiederum nicht etwa eine stolze Antwort, zu der sich das Ich versucht fühlt, wenn der Hüter frägt: «Hat begriffen deine Seele?», sondern die Seele wird sich bewusst, dass in ihr sprechen die Weltenseelen, die Seelen der Wesen der höheren Hierarchien, und dass in dem, was sie sprechen, nicht ein Einzelnes lebt, sondern ein ganzer Rat, eine beratende Versammlung, die so ist, wie wenn Sterne eines Planetensystems kreisen und gegenseitig sich ihre Leuchtekräfte zusenden. So senden sich die Weltenseelen ihre Ratschlüsse zu. Das vernimmt die eigene Seele. Und aus den Harmonien hofft die Seele, dass das Ich klingend erschaffen werde, sodass das im eigenen Menschenwesen wesende Ich ein Widerklang ist jener Weltenharmonien, die entstehen, wenn - wie im Planetensystem wandelnde Sterne - die Weltenseelen im Weltengeistesforum miteinander ratschlagen und Harmonien dieses Rates durch die Menschenseele erklingen.
[Die zweite Strophe wird nun an die Tafel geschrieben]
Der Hüter: Hat begriffen deine Seele? Ich:
Die Weltenseelen in mir
Sie lebten im Sternenrat
Und ihre Harmonien
Mögen klingend schaffen mein Ich.
Und die dritte vertrauliche Frage, die der Hüter an den Menschen richtet in dieser Situation, sie ist die:
Hat erlebt dein Leib?
Die Seele fühlt, dass in diesem Leibe leben die Weltenkräfte, wie sie überall sind, konzentriert an einer Stelle des Raumes. Aber diese Weltenkräfte, sie erscheinen jetzt nicht als physische Kräfte. Die Seele ist längst gewahr geworden, wie diejenigen Kräfte, die draußen als wirkende, physische Kräfte erscheinen, als Schwerkräfte, als elektrische, magnetische, als Wärmekräfte, als Lichtkräfte, wie diese Kräfte, wenn sie im Menschenleibe wirken, moralische Kräfte sind, in Willenskräfte sich umwandeln. Die Seele empfindet die Weltenkräfte als diejenigen Kräfte, welche die ewige Weltengerechtigkeit konstituieren durch die Reihe der Erdenleben hindurch. Wie richtende Kräfte empfindet die Seele das, richtende Kräfte, die in ihren Wahrspruchworten das Karma weben und damit das eigentliche Ich. Wenn der Hüter der Schwelle traulich frägt:
Hat erlebt dein Leib?
fühlt der Mensch sich gedrungen, demutvoll zu antworten, aber hingegeben an die Weltengerechtigkeit:
Die Weltenkräfte in mir
Sie richten Menschentaten
Und ihre Wahrspruchworte
Mögen lenken mir das Ich.
[Die dritte Strophe wird nun an die Tafel geschrieben]
Der Hüter: Hat erlebt dein Leib? Ich: Die Weltenkräfte in mir
Sie richten Menschentaten
Und ihre Wahrspruchworte
Mögen lenken mir das Ich.
So wird die Seele, nachdem sie mit dem Hüter der Schwelle und den Hierarchien zusammen erlebt hat die Umwandelung, die Metamorphose der Weltenelemente, so wird die Seele auf diese drei Fragen des Hüters hin innerlich andächtig antworten; verwebt mit der eigenen Wesenheit dasjenige, was sich in sie ergossen hat; ist wiederum ein wenig weitergekommen in der Beantwortung des Rätselwortes: «O Mensch, erkenne dich selbst!»
Und nun wollen wir heute einmal vergleichen das Anfangswort und dasjenige, zu dem wir - uns einfühlend in das Wärmeelement dann zu uns selbst kommen in andächtiger Stimmung gegenüber dem geistigen Inhalt des Kosmos; dann wieder fühlend, wie wir so weitergeschritten sind in der Befolgung der großen Mahnung: «O Mensch, erkenne dich selbst!» Wir werden sehen, wie wir als Menschenwesen mitten drinnenstehen zwischen diesem Ertönen der Aufforderung zur Selbsterkenntnis aus allen Vorgängen und allen Weltenwesen heraus und dem mantrischen Gespräch, das gerade durch die heutige Stunde vor unsere Seele getreten ist:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Was wird aus des Feuers Reinigung, die dir das Ich entflammte?
Erwecke dir in Weltenätherweiten die Lebensflammenschrift.
Erschaffe dir in Zeitenwellenkreisen die Seelensühnekräfte.
Erbitte dir in ew’gen Wesentaten die Geisterlösermächte.
Hat verstanden dein Geist? Der Weltengeist in mir
Er hielt den Atem an
Und seine Gegenwart
Mög? erleuchten mein Ich. Hat begriffen deine Seele? Die Weltenseelen in mir
Sie lebten im Sternenrat
Und ihre Harmonien
Mögen klingend schaffen mein Ich. Hat erlebt dein Leib? Die Weltenkräfte in mir
Sie richten Menschentaten
nd ihre Wahrspruchworte
Mögen lenken mir das Ich.