Esoteric Lessons for the First Class III
GA 270 — 9 September 1924, Dornach
Zweite Wiederholungsstunde
Meine lieben Schwestern und Brüder! Es ist nicht möglich, auch heute - trotzdem eine Anzahl neuer Mitglieder dieser esoterischen Schule hier sind, neuer Mitglieder, die noch nicht hier waren - wiederum die einleitenden Worte zu sprechen. Daher werde ich fordern müssen, dass, wenn die neu in die Schule aufgenommenen Mitglieder von anderen Mitgliedern - in der Art, wie ich es später sagen werde, am Schlusse der Stunde - die Sprüche mitgeteilt bekommen, ihnen auch pflichtgemäß von denjenigen, die ihnen die Sprüche mitteilen, die Bedingungen für die Mitgliedschaft der Schule gesagt werden. Und es wird notwendig sein, dass jetzt sogleich fortgefahren wird in demjenigen, mit dem das letzte Mal aufgehört worden ist.
Vorerst aber lassen wir wiederum vor unsere Seele treten diejenigen Worte, die dem unbefangenen Gemüte aus allen Wesen der Welt, aus allen Vorgängen der Welt entgegentönen. Alles sagt den Menschen dieses, was in den folgenden Worten liegt; alles hat in der Vergangenheit den Menschen dieses gesagt, alles sagt ihnen in der Gegenwart dieses, alles wird ihnen sagen in der Zukunft dieses:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Wir haben gesehen, wie derjenige, der befolgt dieses aus allen Dingen der Welt und aus allen Vorgängen der Welt ihm entgegentönende Wort, die Sehnsucht fühlt, hinauszukommen aus der majestätischen, glänzenden Sinneswelt in diejenige Welt, die jenseits eines gähnenden Abgrundes ist, des gähnenden Abgrundes des Seins, und die zunächst entgegenstarrt der menschlichen Seele wie schwarze, nachtbedeckte Finsternis. Aber die Hoffnung ersteht, dass für die Lösung des Menschenrätsels, für die wahre Lösung des Menschenrätsels dasjenige, was für das äußere Leben in Licht erstrahlt, in Glanz erglimmt, dunkel werden muss, damit das Licht, das in jener Welt ist, in der das eigene Selbst sein Wesen findet, aus der zunächst als schwarze, nachtbedeckte Finsternis erscheinenden Weltenwesenheit kommt.
Und wir haben, indem wir uns genähert haben im Gedanken, in der Empfindung auf dem Wege, der dahin geleitet, sich erhellen gesehen wie aus geistigem Wolkendasein die Gestalt des Hüters der Schwelle. Wir haben ihn sprechen gehört, - denn alles, was hier gesprochen wird, tönt aus Geisteswelten, tönt im Auftrage Michaelis, des Leiters der geistigen Strömung der Menschheit in der Gegenwart; denn diese Schule ist die wahre Michael-Schule. Und er hat gesprochen auch von der Selbsterkenntnis des Menschen, der Hüter. Er hat aber dann Worte gesprochen, die zunächst niederschmetternd für die Seele sind.
Hingerufen hat er uns, der Hüter, sodass wir ihm ganz nahe stehen. Mit ernstem Antlitz schaut er uns entgegen. Und er zeigt uns, wie unser Wollen, unser Fühlen, unser Denken vor dem Antlitze der Götter erscheint in Imaginationen. Da ist es noch nicht menschlich, dieses Wollen, dieses Fühlen, dieses Denken, da ist es noch tierisch. Da ist die Selbsterkenntnis noch bestürzend, niederschmetternd.
Aber durchgehen müssen wir durch die Erkenntnis jenes Selbstes, das uns unsere Zeit, unsere Weltenzeit aus ihrer Irrtumsbildung heraus gibt, damit wir zu der wahren Selbsterkenntnis vordringen können.
Diese Irrtums-Selbsterkenntnis, die Erkenntnis jenes Selbstes, das wir aus dem Geiste unserer Zeit heraus in uns tragen, sie weist uns der Hüter vor, indem er aufsteigen lässt aus dem gähnenden Abgrund des Seins das erste der Tiere, das das Wollen darstellt; wiederum die Hand erhebend, hinweisend auf den gähnenden Abgrund des Seins, heraufsteigen lässt das zweite der Tiere, das das Fühlen darstellt; wiederum die Hand hinweisend auf den gähnenden Abgrund des Seins, das dritte Tier aufsteigen lässt, das das Denken darstellt.
So steigen sie hintereinander herauf:
Das erste der Tiere - die wahre Geistgestalt zunächst unseres Wollens, erzeugt aus der Furcht vor der Erkenntnis -, das nur durch den Mut zur spirituellen Erkenntnis überwunden werden kann.
Und so das zweite Tier - geboren aus dem Hass auf Erkenntnis, der in den Untergründen des Gemütes aus unserer Zeit heraus in allen Menschen ist -, das nur überwunden werden kann durch die richtige Begeisterung für die Erkenntnis, durch das rechte gemütvolle Erkenntnisfeuer; während heute Lässigkeit und Lauheit in Bezug auf die Erkenntnis, ja, Hass in Bezug auf die Erkenntnis wegen der Lässigkeit und Lauheit in den Gemütern ist.
Und so das dritte Tier - in seiner gespenstigen Eigenart von dem Zweifel an der geistigen Welt, der heute an den Wurzeln der Seelen nagt, heraus erzeugt -, das nur besiegt werden kann dann, wenn die Erkenntnis die Kraft in sich erweckt, die Dinge, die draußen sind in der geistigen Welt, in sich im eigenen Gemüte zu schaffen.
Und so spricht der Hüter am gähnenden Abgrund des Seins, nachdem wir ganz nahe herangetreten sind:
Doch du musst den Abgrund achten;
Sonst verschlingen seine Tiere
Dich, wenn du an mir vorübereilt'st;
Sie hat deine Weltenzeit in dir
Als Erkenntnisfeinde hingestellt.Schau das erste Tier, den Rücken krumm,
Knochenhaft das Haupt, von dürrem Leib,
Ganz von stumpfem Blau ist seine Haut;
Deine Furcht vor Geistes-Schöpfer-Sein
Schuf das Ungetüm in deinem Willen;
Dein Erkenntnismut nur überwindet es.Schau das zweite Tier, es zeigt die Zähne
Im verzerrten Angesicht, es lügt im Spotten,
Gelb mit grauem Einschlag ist sein Leib;
Dein Hass auf Geistes-Offenbarung
Schuf den Schwächling dir im Fühlen;
Dein Erkenntnisfeuer muss ihn zähmen.Schau das dritte Tier, mit gespaltnem Maul,
Glasig ist sein Auge, schlaff die Haltung,
Schmutzigrot erscheint dir die Gestalt;
Dein Zweifel an Geistes-Licht-Gewalt
Schuf dir dies Gespenst in deinem Denken;
Dem Erkenntnisschaffen muss es weichen.Erst wenn die drei von dir besiegt,
Werden Flügel deiner Seele wachsen,
Um den Abgrund zu übersetzen,
Der dich trennet vom Erkenntnisfelde,
Dem sich deine Herzenssehnsucht
Heilerstrebend weihen möchte.
[Das Mantram wird nun, zugleich mit den entsprechenden Unterstreichungen, an die Tafel geschrieben; siche Seite 844]
Wenn der Hüter uns dies gezeigt, das niederschmetternde Bild, das uns als unser eigenes Wesen wie die Antwort auf die Aufforderung «O Mensch, erkenne dich selbst!» zunächst entgegentritt, wenn der Hüter uns dieses Bild gezeigt hat, dann nähert er sich uns, um uns eine weitere Aufklärung zu geben, die nun beginnen kann, uns aufzurichten: eine Aufklärung über das dritte Tier, das verwoben ist mit unserem Denken, das zweite Tier, das verwoben ist mit unserem Fühlen, das erste Tier, das verwoben ist mit unserem Wollen. Und er gibt uns eine gewisse Lehre in dem, was er uns zunächst sagt. Er macht uns aufmerksam darauf, wie wir in rechter Weise unser menschliches Erdendenken empfinden sollen.
Meine lieben Schwestern und Brüder, man fühlt ja schon ganz exoterisch, dass dieses Denken, durch das wir uns die Dinge und Vorgänge der Welt aneignen, etwas Abstraktes, etwas Schattenhaftes, etwas Unwirkliches ist. Was ist es denn eigentlich, dieses Denken?
Im Bilde müssen wir uns vor die Seele stellen, was dieses Denken eigentlich ist. Wir stellen uns hin vor einen Leichnam, vor einen Leichnam, der eben vor kurzer Zeit verlassen worden ist von der Seele und dem Geiste eines Menschen. Wir beschauen uns diesen Leichnam. Er kann so, wie er ist, niemals in der Welt entstehen. Er kann für sich nichts sein; er kann nur etwas sein als Übriggebliebenes von dem lebendigen Menschen. Der muss in ihm gewesen sein; der muss ihn erst sich selber umgestaltet haben. Der Tod liegt vor uns, das Leben ist gewichen, der Leichnam liegt im Sarge. Halten wir das Bild fest.
Unser seelisch-geistiges Leben, das unsere wahre menschliche Eigenwesenheit ist, es war, bevor es durch Empfängnis und Geburt herabgestiegen ist aus der göttlich-geistigen Welt in einen physischen Menschen-Erdenleib, lebendig. Da war es oben in der geistigen Welt kein schattenhaftes, abstraktes Denken, sondern seelisch-geistige Wesenheit, lebend, webend, schaffend, wirkend, wellend, wesend. Da war es lebendig. Dann ist es heruntergestiegen in einen Menschenleib; aber es ist gestorben, indem es heruntergestiegen ist. Der Menschenleib ist sein Sarg. Und dasjenige Denken, das wir haben zwischen der Geburt und dem Tode, ist der Leichnam des lebendigen Denkens, das wir hatten, bevor wir ins irdische Sein heruntergestiegen sind.
Nur dann, meine lieben Schwestern und Brüder, wenn wir so empfinden gegenüber dem Denken, empfinden wir richtig esoterisch und ringen uns allmählich hinauf, zu überwinden die gespenstige Gestalt des dritten Tieres, kommen immer mehr und mehr hinauf zur reinen Engelsgestalt des wahren Denkens, dessen totes Nachbild in unserem physischen Erdenleib west und webt und wirkt und wellt.
Solange wir das Denken als etwas Lebendiges anschauen, stehen wir nicht in der Wahrheit; erst wenn wir unseren Leib als den Sarg des toten Denkens betrachten und das ganz fühlen, dann stehen wir in der Wahrheit. So sagt uns mit seinen Worten, die wir dann hören werden und die uns als mantrischer Spruch dienen können, der Hüter der Schwelle am gähnenden Abgrund des Seins. Er sagt es uns in besonderer Intimität.
Und wenn wir vom Denken weggehen, zu unserem Fühlen schauen, dann müssen wir schen und fühlen, fühlen gegenüber dem Fühlen, wie das gewöhnliche Fühlen, das wir zwischen der Geburt und dem Tode in uns lebend glauben, nur ein halb Lebendes ist, wie es fortwährend verzehrend an uns arbeitet, dieses Fühlen, wie es uns fortwährend etwas ertötet, wie es uns eigentlich aushöhlt vom Geiste. Das Denken ist tot, und das Fühlen ist halb lebendig, ist im Grunde genommen nur von Bildgestalt in uns. Und erst wenn wir dem Fühlen gegenüber so fühlen, dass dieses menschliche Erdenfühlen ein schwacher, halb-lebender Abglanz ist aus Sonnenmacht, die als allgemeine Weltenliebe das kosmische Fühlen durch den ganzen Kosmos strahlt, dann fühlen wir dem Fühlen gegenüber richtig. So sagt uns wiederum vertraulich, in Intimität der Hüter der Schwelle.
Und erst, wenn wir dem Wollen gegenüber so fühlen, dass es zwar in uns lebt, fortwährend aber von geistigen Gegenmächten versucht und angefeindet wird, damit seine Kraft nicht diene dem Göttlichen oben, sondern dem Physischen unten, erst wenn wir fühlen diese Gegenmächte, die fortwährend in unserem Wollen uns ablenken möchten von unserer eigentlichen göttlichen Aufgabe und uns ganz verstricken ins Erdendasein, dann fühlen wir, wie diese Gegenmächte, indem sie sich unser Wollen aneignen, die Zukunft der Erde in ihre Gewalt bekommen wollen. Könnten sie es, wären wir nicht wachsam, sodass wir unser Wollen weihen dem Göttlichen, nicht den ahrimanischen Erdenmächten, so würde die Erde streitig gemacht sein den Göttern, denen sie eigentlich vom Urbeginn des Erdenseins zugehört. Das sagt uns der Hüter wie eine Erklärung der drei Tiere:
Des dritten Tieres glasig Auge,
Es ist das böse Gegenbild
Des Denkens, das in dir sich selbst
Verleugnet und den Tod sich wählet,
Absagend Geistgewalten, die es
Vor seinem Erdenleben geistig
In Geistesfeldern lebend hielten. Des zweiten Tieres Spottgesicht, Es ist die böse Gegenkraft Des Fühlens, das die eigne Seele Aushöhlet und Lebensleerheit In ihr erschafft statt Geistgehalt, Der vor dem Erdensein erleuchtend Aus Geistessonnenmacht ihr ward. Des ersten Tieres Knochengeist, Er ist die böse Schöpfermacht Des Wollens, die den eignen Leib Entfremdet deiner Seelenkraft Und ihn den Gegenmächten weiht, Die Weltensein dem Göttersein In Zukunftzeiten rauben wollen.
[Nun wird das Mantram, zugleich mit den entsprechenden Unterstreichungen, an die Tafel geschrieben; siehe Seite 845:]
Der Hüter spricht: Des dritten Tieres glasig Auge,
Es ist das böse Gegenbild
- es ist nur ein «Bild» —
Des Denkens, das in dir sich selbst
Verleugnet und den Tod sich wählet,
Absagend Geistgewalten, die es
Vor seinem Erdenleben geistig
In Geistesfeldern lebend hielten.
Des zweiten Tieres Spottgesicht,
Es ist die böse Gegenkraft
— das erste ist «Bild», das zweite «Kraft» —
Des Fühlens, das die eigne Seele
Aushöhlet und Lebensleerheit
In ihr erschafft statt Geistgehalt,
Der vor dem Erdensein erleuchtend
Aus Geistessonnenmacht ihr ward. Des ersten Tieres Knochengeist,
Er ist die böse Schöpfermacht
— die Steigerung: «Bild», «Kraft», «Macht» —
Des Wollens, die den eignen Leib
Entfremdet deiner Seelenkraft
Und ihn den Gegenmächten weiht,
Die Weltensein dem Göttersein
In Zukunftzeiten rauben wollen.
Und immer mehr führt uns der Hüter am gähnenden Abgrund des Seins näher der wahren Selbsterkenntnis, die uns nur werden kann, wenn Licht ersteht drüben in der schwarzen, nachtbedeckten Finsternis. Darum zeigt er uns in den verschiedensten Weisen dasjenige, was er uns zunächst in der Gestalt der Tiere gezeigt hat, was er uns dann zeigt in der Gestalt, wie es diesen mantrischen Sprüchen entspricht, und was er uns jetzt noch einmal beschreibt, damit wir immer näher und näher kommen der Selbsterkenntnis, um zu Flügeln zu kommen, um den Abgrund des Seins zu übersetzen, den wir mit Menschenfüßen, mit den schweren Menschenfüßen, das heißt mit der äußeren illusionären, mit der Maja-Wirklichkeit nicht übersetzen können.
Und so macht uns der Hüter nun - nachdem er uns vertraulich diese mantrischen Sprüche gegeben hat -, so macht uns der Hüter nun aufmerksam, wie wir empfinden sollen weiter über unser Denken, wie wir es fühlen sollen - unser Denken - nicht als ein Sein; denn da weben wir nur weiter als Illusion, wenn wir in diesem Denken, das wir als Menschen auf der Erde haben, etwas anderes als Schein sehen. Selbstheitsein, das heißt, das wahre, wirkliche Sein von uns, das verbirgt sich im Denken, lebt nicht im Denken, so sagt der Hüter. Man kann nichts anderes tun als untertauchen in den Schein des Denkens, immer weiter, dann gelangt man, indem man tief untertaucht in das scheinende Denken, in den unermesslichen Weltenäther, in dem man sich mit der Seele zunächst auflöst.
Da sollen wir, wenn unsere Selbstheit sich da wenigstens im Scheine wankend in der Welt fühlt, da sollen wir verehren die führenden Wesen der höheren Hierarchien, die uns leiten. Da fühlen wir, dass wir diese führenden Wesen der höheren Hierarchien brauchen.
Dann ermahnt uns der Hüter, dass wir uns vom Denken zum Fühlen wenden, das strömende Fühlen in uns empfinden sollen. Das Denken ist noch ganz Schein. Was wir aber fühlen, das steht unserem Sein wenigstens halb nahe. Wir kommen tiefer in unser eigenes Sein hinein, wenn wir fühlen als wenn wir denken; aber wir sind noch nicht drinnen. Wir sind in der Hälfte unseres Eigenwesens, wenn wir fühlen; denn das Fühlen hat etwas Unklares, aber auch nie Feste. Da mischen sich Schein und Sein im Fühlen. Die Selbstheit, die wir suchen - hier im guten Sinne gemeinte Selbstheit -, sie neigt dem Scheine sich. Wir sollen jetzt untertauchen in scheinendes Sein, in ein Sein, das nur scheint, in einen Schein, der sich energisiert zum Sein halb; da werden uns fassen Weltenkräfte, die jetzt nicht so sind bloß Schein, sondern halbes Sein: Weltenseelenkräfte. Da sollen wir bedenken in diesem Weben unseres eigenen webenden Wesens im webenden Weltenäther, da sollen wir bedenken die Lebensmächte der eigenen Seele, die wir nicht im Denken bedenken können, weil das Denken Schein ist.
Dann sollen wir untertauchen in den Willen, den wir fühlen wie Sein, verborgenes Sein in uns. Wir können es nicht ergreifen. Aber der Wille wirkt wie Stoß und Kraft: Sein. Dieser Wille steigt herauf aus allem Scheineswesen und schafft unser Eigensein, unser wirkliches Eigensein, hier im guten Sinne gemeint das Eigensein. Dem sollen wir unser Leben zuwenden. Der ist von Weltengeistesmacht erfüllt. Unser Eigensein, es soll die weltschöpferische Macht, die alle Räumsg, alle Zeiten, alle Geistesgebiete erfüllt, ergreifen und untertauchen in das Wollen.
Ganz am Abgrund des Seins spricht der Hüter:
Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den Schein:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen. Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte. Lass walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.
Diesen mantrischen Spruch werde ich das nächste Mal an die Tafel schreiben und ihn mit all seinen Eigenheiten erklären.
Jetzt aber wenden wir uns noch einmal zurück zu alle dem, was in der Vergangenheit gesprochen hat zu dem Menschen, was in der Gegenwart spricht, was in der Zukunft sprechen wird, ihn auffordernd zu dem, was ihm auf seinem Lebenswege das Heiligste sein muss: die Selbsterkenntnis.
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Die nächste esoterische Stunde dieser ersten Klasse soll dann am Donnerstag um acht Uhr stattfinden.
Ich habe noch zu sagen, dass die Sprüche, die als mantrische Meditationssprüche von dem Hüter der Schwelle im Auftrage Michaeli gegeben werden, nur für diejenigen sind, die Mitglieder dieser Schule sind. Diejenigen, die sie aus irgendeinem Grunde persönlich nicht haben können, können sie mitgeteilt bekommen von jemandem anderen, der Mitglied der Schule ist und sie hat. Jedoch muss in jedem einzelnen Falle angefragt werden, ob so etwas erlaubt ist. Und zwar muss angefragt werden entweder bei Frau Doktor Wegman oder mir. Das ist nicht bloß eine Verwaltungsmaßregel, sondern es muss alles in unserer anthroposophischen Bewegung nunmehr aus Realitäten bestehen. Und diese Mitteilung beginnt eben bei der Erlaubnis als einer realen Tatsache, nicht als einer bloßen Verwaltungsmaßregel. Brieflich dürfen die Sprüche nicht versendet werden. Fragen kann nur derjenige Frau Doktor Wegman oder mich, der die Sprüche jemandem anderen gibt. Es möge also nicht der fragen, der sie empfängt, sondern derjenige, der sie gibt. Man bittet jemanden, der sie geben kann und der frägt dann.
Wenn irgendjemand etwas anderes mitgeschrieben hat während der Stunde als die Sprüche selbst, dann bitte ich ihn, dies nur acht Tage zu behalten und nach acht Tagen zu verbrennen, damit der Inhalt der Schule, der nur einen Sinn hat, wenn die Michael-Strömung durch die Schule geht, damit der Inhalt dieser Schule nicht nach außen kommt und dadurch unwirksam wird. Denn nicht um irgendein obskures Geheimhalten handelt es sich, sondern dass der Inhalt der Schule nicht unwirksam werde. Es ist ein okkulter Grundsatz, der beachtet werden muss.
Und wir leben in einer ernsten okkulten Schule, in der wirklichen Schule Michaelis, geben dasjenige, was durch diese Schule fließt, in dem Zeichen Michaelis: [Das Michael-Zeichen wird an die Tafel gezeichnet; siehe Seite 844] geben es im Sinne des Rosenkreuzes, mit dem Symbolum des Rosenkreuzes:
Ex deo nascimur
[die untere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
In Christo morimur
[die mittlere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
Per spiritum sanctum reviviscimus
[die obere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
und denken bei diesem Siegel und Zeichen Christiani Rosenkreutz:
[Neben die untere Siegelgeste wird geschrieben]
Ich bewundere den Vater
[Neben die mittlere Siegelgeste wird geschrieben]
Ich liebe den Sohn
[Neben die obere Siegelgeste wird geschrieben]
Ich verbinde mich dem Geiste
Per signum Michaeli:
[Es wird das Michael-Zeichen gemacht.]
[Es werden die drei Siegelgesten gemacht und dazu gesprochen]
Ex deo nascimur In Christo morimur Per spiritum sanctum reviviscimus.