Esoteric Lessons for the First Class II
GA 270 — 12 July 1924, Dornach
Achtzehnte Stunde
Meine lieben Freunde! Den Ruf nach Selbsterkenntnis, den die Menschenseele vernehmen kann, wenn sie unbefangen hinlauscht auf alle Wesen und Ereignisse in Natur- und Geistesleben, wir wollen ihn wiederum im Ausgangspunkte dieser Betrachtungen an unserer Seele vorüberziehen lassen:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Wir sind, meine lieben Schwestern und Brüder, in jener Antwort, die die Seele finden kann auf diese Frage, die Strecke durchgegangen, die der Mensch durchmisst bei seinem Wege hin zum Hüter der Schwelle, zum Abgrund des Seins. Wir sind vorgedrungen bis zu derjenigen Unterweisung des Hüters der Schwelle, die da erfolgt so, dass dem Menschen dasjenige, was vorher dunkel und finster vor ihm stand - wovon er aber doch wusste, dass es sein Wesen, den Quell seines Daseins enthält -, was vor ihm dunkel und finster sich ausbreitete, dann hell wurde. Und nun im Hellwerden hörten wir des Hüters Ruf:
Sieh’ des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt’ges Rund,
Lass’ durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit’ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale.
Und Angeloi, Archangeloi, Archai, sie lassen ihre Stimmen ertönen auf dieses Wort des Hüters der Schwelle also, indem sie sich an die Menschenseelen richten:
Der Hüter:
Sieh’ des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt’ges Rund,
Lass’ durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit’ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale.
Und so schauen wir, wie da durch das flutende Licht der Weltenschale, die wir kennengelernt haben in der letzten Stunde, die Wesen der dritten Hierarchie durchleuchten und erleuchtet werden; wir sehen die Scharen dieser Wesenheiten, Angeloi, Archangeloi, Archai, sich hinwenden dienend zu den höheren Geistern, zu den Exusiai, Dynamis, Kyriotetes; und wir werden Zeuge, wie die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes zu ihren dienenden Geistern sprechen, zu erfüllen dasjenige, was diese dienenden Geister für die Menschen brauchen. Und also sprechen Exusiai, Dynamis, Kyriotetes:
Euer Empfangenes
Aus totem Sinnenschein Belebtes:
Wir wecken es im Sein;
Wir schenken es den Strahlen,
Die des Stoffes Nichtigkeit
In des Geistes Wesenheit
Liebewebend offenbaren.
Und dann müssen wir, durch unser Inneres gedrängt, den Blick zu den höchsten Geistern, der ersten Hierarchie, wenden, die sich jetzt an die Menschen segnend selber wenden. Von da hören wir:
In deinen Willenswelten
Fühl’ unser Weltenwirken;
Geist erglänzt im Stoffe,
Wenn wir denkend schaffen;
Geist erschafft im Stoffe,
Wenn wir wollend leben;
Welt ist Ich-wollend Geistes-Wort.
So Zeuge desjenigen, was Wesen höherer Welten miteinander sprechen, so durchdrungen von demjenigen, was die höchsten Wesen als das Weltenwort in die Menschenseele hineinergießen, damit das Menschenherz ihm entgegenschlage, so müssen wir uns drinnen fühlen im allwaltenden, allwesenden Weltenlichte, in dem wir selber drinnen leben und weben.
Und jetzt geht uns auf eine Wahrheit, die empfunden wird da, wo nicht verkörperte Wesen, wo Geister ihr Leben leben, wo Geister ihre Wahrheiten denken, wo Geistern ihre Schönheit erglänzt, wo durch Geister ihr Wirken geistig wirkt. Und auf geht uns die große, die allumfassende, die in Geisteswelten webende Wahrheit: Geist ist. Denn wir stehen, wir leben, wir weben im Geist; wir erfassen geistiges Sein. Und wir gedenken jetzt, wie Geist, wie dasjenige, worinnen wir jetzt leben, allein ist.
Und wir wissen jetzt: Auch da, wo wir sonst sind im Leben, auch in der Welt des Sinnenscheins ist nur Geist. Geist ist allein. Das steht jetzt vor unserer Seele als unerschütterliche, allwaltende Wahrheit: Geist ist. Und wir tun gut, uns diese Wahrheit im Bilde vor die Seele hinzustellen. [Es wird gezeichnet: rot; siehe Seite 814:]
Dasjenige, das im Bilde ausgedrückt ist, ist Geist; es ist Geist allein. [Während des Weitersprechens wird an verschiedenen Stellen das Wort «Ist» in die roten Zeichen hineingeschrieben.]
Dasjenige, was hier erscheinet: Ist. Es ist Geist. Und was außer dieser Röte ist, ist nicht. Das steht vor unserer Seele. Und die Geisteswelt sagt uns: Hier Ist, hier Ist, hier Ist, hier Ist. Überall, wo Geist ist, Ist etwas.
[Nun wird während des Weitersprechens das Wort «Nichts» an verschiedenen Stellen zwischen die roten Zeichen geschrieben, ferner die Worte «Mineralien», «Pflanzen», «Tiere».]
Und wo nicht Geist ist, ist Nichts. Und wir sind tief durchdrungen, dass das die Wahrheit ist: Überall, wo Geist ist, ist Etwas, und wo nicht Geist ist, ist Nichts. Und nun fragen wir uns: Wie erschien uns das alles drüben in der Welt des Sinnenscheins, aus dem wir über die Schwelle herüber herausgetreten sind in die geistige Welt, wo wir das wahre Sein, den Geist, vor unsere Seele hingestellt finden. Da drüben sahen wir dasjenige, was hier in Röte gezeichnet ist, nicht. Wir sind zu schwach drüben, um dasjenige, was in Röte gezeichnet ist, zu sehen. Was bleibt übrig drüben? Das Nichts. Wir sehen drüben das Nichts: nennen es Mineralien, eine Sorte von dem Nichts; nennen es Pflanzen, eine zweite Sorte von dem Nichts; nennen es Tiere, eine dritte Sorte von dem Nichts, und so weiter.
Das Nichts empfinden wir, weil wir zu schwach sind, das Etwas zu schauen. Und die Nichtse reden wir als die Reiche der Natur an. Das ist die große Täuschung, das ist die große Illusion, sagen wir. Nur verschiedene Arten des Nichts sind uns drüben vor Augen, wenn wir im Leibe schauen. Und wir haben in unserem Gefühl tief den Eindruck, wie wir drüben leben und Namen geben demjenigen, was Nichts im Grunde ist, was die große Illusion ist. Und uns erscheint jetzt dasjenige, was da drüben als Nichts lebt und dem wir Namen geben, uns erscheint das wie eine Summe von Namen, die wir der Nichtigkeit geben. Denn in ihrer Wahrheit sind alle Wesen erst jerzt im Sein da, wo wir in die geistige Welt eingetreten sind. Namen, dem Nichts geweiht, die haben wir drüben verschwendet auf Wesenloses. Und Wesen - nicht aus den Götterreichen, denen wir angehören und angehören sollen -, die können sich der Namen bemächtigen, die wir auf die Nichtse verschwenden. Und sie tragen fortan diese Namen.
Wenn wir uns nicht klar sind darüber, dass wir hier auf der Erde den Nichtigkeiten Namen geben, so verfallen wir mit unseren Namen in die stärksten Illusionen. Wissen müssen wir, dass wir den Nichtigkeiten Namen geben. Das steht jetzt, indem wir drüben im Lichte leben und weben, vor unserer Seele, sodass es die Geistkraft unseres Herzens, die uns hinüber geblieben ist, tief, tief, tief fühlen kann: Wir wissen jetzt, wir sind aus dem Reiche der Illusion in das Reich der Wahrheit eingezogen. Ernst, heiliger Ernst gegenüber der Wahrheit beginnt zu walten in unserer Seele.
Und jetzt schauen wir zurück auf den treuen Hüter der Schwelle, der am Abgrund des Seins steht. Er spricht jetzt nicht. Er sprach aus dem Dunkel heraus. Er sprach, als wir die Helligkeit erst fühlten. Er sprach, während die Helligkeit sich für uns aufhellte. Jetzt, wo wir in der Helligkeit erschüttert stehen durch die große Wahrheit «allein Geist ist», jetzt spricht er nicht, jetzt deutet er stumm, wie oben die Wesen der höheren Hierarchien miteinander sprechen. Und wir denken einen Augenblick in Geistesgegenwart: Da unten im Erdenleben haben wir vernommen, was Mineralien, was Pflanzen, was Tiere, was physische Menschen auf uns für einen Eindruck machen, was die Wolken sprechen, was die Berge sagen, was die Quellen rieseln, was die Blitze walten, was die Donner rollen, was die Sterne flüstern von Weltengeheimnissen. Das war drunten unsere Erfahrung; das waren unsere Erlebnisse. Jetzt ist das alles stumm, jenseits des Abgrundes des Seins. Jetzt sind wir Zeuge, wie die Götter miteinander sprechen. Der ganze Chor der Angeloi beginnt zu sprechen.
Wir schauen noch hinauf, wie er sich wendet zu den höheren Geistern, wie er sich wendet zu den Geistern der zweiten Hierarchie, denen er dienen will. Wir schauen auf die liebevoll dienenden Gebärden der Angeloi, Archangeloi, Archai, die sich hinwenden zu Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Wir haben den Anblick der Scharen der dritten Hierarchie im Dienen.
Wir haben den Anblick der Scharen der zweiten Hierarchie im Weltenschaffen, im Weltbeherrschen, im Weltbeleuchten, und hören, was die geisterleuchteten, göttlich wollenden, Göttliches wollenden Wesen miteinander sprechen.
Wir hören die Angeloi ihr Wort ertönen lassen. Heraus aus ihrer Sorge um die Führung der Menschenseelen lassen sie ihr Wort ertönen:
Es denken die Menschenwesen!
Das lastet auf den Angeloi. Darum sind sie besorgt, wie sie führen sollen die Menschenseelen, indem die Menschenwesen denken. Dann wenden sie sich hin, bittend, zu den Dynamis, damit sie bekommen jene Kräfte, durch die sie richtig führen können die Menschenwesen im Denken:
Angeloi:
Es denken die Menschenwesen!
Wir brauchen das Licht der Höhen,
Dass wir im Denken leuchten können.
Die Dynamis aus dem Bereiche des Leuchtens, Herrschens, Wirkens antworten liebevoll, wohlwollend:
Empfanget das Licht der Höhen,
Dass ihr im Denken leuchten könnt,
Wenn Menschenwesen denken.
Und das flutende Licht, Kraft des Leuchtens im Denken, es strömt hinüber von den Dynamis zu den Angeloi. Was die Angeloi empfangen, es leuchtet, ohne dass die Menschen es wissen, im menschlichen Denken. Jetzt werden wir gewahr, was im menschlichen Denken wirkt und webt: das Leuchten der Angeloi. Aber die Lichtkraft zu diesem Leuchten, sie empfangen sie von den Dynamis.
[Der erste Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 815:]
I) Angeloi:
«Es denken die Menschenwesen!»: Das ist ihre Sorge, das stellen sie hin als ihr Sorgenwort.
Es denken die Menschenwesen!
Nun wenden sie sich in ihrer Sorge an die Dynamis:
Wir brauchen das Licht der Höhen,
Dass wir im Denken leuchten können.
Die Dynamis antworten:
Dynamis:
Empfanget das Licht der Höhen,
Dass ihr im Denken leuchten könnt,
Wenn Menschenwesen denken.
Weiter geht unser geistiger Blick. Die Schar der Archangeloi sehen wir dienend sich hinwenden zu den Geistern der zweiten Hierarchie. Jetzt wenden die sich an Exusiai und Kyriotetes, an die zwei Kategorien der Geister der zweiten Hierarchie. Angeloi haben sich an Dynamis gewendet; Archangeloi wenden sich an Exusiai und Kyriotetes. Und ihre Sorge geht auf das Fühlen der Menschenwesen. Und sie erbitten von Exusiai und Kyriotetes, was sie brauchen für das Fühlen der Menschenwesen, das sie führen sollen:
Archangeloi:
Es fühlen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Seelenwärme,
Dass wir im Fühlen leben können.
Sie müssen dem Fühlen Leben einhauchen. Und mit mächtiger Stimme, weil zwei Chöre es sind, die da antworten, ertönt es im geistigen Weltenall von Kyriotetes und Exusiai:
Empfanget die Seelenwärme,
Dass ihr im Fühlen leben könnt,
Wenn Menschenwesen fühlen.
[Der zweite Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben:]
II) Archangeloi:
Es fühlen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Seelenwärme,
Dass wir im Fühlen leben können.
Es antworten
Kyriotetes und Exusiai:
Empfanget die Seelenwärme,
Dass ihr im Fühlen leben könnt,
Wenn Menschenwesen fühlen.
Und wir wenden uns zu der dritten Schar der dritten Hierarchie, zu der Schar der Archai. Sie haben die Sorge für das Wollen der Menschenwesen, die dritte Sorge der dritten Hierarchie.
Wir fühlen: Wenn sich die Angeloi wenden an die Dynamis, dann wirken die Dynamis weit hinauf in die Höhen, um das Licht der Höhen, das sie erzeugen, den Angeloi für ihre Sorge für das Denken der Menschen zu geben. Und wir fühlen: Alles, was im Umkreise an Weltenwärme ist, das wird erzeugt von Exusiai und Kyriotetes, und es wird übergeben den Archangeloi, damit diese führend sein können in alle dem, was das Fühlen in Menschenwesen ist. Und tief unten, da, wo die Geister und Götter der Tiefe walten, wo aus den Abgründen, in denen viel Böses waltet, die Tiefenkräfte als die guten von weit herauf gezogen werden müssen, da ziehen alle Götter der zweiten Hierarchie zugleich; denn in ihrer Sorge um das Wollen der Menschenwesen brauchen die Archai die Tiefenkraft. Und sie sprechen:
Es wollen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Tiefenkraft,
Dass wir im Wollen wirken können.
Und es antworten darauf wie aus einer mächtigen, gewaltigen kosmischen Stimme, in die zusammenklingen die mächtigen Stimmen der mächtigen Geister der zweiten Hierarchie, alle drei zusammen, die drei Scharen aus drei Chören zu einem Chor - Kyriotetes, Dynamis, Exusiai - drei Chöre in einem:
Empfanget die Tiefenkraft,
Dass ihr im Wollen wirken könnt,
Wenn Menschenwesen wollen.
[Der dritte Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben:]
III) Archai:
Es wollen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Tiefenkraft,
Dass wir im Wollen wirken können.
Es antworten Kyriotetes, Dynamis und Exusiai zugleich:
Kyriotetes, Dynamis und Exusiai:
Empfanget die Tiefenkraft,
Dass ihr im Wollen wirken könnt,
Wenn Menschenwesen wollen.
Das ist die Welt, die Welt, bestehend in den heiligen Schöpferworten, von deren Ertönen wir Zeuge werden in geistigen Welten, wie wir Zeuge sind von dem, was im mineralischen, pflanzlichen, tierischen Reich hier auf der Erde vor sich geht.
Und wir vernehmen, indem das unsere Erfahrung, unser Erlebnis wird:
Es denken die Menschenwesen!
Wir brauchen das Licht der Höhen,
Dass wir im Denken leuchten können. Empfanget das Licht der Höhen,
Dass ihr im Denken leuchten könnt,
Wenn Menschenwesen denken. Es fühlen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Seelenwärme,
Dass wir im Fühlen leben können. Empfanget die Seelenwärme,
Dass ihr im Fühlen leben könnt,
Wenn Menschenwesen fühlen. Es wollen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Tiefenkraft,
Dass wir im Wollen wirken können. Empfanget die Tiefenkraft,
Dass ihr im Wollen wirken könnt,
Wenn Menschenwesen wollen.
Wir wachsen hinein in die geistige Welt. Stattdessen, was uns hier auf der sinnlichen Erde umgibt, umgeben uns die Chöre der geistigen Welt. Und wir werden Zeuge dessen, was die Götter sprechen, was die Götter sprechen bei ihrer Sorge um die Menschenwelt, bei ihrem Schaffen in der Sorge um die Menschenwelt.
Nur wenn unsere Meditation übergeht in dieses völlige Ausschalten dessen, was wir hier auf der Erde sind, und in ein Erfühlen desjenigen, was drüben die Götter in ihrer Göttersprache eine Welt sein lassen, erleben wir die wahre Wirklichkeit. Und erst wenn wir diese Wirklichkeit haben, haben wir auch dasjenige, was wirklich ist um uns herum zwischen der Geburt und dem Tode. Denn hinter all dem, was da lebt in den Erscheinungen zwischen der Geburt und dem Tode, ist als wahre Wirklichkeit enthalten dasjenige, in dem wir leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
Menschen früherer Zeiten, sie lebten auf der Erde; sie lebten auf der Erde in einem dumpfen, traumhaften Hellsehen. Ihre Seele war erfüllt von solchen traumhaften Bildern, die von der geistigen Welt sprachen. Stellen wir uns vor einen solchen Menschen alter Zeiten: Dann, wenn er nicht arbeitete, wenn er - da noch die Sonne am Himmel stand - von der Arbeit schon zur Rast gegangen war, wenn er nachsann, stiegen auf die Bilder, die er in seiner Seele erleben konnte und die ihn erinnerten an dasjenige, was er im vorirdischen Dasein in der geistigen Welt erlebt hatte. Und er verstand nicht den Zusammenhang seines Erdendaseins mit jenem Dasein, das da hereinleuchtete in seine hellseherischen Träume. Aber die Lehren der Eingeweihten, der Initiierten waren da. Die erklärten zuerst ihren Schülern und durch die Schüler allen Menschen, wie der Zusammenhang ist. Und man lebte in der Erdenwelt von den Erinnerungen an das vorirdische Dasein.
Jetzt ist erloschen im Erdenleben die Erinnerung an das vorirdische Dasein. Jetzt können Initiierte nicht erklären den Zusammenhang des Erdenlebens mit dem vorirdischen Dasein; denn die Menschen haben vergessen, was sie erlebt haben im vorirdischen Dasein. Einer solchen Erklärung bedarf es nicht; das kosmische Gedächtnis braucht nicht erklärt zu werden, denn es ist heute nicht da.
Aber gelauscht muss werden durch die Initiationswissenschaft demjenigen, was da die Götter sprechen hinter dem sinnlichen Dasein. Dann müssen das die Menschen erfahren. Und immer mehr wird die Zeit kommen, dass die Menschen, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, die geistige Welt, in die sie eintreten, nur verstehen werden, wenn sie Folgendes sagen können:
Wenn der Mensch getreten ist durch die Pforte des Todes in das überirdische Dasein und sich nun befindet in der Wirklichkeit der geistigen Welten, sich befindet innerhalb der Welt von Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, Seraphinen, Cherubinen, Thronen: Wenn er all das erlebt, dann wird er sich — wenn ihm das nicht unverständlich und dunkel bleiben soll, was er da nach dem Tode erlebt -, dann wird er sich erinnern müssen an dasjenige, was er hier auf Erden durch die Initiationswissenschaft erfahren hat.
Und wichtig, von unermesslicher Wichtigkeit wird es zum Verständnisse dessen, was erlebt werden kann drüben in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wenn gehört wird - was sonst nicht verstanden wird - durch das Rückerinnern an dasjenige, was auf Erden noch gehört worden ist, solches, was da drüben ertönt:
Es denken die Menschenwesen!
Empfanget das Licht der Höhen. Es fühlen die Menschenwesen!
Empfanget die Seelenwärme. Es wollen die Menschenwesen!
Empfanget die Tiefenkraft.
Das sind die Worte, meine Schwestern und Brüder, die gehört werden sollen heute in den esoterischen Schulen. Da sollen sie erklingen durch die Unterweisungen derjenigen, die aus der Kraft des Michael-Zeitalters heraus die esoterischen Schulen leiten. Dann kann es so sein:
In den esoterischen Schulen wird zuerst gehört innerhalb des Erdendaseins die Stimme der Angeloi:
Es denken die Menschenwesen!
Die Antwort der Dynamis: Empfanget das Licht der Höhen. Es wird gehört die Stimme der Archangeloi:
Es fühlen die Menschenwesen!
Die Antwort der Kyriotetes und Exusiai:
Empfanget die Seelenwärme.
Es wird gehört die Stimme der Archai:
Es wollen die Menschenwesen!
Die Antwort aller drei Wesensarten der zweiten Hierarchie, Exusiai, Dynamis, Kyriotetes:
Empfanget die Tiefenkraft.
Menschen, die in esoterischen Schulen das gehört haben, werden durch die Pforte des Todes gehen, die Worte drüben wieder klingen hören, zusammenklingen hören: die esoterischen Schulen hier, das Leben zwischen Tod und neuer Geburt dort. Verstehen werden sie, was dort erklingt.
Oder die Menschen sind dumpf und unwillig gegen dasjenige, was die esoterischen Schulen nach der Vorbereitung durch die allgemeine Anthroposophie sagen. Sie vernehmen nicht dasjenige, was erlauscht werden kann durch die Initiationswissenschaft aus den Reichen der Höhen. Sie gehen durch die Pforte des Todes. Sie hören dort, was sie hätten hören sollen schon hier. Sie verstehen es nicht. Wie unverständliches Klingen, wie bloßer Schall, wie Weltengeräusch ertönen die Kraftesworte, wenn die Götter miteinander sprechen.
Das Evangelium spricht davon, Paulus spricht davon, dass die Menschen sollen durch die Weisung Christi sich hüten vor dem Tode im Geisterland. Denn gleich kommt es dem Tode im Geisterland, wenn wir durch des Todes Pforte gehen und nicht verstehen, was dort erklingt; wenn wir nur hören können statt verständlicher Worte der Götter das unverständliche Geräusch, weil uns überfallen hat statt des Lebens der Seele der Tod der Seele. Dass die Seelen leben, dafür gibt es eine Initiationswissenschaft; dass die Seelen lebend bleiben, wenn sie durch des Todes Pforte gehen, dafür gibt es esoterische Schulen. Davon sollen wir uns durchdringen.
Und jetzt gedenken wir des Weges, den wir im Geiste durchgemacht haben. Gedenken wir, wie wir an den Hüter herangetreten sind, um kennenzulernen, wie der Mensch hinüberkommt über den Abgrund des Seins. Und nehmen wir jetzt, wo die Eindrücke von drüben auf unsere Seele gewirkt haben, nehmen wir jetzt in unsere Seele herein dasjenige, was als die innere Dramatik der Selbsterkenntnis vor unsere Seele hintreten kann.
Wir haben den Weg gegangen. Drei Tafeln standen gewissermaßen da. Vor der dritten stehen wir jetzt, nachdem wir alle Tiefen eines Göttergespräches in unsere Seele aufgenommen haben. Auf der ersten Tafel, lange noch bevor wir hingekommen waren zum Abgrund des Seins, da tönte es eben:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Nun näherten wir uns dem Hüter. Die zweite Tafel ist da. Auf ihr stehet:
Erkenne erst den ernsten Hüter,
Der vor des Geisterlandes Pforten steht,
Den Einlass deiner Sinnenkraft
Und deines Verstandes Macht verwehrend,
Weil du im Sinnesweben
Und im Gedankenbilden
Aus Raumeswesenlosigkeit,
Aus Zeiten Truggewalten
Des eignen Wesens Wahrheit
Dir kraftvoll erst erobern musst.
Dann sind wir hinübergelangt, vorbei an dem ernsten Hüter, stehen drüben, haben vernommen ein solches Gespräch wie dieses:
Es denken die Menschenwesen!
Empfanget das Licht der Höhen. Es fühlen die Menschenwesen!
Empfanget die Seelenwärme. Es wollen die Menschenwesen!
Empfanget die Tiefenkraft.
Da schauen wir hinüber in die Sinneswelt, da fühlen wir gegenüber dieser Sinneswelt die Worte:
Ich trat in diese Sinnes-Welt,
Des Denkens Erbe mit mir führend,
Eines Gottes Kraft hat mich hereingeführt.
Der Tod, er steht an des Weges Ende.
Ich will des Christus Wesen fühlen.
Es weckt in Stoffes-Sterben Geist-Geburt.
Im Geiste find’ ich so die Welt
Und erkenne mich im Weltenwerden.
Die nächste Klassenstunde wird nicht heute über acht Tage, sondern heute über vierzehn Tage um halb neun sein.