Read inEnglishGermanSide by sideAnother English translation: translated by John Riedel

Esoteric Lessons for the First Class II

GA 270 — 5 July 1924, Dornach

Siebzehnte Stunde

Meine lieben Freunde! Wir beginnen auch heute mit jenem Spruch, der bei richtiger Erfassung der Welt dem Menschenherzen entgegentönt aus allem Seienden und Werdenden als die ständige Aufforderung nach Selbsterkenntnis, durch die man ja erst zur wirklichen Welterkenntnis kommen kann:

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.

Noch einmal lassen wir dasjenige durch unsere Seele ziehen, was den Inhalt der letzten Klassenstunde zusammengefasst hat. Auch das war ja eine Meditation, heraus entsprungen aus dem, was der Mensch erleben kann, wenn er sich ganz hineinfühlt in den Weltenzusammenhang, in den Zusammenhang vor allen Dingen mit der geistigen Welt.

Wir haben ja vor unserer Seele auftreten lassen des Menschen Weg zum Abgrund des Seins, an dem der Hüter der Schwelle steht. Wir haben die Lehren vernommen, die der Hüter dem Schwellenübersteiger gibt. Wir haben vernommen, wie derjenige, der jenseits der Schwelle nun ankommt, zunächst sich fühlt im Lichte, erlebt die Welt auf neue Weise, indem er zunächst vernimmt, was der Hüter auf der einen Seite spricht, was aber auch die Wesenheiten der höheren Hierarchien zu ihm sprechen. Und das letzte Gespräch war dieses, wo der Hüter eine Frage stellt, und wo über das Element der Wärme — das alles durchdringt, das sich von jenseits des Abgrundes als ein moralisches Element erweist -, wo hinweisend auf dieses Element der Wärme nacheinander sprechen: Angeloi, Exusiai, Throne; Archangeloi, Dynamis, Cherubine; Archai, Kyriotetes, Seraphine. Wo dann der Hüter noch einmal zum Ich spricht in drei tief in das Menschenwesen hineingehenden Fragen und das Ich bescheiden antwortet, wie es das letzte Mal erklärt worden ist, aber innerlich wie im vertrauter seienden Gespräche jetzt mit dem Hüter die Worte wechselt.

Der Hüter spricht: Was wird aus des Feuers Reinigung, die dir das Ich entflammte? Angeloi, Exusiai, Throne: Erwecke dir in Weltenätherweiten die Lebensflammenschrift. Archangeloi, Dynamis, Cherubine: Erschaffe dir in Zeitenwellenkreisen die Seelensühnekräfte. Archai, Kyriotetes, Seraphine: Erbitte dir in ew’gen Wesentaten die Geisterlösermächte. Der Hüter: Hat verstanden dein Geist? Ich:
Der Weltengeist in mir
Er hielt den Atem an
Und seine Gegenwart
Mög? erleuchten mein Ich. Der Hüter: Hat begriffen deine Seele? Ich:
Die Weltenseelen in mir
Sie lebten im Sternenrat
Und ihre Harmonien
Mögen klingend schaffen mein Ich. Der Hüter: Hat erlebt dein Leib? Ich:
Die Weltenkräfte in mir
Sie richten Menschentaten
Und ihre Wahrspruchworte
Mögen lenken mir das Ich.

Indem das Menschenwesen jenseits der Schwelle des Seins, wo der Hüter steht, sich fühlt im webenden, lebenden Lichte, wird es allmählich, langsam, nicht nur gefühltes Licht, es wird langsam solches Licht, von dem man sagen kann: Der Mensch sieht es. Aus dem Fühlen des Lichtes, es webt und weht, das man sozusagen nur im geistigen Griff der Gedanken hat, entsteht allmählich Licht, das wie geschaut wird vom Geistesauge.

Aber nicht anders kommt der Mensch in dieses Licht hinein — schauend -, als indem er nun wiederum ein tiefgründiges Mahnwort des Hüters vernimmt. Und dieses Mahnwort, das weist auf eine mächtige Weltenimagination hin, weist auf etwas hin, durch das der Mensch, indem er hier in der Sinneswelt steht, etwas ungeheuer Majestätisches - wenn er dazu das Herz hat - in seine Eindrücke aufnehmen kann. Denn, wenn er zauberhaft im Himmelsraum bei entsprechender Wolkengestaltung sich erlichtet, der majestätische Regenbogen, dann kann man so etwas empfinden, wie wenn hereinleuchten würden durch des Regenbogens Farbenschein die Geister von jenseits des physisch-sinnlichen Scheines. Er steht ja da, baut sich herauf, auf aus dem All, verschwindet wieder in das All, ist hineingestellt in dieses All wie eine mächtige Imagination.

An diesen Eindruck des Regenbogens erinnert in diesem Augenblicke, wo es auch für das Schauen hell werden soll drüben in der geistigen Welt, der Hüter. [Es wird der Regenbogen gezeichnet; siche Seite 808.]

Und der Hüter erinnert daran, dass derjenige, der so hinübergekommen ist in die geistige Welt, jenes Bild in sich rege machen soll aus seiner Erinnerung an die Sinneswelt, das ihm der im All waltende Regenbogen immer gemacht hat. Denn es ist merkwürdig, meine lieben Schwestern und Brüder, dass, wenn der Mensch aus der physisch-sinnlichen Welt hinüberkommt in die geistige Welt, das Bild des Regenbogens dasjenige ist, an das man sich am leichtesten erinnert und das am leichtesten hervorruft erinnerungsgemäß den Zusammenhang zwischen der geistigen Welt, in der es nun licht werden soll, und der physisch-sinnlichen Welt, die man mit seinen Erkenntniskräften verlassen hat.

Und dann - also es ist nicht der Anblick des Regenbogens, es ist die Erinnerung an den Regenbogen, die hervorgerufen wird durch den Hüter der Schwelle -, und dann weist einen der Hüter an: Versuche nun — wir werden die Worte hören, mit denen er das spricht -, versuche nun mit der Kraft, mit der du sonst aus deinen Augen schaust, diejenigen Substanzen dir zu bereiten, mit denen du durchdringst diesen Regenbogen, mit denen du unten durch den Regenbogen hindurchdringst auf die andere Seite.

Wenn wir also uns vorstellen: [Es wird die zweite Zeichnung entwikelt; siehe Seite 808:] Im Wolkengebilde drinnen [weiß] - von der Erde aus hinaufschauend [kleiner Pfeil] - wäre der Regenbogen hier [rot im Wolkengebilde]}; so haben wir uns jetzt vorzustellen: Der Hüter weist uns an, durchzudringen durch jenen Regenbogen und von jener Warte [Strich durch das Wolkengebilde bis zum kleinen Kreis, an den das Wort «Warte» geschrieben wird], die jenseits ist, zurückzuschauen, von jenen Weltenweiten zurückzuschauen auf den Regenbogen. So weist uns der Hüter an, auch unsere Imagination sinnend, meditativ zu vertiefen, wenn wir von dem Punkte aus weiterschreiten wollen, bei dem wir angekommen sind im Sinne der letzten Stunde.

Dann, wenn wir von da drüben zurückschauen, wenn Ihr Euch also, meine Schwestern und Brüder, vorstellt, dass Ihr hinter die Tafel geht [weißer Pfeil nach links oben in der ersten Zeichnung], den Regenbogen von rückwärts schaut [roter Pfeil nach rechts unten in der ersten Zeichnung], wie er in der Erinnerung aufgetaucht ist, von rückwärts anschaut, dann wird der Regenbogen zur mächtigen Schale, wird zur Weltenschale. Und man sieht nicht mehr einen Bogen, man sicht eine mächtige, halbhimmelgroße Schale, und darinnen flutend die Farben durcheinander.

Das ist die Imagination, die der Hüter zunächst erregt:

Sieh’ des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt’ges Rund,
Lass’ durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit’ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale.

[Diese erste Strophe des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siche Seite 808]

Der Hüter:
Sieh’ des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt’ges Rund,
Lass’ durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit’ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale.

Es sind mächtige Worte, die da der Hüter spricht. Und Ihr müsst Euch nur richtig versetzen in die Lage, meine lieben Schwestern und Brüder, in die Lage der ganzen Bildhaftigkeit, innerhalb der sich der Zögling des Hüters der Schwelle befindet, wenn er nun aufgefordert wird, die Weltenschale mit ihrem Inhalte, dem farbenflutenden Lichte, zu schauen:

Sich’ des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt'ges Rund,
Lass’ durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft<
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit’ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale.

Man muss durch solche Bilder hindurchgehen. Und wirkt das Bild ganz innig und tief in das Ich hinein, dann schaut der Mensch in diesen Farbenfluten, die die Schale erfüllen, wie in diesen Farbenfluten erscheinen die Wesenheiten der dritten Hierarchie: Angeloi, Archangeloi, Archai. Und sie atmen die Farben, nehmen in ihr eigenes Engelwesen die Farben auf.

Man erhält einen Begriff von jenem Weltenschaffen, das hinter der Sinneswelt ist und sich abspielt in den Taten der höheren Hierarchien; man erhält einen Begriff davon, wie jenseits des Regenbogens walten die geistigen Wesenheiten, zunächst die Farben der Weltenschale aufatmend, in ihr eigenes Wesen aufnehmend.

Man schaut, wie übergeht dasjenige, was fließt von der Welt zum Regenbogen, den Regenbogen durchdringt, hinter dem Regenbogen als die Gedanken erscheint, wie das aufgesogen wird, aufgeatmet wird von Engelwesen. Man lernt jetzt die Natur des Regenbogens kennen. Alles dasjenige, was für irgendeine Gegend an solchen Gedanken gedacht wird, die von Menschen ausgehen, es wird von Zeit zu Zeit immer wieder und wieder durch die Brücke des Regenbogens gesammelt, hinausgeleitet ins geistige Reich, wo es veratmet wird von den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Dasjenige, was so zauberhaft erscheint innerhalb der Weiten des Weltenalls, das hat nicht nur eine physische Bedeutung, das hat seine geistige Innerlichkeit. Und so etwas wie den Zauber-Ätherbogen, man lernt ihn nicht erkennen, wenn man nur innerhalb der physischsinnlichen Welt bleibt, man lernt ihn erst erkennen, wenn man steht jenseits der Schwelle des Seins, wenn man mancherlei - wie wir sie kennengelernt haben - Ermahnungen des Hüters der Schwelle hinter sich hat.

Dann aber wird einem gerade durch den Eindruck, den man bekommt von jenseitiger Warte von dem Regenbogen als der Weltenschale, dann wird einem gerade da deutlich, wie das Licht allmählich in dem sich ausbreitet für uns, das anfangs wie finstere, nachtbedeckte Sphäre vor uns stand. Wir sind nunmehr darinnen. Es hellt sich auf: Sonne ist sie, die Weltenschale - mit ihren Farbenfluten - von jenseits des Regenbogens.

Dann beginnen Angeloi, Archangeloi und Archai innerhalb der Menschenseelen ihr Bewusstsein zu spiegeln, wie sie aufatmen die Farbenfluten, damit dasjenige, was auf der Erde hier im Sinnenschein lebt, soweit es brauchbar ist für das Geisterreich, in das Geisterreich hineingetragen wird.

Und dann, wenn man vernommen hat, wie diese Wesenheiten der dritten Hierarchie eingeatmet haben dasjenige, was sie entnommen haben aus der sinnlichen Welt, was zu ihnen durchgedrungen ist durch den Farbenbogen, was sie verwandelt haben so, dass es aufgenommen werden kann in der geistigen Welt, dann gehen sie mit dem, was sie so in sich aufgenommen haben, dienend hin zu den höheren Geistern, zu den Geistern der zweiten Hierarchie. Denn die Geister der dritten Hierarchie, Angeloi, Archangeloi, Archai, sie sind die dienenden Geister der Geistwelt. Von ihnen hören wir jetzt dasjenige, was wir ja schauen, wenn wir den Seelenblick hinrichten auf die farbenflutende Weltenschale, das Jenseits des Regenbogens.

Angeloi, Archangeloi, Archai: Empfind’ unsrer Gedanken
Farbenatmend Leben
In der Schale Lichtesfluten;<
Wir tragen Sinnenschein
In Geistes-Wesensreiche
Und wenden weltdurchdrungen
Uns höhern Geistern dienend zu.

[Diese zweite Strophe wird nun an die Tafel geschrieben:]

Angeloi, Archangeloi, Archai: Empfind’ unsrer Gedanken
Farbenatmend Leben<
In der Schale Lichtesfluten;
Wir tragen Sinnenschein
In Geistes-Wesensreiche
Und wenden weltdurchdrungen
Uns höhern Geistern dienend zu.

Meine lieben Schwestern und Brüder, stellen wir das Bild noch einmal vor unsere Seele hin: Die Weltenschale, halbhimmelgroß, darinnen flutend die Farben, die wir sonst im Regenbogen flächenhaft sehen, webend, lebend ineinander, herankommend die Wesenheiten der dritten Hierarchie, Angeloi, Archangeloi, Archai. Sie atmen diese Farben. Uns aber werden die Gedanken der Wesenheiten der höheren Hierarchie in diesem Farbenatmen seelen-sichtbar.

Wir schauen aber, wie durchdrungen von diesen Weltgedanken sich diese Wesenheiten der dritten Hierarchie wenden zu den Wesenheiten der zweiten Hierarchie, denen sie dienen, wenden zu Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Und wir haben das gewaltige Bild vor uns, dass erscheinen die reinen Geistwesen, die Sonnenbewohner, die da nur erscheinen, wenn verschwindet das physische Bild, das die Sonne entwirft, wenn jenes kleine, trotz all seiner Größe im Verhältnis zur Erde kleine Bild - denn ein Bild ist es nur —, wenn jenes kleine Bild der Sonne verschwindet. Und majestätisch wird die Sonne erfüllen das ganze All - unendlich viel größer - als das riesengroße Weltenbild. Dann erscheinen die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, webend und lebend im reinen Geisterreiche, jetzt aber empfangend dasjenige, was ihnen Angeloi, Archangeloi, Archai bringen. Das sind nicht tote Gedanken, wie wir sie haben; da sind die toten Gedanken entnommen dem Sinnenschein und im Atmen der Angeloi, Archangeloi, Archai lebendige Gedanken geworden. Wie in einem gewaltigen Opfer tragen Angeloi, Archangeloi, Archai diese lebendigen Gedanken hin vor die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, vor Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Da wecken diejenigen Gedanken, die gelebt haben im Erdendasein, die im Erdendasein Schein sind, die wecken die Wesenheiten der zweiten Hierarchie im Sein auf.

Und wir sehen, wie empfangen die Wesenheiten der zweiten Hierarchie von den Wesenheiten der dritten Hierarchie die schon belebten Gedanken und wie jetzt wie eine mächtige Auferstehung eine Welt wird, eine neue Welt aus demjenigen, was tot aus dem Sinnenschein von Angeloi, Archangeloi, Archai entnommen worden ist; eine neue Welt, eine auferstehende Welt wird unter der Wirkung der Exusiai, Dynamis, Kyriotetes.

Dann sehen wir, wie das merkwürdige Geheimnis der Welt, das Geheimnis des Kosmos wirkt. Dann schen wir, wie Exusiai, Dynamis, Kyriotetes dasjenige, was sie empfangen haben von den Wesenheiten der dritten Hierarchie, übergeben demjenigen, was wir im Erdendasein Strahlen, Strahlen der Sonne, Strahlen der Sterne nennen. Alldem Strahlenden wird jetzt das belebte, auferweckte Gedankenweben der Welt übergeben.

In Wahrheit sind Strahlen nichts Physisches. In Wahrheit strahlt in den Strahlen der Geist. Aber wir sehen, wenn die Strahlen so zu uns dringen, wir sie so anschauen, wir sie so sehen, was diesen Strahlen von rückwärts mitgegeben wird aus dem Bereich der Wesenheiten der zweiten Hierarchie. In all diesem Strahlenden, in dem Sternenstrahlenden, Sonnenstrahlenden wird mitgegeben dasjenige, was die Wesenheiten der zweiten Hierarchie an Weltengedanken weben, aber auch alles dasjenige, was sie auferstehen ließen aus den durch die Wesenheiten der dritten Hierarchie belebten - im toten Sinnenschein auch toten - Gedanken. Und jetzt hören wir, wie sie mitgeben diesen strahlenden Geisteskräften dasjenige, was als schaffende Liebe wirkt im Kosmos, was auf den Sternen- und Sonnenstrahlen als Liebe webt, als Liebe flutet durch den Kosmos und die eigentliche erzeugend-schaffende Kraft im ganzen Kosmos ist, wie sie das anvertrauen den Sternenstrahlen, anvertrauen den Sonnenstrahlen; jetzt schauen wir mit dem Geistesauge, wie Geiststrahlendes, Liebeweckendes, Liebetragendes die Geister der zweiten Hierarchie der Welt einverleiben.

So hören wir sie jetzt sprechen - nicht zu uns -, wir werden Zeuge eines Zwiegespräches zwischen den Wesenheiten der zweiten Hierarchie und den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Da tönt es hinüber. Wir hören es nur mit an. Es ist das erste Mal, dass wir miteinander sprechen hören im Fortgange des Situationsmeditierens die Wesenheiten der oberen Hierarchie:

Euer Empfangenes
Aus totem Sinnenschein Belebtes:
Wir wecken es im Sein;
Wir schenken es den Strahlen,
Die des Stoffes Nichtigkeit
In des Geistes Wesenheit
Liebewebend offenbaren.

Und indem also wir Zeugen eines Himmelsgespräches werden, hellt sich für das Geistesauge die frühere nachtbedeckte Finsternis allmählich auf. Sie wird durchdrungen von einem sanften, milden Lichte.

[Diese dritte Strophe wird nun an die Tafel geschrieben;]

Exusiai, Dynamis, Kyriotetes: Euer Empfangenes
Aus totem Sinnenschein Belebtes:
Wir wecken es im Sein;
Wir schenken es den Strahlen,
Die des Stoffes Nichtigkeit
In des Geistes Wesenheit
Liebewebend offenbaren.

Nun, haben wir dieses vernommen, sind wir durchdrungen von diesem, dann sehen wir ein weiteres mit dem Geistesauge, das sich abspielt. Dann sehen wir, dass dasjenige, was also dadurch entstanden ist, dass Erdengedanken belebt worden sind durch die dritte Hierarchie, dass das von der dritten Hierarchie belebend Eratmete empfangen worden ist von der zweiten Hierarchie, und den Sternenstrahlen, den Sonnenstrahlen mitgeteilt worden ist, in Liebe gewandelt worden ist; das sehen wir übernommen von den Wesenheiten der ersten Hierarchie und von diesen Wesenheiten der ersten Hierarchie zu den Elementen gemacht, aus denen sie neue Welten schaffen. Was Angeloi, Archangeloi, Archai aus der Welt sich eratmen, was von ihnen empfangen Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, das übernehmen und wandeln es in Schaffenskräfte, aus denen sie neue Welten gestalten, Throne, Cherubine, Seraphine.

Und das Merkwürdige ist dieses: Wir waren erstens Zeuge eines Himmelsgespräches, das geführt haben die Wesen der zweiten Hierarchie mit den Wesen der dritten Hierarchie. Jetzt hören wir mit den Geistesohren weiter. Es beginnen zu sprechen die Weltenworte die Wesen der ersten Hierarchie, Throne, Cherubine, Seraphine. Uns ist es zuerst, als sollten wir hören wiederum nur ein Himmelsgespräch, bei dem wir Lauscher, Zuhörer sind. Doch gleich wird es uns klar: So ist es nicht.

Erstens ließen ihre Stimme ertönen die Angeloi, Archangeloi, Archai; dann entstand ein Zwiegespräch zwischen Exusiai, Dynamis, Kyriotetes mit Angeloi, Archangeloi, Archai; und nun mischen sich

in das Gespräch Throne, Cherubine, Seraphine. Ein ganzer Chor der Geistessphären tönt. Wir werden gewahr, indem jetzt die Stimmen der neun Chöre zusammentönen, dass dasjenige, was aus ihnen erklingt, wiederum an uns als Mensch gerichtet ist. Und so spricht zuletzt die ganze Geisteswelt zu uns. Aber erst wiederum, wenn dasjenige, was innerhalb der Geisteswelt gesprochen ist, aufgenommen wird in die Weltenworte der Seraphine, Cherubine und Throne, dann tönt es auch wiederum in unser Menschenwesen herein. Und dann tönt es zu uns als Mensch:

In deinen Willenswelten
Fühl’ unser Weltenwirken;
Geist erglänzt im Stoffe,
Wenn wir denkend schaffen;
Geist erschafft im Stoffe,
Wenn wir wollend leben;
Welt ist Ich-wollend Geistes-Wort.

Die Welt ist das Geisteswort, das das Ich will; und im Schaffen von Seraphinen, Cherubinen und Thronen ist die Welt.

[Diese vierte Strophe wird nun an die Tafel geschrieben:]

Throne, Cherubine, Seraphine: In deinen Willenswelten
Fühl’ unser Weltenwirken;
Geist erglänzt im Stoffe,
Wenn wir denkend schaffen;
Geist erschafft im Stoffe,
Wenn wir wollend leben;
Welt ist Ich-wollend Geistes-Wort.

Das Geisteswort, das das Ich will, ist die Welt. Und indem wir diese Worte an unser Menschenwesen herandringen hören mit dem Geistesohr, wird es hell in der geistigen Welt. Das milde Licht, das vorher da war, wandelt sich in Geisteshelle.

Das ist das Erlebnis mit dem Hüter beim Hellwerden der Geistessphäre:

Sieh’ des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt’ges Rund,
Lass’ durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit’ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale. Empfind’ unsrer Gedanken
Farbenatmend Leben
In der Schale Lichtesfluten;<
Wir tragen Sinnenschein
In Geistes-Wesensreiche
Und wenden weltdurchdrungen
Uns höhern Geistern dienend zu. Euer Empfangenes
Aus totem Sinnenschein Belebtes:
Wir wecken es im Sein;
Wir schenken es den Strahlen,
Die des Stoffes Nichtigkeit
In des Geistes Wesenheit
Liebewebend offenbaren. In deinen Willenswelten
Fühl’ unser Weltenwirken;
Geist erglänzt im Stoffe,
Wenn wir denkend schaffen;
Geist erschafft im Stoffe,
Wenn wir wollend leben;
Welt ist Ich-wollend Geistes-Wort.

Welt ist Ich-wollend Geistes-Wort. Und es ist dann, als ob der Hüter der Schwelle uns sanft berührte mit seinen Geistesorganen. Wir fühlen sein Wesen so, wie wenn er uns die Geistesaugen zudrückte, wir für einen Augenblick nichts schauten, trotzdem wir vorher im hellen Geistesraume waren. Dann steigt aus unserem Innern das Wort auf, das wir heute noch nicht rechnen wollen zu den Mantren, die wir bekommen, das aber an den Schluss dieser Stunde gestellt werden soll und das wir aufsparen wollen aufzuschreiben für das nächste Mal.

Indem - wenn wir es mit einem sinnlichen Bilde ausdrücken, was da auf rein geistige Art geschieht - der Hüter der Schwelle uns sanft die Hand auf die Augen legt, sodass wir von der um uns herum befindlichen Geisteshelle nichts sehen, steigt in uns dasjenige auf, was wie eine Erinnerung wirkt an die Sinneswelt, die wir verlassen haben zur Aneignung der Erkenntnis in der Geistwelt. Das steigt auf:

Ich trat in diese Sinnes-Welt,
Des Denkens Erbe mit mir führend,
Eines Gottes Kraft hat mich hereingeführt.
Der Tod, er steht an des Weges Ende.
Ich will des Christus Wesen fühlen.
Es weckt in Stoffes-Sterben Geist-Geburt.
Im Geiste find’ ich so die Welt
Und erkenne mich im Weltenwerden.

Meine lieben Freunde, ich muss erinnern an etwas, was gesagt worden ist im Beginne der Einrichtung der Klassenstunden, auch schon betont worden ist bei der Weihnachtstagung. Es dürfen nicht die Dinge immer wiederum so genommen werden, dass man eine Einrichtung, die aus tieferem Sinn heraus voll getroffen worden ist, von außen her abändert, sie anders einrichtet, als sie eingerichtet war. Deshalb muss ich hier verkündigen, dass zukünftig - und das sollten diejenigen, die schon in der Klasse sind, durchaus als die Ordnung für diejenigen, die für die Klasse ansuchen wollen, den anderen klarmachen -, es wird zukünftig kein einziges Klassengesuch mehr berücksichtigt, das nicht entweder an den Schriftführer des Vorstandes des Goetheanum, Frau Doktor Wegman, oder an mich direkt gerichtet ist. Nur mit diesen zwei persönlichen Adressen werden zukünftig Ansuchen um die Zugehörigkeit zur Klasse berücksichtigt. Das, was vom Anfange an festgesetzt worden ist, muss bleiben. Die Mitglieder haben sich schon wiederum so eingerichtet, dass sie das nicht befolgen, sondern die Sache so machen, wie sie selber wollen.

Bei dieser Gelegenheit mache ich noch auf etwas anderes aufmerksam, meine lieben Freunde, was insbesondere jetzt schwerwiegend wird, wo wirklich mit der nötigen Einhaltung der Kompetenzen die Anthroposophische Gesellschaft geleitet werden muss. Immer wieder und wiederum bekommt man Briefe, in denen steht: Wenn ich nicht eine Antwort bekomme, so betrachte ich das als eine Bejahung. - Diejenigen, die so geschrieben haben, wissen schon davon. Ich möchte diejenigen, die so geschrieben haben und alle, die noch so schreiben wollen, bitten zu berücksichtigen, dass jeder Brief, der enthalten wird den Satz: Eine Nichtantwort betrachte ich als eine Bejahung -, dass jeder solcher Brief sich selber die Antwort bilden kann als eine Verneinung. Es wird in Zukunft überhaupt ein solcher Brief nicht mehr beantwortet, weil man gar nicht zurechtkommen kann, wenn solche Zumutungen gestellt werden, sondern es muss dasjenige, was in dem Brief geschrieben wird, von vornherein als verneinend beantwortet gelten.

German original of Lesson XVII · ← Previous · Next →