Esoteric Lessons for the First Class III
GA 270 — 13 September 1924, Dornach
Vierte Wiederholungsstunde
Meine lieben Schwestern und Brüder! Es ist nicht möglich, jedes Mal hier die entsprechende Einleitung zu sprechen über Aufgabe und Bedeutung der Schule und über das Wesen der Mitgliedschaft zur Schule. Trotzdem heute wiederum eine ganze Anzahl neuer Mitglieder hier sind, ist es doch so, dass ich diese Einleitung nicht sprechen werde, sondern fortfahren werde an derjenigen Stelle, an welcher wir das letzte Mal stehen geblieben sind, und diejenigen Mitglieder, welche in dem üblichen Sinne an die Neuaufzunehmenden die bisher vorgekommenen mantrischen Sprüche zu geben haben, ich verpflichten muss, dass sie unter den Bedingungen, die ich dann am Schlusse zu erwähnen haben werde, mit der Übergabe dieser Sprüche auch von den Bedingungen sprechen, welche mit der Aufnahme in die Schule verknüpft sind.
Wir beginnen damit, dass wir wiederum diejenigen Worte uns vor die Seele treten lassen, welche aus allen Wesen der Welt, aus allen Vorgängen der Welt so sprechen zu dem Menschen, der einen unbefangenen Sinn dafür hat, dass darinnen die Aufforderung liegt, das Leben des Menschen, der des Menschennamens wert sein will, zu suchen durch wahre Selbsterkenntnis, Selbsterkenntnis, die zur Welterkenntnis führt. Und eigentlich fordern uns ja von allen Seiten her alle Wesen aus allen Reichen der Natur und aus allen Reichen des Geistes auf zu dieser im wahren Sinne des Wortes gehaltenen Selbsterkenntnis, die der Weg der Welterkenntnis ist. So forderten auf alle Wesen der Natur und des Geistes die Menschen in der Vergangenheit, so in der Gegenwart, so werden sie die Menschen auffordern in der Zukunft. Diese auffordernden Worte, die von allen Seiten der Welt, von Ost und West, von Süd und Nord, von oben und unten an des Menschen Seele herandringen, wenn er sie hören will, sie mögen auch heute beginnen dasjenige, was diese Michael-Schule Euren Herzen, Euren Seelen bedeuten soll:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Wir haben gesehen, wie herangetreten wird von dem nach Erkenntnis Suchenden an den Hüter der Schwelle, wie - nachdem der nach Erkenntnis Suchende zerschmettert dagestanden hat unter dem Eindrucke der drei Tiere, die vor dem Antlitz der geistigen Welt die wahre Gestalt seines jetzigen Wollens, Fühlens und Denkens darstellen -, wie der nach Erkenntnis Suchende aufgerichtet wird nach und nach von dem Hüter der Schwelle.
Und schon haben wir vernommen, was der Hüter der Schwelle spricht zu dem, den er also aufrichten will, wie er ihn hinweist auf der einen Seite nach oben, hinweist darauf, wie da kämpft in dem Reiche, aus dem die Kraft unseres Denkens in unser Menschenwesen strömt, das Licht mit finstren Mächten. Der Hüter der Schwelle meint: Dies Bild brauchen wir. Wir brauchen es, dass - wenn wir den Ursprung unseres Denkens, die Kraft unseres Denkens in unserem Menschenwesen in der richtigen Weise erkenntnissuchend fühlen wollen -, dass wir dann hinaufschauen in jene Reiche, aus denen unser Denken kommt, wo aber einen furchtbaren Kampf führen die Mächte des Lichtes, jenes Lichtes, das das Denken in die richtigen Bahnen bringen will, mit den Mächten der Finsternis, die das Denken abbringen wollen von den richtigen Bahnen, es in Irrwege führen möchten. Da oben ist unser Denken verwurzelt. Wir müssen es verwurzelt wissen, wenn wir Erkennende werden wollen, mit dem Kampf zwischen Licht und Finsternis.
Und dann finden wir, wenn wir lichtwärts zu streben verstehen, uns noch immer so, dass wir uns aufrechterhalten müssen. Und wir müssen wissen, dass wir hineingestellt sind in den Kampf zwischen Licht und Finsternis: Das Licht will uns hinnehmen sozusagen in eine geistige Lichtohnmacht, die Finsternis will uns hinnehmen und uns im Stoff uns verirren lassen. Wir aber müssen den Gleichgewichtszustand zwischen beiden suchen: nicht uns vom Lichte hinnehmen lassen, nicht uns von der Finsternis in Stoff verwandeln lassen, sondern, fest in unserer Eigenheit stehend, das Gleichgewicht finden für unser Denken zwischen Licht und Finsternis.
Wiederum, wenn wir unser Fühlen betrachten, da müssen wir sehen - in jenem Reiche, das mehr im Horizontalen, in den Weltenweiten wirkt und lebt -, wie wir hineingestellt sind in den Kampf zwischen Seelenwärme und Seelenkälte.
In der Seelenwärme wirken alle luziferischen Mächte, die Mächte der Schönheit, die Mächte der Helligkeit, die Mächte, welche uns ohne unser Zutun geben möchten alle göttlichen Kräfte. Wir würden unselbstständig und unfrei werden, wenn sie uns in sich auffangen würden.
Aber auf der anderen Seite stehen die Mächte der Kälte, der Seelenkälte, die von ahrimanischen Wesenheiten durchsetzt sind, die uns in der Kälte das Verlieren unseres Selbstes bringen möchten. Wir müssen wiederum das Gleichgewicht finden zwischen jener Geisteslust, in welche uns die Mächte der Wärme, der Hitze, des Feuers bringen möchten, und denjenigen Regionen, in denen in Kälte, mit ungeheurer Intellektualität, mit einer alles überragenden Intellektualität überzeugend, versucherisch überzeugend die ahrimanischen Mächte führen möchten. Zwischen beiden müssen wir wiederum, um das rechte Fühlen für die Erkenntnis zu finden, uns im Gleichgewichte halten.
Dann, wenn wir auf unser Wollen sehen: Nach unten müssen wir blicken. Da ist das Reich der Erde und der Schwere, aus dem zunächst für unser Erdenleben auch die Kraft unseres Wollens kommt. Denn die Erde hat in sich nicht nur die Kraft der Schwere, sie hat geistig in sich die Kraft des Wollens im Menschen. Wiederum stehen wir zwei Mächten gegenüber, den Mächten des Lebens und den Mächten des Todes. Wir können verfallen mit unserem Wollen den Mächten des Lebens. Da ist es dann, als ob die Mächte des Lebens uns ergreifen möchten. Sie möchten durch unsere Willenskräfte wollen im kosmischen Zusammenhange. Wir müssen unser Selbst aufrechterhalten, mittendurch die Gleichgewichtslage finden zwischen diesen Mächten des Lebens und den Mächten des Todes, die uns verkrampfen möchten, um unser Wollen in das stoffliche Gestalten ewig hineinzuverweben.
Der Hüter der Schwelle fordert uns an dieser Stelle auf, uns zwischen Licht und Finsternis in der Gleichgewichtslage, zwischen Wärme und Kälte in der Gleichgewichtslage, zwischen Leben und Tod in der Gleichgewichtslage zu halten. Denn nicht das Licht allein ist die Macht, der wir zugehören dürfen; im Lichte allein würden wir betäubt werden, geblendet werden. Nicht die Finsternis allein ist dasjenige, dem wir uns verschreiben dürfen, denn da würden wir uns an den Stoff des Finsteren verlieren. Dasjenige, was wir anstreben müssen, ist auf geistige Art dasjenige, was in aller Welt angestrebt wird.
Wo Ihr hinschaut, meine Schwestern und Brüder, wirken ineinander Licht und Finsternis. Schauet an Eure Haare: Das Licht setzt sie Euch ein in Euren Kopf; aber die Finsternis muss sie durchdringen, sonst würden die Haare lediglich Lichtstrahlen sein. Scht Ihr Euch an Euren ganzen Körper: Vom Lichte ist er gewoben; aber er würde nicht auf Erden Festigkeit haben können, wenn nicht die Finsternis hineinverwoben wäre. Seht Euch an jeglichen Gegenstand, meine Schwestern und Brüder! Die blühenden Pflanzen: Von dem Lichte sind sie geschaffen; doch aus dem Boden heraufdringen müssen die Mächte der Finsternis, damit aus Licht und Finsternis dasjenige, was die Pflanzen in ihrer festen Konsistenz darstellen als Wesen auf Erden, auftreten kann.
So wie in aller Natur gefunden wird der Ausgleich zwischen Licht und Finsternis, so muss der Mensch es seelenhaft in der geistigen Welt anstreben, wenn er ein wirklich Erkenntnis-Suchender sein will. Und so ist es mit dem Gleichgewichtsstreben zwischen Wärme und Kälte, so ist es mit dem Gleichgewichtsstreben zwischen Leben und Tod.
Und so stehen wir am gähnenden Abgrund des Seins, schauen noch immer - indem hinter uns die farbenerglänzenden Reiche der Natur, denen wir mit unseren Sinnen angehören, immer finsterer und finsterer werden, indem uns klar wird, aus alldem leuchtenden Sinnlichen kommt nicht heraus dasjenige, was unser eigenes Wesen ist, was uns zur Selbsterkenntnis führt -: Vor uns ist noch wie eine schwarze Wand die Grenze des finsteren Reiches, in das wir hinein müssen, damit es Licht darinnen wird durch die Kraft, die wir selber hineinbringen. Wir stehen noch am gähnenden Abgrund des Seins, haben aber schon etwas Mut gewonnen, dass durch die Mahnungen des Hüters uns Flügel wachsen werden, den Abgrund zu übersetzen, damit wir in die Finsternis hineinkommen und es Licht werde in der Finsternis.
Das eben ist eine der letzten Mahnungen, die der Hüter der Schwelle uns gibt und die da lautet:
[Das Mantram wird nun an die Tafel geschrieben; siche Seite 848:]
Man wird finden, meine lieben Schwestern und Brüder, wenn man mit rechter Gesinnung und rechtem Sinn sich gerade diesen mantrischen Worten hingibt in innerer Seelenruhe, in voller innerer Opferempfindung für die Hingabe des Geistes, man wird finden, dass in den Worten selbst dasjenige liegt, was in die Gleichgewichtslage die Seele hineinbringt.
Nun stehen wir als Erkenntnissuchende vor dem Hüter der Schwelle am gähnenden Abgrund des Seins. Der Hüter der Schwelle gibt uns als das Nächste eine Belehrung darüber, wie wir, indem wir die Richtung einschlagen wollen zwischen dem Licht und der Finsternis, dem Warmen und dem Kalten, dem Leben und dem Tode, uns aufrecht in unserem eigenen Selbst finden können.
Wir können es nicht anders, meine lieben Schwestern und Brüder, als wenn wir uns recht darauf besinnen: Um zur wirklichen Erkenntnis zu kommen, ist es notwendig, dass wir eins werden mit der Welt, dass wir ein Gefühl bekommen gegenüber der Welt, wie der Finger, wenn er fühlen könnte für sich, das Gefühl hätte gegenüber dem ganzen Menschenleibe. Würde der Finger fühlen können für sich, so würde er sich sagen: Ich bin nur solange Finger, als ich am Menschenleibe bin, als das Blut des Menschenleibes mein Blut ist, als die Pulsation des Menschenleibes meine Pulsation ist; schneidet man mich ab: Ich höre auf, ein Finger zu sein. — Der Finger verliert seinen Sinn in Trennung vom Organismus, zu dem er gehört und an dem er allein Finger sein kann.
So muss der Mensch fühlen lernen gegenüber der ganzen Welt. Wir sind ein Glied am geist-seelenhaften Organismus der ganzen Welt, sind nur scheinbar als Menschen abgetrennt von dem geistseelenhaften Organismus der Welt, müssen uns in der rechten Weise mit dem geist-seelenhaften Organismus der Welt zusammenfinden, müssen zunächst wissen: Da sind um uns herum ausgebreitet die Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer. Und wir müssen lernen, uns eins zu fühlen unserer Leiblichkeit nach - denn diese ist gegliedert aus diesen Elementen -, uns eins zu fühlen mit diesen Elementen.
Der Hüter der Schwelle gibt uns die Lehre, wie wir das sollen und wie wir das können. Bedenkt jetzt genau dasjenige, was einfließt in jene belehrenden mantrischen Sprüche, die an dieser Stelle unseres Vorrückens bis zum Abgrund des Seins der Hüter der Schwelle uns gibt.
Meine lieben Schwestern und Brüder, denkt Ihr Euch, Ihr stoßet mit dem Finger tastend an irgendeinen Gegenstand. Ihr wisst, der Gegenstand ist da, wo Ihr hinstoßt. Ihr tastet an einen Gegenstand. Ihr habt im Gefühle das Einssein mit diesem Gegenstand; denn in dem Augenblick, wo Ihr antastet an einen Gegenstand, ist eine Tastempfindung dasjenige, was einen Finger oder womit Ihr sonst tastet, eins macht mit dem Gegenstande. Nun denkt Ihr Euch, Ihr seid im Ganzen wie ein Finger, wie ein tastendes Glied. Ihr steht auf der Erde, auf dem Element Erde; Ihr steht, weil die Erde als ihre hauptsächlichste Eigenschaft das Element der Schwere hat. Ihr tastet mit Euren Fußsohlen auf die Erde, ganz gleichgültig, ob Ihr auf einem Zimmerparkettboden oder woanders steht draußen auf der freien Erde. Es kommt darauf an, dass Ihr fühlet im Stehen das Tasten an der Schwere des Erdenelementes. Ihr könnet auf dem Berge oben stehen, auf einem Turm: Ihr empfindet - wie Ihr am Ende Eures Fingers empfindet das Harte und Weiche, das Warme und Kalte -, im Tastprozess empfindet Ihr Eure Einheit, wenn Ihr Euch im Ganzen als Finger denkt, an Euren Fußsohlen, wo Ihr die Schwere empfindet. Das sagt der Hüter der Schwelle, indem er ermahnt, in der folgenden Weise:
O Mensch, ertaste in deines Leibes ganzem Sein,
Wie Erdenkräfte dir im Dasein Stütze sind.
Dass Erdenkräfte unsere Stütze sind, dass das Erdenelement uns stützt, damit wir nicht versinken, das sagt uns der Hüter der Schwelle an dieser Stelle.
Aber dann führt er uns weiter, wenn wir nun fühlen nicht nur, wie wir als ganzer Finger unten aufstehen, sondern wenn wir nun dasjenige, was im Innern des Fingers ist, fühlen: Es ist zunächst das Wasserelement, das Flüssige. Denn alles, was im Menschen ist - das ist selbst äußerlich mit physischer Wissenschaft zu verfolgen -, ist aus dem flüssigen Elemente herausgeboren. Das Feste ist erst aus dem Flüssigen abgeschieden, wie das Eis aus dem Wasser. Wir müssen aufsteigen zum Erfühlen des zweiten Elementes. Da draußen ist überall das Flüssige in der Welt. In uns werden unsere eigenen Bildekräfte aus dem flüssigen Elemente heraus geformt. Es formen uns die Bildekräfte. Unsere Lunge, unsere Leber sind fest geformt, aber sie erstarren aus dem flüssigen Elemente heraus. So, wie wir die Erde fühlen als Stütze, so fühlen wir, indem wir unsere Organe fühlen, aus dem Wasserelemente heraus uns als Mensch gebildet. Die Wasserkräfte sind unsere Bildner; die Erde ist unsere Stütze. Deshalb ermahnt uns der Hüter der Schwelle:
O Mensch, erlebe in deines Tastens ganzem Kreis
— überall können wir tasten, aber wenn wir das Tasten selber fühlen —
O Mensch, erlebe in deines Tastens ganzem Kreis,
Wie Wasserwesen dir im Dasein Bildner sind.
Nun mahnt uns der Hüter der Schwelle weiter. Er mahnt uns, wie wir einheitlich auch werden können mit den Luftgewalten. Die Luft atmen wir ein. Wir können wissen, wenn wir die Luft in unrechter Weise einatmen, dass wir Gefühle bekommen, dass das mit unseren Gefühlen zu tun hat; dass wir Gefühle bekommen, die uns ängstigen, die die Kohärenz unseres Seins durchbrechen. So wie das Wasserelement uns bildet, so pflegt uns das Luftelement. Der Hüter der Schwelle mahnt uns:
O Mensch, erfühle in deines Lebens ganzem Weben,
Wie Luftgewalten dir im Dasein Pfleger sind.
Nun führt uns der Hüter weiter zum Wärmeelement. Mit der Wärme fühlen wir uns ja innig verbunden. Die Erde als Stütze fühlen wir noch außer uns. Von der Art und Weise, wie die Wasserkräfte in uns bilden - während des Wachstums zum Beispiel -, wissen wir wenig; das bleibt im Unterbewusstsein. Ins Gefühl herein dringen die Luftgewalten nur, wenn sie abnorm werden, wenn sie nicht normal wirken. Aber mit der Wärme, wenn wir sie im rechten Maße im Menschenwesen haben, fühlen wir uns einheitlich. Wir werden seelenwarm, wenn wir äußere Wärme empfinden, in unserem ganzen Menschenwesen. Wir erstarren, wenn wir äußere Kälte erleben müssen. Wärme und Kälte sind eins in einer ganz anderen Art in der Elementarwelt mit uns. Das sind weder bloße Stützen, noch Bildner, noch Pfleger, das sind unsere wahren Helfer zum physischen Dasein. Der Hüter der Schwelle ermahnt uns:
O Mensch, erdenke in deines Fühlens ganzem Strömen,
Wie Feuermächte dir im Dasein Helfer sind.
Wenn wir befolgen alles dasjenige, was in dieser Aufforderung liegt, dann werden wir den Weg finden, zunächst unser Leibliches mit den Elementen zu vereinigen im Bewusstsein. Denn in Wirklichkeit ist unser Leibliches eins mit den Elementen. Und in verschiedenen Graden ist unser Leibliches eins mit den Elementen. Zunächst mit dem Elemente der Erde in äußerlich mechanischer Weise: «Stütze» ist uns das Erdenelement; das ist äußerlich mechanisch. Es wird schon innerlicher, aber noch immer etwas, was im Formen und im Gestalten besteht, was noch nicht ins Seelische geht: Wasserwesen bilden uns, sind unsere «Bildner». Nun dringt es völlig ins Moralische herauf, wenn wir mit dem Luftelemente eins werden. Das Luftelement ist nicht mehr bloß ein äußerlicher Gestalter, es ist unser Pfleger. Und unsere Gefühle werden Angstgefühle, wenn uns nicht das richtige Atmen pflegt. Die Luftgewalten sind «Pfleger»; «Helfer», dass wir überhaupt Erdenwesen sein können, «Helfer» sind Wärme und Kälte; das sind Feuermächte. Das ist völlig ins Moralische schon heraufgestellt.
Und so heißt die Summe der Ermahnungen vonseiten des Hüters der Schwelle als die Steigerung, im Steigern der Elemente:
O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich.
[Das Mantram wird nun an die Tafel geschrieben; siche Seite 849:]
Wir haben die Steigerung [an der Tafel wird unterstrichen]; «Stütze», «Bildner», «Pfleger», «Helfer».
Wir haben noch eine andere Steigerung. Denn in einem mantrischen Spruch steht jedes Wort an seiner richtigen Stelle, und es ist kein Wort da, das bloß etwas ausfüllen soll. Alles deckt sich mit dem inneren Sinn, mit dem wir uns vereinen sollen, indem wir einen solchen mantrischen Spruch meditieren. Wir haben eine Steigerung [es wird an der Tafel unterstrichen]: «ertaste», «erlebe», «erfühle», «erdenke». Es ist eine besondere Steigerung. So müssen wir auch den inneren sinnvollen Bau eines solchen mantrischen Spruches meditierend erleben.
Wenn der Hüter dieses gesagt hat, fasst er es noch einmal zusammen in einer Zeile:
[Eswirdan die Tafel;geschrieben:]
O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich.
So hat uns der Hüter der Schwelle geführt zu inneren Sprucherlebnissen, durch die wir unser Leibliches vereinigen können mit den Elementen, zu denen es gehört.
Er leitet uns weiter hinauf in das Seelische. Da weist er uns nicht an die Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer, da weist er uns an die Planeten, an die Wandelsterne. Da weist er uns dahin, wie wir fühlen sollen, wie in dem Kreislauf der Planeten - in demjenigen, was durch die Planeten als Kreise um die Erde gezogen wird - der eine und der andere Planet den Kreis zieht. Die Kreise haben ihr Verhältnis und sprechen miteinander, wenn der Mensch sich seelisch zu diesem Geheimnis der weltenweisenden Sternenmächte, der Wandelsternenmächte erhebt. Dann lebt er sich mit seinem Seelischen ins geistige Reich des Kosmos hinein, wie er sich vorher mit seinem Leibe in das Reich der Elemente hineingelebt hat. Sich eins fühlen mit dem Kosmos - seelenhaft - können wir nur, wenn wir uns ins Reich der Wandelsterne, der Planeten mit ihren Bahnbeschreibungen hineinleben. Das sagt uns der Hüter der Schwelle mit den Worten:
O Mensch, so lasse walten in deiner Seele Tiefen
Der Wandelsterne weltenweisende Mächte.
[Es wird nun an die Tafel geschrieben]
Wiederum fasst der Hüter der Schwelle dasjenige, was in diesen beiden Zeilen als richtunggebende Kraft liegt, als das Einsfühlen der Geheimnisse der Seele mit den Wandelsternen, zusammen in die Zeile:
[Es wird an die Tafel geschrieben]:
O Mensch, erwese dich
— das heißt: mache dich seiend—
durch den Weltenkreis.
Die Weltenkreise der verschiedenen Wandelsterne sind zusammengezogen in den einen Weltenkreis. Damit haben wir Leib und Seele mit der Welt als eins empfunden: den Leib mit den irdischen Elementen, die Seele mit den Wandelsternen.
Wollen wir den Geist eins fühlen mit dem Weltenall, da können wir weder hinschauen zu den Elementen, da können wir auch nicht hinschauen zu den Geheimnissen der Wandelsterne, da müssen wir den Blick hinaufrichten zu den Fixsternen, zu den Ruhesternen. Denn da ist die Macht, mit der wir unseren Geist als eins fühlen müssen draußen im weiten Weltenall, wenn wir im wahren Sinne des Wortes uns als ein Glied dieses Weltenalls fühlen wollen. Da beginnt die Welt in der Weltensphärenmusik zu tönen. Deshalb ermahnt uns der Hüter der Schwelle:
O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen
Der Ruhesterne himmelkündende Worte.
[Es wird nun an die Tafel geschrieben]
O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen
Der Ruhesterne himmelkündende Worte.
Und wiederum fasst der Hüter der Schwelle zusammen, was in dieser Aufforderung steht, in den einen Satz:
O Mensch, erschaffe dich durch die Himmelsweisheit.
Unser Geistsein ist in jedem Augenblicke ein Schaffen unseres Selbst.
[Es wird nun an die Tafel geschrieben]
O Mensch, erschaffe dich durch die Himmelsweisheit.
Wir stehen in diesem Falle, wenn wir richtig empfinden und fühlen, verinnerlicht vor dem Hüter der Schwelle. Wir gedenken, wie ertönt uns hat das Wort von der Selbsterkenntnis aus allen Wesen noch in einer abstrakten Form, wie es an uns herangeklungen ist von allen Seiten des natürlichen und des geistigen Seins. Aber das eine Wort: «O Mensch, erkenne dich selbst!», es ist jetzt in seine einzelnen Glieder auseinandergelegt. Es zerfällt jetzt die eine Aufforderung in eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun Glieder. Das «O Mensch, erkenne dich selbst!» sollen wir gewissermaßen in neun Strahlen sehen. Dann wird es erfüllt von dem, was unsere Meditation braucht.
So sollen wir fühlen. Und so sollen wir gewissermaßen dem Hüter der Schwelle geloben, dass wir seine Mahnung erfüllen:
O Mensch, ertaste in deines Leibes ganzem Sein,
Wie Erdenkräfte dir im Dasein Stütze sind. O Mensch, erlebe in deines Tastens ganzem Kreis,
Wie Wasserwesen dir im Dasein Bildner sind. O Mensch, erfühle in deines Lebens ganzem Weben,
Wie Luftgewalten dir im Dasein Pfleger sind. O Mensch, erdenke in deines Fühlens ganzem Strömen,
Wie Feuermächte dir im Dasein Helfer sind. O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich. O Mensch, so lasse walten in deiner Seele Tiefen
Der Wandelsterne weltenweisende Mächte. O Mensch, erwese dich durch den Weltenkreis. O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen
Der Ruhesterne himmelkündende Worte. O Mensch, erschaffe dich durch die Himmelsweisheit.
Wir fassen eine Art Gelöbnis vor dem Hüter der Schwelle, dass wir das in immerwährendem Gedenken an seine Ermahnungen uns mantrisch durch die Seele ziehen lassen.
Und schauen wir immer wieder und wieder zurück: Bei jedem Schritte fühlen wir uns verpflichtet, uns zu erinnern an das, was diesseits der Schwelle vorgeht. Und diesseits der Schwelle hat uns eben jeder Stein und jede Pflanze, jeder Baum, jede Wolke, jede Quelle, jeder Fels, jeder Blitz, jeder Donner zugerufen:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Wenn so mit der vollen spirituellen Kraft vom Hüter der Schwelle in diesem Raum erklingen die Worte, die er uns als dienendes Glied der Michael-Macht, der regierenden Macht unserer Zeit, zuruft, wenn so diese Worte erklingen, dann können wir, weil von Michaels Macht selber diese esoterische Schule eingesetzt ist, sicher sein, dass Michael weilt mit seiner Kraft, mit seinem Geiste, mit seiner Liebe, dass Michael weilt geistig-seelisch unter uns.
Und das darf auch bestätigt werden — da, wo verantwortlich gefühlt wird dasjenige, was die Schule leitet, gegenüber der Michael-Macht so, dass nichts anderes durch diese Schule strömt als dasjenige, was in dem heiligen Willen Michaels selber liegt -, das darf bekräftigt werden durch Michaels Zeichen und Michaels Siegel; dieses Michael-Zeichen [das Michael-Zeichen wird an die Tafel gezeichnet; siche Seite 848] und das Michael-Siegel, mit dem bekräftigt wird, dass in die wahre rosenkreuzerische Schulung einzieht die Michael-Macht und so verbunden wird dasjenige, was in der Michael-Schule gelehrt wird, mit Michaels Siegel, das die Rosenkreuzer-Stiftung besiegelt in dem Rosenkreuzer-Spruche, der mit den Siegelzeichen versehen also gesprochen wird:
Ex deo nascimur
[die untere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
In Christo morimur
[die mittlere Siegelgeste wirdian die Tafel gezeichnet]
Per spiritum sanctum reviviscimus
[die obere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet]
und das heißt:
[In die untere Siegelgeste wird hineingeschrieben:]
Ich bewundere den Vater
[In die mittlere Siegelgeste wird hineingeschrieben:]
Ich liebe den Sohn
[In die obere Siegelgeste wird hineingeschrieben;]
Ich verbinde mich dem Geiste.
«Ich bewundere den Vater»: indem wir den Spruch «Ex deo nascimur» sprechen, geht das fühlend durch unsere Seele;
«Ich liebe den Sohn»: mit dem Spruch «In Christo morimur» stumm durch die Seele - gefühlt - ziehend;
«Ich verbinde mich dem Geiste»: stumm gefühlt bei dem Spruche «Per spiritum sanctum reviviscimus».
Die Sprüche des Hüters der Schwelle kommen an Euch, meine Schwestern und Brüder, mit Zeichen und Siegel Michaels:
[Es wird das Michael-Zeichen gemacht]
[Es werden die drei Siegelgesten gemacht und dazu gesprochen:]
Ex deo nascimur
In Christo morimur
Per spiritum sanctum reviviscimus.
Die Sprüche, welche in dieser Schule mitgeteilt werden, können nur diejenigen besitzen, die rechtmäßig in die Schule als Mitglieder aufgenommen sind. Diejenigen, die nicht anwesend sein können bei einer Stunde, wo Sprüche gegeben werden, können diese Sprüche erhalten von solchen, die sie in der Schule selbst haben erhalten können. Doch muss, um diese Sprüche zu erhalten, in der Weise erst die reale Erlaubnis entweder von Frau Doktor Wegman oder mir angesucht werden. Dieses Ansuchen an Frau Doktor Wegman oder mich selber kann nur geschehen von demjenigen, der die Sprüche einem andern geben will. Es soll also von vornherein nicht derjenige ansuchen - es hat keinen Zweck -, der sie bekommen will. Er kann zu einem andern gehen, kann ihn bitten, dass er sie ihm gibt; aber fragen muss derjenige, der sie gibt, in jedem einzelnen Fall. Das ist nicht eine Verwaltungsmaßregel, sondern es ist eine okkulte Einrichtung, die bestehen muss, weil die Übergabe beginnen muss mit diesem realen Akte.
Es kann auch nicht - weil das vorgekommen ist, muss ich es im Besonderen sagen -, es kann auch nicht, wenn nicht besondere Gründe vorliegen, sodass eine Verständigung mündlich nicht möglich ist, es kann auch nicht schriftlich angesucht werden, sondern es muss mündlich angesucht werden. Am wenigsten darf innerhalb der Esoterik auch nur der Schein, der fernste Schein eines bürokratischen Wesens sich einleben. Alles muss im Lebendigen stehen wie überhaupt in der Anthroposophischen Gesellschaft.
Dann ist zu sagen, wer mehr nachschreibt als die Sprüche, der ist verpflichtet, das Nachgeschriebene nur acht Tage zu haben und es dann zu verbrennen. Denn es ist nicht gut, wenn die Dinge länger irgendwie verbleiben. Sie können alle möglichen Wege nehmen. Das Esoterische muss so behandelt werden; das ist nicht eine willkürliche Maßregel. Im Esoterischen ist alles aus den wirklichen okkulten Untergründen heraus bestimmt. Und wenn esoterische mantrische Sprüche in unrechter Weise hinauskommen über diejenigen Mitglieder, die dazu berechtigt sind, in realer Weise dazu berechtigt sind, indem sie entweder direkt hier, bei ihrem Sitzen hier die Sprüche erhalten haben, oder sie auf dem angedeuteten rechtmäßigen Wege erhalten haben, - wenn sie an andere kommen, die sie nicht auf einem so rechtmäßigen Wege erhalten haben, verlieren für alle, die die Sprüche haben, diese Sprüche ihre spirituelle Kraft. Das ist ein okkultes Gesetz. Und es gibt eben in der Geisteswelt Gesetze, die nicht übertreten werden können ungestraft. Also es handelt sich nicht um eine willkürliche Maßregel, sondern um die Einhaltung eines okkulten Gesetzes.
Nun habe ich zu verkündigen, dass morgen sein wird wiederum um halb zehn Uhr der Kursus für Pastoralmedizin, um zwölf Uhr mittags der Kursus für Sprachgestaltung und dramatische Kunst, nachmittags um halb vier Uhr der Kursus für Theologen, und abends um achteinviertel Uhr wird ein Mitgliedervortrag sein. Um fünf Uhr wird die Eurythmieaufführung sein. Die nächste esoterische Stunde, die dann abrunden soll diese Michael-Lehren, die bekommen worden sind, wird am Montag um halb neun stattfinden.