Esoteric Lessons for the First Class III
GA 270 — 11 September 1924, Dornach
Dritte Wiederholungsstunde
Meine lieben Schwestern und Brüder! Für die neu eingetretenen Mitglieder ist es nicht möglich wiederum, heute die Einleitung mit den Verpflichtungen für die Klasse zu sprechen. Daher fordere ich diejenigen Mitglieder auf, welche dann diesen neu Eingetretenen übergeben werden - unter den Modalitäten, die ich am Schlusse anzuführen habe - die Sprüche, dass sie auch diese Bedingungen an diese neu eintretenden Mitglieder mitteilen.
Nun, meine lieben Schwestern und Brüder, wir beginnen wiederum, indem wir vor unsere Seele hintreten lassen diejenigen Worte, die der Mensch, wenn er dazu den Sinn hat, hören kann aus allen Wesen der umgebenden Welt, die er hören konnte in aller Vergangenheit, hören kann in der Gegenwart, hören wird in der Zukunft, die ihm vergegenwärtigen die Aufforderung - die aus dem ganzen Weltall fortdauernd zu ihm kommt - nach Selbsterkenntnis, die die wahre Brücke ist zu demjenigen, was der Mensch braucht für sein Denken, für sein Fühlen, für sein Wirken in der Welt, wenn er in wahrhaftem Sinne des Wortes Mensch sein will:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Meine lieben Schwestern und Brüder, die Beschreibung des Erkenntnisweges hat uns geführt bis heran an den Hüter der Schwelle. Nachdem uns der Hüter der Schwelle hart am Abgrund des Seins gezeigt hat, wie diejenigen Kräfte, die die Kräfte unseres Menscheninnern sind —- Wollen, Fühlen, Denken -, sich ausnehmen vor den Augen der Wesen der geistigen Welt; nachdem er uns gezeigt hat, wie in Wahrheit der Mensch aus dem gegenwärtigen Zeitbewusstsein heraus nicht in Bezug auf diese Kräfte, wenn sie innerlich angeschaut werden, zum vollen Menschentum erwacht ist, sondern vor den geistig-göttlichen Mächten erscheint als die drei Tiere, die nun vor ihn hingestellt werden und die der Hüter der Schwelle ihm gezeigt hat; nachdem der Hüter der Schwelle diesen zerschmetternden Anblick vor unsere Seele hingestellt hat, zeigt er uns den weiteren Weg, der zur Erhebung in die wahre Selbsterkenntnis wiederum führt, der gegangen werden muss, wenn die Aufforderung «O Mensch, erkenne dich selbst!» erfüllt sein soll.
Nachdem er uns zuerst gezeigt hat, wie wir uns stellen sollen zu unserem Denken, Fühlen und Wollen, zeigt er uns - in jenen mantrischen Sprüchen, die in dieser Michael-Schule am Schlusse der letzten Stunde angeführt worden sind -, wie wir uns selber zuerst in unser Denken zu vertiefen haben, zu versenken haben, wie aber dieses Denken Scheineswesen ist, das unser wirkliches Selbsteigensein nicht tragen kann, wie wir aber dennoch hinaus verwoben werden - durch dieses Untertauchen in das Scheineswesen - in den Weltenäther und wenigstens kommen zur Verehrung jenes Führerwesens, das uns von Erdenleben zu Erdenleben führt.
Dann zeigt er uns, wie wir in die Gefühle hinuntersteigen können, wie sich in den Gefühlen Schein und Sein vermählt, wie da mit halber Stärke herauftaucht unser Wesen, die Selbstheit im guten Sinne des Wortes, wie wir aber da bedenken sollen, dass da schon hereinströmt dasjenige, was in den Lebensmächten nicht nur unseres vergänglichen, scheinbaren Seins liegt, sondern in den Lebensmächten der Welt, des Kosmos.
Erst wenn wir hinuntersteigen in den Willen, fühlen wir Sein in unsere Selbsteigenheit einströmen. Das Scheineswesen verwandelt sich in Sein. Es steigt unser Wesen in den Willen herab, und die weltenschöpferischen Mächte fühlen wir durch unseren Willen strömen.
Und so waren die Worte des Hüters der Schwelle hart am Abgrunde des Seins - wo noch vor uns steht die gähnende Finsternis, die nachtbedeckte Finsternis, in der es hell werden soll, damit wir in ihr finden das Licht, das unser eigenes Selbst beleuchten kann; hinter uns ist die glänzende, sonnenerglimmende physische Wirklichkeit, die nun dunkel wird, weil wir unser eigenes Sein in ihr nicht finden können -, da spricht der Hüter der Schwelle die mantrischen Worte:
Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den Schein:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen. Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte. Lass walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.
— das Geistes-Ich der Welt.
[Das Mantram wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 846:]
Einen mantrischen Spruch hat uns der Hüter der Schwelle gesagt, bei dem es nicht bloß darauf ankommt, dass wir seinen Inhalt aufnehmen, bei dem es darauf ankommt, dass wir uns mit unserem ganzen Fühlen hineinversetzen in das Weben und Leben der geistigen Welt. Daher ist dieser mantrische Spruch so gestaltet, dass er zunächst wie ein Herunterbewegen aus der geistigen Welt in seinem Rhythmus erscheint. Jede Zeile beginnt damit, dass eine hochtonige Silbe da ist, der eine tieftonige Silbe folgt. Wir haben im ersten Spruch:
[Während des Sprechens wird über die beiden ersten Silben jeder Zeile an der Tafel das trochäische Rhythmuszeichen — U gesetzt und dabei der Spruch mit entsprechender Betonung gesprochen:]
Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den Schein:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen.
Dieses Sich-Herunterbewegen der geistigen Welt zu uns ist in diesem trochäischen Rhythmus zu fühlen. Nur dann nehmen wir in unsere Seele diesen Spruch richtig auf, wenn wir ihn so innerlich fühlend lesen, dass dieses Heruntersteigen der geistigen Welt, dieses Heruntersprechen von geistigen Wesen zu uns, in diesem rhythmischen Tonfall wirkt:
Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den Schein:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen.
Der nächste Spruch ist das Umgekehrte: Da sollen wir mit dem Gefühl schon hinaufsteigen zum Sein. Da [bei der ersten Silbe] sind wir unten; da [bei der zweiten Silbe] streben wir uns hinauf in das Sein. Der Tiefton geht dem Hochton voraus:
[Während des Sprechens wird über die beiden ersten Silben jeder Zeile an der Tafel das jambische Rhythmuszeichen u — gesetzt und dabei der Spruch mit entsprechender Betonung gesprochen:]
Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte.
Wir müssen leben in den Worten, die in diesem Rhythmus mantrisch geeint sind; wir müssen sie so fühlen:
Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte.
Dass wir mehr in die Realität hineinsteigen, drückt sich auch darinnen aus, dass wir zunächst «verehren» [das Wort wird an der Tafel unterstrichen], was eine innerlich-seelische Tätigkeit ist; dass wir dann aufsteigen bis zum «bedenken» [das Wort wird an der Tafel unterstrichen], wo wir allmählich neben die Sache hinkommen; dass wir es erst mit «Führerwesen» [das Wort wird unterstrichen], die uns lenken, zu tun haben; dann mit «Lebensmächten» [das Wort wird unterstrichen], welche die Welt durchwellen und durchleben. In einem mantrischen Spruche ist alles an die rechte Stelle gestellt, und es ist alles in der richtigen Weise in den Organismus des Ganzen gefügt.
Der dritte Spruch, er sagt uns, wie wir das Sein unmittelbar im Willen vernehmen. Wir stehen neben dem Sein. Zwei hochtonige Silben gehen voraus:
[Während des Sprechens wird über die beiden ersten Silben jeder Zeile an der Tafel das spondeische Rhythmuszeichen — — gesetzt und dabei der Spruch mit entsprechender Betonung gesprochen?]
Lass walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.
Hier sind wir noch weiter. Es handelt sich nicht mehr um ein «bedenken», es handelt sich um ein «ergreifen» [das Wort wird unterstrichen], das eine Aktion ist. Die «Weltschöpfermacht» [das Wort wird unterstrichen] statt der «Lebensmacht» ist in der Zeile vorangestellt, um den völligen Umschwung anzudeuten, den wir durchmachen, wenn wir vom «Schein» durch das «scheinende Sein» zum «Sein» hinaufsteigen.
Der dritte Spruch ist daher so zu fühlen, dass der Anfang einer jeden Zeile in diesem spondeischen Versmaß, spondeischen Rhythmus gefühlt wird. Hier haben wir trochäisch [«trochäisch» wird neben den ersten Spruch geschrieben]; hier jambisch [«jambisch» wird neben den zweiten Spruch geschrieben]; hier spondäisch [«spondäisch» wird neben den dritten Spruch geschrieben]:
Lass walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.
Nachdem der Hüter der Schwelle uns dieses vor die Seele gestellt hat, macht er uns aufmerksam, wie wir uns eingliedern müssen, wenn wir in der Geist-Erkenntnis weiterschreiten wollen, in den Kosmos, in die Welt; in den Kosmos, in die Welt mit allen ihren Kräften. Denn dasjenige, was in uns zunächst seinem Orte nach nicht zu unterscheiden ist, im Kosmos ist es angeordnet. Im Kosmos können wir hinweisen auf die Orte. In uns ist alles verwoben. Aber wir gelangen nicht zu einer wirklichen Erkenntnis, wenn wir nicht aufgehen in die Weltenkräfte und Weltenmächte, wenn wir subjektiv in uns bleiben, wenn wir innerhalb unserer Haut beschlossen bleiben, wenn wir nicht aus uns herausgehen und unser Körper die ganze Welt wird. Dann auch wird unsere Seele unser enges Menschenwesen fühlen als ein Glied der Welt. Unser enges Menschenwesen wird der Geist eingliedern in den ganzen Kosmos, in die ganze Welt.
Das aber müssen wir so vollziehen, wie der Hüter der Schwelle uns anweist, indem er uns zeigt, wie von den Tiefen der Erde, die mit Schwere alle Wesen an sich zieht, Kräfte ausgehen, die auch uns hinunterziehen, die unseren Willen binden an die Erde, wenn wir ihn nicht durch inneres Streben frei uns machen. Erdenwärts geht der Blick, nach unten geht der Blick, wenn wir die Lokalisation unseres Willens haben wollen. Wir müssen uns wie mit der Schwere der Erde eins fühlen, angezogen fühlen von der Erde und das Bestreben in uns haben, uns von der Erdenschwere frei zu machen, wenn wir unseren Willen eins werden lassen wollen mit dem Kosmos, was wir müssen.
Fühle wie die Erdentiefen
Ihre Kräfte deinem Wesen
In die Leibesglieder drängen.
Du verlierest dich in ihnen,
Wenn du deinen Willen machtlos
Ihrem Streben anvertrauest;
Sie verfinstern dir das Ich.
So spricht zu unserem Willen am gähnenden Abgrund des Seins der Hüter der Schwelle im Auftrage Michaels.
Und er verweist uns, indem er unser Fühlen in den Kosmos eingliedern will, nun nicht an die Tiefe, er verweist es auf die horizontalen Weltenweiten, wo von West nach Ost, von Ost nach West die Kräfte schwingen und pendeln und uns durchdringen. Und dieselben Kräfte sind es, die unser Fühlen ergreifen. Göttermächte müssen wir fühlen, die ihre Geisteshelle hereinsenden in diese Wellenschläge des Horizontalen, wenn wir unser Fühlen richtig eingliedern wollen in die Weltenweiten. Wie wir unseren Willen in die Vertikale eingliedern wollen, unten ihn gebunden fühlen, nach oben ihn befreien wollen, so müssen wir hineinstellen können in die Weltenweiten unser Fühlen. Dann wird es licht in unserem Fühlen. Dann geht etwas durch durch unser Fühlen, das ebenso durch uns hindurchzieht, wie durch die Erdenluft in ihrem Gange von Osten nach Westen die Sonne mit ihrem Lichte leuchtet.
In alle dem, was da durch uns strömt, müssen wir uns aber liebend finden. Die Liebekraft allein, die den Menschen durchwebt und durchlebt, kann das, was da von uns gefordert wird. Dann wird Weisheit durch uns durchgewoben, und wir fühlen uns in den weiten Kreisen, in denen die Sonne sich bewegt, als fühlender Mensch, als Selbst, stark für wirkliches, gutes Geistesschaffen.
Das sagt uns - am gähnenden Abgrund des Seins - als fühlendem Menschenwesen, das sagt zu unserem Fühlen der Hüter der Schwelle:
Fühle wie aus Weltenweiten
Göttermächte ihre Geisteshelle
Dir ins Seelenwesen leuchten lassen.
Finde dich in ihnen liebend,
Und sie schaffen weisheitwebend
Dich als Selbst in ihren Kreisen
Stark für gutes Geistesschaffen.
Und wenn der Hüter der Schwelle nun zu unserem Denken sprechen will, dass es sich eingliedert in den Kosmos, dann weist er nicht wie bei dem Willen nach unten, der sich nach oben bewegen soll, dann weist er nicht wie bei dem Fühlen in die weiten Kreise, in deren einem sich die Sonne bewegt, dann weist er in die Höhe, in die Himmelshöhen, wo allein das Selbst selbstlos leben kann, wenn es die Gedankenmächte in dem gnadevollen Von-oben-Kommen empfangen will, dem Höhenstreben folgen will. Wir stehen unten, das Wort ist oben. Wir müssen tapfer sein innerlich, um das Wort zu vernehmen, denn nur wenn wir tapfer uns halten an Weisheits- und Erkenntnisstreben, ertönt von oben gnadevoll das Weltenwort, spricht von des Menschen wahrer Wesenheit.
Das wiederum sagt uns der Hüter der Schwelle am gähnenden Abgrund des Seins:
Fühle wie in Himmelshöhen
Selbstsein selbstlos leben kann,
Wenn es geisterfüllt Gedankenm
In dem Höhenstreben folgen will
Und in Tapferkeit das Wort vernimmt,
Das von oben gnadevoll ertönet
In des Menschen wahre Wesenheit.
[Nun wird das dreistrophige Mantram an die Tafel geschrieben; siehe Seite 8471]
Da oben ist der Ort, wo wir hinschauen müssen, wenn unser Denken sich einen will mit den Kräften des Kosmos. In den Weltenkreisen-Weiten ist das Gebiet, wo wir hinfühlen müssen, wenn unser Fühlen sich einen soll mit den kosmischen Kräften. Unten ist der Ort, wo wir hinblicken müssen, um unser an die Erde gebundenes Wollen, das wir nach oben befreien sollen, in der richtigen Weise einzureihen in die kosmischen Gebiete. Da ist überall - oben, in den Weiten und unten — besonderes Sein. Wir müssen es erfühlen. Der Hüter der Schwelle weist uns in Michaels Auftrag auch dorthin, und er spricht uns von dem, was wir oben und in der Mitte und unten finden.
Er belehrt uns weiter über die Höhe und die Mitte und das Unten, weil er uns belehren will über Denken, Fühlen und Wollen. So spricht er:
Es kämpft das Licht mit finstern Mächten
In jenem Reiche, wo dein Denken
In Geistesdasein dringen möchte.
Du findest, lichtwärts strebend,
Dein Selbst vom Geiste dir genommen;
Du kannst, wenn Finstres dich verlockt,
Im Stoff das Selbst verlieren.
Wir sind hineingestellt zwischen Licht und Finsternis. Licht will unser Selbst, Finsternis will unser Selbst. Wir haben den Weg zu finden zwischen Licht und Finsternis, um zum Selbst zu kommen. Das liegt in der Mahnung des Hüters der Schwelle.
Und unser Fühlen spricht der Hüter an:
Es kämpft das Warme mit dem Kalten
In jenem Reiche, wo dein Fühlen
Im Geistesweben leben möchte.
Du findest, Wärme liebend,
Dein Selbst in Geisteslust verwehend;
Du kannst, wenn Kälte dich verhärtet,
Im Leid das Selbst verstäuben.
Wiederum stehen wir zwischen dem polarischen Gegensatze drinnen mit dem Fühlen: zwischen dem liebenden Warmen, zwischen der warmen Liebe und dem kalten Verhärten, dem verhärtenden Kalten. Wir müssen den Weg finden zwischen den beiden, wenn unser Selbst sich finden will.
Und auf das dritte Reich, wo der Wille urständet, weist uns mahnend der Hüter der Schwelle:
Es kämpft das Leben mit dem Tode
In jenem Reiche, wo dein Wollen
Im Geistesschaffen walten möchte.
Du findest, Leben fassend,
Dein Selbst in Geistesmacht verschwinden;
Du kannst, wenn Todesmacht dich bändigt,
Im Nichts das Selbst verkrampfen.
Leben und Tod: Verlieren an das Leben, verlieren an den Tod können wir unser Wollen, im Leben es verschwinden fühlen, im Tode es verkrampfen fühlen.
Den Weg müssen wir suchen. Dazu fordert uns der Hüter auf. Das ist dasjenige, wovon in der nächsten Stunde ausgegangen werden soll.
Der Hüter weist uns noch einmal hin darauf, wie wir suchen müssen den Weg, um zum Menschen-Selbst zu kommen. Ernste Worte spricht der Hüter da. Denn nicht leicht ist es, jene innere Kraft zu finden, welche hält und trägt und führt das Selbst, das sich finden soll, das sich nicht hat im gewöhnlichen Erdenleben. Wie uns aber der Hüter die Mittel an die Hand gibt, wir wollen es weitersehen. Am nächsten Sonnabend, wo dieser mantrische Spruch an die Tafel geschrieben werden soll, werden wir den Hüter weiter hören, der uns allmählich, indem er uns die Verirrungen anweist — die wir kennen müssen, um den rechten Weg zu finden -, eben durch das ehrliche Aufzeigen der Verirrungen den rechten Weg weisen will.
Jetzt aber gedenken wir wiederum, zurückblickend auf das Erdenleben - wie wir das müssen jedes Mal, wo wir in das Esoterische hineingehen -, jetzt gedenken wir wiederum der Mahnung, die aus allen Wesen und Vorgängen in der Vergangenheit gesprochen hat zum Menschen, in der Gegenwart spricht zum Menschen, in aller Zukunft sprechen wird zum Menschen:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Wenn all das, was durch den Hüter in Michaels Namen durch diese Michael-Schule strömt, wenn hier die Unterweisung in der zu Recht bestehenden Michael-Schule an unsere Seele herandringt, dann dürfen wir sicher sein, wenn wir ehrlichen und guten Sinnes sind, dass die Kraft Michaels durch diesen Raum strömt, was bezeugt werden darf durch des Michaels Zeichen [das Michael-Zeichen wird an die Tafel gezeichnet; siehe Seite 847] und durch die Siegelgesten, womit einströmen lässt in die Rosenkreuzer-Strömung, in den Rosenkreuzer-Tempel Michael diejenige Kraft, die der Mensch heute zu seinem esoterischen Leben braucht, die da wirkt aus dem dreifachen Quell der Welt, aus dem göttlichen Vater-Prinzip, aus dem Christus-Prinzip, aus dem Prinzip des Geistes, sodass sich vereint der Rosenkreuzer-Spruch mit dem Michael-Gestus-Siegel:
Ex deo nascimur
[die untere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
In Christo morimur
[die mittlere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
Per spiritum sanctum reviviscimus
[die obere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
und denken bei diesem Siegel und Zeichen Christiani Rosenkreutz:
[Neben die untere Siegelgeste wird geschrieben]
Ich bewundere den Vater
[Neben die mittlere Siegelgeste wird geschrieben]
Ich liebe den Sohn
[Neben die obere Siegelgeste wird geschrieben]
Ich verbinde mich dem Geiste
Per signum Michaeli:
[Es wird das Michael-Zeichen gemacht.]
[Es werden die drei Siegelgesten gemacht und dazu gesprochen]
Ex deo nascimur In Christo morimur Per spiritum sanctum reviviscimus.
Zu sagen ist, dass die mantrischen Sprüche, die hier in dieser Schule gegeben werden, nur von denjenigen besessen werden können, die rechtmäßige Mitglieder dieser Schule sind. Ist irgendjemand, dadurch, dass er Mitglied der Schule ist und nicht anwesend ist bei einer Stunde, in der er anwesend sein dürfte, nicht in der Lage, hier aus dieser Stunde die Sprüche zu haben, so kann er sie von einem anderen, der sie haben konnte, übernehmen. Das macht notwendig eine Anfrage entweder bei Frau Doktor Wegman oder bei mir selber. Wenn jemand also die Sprüche empfangen will, weil er sie nicht hier hat haben können, so ist anzufragen bei Frau Doktor Wegman oder bei mir selber; aber nicht derjenige kann anfragen, der die Sprüche empfängt, sondern derjenige, der sie ihm gibt. Das muss von vornherein gesagt werden.
Ferner ist zu sagen, dass das nicht eine Verwaltungsmaßregel ist, sondern dass eben das in jedem einzelnen Falle, für jeden Einzelnen, dem man die Sprüche geben will, hier geschehen muss, weil es der Anfang eben jener okkulten Handlung ist, durch die man die Sprüche empfängt.
Diejenigen Mitglieder, welche erst in jüngster Zeit eingetreten sind, bis zur heutigen Stunde gekommen sind, können auch nur die Sprüche erhalten, die bis zur heutigen Stunde vorgebracht worden sind, bis zu der Stunde vorgebracht worden sind, die sie mitgemacht haben. Nur in einzelnen Fällen, die wiederum individuell beurteilt werden müssen, kann gefragt werden, ob die anderen, späteren Sprüche gegeben werden können. Brieflich - also auf einem anderen Wege als durch mündliche Mitteilung - können die Sprüche nicht von dem einen an den andern übergeben werden.
Sollte irgendjemand mitschreiben anderes als die Sprüche, so ist er verpflichtet, dieses Mitgeschriebene nur für die nächsten acht Tage zu haben und es nach acht Tagen zu verbrennen. Dasjenige, was hier in der zu Recht bestehenden Michael-Schule mitgeteilt wird, hat nur Bedeutung in mündlicher Mitteilung - das ist ein inneres okkultes Gesetz -, mit Ausnahme der mantrischen Sprüche. Aber bemerkt werden muss, damit die Dinge nicht genommen werden, als wenn sie in einer kindlichen Weise auf Sekretierung hinorientiert wären, dass es bei diesen okkulten Sprüchen so ist, dass, wenn sie unrechtmäßig an andere kommen, sie ihre Wirkung verlieren, denn es gehört der Akt der Übertragung zur Wirksamkeit der Schule. Um dieser okkulten Tatsache willen wird in dieser Strenge die Behandlung der Sprüche gefordert.
Es ist noch zu sagen, dass morgen die Tageseinteilung diese ist, dass um halb zehn Uhr stattfinden wird der Kursus für Pastoralmedizin, nachmittag um halb vier Uhr der Kursus für Theologen stattfinden wird, dass abends - morgen - ein Mitgliedervortrag sein wird, dass um fünf Uhr nachmittag eine Eurythmievorstellung sein wird. Der Sprachkursus ist um zwölf Uhr wie gewöhnlich.